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Web Log Teil 232: 20.6.2011 - 23.6.2011

Montag den 20.6.2011: Debakel Galileo Satelliten

Derzeit arbeitet man mit Hochdruck an dem ersten Paar Galileosatelliten, die im Herbst in den Orbit kommen sollen. Nächstes Jahr sollen es dann acht weitere werden, entsprechend vier Starts einer Sojus. Die Ariane 5 ist nur als Backup vorgesehen.

Nun mag der eine oder andere fragen: Warum? Schließlich ist Ariane 5 das europäische Arbeitspferd und Galileo umfasst nicht weniger als 30 Satelliten. Schuld dran soll sein, dass Ariane 5 nur drei Satelliten pro Start transportieren sollte (anstatt vorher 4), ursprünglich waren mal acht geplant. Also als erstes mal eine Analyse wie es denn mit der Nutzlastkapazität aussieht.

Die Galileosatelliten gelangen in einen geneigten Orbit in 23490 km Höhe. Es gibt zwei Möglichkeiten. Beide benötigen bei der Nutzlastkapazität einen Smart Dispenser, der mehrere Satelliten aussetzen kann. Der ist in den folgenden Massen nicht eingeschlossen. Es gibt zwei Möglichkeiten:

Die Geschwindigkeit für den 250 x 23490 km Orbit beträgt 9967 m/s, etwa 300 m/s als für einen GTO Orbit. Dann muss der Orbit noch zirkularisiert werden, dazu sind weitere 1458 m/s nötig. Dazu kommen noch rund 200 m/s für die Neigung von 56 Grad zum Äquator.

Für eine Ariane 5 ES errechnet sich nach den offiziellen Leistungsparametern eine Nutzlast von 3650 kg für den MEO Orbit. Sie ist so gering, weil die schwere VEB und die EPS Stufe auch diesen Orbit erreichen. Die Masse der Galileosatelliten ist in der Diskussion. Sie sollen laufend schwerer geworden sein. So kann es sein dass es beim oberen Limit (800 kg) nicht mehr für 4 Satelliten reicht, denn der Smartdispenser wiegt ja auch noch was. Doch diese Lösung ist dann wirklich teuer, auch weil die EPS-Oberstufe in der Produktion ausläuft und die Sojus bei weniger als 5 Satelliten die billigere Lösung ist.

Die Ariane 5 ECA kann nicht den Orbit direkt erreichen, aber 10.300 kg in den Übergangsorbit aussetzen. Wenn nun der Smartdispenser mit einem vergrößerten Apogäumanstrieb verbunden wird, so kann man auch so die Satelliten im endgültigen Orbit aussetzen. Setzt man die Voll/Leermasse dessen mit 6:1 an, so transportiert diese Lösung rund 5.700 kg in den MEO Orbit befördern, was für mindestens 6 Satelliten ausreichen würde.

Ich denke die ESA ist wohl von der Ariane 5 ECB für die Mission ausgegangen. Basierend auf den bekannten Daten und einer Nutzlast von 11.500 - 12.000 kg in GTO sollte diese Version 5.800  - 61.00 kg in den MEO Orbit bringen. Sie wäre wie die Ariane 5 ES zu einem direkten Transport fähig gewesen. Das hätte dann (je nach Masse des Dispenses wirklich für acht Satelliten gereicht, wenn diese nicht zu schwer sind. (Geplant waren ja mal 635 kg). Danke liebe Minister, dass ihr die Entwicklung immer wieder aufgeschoben hat. Danke auch für die 400 Millionen Euro für die Starts der ersten 10 von 30 Satelliten die nun nach Russland fließen. Das war wirklich gut gemacht!

