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Web Log Teil 222: 6.4.2011 - 11.4.2011

Mittwoch den 6.4.2011: Klientelpartei

Nun hat sich die Westerwelle überschlagen und ist ausgerollt. Alles paletti? Mitnichten. Denn nicht Westerwelle ist das Problem, er hat es aber geschaffen. Ich gestehe: Auch ich habe FDP gewählt. Einmal, das war 1987. Doch das war eine andere Partei. Die nannte sich zwar auch FDP, aber sie stand damals für liberale Werte, hieß: für die Freiheit des Bürgers: für mehr Bürgerrechte, weniger Staat, eine bessere Bildungspolitik. Damals war mein Grund FDP zu wählen, dass sie gegen die damalige Verschärfung der Asylgesetzgebung war, welche die CDU betrieb.

Natürlich gab es immer auch in der FDP den zweiten Zweig, die Wirtschaftsliberalen, deren einziges Programm eine radikale Marktwirtschaft ist. Auf den Punkt gebracht: Der Staat soll sich aus der Wirtschaft heraushalten, alle Hemmnisse beseitigen und möglichst alle Arbeiterrechte noch dazu, dann wird es der Wirtschaft so gut gehen, dass alle auch die Arbeiter davon profitieren.

Was Westerwelle seit seinem Antritt als Generalsekretär 1994 betrieben hat, war eine Reduktion der FDP auf den Wirtschaftsliberalismus mit den markigen Worten "mehr Netto vom Brutto" oder "Steuer senken". Das hat ja und das sollte man nicht vergessen, der FDP viele Wähler gebracht auch verliefen die letzten Landtagswahlen vor der Bundestagswahl sehr gut. Es klang ja auch toll und sicher der FDP viele Wähler aus der Mittelschicht und den Gutverdienenden eingebracht. Letztere (vor allem die Selbständigen und Unternehmer) sind ja das Stammklientel der Partei, denn sie profitieren ja von den Forderungen der Partei.

Mit dem Amtsantritt begann der Absturz. Warum? Eigentlich hat doch nur die FDP das gemacht, was sie versprochen hat: Steuern senken. Nur meinten wohl 90% der Wähler, das wären die Steuern welche die Arbeitnehmer zahlen müssen. Nein es heißt ja Wirtschaftliberalismus: Es ist die Belastung der Unternehmen gemeint. Also verringerter Mehrwertsteuersatz für Hoteliers, erhöhter Beitrag der Versicherten zur Krankenversicherung, aber der für Unternehmen bleibt gleich. Oder die Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke, denn auch das bedeutet Gewinne für die Stromkonzerne. So was nennt man Klientelpolitik und nun plötzlich wehte der FDP ein kalter Wind entgegen. Zugegeben es ist nicht besonders intelligent, im Wahlkampf die Abschaffung des Entwicklungsministeriums zu fordern und dieses dann selbst zu besetzen, aber immerhin auch hier konnte man Steuern sparen: Dirk Niebel hat nun einen Chauffeur und kann sich das Steuern des Dienstwagens spar'n.... Steuer sparen kann die FDP am besten bei sich selbst: Lambdsorf war der erste Parteivorsitzender der wegen Steuerhinterziehung (für die FDP) verurteilt wurde. Das war in den Achtzigern noch was besonderes. Inzwischen ist es ja gang und gäbe.

Was nun betrieben wurde, ist ein Bauernopfer. Das Problem ist aber, dass alle die unter Guide Westerwelle in den Vorstand aufgerückt sind und Regierungsämter bekleiden auch zu diesem Wirtschaftsliberalen Flügel gehören. Phillip Rösler hat das mit seiner "Gesundheitsreform", welche mehr Geld für die Ärzte, keine höheren Beiträge für die Unternehmen und eine höhere Belastung der Versicherten vorsieht ja gezeigt. Und wie Westerwelle zeigt ist sie ja auch voll für die Senkung des Rentenalters - schon mit 49 gehört man nun ja in der FDP zum alten Eisen, außer man ist mit Alkohol konserviert wie der Brüderle. Der darf wohl nur deswegen bleiben, weil ihn keiner versteht.

