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Web Log Teil 234: 29.6.2011 - 1.7.2011

Mittwoch den 29.6.2011: Überflüssige Raumfahrtstudien

Es gibt überall Studien, auch in der Raumfahrt - Projektstudien, was wäre wenn, aber auch Entwicklungsstudien, die überleiten in eine Entwicklung und die erst einmal abklären sollen, ob ein Projekt möglich ist, was an Vorarbeiten zu machen ist und wie teuer es wohl werden könnte. Wie immer in der Raumfahrt ist alles ein bisschen teuer und daher sollten auch Studien wohlüberlegt sein. Ich will nichts gegen Studien allgemein sagen, aber hier mal drei anführen, bei denen ich schon als Laie sagen kann, das das ausgegebene Geld zum Fenster rausgeschmissen wurde.

Beispiel 1: VENUS

VENUS steht für Vega New Upper Stage und war eine Projektstudie des DLR. Ziel war es zu untersuchen, ob die Nutzlast der Vega mit einer neuen Oberstufe unter Verwendung der schon für Ariane 5 entwickelten oder in Entwicklung befindlichen Triebwerke gesteigert werden kann. Die Oberstufe hätte dann den Zefiro 9 Antrieb ersetzt.

Die Studie umfasste nur 500.000 Euro, aber ich hätte dem DLR das Ergebnis auch für 50 Euro mitteilen können - eine neue Stufe auf Basis dieser Antriebe steigert die Nutzlast nicht. Dazu muss man nicht eine Studie betreiben. Die Tatsachen können leicht aus den bekannten Fakten abgeleitet werden:

Auf Basis dieser Tatsachen reicht ein einfacher Taschenrechner für ca. 20 Euro, um abzuklären, dass

Genau das kam auch bei der Studie raus. Nur eben für 500.000 Euro.

Beispiel 2 : ARV

Beim letzten ESA Ministerratstreffen gab es den Beschluss eine 21 Millionen Euro Phase-A Studie für das ARV zu initiieren, die inzwischen auch abgeschlossen ist. Sie wurde von Deutschland zu 90% finanziert, weil kein anderer Mitgliedsstaat sie für nötig hielt.

Hier kann jeder, der sich etwas auskennt, erkennen, dass diese Studie aus einem anderen Grund überflüssig ist: die Zeit. Damals war ein Betrieb der ISS bis 2015 vorgesehen. Hätte man das ARV gleich komplett genehmigt so wäre es vielleicht bis 2013 zur Verfügung gestanden (DLAR/EADS rechneten mit 2012, aber da die Ministerratskonferenz Ende 2008 war und es so Geld nicht vor Mitte 2009 gegeben hätte, halte ich das für zu optimistisch). Da es nur eine Phase A Studie war, die über 18 Monate lief und erst die nächste Konferenz über die Entwicklung von großen Projekten beschließt, wäre bei einer Genehmigung 2012 erst mit 2017/8 mit der Fertigstellung zu rechnen. Nur war zu diesem Zeitpunkt Bush Constellationprogramm aktiv und das sah die Einstellung des ISS Betriebs 2016 vor. Das bedeutet man hätte sich die Studie auch gleich schenken können, weil selbst bei einem positiven Ergebnis das ARV zu spät käme.

Okay, nun ist es 2020, doch selbst wenn man sofort anfangen würde, dann würde man ein neues Gefährt entwickeln, dass dann einige Male eingesetzt wird und für das es auch keinen Bedarf seitens der anderen ISS-Teilnehmer gibt. Inzwischen ist daher auch von einem modernisierten ATV die Rede und das ARV praktisch tot. Also mal 21 Millionen Euro zum Fenster raus geworfen.

Beispiel 3: Neue Triebwerke

Die ESA vergab vor wenigen Tagen einen neuen Auftrag für ein Haupttriebwerk der Ariane 6 verabschiedet. Es ist der zweite nachdem es schon einen ersten vor zwei Jahren gab. Beide Kontrakte haben zusammen einen Umfang von 93 Millionen Euro. Das sind schon 2/3 der Projektkosten eines Satelliten wie Cryosat. Das Problem hier: Parallelentwicklung.

