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Web Log Teil 236: 9.7.2011 - 14.7.2011

Samstag den 9.7.2011: Produktplacement

Derzeit wird ja die erste Staffel vom "letzten Bullen" wiederholt. Also die Story ist die, das ein Polizist 1989 angeschossen wird und 2009 aus dem Koma aufwacht und überall mit seiner Art aneckt und natürlich auch ein paar Probleme mit heutiger Technik (Handy und Verträge, Navi ("Du lässt Dir von einer Frau erklären wie Du zu fahren hast?)" hat. Das ist so die Würze auf dem Krimi, bzw. den Beziehungssachen, echte Krimis ohne Privatleben der Ermittler gibt es ja fast nichts mehr.

Okay, dabei fiel mir was auf. Natürlich kennt er Internet und Windows nicht. Also zeigen sie eine Szene wie Windows hochfährt und Google angeschmissen wird. Achtung, jetzt wird's interessant. Sie haben einen eigenen Startbildschirm von "Views" der an den von Windows XP erinnert, programmiert und wo man sonst "Microsoft" sehen kann findet man nun "Big Company", aber sonst eben alles im XP-Stil, damit jeder weiß was wirklich benutzt wird.

Auch wenn man in Krimis mal Suchanfragen sieht, dann geht das mit "nachprogrammierten" Suchmaschinen die so in der Gestaltung wie Google sind, aber eben nicht Google. (Nachprogrammiert in klammern, weils eben nur eine einfache Animation sein wird, bzw. bei Benutzung des Google API kann ich ja jede eigene Oberfläche für eine Google suchanfrage stricken die ich will). Bei Germanys next Topmodell wurde in der letzten Staffel auch ein T-Shirt einer Kandidatin weichgezeichnet, damit man dort den Markennamen nicht lesen kann.

Also auf der einen Seite wird im Fernsehen alles getan, dass man nicht Marken erkennt (Lebensmittel werden z.B. umgepackt), auf der anderen Seite wird, wenn's bezahlt wird massiv Produktplacement betrieben. Man möge einmal darauf achten wenn in einer Fernsehserie / Film ein Notebook zu sehen ist, von welcher Marke es ist. Das zu verhindern wäre ja recht einfach. Ich wette, das es zu 90% wenn die Marke erkennbar ist, es von Apple ist, die restlichen 10% das es von Sony ist. Apple ist führend darin seine Produkte in den Medien zu platzieren. Die Sache ist schlau: zum einen verbindet man, wenn es "der Gute" benutzt, mit der Marke. Also wenn Der Held Apple benutzt, dann muss sie ja gut sein. (Man müsste drauf achten ob man die Marke genauso oft erkennt wenn "die Bösen" einen Computer benutzen). Zum anderen suggeriert dies vor allem wenn man es häufiger sieht, als wäre Apple eine populäre Marke. Zumindest bei den Computern liegt in Europa ihr Marktanteil im einstelligen Prozentbereich, bei MP3Playern, Smartphones und Webpads sieht es besser aus, aber sicherlich ist sie nicht so auf dem Markt wie in den Medien präsent.

Schade nur , das man als Privatperson von dieser Schleichwerbung nichts hat. Zeit das zu ändern! Liebe Firmen und vor allem Apple, denkt doch mal an die neuen Medien. Zum Beispiel Internet - Blogs. Was meint ihr wie toll euer Produkt ankommt, wenn Blogger begeistert über eure Produkte schreiben. Ihr könnte mir ja mal auch ein ipad zuschicken und ich werde es ausführlich testen und öfters im Blog erwähnen. Natürlich können mir auch andere Dinge zuschicken. Bücher zum Besprechen, Fernseher, einen neuen Bürostuhl bräuchte ich auch ....

Sonntag den 10.7.2011: Schnapsidee bemannte Asteroidenlandung

Ich weiß nicht warum nun jeder von einem bemannten Trip zu einem Asteroiden redet. Irgendwie ist das Thema glaub ich durch die Augustinekomission aufgekommen, das es als ein Alternativszenario für Constellation aufbrachte, weil ein Mondtrip nicht finanzierbar ist.