Immerhin: Die FDP ist ja noch in der Regierung geblieben. Ich habe leider keinen Weblink gefunden, aber ich kann mich ein Interview mit Helmut Schmidt erinnern, in dem er sich in etwa so über die FDP geäußert hat "Die FDP hat Erhard verraten, die FDP hat mich verraten und sie wird nicht zögern, nochmals die Seiten zu wechseln, wenn es ihr zum Vorteil gereicht". Okay, das ist nun wohl deswegen nicht gegeben, weil bei Neuwahlen sie wohl nur ein Drittel der Stimmen von 2009 bekommen würde und mit der SPD es ohne Neuwahlen nicht zu einer neuen Regierung langt. Aber das erinnert mich an zwei Ausdrücke die 1982/83 Mode waren. Der "Wendehals" als Ausdruck für eine bestimmte Art von Politikern (und Vogel des Jahres 1983) und der "Wendellin" - man achte mal auf die Ähnlichkeit von Genscher und der gleichnamigen Zeichentrickfigur.

Ich denke, wir wissen was nun kommt: Die FDP wird sich an die Macht klammern so gut es geht. Darum geht es ihr ja. Man darf nicht vergessen, dass keine andere Partei länger an einer Regierung in der Geschichte der BRD beteiligt war. Unterstützt von der CDU, die ohne die FDP keine Regierung mehr bilden kann und die ja alle Möglichkeiten mit den Grünen zu koalieren bisher kategorisch abgelehnt hat. So kann sie nicht wechseln. Die beiden werden durchregieren, bis es nicht mehr geht, z.b. der Bundesrat blockiert. Aber selbst dann gibt es noch Möglichkeiten, wie nur Gesetze zu beschließen, die nicht von den Ländern abgesegnet werden müssen. Und solange sie an der Regierung sind, wird schnell das Fähnchen in den Wind gehängt, um doch noch die Gunst des Wählers zu gewinnen.

Ich sehe aber langfristig schwarz für die FDP, weil die reale Welt gerade in den letzten Jahren zeigte, dass ihre Politik "mehr feie Marktwirtschaft" zum Ruin ganzer Staaten führen kann, weil Banken die Börsen und auch die Wirtschaft in den Abgrund reißen müssen. Die meisten sind eher der Meinung, dass mehr reguliert werden muss und nicht weniger.

Zuletzt noch ein Gedanke. Heute las ich beim Friseur, dass die Aktien der deutschen Konzerne weitgehend im Besitz des Auslandes sind, besonders die Chinesen haben in den letzten Jahren hier kräftig zugelangt und ihren Anteil ausgebaut. Die Chinesen... Hat nicht mit denen vor wenigen Tagen noch da Westerwelle sich so gut verstanden? Und Philip Rösler, sieht ja auch richtig deutsch aus nicht wahr? Wird die FDP inzwischen von den Chinesen finanziert, mit dem Ziel Deutschland zu ruinieren, damit die Chinesen es aufkaufen können und Rösler dann als Marionettenkanzler etablieren können? Wer weis, dieser Klientelpartei ist alles zuzutrauen...

Donnerstag 7.4.2011: Größenwahn bei SpaceX

Ich hatte mir vorgenommen nichts mehr über diese "so called" Raumfahrtfirma zu schreiben. Aber sie macht es einem fast unmöglich. Wie der eine oder andere mitbekommen hat, stellte die Firma am Dienstag ihre Falcon Heavy vor. Hier ein Link zum Video. Und hier zu den technischen Angaben der Falcon Heavy.

Ich sage mal gar nichts zu den technischen Angaben, die z.B. Voll/Leermasseverhältnisse von 30:1 bei höherer struktureller Integrität aufweisen. Das wird sich zeigen, ob sie erfüllbar sind.  Ich gehe nur mal auf das Businessmodell ein.

SpaceX plant 10 Falcon 9 und 10 Falcon Heavy pro Jahr. Das entspricht einer beförderten Last von 640 t. Die USA starteten letzten Jahr sieben Atlas V+Delta IV.. Das entspricht rund 70 t LEO Nutzlast pro Jahr - nur als ein Zehntel der Produktionskapazität von SpaceX. Selbst wenn die kommerziellen Starts der Ariane und Proton hinzukommen (15 letztes Jahr) erreicht das gerade einmal etwa die Hälfte dieser Produktionskapazität.

