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Web Log Teil 215: 23.2.2011 - 27.2.2011

Mittwoch den 23.2.2011: Ariane 5 am Scheideweg

Sehr aufschlussreich war dieser Spiegel Artikel. Viel neues war für mich nicht dabei. Wie schon vor einem Jahr wollen die Franzosen einen Ariane 5 Nachfolger, der nur etwa die halbe Nutzlast aufweist, während Deutschland für die Entwicklung der ESC-B ist, weil deren Auftrag nach Bremen wandern würde. Neu war nur, das nach dem Auslaufen des EGAS Programmes nun eine erneute Subvention ansteht: Diesmal 120 anstatt 192 Millionen Euro pro Jahr aber weiterhin eine Subvention.

Nun was ist davon zu halten. Also mal meine unmaßgebliche Meinung:

Die Konkurrenten sind heute russische Träger und wahrscheinlich nach Lockerung der Exportrichtlinien chinesische Träger. Bei dieser Konkurrenz ist es Wurst ob eine neue Rakete billiger ist als Ariane 5 - Proton & Co werden immer billiger sein. Die Produktionskosten einer Proton machen nur einen Bruchteil des Startpreises aus. Die Gewinne sind enorm und wenn Arianespace die Preise senkt, dann gehen ILS und CGWIC eben einfach auch runter. Preiswerter als jeder US-Träger ist Ariane 5 ja schon. Es ist nicht möglich mit diesen Trägern über en Preis zu konkurrieren. Das muss über Service und Zuverlässigkeit geschehen. Man sollte nur mal die Fehlstarts des neuesten Proton-M Modells mal zählen....

Eine neue Trägerrakete ist kein Garant für niedrige Preise. Man sollte nicht vergessen, das Ariane 5 ja mal mit dem Versprachen gebaut wurde sie wäre deutlich günstiger las die Ariane 4 und das war nur zum Teil der Fall. (Sie ist günstiger aber weitaus weniger als versprochen).

Sinnvoller ist es die Rakete weiter in der Leistung zu steigern um die Startkosten pro Kilo zu senken und die Doppelstartfähigkeit zu erhalten.

Daher mein Vorschlag: Erst mal angehen der ESC-B. Wenn es geht klopft EADS LV Bremen mal ein bisschen auf die Finger, damit sie nicht weiter eine Oberstufe mit Rekordtrockengewicht plant. Die ESA hat ja schon verlangt, das sie einige Hundert Kilo leichter wird. Bei 6,25 t Trockengewicht könnten aus aber auch gerne mehr als 1 t leichter werden.

Wenn Frankreich gerne 250 Millionen Euro aus einem Konjunkturprogramm investieren will, dann wäre das sicher besser in ein Vulcain 3 investiert, das je nach Schub zwischen 700 und 1.500 kg mehr Nutzlast brächte.

Deutschland könnte zusammen mit Italien dafür mal die Booster aus Verbundwerkstoffen angehen. Die sollen auch für 1-2 t mehr Nutzlast gut sein.

Das alles wurde schon mal in der Ariane 2010 Initiative durchgeplant und würde die Nutzlast je nach genauer Konfiguration auf 14 - 15 t in den GTO oder 27 t zur ISS erhöhen. Die Kosten wären sicher deutlich kleiner als eine Neuentwicklung.

Und wenn man Subventionen einsparen will, sollte mal überlegen warum der europäische Steuerzahler 2/3 der Baukosten einer Startrampe für die russische Sojus übernehmen soll...

Donnerstag 24.2.2010: ISS-Boost

Es wird mal wieder Zeit für eine neue "technische Spinnerei". Diesmal geht es um die ISS.

Die ISS befindet sich so nahe der Erde, dass sie derzeit um 50 bis 100 m pro Tag sinkt. Das klingt nach wenig, ist jedoch ein sich selbst beschleunigender Prozess, da in einer niedrigeren Höhe die Abbremsung noch höher ist. Bei einer Masse von rund 350 t benötigt man dafür einiges an Treibstoff. In wenigen Tagen wird das zweite ATV an die ISS andocken. Mehr als zwei Drittel seiner Nutzlast besteht nur aus Treibstoff. Insgesamt über 5 t bringt er zur ISS. Johannes Kepler wird die ISS um 40 bis 50 km anheben um das Absinken zu verlangsamen. Ideal wäre es die ISS in eine noch höhere Bahn anzuheben. Die geplante mittlere Bahnhöhe soll bei 407 km liegen. In dieser Höhe ist die Abbremsung aber noch sehr hoch. 200 km weiter von der Erde entfernt wäre keinerlei Bahnanhebung mehr über die gesamte Lebensdauer nötig.

