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Web Log Teil 231: 14.6.2011 -19.6.2011

Dienstag den 11.1.2011: Der Blog wird 5

Man glaub es kaum, aber der Blog wird 5. Angefangen habe ich am 14.6.2006, noch als neue Rubrik mit durchnummerierten Webseiten. Hier die allererste Ausgabe. Dem System bin ich übrigens treu geblieben. Weil der Wordpress Blog etwas zu umständlich in der Eingabe ist, entstehen alle neuen Beiträge zuerst als Webseite und werden dann rüber kopiert. Da ich meist einige Tage im Voraus arbeite können ganz eifrige Naturen mal so was wie http://www.bernd-leitenberger.de/weblogxxx.shtml in ihrer Adressleiste probieren. Momentan ist z.B. Nummer 231 aktuell. (Ich habe auch noch einen Index, doch den ziehe ich immer hinterher).

Ein Jahr später kam der erste Wordpress Blog. Der erste ist datiert auf den 15.8.2007. Inzwischen habe ich auch die alten Blogs ins Wordpress Format kopiert. Wie bei jedem Jubiläum etwas Statistik. Es gibt inzwischen über 1.400 Blogs. Die Abrufzahlen schwanken zwar etwas (schwächster Tag ist der Samstag) und hängen von den Themen ab, aber die letzten Monate lagen so bei 12.000 bis 16.000 Aufrufen pro Monat, damit macht es etwa ein Viertel der Abrufszahlen der Website aus, die bei 50.000 bis 60.000 pro Monat liegen  beide übrigens im Trend ansteigend.

Obwohl ich immer wieder mal Phasen habe, in denen ich das Gefühl habe, mir fällt nichts mehr ein, geht es immer wieder weiter. Auch wenn ich sicher dutzende Beiträge zu einigen Themen geschrieben habe wie Ariane 5, Space Shuttle, ISS oder meine Lieblingsfirma SpaceX, die einem auch mindestens einmal im Monat eine neue Steilvorlage liefert. SpaceX ist der Traum jedes Kolumnisten. Andauernd neue Pläne, fernab jeder Realität oder schon erreichtem.

Was ich mir wünschen würde wären mehr Gastblogs. Es muss sich ja nicht um Raumfahrt drehen. Der absolute Renner letzten Jahr war Alexanders Artikel über Kettenschaltungen. Was immer noch nicht prognostizierbar ist, ist ob ein Artikel viel Resonanz bekommt. Zwei Beispiele unter den letzten Blogs gefällig? Franks Gastblog Was will der Mensch im Weltraum löste eine große Diskussion aus. Der nächste Beitrag von ihm nicht. Ähnliches passierte als ich das Geschäftsmodell von SpaceX untersuchte und bei der Dragon war das Interesse gering. Meiner Ansicht nach ist es nicht vorhersehbar. Ich habe aber den Verdacht, dass oftmals der Zündfunken aus einem Forum ausgeht. Man sieht ja im Dashboard immer, wenn auf einen verweisen wurde. Wenn dann viele Links von einer Stelle kommen ist das ganz offensichtlich. So füllte sich ein C64 Forum von meiner Einordnung des C64 unter die schlechtesten Computer offenbar gehörig auf den Schlips getreten.

Für mich hat sich in den letzten Jahren auch einiges verändert. Die Website entstand ja eigentlich für mich: ich habe angefangen die Aufsätze für mich zu schreiben um Informationen zusammenzutragen und zusammen zu fassen um nicht selbst immer suchen zu müssen. So reflektiert die Website im Prinzip auch meine Interessensgebiete. Wenn einiges da etwas schief aussieht so liegt das daran, dass ich im Bereich Computer schon wegen der schnellen Vergänglichkeit der Information wenig mache und bei Lebensmittelchemie/Ernährung ich eigentlich nur was für die Öffentlichkeit mache. Inzwischen fasse ich das in Bücher zusammen. In der Webseite gibt es daher kaum noch neues. Wenn, dann geht es den umgekehrten Weg: Ich habe schon einige Webseiten auf Basis von Teilen meiner Bücher gemacht, so einige neuere Raketenartikel oder einige Artikel über die ISS.

Was bleibt ist, dass der Blog mir bleibt um meine Meinung auszudrücken oder meine Spielwiese, also um über Dinge zu schreiben die mir im Kopf rumschwirren, die man machen könnte oder wie man einfach was besser machen könnte oder über Dinge zu lästern die mir übel aufstoßen. Ich stelle immer wieder fest, das dies ein paar Leute nicht so richtig trennen können. Also Information in der Website über die Falcon Trägerraketen und hier die Auseinandersetzung mit der Firma und ihrer Informationspolitik. Das geht bis zu persönlichen Beleidigungen wenn ich bestimmten Links auf den Blog folge. In den Kommentaren tauchen die wenigsten auf. Das überfordert wohl die Fremdmeckerer.

So weil es ein Jubiläumsblog ist, gibt es heute was zu gewinnen. Und zwar ein Buch von mir. Bis zu einem Wert von 20 Euro kann man sich eines oder mehrere (es gibt ja einige die nur 10 Euro oder weniger kosten) aussuchen. Dazu muss man nur die folgende Frage richtig beantworten. Es gewinnt der erste richtige Antworter, wobei die Lösung per E-Mail an bl"at"bernd-leitenberger.de zu schicken sind. Damit nicht jeder mehrere Versuche startet, sind richtiger Name in der Mail anzugeben. Nur die erste Lösung pro Absender wird gewertet.

Die Rätselfrage: Was ist das Lieblings-Raumfahrtprojekt des Blogautors?

