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Web Log Teil 22 : 18.4.2007-22.4.2007

Donnerstag, 19.4.2007: Ein fundamentales Recht auf Waffen?

Wow, noch nie hatte ich ein Weblog so schnell abgeschlossen - das letzte in 3 Tagen einfach weil ich viel geschrieben habe. (Ein Weblog Artikel ist eine normale HTML Seite und wann eine neue fällig ist hängt nicht daran wann ich schreibe sondern ich mache eine neue auf wenn ich 30 KByte an Text zusammen habe, dass sind etwa 6-7 Seiten Text, wenn man es ausdruckt).

Nun ja heute wieder ein Thema das nix mit Raumfahrt zu tun hat (ja auch so was gibt es). Ich diskutiere seit einigen Wochen mit einem Bekannten in den USA über das Recht Waffen zu haben, das in den USA ein verfassungsmäßig garantiertes Recht ist. Nun gab es das Massaker in Virginia und dieses Thema kommt auch wieder in die öffentliche Diskussion.

steyr AUG-Z legal in den USANun Waffen sind nur Werkzeuge, das wird immer wieder betont. Nicht die Waffen töten, dass sind die Menschen die den Abzug drücken. Genauso gut, so wird argumentiert hätte man mit einem Messer ein Blutbad anrichten können oder mit einer Bombe. Nun ja da hat derjenige Recht, aber er hat etwas vergessen: Es ist weitaus schwieriger mit einem Messer 30 Menschen umzubringen. Zum einen physisch (man gelangt auch in Gefahr leicht überwältigt zu werden) und physiologisch. Es ist eine Sache mal kurz einen Bügel durchzuziehen und eine andere jemand der einem auf Armeslänge nahe ist ein Messer in die Brust zu stoßen, mit dem Widerstand der Weichteile, der Knochen, dem herausspritzenden Blut und dem Gesichtsausdruck des Opfers (und meistens reicht ein Stoß auch nicht). Zu Bomben ist zu sagen, dass ich denke dass man selbst in den USA nicht einfach so Sprengstoff erwerben kann wie dies auch bei uns verboten ist.

Vor allem, wenn man sich dieser Argumentation anschließt: Wo ist dann das Ende? Warum sind dann in den USA nur halbautomatische Waffen (man lernt immer was wenn man für einen Eintrag recheriert: Das sind Waffen die nach einem Schuss die nächste Patrone automatisch nachladen, aber pro Druck auf den Auslöser nur einen Schuss abgeben, eine Vollautomatik gibt dagegen einen Feuerstoß ab solange man ihn gedrückt hält) legal erhältlich? Okay das deckt schon so was wie ein STEYR AUG Z, ein Sturmgewehr mit 42 Schuss pro Magazin ab (Bild), doch wenn die Waffe selbst nicht das Problem ist,  warum dann da aufhören? Sollte man dann nicht auch das Recht auf vollautomatische Waffen haben? Oder Maschinengewehre? Oder einen Panzer? Wo ist da die Grenze? Im Prinzip ist doch eines klar: Anders als ein Messer das man auch zum Essen brauchen kann ist eine Waffe nur zum Töten geeignet. Wenn ich Gewehre zur Jagd einmal herausnehme kann man sogar konkreter sagen: Zum Töten von Menschen. Ist es ein fundamentales Recht etwas zu bei sich tragen oder zu besitzen dass es einem so leicht macht einen anderen umzubringen?

In Deutschland kann man einen Waffenschein bekommen, wenn man die Waffe beruflich braucht (als Mitarbeiter von Wachdiensten, Jäger etc). oder einem Sport nachgeht (dann wird aber die Waffe in der Regel im Sportheim verblieben müssen). Privatpersonen müssen glaubhaft eine höhere Gefährdung als die Allgemeinheit nachweisen. Das klappt hier seit 60 Jahren ganz gut. Natürlich haben Kriminelle öfters Waffen als Normalbürger. Aber die Zahl der Toten durch Mord und Totschlag hält sich doch in Grenzen.