Auf der anderen Seite darf die ISS nicht zu weit von der Erde entfernt sein, weil die Nutzlast der Trägerraketen abnimmt. Es sind zwar wenn man berücksichtigt, das auch mehr Treibstoff für den Wiedereintritt benötigt werden nur 8% des Startgewichts, aber da nur etwa 30% der Startmasse auf die Transportgüter entfallen dann schon ein Viertel der Transportkapazität (berechnet für eine 600 anstatt 400 km hohe Umlaufbahn).

So muss die ISS sich in einer niedrigen Erdbahn befinden. Zeit wenigstens den Treibstoffverbrauch für die Aufrechterhaltung der Bahn zu minimieren.

Meine Idee: an die ISS koppelt ein Gefährt nur für diesen Zweck an, dass mit elektrischen Triebwerken arbeitet. Folgendes Anforderungsprofil gibt es:

Zuerst einmal zum Antriebsbedarf. Die ISS soll mit einem bis zwei angekoppelten Transportern 450 t wiegen. Weiterhin muss das Gefährt nicht nur fähig sein, die momentane Abbremsung in der Höhe von 50 bis 100 m/Tag zu kompensieren, sondern auch die Extreme die bisher bei 250 m/Tag lagen. Das ergibt einen maximalen Antriebsbedarf von 67.500 N pro Tag. (für 2r0 m/Tag)

Eingesetzt sollen Triebwerke des Typs RIT-XT von EADS werden. Sie werden nur auf der Tagseite betrieben wenn die Solarpanels volle Leistung aufweisen. Das soll mit Puffern 50% der Zeit ausmachen, also 43.200 s pro Tag, woraus sich eine Forderung nach einem Dauerschub von 1.6 N ergibt. Bei einem Schub von 0,15 N pro Triebwerk werden so 11 Stück benötigt. Weitere Triebwerke, die aber nicht laufend betrieben werden, werden benötigt, um die ISS zu drehen oder im Orbit zu verschrieben. (Zur Lageänderung).

Die Stromversorgung soll für 11 Triebwerke ausreichen. Bei 4,7 kW Stromverbrauch pro Triebwerk ergibt sich so eine Forderung nach einer Stromversorgung mit  51,7 kW Dauerleistung. Wird eine Degradation der Solarzellen und die Effekte der Jahreszeiten (mit schwankender Spitzenleistung) mit 30% hinzugerechnet, so ergibt sich eine Forderung nach einer Leistung von 67 kW. Das wären z.b. 4 Paneele mit je 4 x 21 m Größe.

Die Triebwerke haben eine Lebensdauer von 15.000 Stunden. Das entspricht bei einem Betrieb über 50% der Zeit 3,4 Jahre, wenn die Abbremsung geringer ist und die Triebwerke nur kurzzeitig eingeschaltet werden erheblich länger, beim nominellen Wert von 100 m/Tag rund 8,5 Jahre.

Der Treibstoffbedarf kann so aus Multiplikation des bekannten spezifischen Impulses und der Betriebszeit berechnet werden. Es ergeben sich folgende Parameter:

Das ergibt zusammen eine Masse von 3.480 kg für die Kernssysteme. Wird der ISS-Boost mit einer Sojus gestartet bleiben so noch gute 3.500 bis 4.000 kg für Strukturen, Avionik und Kopplungsadapter.

Was bringt es?

Der Gesamtimpuls der zur Verfügung steht beträgt 89 Millionen Ns. Das entspricht bei den Triebwerken des ATV, welche normalerweise den Job erfüllen, rund 29.500 kg Treibstoff, also der Frachtkapazität von fast vier  ATV. Da ein jeder rund 420 Millionen Euro kostet bedeutet dies, das solange einer dieser ISS-Booster weniger als rund 1,6 Milliarden Euro kostet, er lohnend ist.