Mal sehn wie gut ihr mich kennt. Wenn es nicht geklappt hat: Es gibt ebenfalls einen Buchpreis für den 5. Millionsten Besucher dieser Website. Während ich das schreibe sind wir bei 4,92 Millionen, das dürfte also in knapp eineinhalb Monaten erreicht sein. Dafür muss man nur Glück haben - oder wie der Gewinner des Buchpreises beim 3 Millionsten Besuch drei Rechner gleichzeitig betreiben....

Was wünsche ich mir für den sechsten Blog-Geburtstag? Das ich vielleicht mal soweit komme, dass ich pro Woche mindestens einen Gastbeitrag habe. Bei den vielen Stammlesern sollte das doch möglich sein oder?

Mittwoch 15.6.2011:Tendenziöse Berichterstattung

Ich bekomme ab und an immer wieder Anfragen von Produktionsfirmen und Journalisten. Da bekam ich vor einigen Tagen diese Anfrage:

"Sehr geehrter Herr Leitenberger,

 mein Name ist XXXXX  YYYYY  und ich arbeite für die freie TV-Produktionsgesellschaft Story House Productions.

 Derzeit produzieren wir die ersten Pilotfolgen des neuen wöchentlichen Wissensmagazins Terra Xpress, ein Ableger der erfolgreichen Doku-Reihe Terra X.

Seit 05. Juni 2011 präsentiert der Wissenschaftsjournalist und Abenteurer Dirk Steffens jeden Sonntag um 18.30 Uhr spannende Geschichten und Experimente zu alltagsrelevanten Wissensthemen. Grundidee der Sendung ist das Wissenserlebnis für die ganze Familie. Die Etablierung dieses neuen Formats ist einer der wichtigsten ZDF Neustarts im 2. Quartal 2011.

In einer Folge soll sich alles um das Thema „Supermarkt“ drehen. In diesem Zusammenhang planen wir einen Dreh, der sich mit dem Unterthema „Etikettenschwindel“ beschäftigt.

Wir recherchieren zu diesem Thema eng in Zusammenarbeit mit Foodwatch e.V. und ein erstes Umsetzungsbeispiel für den angesprochenen Etikettenschwindel wäre ein Glutamatnachweis.

Wie ich erfahren habe, findet man auf vielen Tütensuppen den Hinweis „ohne Geschmacksverstärker“. Zu den Inhaltsstoffen zählt jedoch Hefeextrakt, der als Geschmacksverstärker gilt.

Unser Wunsch wäre also, u.a. solch einen Nachweis (evtl.. in einem Lebensmittellabor) mit unseren Kameras zu begleiten.

Ein anderes, wie wir finden, sehr packendes Beispiel ist der Fruchtjoghurt, der angeblich Holzreste beinhaltet. Ich frage mich, ob es für diese Inhaltsstoffe einen chemischen Nachweis gibt.

 Nun bin ich auf der Suche nach einem Experten, der interessiert daran wäre, vor der Kamera durch den Beitrag zu führen und diesen mit seinem Know-How zu unterfüttern.

 Über eine kurzfristige Rückmeldung würde ich mich besonders freuen, da wir relativ kurzfristig unseren Dreh planen müssen.

 Hier noch einige Hintergrundinformationen zu unserer Firma:

Die freie TV-Produktionsfirma Story House Productions ist spezialisiert auf die Herstellung von Blue-Chip Dokumentationen.

Zu unseren Kunden zählen unter anderem der Bayerische Rundfunk, Norddeutsche Rundfunk, Südwestrundfunk, Sat.1, ProSieben und das ZDF in Deutschland sowie die BBC, Discovery Channel und National Geographic TV im Ausland. Zu unseren regelmäßigen Produktionen zählen Galileo am Sonntag, Galileo X.perience und Einzelstücke für die Dokumentations-Reihe Terra X sowie ab Juni 2011 Terra Xpress.

Besten Dank vorab und freundliche Grüße,"

Ich habe abgelehnt. Es gibt dafür einen allgemeinen Grund: ich lege keinen Wert darauf vor der Kamera zu stehen und es gibt einen speziellen Grund: Das ist Foodwatch e.V. und wie sich andeutet, auch dieser Beitrag aufgebaut werden soll. Ich kenne Foodwatch e.V. nur von Thilo Bode der öfters im Fernsehen auftritt und der mir durch seine tendenziöse und uninformierte, aber reißerische Art aufgefallen ist. Das drückt sich auch in den Fragen hier aus.

Ich erwarte von einer Produktionsfirma, die einen Beitrag macht, dass sie über das was sie berichtet informiert ist, und an den Fragen erkenne ich das sie es nicht ist. Es sind ja nicht gerade zwei seltene Dinge sondern zwei "Uralt"-Bekannte die schon zigmal in anderen Sendungen kam. Also das Hefestrakt ein natürlicher Geschmacksverstärker ist und es Fruchtaromen gibt, die man nicht aus Lebensmitteln, sondern Holz gewinnt. Wenn sie schon mit Foodwatch zusammenarbeiten und die das auch nicht wissen, lässt das auch tief blicken. Insbesondere fiel mir ja Thilo Bode durch völlige Unkenntnis des Lebensmittelrechts auf. Er unterstellte einem Wursthersteller in einer Fernsehsendung Betrug, weil das Schweinefleisch für den Schwarzwälder Schinken aus Norddeutschland stammte und nur der Schinken im Schwarzwald hergestellt wurde.