Nun warum ist es eine Schnapsidee? Fangen wir einmal an, mit einigen Fragestellungen: Wie kann ein solcher Besuch einem bemannten Marsunternehmen nützen? Nun es gäbe einige Punkte die mir da einfallen:

Test von Hardware: Ein Marstrip besteht aus zwei wesentlichen Teilen:

Einer Reise hin und zurück zum Mars. Hier befindet sich die Besatzung in einer Miniraumstation, vielleicht am ehesten vergleichbar mit einer alten Saljut (weil es aus Gewichtsgründen recht beengt sein wird). Also dieser Teil ist eigentlich schon gut erforscht von bisherigen Missionen im Erdorbit. Was vielleicht vergleichbar bei einer Mission zu einem Astzeroiden ist, ist das die Reisedauer ähnlich ist und man sich auch außerhalb des Erdmagnetfeldes befindet, also bei höherer Strahlenbelastung. Doch wenn ich das testen will, würde ich als risikolose Alternative eher die Besatzung in eine Mondumlaufbahn einschwenken lassen - auch da ist man jenseits des Erdmagnetfeldes und kann zudem etwas nützliche Forschung am Mond betreiben und ist bei einem Problem in maximal vier Tagen wieder zurück auf der Erde.

Die Arbeit auf dem Mars: Dazu muss man ein Labor landen, dann auf dem Mars Exkursionen durchführen. Der Asteroid ist dafür völlig ungeeignet. Auf ihm kann man wegen der geringen Gravitation nicht landen. Ein typischer erdnaher Asteroid von 2 km Durchmesser wiegt nur rund 10 Billionen Kilogramm. (kugelförmige Gestalt, Dichte 2,5 angenommen). Die Schwerebeschleunigung beträgt dann etwa 0,7 mm/s, die Kreisbahngeschwindigkeit in 500 m Entfernung von der Oberfläche nur rund 0,68 m/s. De fakto kann man mit Raketentriebwerken da nicht weich landen und selbst wenn man es täte, würde ein Schritt eines Astronauten zu einem Hopser über einige Minuten Dauer und über 100 m Entfernung werden. Man muss sich 0,7 mm/s Beschleunigung mal praktisch vorstellen: Nehmen wir mal an, sie stoßen auf dem Asteroiden eine Tasse Kaffee um. Bis der Inhalt von Tischhöhe (80 cm Höhe) auf dem Boden angekommen ist, dauert es knapp 48 s. Genügend Zeit, eine Schüssel zu holen, und sie vor dem Aufprall hinzustellen. Zeitlupe ist nichts dagegen ...

Also die Marslandung und alle Arbeiten kann man auf einem Asteroiden nicht nachstellen. Teile der Landung (der mit Triebwerken angetriebene letzte Teil) auf dem Mond, ebenso mit Einschränkungen (andere Temperaturverhältnisse, Schwerebeschleunigung und Tag/Nachtzyklen) die Arbeit.

Also hinsichtlich Missionsvorbereitung und Test der Ausrüstung ist ein Asteroid nicht nützlich. Das leitet über zur Frage zwei: Was kann man dort tun?

Nun man kann zu ihm hinfliegen und ihn umkreisen. Dort kann man ihn dann mit Fernerkundungsinstrumenten untersuchen. Okay, aber wozu brauche ich da die Leute? Ich meine so was tun Dawn und NEAR doch schon. Vielleicht kann man mehr Instrumente mitführen, aber wenn ich die unbemannten Missionen auch entsprechend finanziere, bin ich überzeugt kann man für einen bemannten Trip leicht 10 gleichwertig ausgestattete Raumsonden losschicken. einfach aus dem Grund, weil ich ja neben den Instrumenten die ganze Besatzung, ihre Wohnung und ihr Essen dorthin bringen muss und die nützt mir bei der Erkundung ja nichts.  Den Gewinn sie zu zehn verschiedenen Zielen zu senden und dort viel längere Untersuchungen als bei einer bemannten Mission durchführen zu können möchte ich gar nichts erst erwähnen.