Und es ist unwahrscheinlich dass SpaceX alle Starts erhält, selbst wenn sie konkurrenzlos billig sind. Denn sowohl Regierung, wie auch kommerzielle Kunden, sind an mehr Anbietern interessiert. Das zeigte sich als Sealaunch bankrott ging und Intel und Loral mit Startaufträgen der Firma halfen, aus Chapter 11 herauszukommen. Dazu gibt es noch Bindungen so wird Ariane immer einige Aufträge aus Europa bekommen. Vielleicht erreicht SpaceX mal 50% Anteil im freien Markt und bei Regierungsaufträgen.

Zum zweiten hat bisher SpaceX gerade einmal einen kommerziellen Auftrag für einen GTO-Transport. Bei zugesagten Startzeiten von 2-3 Jahren nach Bestellung sollte doch 2013/2014 schon gut belegt sein. Es gibt aber nur 6 bzw. 7 Starts des kleineren Modells und davon sind die Hälfte nur Versorgungsflüge für die ISS. Woher also dieser grenzenlose Optimismus?

Die NASA erklärte dagegen noch vor wenigen Tagen, die Falcon 9, die schon letztes Jahr zwei Starts absolvierte wäre nicht vor 2013/4 geeignet ihre Raumsonden zu transportieren. Dabei rechnet Elon Musk ja sogar mit dem Transport von Astronauten und betont die Fähigkeit seiner Rakete dafür. Nun startet ja die NASA schon Versorgungsflüge mit SpaceX, warum also diese Zurückhaltung? Ganz einfach: Wenn ein Versorgungsflug ausfällt, dann können Progress, Cygnus, HTV und ATV einspringen. Gerade das war ja der Sinn der Konzeption: Die ISS ist nicht von einem Vehikel abhängig. Bei den Resupply-Flügen gibt es sogar die Vertragsklausel dass einem der beiden Anbieter bei Nichterfüllung der Aufträgen entzogen und dem anderen zugesprochen werden kann.

Ist eine Raumsonde aber mal bei einem Fehlstart verloren dann war's das. Und ist es ein Satellit für das DoD, so kann die nationale Sicherheit gefährdet sein. Daher werden beide Stellen mal schön abwarten bis es genügend erfolgreiche Flüge vom Newcomer gibt. Beim Transport von Astronauten wird es noch schwerer sein sich gegen etablierte Konzerne durchzusetzen die seit 4 Jahrzehnten jedes Raumfahrzeug entwickelt haben. Denn da geht es vor allem um Sicherheit, weniger um einen niedrigen Preis. Daher ist die Entwicklung eines Trägers ziemlich riskant, vor allem finde ich keinen Hinweis wie er mehr als eine Nutzlast starten soll. Die Nutzlastverkleidung ist ja jetzt schon recht klein - 13,90 m Länge ist nicht gerade riesig. Die von Ariane ist 17 m lang, die der Delta IVH für die Aufklärungssatelliten 19,8 m lang. Die Falcon 9 kann nicht mal einen KH-12 Aufklärungssatelliten transportieren - dafür reicht der Platz nicht aus, geschweige denn zwei Nutzlasten (Doppelstartstruktur fehlt). Bleiben kleinere Nachrichtensatelliten, dafür reicht sie aus. Nur ist sie dafür viel zu groß - um einen 6 bis 7 t Satelliten in GTO zu transportieren würde eine halb so große Rakete ausreichen.

Meiner Recherche nach gibt es derzeit auf der ganzen Welt genau, NULL Nutzlasten, die eine Rakete mit 50 t LEO Startkapazität erfordern. Warum wurde sie also entwickelt. Nun die Antwort gibt die SpaceX Website: "Elon Musk, CEO and chief rocket designer " - so ist es wenn man nicht nur CEO ist, sondern auch Chef Rocket Designer und keine Ahnung hat wie z.B. die Aussage, dass seit der Saturn V die Falcon Heavy die leistungsfähigste Trägerrakete sei.

Falsch. Das Space Shuttle transportiert bis zu 125 t in den Orbit und Energija in den beiden Starts 88 bzw. 104 t. Aber so genau nimmt es mit Angaben bei SpaceX ja niemand...