Das ist das was ich an vielen Verbrauchersendungen kritisiere. Natürlich gibt es im Lebensmittelrecht viele Schlupflöcher und vieles ist so formuliert, das Verbraucher es nicht verstehen. So, dass als Aromastoffe auch Substanzen zugelassen sind, die nicht aus Lebensmittel stammen, sondern aus anderen Rohstoffen oder synthetisiert sind. Das liegt daran, dass im Lebensmittel ja ein Reinstoff zugesetzt wird. Da ist es egal, woher er kommt, denn er enthält ja nichts mehr vom Holz oder Erdöl. Genauso schwierig würde es werden die Herkunft festzustellen. Bei einer Analyse sehe ich zumindest bei der Gewinnung aus anderen Naturstoffen wenig Chancen dies zu entdecken. Bei synthetisierten Stoffen ging es noch mit einer Isotopenanalyse die jedoch sehr aufwendig ist. Bei den Geschmacksverstärkern ist es eine formalrechtliche Sache. Geschmacksverstärker ist der Name einer Klasse von Zusatzstoffen. Es gibt für diese Zulassungsbeschränkungen und sie sind chemisch genau spezifiziert wie eben die Glutaminsäure. Nun gibt es natürliche Lebensmittelinhaltsstoffe die auch geschmacksverstärkend sind oder eben Gemische wie Hefeextrakt, welcher nicht nur Glutaminsäure, sondern auch andere geschmacksverstärkende Stoffe enthält. Das gleiche Problem gibt es auch bei den Farbstoffen, wo gerne gefärbt mit farbintensiven Lebensmitteln wie z.B. Rote Beetesaft. Für jeden Zusatzstoffklasse finden sie ein Lebensmittel das auch natürlich einen Bestandteil enthält, der so wirkt. Eier und Sojabohnen enthalten Emulgatoren. Hefe ist ein natürliches Backtriebmittel. Vogelbeeren und Heidelbeeren enthalten Konservierungsstoffe. Wo fängt man an den Zusatz von Lebensmitteln mit denselben technologischen Eigenschaften zu verbieten?

Das leitet mich zu dem was mir nicht gefällt. Mir gefällt nicht, dass gefärbt wird, vor allem ist das bei Brot inzwischen eine richtige Krankheit. Ich will auch keine geschmacksverstärkenden Substanzen drin. (Die Werbung muss übrigens dann zumindest so sein, dass der Wortlaut in etwa "ohne den Zusatzstoff Geschmacksverstärker" ist, sonst gäbe es ein Verfahren wegen Verstoß gegen §11 LMBG). Aber es ist eben erlaubt. Das bedeutet, dass man meiner Ansicht nach nicht einzelne Firmen oder Produkte anprangern sollte, sondern die Gesetzeslücke an sich. Denn schließlich das wissen wir, können unsere Gesetzgeber wenn was richtig in den Medien aufkommt sie reflexartig sofort reagieren. Das kann sogar zum Atomausstieg führen. Ansonsten schlafen sie gerne. So sehe ich z.B. gute Chancen bei Produkten in denen keine Farbstoffe vorkommen dürfen das Gesetz so zu verändern, dass dies auch auf färbende Lebensmittel erweitert wird. Problematisch wird es, wenn für Lebensmittel Zusatzstoffe zugelassen wird aber deklarationspflichtig wird. Wie soll man das regeln?

Das erinnert mich an ein Beispiel, das ich auch kürzlich sah, ich glaube bei "Kontraste" oder "Monitor". Es ging um einen Missstand im Steuerrecht. Wenn eine Firma ihren Angestellten Luxusautos als Dienstwagen zur Verfügung stellt und alle Kosten übernimmt, einschließlich Benzin auch für Privatfahren, dann ist das steuerlich sehr lukrativ. Die Firma kann alle Kosten voll steuerlich absetzen, der Angestellte der das anstatt einer Geldzuwendung bekommt, muss aber nur eine sehr niedrige Pauschale versteuern. Er spart eine Menge Geld, zumal ihn ja auch der Unterhalt nichts kostet. Ich denke es gibt im Steuerrecht viel mehr Missstände als im Lebensmittelrecht. Der wesentliche Unterschied in der Berichterstattung ist aber der, dass die im Steuerrecht als Versäumnisse des Gesetzgebers angeprangert werden und die im Lebensmittelrecht als "Etikettenschwindel", also das Unternehmen, das diese Gesetzeslücke ausnutzt, angeprangert wird.

Ich scheibe auch viel über Lebensmittelkennzeichnung und veröffentliche immer wieder Aufsätze in denen ich Lebensmittel, die mir auffallen unter die Lupe nehme. Ich bilde mir ein, trotz des pointierten Tones dort Verbraucheraufklärung zu betreiben. Vor allem aber ist es ein Unterschied ob man wie ich einzelne Produkte bespricht oder man eine Sendung über "Etikettenschwindel" macht und das im Fernsehen bringt, mit den viel weitergehenden Möglichkeiten Druck zu machen. Die Aufgabe der Medien ist es das Problem zu lösen und das bedeutet den Gesetzgeber in Zugzwang zu bringen, die Lücke zu schließen.

Aber man muss ja nur sehen, welche Sendungen die Firma auch sonst so produziert....

Donnerstag 16.6.2011: Abgesang auf die Multicores

Im Jahre 2005 führte Intel den ersten Prozessor mit zwei Kernen, einen Dualcore ein. Und die Firma kündigte an, dass sich alle 2 Jahre die Zahl der Kerne würde verdoppeln. Das ist eingetreten. Das Maximum liegt derzeit soweit ich weiß bei 12 Kernen auf dem Chip, wobei das noch die teuren Serverprozessoren sind. Bei den in Desktop PCs verbauten sind es immer noch 8 Kerne.

Nur hat das der Verbraucher noch nicht so verinnerlicht. Die meisten PCs haben heute Zweikernprozessoren, die Vierkerner haben inzwischen auch einen guten Marktanteil, doch Sechskern und Achtkernprozesoren nur einen kleinen. Der Verbraucher fragt also die neuesten Produkte kaum nach und beide Firmen produzieren auch laufend neue Zweikern und Vierkernprozessoren. Früher war es einfach so, dass die alten Chips ausliefen. Als der Pentium II herauskam, konnte man den Pentium I noch eine Zeitlang kaufen, doch es gab keine neuen Versionen. Das ist heute anders und dabei orientieren sich beide Firmen nach der Nachfrage. Warum ist die aber so verhalten?