Natürlich gäbe es mehr zu Galileo zu sagen. Das Projekt ist wahrscheinlich erheblich teurer als geplant, was mich angesichts des Hüh-Hotts nicht so wirklich verwundert. Aber ich beschränke mich auf der Raumfahrtteil. Mal eine kleine Rechnung: Wahrscheinlich werden die anderen 20 Satelliten auch noch mit der Sojus gestartet. Das kostet dann nochmals 800 Millionen Euro. Alternativ wären auch vier Ariane 5 ESC-B Starts ausreichend, die rund 560-600 Millionen Euro kosten würden, also rund die Hälfte. Die ESC-B Entwicklung wurde zuletzt auf 1.100 Millionen Euro geschätzt (als man die Entwicklung 2003 einstellte, waren es noch 700 Millionen Euro gewesen, doch 10 Jahre Verzögerung machen sie nicht billiger), damit hätte man die Entwicklung schon zur Hälfte finanziert.

Aber inzwischen gibt die ESA ja lieber Geld für die Errichtung von Startanlagen für russische Träger aus und kauft diese dann. Ach ja und sie will noch eine Ariane 6 entwickeln. Gibt es ein "Ich muss die Kohle zum Fenster rausschmeißen Gesetz" bei ESA und EU? Mich würde nicht wundern, wenn man noch das Angebot von ILS annimmt die Satelliten mit der Proton zu starten, weils vielleicht dann nochmal billiger ist.

Dienstag 21.6.2011: Space for the Masse, not for the Classes

Zeit Raumfahrt jedem näher zu bringen. Zeit Raumfahrt selbst zu betreiben. Es ist Zeit aktiv zu werden und nicht passiv Videos von Raumfahrtagenturen anzusehen. Unmöglich? Nein mit etwas gutem Willen ist das möglich. Es gibt die Cubesats - kleine Satelliten von 10 cm Kantenlänge und maximal 1 kg Gewicht. Sie kosten derzeit noch um die 65.000 $, könnten aber durch Massenproduktion deutlich preiswerter werden.

Die für den Laien wohl interessanteste Beschäftigung mit der Raumfahrt ist die Erdbeobachtung. Das diese kleinen Satelliten nun keine hochauflösenden Bilder anfertigen ist klar. Aber Normalwinkelaufnahmen sollten möglich sein. Hier eine Projektidee, die vor allem reizvoll durch die Zusammenarbeit vieler ist.

Die Grundidee: Man startet nicht einen Cubesat, sondern viele. Standardisiert nur eventuell mit unterschiedlichen Sensoren. Alle dienen der Erdbeobachtung. Durch die Standardisierung und große Stückzahl werden sie deutlich presiwerter. Genauso wie es nicht nur einen Cubesat gibt, gibt es auch mehr als eine Bodenstation, doch dazu mehr. Zuerst zum Satelliten.

Ein Standard Cubesat hat Abmessungen von 10 x 10 x 10 cm und er darf maximal 1 kg wiegen. Das beschränkt nicht nur das Volumen, sondern auch die Stromversorgung. Belegt mit Standard-Solarzellen von 25% Wirkungsgrad beträgt die maximale verfügbare Leistung rund 3,3 Watt. Eine Speicherung von Energie für den Betrieb auf der Nachtseite kommt daher aufgrund der geringen Leistung und des Gewichts (die Batterie wiegt auch etwas) nicht in Frage. Der Satellit ist daher nur auf der Tagseite aktiv. Da es nicht möglich ist, den Satellit der Sonne nachzudrehen werden fünf von sechs Seiten nur mit Solarzellen belegt sein. Lediglich die letzte nimmt die Kamera und Antenne auf. Die räumliche Ausrichtung erfolgt entweder gar nicht oder passiv, z.B. durch Gravitationsgradienten oder durch Magnetkeulen parallel zum Erdmagnetfeld. Daher gibt es auf der Tagseite einen Sensor, der auf zu starkes Sonnenlicht reagiert und eine Öffnung des Kameraverschlusses verhindert.

