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Web Log Teil 209: 21.1.2011 - 27.1.2011

Freitag den 21.1.2011: Das Ende des mechanischen Stoffwechselbildes

Nun für die meisten werde ich erst mal erklären, was ich damit meine, da es kein Fachausdruck ist, sondern etwas was ich erfunden habe und verwende. Vielleicht mal zu der Entstehung.

Die Chirurgie hat ein mechanisches Bild vom Menschen. Wenn was nicht richtig funktioniert, dann wird es geflickt, die kaputten Teile entfernt oder künstliche Ersatzteile eingesetzt. Das klappt heute überall - angefangen vom Gipsen eines gebrochenen Arms bis zum künstlichen Herzen.

Ich vermute mal der Erfolg dieses Bildes hat zu einem Bild über den Stoffwechsel geführt, das genauso ist. Also das funktioniert wie folgt:

usw....

Nur ist das meiner Ansicht nach falsch. Schauen wir uns mal auf der Welt um, was die Leute so essen und welche Krankheiten sie haben und wie alt sie werden, dann gibt es enorme Unterschiede. Es gibt Völker die essen sehr viel tierische Nahrungsmittel. Manche den so als positiv propagierten Fisch, aber andere wie die Massai vor allem Milch und Rindfleisch. Andere sind vegetarisch. Dabei gibt es Widersprüche. So werden die Japaner recht alt, doch ist bei ihnen Magen- und Darmkrebs deutlich häufiger als bei uns.  Wenn Fisch so gesund sein soll, so schlägt sich das im Mittelmeerraum nicht in einer höheren Lebenserwartung nieder - Herz- und Kreislaufkrankheiten sind dort zwar seltener als wie bei uns, dafür sterben die Leute an anderen Krankheiten. Sie werden aber nicht älter als wie in Mitteleuropa.

Kurzum, wenn man versucht irgendwie einen Faktor für einen Effekt verantwortlich zu machen, egal ob es sich um Omega-3 Fettsäuren,. Wirkstoffe in Rotwein (je nach Autor andere) oder Olivenöl - man findet immer Länder wo man Gegenbeispiele zu anderen Ländern aufstellen kann.

Nun warum beschäftige ich mit Ländern? Es ist bei der Ernährung praktisch unmöglich einen Faktor zu isolieren. Wie soll das gehen? Bei Ernährungsfragen muss man um die Auswirkungen zu quantifizieren, zwei große Kollektive haben die man lebenslang oder zumindest sehr lange (mehr als ein Jahrzehnt) absolut identisch ernährt uns sie sich nur um einen Faktor unterscheiden. Also die eine Gruppe nimmt dauernd Omega-3 Kapseln ein und die andere nicht.

Das ist praktisch nicht machbar. Also untersucht man sehr große Kollektive mit ähnlichem Essverhalten und vergleicht sie. Eben Völker.

Meiner Ansicht nach ist aber der gesamte Ansatz falsch. Ich denke es gibt bei allen Grundnährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen einen Grundbedarf, dass ist weitgehend gesichert. Darüber hinaus kann der Körper mit unterschiedlicher Nahrung zurecht kommen, schlussendlich sind die Stoffkreisläufe ja auch so miteinander verwoben, dass aus Fett und Aminosäuren Kohlenhydrate gebildet werden, aus Kohlenhydraten Fett und Aminosäuren ineinander umgewandelt werden können.

Und die Völker eigenen sich auch nicht als Vergleich, weil es außer dem Essen auch andere Faktoren gibt welche für Krankheiten und die Lebenserwartung wichtig sind. Wie wirkt es sich aus, wenn bei einem Volk fast jeder eine Siesta täglich nimmt? Wie wirkt sich eine stressige Lebensweise aus, wo alle nach Geld herjagen und wie eine bei der man abends gemütlich bei einem Gläschen Wein in Gesellschaft verbringt? Es gibt so viele Stressfaktoren im Leben die auf die Gesundheit schlagen, dass die Ernährung nur ein Faktor ist.

So kennt man aus der Vergangenheit einige Empfehlungen die inzwischen revidiert wurden.