Nun eigentlich sind Computer die mehrere Prozessoren oder zumindest mehrere Kerne enthalten, nichts neues. Ich weiß wir haben hier unter den Bloglesern einige Experten, die können dass noch genauer angeben, doch der älteste Rechner den ich kenne ist die Cyber 6600 von 1969. Seitdem haben zumindest alle Supercomputer mehrere Prozessoren und ich denke die meisten Großrechner auch. Heute geht die Zahl der Prozessoren bei den größten Rechnern in die Zehntausende. Man sollte annehmen, dass in den Vierzig Jahren die seitdem vergingen, die Software an diese Situation angepasst ist. Das ist sie auch - bei Servern oder Großrechnern. Dort gibt es zwei entscheidende Unterschiede zu dem PC: Entweder gibt es mehrere Nutzer oder man lässt ein Problem auf dem Rechner laufen, bei dem die Software ausgelegt ist für die Anzahl der Prozessoren.

Zum ersten: Das heute populärste Beispiel ist der Webserver. Nehmen wir diese Website. Viele Benutzer rufen HJTML-Seiten gleichzeitig ab. Jeder erzeugt einen Prozess, der von allen anderen unabhängig ist. Er kann daher auf einem Kern alleine laufen. Wenn es der Blog ist, so kommt noch eine Datenbankabfrage und etwas höhere Last durch PHO dazu, die auch einen Prozess erzeugt. Und auf derselben IP-Adresse sind mehrere Websites gehostet. Das bedeutet dass ein Mehrkernprozessor leicht auszulasten ist. Es gibt immer zig Prozesse die gleichzeitig aktiv und voneinander unabhängig sind. Bei Simulationen ist es oft so, das man die Gesamtsimulation in einzelne Teile unterteilen kann. Oder es nicht eine Simulation ist sondern viele die durchprobiert werden (z.B. um festzustellen ob ein Arzneimolekül in ein Enzym passt, muss man das Enzym vor jedem Test räumlich etwas drehen bzw. mögliche Positionen von Seitenketten untersuchen. Jeder einzelne Test kann daher auf einem Prozessor laufen.

Ein PC unterscheidet sich dadurch, dass man nicht vorhersehen kann, was der Benutzer gerade tut und wie viel Prozessorlast er erzeugt, bzw. wie viele unterschiedliche Programme gleichzeitig laufen. Die Zweikernprozessoren waren noch eine echte Erleichterung. Wann immer eine Anwendung sehr viel Rechenlast erzeugte stand bei einem Kern das System. wer einmal den Duden Korrektor auf einem Singlecoreprozessor einsetzte, der weis was ich meine. Es gibt immer einige Hintergrundprozesse die laufen und Rechenlast erzeugen - Videos ansehen, Surfen, Virenscan. Etwas ist immer los. Mit einem Zweikernprozessor sinkt so die Wahrscheinlichkeit, das das System ausgelastet ist.

Nun ist das bei mir nun sehr selten der Fall. (Dualcore AMD 5050e) Das bedeutet dass der Übergang auf vier oder noch mehr Prozessoren durchaus keine Arbeitserleichterung mehr bringt. Das liegt auch darin, dass bald andere Dinge zum Flaschenhals werden. Wenn mehrere Anwendungen auf die Festplatte zugreifen, dann wird bald diese die Geschwindigkeit begrenzen oder es ist die Internetverbindung beim Darstellen. Da macht es auch keinen Unterschied das bei Google Chrome jede Website einen Prozess erzeugt - schlussendlich ist sie in einem Sekundenbruchteil gerendert und dann liest der Anwender nur noch.

Was bleibt ist, dass nur noch wenige Gebiete bleiben wo mehrere Kerne von Vorteil sind, die üblichen Verdächtigen: Bildbearbeitung, Videoschnitt, Spiele. Doch wie viele setzen das ein und vor allem wie lange? Sicher es gibt viele Spieler, doch in 50% aller verkauften PCs steckt keine Grafikkarte und von dem Rest würde ich sagen in einem Großteil eine einfache. Selbst diese Kundschaft profitiert eher von einer schnellen Grafikkarte als von mehr Prozessoren, zumal selbst neueste Spiele mehr als zwei Kerne kaum nutzen. Bei Videoschnitt aber auch Bildbearbeitung ist es mittlerweile auch so, dass spezielle Treiber die Grafikkarte dafür einsetzen. Diese kann vor allem diese immer gleichartigen Aufgaben, die ja dort anfallen, viel schneller als Prozessor absolvieren, zumindest wenn man von der gleichen Preisklasse spricht. Bei Videodarstellung ist es ja schon so, dass dies der Chipsatz übernimmt und die CPU-Last so stark absenkt - Quadcores sind für Blue-Ray und HD-Videos überflüssig. Wenn es nicht zig verschiedene Varianten von Grafikchips geben würde, so denke ich würde sich auf die Lösung mit Grafikkarten vieles zu berechnen eher durchsetzen, doch vielleicht wird mal die Schnittstelle dafür standardisiert. Das würde dem Konzept zum Durchbruch verhelfen.

So gesehen sehe ich schwarz für eine große Nachfrage nach Mehrkern-CPU's, zumal ja auch als neuer Markt die ganzen Tablett-PCs, Netbooks oder Webpads eher nach etwas stromsparenden, lüfterlosen nachfragt. Dieser Markt boomt und vielleicht wären Intel/AMD beraten eher stromsparende CPU's mit nur einem oder zwei Kernen zu entwickeln. Ich vermute aber auch dann wird man mit auf das Stromsparen optimierten ARM Prozessoren nicht mithalten können, die in vielen der neuen Geräten stecken.

