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Web Log Teil 209: 11.1.2011 - 18.1.2011

Dienstag den 11.1.2011:Lebensmittelüberwachung - der Fehler liegt im System

Nach dem Dioxinfund kam als zweiter Skandal heraus, dass die Firma dies schon seit 10 Monaten wusste und nichts dagegen getan hat. Wie üblich treten dann Politiker betroffen vor die Presse und kündigen Konsequenzen an. Bis zum nächsten Skandal...

Ich will mal die Situation in Baden Württemberg beschrieben, soweit wie ich das noch von meiner Tätigkeit als Lebensmittelchemiker kenne. Allerdings hat sich seitdem nichts verändert, auch wenn die Untersuchungsämter fusioniert haben. Damals gab es vier Landesuntersuchungsämter für die chemischen Analysen. In jedem arbeiteten etwa 30 Chemiker, dazu ein deutlich kleines Städtisches in Stuttgart. Die Untersuchungen auf Krankheitskeime erfolgten im medizinischen Untersuchungsamt (neben anderen Gesundheitsuntersuchungen) und für Tiere und tierische Erzeugnisse gab es noch das veterinärische Untersuchungsamt.

In unserem Untersuchungsamt, dem größten wurden rund 10.000 Proben pro Jahr untersucht. Nehmen wir das mal 4, dazu noch die Proben aus den medizinischen/veterinärmedizinischen Untersuchungsämtern, so sind es vielleicht 50.000 pro Jahr. Es gibt rund 10,7 Millionen Einwohner in BW, das ist also eine Probe auf rund 200 Einwohner.

Wohlgemerkt eine Probe von allen Lebensmitteln. Egal ob von dem Bienenstich eines kleinen Bäckers, der Wurst eines Metzgers oder von einem Salat aus einer größeren Charge. Gehen sie mal im Geiste durch einen größeren Supermarkt, überlegen sie sich viele Produkte es gibt, dazu noch die vielen kleinen Geschäfte, die Waren produzieren und dann dürfte jedem klar sein, dass die Lebensmittelüberwachung nicht alles kontrollieren kann, nicht mal ansatzweise die Produktion überwachen, zumal es (das zeigt ja gerade der Dixoinskandal) nicht reicht die Endprodukte zu kontrollieren. Es muss die ganze Erzeugungskette untersucht werden.

Doch das kostet Geld und daher ist die Lebensmittelüberwachung traditionell schlecht personell bestückt. In Baden-Württemberg gibt es zwei Hochschulen die zusammen etwa 30 Studenten im Jahr zu Lebensmittelchemikern ausbilden - nicht viel. Es sind nur zwei kleine Studiengänge. Aber bei 120 fest angestellten Lebensmittelchemikern werden maximal 4 im gleichen Zeitraum pro Jahr pensioniert und die Industrie stellt auch nicht viele ein. Von drei Semestern die ich persönlich kenne hat nru einer eine Anstellung beim Staat bekommen.

Die Politik jammert, beschließt nutzlose Gesetze wie das Verbraucherinformationsgesetz (in Wirklichkeit gibt es eben keine Information). Sie hat sowieso wenig Macht, auch wenn das anders aussieht - die wesentlichen Gesetze über Kennzeichnung, Rückstände und zugelassene Zusatzstoffe werden seit langem in Brüssel beschlossen.

Mittwoch 12.1.2011: Steven Jobs oder Bill Gates?

Nein, es geht nicht darum, wer der bessere Programmierer oder Geschäftsmann ist. Bei meinen Recherchen für mein nächstes Buch "Computergeschichten" ist mir eine andere Frage gekommen - wer von beiden ist der bessere Chef? Oder mit wem wollen sie befreundet sein?