Es geht um Entwicklungsarbeiten für ein Haupttriebwerk für einen Ariane 5 Nachfolger. Welches Konzept, ist noch nicht festgelegt, daher auch nicht Schub und Treibstoffmischung. Also viel Geld für wenig konkretes. Während die ESA also nun schon in die "Ariane 6" investiert, ruht die Entwicklung der ESC-B Oberstufe seit 2004, als die dafür vorgesehen Gelder in das Ariane 5 Evolution Konsolidierungsprogramm umgewandelt werden und seitdem wurde die Entwicklung immer wieder verschoben. Immerhin beim Vinci Triebwerk geht es auf niedrigem Level weiter.

Es macht nur keinen Sinn eine neue Oberstufe zu entwickeln, wenn diese (nach weiteren Jahren der Entwicklungszeit) nur kurz im Einsatz sein wird, weil ein Nachfolger parallel entwickelt wird. Mal abgesehen von der Sinnhaftigkeit der Ariane 6 sollte man sich für eines entscheiden - also entweder man baut nun die Ariane 5 und betreibt die Ariane 5 in der derzeitigen Konfiguration bis die Ariane 6 zur Verfügung steht, oder man steigert die Nutzlast der Ariane 5. Bei Ariane 1-4 und 5 lief es ja auch so: Erst kamen die Programme zum Steigern der Nutzlast (Ariane 1 → 4) und dann die Ariane 5 Entwicklung und es wurde an der Ariane 4 nichts mehr geändert.

So gibt man entweder Geld für Triebwerktests eines Triebwerks aus, das entweder nie eingesetzt wird, oder man entwickelt eine Oberstufe die nur kurze Zeit im Einsatz ist. Die Gefahr dass die heute gestarteten Entwicklungen überholt sind, wenn die Ariane 6 nicht bald kommt, sondern eben vielleicht erst wenn die ESC-B Oberstufe dann auch 10 Einsatzjahre vorweisen kann (also so um das Jahr 2027) ist groß.

Das sind nur drei Beispiele, bei denen ich bei meinen Recherchen über die Vega, Ariane 5 und das ATV stieß. Man wagt sich gar nicht vorzustellen wo bei denen vielen anderen Raumfahrtprojekten, mit denen ich nicht so vertraut bin Geld für Studien ausgegeben wird, die sinnlos sind. Die drei hier machen schon mit 115 Millionen fast die Kosten von Cryosat 2 mit 137 Millionen Euro aus. (zugegeben ein preiswerter Satellit) Man wagt nicht zu denken wo die europäische Raumfahrt stände, wenn man mehr mit dem Geld haushalten würde...

Donnerstag den 30.6.2011: Frauen und der Fußball

Ich habe es ja nicht so mit Passivsport, also irgendwelche Dinge vor dem Fernsehen oder im Stadium anzuschauen. Ich bevorzuge es selbst aktiv zu sein. Nun haben wir ja Frauen-Fußball-WM, noch dazu im eigenen Land. Da geben sich alle Mühe die hervorzuheben, inklusive peinlichem Franz-Beckenbauer / Männermannschaftsspot. Doch sind wir wirklich soweit?

Heute kam im Radio mal eine Zusammenfassung wie Promis oder Fußballfans sich über Frauenfußball in den letzten Jahrzehnten geäußert haben von Bekenntnissen von Herberg, dass Fußball als Kampfsport nichts für Frauen sei, über Reporterfragen im aktuellen Sportstudio, wie sich den Kopfbälle auf die Frisur auswirken über "Schenkelklopfer" von Fußballfans, dass wohl die "Mannschaft mit den größten Bällen gewinnt".

Man sollte meinen, wir wären heute weiter. Aber in Nano erfuhr ich dann, das es um den Frauenfußball immer noch schlecht steht. Wer in der Bundesliga spielt, kann davon leben, aber schon eine Klasse darunter sieht es mau aus. Weder der DFB noch die Vereine unterstützen hier viel.

Damit nicht genug: Was lese ich da: Passend zur WM veröffentlicht nun auch noch der Playboy freizügige Fotos von Bundesligspielerinnen, und zwar offiziell mit Genehmigung des DFB angefertigt. Wie heißt es so schön: "Sie können nicht nur gut spielen, sondern sehen auch noch gut aus". Ach ja: wie viele Nacktfotos gab es denn von männlichen Spielern? Ist bei denen das Aussehen wichtig oder wie gut sie spielen? Ich finde mit solchen Aktionen würdigt man den Sport herab, zu einem Niveau, das wir schon vor 30 Jahren mal verlassen haben.