Was bleibt ist die "Turbo"-Lösung. Wer einen Vier- oder noch mehr Kernprozessor kauft kann bei den meisten Exemplaren ein Feature nutzen: Wenn nur einer oder zwei Kerne viel zu tun haben, so kann die CPU die anderen kurzzeitig abschalten und diese beiden höher takten, da dann die Hitze die praktisch die maximale Taktfrequenz diktiert nur von wenigen Kernen kommt. Doch dann würde ich eher einen höher getakteten Zweikernprozessor kaufen, da alleine dadurch, dass die Caches und Kerne ja synchronisiert werden müssen und Daten austauschen müssen, die maximale Taktfrequenz niedriger ist als bei zwei Kernen ist.

Freitag den 17.6.2011: Staatsverschuldung

Stellen sie sich mal vor: Sie verdienen im Jahr rund 25.600 Euro netto, haben aber einen Schuldenstand von 128.410 Euro und machen jedes Jahr 4.970 Euro Schulden. Dabei nutzen sie 3.220 Euro um Zinsen zu bezahlen und der Rest sind neue Schulden. Würden Sie von der Bank einen Kredit bekommen?

Wohl kaum. Wenn Sie die Zahlen mit 10.000.000 multiplizieren, dann erhalten sie die Situation der BRD. Doch ein Staat bekommt das Geld, das wohl dem Privatmann verweigert würde, wenn er neue Schulden macht um alte zu begleichen und Zinsen zu bezahlen. Es ist schon komisch mit den Staatsschulden. Das eine ist, dass es unisono das Gerede gibt man durfte keine Schulden den Kindern und Enkelkindern hinterlassen, dabei haben ja schon die Eltern der Politiker die jetzt an der Macht sind Schulden gemacht. Außerdem redet zwar jeder von einer Verringerung der Neuverschuldung, aber keiner vom Zurückzahlen der Schulden. Stattdessen gibt es die EU-Schuldenbremse von 3% des BIP. Das ist das nächste. Ich würde den Schuldenstand in Bezug auf die Staatseinnahmen setzen, nicht das Bruttoinlandprodukt, schließlich müssen ja nicht die Arbeiter für die Staatsverschuldung geradestehen.

Was passiert denn wenn ein Staat nicht mehr zahlen kann? Muss er dann seine Leute entlassen, seine Beteiligungen verkaufen oder schauen einfach die Gläubiger in die Röhre? Es ist ja klar, dass die Schulden nicht weniger werden. Denn derzeit nimmt man ja Geld auf um die Zinsen zu begleichen und nimmt gleichzeitig neue Schulden auf. Ich habe mal eine Prognose angestellt. Die beiden Grafiken zeigen die Schuldenentwicklung über die nächsten 40 Jahre. Einmal unter der Annahme, der Zinssatz bleibt bei den 2,5% wie er heute ist und einmal er steigt um 1% auf 3,5 %. Deutlich wird, dass in diesem  Falle die Neuverschuldung in 40 Jahren genauso hoch ist wie die Staatseinnahmen. Das ist natürlich überspitzt, denn die Staatseinnahmen werden ja auch ansteigen, alleine durch die Inflation. Doch es zeigt den Trend: Die Neuverschuldung wird immer größer und dies wird sich beschleunigen. Schon heute entfallen ja schon 2/3 der neuen Schulden nur auf die Zinsentilgung der alten Schulden (und das bei einem niedrigen Zinssatz von durchschnittlich 2,5%).

Das interessante ist, das Schuldenmachen seit Jahrzehnten bei fast allen industrialisierten Nationen üblich ist. Der Schuldenstand mag sich unterscheiden, doch alle haben Schulden. Nehmen wir diese Karte der Wikipedia. Da sieht man das mit Ausnahme von Libyen und Russland fast alle entwickelten Länder Schulden haben. Selbst arabische Ölstaaten wie Saudi-Arabien oder China das ja so boomt. Die Frage ist was passiert, wenn mal ein größeres Land bankrott geht. Ich vermute mal das gibt einen Domino-Effekt - die anderen Länder bekommen kein neues Geld mehr oder die Ängste breitet sich aus, dass Schuldner ihr Geld zurück haben wollen und alle Länder werden zahlungsunfähig.

Zeit zu sparen, richtig zu sparen. Nur will man ja keinem wehtun, noch dazu Großmacht spielen, die in Afghanistan sich engagieren muss. Die Bundeswehr kostet rund 32 Milliarden Euro - reduziert schon mal die Schuldenaufnahme auf ein Drittel. Dann wäre noch der Posten Arbeit und Soziales dran - da geht fast die Hälfte der Nettoeinnahmen hin. 12% weniger und man ist bei einem ausgeglichenen Haushalt. Aber dazu wird es nie kommen, eher werden neue Schulden gemacht - um die Konjunktur anzukurbeln, weil die Konjunktur schlecht ist, weil andere Länder Geld brauchen, weil es ausplanmäßige Ausgaben gab, weil der Winter streng war, weil Vollmond ist, weil ....