Und nun, das habe ich gestern als letztes gelesen: Frzctose als Zuckerersatzstoff ist in großen Mengen ungesund, führt zur vermehrten Fettbildung und Fettleber. Es kommt noch besser: Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und Soziales hat den gesamten §12, also die Verordnungen für Lebensmittel bei der Ernährung bei Diabetes Melitus gestrichen. Nachdem das nachgeordnete Bundesinstitut für Risikobewertung seine Meinung revidiert hat ist nun die Empfehlung für Diabetiker sich normal zu ernähren, also nicht speziell auf Broteinheiten oder nur auf eine kohlenhydratarme Ernährung zu achten!

Mal sehen wie lange das dauert bis sich das auch bei den Ärzten und Fernsehköchen rumspricht ....

Samstag 22.1.2010: Steve Jobs

Als am Montag Steve Jobs ankündigte bei Apple sich aus dem operativen Geschäft aus gesundheitlichen Gründen zurückzuziehen, sanken die Apple Aktien um 8%. Als vor ein paar Jahren Bill Gates sich aus Microsoft zurückzog hatte das keinen Einfluss auf die Microsoft Aktien. In der Tat ist Steve Jobs hier eine Ausnahmeerscheinung. Es gab einige PC-Pioniere, aber keiner von Ihnen kann einen Lebenslauf wie Steve Jobs aufweisen. Entweder sie kamen durch Glück zu Reichtum und Macht, oder sie erarbeiteten es sich.

Das ging entweder den Bach runter oder machte sie reich und sie blieben bei ihren Firmen wie eben Gates oder Dell.  Aber keiner von ihnen hat eine gute florierende Firma verlassen um neu anzufangen, war zumindest bei einer von zwei Firmengründungen erneut erfolgreich (3/4 seines Vermögens sind heute Disney Aktien, nachdem diese PIXAR aufgekauft haben) und ist dann zu seiner ehemaligen nun fast bankrotten Firma zurückgekehrt und hat sie erneut zum Erfolg geführt.

Was ist das Geheimnis von Steve Jobs? Nun er ist nicht der Hardware Freak wie Wozniak, er ist wie Bill Gates primär Geschäftsmann. (auch wenn Gates sich als Superprogrammierer sieht, scheinen meinen Recherchen nach seine Fähigkeiten diesbezüglich nur mittelmäßig zu sein). Sein Talent scheint es zu sein zu sehen was die Leute wollen und seine Leute dazu zu bringen das in Produkte umzusetzen. Es ist erstaunlich, welchen Aufstieg Apple in den letzten 13 Jahren genommen hat - nicht dass die Firma nun wichtiger im Computergeschäft ist - der Marktanteil ist sogar noch kleiner als zur Zeit bevor Jobs zurückkehrte, aber er sah die Möglichkeiten in neuen Tätigkeitsgebieten wie MP3-Playern, Smartphone oder eben dem iPad, das ja schon selbst eine eigene Kategorie ist. Vor allem aber sah er die Möglichkeit mit Music Geld zu verdienen, irgendwie haben das damals die Musiclabels ja nicht so gesehen oder meinten dem User ihre Bedingungen aufdrücken zu können.

Das ist vielleicht nicht so etwas besonderes. Jeder von uns sieht ab und Gelegenheiten wo man was verdienen kann und mit dem Geld das Jobs zur Verfügung hat kann man davon einiges umsetzen. Aber es scheint etwas außergewöhnliches im Computerbusiness zu sein, denn Bill Gates zog es vorher anstatt seine Firma zu diversifizieren, Standards zu setzen und meinte mit seiner Marktmacht setzt er sie durch. Das ist bei seinen Webtechnologien gescheitert und auch seine Versuche mit MSN Plattformen wie Bing erfolgreich zu sein, waren nicht besonders von Erfolg gekrönt.

Offensichtlich hängt Apples Erfolg von Jobs Ideen ab - zumindest nach Ansicht der Anleger. Hoffen wir für die Firma dass dem nicht so ist.

Sonntag 23.1.2010: Ach ja SpaceX...

Es ist erstaunlich, es gibt doch fast jeden Monat was zu der Firma zu schreiben. Nun bewirbt sich die Firma um die zweite Runde der CCDev 2 Gelder, also Entwicklungszuschüsse der NASA für kommerzielle Transporte. Die erste Runde war letztes Jahr, da ging sie noch leer aus.