Mörder USA Deutschland
Tote pro Million Einwohner 42.802 11.6461
davon durch Schusswaffen 27.9271 4.65844
davon ohne Schusswaffen 14.8749 6,98766

Nun was wollen uns diese Zahlen sagen? Zum einen ist es offensichtlich in den USA wahrscheinlicher ermordet zu werden. Das Gesamtrisiko ist 4 mal höher als bei uns. Klammert man Schusswaffen aus, so ist es nur knapp doppelt so hoch. Die Zahl der Toten durch Schusswaffen ist 6 mal höher als bei uns. Das macht meiner Ansicht nach mehrere Dinge klar:

Die Gewaltbereitschaft die sich eben auch in Morden ausdrückt ist in den USA eine andere als bei uns. Hat man keine Waffe und muss dies "anders" tun, so fällt dies deutlich schwerer jemanden zu ermorden, denn dann gibt es "nur" doppelt so viele Tote. Mit einer Waffe geht es offensichtlich einfacher, vor allem weil man auch einfacher an eine herankommt. Denn dann ist das Risiko sechsmal höher. Anders ausgedrückt: In der BRD sterben 35 % der ermordeten durch eine Feuerwaffe, in den USA 65 %.

Fragt man warum die Gesetze nicht revidiert, so bekommt man interessante Antworten: So sollen nicht nur die Kriminellen Waffen haben und jeder sollte das Recht haben sich zu verteidigen. Kriminelle haben eher Waffen das ist klar. Doch die Bereitschaft sie auch einzusetzen oder gar nicht erst zu warten um zu sehen ob der andere auch bewaffnet ist, der einem bei einem Einbruch oder einer anderen Straftat erwischt dürfte wohl höher sein in einem Land wo man damit rechnen muss, das jeder Haushalt bewaffnet ist. Vor allem welche Alternativen hat man dann? Entweder ich erschieße den anderen oder ich werde erschossen. Wenn man Waffen nicht nur verbietet sondern auch danach schaut, dass sie systematisch aus dem Verkehr gezogen werden, dann dürften auch Kriminelle langsam aber sicher über weniger Waffen verfügen. Das funktioniert in den USA natürlich nur landesweit, so waren bisherige Versuche das in einzelnen Bundesstaaten zu regeln nicht besonders erfolgreich.

Das zweite ist der Wunsch sein Eigentum zu beschützen. Dafür werden offensichtlich die meisten Waffen gekauft. Nun gibt es immer wieder Unruhen und die Plünderer nach Catherina in New Orleans sprechen auch nicht gerade für die Polizei / Nationalgarde (Die USA haben trotz 456000 Nationalgardisten offensichtlich Probleme ihre Bürger im Zaum zu halten wenn Naturkatastrophen die Infrastruktur zerstören.

Das ist das Problem: Offensichtlich ist dese Gesellschaft nicht (oder noch nicht) stabil. Kleinste Erschütterungen führen zum Chaos. Wenn ich in einer solchen Gesellschaft leben würde und Politiker wäre, dann würde ich alles tun um neben Verbesserungen der sozialen Situation (die ja die Ursache sind) vor allem Waffen aus dem Verkehr zu ziehen. Das ist doch so ziemlich das letzte was man haben will wenn  es Konflikte gibt. Sie können sie nur verschärfen. Das wäre wie wenn man in einem Land voller Kiffer den Haschischverkauf an jeder Ecke erlauben würde.

Manchmal habe ich das Gefühl die USA leben immer noch in der Zeit des Wilden Westens - ich glaube aus dieser Zeit stammt auch dieses Bedürfnis sich verteidigen zu müssen. Diese Waffennarretei die dort verbreitet ist, die Bereitschaft sie zu schnell einzusetzen und auch das Verhalten in der Weltpolitik als Sheriff, der einfach auf eigene Faust sein Ding durchzieht sprechen doch eine deutliche Sprache. Vielleicht sollten sie mal den Schritt ins nächste Jahrhundert machen....