Da gerade Europa vor allem die ISS anheben sollte, wäre es in eigenem Interesse ein solches Gefährt zu entwickeln. Wie könnte es aufgebaut sein? Es gäbe sicher mehrere Möglichkeiten. Die für mich naheliegendste ist es schon bestehende Hardware zu verwenden. Es gibt zwei Möglichleiten: Muss alles aus Europa stammen, so würde man den Avionikteil des ATV nehmen, dort alle Teile ausbauen die man nicht braucht bzw. austauschen (z.b. die Tanks durch Druckgastanks, Solarzellen durch deutlich leistungsfähigere) und den russischen Kopplungsadapter direkt auf den Avionikteil anbringen. Der Nachteil ist das schon dieser Teil des ATV heute über 5 t wiegt und daher viel Gewicht eingespart werden muss und er mit dem Durchmesser von 4,5 m nicht von einer Sojus gestartet werden kann. So fällt ein Start mit einer Ariane 5 an, was immerhin die Möglichkeit eröffnet den Druckbehälter mit Fracht zusätzlich zu starten.

Die zweite Möglichkeit ist eine Progress umzurüsten. Sie wiegt ohne Treibstoffe rund 4,1 t, könnte also alle Systeme aufnehmen, ist kompatibel zur Sojus Trägerrakete (die beim Start von Kourou aus auch etwas mehr zur ISS transportiert). Es wäre daher die günstigere Lösung. Der Nachteil beider Lösungen ist, dass der einzige Kopplungspunkt der durch den Schwerpunkt der Station geht und bei dem die Triebwerke in die Bewegungsrichtung schauen der am Ende von Swesda ist, der Ankopplungspunkt des ATV und auch zahlreicher Progress ist. Das bedeutet dass der ISS-Booster regelmäßig abdocken und andocken muss, was aber kein Problem ist, wenn es nicht zu lange dauert. Schließlich ist die Auslegung für die maximale Abbremsung ausgelegt, der Transporter kann also danach wieder die Station anheben und nicht nur das Sinken aufhalten.

Weiterhin steht Strom zur Verfügung der von der ISS genutzt werden kann, wenn die maximale Abbremsung nicht vorliegt.

Man kann das Konzept sogar noch weiter spinnen. Alle Transporter gelangen erst in eine niedrige Erdumlaufbahn, fliegen dann die ISS in ihrer höheren Umlaufbahn an und koppeln dann ab um deorbitiert zu werden. Beim ATV ist es z.B. eine Ausgangsbahn von 260 km Höhe. Für die Manöver hat er dabei 2 t Treibstoff an Bord - ein Zehntel seiner Startmasse. So wäre auch denkbar, dass die ISS in einen sehr hohen Orbit gebracht wird, in dem sie kaum abgebremst wird, danach koppelt der ISS-Boost ab und ist dann Pendler zwischen niedrigem und höheren Orbit. Die Lasttransporter benötigen dann erheblich weniger Treibstoff. Eigentlich nur den Teil um von einer niedrigen Bahn zu deorbiteieren. Das ist beim ATV ein Viertel der Treibstoffvorräte.

Der ISS-Boost könnte den schwersten Transporter, das ATV in 72 Tagen von 260 km Höhe bis in 600 km Höhe bringen oder in 32 Tagen zur mittleren Bahnhöhe der ISS von 407 km. Der Lohn sind 1.500 kg mehr Nutzlast immerhin ein Fünftel der derzeitigen Nutzlast. Der Treibstoffvorrat würde für 8 Transfers 260 → 407 km oder 4 von 260 → 600 km reichen. Das ist recht wenig und die Zeitdauer ist recht groß. Weiterhin ist in der erdnahen Bahn die Abbremsung durch die vier großen Solarpaneele recht groß. Dafür lohnt es sich also nur bedingt. Beim ATV würde das dem Einsparen von rund 12 t Nutzlast entsprechen. Für diesen Zweck wäre ein optimiertes Gefährt notwendig oder die Möglichkeit dass die Frachttransporter jeweils den Xenonvorrat auffüllen. Die Triebwerke können redundant ausgelegt werden, sodass die begrenzte Lebensdauer dann nicht den Betrieb limitiert. Bei 7 kg pro Triebwerk wiegt ein zweiter Satz der 11 Triebwerke für die eigentliche Antriebssektion nur 77 kg.