Die Elektronik muss auch auf den Einsatzzwecke maßgeschneidert sein: geringe Stromaufnahme, schnell aktiv und geringe Hardwareanforderungen: Sobald die Solarzellen Licht erhalten beginnt die Bootphase, die nicht zu lange dauern darf. Danach ein einfacher Zyklus: Bild machen (Kamera aktiv), Bild in den Speicher kopieren, Bild senden (Sender aktiv). Er endet beim Übergang in die Nachtseite, wenn die Stromversorgung abreist. Zu einer Erweiterung des Basisprogramms komme ich noch. Die 3 Watt Gesamtleistung verteilen sich dann auf alle Systeme. Wenn die Kamera aktiv ist, ist daher der Sender abgeschaltet.

Die Instrumentierung muss daher auch einfach sein, weil nur etwa 100 - 200 g dafür zur Verfügung stehen. Das reicht immerhin für ein Fixfokusobjektiv einer Digitalkamera mit CDD-Chip. Individuelle Anpassungen kann es geben durch Wahl des Sensorchips, der Brennweite, oder der Beschränkung auf bestimmte Spektralbereiche. Darüber können viele Cubesats auch wissenschaftlich wertvolle Daten liefern und Wettersatelliten ergänzen.

Der Sender kann natürlich nicht sehr leistungsfähig sein. Ich bin von einer Rundstrahlantenne ausgegangen und 0,3 Watt Sendeleistung. Das entspricht dann einer Gesamtleistung von 1 Watt, da die Sender typischerweise nur 30% der Leistung als Funkwellen abstrahlen. Das wäre z.B. die Leistung von 3 Sendern wie sie WLAN Stationen einsetzen. Damit man zum Boden überhaupt eine brauchbare Datenrate erreicht, habe ich mich für standardisierte Bodenstationen entschieden. Die Datenrate hängt dann noch vom Abstand von der Erde ab. Bei 1.000 km errechne ich eine Datenrate von 80 kbit). Dies ist ausreichend für die später beschriebene Bahn nahe der Erde bis maximal 500-600 km Höhe (es wird nicht nur empfangen, wenn der Satellit direkt über einem ist, sondern auch wenn er flach über dem Horizont steht und dann noch von einem räumlich entfernt ist). Bildgröße und Pxielzahl hängen eng mit der Datenrate und Distanz zusammen. Nimmt man die Datenrate von 80 kbit und eine Transitzeit von 4 Minuten so kann man in dieser Zeit maximal 1,920 MByte übertragen. Das entspricht bei geringer JPEG Komprimierung in etwa einem 5 MPixel Bild. Nimmt man einen 4 MPixel Sensor (2048x 2048 Pixel) und geht davon aus, dass jedes Bild an das vorhergehende anschließen soll, so darf die Kantenlänge auf dem Boden maximal der Distanz entsprechen, die der Satellit in diesen 4 Minuten zurücklegt. Das sind bei einer erdnahen Umlaufbahn etwa 1.700 km, Die Auflösung würde also 1 km betragen, wenn man einen Streifen während der Tagseite abbilden möchte. Ist man weiter von der Erde entfernt, z.B. in 800 km Höhe hat man pro Transit deutlich mehr Zeit als nur 4 Minuten. Aber die Datenrate ist auch geringer, weil die Übertragungsdistanz höher ist. Sinnvoll ist daher eine vorkonfigurierte Elektronik für alle Cubesats, die verschiedene Datenraten in festen Inkrementen handhaben kann.

Der Prozessor muss nicht besonders leistungsfähig sein: Er muss nur die Daten in JPEG konvertieren und dann langsam senden. einzige Bedingung ist, dass er einen Datenspeicher genügend groß für mindestens 1 Bild ansprechen kann, eventuell einige mehr. Aber 16 Mybte würden für rund 8 komprimierte Bilder reichen, wobei wir in der Leistungsklasse von 16 Bit CPU's sind.