Nun unstrittig ist, dass Bill Gates sicher nicht jemand ist, denn man als Konkurrenten haben will. Die von ihm initiierten Praktiken sind berüchtigt: Produkte ankündigen die erst in Jahren erscheinen, Demos von Produkten zeigen die nie erscheinen oder wenn nichts hilft dann eben die Software verschenken und Milliarden Verlust machen (IE) bis der Konkurrent pleite ist. Auf der anderen Seite ist zwar die Bezahlung bei Microsoft mies (oder sie war es mal), aber es gab wenigstens die Aktienoptionen als Ausgleich.

Als Apple an die Börse ging gab Wozniak von seinen Anteilen an Apple einige an andere Entwickler ab - nicht jedoch Steve Jobs und Mike Markkula. Also hier 1:0 für Bill Gates. Im persönlichen Umgang geben sich beide nichts. Bill Gates gilt als cholerisch, wenn ihm etwas nicht passt schreit er andere an, auch grundlos. Berüchtigt sind seine Emails wenn er den Code anderer durchsieht und kommentiert "Das größte Stück Dreck das ich jemals gesehen habe". Auf der anderen Seite meiden Apple Angestellte es mit Steve Jobs in einen Fahrstuhl zu steigen. Er neigt dazu einen mit einer Frage zu bohren und rastet genauso wie Bill Gates aus wenn man sie nicht beantworten kann. In der Tendenz ist er noch etwas schlimmer. Er verachtet Menschen die nicht gut genug für seine Ansprüche sind und gilt als Menschenschinder.

Also mindestens 2:1 für Bill Gates.

Das letzte und entscheidende ist für mich: wie geht man mit Freunden um? Ich habe jetzt keine Konflikte zwischen Gates und Allen gefunden. Alle die später zu Microsoft kamen hatten ja nur ein Angestelltenverhältnis. Selbst Steve Ballmer dürfte bleiben, obwohl die von ihm geleitete Windows 1.0 Entwicklung zum Fiasko wurde. Auf der anderen Seite verdankt Jobs seinen Erfolg Wozniak. Er konstruierte die Hardware die ein Erfolg wurde und nachdem er ausschied ging's ja auch mit Apple den Bach runter. Und da gibt es zwei Episoden die für sich sprechen: Jobs erhält von Atari den Auftrag die Schaltung für Breakout zu entwickeln - die Arbeit macht vor allem Wozniak. Er gibt dann Woz 350 Dollar, das wäre die Hälfte der Summe die er bekommen hat. In Wirklichkeit hat er (je nach Quelle) 5.000 oder 7.000 Dollar erhalten. Super wenn man so den Freund bescheißt und 90-95% des Geldes behält.

Nach seinem Ausscheiden aus Apple (aus eigenem Wunsch, ohne Krach) widmet sich Woz der Konstruktion programmierbarer Fernbedienung. Sicher nicht das große Geschäft und sicher auch nicht eine Konkurrenz für Apple. Wozniak wendet sich an Frog Design für die Konstruktion des Gehäuses. Als Steve Jobs davon erfährt droht er der Firma alle Aufträge zu stornieren, wenn sie für Wozniak arbeitet.

Seine erste, 1978 geborene Tochter hat er sein Leben lang nicht anerkannt. Angeblich war er zeugungsunfähig, was allerdings spätere Kinder wi

Nein Freunde sind wirklich was anderes....

3:1 für Gates.

Donnerstag 13.2.1011: Die Steuerreform von FDP und der Linken

Wie aus gut unterrichteter Quelle verlautet, wird es bald einen neuen Vorschlag für die Vereinfachung des Steuersystems. Erstaunlicherweise konnten sich dabei die sonst so verfeindeten Parteien "Die Linke "und die FDP sich einigen.

Das neue Konzept sieht so aus:

Es gibt ein garantiertes Grundeinkommen von 9.000 Euro. Hat jemand ein geringeres Einkommen, so gibt es einen staatlichen Zuschuss bis zu 9.000 Euro (750 Euro/Monat). Damit werden alle anderen staatlichen Leistungen (ALG-II, Rentenzuschuss) abgelöst.