Nun soll die Dragon mit einem integrierten Raketenantrieb ausgestattet sein. Also nicht mit einem Fluchtturm, den man nach dem Start absprengt. Ob das so eine gute Idee ist? Es gibt da einige Einwände, die ich habe. Zum einen wird das Teil in den Orbit und zurückgebracht und kostet Nutzlast. Bei Apollo und Mercury war der Fluchtturm nicht gerade leicht. (Bei Mercury 581 kg verglichen mit 1354 kg der Kapsel - würde man das auf die Dragon übertragen so wäre die Nutzlast sogar negativ)

Das nächste ist das ein System zur Abtrennung einer Kapsel bei einer Explosion und für eine weiche Landung (wofür es auch dienen soll) zwei unterschiedliche Dinge sind, mit unterschiedlichen Anforderungen: Im ersten Fall hoher Schub über kurze Zeit, im zweiten Fall geringer Schub über etwas längere Zeit. Ich weiß nicht wie diese zwei Anforderungen erfüllt werden sollen.

Das letzte ist, dass es eine sehr seltsame Mischung von Versprechen und konkreten Forderungen. Hieß es noch vor nicht mal zwei Monaten, die Umrüstung wäre für weniger zu machen als der Umbau des Servicetowers für die Ares I (480 Millionen Dollar), so kostet es nun schon das doppelte. Dafür ist ein Sitz natürlich viel billiger zu haben: Nur 20 Millionen Dollar anstatt rund 50 Millionen wie bei der Sojus. Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor: Ach ja da gab es ja diese Falcon 1 Rakete, die auch so preiswert sein sollte und als sie endlich einsatzfähig war, war ihr Startpreis pro Kilogramm um 113% gestiegen- das könnte auch bei der bemannten Dragon so kommen, denn ob die in ihren 7 m³ Volumen (weniger als bei Apollo)wirklich sieben Leute transportieren kann, und wenn ja wie viele da noch übrig bleiben wenn ein Raketensystem eingebaut wird steht ja noch in den Sternen.

Montag 24.1.2010: Schön wenn man internationale Partner hat...

Sonst sähe es ziemlich übel für die ISS aus. In den nächsten Wochen werden drei Raumschiffe insgesamt 14.640 kg Fracht zur ISS bringen und damit die Versorgung und den Betrieb gewährleisten.

Den Anfang machte gestern das HTV-2. Es bringt sowohl Fracht ohne Druckausgleich (das HTV ist das einzige Medium, das nach dem Ausscheiden der Shuttles diese Fracht transportieren kann), wie auch Versorgungsgüter. Das HTV wird zwei weitere Racks für Japans Kibo Labor bringen, das wegen seines Gewichts nur mit zwei Racks gestartet wurde,

Es folgt in einer Woche eine Progress mit 3 t Nachschub, den größten Teil Wasser und Treibstoff. Russland ist es gelungen die Frachtkapazität der Progress bei den letzten Flügen zu steigern und sie beträgt nun 3 t.

später im Februar folgt dann der zweite ATV "Johannes Kepler". Seine wichtigste Aufgabe ist es die Station anzuheben. Neben dem Treibstoff, denn er zur Station transferieren wird führt er rund 4 t Treibstoff  mit um die Bahn anzuheben. Nachdem nun die Module alle an der Raumstation sind und es stehen nur noch zwei, eventuell drei (das hängt von dem Zustand des externen Tanks an, der derzeit untersucht wird) Flüge des Shuttles angesetzt. Nun kann und sollte man die Bahn anheben um die atmosphärische Abbremsung zu reduzieren und das ATV kann das am besten.

  HTV Progress ATV
Fracht gesamt 5.300 kg 2.740 kg 6.600 kg
... davon Treibstoff   870 kg 4.850 kg
-... davon Wasser 80 kg 420 kg  
... davon Gase   50 kg 100 kg
... davon Dracht im Druckmodul 3.920 kg 1.400 kg 1.600 kg
... davon Fracht ohne Druckausgleich 1.300 kg    
... davon NASA Anteil 902 kg (ohne Druckausgleich)
1.293 kg (mit Druckausgleich)
- 1.300 kg (mit Druckausgleich)

Es bewährt sich, dass die Versorgung auf mehreren Säulen beruht. So können diese Transporter auch die Verzögerungen bei den NASA Programmen auffangen. Schließlich sollte schon letztes Jahr SpaceX den Transport von Fracht aufnehmen. Das wird nicht vor nächsten Jahr erfolgen und auch OSC ist neun Monate hinter dem Zeitplan hinterher. Kurz nach dem Start von Kepler (geplant für den 15.2.2011) wird dann vielleicht doch noch ein Shuttle starten, das bedeutet, dass die ISS in einem Monat von vier verschiedenen Frachtern/Raumschiffen besucht wird - das wird wenn erst mal mindestens 7-9 Flüge von OSC und SpaceX dazu kommen wohl dann in einigen Jahren der Regelbetrieb sein.