Lieber DFB, wenn ihr was für den Sport tun wollt, dann wäre das mein Alternativplan:

Sorgt dafür, dass die Spiele der Frauenbundesliga genauso wie die der Männer gezeigt werden - und zwar genauso ausführlich. Kann man sicher ohne Problem in den Rahmenvertrag für die Senderechte mitnehmen - wer die WM überträgt muss da ja auch Spiele übertragen die vielleicht nicht gerade vom Grade Brasilien - Italien sind sondern eher vom Grade Ecuador - Polen. Das bekommt man im Vertrag vorgeschrieben, warum nicht auch bei der Bundesliga

Die Millionäre in der Bundesliga werden nicht verarmt, wenn von den Ausgaben der Vereine für die Profis 30% abgezogen werden und in einen Fond für den Frauenfußball wandern, mit dem dann dieser Bereich unterstützt wird. Die Profis sparen dabei enorm Steuern und haben trotzdem noch >70% ihrer Millionen und selbst die 30% wären wahrscheinlich ein vielfaches der derzeitigen Förderungssumme. Das kann man auch noch auf die zweite Liga ausdehnen (eigentlich auf jede Klasse, bei der man vom Spielen leben kann).

Und: seid stolz auf eine Mannschaft die in den letzten acht Jahren zwei WM  Titel gewonnen hat (außerdem einen zweiten und vierten Platz bei 5 Turnieren die es bisher gab also nur einmal nicht ins Halbfinale kam). Ach ja von den 11 Europameisterschaften hat Deutschland auch sieben gewonnen, davon die letzten vier in Folge. Darauf kann man stolz sein, auf jeden Fall mehr als auf die Leistung der Herren.

Ich denke es ist einfach ein Ruck nötig. Vielleicht ist die WM im eigenen Lande ein solcher. Denn natürlich reicht Geld alleine nicht. Es muss auch in der Bundesliga und den anderen Ligen auch das Publikum da sein. Aber manchmal kann ein Ereignis das bewirken oder einige erfolgreiche Personen. Es geht um einen Umdenkprozess, weg davon Frauenfußball als zweit- oder drittklassigen Ersatz für den der Männer zu sehen. Bei anderen Sportarten ist dem doch auch nicht so. So bei den Wintersportarten - da haben die Frauen genauso viel Aufmerksamkeit wie die Männer und bei Tennis ist es auch so. Tennis ist auch ein gutes Beispiel wie einige erfolgreiche Spieler die Saat bereiten können für eine Veränderung des Klimas zu einer Sportart. Die älteren unter euch werden sich noch erinnern: Welchen Stellenwert hatte Tennis vor 1985? was wurde da von einem Grand Slam Turnier übertragen? Vielleicht das Finale. Das wars aber dann. Dann kam Boris Becker und ein Jahr später Steffi Graf und es liefen nachmittags ein paar Jahre lang die Turniere life, solange wie die erfolgreich waren und sie bereiteten den Weg für andere die nachfolgten. Okay, nun 20 Jahre später ist man wieder auf demselben Niveau, weil irgendwann der Erfolg wegblieb, aber es hat sich die Einstellung zum Sport geändert. Vor Boris Becker und Steffi Graf galt Tennis als "weiser Sport" für Zahnärzte, aber nicht als Volkssport.

Die Frauen sind heute schon erfolgreich, dass ich nicht die Gefahr sehe dass sie in der Versenkung verschwinden, wenn man sie weiter fördert. Aber ohne wird es nicht gehen.