Jeder Euro der mehr verdient wird, muss anfangs mit 35% versteuert, wobei der Satz linear absinkt um bei 50.000 Euro 0 % zu erreichen. Alle darüber gehenden Einnahmen sind dann steuerfrei.

Guido Westerwelle begrüßte das neue Konzept: "Es ist für unsere Wähler eine bedeutende Steuererleichterung, die sonst immer den Hauptteil der Steuerlast tragen müssen". Weiterhin leisten diese wertvollen Mitglieder der Gesellschaft alleine durch die Mehrwertsteuer einen höheren Beitrag als alle anderen Gruppen. Alleine die Mehrwertsteuer die beim Kauf einer Luxusjacht fällig wird, beläuft sich auf über 1 Million Euro. Wir sind von dem Steuerkonzept deswegen so überzeugt, weil es die Personen dazu animiert mehr zu verdienen, denn mit höherem Einkommen wird die Steuerbelastung prozentual niedriger. Das ist das was die FDP schon seit Jahrzehnten predigt. Es würde auch zur Reduktion der Schwarzarbeit führen, schließlich sind Handwerker schon heute Spitzenverdiener."

Auch Georg Gysi war voll des Lobes: "Es hat uns erstaunt, dass wir ausgerechnet mit der FDP einig werden konnten, doch war sie die einzige Partei die offen für unser Grundversorgungskonzept war. Der Betrag von 1.000 Euro pro Monat war nach eingehenden Konsultationen nicht zu halten. Doch wir können auch mit 750 Euro leben, zumal der Betrag für jeden ausgezahlt wird - auch Kinder und Rentner.

Die Konsultationen gehen weiter. Die Grünen halten den Vorschlag für diskussionswürdig, möchten aber 10% der Steuereinnahmen für den ökologischen Wandel investiert sehen.

CDU und SPD Sprecher sprachen unisono von einer Benachteiligung der mittleren Einkommen, welches mit Ihnen nicht zu machen sei. Doch angesichts des Verlusts an Wählerstimmen bei den früheren Volksparteien ist dies kein Hindernis mehr. Merz signalisierte Zustimmung - sofern die Steuererklärung auf einen Bierdeckel passt. Seehofer machte seine Zustimmung von einem Bier/Weißwurstzuschuss in der Höhe von 60 Maß und 240 Weißwürsten pro Monat abhängig.

Samstag 15.1.2010:Man muss die Arbeit lieben...

... zumindest wenn man sie selbstständig ausübt. Ich bin darauf gekommen, weil ich gerade von Robert X.Cringley "Unternehmen Zufall" lese. Also ich lese ja gerade parallel an so fünf Bücher über die PC-Geschichte, zwei alten und drei neuen und da ist dieses auch dabei. Ich habe mir von dem Buch viel erhofft, weil ich von ihm eine Dokumentation kenne die auch in Deutschland ausgestrahlt wurde mit dem gleichen Titel un die war, vor allem durch die Interviews von Gates, Baller, Jobs, Wozniak, Loewe etc. sehr gut.

Das Buch ist es nicht. Ich weiß nicht was den Autor geritten hat es zu schreiben. Man erwartet PC Geschichte und erhält Cringleys Gedanken zu Personen der PC Geschichte und zwar in einer Form - das sind die Freaks und "wir" sind die normalen. Keiner kommt gut weg, selbst Leute die er persönlich kennt wie Mitchell Kapor. Meistens wird nur von "Computerfachidioten" gesprochen. Überhaupt hat Cringley andere Definitionen als andere: So ist jeder der programmiert ein "Hacker", schließlich hackt er pausenlos auf das Keyboard ein. (Das gilt allerdings auch für Journalisten und Autoren)...