Das ganze macht aber nur Sinn, wenn man auch eine Bodenstation hat. Betreibt jeder seinen Satellit baut ihn selbst, dann wird das nie was. Cubesats aller Länder vereinigt euch: Nicht nur die Satelliten sollten bis auf die Sensoruj identisch sein (auch identische Datenformate) sondern auch die Bodenstationen. Ich dachte an handelsübliche 90 cm Satellitenantennen. Sie werden auf ebenfalls handelsübliche Teleskopmontierungen mit Nachführmotoren montiert und diese Nachführmotoren werden vom Computer gesteuert: Es gibt zwei Möglichkeiten entweder dem Signal eines Satelliten nachgeführt, sodass immer die Antenne auf den Punkt schaut, wo die höchste Sendestärke resultiert. Nach einem Pass wird sie wieder nach Norden gedreht wo der nächste Satellit wartet. Sobald sie einen erfasst führt man wieder die Antenne nach. Das zweite ist es den Überflug vorherzusagen, indem ein PC von einem zentralen Server die Daten holt und danach die Antenne steuert. Die Daten selber, kann man durch Vermessung der Bahn mit einer Antenne erhalten oder aus den Daten des NORAD.

Nur mit einem Netz von Bodenstationen macht es Sinn. Jeder stellt seine Bodenstation auch anderen Cubesat Nutzern zur Verfügung und empfängt Daten anderer Satelliten und überträgt diese an einen zentralen Server. Von dort können die Daten vom Satellitenbetreiber heruntergeladen werden. Er kann so nicht nur auf seine Bilder zugreifen, sondern auch andere und er kann Bilder von der ganzen Welt von seinem Satelliten empfangen und nicht nur die von der Region wo seine Bodenstation ist. Es ist, weil die Bodenstationen viel billiger sind, auch denkbar das es viel mehr Bodenstationen als Satelliten gibt und man so zu einer fast vollständigen Abdeckung über Land kommt. Eine Community sollte es ermöglichen die Bilder herunterzuladen. Um die Sache populär zu machen, sogar für Leute die nicht beteiligt sind. Bilder können von der Bordelektronik auch verschlüsselt übertragen werden. Dann kommt nur der Eigentümer der Bilder an die Daten. Ein Großteil sollte jedoch für alle zur Verfügung stehen. Andere Optionen sind Bilder von bestimmten Gebieten, die auf einem Flash-Speicher abgelegt werden, und dann zuerst übertragen werden und das Meßprogramm unterbrechen. Dazu benötigt der Bordrechner eine Echtzeituhr, die aber technisch kein Problem ist. Im PC gibt es sie seit 30 Jahren.

Mögliche Spezialisierungen:

In den Orbit kommen und das Problem Weltraummülls

Eigentlich sind Cubesats nützliche Satelliten und kein Weltraummüll, aber viele sehen den Start zahlreicher kleiner Satelliten als eine Vergrößerung des Weltraummülls. Wir wollen mal diesen Leuten folgen, auch wenn ich chinesische und US-Antisatellitentests als viel größere Verursacher von Weltraummüll ansehe. Das dürfte den Einsatz in höhere sonnensynchrone Bahnen ausschließen. Niedrige Umlaufbahnen in rund 400-500 km Höhe mit einer Lebensdauer von 5-20 Jahren kommen noch in Frage. Dabei sind sonnensynchrone Bahnen besonders interessant, weil dabei der Satellit die ganze Erde ablichten kann (sie führt über die Pole) und der Satellit ist mit Ausnahme von kurzen Zeiten fast immer im Sonnenlicht, kann also rund um die Uhr arbeiten.

Ein grundsätzliches Problem sind die Mitfluggelegenheiten. War es früher kein Problem, neben militärischen Satelliten selbst Dutzende bis Hunderte von Kilogramm schwere Kommunikationssatelliten mitzuführen, so beklagt selbst die Amaturfunkvereinigung AMSAT, dass dies heute kostenlos nichts mehr zu haben ist und kommerzielle Startdienstleister auch für kleinste Nutzlasten bares sehen wollen. Um die Kosten zu begrenzen sollte es eine standardisierte, einfache Möglichkeit geben, Cubesats mitzuführen, z.B. auf den Lenkungen (sie brauchen wenig Platz sind ja maximal 10x30 cm groß für ein Dreierpack. Um dem Kostenrisiko zu begegnen aber auch das Problem der Umlaufbahn zu lösen habe ich eine Lösung die es auch erlaubt zahlreiche Satelliten zu starten ohne dass es viel Weltraummüll gibt:

Die ISS wird ab 2012 von etwa 10 unbemannten Transportern pro Jahr angeflogen werden. Wenn jeder dieser Transporter einen Cubesat-Container mitführt (je drei Stück) so sind dies 30 Fluggelegenheiten pro Jahr. Dabei machen diese den Transporter kaum schwerer. Sie können abgesetzt werden wenn eine Höhe von 350 km erreicht ist, etwa 50 km unter der Orbitalhöhe der ISS. In dieser Höhe haben sie eine Betriebsdauer von etwa einem halben bis einem Jahr. Sie stllen so auch keine Gefahr als Weltraummüll dar. Ein einfacher Aussetzmachenismus mit Federn könnte die Cubesats freisetzen. Für die Raumfahrtagenturen bedeutet dass nur wenig zusätzliche Kosten eine enorme Publicity für wenig Geld. für die community ist es eine planbare Sache, da man genügend Startgelegenheiten hat. So dürften permanent etwa 15 bis 30 Cubesats im Orbit sein, die alleine durch ihr anzahl z.B. Wettersatelliten unterstützen können, auch wenn jeder in seinen Möglichkeiten beschränkt ist.

Weitergehende Möglichkeiten

Cubesats können auch zu zweier und DreierExemplaren kombiniert werden. Die vergrößerte Fläche liefert dann mehr Strom und erlaubt weitergehende Möglichkeiten auch die instrumentelle Ausrüstung könnte so verbessert werden. So wäre denkbar als nächste Generation einen Cubesat-2 Plattform zu entwerfen mit weitergehenden Möglichkeiten. Denkbar wären leistungsfähigere Kameras höhere Auflösung und Datenraten oder die Kombination von Kameras mit verschiedenen Spektralbereichen (Vorteil: Bilder werden zum gleichen Zeitpunkt gewonnen). Aber auch ein einfaches Spektrometer um Spurengase zu detektieren.

Der Vorteil einer kleinen Flotte von Cubesats, die sich gegenseitig ergänzen ist, dass viele kleine Satelliten in gewissen Grenzen einen größeren ergänzen können. Geht man von obigen Szenario aus (30 Satelliten in einen 350 km hohen Orbit, davon etwa 20 pro Jahr betriebsbereit, Abdeckung der Umlaufbahn über zahlreiche private Bodenstationen, geschätzt 30% der Umlaufsdauer) so wäre folgendes Möglich:

Die beschränkten Möglichkeiten für die Optik limitieren den Einsatz bei hohen Auflösungen. Den Einsatz bei niedrigen Auflösungen (jeder Satellit ein Kanal) wird limitiert durch die Bildbreite - ist sie zu groß, so wird zwar viel abgebildet, aber aus der geringen Bahnhöhe resultieren starke Verzerrungen zum Bildrand hin.

Mittwoch 22.6.2011: Die ESA und das ATV

Ich verfolge ja routinemäßig das ATV, auch weil ich ein Buch darüber geschrieben habe. Nun wurde das übernächste, das 2013 starten wird "Albert Einstein" getauft und ich habe mich gefragt, was die ESA geritten hat diesen Namen zu wählen. Das erste ATV hieß "Jules Verne", das war passend, denn Jules Verne hat in einem seiner Romane eine bemannte Mondlandung beschrieben, also eine gewisse Affinität zur Raumfahrt, Beim zweiten "Johannes Kepler, der gerade die ISS in eine sichere Höhe bringt, zieht dieses Argument nicht Johannes Kepler verbinde ich mit Gesetzen über die Planetenbewegung. So würde ich eine Raumsonde benennen, noch passender wäre ein Satellit welcher die Entfernungen oder Positionen von Sternen vermisst, da Kepler ja die Planetenbewegung studierte und nicht die Planeten selbst. Die Begründung war, dass bei der Benennung sich Kepler Hauptwerk 500 Jahre alt wurde (Astronomia nova). Nun ja die Begründung ist sehr lau, denn das war 2009, gestartet wurde das ATV aber 2011.