Freitag 20.4.2007: Wer zu spät kommt, denn bestraft das Leben

Gerade habe ich ein Buch von Werner von Büdeler aus den siebziger Jahren über der Spacelab gelesen. Ich kaufe gerne alte Bücher bei Amazon Marketplace ein und versorge mich so vorwiegen mit alten Büchern über Weltraumfahrt. Es ist erstaunlich wie man noch 1976, als das Werk erschien und man schon seit Jahren kleinere Brötchen backen musste noch an eine glänzende Zukunft mit dem Space Shuttle glaubte. Die Reduktion der Transportkosten sollte eben auch eine Raumstation ermöglichen.

eine Raumstation ist teuer im Unterhalt. Der Schlüsselpunkt sind die Transportkosten. Die ISS braucht bei 6 Astronauten pro Jahr etwa einen Flug eines ATV und eines HTV mit Fracht und Treibstoff, zusammen mehr als 20 t. Dazu gibt es noch einige Progress Flüge. Noch teurer ist der Mannschaftstransport. Die russische Sojus ist hier leider kein Maßstab, denn ihr Startpreis ist nicht vergleichbar mit einem westlichen Start. Für den Start der Orion Kapsel wird man eine Trägerrakete mit 20 t Nutzlast einsetzen, die Ares I, so eine Rakete kostet für unbemannte Programme alleine 200 Millionen US-$. Die Kapsel für 6 Astronauten wird sicher erheblich teurer sein.

In der Tat wäre der Space Shuttle sowohl für den Mannschaftstransport wie auch die Rückführung von Material ideal gewesen. Treibstoff hätte man durch Ankoppeln einer Raketenstufe sicher unbemannt besser transportieren können. Bei Fracht kann man nur durch eine genaue Rechnung vergleichen.

Dabei war das Space Shuttle ursprünglich für den Betrieb einer Raumstation entworfen. Alleine mit unbemannten Nutzlasten war der ehrgeizige Flugplan von 12 Flügen pro Orbiter pro Jahr nicht zu begründen. 1972, in dem Jahr als das Space Shuttle genehmigt wurde starteten die USA insgesamt 33 Raketen, 5 Scout, 11 Delta, 6 Atlas, 5 Titan 3B und 4 Titan 3C/D und 2 Saturn V. Klammert man die Saturn V aus, so wären das Nutzlasten für 14 Space Shuttle Flüge.

Die NASA rechnete damit dass man nach dem Space Shuttle die Raumstation in Angriff nehmen würde. Als Zwischenlösung wollte man das Spacelab einsetzen: Ein Labor an Bord das Space Shuttle, flexibel einzusetzen mit einem modularen System. Änderungen im Shuttle System sollten Missionsdauern von 30-33 Tagen ermöglichen.

Doch es kam anders als man denkt. An die Umrüstung des Space Shuttle für Langzeitaufenthalte ging man nie konsequent. Das wesentliche dafür wäre ein im Orbit entfaltbaren Solarpanel gewesen, da die Brennstoffzellen die aus Wasserstoff und Sauerstoff bei 30 Tagen Aufenthaltsdauer enorme Vorräte an diesen Stoffen mitführen mussten, die zum Lasten der Nutzlast gehen.

Tatsächlich gab es auch 1984 die Ankündigung von Reagan man sollte eine Raumstation entwickeln, namens Freedom. Doch während man noch plante kam Challenger und damit eine Umkehr in der Shuttle Politik. Zum einen brauchte man nun für das Space Shuttle Programm das Geld, zum anderen war der optimistische Flugplan nun Makulatur und die Station musste umgeplant werden. Weniger Montagearbeiten, mehr vorgefertigte Module. Sie wurde zu teuer, man suchte nach Allianzen, fand sie in Russland, Japan und Europa und über mehrere Zwischenschritte wurde aus der Freedom schließlich die ISS. Bis man an den Aufbau ging war es 1998 und dann gab es Verzögerungen, vor allem weil russische Module nicht bereit standen aber auch die Space Shuttle nicht so oft fliegen konnten wie gewünscht.