Dienstag 25.1.2010: Der Tod von Computerfamilien

Es war einmal ... ja es war einmal eine Zeit da war die Computerwelt noch in Ordnung. Es gab verschiedene Familien, in denen sich jeweils unterschiedliche Hersteller tummelten und alle waren zufrieden und machten Gewinne.

Gehen wir mal 30 Jahre zurück - ins Jahr 1981. Da gab es die Großrechnerwelt. IBM und die sieben Zwerge (Burroughs, Sperry Rand, Control Data, Honeywell, General Electric, RCA und NCR) produzierten Großrechner. Maschinen die ganze Räume einnahmen, an die niemand direkt herankam und deren Rechenleistung sich entweder mehrere Benutzer teilten oder die die gesamte Buchhaltung eines Großunternehmens übernahmen.

Die Rechner wurden meist gemietet, hatten einen vor Ort Service und bestanden aus eigener Hardware der Hersteller.

Das galt auch für die Supercomputer, wobei diese einen noch kleineren Markt bedienten, noch teurer waren und dafür ziemlich schnell und auf Rechnungen (nicht Datenverarbeitung) optimiert.

Belegte ein Großcomputer noch einen ganzen Raum, so war ein Minicomputer je nach Modell nur noch so groß wie eine Kommode oder ein Schrank. Bedient wurde er von einem Ingenieur oder geschulten Anwender. Minicomputer wurden anders als Großrechner in Serie gefertigt und entsprechend verkauft - ohne Mietservice und Techniker. Dafür kosteten die billigen auch nur noch so viel wie ein Auto, während ein typischer Großrechner eher im Preisbereich eine Villa lag.

Tja und dann gab es noch ganz neu den Microcomputer, die billigsten Exemplare waren Konsumergeräte, die etwas teureren immerhin für Geschäftsleute bezahlbar. Sie bestanden aus standardbausteinen von Halbleiterherstellern und mancher wurde von einer Einzelperson in einigen Monaten entworfen.

Von den Firmen welche die oberen Preisklassen bedienten nahm so keiner diesen Markt ernst. Computer an Einzelpersonen verkaufen? Vielleicht wie Fernseher von der Palette? Undenkbar. Dafür sind die doch viel zu kompliziert....

Nun ja. Mitte/Ende der achtziger Jahre tauchten die ersten Workstations auf. Ausgestattet mit den schnellsten 32 Bit Prozessoren ihrer Zeit, mit Unix als Betriebssystem und gut mit Speicher/Plattenspeicher ausgestattet machten sie den Minicomputern das Leben schwer, denn eine wichtige Anwendung, die grafische Aufarbeitung von Daten oder Konstruktionen konnte man damit schon erledigen.

Zeitgleich tauchten die ersten Supercomputer aus, die aus Tausenden von PC-Prozessoren bestanden. Auch sie waren erheblich billiger als die Spezialhardware und war erst einmal die Software erstellt die verteilt auf so vielen Prozessoren laufen konnte, war auch deren Hauptnachteil beseitigt.

Noch immer lief aber das Großrechnergeschäft ganz gut.

Nochmals 10 Jahre später sah es aber ganz anders aus. DEC als größter Minicomputerhersteller wurde von Compaq, einem PC Hersteller übernommen. Die meisten Herstelelr von Workstations wie Apollo und Silikon-Graphics waren inzwischen auch aufgekauft worden, denn PC's hatten nun auch diese überflüssig gemacht und Supercomputer bestanden selbst bei Cray nur noch aus PC-Prozessoren, aber eben einige Tausend davon. Selbst IBM setzte nun die PowerPC Prozessoren für ihre Großrechner ein.

Heute gibt es die Familien im eigentlichen nicht mehr. Es gibt nur noch den PC als individuellen Rechner und Server mit denen man üblicherweise über ein Netzwerk Kontakt aufnimmt. Je nachdem wie viele Prozessoren ein Server hat ist es ein Webserver, ein Midrange Server (ehemals Minicomputer) oder man spricht von einem Großrechner oder Supercomputer.