Ich weiß nicht, ob er noch heute dem entgangenen Reichtum als Apple Angestellter No 12 nachtrauert. Das Buch ist auf jeden Fall schlecht, nicht mal die Fakten stimmen. So wurde der Apple I entwickelt weil Woz vor seinen Freunden angeben wollte (genau das Gegenteil ist der Fall - er war relativ scheu und machte den Rechner für sich) oder er sagt Gary Kildall sagte nach dem Buch einmal "Fragen Sie doch mal Bill warum das Terminierungszeichen in BDOS Funktion 6 ein Dollarzeichen ist - in CP/M und MS-DOS. Das weiß er nicht, das weis nur ich". Das Zitat ist echt nur ... BDOS Funktion 6 holt die Speichergröße und gab es nur bis CP/M 1.4. Was gemeint ist (und auch woanders korrekt zitiert wird) ist das es sich um Funktion 9 (Console WriteString) handelt...

Wie schon gesagt, der Autor hätte das Buch besser gelassen. Mich wundert nur, dass er 4 Jahre später dann eine wirklich gute Fernsehserie hinbekommen hat und da so viele Promis mitmachten, obwohl die meisten doch sehr schlecht wegkommen im Buch. Bill Gates nicht nur mit seinem Geschäftsgebaren, sondern auch der Schilderung seines Privatlebens, inklusive Anekdote wie sich der Multimillionär in der Kasse vor dem Supermarkt ein Eis zahlen lässt, weil er kein Geld in der Tasche hat.

Nur die Arbeit zu machen reicht nicht, wenn man jenseits eines abhängigen Arbeitsverhältnisses ist. Da mag es reichen, nur das zu tun was verlangt wird, manche Arbeit ist ja auch so stupide, das weder Phantasie noch Begeisterung verlangt wird. Wenn das Einkommen oder auch nur Arbeitsergebnis davon abhängt, wie sehr man an der Sache interessiert ist, wie begeistert und wie intensiv man sich damit beschäftigt, dann sollte man nur das machen was einem Spaß macht.

Ich vermute Cringley war auch begeistert, aber eben negativ. In dem Buch steckt seine Wut darüber eben nicht reich geworden zu sein, nur fast funktionierende Programme und nicht funktionierende Hardware fertiggebracht zu haben. Das treibt einen auch an, aber es gibt kein gutes Ergebnis.

Also ich habe mir das zu Herzen genommen: Mein Buch "Computergeschichten" hängt mir am Herzen und ich denke es wird gut werden. 200 Seiten Konzept sind schon fertig und es werden täglich einige mehr. Umgekehrt ist jetzt erst mal die Luft raus aus Raumfahrtthemen, sodass da (außer dem schon in der Pipeline befindlichen Manuskript) dieses Jahr nichts neues kommen wird. Erst wenn ich wieder Lust an einem neuen Thema habe schreibe ich was neues.

Spaß macht mir jedes Semester mehr auch der Unterricht an der DHBW, also entweder werden die Studenten immer besser oder ich besser. Egal, heute waren 6 Unterrichtsstunden nicht so ermüdend wie letzte Jahr nur 4 an einem Tag.

Besteht eigentlich Interesse an den Videofolgen von "Unternehmen Zufall"? Ich habe sowohl die deutschen wie auch die rund 10 Minuten längeren Originale und könnte sie mal auf einen Filehoster hochladen, wenn es Interesse gibt.

Sonntag 16.1.2010: Gemietete Anwendungen?

Gestern lass ich in der ct eine Satire als Editional, welche das Konzept der Tintenstrahldrucker auf ein ipad überträgt - ohne "virtuelle Tinte" bleibt der Bildschirm weiß, dafür kostet das ipad nur 39,80 €. Ich dachte mir beim Durchlesen - das wäre für mich, der sich für so was nur als Buch-Ersatz interessiert sogar interessant - da braucht man wenig virtuelle Tinte, zumindest verglichen mit Bildern, Webseiten und Videos.