Ich sehe aber bei dem engen Zeitplan der durch bis zu 12 Transporte pro Jahr plus 4 Mannschaftstransporte in wenigen Jahren üblich sein wird eher den Hauptnutzen in dem dauernden Anheben der Bahn. Es wäre sogar zum Ende der Lebenszeit der ISS denkbar die Bahn soweit anzuheben, dass die Station für einige Jahrzehnte sicher in einem höheren Orbit ist. Dort könnte man entscheiden was man mit ihr tun will, z.B. Module die noch brauchbar sind erneut verwenden oder es gäbe genug Zeit ein leistungsfähiges Deorbit Gefährt zu entwickeln. Oder man vermietet sie an einen Weltraumtouristik-Dienstleister (Wer sagt denn, dass man alles gleich versenken muss?)

Donnerstag 24.2.2010: Nachlese zu Guttenberg

Nun ist er seinen Doktor los, aber trotzdem ist so keiner richtig zufrieden. Vor allem wie dies lief. Und ich glaube auch, dass es nicht die Wahrheit war. Ich versuche mal eine Nachlese. Dreh- und Angelpunkt ist natürlich die Arbeit. Mich befriedigt die Antwort nicht, dass er zwar wissenschaftliche Fehler gemacht hat, sie aber selbst geschrieben haben soll. Fangen wir mal mit der Doktorarbeit. Nun kann ich keine juristische Arbeit beurteilen und auch keine 475 Seiten mal so eben lesen. Doch das haben andere getan, die was davon verstehen und die sind zu dem Urteil gekommen, dass wenn die Zitate nicht gewesen wären, das Urteil "Summacum laude" also eine 1 gerechtfertigt ist. Es sei eine wissenschaftliche Arbeit von hoher Güte. Einer der es wissen muss, fand daher die Aussage von Guttenberg er hätte wissenschaftliche Fehler gemacht, als Ausrede, weil das die Arbeit nicht hergibt. Ein zweiter Gutachter sieht in dem Fachvokabular ein Indiz: in jedem Fachbereich gibt es ein Fachvokabular, manchmal sogar ganze Sätze die sich eingeschliffen haben. Ein Doktorrand, der ein Studierender ist, hat dieses noch nicht so drauf. Das bekommt man erst durch langjährige Berufserfahrung und wenn eine Doktorarbeit so etwas aufweist, so ist das schon verdächtig.

Das zweite ist der Umfang der Arbeit und zwar nicht die 475 Seiten, sondern die 1.200 Fußnoten/ Querverweise. Denn das impliziert, dass man 1.200 andere Dokumente gelesen hat. Das ist enorm viel. Meine eigenen beiden Diplomarbeiten kann ich da nicht als Vergleich nehmen, da ich in beiden Fällen geforscht habe, das heißt andere Literatur habe ich nur benötigt um eine Basis zu haben ab der ich selbstständig arbeiten konnte. Aber ich habe für mein letztes Buch ziemlich viel Literatur büffeln müssen, weil die europäische Raumfahrtindustrie nicht zu Auskünften bereit war. Daran habe ich rund 2 Jahre gearbeitet, wie Guttenberg allerdings meist in Teilzeit, auch weil es so mühsam war so alles zusammenzutragen und ich lange Zeit noch auf den Vega Jungfernflug warten wollte. Bei mir sind es etwa 120 bis 130 Fundstellen die ich zitiert habe, einige mehr die ich gelesen habe, aber die nichts neues brachten. Dabei konnte ich mich auf einige Vorarbeiten stützen. Aufgrund der Erfahrung kann ich mir nicht vorstellen, wie jemand der die Doktorarbeit neben einer beruflichen Tätigkeit, sowie seit 2002 als Bundestagsabgeordneter, die Zeit findet zehnmal mehr zu lesen und zu verarbeiten. Vor allem kenne ich ja schon bei meinem Buch den Effekt, wenn man sehr lange an etwas arbeitet, dass man wieder viel vergisst und sich jedes Mal neu einlesen muss, wenn man sich wieder intensiver beschäftigt. Wie viel stärker ist das bei einer Doktorarbeit sein?