Ubiquitäre Technologien wie eigene Busse zwischen den Prozessoren und Knoten oder eigene Technologien bei Massenspeichern sind auf dem Rückzug. Selbst bei Supercomputern findet man nun Ethernet in den schnellsten verfügbaren Stufen.

Eigentlich sollten die Halbleiterhersteller da frohlocken, doch auch bei denen ist das Sterben eingekehrt. Eigentlich gibt es nur noch drei Technologien für alle Familien die ich hier nannte (wenn man den Embeddedbereich oder Konsumerelektronik hinzunimmt werden es ein paar mehr): Intel/AMD's x86, IBM's PowerPC und Suns SPARC. Wobei ich drauf tippe, dass die erste 90% des Marktes hat mit Tendenz zu 100%.

Ob das das war was IBM beabsichtigte als sie 1980 sich für den 8088 entschieden? Ich glaube nicht....

Dienstag 25.1.2010: Wikileaks und das DLR

Nun hat die so called Enthüllungsplattform Wikileaks wieder Schlagzeilen gemacht - Deutschland plant einen Spionagesatelliten!!!

Gähn - das sollen Enthüllungen sein. Öffentlich einsehbare Dokumente?

Aber zumindest eine Schlagzeile für einige Space Portale, denen der Begriff Dual-Use wohl nicht so geläufig ist. Also es gibt militärische Satelliten über die weis man fast nichts, z.B. die amerikanischen Keyhole11/12 Serie oder auch die deutschen SARLupe Satelliten. Sie sind auch geheim (bei der DLR ist z.B. der Kontrollraum oben an den Fenstern abgehängt, dass kein Besucher mal reinschauen kann was dort gerade kontrolliert wird).

Dann gibt es rein zivile Satelliten wie das Landsat System. In der letzten Zeit findet man immer mehr Dual Use Satelliten - zivile Satelliten die auch militärisch genutzt werden können. In Europa gibt es davon einige wie das Plejadensystem, Cosmo/Skymed, aber auch schon SPOT wurde so genutzt und die Bundeswehr war früher ein guter Kunde von SPOTImage. Genauso kauft heute die US-Regierung alle Bilder von Worldview und veröffentlicht sie dann eventuell neu (reduziert auf 0,55 m Auflösung) sofern sie nicht dinge abbilden die nationale Sicherheitsinteressen berühren. Vor den Invasionen in den Irak und Afghanistan wurden z.B. alle Bilder dieser Regionen aufgekauft.

Nun ist das Projekt von HIROS seit 2009 bekannt. Also eine Enthüllung sieht bei mir anders aus, darunter verstehe ich die Veröffentlichung von geheimen Informationen. Etwas was jeder im Internet abrufen kann ist meiner Ansicht nach nicht geheim. Wie bei den Einschätzungen der US-Diplomaten über ausländische Politiker (die nur bestätigten, was jeder schon wusste) geht es also nicht um die Tatsachen sondern Schlagzeilen.

Eine andere Frage ist ob Deutschland einen solchen Satelliten benötigt. Deutschland betreibt zwei Radar-Satelliten, die in einem Modus 1 m Auflösung erreichen, aber primär nicht dazu dienen aufzuklären sondern durch ihre 3D Fähigkeit wertvoll sind: Sie können Erdverschiebungen quantifizieren, so vor Vulkanausbrüchen oder nach Erdbeben. Es ist möglich viel besser als mit optischen Satelliten Überschwemmungen zu bestimmen und den Verlust von Eis bei Gletschern oder Eisbergen.

Deutschland ist zudem beteiligt am Projekt Rapideye, 5 Satelliten, die 5 m Auflösung liefern.

Braucht Deutschland nun einen Satelliten mit 0,5 m Auflösung? Meiner Ansicht nach nicht. Das Projekt ist sicher auch ein Dual-Use Satellit. Aus den Projektunterlagen geht auch hervor, dass man an militärische Anwendungen denkt dazu gehört sicher auch die 3 Satellitenkonstellation mit einer Revisitzeit von 24 h. Deutschland wird bald ENMAP starten - nur mit einer Auflösung von 30 m, aber 228 Spektralkanälen. Man hat nun also einen Radarsatelliten mit 1m Auflösung, fünf zivile mit 5 m Auflösung und einen Multispektralsatellit mit 30 m Auflösung.