Das bringt mich zur letzten Frage: Bringt ein Asteroidentrip wenigstens logistische Vorteile, z.B. in dem Sinn, dass ich sie leicht erreichen kann und so mit weniger Aufwand als bei einer Mondmission meine interplanetare Ministation testen kann? Auch hier sehe ich das nicht. Es gibt zwar eine Reihe von die Erde kreuzenden Asteroiden, aber die meisten sind ähnlich schwer wie der Mars zu erreichen. Das gilt nicht mehr für die der Hauptreihe, die sich jenseits von Mars befinden. Die erdnahen Asteroiden kreuzen nur die Erdbahn. Ihre sonnennächsten oder sonnenfernsten Punkte der Bahn liegen dagegen weit innerhalb oder außerhalb der Erdbahn. Noch gravierender: Die meisten haben eine zur Ekliptik geneigte Umlaufbahn für deren Anpassung viel Energie notwendig ist. Was möglich ist, ist an einem Asteroiden, der die Erde nahe passiert zu diesem Zeitpunkt kurz vorbeizufliegen, wenn dies hinreichend genau vorher bekannt ist. Dann würde das Raumschiff nur wenig mehr als Fluchtgeschwindigkeit erreichen und könnte nach der Passage seine Bahn so anpassen, dass es nach einem Jahr wieder zur Erde zurückkehrt. Das würde dann weniger Treibstoff als ein Hin/Rückflug zum Mars benötigen. Nur was bringt dies? Ein 2 km großer Asteroid, der mit 10 km/s Relativgeschwindigkeit passiert wird ist 1 Stunde vor der Begegnung noch 36000 km weit entfernt und dann in etwa so groß wie der Mars bei einer nahen Annäherung. Erst 22 s vor der nächsten Begegnung erreicht er die Größe des Vollmonds. Also viel zu beobachten gibt es da nicht.

Kurzum: Asteroidenerkundung als Alternative oder Vorbereitung zur Marslandung - ein neues Buzzwort für die Politiker ohne naturwissenschaftlich-technische Vorbildung....

Montag 11.7.2011: Raketen die es gäbe könnte: die Saturn IB Centaur

Ich will heute mal eine lockere Reihe beginnen, in der ich Aufrüstoptionen für real existierende Trägerraketen bzw. früher existierende Modelle diskutiere. Die Nutzlastangaben basieren darauf, dass die Endgeschwindigkeit gleich bleibt, bzw. wenn ich davon abweiche werde ich dies begründen. Das ist natürlich nicht 100% genau, aber doch recht genau, da anhand der Datensätze die ich von etwa 200 Modellen habe, sich bei der Endgeschwindigkeit in einer Familie ohne drastische Änderungen am Design kaum etwas geändert. (Bei Ariane 5 wird z.B. je nach Modell eine um 2270 und 2400 m/s höhere Geschwindigkeit benötigt als nach den Orbitgesetzen anzunehmen). Diese Verluste die auch Hubarbeit, Luftwiderstand und Gravitationsverluste beinhalten sind zwar von Familie zu Familie je nach der Beschleunigung unterschiedlich, aber innerhalb gleicher Technologie recht konstant.Saturn IB Centaur

Heute macht den Anfang die Saturn Träger Familie. Das erste Modell, die Saturn IB Centaur wurde auch von der NASA untersucht und wird in der nächsten Auflage des Raketenlexikons dabei sein. Die Daten über die Rakete und die Nutzlastangaben sind daher keine Spekulation, sondern stammen von der NASA. Eine Saturn IB hätte als Nutzlast eine Centaur Oberstufe mit der Nutzlast befördert. Die Centaur ist ja schon auf einigen Trägern zum Einsatz gekommen bzw. vorgeschlagen worden so Titan, Atlas, Atlas III/V (andere Erststufe, trotz ähnlichem Namens) und dem Shuttle. Da die Centaur wiederzündbar ist und ihren eigenen Bordcomputer hat ist ein Wechsel relativ leicht möglich. So muss z.B. die Trägerrakete nicht eine Centaur Oberstufe in eine Umlaufbahn bringen können, da die Centaur durch Wiederzündbarkeit zuerst einen Parkorbit und dann den Zielorbit erreichen kann. Das ist bei Planetensonden und GTO Missionen wichtig.