Meine Prognose: SpaceX verlupft sich bei der Entwicklung von Trägern die keiner braucht und geht bankrott - oder hofft das Geld von Anlegern zu bekommen die dann nachschießen. Die Firma will ja auch an die Börse gehen und die belohnt ja nicht solide Bilanzen, sondern angebliche Aufträge oder zukünftige Einnahmen....

Donnerstag 21.4.2011: Kampf der Entropie

So, nun bin ich zurück vom Arbeitsurlaub aus unserem Ferienhaus. Das ist die beste Umschreibung von dem was ich dort mache. Primär geht es darum ein bis zweimal pro Jahr nach dem rechten zu sehen, Großputz zu machen, das Unkraut aus den Terrassen- und Gehwegfugen zu entfernen und selbiges mit dem Hochdruckreiniger zu putzen und die Sträucher wieder zurechtzustutzen. Aber es bleibt auch immer etwas Zeit für mich, wobei im Allgäu ohne Auto die Möglichkeiten etwas zu unternehmen natürlich begrenzt sind. Dazu kommen immer ein paar Instandhaltungsarbeiten, diesmal waren einige Möbel und die Türen neu zu lackieren.

Interessant ist für mich eines: ich putze dort so viel, wie niemals daheim, mit einer Intensität die ich auch zuhause nie machen würden, wie z.B. alle Möbel die beweglich sind, wegrücken um an die Fugen und versteckten Stellen zu kommen. Dabei ist es dort in der Regel schon recht sauber (diesmal nicht, weil die Gäste die vor mir drin waren, einen Hund hatten). Vielleicht weil ich ein enges Zeitfenster habe, wahrscheinlich aber auch, weil ich bei den Gästen vorher die Endreinigung abbestelle und das Geld dafür bekomme, sofern die nachfolgenden Gäste zufrieden sind.

Privat halte ich es mit dem Motto zu putzen, wenn mich der Dreck stört, nicht aber regelmäßig. Das ist ein Riesenunterschied zu meiner Mutter, die das anders sieht und meint bestimmte Tätigkeiten müssten regelmäßig durchgeführt werden und vor allem viel weniger Schmutz toleriert. Da sie nun aber 86 ist, muss ich das Haus nun für sie mit putzen. Ich habe wie viele Männer eine Vorliebe für technische Geräte. Früher habe ich sogar die Treppen mit dem Staubsauger geputzt. Derzeit ist mein Lieblingsgerät der Hochdruckreiniger, weil die Erfolgsergebnisse doch recht deutlich sind, auch wenn ich gehört habe, dass es den Stein aufraut, sodass er schneller neu verschmutzt. Aber im Ferienhaus hat sich auch ein Dampfreiniger bewährt, weil wir dort sehr empfindliche Platten haben. Vielleicht lege ich mir auch so einen für daheim zu.

Ich finde es erstaunlich, für wie viele Leute Sauberkeit wichtig ist. Bei uns im Sachwabenland denkt man da ja sofort an die Kehrwoche als nationale Institution. Jeden Samstag sieht man die Leute draußen fegen, sogar den Bürgersteig. Ich denke mir: Warum? Unsere Stadt fegt ja auch nicht ihre Straßen und räumt sie auch im Winter nicht, mit Ausnahmen einiger Hauptstraßen. Earum soll ich also den Bürgersteig fegen? Besonders interessant ist, wie manche Leute annehmen ihre Vorstellungen von Sauberkeit wären normal. Oder sagen wir es besser: eigentlich jeder denkt seine Vorstellung von Sauberkeit ist normal oder anders gesagt: allgemeingültig. Es gibt sicher Fälle, die sind unstrittig wie die Messy-Wohnung oder auch zahlreiche Zimmer weiblicher Teenager (bzw. seit ich GNTM schaue weiß ich, das gilt auch für junge Frauen). Aber es ist auch erstaunlich wie manche nur auf bestimmte Dinge achten. Meine Mutter zum Beispiel hat es mit Spinnweben, selbst wenn die in nur mit Hilfsmittel erreichbaren Ecken sind und man sie nur sieht wenn man zur Decke schaut. Auf die Idee, auch mal die Schränke oben abzuwischen, kommt sie aber nie. Oder: bei der Küche muss die Front sauber sein, nicht aber das Innere wo die Lebensmittel sind.