Freitag 1.7.2011: Eisenverhüttung

Zeit mal wieder für eine kleine Chemiestunde, nachdem es eine Weile keine mehr gab. Schließlich wollen wir dem Bildungsauftrag des Internets ja nachkommen oder? Nachdem ich (zum wiederholten Male) eine Unsinnssendung des ZDF, die als Wissenschaft kommt, gesehen habe, bekam ich die Idee für die heutige Sendung. Die Sendung behandelt den angeblichen Einschlag eines Kometen im Chiemgau vor 2.500 Jahren und führt sogar die Überlegenheit der römischen Armee auf "Chiemgauer Eisen", dass durch den Kometen besonders kohlenstoffreich sei zurück. Schon als die Sendung vor einigen Jahren publiziert wurde, war klar, dass das ZDF einer kleinen Gruppe gefolgt sind die das postulieren. Nur fanden andere Geologen, Archäologen oder Historiker keinerlei Hinweise auf ein solches Ereignis. Die Sendung wird übrigens heute um 19:30 auf ZDF NEO wiederholt. Was mich ärgerte findet sich auch in der Beschreibung des ZDF: "Einige Zeit nach dem Kometeneinschlag revolutionierten die keltischen Noriker die Schmiedekunst. Sie entwickelten den ersten Stahl Europas. Ihre Schwerter waren härter und widerstandsfähiger als alles bisher Dagewesene. Die Pioniere konnten Kohlenstoff und Eisen zu Spitzenqualität verbinden. Vermutlich verarbeiteten die Handwerker bei der Prozedur große Mengen von Meteoritengestein. " Mal abgesehen das oben noch von einem Kometen (bestehen vorwiegend aus Eis) und unten von Meteoriten (da gibt es auch welche aus Eisen) die Rede ist, fing ich nochmals in meinem Chemiebuch nachzuschlagen, denn meiner Kenntnis nach ist Kohlenstoff in größerer Menge im Eisen äußerst unerwünscht.

Zeit mal etwas Grundlagen zu bringen: Wie funktioniert die Eisengewinnung in einem Hochofen und was passiert da? Im zweiten Teil komme ich dann zur Stahlherstellung.  Fangen wir mal mit dem Aufbau eines Hochofens an. Er besteht aus zwei aufeinander stehenden Kegelstümpfen. Der obere Kegel heißt Schacht und der untere Gicht. Der obere macht 3/5 Der Höhe aus. Es kann kein zylinderförmiger Schacht sein, aufgrund der Physik des Prozesses: Das oben eingefüllte Gut wird beim Sinken nach unten immer wärmer und dehnt sich aus. Daher muss der Durchmesser des Schachtes dem folgen, sonst würde der Hochofen verstopfen. Ab einer bestimmten Tiefe, beginnt das Erz sich zu verflüssigen und tropft nach unten, es wird das Volumen kleiner. Zugleich wird die Kohle verbrannt und ihr Volumen nimmt ab.

Die Höhe beträgt mindestens 10 m. Die größten heute 90 m. Die Wandstärke maximal 70 cm, die des Gestells 100-150 cm. Hier verengt sich der untere Kegel weiter. Unten gibt es drei Ein/Ausgänge oben für die Luft, darunter für die Schlacke und ganz unten für die Entnahme des Roheisens.

Oben wird in den Hochofen abwechselnd Koks (pyrolisierte Kohle, bei der vor allem Verunreinigungen wie Schwefel verbrannt werden) und Eisenerz mit Zuschlägen zugesetzt. Koks bzw. bevor es diesen gab, Holzkohle enthalten beide fast reinen Kohlenstoff. Kohle enthält Schwefel die unter den Bedingungen des Hochofens als Schwefeldioxid störend wirken würde. Aus dem gleichen Grund müssen sulfidische Eisenerze vor der Verhüttung oxidiert werden ("rösten"). 

Die Zuschläge sind Mineralien die dazu dienen die Zusammensetzung der Schlack beeinflussen. Erwünscht ist, dass die Schlacke aus Calciumaluminiosilikaten besteht. Diese haben mit 1.200°C einen recht niedrigen Schmelzpunkt. Besteht das Erz aus silikatischen Begleitmineralien, die kieselsäurereich sind, dann wird Kalk und Dolomit zugesetzt. Bei den Bändereisenerzen, die kalkreich sind wird dagegen Tonerde, also silikatische Mineralien zugesetzt. Dabei werden die beiden Bestandteile (Koks und Erz) schichtweise eingefüllt, also nicht gemischt.