Ergänzung Oktober 2013:

Dank guter Konjunktur soll ja 2014 das erste Jahr ohne Neuverschuldung werden - soll, weil die Wahlversprechen ja auch Geld kosten, da dürfte es für die CDU gar nicht so unbequem sein, wenn die SPD ihre Steuererhöhungen im Koalitionspoker durchsetzt. Doch geändert haben die letzten zwei Jahre seit diesem Eintrag wenig. Was derzeit der Fall ist, ist dass die Einnahmen hoch sind, weil Deutschland sich in einer guten Konjunktur befindet. Doch es wurde nicht beim Staat gespart. Sobald das nicht mehr der Fall ist dürften wieder neue Schulden gemacht werden, ja sogar noch größere da unsere Politiker ja immer die Konjunktur ankurbeln wollen. Es gibt zwar Untersuchungen und auch die Erfahrung, dass diese Steuermittel niemals wieder rein kommen sondern nur zu 25 bis 50%, aber das juckt ja Politiker wenig, die wiedergewählt werden wollen und einen Zeithorizont von maximal 4 Jahren haben, manchmal auch nur bis zur nächsten Landtagswahl.

Wovon wir derzeit auch profitieren ist dass die Zinsen enorm niedrig sind. Nach der Deutschen Einheit gab es durch den hohen Geldbedarf mal zeitweise Zinsen von 8% auf Staatsanleihen, dann lange Zeit immerhin noch 4-5%, also mehr als die Inflationsrate. Nun zahlt der Staat 1,5 bis 2%, weniger als die Inflationsrate. Nur damit ist der Rückgang der Neuverschuldung überhaupt möglich, denn die Verschuldung nur des Bundes beträgt derzeit knapp unter 1300 Milliarden Euro. Da macht ein Zinsunterschied von 1% schon 13 Milliarden aus.

Für die Bürger hat das zwei Folgen. Wer Geld braucht für den ist die Gelegenheit noch nie so günstig einen Kredit aufzunehmen. Vor allem wenn man ein Haus baut sollte man das Geld langfristig aufnehmen. Denn die niedrigen Zinsen beruhen nicht auf der Konjunktur Deutschlands sondern der weltweit schlechten Konjunktur. Stabilisiert sich diese wieder, steigen auch die Zinsen. Daher wird heute so viel gebaut wie schon seit langem nicht mehr. Wer Geld angelegt hat, weicht entweder auf riskante Anlagen aus die höhere Renditen versprechen wie Aktien oder Fonts oder er gibt das Geld aus. Auch das fördert die Wirtschaft denn mehr Konsum heißt auch mehr Umsatz, nur verarmt so die Bevölkerung, was auf Dauer viel problematischer ist.

Besonders bedenklich sollte einen stimmen, dass in den USA es offensichtlicher Politiker gibt denen die eigene Position wichtiger ist als die Verhinderung des Staatsbankrotts. Wie soll bei so viel Verantwortungslosigkeit die Wirtschaft denn gesunden?

Samstag 17.6.2011: Ein paar Fakten über die ISS

Heute mal ein paar Splitter über die ISS, die sich nicht für einen ganzen Blog lohnen. Ich mache das in Form einer FAQ:

Ist die ISS wirklich international?

Nun wie immer heißt die Antwort "Jein". Sie ist natürlich international, denn viele Nationen sind beteiligt, aber nicht so international wie die UN, wo jeder gleichberechtigt ist. Das hängt natürlich auch mit der Entstehungsgeschichte der ISS und der Vorgeschichte zusammen. Die ISS entstand, als Anfang der Neunziger Jahre als Fusion der beiden Projekte Mir 2 und Alpha. 1993 wurde es als binationales Projekt vereinbart. Damals war eine viel größere russische Station geplant, die in etwa so groß wie die Mir war, mit mindestens drei weiteren Forschungsmodulen. und einem Modul für die Stromversorgung. Es hätte das russische Segment mit Strom versorgt. Genauso gab (und gibt es) zwei Missionkontrollzentren und jede der Partner versorgt auch seinen Teil und sollte ursprünglich auch die Astronauten alleine starten.

1995 wurde dann daraus ein internationales Projekt als die JAXA und ESA sich anschlossen. Diese beiden Raumfahrtagenturen haben einen binationalen Vertrag mit der NASA. Er legt fest welche Leistungen sie erbringen müssen und was sie im Gegensatz dafür bekommen. Kleine Anteile an der ISS haben auch noch Italien und Kanada. So zerfällt die Station in einen westlichen und einen russischen Teil. In der Praxis ist das nicht so von Belang, mit einer Ausnahme: Wenn Russland Weltraumtouristen transportiert, dann ist das nicht das, was die NASA will, die es recht schwer hat ihren Steuerzahlern zu erklären warum sie Milliarden jedes Jahr für die ISS ausgibt wenn reiche Millionäre auf eigene Kosten für einen Bruchteil der Kosten mit den Russen zur Station fliegen dürfen. Diese Touristen dürften sich nur im russischen Segment aufhalten (bzw. mit Erlaubnis der ESA auch im ATV). Vielleicht erleben wir auch mal die erste Instand-Besetzung im Weltraum....

Wie sind ESA und JAXA beteiligt?

Wie sieht die Aufteilung der Station im westlichen Teil aus. Es gibt eine Vereinbarung für den Transport von Labors und eine für die Nutzung. Bei dem Transport der Labore die von der NASA mit dem Space Shuttle befördert wurden war es so, dass die ESA für den Start von Columbus und den Transport der Inneneinrichtung mit anderen Flügen die beiden Konten Node 2+3 und die Cupola fertigt. Die Innenausstattung der Knoten stammte dann wieder von der NASA. Die JAXA bezahlte für den Transport von Kino mit zwei Shuttle Flügen mit der Fertigung des CAM-Labors. Dieses blieb nach dem Verlust der Columbia am Boden.