Die Sache bei den steigenden Auflösungen ist, dass die Fläche kleiner wird und man recht wenige Anwendungen im zivilen Bereich außerhalb des eigenen Landes findet. Andere industrialisierte Länder mit einem Bedarf an hochauflösenden Bildern haben ja auch eigene Systeme wie wie USA, Frankreich und Italien. Es mag noch einen Bedarf in Deutschland und der EU geben um den Status Quo besser abzubilden oder noch besser Agrarsubventionen zu überwachen (wenn die EU für Brachlegung zahlt schaut sie sich das auch per Luftbild an). Aber ob man zur Überwachung von Umweltverschmutzung, geologischen Veränderungen oder Brandrodung eine so hohe Auflösung braucht? Die Länder können gar nicht jede einzelnen Quadratmeter beschützen und die Fläche die überwacht werden kann sinkt. Für diese Zwecke (also außereuropäische Anwendungen) braucht man Satelliten die große Flächen überwachen können.

Dagegen dürfte das Militär an der Überwachung kleiner Regionen in Afghanistan mit hoher Auflösung interessiert sein (in Deutschland kann man Aufnahmen dieser Güte auch billiger mit Luftaufnahmen gewinnen, eventuell geht das mit Drohnen auch in Afghanistan). 0,5 m Auflösung würde ich größtenteils militärisch nutzbar sehen und vielleicht kommt der Satellit auch - dann eben finanziert von der Bundeswehr wie ComsatBW oder SarLupe. Aber eines ist er nicht: eine Riesenenthüllung.

Donnerstag 27.1.2010: So called Verbrauchersendungen

Ich habe mir auf ZDF Neo die Sendung "Da wird mir übel" gesehen. Ich hätte es ja mir ja schon bei dem Titel denken können - unter dieser sogenannten Verbrauchersendung verbirgt sich nichts empfehlenswertes. Wenn ich mal das dem jugendlichen Zielpublikum geschuldeten Format ignoriere (Zwischenschnitte mit Bildern und komischen Geräuschen bei buzzwords), Dokutainment im Sinne von Kameradokumentation der "Recherche" und "Besuchen" bei Herstellern, dann stößt mir doch einiges auf.

Die Sendung kommt mit dem Anspruch daher, dass die Welt böse ist die nicht ihren Erwartungen entspricht. Dazu einige Beispiele:

Das ist eteas extrem, aber ich finde das in vielen Verbrauchersendungen. Die eigene Erwartungshaltung wird als Norm angesehen. Ich habe mal die drei Beispiele herausgenommen, weil sie auf grundlegenden Missverständnissen beruhen:

Lebensmittel müssen so hergestellt werden, wie ich mir das denke. Es ist völlig egal ob man Eier selbst aufschlägt oder dies jemand durch eine Maschine automatisch macht und das ganze dann als Vollei verkauft. Im Gegenteil: Vollei wird auf 65 Grad erhitzt und so pasteurisiert und ist mikrobiologisch einwandfrei, während beim eigenen Aufschlagen es zu einer Kontamination kommen kann. Die Eimasse hat aber dieselben Eigenschaften wie frisch aufgeschlagene Eier. Für einen verarbeitenden Betrieb ist es aber viel einfacher zu verarbeiten.

Alle Werbeversprechen sind wahr. "Light" ist ja nichts anderes als eine Aussage. Ein Stoff ist reduziert - Energie, Fett, Zucker. Ob man dadurch weniger Energie zu sich nimmt hängt von der Verzehrsgewohnheit ab, aber auch davon wie viel von dem Stoff enthalten ist. Wenn man z.B. Zucker reduziert durch Zuckeraustauschstoffe, dann wird das Produkt ja nicht energieärmer. Es ändert aber doch nichts daran das Chips energiereich sind, wenige Ballaststoffe und Volumen haben.Genauso heißt "ohne den Zusatzstoff Geschmacksverstärker" eben nur das kein Zusatzstoff zugesetzt wird, aber nicht das nicht ein natürlicher Geschmacksverstärker zugesetzt wird wie z.B. Hefeextrakt.