So wurde auch der Vorwurf laut, dass es einen Ghostwriter gibt oder, das wäre genauso wahrscheinlich, dass jemand massiv vorgearbeitet hat und Guttenberg nur noch seine Ergebnisse in eigenen Worten wiedergibt oder zusammenfasst. Als Abgeordneter mit einem entsprechenden Mitarbeiterstab ist es kein Problem so etwas zu delegieren.

Bleibt dann die Frage ob er nun zurücktreten sollte. Nun ist eines ist unbestritten, das ganze fand vor der Ernennung zum Verteidigungsminister statt. Auf der anderen Seite fand es aber statt während er Bundestagsabgeordneter war und er hat zumindest das erste Staatsexamen als Jurist abgeschlossen, sollte also vielleicht wissen wofür es Vorschriften der Uni, Urheberrechtsgesetze und ähnliches gibt, also dass das was er tat ein Gesetzesverstoß ist. Und irgendwie erwartet man von denen die die Gesetze kennen eher, dass sie sie befolgen.

Das zweite ist das Verhalten jetzt in der Affäre. Warum versucht es jeder Politiker immer mit der Salamitaktik? Nur das zugeben was schon erwiesen ist? Das machen alle so und es hilft nie. Denn sobald etwas ans Licht kommt löst es eine Lawine aus - andere suchen nach mehr, die Medien nehmen das Thema aus, es melden sich andere Betroffene... so war es bisher immer und immer wird gerade das eingeräumt was unstrittig ist. Wer so was macht, den kann ich nicht mehr als integer ansehen. Wenn Guttenberg bei den ersten Vorwürfen mit der vollen Wahrheit rausgerückt wäre, alles auf den Tisch gelegt hätte, sofort auf den Titel verzichtet hätte und sich entschuldigt hätte, dann würde ich sagen kann er bleiben. Das wäre das Verhalten das ich erwarte wenn jemand eine Straftat begeht und zu diesem Tatbestand steht, also Integrität beweist. Aber wer häppchenweise wie ein Kleinkrimineller nur zugibt was man ihm nachweisen kann hat nichts auf der Regierungsbank verloren.

In nano wurden zu dem Thema sogenannte "Ghostwriter" interviewt, also Leute die Studien und Diplomarbeiten für Studenten machen. Das können sie - sie werden für die Erstellung eines wissenschaftlichen Werks bezahlt - den Betrug begeht der Student, der es als sein eigenes ausgibt. Das scheint ein einträgliches Geschäft zu sein. Je nach Arbeitsaufwand und Vorarbeit verlangt einer der Ghostwriter zwischen 8000 und 25000 Franken, also zwischen 6.000 und 20.000 Euro. Das lohnt sich. Wenn ich mal dran denke wie lange ich an einem Buch arbeite dann könnte ich sicher drei davon pro Jahr machen, da Diplomarbeiten meist noch kürzer als meine Bücher sind sicher auch 4-5 und dann kann man von der Summe schon leben. Schade nur, dass ich nicht so gut in Rechtschreibung und dem Formulieren von wohlklingenden Sätzen bin, sonst könnte ich das glatt zum Beruf machen....

Sonntag 27.2.2010: Bye-Bye Discovery

Nun findet also der letzte Flug der Discovery statt, Es gibt noch zwei weitere Starts der Atlantis und Endeavour im April und Juni, doch dann sind nach 30 Jahren die Shuttles museumsreif. Zeit auf die Flüge zurückzublicken. Nun es gibt sicher viele Sichten. Man könnte die Flugmeilen, die beförderten Astronauten oder die Tage im All zählen - und die NASA hat dies ja auch getan. Ich habe einen anderen Blickwinkel: Ich nehme die Shuttles bei ihrem Versprechen: Sie sollten den Transport in den Orbit verbilligen und alle nicht wiederverwendbaren Trägerraketen überflüssig machen.

Damit dies gerecht ist habe ich nur die Operationskosten also keine Entwicklungskosten oder Upgrades durch die Anzahl der Flüge geteilt und die Zahl inflationskorrigiert auf das Jahr 2000 bezogen. Das ist das Ergebnis:

Das kann man nun zu den bekannten Preisen von Trägerraketen (ebenfalls um das Jahr 2000) in Verbindung setzen:

Wer vergleicht, wird bei der Kilogramm Nutzlast pro Dollar Rechnung sehen, dass der Shuttle gar nicht mal so schlecht abschneidet. Nur: voll ausgelastet war der Space Shuttle nie. Die schwerste Nutzlast wog rund 21 t, die letzten Flüge zur ISS werden unter 18 t liegen, weil durch die Bahn dies die Maximalnutzlast ist und als er noch Satelliten transportierte, waren es maximal drei der Delta 39xx Klasse. Das entsprach einer Nutzlast von 3 mal 3,2 t und Einkünften von 3 x 35 Millionen Dollar (wenn man den Delta Startpreis zugrunde legt). Nur kostete schon 1985 ein Start 146 Millionen Dollar.