Bei der Nutzung ist so, dass der ESA 8,3% der Ressourcen zustehen (Strom, Mannschaftsstunden etc.) und der JAXA 12,8%. Beide Zahlen beziehen sich nur auf den westlichen Teil. In beiden Labors hat die NASA einen Anspruch auf 50% der Forschungseinrichtungen. In der Praxis ist es aber derzeit so, dass die NASA schon ihr eigenes Desitny Labor nicht alleine betreibt und sieben Racks an Uniinstitute abgegeben hat. Die ESA, der eigentlich nur 5 Racks ihres Labors zustehen betreibt 7 voll und ist an drei Racks der NASA beteiligt. Kibo wird noch ausgebaut und jeder HTV bringt weitere Racks ins Labor. Derzeit sind 4 von 10 belegt.  Für die ESA bedeuten die 8,3% z.B. den Start eines Astronauten alle zwei Jahre für 6 Monate.

Die Kompensation für den Betrieb erfolgt durch Lieferung von Fracht durch das ATV und das HTV.

Wie viel Fracht braucht die Station?

Obwohl ich mich mit der Frage für mein ATV Buch beschäftigt habe, ist es sehr schwierig eine Antwort zu geben, weil es zu viele unterschiedliche Daten dazu gibt. 2002 gab die ESA den Gesamtbedarf an Gütern (mit Wasser, Gasen und Treibstoff) mit 32 t pro Jahr an. Die NASA spricht dagegen nur von 6000 Pfund pro Expedition (3 Astronauten, 180 Tage), was rund 10.900 kg pro Jahr für sechs Astronauten sind. Dabei muss es sich aber um die reinen Versorgungsgüter in Druckbehältern handeln (Nahrung, Trinkwasser, Kleidung, Teile) die mit 5,3 kg/Tag pro Astronaut veranschlagt werden. Dazu kommt noch der Treibstoff, das Brauchwasser und die Gase.

Es gab schon die Bemühung diesen Bedarf zu minimieren. So wird ein neues Umweltkontrollsystem, das seit 2009 an Bord ist 93% des Wassers wiedergewinnen (vorher 65%) und auch Sauerstoff aus dem Kohlendioxid regenerieren, der vorher verloren ging. Das ATV hebt derzeit die Station in eine Höhe von 400 km, was den Treibstoffbedarf von 8.600 kg/Jahr auf 3.600 kg reduzieren wird. Eine Abschätzung des Versorgungsbedarf ist meiner Ansicht nach eher durch die geplanten Versorgungsflüge möglich:

Ergebnis: 29,2 bis 31,4 t, was ziemlich gut zu der ESA Ziffer von 2002 passt. Was mir persönlich auffällt, ist das die ESA (aber auch JAXA) für ihre 8,3% Beteiligung nur am US-Teil ziemlich viel transportiert. Ich hätte aufgrund der prozentuellen Beteiligung hier nur 1,1 t Fracht pro Jahr erwartet. Aber wir kennen das ja schon. Stichwort für alle Eingeweihten: Spacelab.

Muss man die ISS ausbauen um mehr Astronauten unterzubringen?

Auch hier ein klares "Jein". Das Innenvolumen der ISS beträgt rund 900 m³. Vom Platz her ist es das geräumigste Labor im Orbit, nicht zu vergleichen mit den Saljut wo zwei Astronauten in knapp 100 m³ über ein Jahr aushielten. Würde man diesen Maßstab anlegen, so hätte man auf der ISS Platz für rund 18 Astronauten. Das Problem der ISS ist, dass das einzige Modul, das nur für die Besatzung vorgesehen war, das Habitatmodul mit einem echten Sanitärbereich, einer Mannschaftsmesse und eigenen Schlafplätzen den Streichungen zum Opfer fiel. Auch das nun gestartete PMM ist ein reiner Frachtbehälter. Wenn man es zu einem Wohnraum ausbauen würde, so gäbe es sicher genug Platz für mehr Astronauten. Diese müssten dann aber am US-Segment andocke. Russland ist nun an der Produktionsgrenze für Sojus Transporter und die Koppelstellen sind auch belegt. Genug zu tun gäbe es. Es gibt drei Labors in jedem 10-13 Racks und in jedem können nach Ansicht der Raumfahrtagenturen 2-3 Personen arbeiten.

Sonntag: 18.6.2011: SpaceX und die A-4

Kürzlich hatte ich einen intensiven Mailkontakt mit einem ehemaligen SpaceX Mitarbeiter, denn ich euch nicht vorenthalten möchte. Ich füge die entsprechenden Passagen aus den Mails im Wortlaut ein. Zuerst zur Person:

"Sehr geehrter Herr Leitenberger

Mein Name ist Leon Kums, ich habe ihre Ausführungen über die Falcon Trägerraketen gelesen. Sie enthalten viele korrekte Angaben, aber auch manche falsche Informationen, die ich gerne berichtigen möchte. Ich war von 2002 bis zum März 2011 bei SpaceX für die Triebwerksentwicklung zuständig. Vorher habe ich nach meinem Abschluss an der Universität Stuttgart 1991 bei Lockheed Martin gearbeitet, zuletzt am X-33 Projekt. Als dieses 2001 eingestellt wurde bin ich zu SpaceX gewechselt."

Wir kamen dann in eine Diskussion über die Triebwerke:

"Sie irren sich in dem Punkt, dass das Merlin eine SpaceX Eigenentwicklung ist. Als wir 2002 anfingen, waren wir nur ein kleines Team. Es gab noch gar keine konkreten Ziele, außer der eine Trägerrakete zu bauen die eine minimale Nutzlast in den Orbit befördern konnte. Doch selbst das wäre mit den wenigen Leuten, die wenigsten mit Berufserfahrung, nicht umsetzbar gewesen. So suchten wir nach einem Triebwerk das schon existierte. US-Triebwerke wären zum einen zu groß gewesen (das kleinste war das RS-27 mit 1.000 kN Schub gewesen) und vor allem nicht bezahlbar. Eine Lizenzfertigung von russischen und chinesischen Triebwerken scheiterte schon in den Vorgesprächen und die indischen Triebwerke, so stellte sich heraus, wurden selbst in Lizenz gefertigt. Da traf ich auf einer Aerospace Messe die Leute vom Canadian Arrow. Sie hatten einen Nachbau des A-4 Triebwerks zum Laufen gebracht und und wollten die ganze Rakete nachbauen. Das erschien als die Lösung. Es zeigte sich, dass nicht nur mit dem Untergang des Nazireichs alle Patente erloschen waren, sondern alle Blaupausen und Pläne in der US-Kongressbibliothek einsehbar waren. Zudem war das Triebwerk erprobt. Vor dem ersten Einsatz wurde es mehrere Jahre lang perfektioniert. Also entschieden wir uns aus dem A-4 das Merlin zu machen.