Die Reaktionen von unten nach oben sind:

Unten verbrennt der Koks durch die vorher auf 900 bis 1300 Grad erhitzte eingeblasene Luft zu Kohlenmonoxid. Diese Zone wird bis zu 1.600°C heiß, was höher als der Schmelzpunkt alle Erze und auch des Eisens ist. Der Hochofen zieht wie ein Schornstein. Nun gelangt das Kohlenmonoxid nach oben und reduziert dort die Eisenoxide zu Eisen.  Es finden folgende Reaktionen statt:

3 Fe2O3 + CO 2 Fe3O4 + CO2 + 47,3 kJ

36,8 kJ + Fe3O4 + CO 3 FeO + CO2

FeO + CO Fe + CO2 + 17,2 kJ

Das bedeutet das Eisen(III)oxid wird stufenweise über das Eisen (II,III)mischoxid, Eisen(II)oxid zum Eisen reduziert.

Das dabei gebildete Kohlendioxid gelangt dann in die nächste Koksseite, in der durch die Gleichgewichtsreaktion mit dem Kohlenstoff erneut Kohlenmonoxid bildet:

172,58 kJ + C + CO2 2 CO

Die Energie wird durch die bei der exothermen Reaktion der Eisenreduktion geliefert sowie durch die Verbrennung des Koks. In der Summe reduziert der Kohlenstoff das Eisen, jedoch nicht direkt, sondern über das Kohlenmonoxid:

172,6 kJ + CO2 + C 2 CO

2 FeO + 2 CO 2 Fe + 2 CO2 + 34,4 kJ

Summe: 138,2 kJ + 2 FeO + C 2 Fe + CO2

Ein Nebenprozess ist die Reduktion der Wasserstoff, das aus dem Wasser der zugeführten Luft durch Reaktion mit dem Koks entsteht. Da unterhalb von 900 Grad die Rückbildung von Kohlenmonoxid aus dem Kohlendioxid abnimmt, ist der Wasserstoff im oberen Bereich mit niedrigeren Temperaturen wichtig um auch dort das Eisen zu reduzieren. Die Reduktionszone in der die Reduktion durch Gas vorherrscht nimmt den Temperaturbereich von 400 bis 900°C ein.

Nur in der unteren Zone die 1300 bis 1600°C heiß ist kann der glühende Koks das Eisen direkt reduzieren. Dabei reagiert er mit dem Kohlenstoff und bildet Zemenit der sich im Eisen löst. Reduziert werden auch Begleitelemente wie Mangan, Phosphor, Silizium, die sich dann im Metall lösen.

Die Reduktion durch Kohlenmonoxid läuft dagegen noch in den höheren Schichten ab. Das Eisen schmilzt und tropft durch den Koks nach unten und löst dabei Kohlenstoff im Metall. Auch die Schlacke tropft nach unten, sie ist allerdings leichter als das Eisen und schwimmt über dem Eisen und schützt es vor der direkten Oxidation durch den oberhalb der Schlacke eingeblasenen Luft. Die Aufnahme von Kohlenstoff senkt den Schmelzpunkt von reinem Eisen (von 1539°C) auf rund 1100 bis 1200°C ab. Bei einer Temperatur von unter 900°C reicht die Reduktionskraft des Kohlenmonoxids nur noch aus um das Eisen(II)oxid zu bilden. Weiter oben findet nur eine Vorwärmung statt. Die Temperatur oben am Hochofen beträgt immer noch 250 bis 400°C. Das Gasgemisch wird oben abgezogen, denn es ist reich an Kohlenmonoxid und kann daher noch verbrannt werden. Der Energiegehalt beträgt etwa 4000 kJ/m³.

Aus 2 t Erz, 1 t Koks, 500 kg Zuschläge und 5.500 kg "Wind" gewinnt ein Hochofen 1 t Roheisen, 1 t Schlacke und 7 t Gichtgas. Das Gichtgas wird genutzt um den Wind vorzuheizen, aber auch für andere Prozesse in der Eisenherstellung. Die Schlacke wird laufend abgezogen. Je nach Zusammensetzung wird Sie als Straßenfüllmaterial oder zur Zementherstellung genutzt. Das Roheisen wird entweder flüssig dem Stahlwerk zugeführt oder in Roheisenblöcken abgegossen. Anders als die Schlacke wird es nur periodisch entnommen und danach das untere Abflussloch wieder verschlossen.