Dann kam der Verlust der Columbia und nun wird die ISS mit 8 Jahren Verzögerung 2010 fertig gestellt. Der Bau alleine dauert 12 anstatt 5 Jahre. Ich denke man hätte schon lange eine Raumstation haben können. Man hätte eben nur wie bei Skylab die bestehende Technologie einsetzen müssen. Ein Space Shuttle hätte einen umgebauten Tank in den Orbit befördern können. Im Tank hätte man im Wasserstofftank einen Zwischenboden, Trennwände und einige feste Einrichtungen angebracht. Er wäre später als Wohnquartier benutzt worden und hätte ein Volumen von 1400 m³ gehabt. Im Nutzlastraum wäre ein Adapter gewesen, der 6 Kopplungsstellen hat und den man an den Tank ankoppelt. Ein nächster Flug hätte ein Spacelab mit dem Lebenserhaltungssystem und einem Solarpanel gebracht. Der restliche Innenraum wäre mit Einrichtungen voll geladen gewesen. Man hätte es an den Adapter angekoppelt und die Astronauten hätten den Tank dadurch wohnlich gemacht. 4 weitere Flüge hätten weitere Spacelabs mit Druckmodulen oder Paletten gebracht. So hätte man das Spacelab genutzt, den Tank und relativ wenige Flüge gebraucht (maximal 6 Stück). Man könnte ein Modul sogar wieder zur Erde zurückbringen und durch ein neues ersetzen.

Das ganze unterscheidet sich gravierend von dem Konzept der ISS mit mehr filigranen Teilen, mehr Strukturen die montiert werden müssen, aber dafür auch viel mehr Flüge erfordern. Ähnliche Konzepte wie dieses von mir gab es auch in den USA. Zu verlockend war die Benutzung des Tanks - schließlich erreicht er fast den Orbit. Denkt man nur die Nutzlast für einen Orbit um einige Tonnen, so kann man ihn in den Orbit schleppen und hat dann einen einen komfortablen und großen Wohnraum.

Doch man entschied sich anders - Für einen weniger pragmatischen, dafür eleganten Ansatz. Es dauerte noch 10 weitere Jahre bis 1992, bis man begann umzudenken - zumindest im unbemannten Programm und mit dem Discovery Programm versuchte Kosten zu sparen indem man auch (neben anderen Vorgaben) nicht alles neu entwickelte sondern schon bewährtes einsetzte. Schade: Eine Raumstation, rechtzeitig gebaut hätte das Space Shuttle Programm stabilisiert. Denn nach Challenger war das große Problem ja: Für was braucht man das Space Shuttle noch? Flüge für den reinen Transport von Satelliten waren weitgehend verboten, ein Flug mit dem Spacelab war teurer für eine Arbeitsdauer von 7-10 Tagen. Und etwas anderes gab es nicht! Man hatte Glück, die Sowjetunion brach zusammen und die Sowjets brauchten Geld. Man finanzierte die MIR und dafür flogen US Astronauten an Bord des Space Shuttles zur Mir, man brachte Vorräte und Verbrauchsgüter zur Mir und konnte das der Öffentlichkeit sogar gut verkaufen.

Die ISS ist dagegen ab 2010 ohne die Space Shuttle zu betreiben. Wie man dann verfährt ist noch offen. Nun ja, wer zu spät kommt, denn bestraft das Leben...

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Samstag 21.4.2007: In Memoriam Mars Global Surveyor

MGSVor einigen Tagen hat die NASA bekannt gegeben, was die Ursache für den Verlust des Mars Global Surveyors (MGS abgekürzt, sonst schreibt man sich zu Tode) war: Es war eine fehlerhafte Folge von Befehlen an den Bordcomputer, die schon 5 Monate vor dem Ausfall übertragen wurde. Sie drehte den Orbiter bei einem Routinemanöver so, das eine Batterie überhitzte und sich beide entluden. Da die Antenne nicht zur Erde zeigte erfuhr man davon nichts.