Das erste Merlin war nichts anderes als das A-4 Triebwerk umgestellt auf die Mischung LOX/RP-1 anstatt Kerosin und ohne Strahlruder. Der höhere Schub entspricht praktisch der höheren Ausströmungsgeschwindigkeit des Gemisches. Jemand fand, dass die Deutschen eine Zeitlang eine rein ablativ gekühlte Version erprobt hatten, und so sollte das Merlin auch ablativ gekühlt sein sein um Produktionskosten zu sparen, doch die höhere Hitzeentwicklung von LOX/RP-1 machte das unmöglich.

Die zweite Version ersetzte einfach den Gasgenerator auf Basis von Wasserstoffperoxid durch einen moderneren. Das ermöglichte einen höheren Treibstoffdurchsatz und höheren Schub. Derzeit reizen wir das A-4 Design voll aus, dass sehr hohe Sicherheitsreserven aufweist und erhöhen im Merlin 1c und Merlin 1d schrittweise den Brennkammerdruck und damit den Schub."

Über die "engine.-out Capability"

Die Kombination von vielen Triebwerken bei der Falcon 9 war einfach eine Folge dessen, das wir uns weder eine Neuentwicklung leisten konnten, noch genügend Leute hatten, die schon vorher an Triebwerken gearbeitet hatten. Eine Auswertung der von der Wehrmacht durchgeführten A-4 Abschüsse zeigten, dass weniger als 0,5% scheiterten. Das machte uns relativ sicher, dass das Merlin nicht ausfallen würde. Es war dann die Idee, einfach jedes Triebwerk mit einem Kevlarumhang zu umgeben, und zu hoffen, dass das hält. Als das Elon sah, fragte er wozu es gut ist und wir haben es ihm erklärt. Er hat dann wieder sich selbst eingelesen und das bei der Saturn V mit der engine-out capability entdeckt und das groß rausgebracht. De fakto hofft eigentlich jeder, dass es nicht vorkommt und wenn sollten immerhin noch 19 von 20 Flügen klappen."

Über die Wiederverwendung

"Auch das verdanken wir Elon. Er ist ja kein Raketeningenieur und versteht gar nichts von der Materie. Als er erfuhr, dass wir ein A-4 Triebwerk verwenden, hat er sich über die A-4 informiert und rausgefunden dass eines der Probeexemplare von polnischen Partisanen geborgen und zu den Briten geschafft wurden. Die Rakete hatte also den Wiedereintritt überlebt.  Ohne Rücksprache zu halten, posaunte er gleich raus, dass die Falcon wiederverwendbar wäre. Wir sagten zu ihm "Elon, das ist Blödsinn, die A-4 hatte dicke Stahltanks, unsere sind aus Aluminium, das klappt nie". Aber man kann nicht mit Elon diskutieren.". Ich glaube nach fünf Versuchen hat er es langsam kapiert, dass es nicht geht, aber es ist nun schwer die Aussage zu revidieren"

Über die Website

"SpaceX hat keine Website. Die gehostete Website wird von einigen früheren Programmieren von Elons letztem Softwareunternehmen gehostet und diese haben keinen Kontakt zu uns. Praktisch alle Informationen, die dort publiziert werden, stammen daher von Elon selbst und das ist ein echtes Problem. Ganz peinlich war ja mal das mit der Sojus. Er hat das Heck einer Sojus gesehen und dann die Düsen gezählt und gesagt die Sojus hätte zwanzig Triebwerke. Das haben seine Leute dann auch in die Website aufgenommen. Das erklärt auch die verwirrenden Informationen, den wir versuchen immer Elon so weit wie möglich von der Technik abzuschirmen, eben weil er alles sofort publiziert worüber wir diskutieren selbst Ideen, die nie zu Produkten werden."

Die Zukunft von SpaceX

"Ich bin seit drei Monaten nicht mehr bei SpaceX. Die Firma wird zwar dieses Jahr an die Börse gehen, doch ich sehe keine Zukunft für mich da. Sie macht seit ihrer Gründung keinen echten Gewinn, auch wenn ein solcher seit 3 Jahren ausgewiesen ist. Sie lebt seitdem von den Vorauszahlungen durch COTS und CRS. Doch ab nächstem Jahr müssen diesen Vorauszahlungen Flüge folgen und dann werden die Aktionäre zuschießen müssen oder SpaceX geht pleite. Würde SpaceX realistische Startpreise anbieten, so wäre das was anders. Aber Elon hat einfach alle Angaben durch den Faktor 3 geteilt, weil er von der völligen Wiederverwendung ausging. Würde er das nun revidieren, so wäre der Schaden noch größer als wenn wir Verlust machen, denn niemand würde SpaceX mehr glauben oder Flüge buchen. Derzeit läuft das Geschäftsmodell auf eine Art Schneeballsystem aus - neue noch größere Aufträge müssen die kosten durch alte Aufträge finanzieren. Ich sehe da für mich keine Zukunft".

Ich fand die Korrespondenz sehr interessant und werde vielleicht bald weitere Details veröffentlichen.


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