Irgendwie erinnerte mich das Grundkonzept - für die Nutzung von Hardware zu zahlen - an was anderes, das nun nach 10 Jahren erst im Kommen ist. Mitte der neunziger Jahre propagierte Larry Ellison, Chef von Oracle den Netzcomputer. Wenn man sich ihn so hört, hat er recht - warum soll man einen Computer installieren, dauernd auf dem neuesten Stand halten und dafür noch viel Geld für die Hardware ausgeben? Er sagte damals, dass kann man sich doch alles aus dem Netz holen. Der Computer wäre ein Thin Client, also nur Prozessor mit Speicher und Netzanschluss.

Aus Anwendersicht ist das sicher ein viel einfacher zu wartbares Gerät. Ellisons Gedanke war wohl auch, dass die Karten neu gemischt werden - Microsoft hätte da keine Macht mehr gehabt, auch wenn der Hersteller natürlich durch die Bootvorgaben noch mehr Macht hat als heute Microsoft.

Das ist damals gescheitert, dass es weder die dazu notwendigen Breitbandnetze gab, noch einen Prozessor der Java schnell genug ausführen konnte - Java war als interpretierte, plattformübergreifende Sprache mit den Fähigkeiten für Remote Access als Sprache auserkoren.

Heute ist beides verfügbar, aber weil ein PC heute weniger als die Hälfte von damals kostet und die Festplatte, die man als einziges einsparen kann, davon vielleicht 50 bis 80 Euro ausmacht gibt es so was nicht im Consumermarkt, ich habe die Dinger aber schon bei Büroarbeitsplätzen gesehen. Dort läuft aber normales Windows drauf und nur ein Fileserver übernimmt das Hosten aller Daten inklusive Backups.

Was aber wiederkommen könnte, ist das Grundkonzept: Ich installiere mir eine Anwendung nicht lokal, muss mich um die Updates etc. kümmern, sondern ich nutze sie nur übers Web. Microsoft und Google entwickeln schon Online-Offices. Die sind noch nicht für alle geeignet, was vielleicht daran liegt das es noch immer zu langsam ist - ich denke mit Java sollte es schnell genug gehen, aber meistens wird mit Ajax gearbeitet.

Ich weiß auch nicht ob Office als eine Anwendung die man recht häufig benutzt und die auch ziemlich komplex ist. Aber wenn ich mal Revue passieren lasse - so viele Anwendungen benutze ich nicht regelmäßig - Openoffice, WebExpression, Delphi, PicturePublisher und einige Tools. Viele Sachen braucht man aber nicht regelmäßig. Manche dinge sind nach einiger Zeit langweilig, so viele Spiele9. Warum also nicht nur für die Nutzung zahlen. Einen Dienst für die Online Steuererklärung gibt es schon - solange kostenlos, bis man sie abschicken will, was natürlich auf einen Bezahlservice rausläuft, denn wer will denn alles nochmal dann in das Formular von Hand eintragen.

Die Steuererklärung, die man nur einmal pro Jahr ausfüllen muss ist sicher auch dafür prädestiniert. Das ganze ist auch grafisch nicht anspruchsvoll. Nur zeigt sich da auch der Nachteil des ganzen: In der Regel werden dann auch die Daten extern lagern. Das mag mehr Sicherheit in Bezug auf Ausfälle von Festplatten geben, denn ich gehe mal davon aus, dass diese Server als RAID mit Backup angelegt sind. Auf der anderen Seite liegen dann persönliche Daten beim Anbieter - am brisantesten vielleicht die Steuererklärung. Da gehört schon viel Vertrauen in den Service. Doch denke ich kann man das lösen indem alle Daten bei Erstellen mit einem Passwort verschlüsselt werden - es muss dann beim Öffnen erneut eingegeben werden. Wird das Passwort als Basis für eine sichere Verschlüsselung wie AES genutzt, dann sollte aber auch das Problem gelöst sein.