Es war im klassischen Sinne kein "menschliches Versagen", sondern die Verantwortlichen reagierten genau nach Vorschrift und den vorgeschriebenen Prozeduren. Diese werden nun überarbeitet werden. Trotz des unglücklichen Verlustes kann die NASA zufrieden mit dem MGS sein. An dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung seiner Mission.

Der MGS begann als Phoenix aus der Asche: !993 hatte die NASA den Mars Observer verloren als dieser in den Mars Orbit einschwenken sollte. Es war zu teuer den ganzen Mars Observer nachzubauen. Seine Mission sollte 980 Millionen USD kosten. So entschloss man sich für eine preiswerte Lösung: Der MGS transportiert nur knapp die Hälfte der Instrumentenlast des MO (5 der 7 Instrumenten, doch die beiden schwersten blieben außen vor). Dadurch konnte man ihn erheblich leichter bauen (jedes Kilo Instrument macht die Struktur schwerer, erfordert Kabel, Energie, macht so die Batterien und Solargeneratoren schwerer, erzeugt Abwärme, braucht Elektronik etc.. Kurzum 1 kg weniger Instrumente macht einige Kilogramm im Sondengewicht aus). Vor allem aber nutzte man erstmals die Atmosphäre um die Sonde in den endgültigen Orbit zu bringen und konnte so einen Großteil des Treibstoffs einsparen. Beim Bau konnte man Reserveexemplare der Instrumente und zu 80 % Teile vom Ingenieursexemplar des Mars Observers einsetzen. So wurde die Sonde recht preiswert und es genügte eine Delta 2 zum Start anstelle einer Titan 3.

Bald nach dem Start gab es ein Problem. Ein Solarpanel war nicht korrekt eingerastet, funktionierte aber einwandfrei. Als man nach dem Einschwenken in den Orbit am 12.9.1997 mit dem Aerobraking begann machte es erneut Probleme und bewegte sich. Man wollte einen Bruch von Verbindungen nicht riskieren und dehnte die Aerobraking Phase über 1 Jahr aus anstatt lediglich 6 Monate. Danach schloss sich eine 2 jährige Primärmission an, die mehrfach verlängert wurde. Bis auf den Laser Entfernungsmesser MOLA der im Sommer 2001 ausfiel arbeiteten alle Instrumente bis zum Schluss.

Wenn der MGS im Laufe der Zeit weniger Daten lieferte, dann lag dies nicht an seinem Gesundheitszustand sondern den Finanzen: Es gab nach Ende der Primärmission am 31.1.2001 weniger Geld für die Auswertung der Daten und weniger Zeit der Antennen der Bodenstationen. So machte der MGS in den 2 Jahren der Primärmission 91.6 Millionen TES Spektren und in den 5.5 folgenden Jahren weitere 102 Millionen. Auch von den 240.000 Aufnahmen der Kamera entfallen 112.000 auf diese ersten 26 Monate. Ein Problem haben die Aufnahmen übrigens bis heute: der MGS hat zwei Kamerasysteme an Bord eines mit einer extremen Weitwinkeloptik und einer Auflösung von 250 und eines mit 1.4 m pro Bildpunkt. Es machte sehr große Probleme festzustellen was genau die Kamera aufgenommen hatte - Auf der Weitwinkelaufnahme war dies deutlich zu erkennen und das alte Bildmaterial von Viking hat je nach Ort eine sehr unterschiedliche Auflösung. Als Folge gibt es dafür bei dem nächsten Mars Orbiter mit einer solchen hochauflösenden Kamera extra eine weitere Kamera welche eine mittlere Auflösung hat und gleichzeitig ein Bild macht.