Mein erschreckendstes Erlebnis waren die Mitarbeitertreffen bei meinem letzten Arbeitgeber. Regelmäßig beschwerten sich die beiden Sekretärinnen über die Sauberkeit der Küche. Als das zum ersten Mal aufkam, war für mich klar: ich benutze die Küche nicht, stattdessen habe ich mein Geschirr lieber auf dem Klo gespült. Das war ein Dauerthema bei den Sitzungen obwohl allen Beteiligten klar war, dass die Küche auch von den Mitarbeitern des Rechenzentrums genutzt wurden (deren Arbeitszimmer schon aussahen als wäre ein Tornado durchgegangen und vor allem von den Professoren die ja nicht zu den Mitarbeitern zählen. Einmal gab es sogar den Vorschlag dort eine Webcam aufzustellen um den bösen Mitarbeiter (oder Professor) zu finden, der die Küche "versaut". Immerhin bekommt man da tiefe Einsichten in die menschliche Psyche. Was ich vorher nicht wusste. Es gibt Leute, die halten eine saubere Spüle in der es aber Wassertropfen gibt (wie denn auch in einer Spüle mit einem Wasserhahn) für dreckig und bestehen darauf diese nach jeder Benutzung trocken zu wischen! Das war die Sauberkeitsvorstellung der Sekretärinnen, die sie bei jedem Treffen allen Mitarbeitern als Norm präsentierten.

Solche Leute haben mir auch jahrelang Probleme gemacht. Obwohl ich mir einbilde, das Haus wirklich sauber zu hinterlassen, schließlich habe ich einige Tage da nur rumgeputzt kam es immer wieder vor, dass ich beider nächsten Abrechnung eine Putzaktion nach der Eigenbelegung vorfand, kurzum: der Mieter war nicht zufrieden und empfand es als "dreckig". Eine Nachfrage letztes Jahr bei der Verwaltung ergab, dass es offensichtlich Leute gibt, die sich über Wassertropfen aufregen. Es muss wasserfrei sauber sein, zumindest die Amateuren, das Glas und die Ceramfelder. Ich habe dafür von der Verwaltung extra einen teuren Reiniger namens "T464" bekommen, der eigentlich nur eine Amidosulfonsäurelösung ist, also chemisch ein Entkalkungsmittel. Man muss dazu wissen, das in Nesselwang das Wasser 22° dH hat, also sehr hart ist und Wasser wenn es verdampft. Kalkflecken hinterlässt oder eben Schlieren. Beim Test dieses Jahr erwies er sich aber als wirkungslos. Selbst pur konnte man keine Kalkseife entfernen und bei Glas hinterließ er Schlieren. Ich bin dann auf meine chemischen Kenntnisse zurückgekommen und habe nach dem Putzen alles mit Glasreiniger abgewischt - der besteht aus destilliertem Wasser und Alkohol. Das erste verdampft rückstandslos und das zweite sorgt für ein schnelles Verdampfen. Damit wurde alles streifenfrei sauber. Aber ob es von Erfolg gekrönt ist werde ich wohl erst bei der nächsten Abrechnung erfahren...

Freitag 22.4.2011: Das falsche Amt

Westerwelle ist eine besondere Figur. Im Normalfall sind Außenminister bei uns beliebt. Sie düsen durch die Welt, erscheinen in den Nachrichten wenn sie Deutschland bei internationalen Konferenzen präsentieren. Kurzum: sie kommen positiv rüber. Sie müssen sich nicht mit Zuschlägen für Solarstrom (Umweltministerium), Abhörung von Internetusern (Justizministerium), Kürzungen der Kinderfreibeträge und Bafög (Finanzministerium), oder Gammelfleisch-Skandalen (Verbraucherministerium) unbeliebt machen. Fern jeder deutscher Politik, die meistens die Wähler verärgert, erscheinen sie als positive Ausnahme. Genscher war beliebt, Kinkel hat zwar nichts gemacht, war aber trotzdem beliebt. Selbst Fischer war für einen Grünen-Politiker extrem beliebt.