Wie der eine oder andere bemerkt hat, gab es am Freitag erst spät einen Blog und Samstags gar keinen - zum einen, weil ich am Freitag nun meine Vorlesungen halte, also wenig Zeit habe. Zum andern fallen mir gerade nicht so viele Themen ein. Es wäre mal Zeit für ein paar Gastblogs...

Dienstag 17.1.2011: Entschleunigung

Es gibt so ein paar neue Modewörter. Das eine ist das "Real life". Nein nicht die Gruppe aus den Achtzigern mit den Hits "Send me an Angel" und "Catch me im Falling". Das nicht-virtuelle Leben wird damit bezeichnet, was an und sich schon komisch ist. Wenn man eine Vorsilbe platziert, dann sollte das eher beim virtuellen Leben geschehen.

Eine zweite ist Entschleunigung. Das zeigt schon wie das Leben immer hektischer geworden ist. Auf allen Gebieten. Firmen legen Geschäftsberichte im 3-.Monatsabstand vor, was sehr kontraproduktiv für einen langfristigen Erfolg oder das Investieren in die Zukunft ist. Privatpersonen meinen dauernd erreichbar zu sein, oder dutzende von Kurznachrichten jeden Tag zu verfassen, oder twittern ihr Seelenleben ins Internet hinaus. Ich frage mich immer woher die Leute überhaupt so viel Material haben um zu schreiben - ich tue mich schon mit den täglichen Blogs schwer.

Auch im Berufe´sleben geht es immer hektischer zu und in vielen Branchen sind Überstunden gang und gäbe. aber auch so im Leben wird alles schneller. Selbst Filme. Ich habe mal beim SWR nachgefragt warum sie eine Serie aus den Siebzigern auf deren Wiederausstrahlung ich mich so gefreut habe nicht in voller Länge zeigten, sondern zusammengeschnitten und bekam die Antwort: "Weil die Schnitte von damals nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten entspricht". Man muss nur mal einen Actionfilm von heute mit einem aus den Achtzigern vergleichen, von Videos für Musik mal ganz zu schweigen.

Ich muss dazu sagen, dass ich dem auch manchmal erliege und mein MP3 Spieler mich bei allen Wegen und Besorgungen begleitet wo ich mehr als 10 Minuten unterwegs bin. Immerhin komme ich im Urlaub noch ohne Internet, Computer und Telefon aus, was mich schon von einem Großteil der heutigen Abhängigen von modernen Kommunikationsmitteln unterscheidet.

Die Frage ist wir es dazu kommt: ist es ein Gesellschaftliches Phänomen oder eine Folge der Technik: Vor 20 Jahren gab es eben Nachrichten im Fernsehen und Zeitungen und kein Internet, erreichbar per Telefon war man wenn man in der Nähe des Telefons war, und nicht dauernd. Oder ist es eine Folge der Entmenschlichung der Arbeitswelt, die ja auch Menschen nur noch als Human Ressources ansieht und die müssen eben optimal ausgebeutet werden, bis sie ausgebrannt sind?

Was meint ihr dazu?

Mittwoch 18.1.2010: Katzen auf Rezept

MiezenPassend zum gestrigen Eintrag mal ein Tipp zur Entschleunigung: Katzen. Ich meine, jeder der die Möglichkeit hat und gestresst ist, sollte sich eine Katze halten. Also zur Möglichkeit: es klappt nicht, Katzen nur in einer Wohnung zu halten, auch wenn das viele tun. Ich kenne keine Katze, die nicht raus will, auch wenn ihr Revier nicht viel größer als ein Einfamiliengrundstück ist.

Katzen haben eine sehr beruhigende Wirkung. Kein anderes Tier kann sich so in die Arme oder den Schoss anschmiegen, sich so behaglich räkeln und hat so ein weiches Fell. Dazu schnurrt sie und hat dadurch eine sehr beruhigende Wirkung auf das vegetative Nervensystem. Nicht umsonst haben die Tribbles aus Star Trek diese Eigenschaften einer Katze geerbt.