Das Roheisen enthält neben 2,5 bis 4 Kohlenstoff noch 0,5 bis 6 % Mangan als Begleitmaterial des Eisens, vor allem die Bändererze sind sehr manganreich, da es damals aus dem Wasser durch die Photosynthese mit dem Eisen ausgefällt worden. Dazu kommt Silizium (0,5 bis 3%), Phosphor (0 bis 2%) und kleine Mengen an Schwefel. Wird das Eisen sehr langsam abgekühlt, so kann der Kohlenstoff aus dem Eisen ausscheiden und sich an der Oberfläche als graue Schicht ansammeln "Graueisen". Dieses graue Roheisen hat einen Schmelzpunkt über 1.200 °C. Als Nebenbedingung muss das Eisen siliziumreich (>2 % Si) und manganarm (< 0,2 % Mn) sein. Bei rascher Abkühlung verbleibt der Kohlenstoff im Eisen und es entsteht das weiße Roheisen mit weißer Bruchfläche. Sein Schmelzpunkt liegt deutlich niedriger bei 1100 °C. Enthält es weniger Silizium als Mangan (<0,5% Si, >4 % Mn) so ist dies möglich, da unter diesen Bedingungen sich die Verbindung Zementit Fe3C bildet, die in Eisen löslich ist.

Die beiden Eisensorten unterscheiden sich stark in ihrem Verhalten. Dass graue Roheisen, erweicht schon lange vor seinem Schmelzpunkt und ergibt dann eine dünnflüssige Schmelze. Es eignet sich daher als Gusseisen für die Herstellung von diversen Haushalts und Gebrauchswaren. Der größte Teil ist aber heute weißes Roheisen, das durch den Zementitgehalt für den direkten Gebrauch kaum nutzbar ist - es ist spröde und bricht leicht. Es wird für die Stahlherstellung genutzt. Da mache ich nächstes Mal weiter.

Freitag 1.7.2011: China rules!

Die letzten Mails, die mir Leon Kums zuschicken konnte, bevor er plötzlich nicht mehr erreichbar war, enthielten noch brisanteres Material als die ersteren. Aber ich lasse Ihn wie immer am besten selbst zu Wort kommen:

"Was mir an ihrer Recherche auffällt, ist dass sie sich nie die Frage gestellt haben, wie SpaceX das alles mit nun knapp 1.200 Mitarbeitern bewerkstelligt hat. Schließlich "produzieren" wir ja alles selbst. Mit dieser kleinen Mannschaft also zwei Trägerraketen, die Triebwerke, ein Raumschiff. Sie müssten wissen, wie viele in Europa an ATV und Ariane arbeiten. Wie soll das gehen?

Nun das Geheimnis ist natürlich Outsourcing, nur darf man es bei Elon nicht sagen. Als wir 2003 die Pläne für die Falcon 1 ausgearbeitet haben, bekamen wir Besuch von einer Delegation der CGWIC (die China Great Wall Industry Coorpation: Hersteller und Vermarkter der Langen Marsch: BL). Ich weiß nicht genau was sie anfangs wollten. Ich vermute, sie dachten sogar sie könnten in den Laden einsteigen und ihn kontrollieren. Aber da damals Elon praktisch das ganze Kapital hielt, klappte das nicht. Was offensichtlich war, war dass sie wieder im Markt vertreten sein wollten, aber durch die Exportbestimmungen ihre Träger nicht verkaufen konnten.

Wir kamen ins Gespräch und es war offensichtlich, dass wir zwar eine ehemalige Produktionshalle für Jumbos hatten, aber keinerlei Personal. Sie boten an die Falcon 1 für uns zu bauen und sie fertig zu übergeben. Elon traute ihnen nicht und schlug vor doch erst mal ein Mockup zu produzieren, dass wir testen würden und zwar genau nach unseren Plänen. Sie lieferten in Rekordzeit, wir montierten ein Triebwerk rein und präsentierten es beim AIAA Kongress und hatten unseren ersten publikumswirksamen Auftritt. Auch bei den Tests zeigte sich, dass alles so gefertigt war wie wir es wollten.

Elon sah die Möglichkeiten, hier sein Kostenziel zu erreichen. Nur so war überhaupt eine Rakete für den Preis zu bauen. Wie sollte man eine Rakete für weniger als 7 Millionen Dollar bei den Arbeitslöhnen in den USA bauen? Als der Falcon 1 Erstflug anstand, hatten wir rund 200 Mitarbeiter, mehr als ein Triebwerk pro Jahr konnten die nicht bauen und selbst deren Lohnkosten lagen weitaus jenseits der 7 Millionen Dollar. Eine Rakete war so nicht für den Preis zu fertigen, also griffen wir auf zahlreiche Systeme der Industrie zurück und die CWIC bekam dabei den größten Auftrag.