Als der MGS ausfiel war er in vielen Teilen schon von seinen Nachfolgern abgelöst worden. Der Mars Odyssey übertrug 90 % der Daten der beiden Rover und der Mars Reconnaissance Orbiter verfügte über viel leistungsfähigere Instrumente. Lediglich die Weitwinkelkamera des MGS sollte noch weiter betrieben werden, weil es keinen Ersatz für sie an einem anderen Orbiter gab. 10 Jahre sind auch so für eine Raumsonde ein ehrwürdiges Alter: Die Leistung von Solarzellen nimmt ab, der Treibstoff ist ebenfalls endlich und Elektronik und Batterien altern (Ein Großteil der Instrumente setzte 80C86 Mikroprozessoren ein.... versuchen sie diese mal auf der Erde aufzutreiben). So gesehen sollte man ihm nicht zu sehr nachtrauern. Er hat seine Aufgabe erfüllt und gut gemacht. Und er war gemessen an den gelieferten Daten eine der preiswertesten Raumsonden die man je entwickelt hat.

Sonntag 21.4.2007: Pyridoxin

PyridoxinNachdem mich am Freitag ein Journalist der Kronenzeitung aus Wien angerufen hat um mir einige Fragen Zusatzstoffen zu stellen habe ich mir vorgenommen mal wieder was über Lebensmittelchemie zu schreiben. Schließlich habe ich das mal studiert (und sogar nach 10 Jahren noch etwas behalten, zumindest soviel um mich wieder einzulesen). Fangen wir mal mit einem Vitamin an Pyridoxin oder Vitamin B6.Warum ausgerechnet dieses, nicht so bekannte? Nun ich habe in einer Studienarbeit eine Bestimmungsmethode für es entwickelt und daher eine besondere Beziehung zu ihm. Versuchen wir mal etwas mehr darüber zu schreiben als in der Wikipedia steht. Das ist zu diesem Zeitpunkt nämlich äußert kümmerlich (Und ich mag es nicht wenn Texte von mir in die Wikipedia kopiert werden!).

Fangen wir bei den Grundlagen an. Pyridoxin ist eine Sammelbezeichnung für 3 sehr nahe verwandte Substanzen: Pyridoxol, Pyridoxal und Pyridoxamin. Sie unterscheiden sich welche Gruppe am vierten C Atom angebracht wird. In der wirkungsweise sind sie austauschbar und ich stellte fest dass bei einem Lebensmittel die prozentuale Verteilung der 3 Teilformen sich sogar änderte. In pflanzlichen Lebensmitteln findet man vorwiegen Pyridoxol, in tierischen vor allem Pyridoxal und Pyridoxamin.

Pyridoxin ist ein Coenzym. "Hääää was ist ein Coenzym?" höre ich sie fragen. Also es gibt Enzyme. das sind Eiweiße die chemische Umsetzungen im Körper leichter möglich machen. Die gesamten Stoffwechselvorgänge werden durch Enzyme durchgeführt. Enzyme bauen aber auch Zellen und Zellbestandteile auf und ab. Ein Coenzym ist ein Nicht-Eiweißanteil der von einem Enzym benötigt wird, damit es funktioniert. Fehlt das Coenzym, so kann das Enzym nicht arbeiten. Es ist wie ein fehlendes Teil in einem Puzzle das sonst nicht komplett ist,.

Im Körper ist Pyridoxin in Form der Verbindungen Pyridoxalphosphat (PLP) und Pyridoxaminphosphat )PALP) Bestandteil von 60 Enzymen. Mit einer Ausnahme sind diese alle am Aminosäurenstoffwechsel beteiligt. Der Körper besteht aus 20 Aminosäuren. Laufend werden Zellen aufgebaut, Zellbestandteile gebildet und abgebaut. Je nachdem was gerade synthetisiert wird ist das Gemisch dass benötigt wird unterschiedlich. Das ganze ist so etwas wie Bauen mit Lego - manchmal hat man bestimmte Steine übrig, manchmal fehlen sie. Glücklicherweise kann der Körper sich da helfen. Er kann 12 der 20 Aminosäuren in andere umwandeln. Bei 8 kann er es nicht. Bei diesen ist er auf eine ausreichende Zufuhr in der Nahrung angewiesen.