Weiterhin ist die Katze das ideale Tier für den berufstätigen Menschen. Zum einen ist der Aktivitätszyklus der Katze so, dass sie tagsüber meistens schläft oder wenig tut und zur Dämmerung und in der frühen Nacht wird sie dann aktiv - also gerade dann wenn man als Berufstätiger zur Hause ist. Sie kann anders als Hunde dazu erzogen werden in ein Katzenklo zu schissen, bzw. alle Katzen die ich hatte haben dass auch ohne Erziehung schon gekonnt. Noch besser für Gartenbesitzer: Katzen scheissen nie in den eigenen Garten, dafür ist der Nachbarsgarten sehr beliebt.

Für cholerische und laute Menschen, wie auch für Kinder haben Katzen eine sehr lehrreiche Eigenschaften. Anders als Hunde sehen Katzen in einem keinen Rudelführer, sondern (zumindest nach einer Theorie) als die Mutter, welche sie füttert. Darauf deuten einige Verhaltensweisen, wie das Treten in den Bauch (um den Milchfluss zu fördern) hin. Eine Katze wird zutraulich und freundlich sein, wenn man sie gut behandelt und wenn man dies nicht tut wird sie ängstlich sein oder Reißaus nehmen. Laute Töne mögen Katzen gar nicht. Das ist auch gut für die eigenen Umgangsformen. Dabei sind sie nicht bestechlich. Mit noch so vielen Leckerli wird man kein wohlfähriges Verhalten erkaufen können. Das man bei einer Katze nicht vorhersehen kann was sie zum Essen mag ist ein Thema für sich.

Für den Urlaub benötigt man aber eine Vertretung, also jemand der zweimal pro Tag füttert und eventuell das Katzenstreu wechselt, denn Katzen sind reviertreu, man kann sie nicht einfach mal für ein paar Wochen aus dem Revier herausreißen. Doch auch das ist verglichen mit dem Hund, wo man jeden Tag Gassi gehen muss ein kleines Problem.

Kurzum: es ist kein Zufall, dass die Katze das liebste Haustier der Deutschen ist und es sollte es eigentlich als Therapie für gestresste Leute oder andere, die an Burnout leiden. Wenn erst mal eine Katze bei einem liegt, dann steht man nicht so schnell auf. Es ist Entspannung pur... Also ich frage mich warum man sie nicht auf Rezept bekommt. das würde der Krankenkasse viel Geld ersparen.

Donnerstag 20.1.2010: Wofür arbeitet man?

Das ist eine gute Frage. Ich denke, es gibt drei Beweggründe dafür:

Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen den ersten beiden und dem dritten Punkt. Die ersten beiden sind psychologische Gründe. Sie machen die Leute zufriedener oder glücklicher. Das ist ein starker Antrieb für eine Arbeit. Der dritte ist nicht physiologisch. Er ermöglicht uns mit dem Geld dann Dinge zu tun, die uns glücklich oder zufrieden machen. Technische Spielzeuge kaufen, ein tolles Haus mieten. In die Südsee fahren....

In einer idealen Gesellschaft würden wir nur Arbeit machen um den ersten beiden Punkten zu folgen und Punkt 3 ist ein Nebeneffekt den wir brauchen, um die Arbeit anderer zu bezahlen.

Das Problem ist das dies nicht so klappt. Weil es immer Arbeiten gibt, die begehrter oder attraktiver sind als andere. so bewarben sich dieses Jahr über 20.000 Mädchen für "Germanys Next Top Modell", ich habe meine Zweifel, dass es so viele geben wird, die sich für den Job als Müllmann/frau interessieren. Auch bei den Studiengängen gibt es "in" Studiengänge mit nur geringen Chancen auf Anstellung, weil so viele das Fach wählen.