So untersuchte auch die NASA den Einsatz der Centaur auf der Saturn IB. Dabei war an eine Konfiguration wie später bei der Titan 3E gedacht worden: eine große Nutzlasthülle von 6,62 m Durchmesser sollte Centaur und Nutzlast umgeben. Die Isolation der Centaur konnte dann weitgehend entfallen. Die Änderungen an beiden Trägern waren minimal. So benötigte Die Centaur wegen der größeren Nutzlast etwas mehr Treibstoff für die Lageregelungstriebwerke. Die S-IVB hätte Retroraketen bekommen, die bei den bemannten Einsätzen nicht nötig waren. Die Centaur wurde von ihrem Bordcomputer gesteuert und die Saturn IB von ihrer IU. Eine alternative Konfiguration war eine Saturn IB mit einer "Superisolation". Sie war für Mondmissionen gedacht und hätte z.B. ein Raumschiff zum Mond und nach 10 Tagen zurück zur Erde bringen können. Die Superisolation musste die Treibstoffe über 14 Tage am Verdampfen hindern, da die Centaur der einzige Antrieb gewesen wäre. Diese Isolation wog 657 kg mehr als die normale. Das Datenblatt weist diese Version aus, sie hätte rund 4400 kg auf einen Fluchtkurs gebracht. Die Version ohne diese Superisolation sogar über 5 t.

Es blieb bei den Studien. Zum einen wurden bald Planungen für sehr große Raumsonden aufgegeben (einzige geplante Nutzlast war die Voyagermission zum Mars) und zum zweiten offeriert die Titan IIIC mit der Centaur Oberstufe fast dieselbe Nutzlast zu einem viel günstigeren Preis. Diese Version wurde dann auch als Titan 3E siebenmal zwischen 1974 und 1977 eingesetzt. Obwohl die NASA ja noch zwei Saturn IB übrig hatte gab es nie die Überlegung diese einer zweiten Verwendung zuzuführen.

Datenblatt Saturn IB Centaur

Einsatzzeitraum:

Starts:

Zuverlässigkeit:

Abmessungen:

Startgewicht:

Nutzlast:

Nutzlastverkleidung:

IU:

-

keiner
-

61,50 m Höhe
6,60 m Durchmesser

589.000 kg

15.200 kg in einen LEO-Orbit
6.080 kg in einen GTO-Orbit
1.040 kg in eine Hohmann-Transferbahn zu Jupiter (mit Burner II Kickstufe)
4.060 – 5.170 kg zum Mars (ungünstiges / günstiges Startfenster)

2.540 - 4.037 kg Gewicht, 17,3 m / 18,16 m Höhe, Basisdurchmesser 6,62 m

6,60 m Durchmesser, 0,91 m Höhe, 1.156 kg Gewicht


S-IB

S-IVB

Centaur D

Länge:

25,50 m

17,80 m

9,10 m

Durchmesser:

6,60 m

6,60 m

3,05 m

Startgewicht:

438.447 kg

115.536 kg

16.160 kg

Trockengewicht:

38.781 kg + 2.970 kg Stufenadapter

11.061 kg

2.627 kg

Schub Meereshöhe:

7.408 kN

-

-

Schub Vakuum:

8.240 kN

890 kN

133,4 kN

Triebwerke:

8 × H-2

1 × J-2

2 × RL 10A-3-3

Spezifischer Impuls
(Meereshöhe):

2560 m/s

-

-

Spezifischer Impuls
(Vakuum):

2873 m/s

4180 m/s

4354 m/s

Brenndauer:

155 s

475 s

470 s

Treibstoff:

LOX / Kerosin

LOX / LH2

LOX / LH2

Dienstag 12.7.2011: Dokutainment

ARTE hat gerade als Themenschwerpunkt Rom. Es lief eine dreiteilige Serie über die Besetzung von Britannien, derzeit noch eine Miniserie über Cäsar (die man als Unterhaltung ansehen muss, da sie einiges historisch Falsche enthält, so brachte sich in der letzten Folge Cicero nach der verlorenen Schlacht von Thapsus um, in Wirklichkeit überlebte er selbst Cäsar). Was mich zu meinem heutigen Blogbeitrag bringt ist die zweiteilige Dokumentation "Das Schicksal Roms". Wie heute schon üblich, ist es eigentlich mehr ein Spielfilmformat, weniger eine klassische Dokumentation.

Einerseits sprechen die Schauspieler dort Latein und Griechisch und werden untertitelt - was durchaus lebensecht und plastisch wirkt. (ob es richtig artikuliert ist kann ich allerdings nicht beurteilen). Auf der anderen Seite wurden im Großmaßstab digitale Techniken eingesetzt. Die ganze Kulisse stammt aus dem Computer. Die Schauspieler selber agieren vor einer grünen Leinwand. Die ganze Kulisse stammt dann aus dem Computer.