Dann kam das dritte ATV, dass die ESA nach Edoardo Amaldi benannte. Wie immer wen die ESA einen Italiener nimmt, ist es jemand den kein Schwein kennt (ich muss jedes Mal die korrekte Schreibweise nachschlagen), aber er hat immerhin mit der Raumfahrt zu tun. Nun also das vierte ATV, das 2013 starten soll. Und bei Albert Einstein gibt es nichts das sich jährt. Hat Albert Einstein irgendwas mit Raumfahrt zu tun? Meines Wissens nach nicht. Er hat sich nicht mal für praktische Astronomie interessiert, also einmal Sterne beobachtet. Er war Physiker und an fundamentalen Problemen interessiert, dabei kam eine Theorie raus, die auch wichtig für die Astronomie ist. Doch was hat er mit einem Transporter zu einer bemannten Raumstation zu tun?

Liebe ESA, sucht euch Namen aus, von Leuten die man irgendwie mit einem Transporter oder zumindest mit der bemannten Raumfahrt assoziieren kann. Warum nicht von Braun, Koroljow, Grissom oder Gagarin? (Bitte nicht Eugen Sänger, dem Visionär, der würde von eurem Raumtransporter nichts halten. Schließlich war er schon in den sechziger Jahren dafür ein wiederverwendbares Raumfahrzeug zu bauen).

Doch das ist ja nicht das einzige. Noch immer offen ist der Plan für ein ARV das ist ein ATV mit einer Rückkehrkapsel anstatt dem Frachtbehälter. Über den Bau soll bei der nächsten Ministerratskonferenz, Ende 2011 beschlossen werden. Realistisch wird man 5 Jahre Entwicklungszeit ansetzen müssen, auch EADS geht nicht vor 2016/7 als erstes Startdatum aus. Inzwischen ist sogar von 2018 und mindestens 1,4 Milliarden Euro Entwicklungskosten die Rede. Was würde das bedeuten? Man entwickelt aus einem Transporter der viel Nutzlast transportieren kann, einen der weitaus weniger transportiert und dafür eine Rückkehrkapsel befördert. Das ganze kostet viel Geld (dafür will man die Produktion von zwei weiteren ATV streichen - geht das so einfach, wenn man an der ISS beteiligt ist?) und wenn er zur Verfügung steht, dann wird die ISS nach den heutigen Planungen noch 3 Jahre lang betrieben werden. Das lohnt sich doch wirklich!

Nun es kann sein, dass man die ISS über 2020 hinaus betreiben kann, doch würde ich die Erwartungen nicht zu hoch hängen. Die Mir wurde 15 Jahre lang betrieben und am Schluss musste dauernd repariert werden. 2020 werden die ältesten ISS Module schon 22 Jahre im All sein, die jüngsten immerhin 10 Jahre. Außerdem gibt es ja einen Transporter der Fracht zur Erde zurückbringen kann - die Dragon. Aber vielleicht ist es das gleich wie beim ATV: Wir wollen alles können. Nur einen popligen Frachttransporter? Nö, dass ist doch viel zu wenig. Es muss ja gleich was sein, das automatisch ankoppeln kann. Jede der Frachtsorten transportieren kann (nicht nur eine oder zwei) und dann noch die Station anheben kann. Auch wenn's teuer wird. Wir müssen beweisen, dass wir es können. Und jetzt müssen wir noch beweisen dass wir eine Rückkehrkapsel bauen können (das habt ihr übrigens schon gezeigt: ARD, 1998) und dann noch dass wir ein bemanntes Raumfahrzeug bauen können. Es wird dann wahrscheinlich so kommen wie beim Spacelab - man kann dann den Betrieb nicht finanzieren oder noch besser: wenn es 2020 zur Verfügung steht, wird die ISS deorbitiert....