Für den Transport in den GTO Orbit ist der Shuttle nur geeignet, wenn es eine leistungsfähige Oberstufe gibt. Die Centaur-G wurde jedoch nach Challenger gestrichen. Mit festen Oberstufen oder lagerfähigen Treibstoffen beträgt sie maximal 8 t in den GTO, was von einer Ariane 5 bei niedrigeren Kosten übertroffen wird.

Als Ersatz für einen unbemannten Träger ist daher der Shuttle nicht geeignet. Er erreicht nicht den wichtigsten GTO-Orbit direkt und erst heute gibt es so schwere Nutzlasten, dass seine Nutzlastkapazität auch voll ausgenutzt werden kann.

Aber, das wird Kenner der Materie nicht verwundern. Denn dafür wurde das Space Shuttle nicht konstruiert. Das eigentliche Dilemma des Shuttles ist, das er den größten Teil seiner Dienstzeit für etwas eingesetzt wurde, wofür er nie konzipiert wurde. Er soollte nicht Satelliten transportieren oder ein Spacelab. Er war geplant um eine Raumstation für 12 Personen aufzubauen und dann auch zu versorgen. Das tat er aber erst in den letzten 10 Jahren und nur ein Drittel aller Missionen entfielen auf diesen Zweck. Vorher fanden die meisten Flüge entweder mit einem Spacelab oder Spacehab Labor statt oder eben die Satellitentransporte. Die Kurzzeitmissionen waren teuer - 7 bis 14 Tage Schwerelosigkeit pro Flug. Deutschland stellte seine Pläne für eine D3 Mission aufgrund der Kosten ein, die ESA nutzte auch ihr Spacelab fast gar nicht aufgrund dieser Tatsache.

Das verrückte ist nun, dass er gerade jetzt eingestellt wird, wenn er finanziell attraktiv ist. Ich nehme mal hier die offiziellen Daten eines Shuttle Versorgungsfluges:

Was kostet das wenn die NASA es nun zukauft?

Ein Sitz auf einer russischen Sojus kostet 51 Millionen Dollar. Das sind also schon mal 255 oder 357 Millionen Dollar nur für den Passagiertransport

OSC bekommt 1,9 Milliarden Dollar für 20 t Fracht, SpaceX 1,6 Milliarden Dollar. Selbst wenn man die günstigere Alternative nimmt, entsprechen 9,1 t Frachtkosten von 728 Millionen Dollar.

Kauft die Erde diese Dienstleistungen ein, so entspricht ein Shuttle Flug also einem Wert von 978 bis 1.085 Millionen Dollar. Dabei ist noch nicht mal berücksichtigt, dass dabei die Maximalnutzlast des Shuttles nicht ausgenutzt wird, es könnte z.B. noch eine etwa 3 t schwere Palette mitgeführt werden und es ist möglich Güter zur Erde zurückzubringen, das bisher nur bei der Dragon angekündigt, aber noch nicht erfolgreich demonstriert wurde.

Doch selbst nach der Steigerung der Kosten durch den Verlust der Columbia fallen bei einer Flugrate von 4 Flügen pro Jahr (drei Monate Aufenthalt pro Besatzung) kostet ein Start der Shuttles die NASA nur rund 620 Millionen Dollar. Das bedeutet es wird nicht billiger sondern teurer. Es wird wahrscheinlich sogar noch teurer wenn die Besatzung über kommerzielle Services gestartet werden - selbst wenn diese es günstiger als die Russen schaffen (woran ich zweifele) wird die NASA die Entwicklungskosten finanzieren müssen.