Es ist unredlich Gewinn mit etas zu machen, was man auch viel billiger haben kann. Tafelwasser ist abgefülltes Leitungswasser, also meistens noch vorher kontrolliert, filtriert und entkeimt. Aber eigentlich sollte Wasser aus der Leitung schon sauber genug sein. Natürlich ist es 100 mal teurer. Der Handel verdient was dran, der Hersteller, es muss transportiert werden und die Flaschen sind ja auch nicht umsonst. Aber ist das deswegen schlimm? Noch billiger ist die Herstellung von Mineralwasser, denn das muss man nicht mal bezahlen. nur kommt es eben nicht aus der Leitung. Das wird dann nicht kritisiert, denn es klingt ja besser und kommt aus unterirdischen Quellen.... Warum gibt es Tafelwasser? Weil jemand im Allgäu mit Wasser mit 22°dH sich freut mal weiches Wasser zu trinken, denn es schmeckt völlig anders und eignet sich auch zur Teezubereitung. Auch wenn man das vielleicht in Köln direkt aus der Leitung abfüllt.

Alles muss preiswert und gut sein: Es gibt Wildlachs und Seelachs. Seelachs klingt zwar nach Lachs, ist aber eine andere Fischart wird in der Ost- und Nordsee gefischt und und erheblich preiswerter. Diesen Seelachs kann man auch räuchern und salzen und dann wie Wildlachsscheiben aufs Brot tun. Er schmeckt anders und ist nicht rosa-rot gefärbt. Daher wird dieses Lachsfilet mit Cochenillerot gefärbt. Das ist zulässig, steht so im Zutatenverzeichnis und das ganze heißt eben auch dann nicht "Lachs" oder "Wildlachs" sondern eben Seelachs. Man erkennt es aber auch am Preis, denn der Seelachs kostet typischerweise weniger als die Hälfte des Wildlachses. Bei uns muss alles billig sein, und dann schimpfen solche Magazine über Farbstoffe, Zusatzstoffe, etc. Es geht aber nur eines. Entweder es ist billig oder es ist qualitativ hochwertig. Das kommt auch bei zahlreichen Anrufen heraus. Viele Hersteller haben natürlich analogkäse und echten Käse oder normales Vollei und Biovollei im Sortiment. Nachgefragt wird eben nur das erste, billigere. Warum gibt es die Regelung das man Seelachs wie Lachs raus machen darf? Weil sich die 3 Euro pro 100 g nicht jeder leisten kann. Es ist ein preiswerteres Produkt für diejenigen die sich keinen echten Lachs leisten können oder denen der Geschmacksunterschied egal ist. Genauso gibt es Sekt als billige Alternative zu Champagner, Schwarzwälder Schinken als Alternative zu Seranoschinken.

Wer ist schuld? Sicher zum einen die Gesetzgebung. Nur wird man die nicht so schnell reformieren können. Grundsatz unseres Lebensmittelrechtes ist, das Lebensmittel nicht die Gesundheit schädigen und korrekt ausgezeichnet werden müssen. Analogkäse ist nun aber zweifelsfrei essbar. Er muss eben dann noch korrekt deklariert werden. Ich glaube auch daran wird sich nichts ändern. Das einzige was ich mir denken kann ist, dass man ein weiteres Siegel einführt so wie heute schon das Biosiegel. Ich könnte mir so was wie "Premium" oder "Traditionell" als Siegel oder geschützte Begriffe vorstellen. Lebensmittel welche diese Begriffe verwenden sollten dann eine qualitativ bessere Zusammensetzung als normale Produkte haben (z.B. höherer Magerfleischanteil bei Wurst) oder ohne Zusatzstoffe auskommen. Ich glaube wenn man zu dieser Regelung kommt, dann wäre viel erreicht, dann würde ein Blick auf die Verpackung reichen, wenn man Wert auf diese Tatsache legt.

Zum zweiten ist der Verbraucher schuld: Wenn es immer billig sein soll, dann wird auch billig produziert. Wenn man qualitativ höherwertiges Essen haben will, dann muss man dieses kaufen. So einfach ist das. Nur schmeckt das den Verbraucherschätzern im Fernsehen wohl nicht.

Es bleibt natürlich immer noch viel zu bemängeln. Das tue ich in meiner "Was ist drin" Rubrik auch des Öfteren. Vor allem wenn etwas sich als "Premium" schimpft und dann recht billig hergestellt wird.


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