Doch es geht noch weiter. Schlachtenszenen, aber auch andere Szenen stammen auch aus dem Computer. Er macht aus einem Diener mehrere, aus einem Ruderer eine ganze Mannschaft und bei einer Erstürmung einer Palisade sind vier Schauspieler direkt an der Palisade echt, der Rest zusammengerechnet. Dazu kommen typische heutige Filmelemente wie Kamera fahren in Adlerperspektive. Auch die Schauspieler werden virtuell in die Szene eingefügt.

Sie sehen dann seltsam weichgezeichnet, wie Computerspielfiguren aus und insgesamt wurde ich nicht den Eindruck los, dass die Engine von einem Computerspiel stammt. Es ist eigentlich alles immer duster, das Licht gelblich und wenn es im Freien ist, dann ist schlechtes Wetter. Das erinnert mich an die bedrückende Stimmung die ich von einigen Animationen von Spielen kenne.

Ich finde es schlecht. Zum einen decken die ganzen Szenen die eigentliche Kerngeschichte zu, die Fakten die man kennt und die vermittelt werden sollen. Mehr noch: Sie suggerieren eine Vision, wie es gewesen sein könnte, ohne das es einen Beweis gibt, das dem so war. Ich weiß, das allgemeine Publikum kann mit Szenen viel anfangen, aber ich kann eine Schlacht besser an Diagrammen der Formationen nachvollziehen anstatt an einer Kamerafahrt über das Gelände. Wir werden aber wahrscheinlich mehr davon zu sehen bekommen. Weil das aber sehr preiswert sind: Es arbeiteten an der Animation etwa eine Handvoll Mitarbeiter über rund 6 Monate. Alleine ein kleines Kamerateam mit einigen Statisten und den Schauspielern ist da wesentlich teurer.

Was meint ihr von diesem Dokutainment, egal ob es Spielfilmszenen sind oder wie hier Trickszenen? Fluch oder Segen? Modernes Mittel oder Ablenkung von der Kernaussage? Beeinflussung des Zuschauers oder die Möglichkeit die Realität viel wirklichkeitsgetreuer nachzustellen?

Mittwoch 13.7.2011: Ariane 5 oder Ariane 6?

Arianespace kam in der letzten Zeit in die Schlagzeilen. Zuerst benötigte das europäische Trägerprogramm über 5 Jahren eine Finanzspritze von jährlich rund 200 Millionen Euro im Rahmen des EGAS Programms. Mit diesem Geld sollte die Industrie auch ihre Produktion optimieren, sodass die Zuschüsse in Zukunft nicht mehr nötig sind. Doch anders als Arianespace versprach, reicht dazu eine Startrate von sieben Starts der Ariane 5 nicht aus und nun sind wieder Zuschüsse in der Höhe von 120 Millionen pro Jahr nötig, nachdem Arianespace 2010 in die roten Zahlen rutschte. Schuld dran soll auch sein, dass es immer schwieriger wird für einen großen Satelliten einen kleinen, leichteren zu finden und so die Doppelstarts weniger werden. Und dann fordert Arianepace Chef Le Gall, natürlich gleich einen Nachfolger, denn dann doch bitte der europäische Steuerzahler finanzieren soll.

Nun ich habe das Thema schon mal aufgegriffen. Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund für die Ariane 6. Denn:

erstens: wer weiß ob sie billiger als die Ariane 5 wird? Diesen Anspruch hatte ja auch die Ariane 5 gegenüber der Ariane 4 und sie konnte ihn nicht einlösen

zweitens: Ariane 6 soll zwischen 3000 und maximal 8000 kg (abhängig vom Konzept) in den Orbit befördern. Sie wird wenn man gleich an sie ran geht vielleicht in 10 Jahren zur Verfügung stehen. Glaubt denn Le Gall ernsthaft, dass bis dahin die Kommunikationssatelliten nicht auch schwerer werden? Bisher stieg das Gewicht in 30 Jahren um rund 200%. (größte Satelliten: 1981 rund 1800 kg, heute 7000 kg). In 10 Jahren werden dann viele Satelliten mehr als die 8 t wiegen und dann ist die Ariane 6 schon zu klein.

drittens: Ich denke mal die Entwicklung wird einige Milliarden Euro kosten, dafür kann man sehr, sehr lange die Ariane 5 subventionieren.