Den ersten Ärger mit den Chinesen gab es beim zweiten Testflug, als das Kestrel vorzeitig abschaltete. Elon ist ja immer schnell im Suchen von Schuldigen. Beim Jungfernflug war es ein Techniker der eine Leitung montierte, obwohl sich später Korrosion als Ursache herausstellte. Nun meinte er die Chinesen würden seine Firma sabotieren und minderwertige Produkte ausliefern. Doch Lei Fanpei, Chef der Konstruktion lächelte nur zurück "Die Konstruktionspläne enthalten keine Prallbleche. Wir haben die Stufe genau nach Konstruktionsplänen gebaut. Jeder Raumfahrtstudent in China weiß, das man Prallbleche braucht, warum wissen Sie das nicht?". Ich habe Elon noch nie so stottern sehen, wie da.

Beim nächsten Start wars dann das gleiche Spiel. "Konstruktionszeichnungen weisen keine Retroraketen auf. Jeder Ingenieur in China weiß, dass ohne Retroraketen Stufen kollidieren können, warum wissen das Chief Rocket engineer Musk nicht?". Elon rief blutrot an. Ich glaube danach hat er es aufgegeben nachzufragen, warum keine der Stufen den Widereintritt überlebt hat, weil er sich wohl die Antwort denken konnte.

Interessanterweise hat das aber sein Vertrauen in die CWIC bestärkt, so wie wenn ein kleiner Junge etwas von einem Abiturienten erklärt bekommt. Immerhin die hatten Ahnung vom Raketenbau, auch wenn er einige Zweifel bei seiner eigenen Belegschaft hatte. Bei der Falcon 9 sollte China daher eine noch größere Rolle einnehmen. Sie boten an, dass sie die Bauweise der Booster ihrer Langer Marsch dafür einsetzen könnten, nur würde SpaceX eben ihre Merlin Triebwerke in den Schubrahmen einsetzen. Wir haben lange darüber gebrütet, weil es preislich sehr attraktiv war, aber es doch verworfen. Der Hauptgrund war der zu geringe Durchmesser von 3,35 m. Schon die Falcon 9 mit mit 3,66 m Durchmesser recht lang, aber mit 3,35 m wäre die Rakete nochmals 10 m länger gewesen und damit sehr anfällig gegen aerodynamische Kräfte. Während wir bei der Falcon 1 noch viele Systeme von US-Lieferanten bezogen haben, ist China nun fast vollständig für die Rakete verantwortlich. Wir fertigen nur noch den Bordcomputer und die Triebwerke. Mehr ist mit der Belegschaft auch nicht zu machen.

Auf die CWIC kann man sich verlassen. Schließlich funktionierten beide bisher gestarteten Falcon 9. Die einzigen Probleme gab es wie üblich in dem Bereich der von SpaceX kam, das war die Software der Steuerung. Mehr noch, als sich die Stimmen mehrten, wir könnten nicht liefern weil seit Jahren zig Starts auf der Webseite vermerkt sind nur einer oder zwei pro Jahr stattfinden, bat Elon Lei Fanpei um eine Stellungnahme für SpaceX und bekam sie auch. Hat es sie nicht gewundert so schnell nach dieser Nachricht eine Stellungnahme von Elon auf der SpaceX Webseite zu lesen? Es ist schließlich die erste Stellungnahme überhaupt zu einem Artikel über SpaceX.

Ich denke die Chinesen setzen nun große Hoffnungen auf SpaceX. Sie haben die Entwicklung ihrer Langen Marsch 5 seit Jahren verzögert und werden wohl, wenn SpaceX an die Börse geht, den größten Teil der Aktien aufkaufen und das tun was sie schon immer vorhatten: Den Laden übernehmen. Nächstes Mal erzähle ich Ihnen, wer für SapceX die Dragon baut"

Leider kam es nicht mehr dazu Leon Kums erklärte mir noch über Skype, er fühle sich nicht mehr sicher. In sein Büro sei eingebrochen worden und verdächtige Gestalten würden um sein Haus herumlungern. Das war vor 10 Tagen, seitdem versuche ich ihn erfolglos zu kontaktieren.


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