Was macht Westerwelle falsch? Nun, alles was ich so an Vorurteilen über den Mann hatte, bekam ich von Ulrich Wickert bei Beckmann bestätigt: er hört nicht auf seine Mitarbeiter, wenn er schon keine eigene Sachkenntnisse hat und übernimmt gerade mal einige Sätze die er für ein Pressestatement braucht, anstatt sich voll in die Materie einweisen zu lassen. Schwerer Fehler: Natürlich hat er bisher nichts mit Außenpolitik zu tun gehabt. das haben die wenigsten Politiker. Es gibt ja genügend eigene Probleme in Deutschland und ein Parteivorsitzender hat noch weniger Zeit, sich um das Ausland zu kümmern. Doch dann sollte man wenigstens auf die Mitarbeiter hören, die damit vertraut sind. Dafür sind sie ja da.

Das zweite hat man ja schon kurz nach dem Amtsantritt gesehen: Wenn Westerwelle nicht mal eine englische Sprache versteht, (er muss ja nicht gleich in englisch antworten), dann ist es doch blamabel. Um es klar zu stellen: Natürlich gibt es auch akademische Berufe in denen man kein Englisch benötigt. Ich denke, ich bin mit Westerwelle im Alter und in diesem Punkt vergleichbar. Als Lebensmittelchemiker muss man sich vor allem mit deutschen Gesetzen und Chemie beschäftigen. Da gibt es genügend Deutsches und das Fachvokabular um englischsprachige Chemieaufsätze zu verstehen ist beschränkt. Das gilt auch für Westerwelle als Jurist bzw. eigentlich in den letzten Jahren nur noch Berufspolitiker. Nun gibt es aber einen Unterschied zu mir. Ich habe ja nicht schon ewig lange vor der Wahl angekündigt mit der CDU zu koalieren. Weiterhin weiß man ja, dass der Chef der Juniorpartei dann Außenminister und Vizekanzler ist. Das war schon immer schon. Man hätte sich also vorbereiten können. Englisch lernen, oder sich sogar Kenntnisse in der Weltpolitik aneignen können. Fischer hat das getan, warum nicht Westerwelle?

So macht Westerwelle eine inkompetente Figur, das wird durch Hüh und Hott Aktionen wie bei Libyen auch nicht besser.

Das Hauptproblem ist aber das Westerwelle weiterhin FDP-Parteichef bleiben wollte. Damit taucht er laufend in den Nachrichten auf, aber nicht positiv sondern als Meckerer, Hetzer und Besserwisser. Merkel ist da schlauer: Sie taucht nur als Kanzlerin auf, nie als CDU-Parteivorsitzende. Wenn sie was zu hetzen hat, dann gibt es immer noch den Generalsekretär, zahllose Parteipolitiker und Ministerpräsidenten. Sie selbst ist eben die Kanzlerin.

Damit verscherzt er sich jeden Amtsbonus. Es wird interessant sein, zu sehen ob das noch besser wird, da nun ja die beiden Ämter getrennt sind - er hätte das wohl besser vorher schon von sich aus getrennt oder zumindest eben andere bei den parteipolitischen Aussagen nach vorne geschickt. Woran die Trennung nichts ändert ist, das Westerwelle der falsche Mann fürs Amt ist. Denn was hat man von ihm in den letzten Jahren gehört? "Steuern sparen", mehr war es nicht. Da wäre er doch im Finanzministerium oder Wirtschaftsministerium gut aufgehoben. Immerhin hätte er auch dort seine Punkte umsetzen können. So blockiert aber Schäuble alle FDP-Steuersparpläne. Immerhin kann Brabbel-Brüderle ja noch ein paar Subventionen streichen und damit die Steuern senken. Das geht nicht? Ja so ist es eben wenn man die Partei der gutverdienenden und der Wirtschaft ist, dann kann man nicht die Vergünstigungen der Wähler und Parteifinanzierer streichen....

Freitag 11.4.2011: Teleskope für Einsteiger: Teil 1

Ich habe ja in meiner Website auch einen Teil über Teleskope und eine Beratung dazu und ich will das Thema nun in einer losen Reihe auch im Blog aufnehmen. Heute geht es um die nackten technischen Daten und ihre Bedeutung.