Mein Vorschlag: Ihr habt noch die Teile für die ATV 6+7. (Übrigens Super-Planung, die nicht rechtzeitig zu bestellen, sodass Zulieferer die Produktion wichtiger Teile eingestellt haben!) Baut die und bringt die als Beteiligung für den Betrieb bis 2020 ein (derzeit leistet die ESA ja mehr als sie muss, geplant war mal ein Flug eines ATV alle 18 Monate, nun ist es einer alle 12 Monate, auch weil sich das Programm verzögert hat und die fehlende Nutzlast des Shuttles kompensiert wird) und gut ist es. Warum viel in die Entwicklung des ATV investieren, wenn man dann nur 5 Exemplare baut?

Donnerstag 23.6.2011: Die Moon-Hoaxer

Als ich mal wieder einem Link gefolgt bin, er auf meine Website wies kam ich in ein Astronomieforum, wo eine heftige Diskussion über die Mondlandung lief (über 21 Seiten) und eigentlich immer nur ein Moon Hoaxer das ganze angestachelt hat ohne auf die Gegenargumente einzugehen.

Mich erinnert das an die Mails die ich manchmal bekomme, (in den letzten Jahren eher weniger). Nun kann man das mit den Moon-Hoaxern auf vielfältige Weise beleuchten. Man kann also die Pro- und Contras diskutieren, oder wie ich finde sehr gut pointiert, das Weltbild das hinter diesen Verschwörungstheorien steckt beleuchten (wie hier). Ich will auf was anderes eingehen, was eigentlich einem jeden auffällt, wenn er es mit den Moon-Hoaxern zu tun hat: deren Umgangston.

Manchmal geht es schon mit der ersten Mail oder dem ersten Posting los: andere Diskussionsteilenehmer werden angepflaumt, beleidigt, ihr geistiger Verstand angezweifelt und so weiter. Überhaupt wäre die katholische Kirche des 14.ten Jahrhunderts froh über die Moon-Hoaxer denn die häufigsten Worte sind "unmöglich", "nie", "niemals", "mit absoluter Sicherheit" etc... Also wenn man die Begriffe "Mondlandung" durch die "Die Erde ist eine Scheibe" austauschen würde wäre es ein toller Monolog für einen Hexenfilm.

Kurzum. Sie sind felsenfest von ihrer Position überzeugt, stellen Dinge als unveränderliche Paradigmen hin, die sie nicht beweisen müssen. (Das ist natürlich sehr geschickt, wenn man die eigenen Behauptungen nicht beweisen muss). Wenn jemand anderer Meinung ist, oder versucht zu beweisen, dass aufgrund physikalischer Gesetze die Aussage des Moon Hoaxers falsch ist, dann wird der Ton, pambpig, beleidigend. Irgendwie erinnert mich es an so Filme über die Inquisition und wie dort die Richter mit den "Ketzern" umsprangen vor allem beleidigten, herabwürdigten etc.

Manchmal kommt einem das schon bei der ersten Mail unter. Ich habe mal ein Beispiel hier publiziert. Da dies das Verhalten aller Moon Hoaxer ist die ich kenne, frage ich mich ob dies nur der Ausdruck einer psychischen Störung ist. Also auf gut deutsch: wer einen an der Waffel hat neigt dazu solchen Verschwörungstheorien nachzugehen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Wenn ich von einer Theorie überzeugt bin, dann versuche ich möglichst viele zu überzeugen. Also ich würde eine Website aufmachen und das dort darlegen, oder wenn ich schon den Weg beschreite andere anzuschreiben oder in Foren aktiv zu sein, dann würde ich versuchen die Leute dort argumentativ zu überzeugen.