In den meisten Enzymen welche diese Umbildungen von Aminosäuren bilden ist nun PLP / PALP der wesentliche Faktor. Am C-4 des PLP ist dieses an das Enzym lose gebunden. Eine Aminsäure reagiert mit dem C4, löst es vom Enzym ab und bildet eine neue Verbindung mit dem PLP. Diese Bindung ist aber genauso labil wie diese an dem Enzym. Das PLP hat Elektronenmangel und zieht Elektronen aus der Aminosäure ab. Dadurch zerfällt die Aminosäure abhängig von ihrem Aufbau. Sie kann oxidiert werden, die Aminogruppe kann transferiert werden, eine Carboxylgruppe kann abgetrennt werden. Diese Drei Grundreaktionen erlauben es alle 12 Aminosäuren ineinander zu überführen.

Das einzige Enzym das Pyridoxalphosphat als Coenzym besitzt und nichts mit dem Aminosäurenstoffwechsel zu tun hat ist die Phospopyruvase, ein Enzym, das Glykogen im Muskel spaltet um daraus Energie zu gewinnen.

Was passiert nun wenn man nicht genug Pyridoxin aufnimmt? Nun gestört ist dann der Aufbau von Eiweiß, das manifestiert sich in allem was öfters erneuert werden muss:

Interessant ist auch, dass Depressionen durch Vitamin B6 Mangel entstehen können: Es werden zu wenig Neurotransmitter gebildet und die Aminosäure Tryptophan die für den Serotoninstoffwechsel notwendig ist wird n zu geringer Menge gebildet. Personen die Depressionen hatten verloren diese wenn sie 2 x 20 mg Pyridoxin bekommen. (Mensch das ist doch mal eine gute Nachricht!).

Pyridoxin kommt in zahlreichen Nahrungsmitteln vor. Gute Quellen sind Nüsse, Leber, Weizenkeime, Vollkornprodukte, Hefe und Bananen. Man findet es aber auch großen Mengen in Fisch, jeglichem Art von Fleisch, Paprika, Kohlarten, Spinat, Kartoffeln, gelben Rüben. Der Tagebedarf beträgt 1.6 mg für Frauen und 1.8 mg für Männer. Ein Mangel isst relativ selten, weil das Vitamin in vielen Nahrungsmitteln sowohl pflanzlicher wie tierischer Natur vorkommt.

Pyridoxin ist ein relativ einfaches Molekül und nicht ganz so empfindlich wie andere Vitamine, die gerne durch Hitze, Sonnenlicht und Sauerstoff zerstört werden. Veränderungen des pH Wertes von Lebensmitteln und Sauerstoff machen ihm nichts aus. Es ist jedoch lichteempfindlich. Beim Erhitzen kommt es auf den pH Wert n. Alkalische Lebensmittel verlieren hier mehr Vitamin B6 als saure (alkalisch ist normalerweise Fleisch, sauer sind dagegen Milchprodukte, Obst und Gemüse). Es ist sehr gut wasserlöslich und wird beim Kochen aus den Lebensmittel herausgelöst. Die Verluste bei der Zubereitung sind daher klein bis mittel. (0-40 % beim Kochen).

Okay und wie bestimmt man es? Schließlich muss ich ja noch was von meiner Studienarbeit zum besten geben. Ich habe es mit verdünnter Schwefelsäure aus den stark zerkleinerten Lebensmitteln herausgelöst. Die Lösung wird filtriert, Zentrifugiert und dann über eine mit RP-12 Material beschichtete HPLC Kolonne chromatographisch getrennt. Die Quantitative Analyse geschah durch Zusetzen von definierten Mengen von Lösungen der 3 Formen des Vitamins zu der Lösung und Vergleich der ursprünglichen Peakflächen mit den nach Zusetzen des Standards.

Die Methode basierte auf einer Literaturrecherche. Es zeigte sich, dass anders als in der Originalmethode man das Lebensmittel kalt extrahieren konnte und es keinen Verlust der Empfindlichkeit gab, wenn man den pH Wert der Analysenlösung durch eine Pufferlösung (Natriumacetat) auf 3-4 anstatt 2 erhöhte). Die recht teuren RP-12 Säulen die niedrige pH Werte nicht vertragen danken es einem.


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