Gerne werden Teleskope verglichen mit dem menschlichen Auge, doch das ist kein besonders guter Vergleich. Zuerst einmal haben wir zwei Augen, während ein Teleskop nur einen Einblick in ein Okular erlaubt (es gibt auch Binokularaufsätze, doch dieses Extra ist recht teuer und es gibt dann andere Nachteile). Die Veränderung merkt jeder, wenn er ins Okular blickt, es ähnelt ein bisschen dem Blick in eine Röhre. Wer mal ein Auge abdeckt merkt auch so, wie sich das beim Sehen auswirkt.

Das zweite ist, dass unser Auge zahlreiche Eigenschaften hat, die ein Teleskop nicht aufweist. So hat es eine Weitwinkeloptik mit Zoomfunktion, das merkt jeder, der mal eine Szene mit dem Auge beobachtet und dann ein Foto mit der Kamera macht. Selbst ohne den Kopf zu bewegen folgt der Augapfel blitzschnell einem Objekt und wir können uns auf einen kleinen Ausschnitt konzentrieren und nur diesen wahrnehmen. Beim Teleskop braucht man dafür mehrere Okulare oder eine Zoomokular.

Auch die Retina hat eine unterschiedliche Auflösung. Im Zentralbereich beträgt sie 60 Bogensekunden, dass entspricht etwa 1 Millimeter in 3.500 Millimeter Abstand. Nach Außen hin nimmt sie rasch ab. Die Öffnung der Iris hängt von der Lichtmenge ab, aber auch vom Alter. Maximal erreichen Kinder eine Pupillenöffnung von 8 mm. Wer so alt ist, wie ich, schafft noch 6 bis 7 mm.

Wenn man also ein Teleskop mit einem Auge vergleichen will, so geht das nur schwer. Man kann (unter Einschränkungen) das optische System als eine Optik mit einer Öffnung von maximal 7-8 mm und einer Auflösung von 60 Bogensekunden annehmen. Der Vergleich des Einblickverhaltens, der Vergrößerung muss scheitern. Sie können das leicht mit einer Kamera feststellen. Schauen Sie mal auf eine Szene und fixieren sie ein Detail - sie nehmen nun nicht mehr die Umgebung wahr, sehen aber mehr von dem Objekt. Dann ein Blick durch eine Kamera - es fällt sofort auf, dass links und rechts was fehlt, weil unsere Augen sich überschneidende Gesichtsfelder haben und um genauso viele Details bei einem entfernten Objekt wahrzunehmen müssen sie bei der Kamera anfangen zu zoomen.

Drei Größen sind bei einem Fernrohr wichtig. Das wichtigste ist die Öffnung, das ist der Durchmesser der Optik. Beim Auge sind es wie gesagt 6-8 mm. Feldstecher liegen bei 20 bis 70 mm, wobei bei mehr als 50 mm man ein Stativ, wegen des Gewichts nehmen sollte. Linsenfernrohre liegen bei 50 bis 150 mm und bezahlbare Spiegelfernrohre zwischen 76 und 250 mm. (Sie können natürlich mit viel Geld größere kaufen, die größten serienmäßig produzierten Teleskope haben eine Öffnung von 1270 mm).

Je größer die Optik, desto mehr Licht sammelt das Teleskop, desto leuchtschwächere Objekte kann man erkennen. Manchmal wird auch daher das Lichtsammelvermögen angegeben, dass berechnet wird nach (Durchmesser der Optik/Durchmesser der maximal geöffneten Iris)². Je nachdem, welche Größe der Iris angenommen wird, erhält man so unterschiedliche Werte. Es ist aber ein für die Praxis irrelevanter Wert.

Der zweite Parameter ist die Brennweite der Optik. Das ist eine Eigenschaft des optischen Systems. Am einfachsten zu erklären ist das bei Linsenfernrohren. Dort gibt es vorne eine Sammellinse und hinten ein Okular, welche das Bild der Linse in deren Brennpunkt vergrößert. Die Brennweite ist der Punkt nach der Linse, an der sich das Bild befindet. Somit muss das Gehäuse (der Tubus) mindestens so lang wie die Brennweite sein. Eine kürzere Brennweite bringt daher einen kürzeren Tubus. Das ist bei der Handhabung von Vorteil, weil man immer hinten reinschaut. Ist der Tubus lang, so muss man sich, wenn man steil nach oben guckt, tief bücken. Zudem ist das Teleskop natürlich schwerer und empfindlicher gegen Vibrationen durch Wind oder irrtümliches Berühren.