Das ist ja nicht neu, sondern war schon immer so. Früher war es die Arbeit als Bauer, die dazu diente die Nahrungsmittel der Gesellschaft zu produzieren. Die Arbeit war so beliebt, dass es Gesetze gab wonach der Sohn eines Bauers wieder Bauer werden musste. Später war es die Arbeit in den Fabriken. Machen wir uns nichts vor: auch wenn man gerne es hätte das jeder das macht was ihm gefällt, aber es wird nicht funktionieren.

Das Problem ist in meinen Augen, das sich das mit dem dritten Punkt und der Ersatzbefriedigung "Geld" verselbstständigt hat. Viele Leute sehen in einem Job nur noch, wie viel sie verdienen können. Reicht das nicht mehr aus, so wird gewechselt oder es gibt einen Nebenjob. Als Normalsterblicher meint man, dass man irgendwann genug hat. Sicher ist das Level unterschiedlich. Für einen mag ein Vermögen von 1 Million Euro reichen, um sein ganzes Leben sorgenlos zu leben. Andere, die gerne aus goldenen Tellern essen oder einen Privatjet für ihr Ego benötigen, für die dürfte das nicht reichen. Aber selbst dann müssten Jahresverdienste, wie sie bei Spitzenmanagern oder Fußballspielern üblich sind im zweistelligen Millionenbereich ausreichen. Trotzdem sind gerade diese noch mehr hinter dem Geld her. Ein Fußballspieler wechselt den Club wenn es dort ein besseres Honorar gibt und ein Manager die Firma. Es geht dann nicht mehr um persönliche Befriedigung die sich vielleicht in dem Erfolg des Clubs oder der Firma äußert, sondern um noch mehr Geld.

Das ist ein Phänomen, dass sich das verselbständigt hat. Natürlich besteht die Gefahr auch bei den ersten beiden Punkten, doch da ist es nicht so das Befriedigung und Anerkennung beliebig vermehrt werden können. Das ist zwar bei Geld auch nicht möglich. Aber es ist in Maßen ziemlich vermehrbar - siehe die Spitzengehälter in bestimmten Branchen, welche das Lebenseinkommen Normalsterblicher um ein vielfaches übersteigen.

Solange das ein Problem einzelner ist - und es gibt solche Leute - ist das kein gesellschaftliches Problem. Zu einem gesellschaftlichen Problem wird es wenn das Geld das einzige ist was zählt, was heute leider der Fall ist und es auch nicht mehr "Beruf" (kommt von Berufung) sondern Job heißt - nicht mal "Arbeit". Der eine oder andere mag das gleichsetzen, doch ich verstehe darunter das Wechseln von Arbeit im kürzeren Zeitspannen oder sogar den Zustand dass man mehrere Jobs braucht um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, genauso wie es in den USA gang und gäbe ist. Es ist daher auch kein Wunder, dass die Agentur für Arbeit sich nun "Jobcenter" nennt, denn es geht ja nur darum die Leute möglichst schnell in was zu vermitteln wo sie dann den Staat kein Geld mehr kosten. egal ob dies ihnen gefällt oder nicht oder sie dafür qualifiziert sind oder nicht.

Warum ist dem so? Vielleicht weil gerade die Sorte von Menschen die nur nach dem Punkt 3 streben in der Hierarchie nach oben rücken. Andere sind eben früher zufrieden und sehen nicht ein, sich abzuhetzen, wenn es ihnen reicht. Und weil die meisten Menschen davon ausgehen, dass alle so denken wie sie selbst, stellen diese Personen dann die Norm, dessen was gesellschaftlich gewünscht oder "normal" ist. So bestimmen wenige Ausnahmen darüber was für viele als "normal" oder "erstrebenswert" gilt. Wenn Leute die sich dem verweigern schon als "Aussteiger" gebrandmarkt werden, dann zeigt das wie weit es schon gekommen ist....


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