So was bringt nur die NASA fertig. Jahrzehntelang ein System finanzieren, dass bei den damals gegebenen Umständen falsch eingesetzt wurde und nur viel Geld kostete und dann, wenn es endlich billiger als eine Alternative ist, dann wird es ausgemustert und die teurere Alternative gewählt. Ja manchmal ist die NASA fast genauso dumm wie unsere Politiker.

Montag 27.2.2011: Gleiches Recht für alle!

So, nun ist es offiziell: Guttenberg hat nicht nur ein bisschen abgeschrieben, er hat massiv geklaut. Das GuttenPlag Wiki hat nun schon 70% der Arbeit abgeschrieben und der Nachfolger seines Doktorvaters, Oliver Lepsius, warf dem Politiker vor, er sei ein Betrüger. Guttenberg habe "planmäßig und systematisch wissenschaftliche Quellen zum Plagiat zusammengetragen und behaupte nicht zu wissen, was er tue". Immerhin: So viel Unabhängigkeit und kritische Einsicht habe ich einer bayrischen Uni wenn es um den Strahlemann der CSU geht nicht zugetraut.

Das soll nun alles erledigt sein mit der Aberkennung des Doktortitels? Kein Rücktritt, keine Schadensersatzforderungen für das Klauen des geistigen Eigentums anderer?

Ist das die Botschaft die uns die Regierung Merkel sendet, oder die Botschaft eines Ministers, dessen Homepage betitelt ist mit "Verantwortung verpflichtet"?

 In den letzten Jahren haben die Regierungen das Recht auf die Privatkopie weitgehend ausgehöhlt, die Verfolgung von Verstößen durch die Vorratsspeicherung erheblich erleichtert und auch Gerichte sind ja sehr unkritisch wenn es um die Hinterfragung der Ansprüche der Medienindustrie oder ihrer Beweismittel geht. Ein Schüler der sich MP3's aus einer Tauschbörse herunterlädt, muss damit rechnen mit Forderungen in vierstelliger Höhe bei Entdeckung des Verstoßes konfrontiert zu werden. Aber Guttenberg kommt mit der Aberkennung weg? Dann doch gleiches Recht für alle! Also wenn mal jemand beim Einbetten einer Karte, runterladen eines Films oder eines MP3 oder verwenden eines Bildes erwischt wird, dann sollte auch reichen, dass man das entsprechende File löscht und das bedauert.

Mehr hat Guttenberg auch nicht getan. Was ihn aber von einem Nutzer einer Tauschbörse oder eines Shares unterscheidet ist der Nutzen eines Doktortitels. Ein Doktortitel bringt sozialen Respekt, kann einem Türen öffnen, kann sich finanziell lohnen weil im Normalfall Leute mit einem Doktor mehr verdienen als die mit nur einem juristischen Staatsexamen. Ich habe mich mal in der Wikipedia informiert und war erstaunt, dass man mit einem sogar arbeiten kann. Das ist in der Rechtswissenschaft wie in der Lebensmittelchemie und da ist man erst Lebensmittelchemiker nach dem letzten Staatsexamen, das bei Lebensmittelchemikern übrigens auch die leute ablegen müssen die einen Doktor haben. Aber das ist ja auch eine echte Wissenschaft und nicht nur Rechtsverdreherei.

Während also der Nutzen der Täuschung bei Guttenberg viel offensichtlicher ist, als bei den Urheberrechtsverletzungen die im Medienbereich üblich sind, ist die Strafe viel geringer. Der Titel wird aberkannt - mehr nichts. Keine finanziellen Bussen, keine Strafverfolgung, ja nicht einmal wie bei Studenten üblich die Exmatrikulation - gleichbedeutend mit einem Berufsverbot in dem Bundesamt in dem die Täuschung begangen wurde. Also das muss doch jeden verleiten erst mal eine Doktorarbeit per Copy & Paste zu kreieren und wenn das auffliegt, dann muss man wohl oder übel arbeiten. Daher kann die Forderung nur sein: gleiche Behandlung für alle, also entweder Anpassung der Gesetze, dass auch Privatpersonen nicht mehr zu befürchten haben oder entsprechend harte Sanktionen gegen Guttenberg.

Und ich würde mir mal überlegen ob ich noch im Amt bleiben könnte, wenn ich als Motto habe "Verantwortung verpflichtet" und Untergebene wie z.B. den Kapitän der Gorch Fock aufgrund eines Verdachts schon vom Dienst entbinde....


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