So gesehen wäre eine kurze Brennweite von Vorteil. Allerdings muss die Brechung der Linse dann größer sein. Dadurch müssen diese optisch besser sein (z.b, aus zwei oder drei Linsen bestehen oder teureren Materialen mit höherem Brechungsindex). Bei billigen Linsen wird bei hohem Brechungsindex (kurze Brennweite) das Licht je nach Spektralfarbe unterschiedlich gebrochen, was sich in einem Farbband um helle Objekte niederschlägt. Ähnliche Probleme machen kurze Brennweiten bei Spiegelteleskopen. Hier ist es eine Bildfeldwölbung (vereinfacht gesagt, liegt das Bild nicht in einer Ebene, sondern einem Kugelschnitt - ist der Zentralbereich scharf, so sind die Randbereiche verschwommen). Daher sind gute Teleskope mit kurzen Brennweiten teurer als langbrennweitige bei gleicher Öffnung.

Das Verhältnis zwischen Öffnung und Brennweite nennt man Öffnungsverhältnis. Ein Öffnungsverhältnis von 10 bedeutet dass die Brennweite 10 mal höher als der Durchmesser der Optik ist. Typische Werte für Linsenteleskope sind 8 bis 15. Teleskope mit Werten von 4-8 sind recht teuer wenn sie qualitativ hochwertig sind. Schmidt Cassegrain Teleskope liegen bei 10 bis 12 und Newton Teleskope zwischen 4,5 und 10.

Enorm wichtig für Laien, aber für Profis weitgehend bedeutungslos ist die Vergrößerung. Sie errechnet sich aus dem Verhältnis der Brennweite des Teleskops und des Okulars. Da es Okulare mit unterschiedlicher Brennweite gibt (4 bis 40 mm sind üblich) ist die Vergrößerung also nicht von der Öffnung abhängig und daher kein sinnvoller Parameter. Es gibt aber für jedes Teleskop eine Maximalvergrößerung. Sinnvoll ist eine Vergrößerung die dem Durchmesser der Optik (in Millmeter) entspricht. Das entspricht einer Öffnung von 1 mm bei der Austrittspupille, das entspricht der Öffnung des Auges, bei dem man am schärfsten sieht. Darüber hinaus sieht man nicht mehr Details, sondern die Details werden vergrößert und unscharf. Spätestens ab 200 x Durchmesser hat man ein schwammiges, unscharfes Bild. Da man die Vergrößerung durch die Wahl des Okulars einstellen kann ist der Wert an sich belanglos, weil es nicht eine Vergrößerung sondern viele pro Teleskop gibt.

Es gibt noch einen zweiten Aspekt. Auf dem Bild hier habe ich mal ein 7,5 mm Okular (rechts) und ein 25 mm Okular (links) dargestellt. Die die dem Augen zugewandte Linse ist beim 25 mm Okular viel größer, dadurch ist das Einblickverhalten viel angenehmer. Okulare mit langen Brennweiten sind daher größer und schwerer, oft auch deutlich teurer, aber das Schauen durch Sie ist angenehmer.

Idealerweise sollten die Okulare einen Vergrößerungsbereich abdecken, der eine Austrittspupille von 1 bis 6-8 mm (entsprechend dem Bereich in dem sich das menschliche Auge öffnet) entspricht. Die Austrittspupille errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen Brennweite und Vergrößerung. Bei einem 100 mm Teleskop mit einer Brennweite von 800 mm entspricht dies Vergrößerungen von 12,5 bis 100 oder bei der gegebenen Brennweite Okularen von 8 bis 64 mm Brennweite. Okulare mit großer Brennweite sind teuer und schwer. Okulare mit kleinen Brennweiten dagegen preiswert, aber mit schlechtem Einblickverhalten. Idealerweise nimmt man einen Bereich, der unterhalb von 35 mm liegt, das ist meistens die Grenze wo man auf die teuren Okulare mit 2 Zoll starker Feldlinse ausweichen muss, die dann konstruktionsbedingt teurer als die 1,25 Zoll Standardokulare sind. Das entspricht je nach Alter einem Öffnungsverhältnis von 4,5 bis 6.

Im nächsten Beitrag geht es dann die Montierung und Okulare.


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