De Faktor müsste doch jedem mit nur etwas Verstand klar sein, dass sein Gegenüber sofort auf Durchzug schaltet oder überhaupt nichts mehr liest, wenn jemand ausfällig wird oder ihn sogar beleidigt. Wenn jemand also trotzdem diesen Weg einschlägt, dann agiert er nicht verstandesmäßig und mit Leuten die nicht rational handeln kann man nicht diskutieren. Daher würde ich solche "Trolle" in einem Forum schlichtweg ignorieren.

Vielleicht iste s auch Zeit die Öffentlichkeit die vielleicht keine Meinung für oder gegen die Mondlandung hat oder sich nur informieren will, anders zu informieren. Es gibt ja den Grundsatz in der Wissenschaft von Ockhams Messer. Sie sagt vereinfacht aus, dass von mehreren Theorie meistens die die beste ist, die möglichst wenige Annahmen und Nebenbedingungen hat. Also "Einfachheit ist Trumpf". Untersucht man die beiden Theorien über die Mondlandung, so kann man sie wie folgt zusammenfassen:

Offizieller Ablauf:

Die NASA bekommt von Kennedy den Auftrag auf dem Mond zu landen. Sie entwickelt mit hohem Milliardenaufwand die dazu nötige Hardware, führt zur Erprobung der Technik ein Zwischenprogramm (Gemini) ein und nähert sich mit mehreren Missionen der Mondlandung um diese schließlich durchzuführen.

Verschwörungstheoretiker Ablauf

Die NASA erkennt dass die Mondlandung aufgrund physikalischer Einschränkungen nicht möglich ist. Sie dreht diese im Filmstudio nach und fertigt die Hardware nur pro Forma. Tausende direkt Beteiligte werden zum Stillschweigen verdonnert. Drei Astronauten die an die Öffentlichkeit wollen, werden ermordet. Fotos werden gefälscht. ...

Wie schon an den drei Punkten erkennbar ist, braucht die zweite Theorie zahlreiche Stützbehauptungen. Diese sind nötig, weil die Theorie selbst nicht logisch rational ist. Wenn die Mondlandung physikalisch oder technisch nicht möglich ist (die Moon Hoaxer behaupten ja beides), warum sagt man es nicht und sucht ein anderes Ziel? Wenn es nicht möglich ist, so dürfte das nicht auf Dauer verheimlichbar sein, schließlich gibt es ja nicht nur in der NASA Techniker und Physiker mit Sachverstand und man kann ja nicht alle zum Schweigen bringen. Daher muss man zahlreiche "Indizien" bringen um einen völlig unlogischen Sachverstand zu "erklären". Das ändert aber nichts darin, dass die Theorie an sich keinen Sinn macht.

Was mich auch an den Medien stört, ist, dass nicht auf die Vorbildung der Pro- und Kontra Diskutanten eingeht. Ich kenne keinen der prominenten Moon Hoaxer, der eine fachspezifische Vorbildung hat, also entweder in der Raumfahrtindustrie als Techniker arbeitet (nicht als Bibliothekar) oder als Physiker die postulierten Effekte auch fachkundig beurteilen kann. (Wobei mein Vertrauen in die Physiker auch gelitten hat seit wir eine Physikerin als Bundeskanzlerin haben, die offensichtlich sich nicht in Kerntechnik auskennt). Übertragen wir das auf ein anderes Gebiet. Nehmen wir mal an, es gäbe eine Gruppe die wir "Fat-Hoaxer" nennen. Sie postulieren, dass die Theorie, Übergewicht wäre ungesund nicht beweisen ist und falsch sei, sie wäre von der Industrie lanciert und Abnehmmittel, Diäten in Zeitschriften und Fitnesskurse und Trimmdichtrainer zu verkaufen. Ich würde mal annehmen, dass dann sich die Medien interessieren würden, ob unter diesen Leuten auch Mediziner sind, oder ob es sich um Drucktechniker, Literaturwissenschaftler oder Arbeitslose handelt. Warum fällt das bei anderen Theorien komplett unter den Tisch?


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