Das Grundproblem und das wird Ariane 6 auch nicht beseitigen können, ist das die Konkurrenz heute aus Russland und China kommt. Ländern mit einem anderen Lohnniveau als die USA und Europa und das ist bei einer Fertigung eines Gutes in kleinen Stückzahlen mit hohem Anteil an Lohnkosten eben ausschlaggebend.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: entweder wir akzeptieren eine Dauersubvention der Ariane 5 oder wir suchen nach Möglichkeiten den Start pro Kunde billiger zu machen. Auch wenn die Minister meist für das letztere sind, schließlich geht es ja um Industrieförderung (Deutschlands Widerstand gegen die Ariane 6 kommt ja vor allem aufgrund der Tatsache, dass die ESC-B Oberstufe in Bremen gebaut werden würde, während man bei der Ariane 6 noch kein großes Paket zugesprochen bekommen hat). Aber sind wir mal realisitisch: Die US-Trägerraketen leben heute zu 100% von staatlichen Aufträgen, bei Russland sind es rund 75% und bei China waren es auch mal 100% und jetzt sind es vielleicht 80-90%. Dagegen machen die ESA Starts bei Ariane 5 vielleicht 10-20% aus. Ariane 5 ist der einzige Träger der in diesem Maße vom kommerziellen Markt abhängig ist. Das bedeutet auch, dass die anderen Länder auf einen oder zwei Aufträge eher verzichten können als Arianespace. Verglichen mit den USA, die jährlich über 1 Milliarde Dollar alleine an Boeing und LM an Subventionen zahlen sind die 120 Millionen Euro ein Klacks. Vielleicht ist es daher eine niedrige Dauersubvention die bessere Lösung.

Das zweite ist es die Ariane 5 auszubauen um die Doppelstartfähigkeit zu erhalten. Die ESC-B Oberstufe wird die GEO Nutzlast auf 12 t erhöhen. Noch etwa 1 t mehr können CFK-Booster bringen und das Haupttriebwerk wenn es durch ein schubstärkeres Vulcain Mark III ersetzt wird auch nochmals 700 - 2.500 kg. (Siehe dieser Artikel von mir). Das ergibt dann zusammen rund 14-15 t GTO, wie die CNES schon 2002 in ihrer Ariane 2010 initiative darlegte. Dann ist Ende der Fahnenstange. Ich plädiere aber nachdem ich bei EADS Pläne für eine Ariane 5 mit 50 t LEO-Nutzlast und 6 Boostern sah für einen anderen Weg. Ich dachte immer, mehr Booster verbieten sich wegen der dadurch induzierten Vibrationen und sehr hohen Spitzenbeschleunigung, aber wenn EADS selbst so ein Konzept vorschlägt, warum es dann nicht für die normale Ariane verwenden? Die Booster sind die preiswertesten Teile an der Rakete. Das ist nicht ganz unwichtig und man kommt in höhere Stückzahlen. Für mein Buch "Europäische Trägerraketen 2" habe ich mal durchgerechnet was es bringt. Dabei habe ich folgende Rahmenbedingungen angesetzt:


Konfiguration

Boosterzahl

Maximale
Beschleunigung

Nutzlast
mit Oberstufe ECA

Nutzlast
mit Oberstufe ECB

2 Booster
(Ariane 5 im Einsatz)

2

42 m/s

10.000 kg

11.600 kg

4 Booster

4

56 m/s

13.700 kg

16.000 kg

6 Booster

6

64 m/s

15.900 kg

18.800 kg

8 Booster

8

70 m/s

17.300 kg

21.000 kg

4+2 Booster

6

24 m/s / 47 m/s

21.600 kg

25,000 kg

6+2 Booster

8

32 m/s / 47 m/s

25,400 kg

29.800 kg

Die „4+2“ und „6+2“ Konfigurationen sind dahingehend zu verstehen, dass zuerst vier (bzw. sechs) Booster gezündet werden und erst nach deren Ausbrennen die restlichen zwei. Vier Booster reichen aus, um eine Startbeschleunigung von 1,18 g, sechs, um eine von 1,35 g zu ermöglichen. Das entspricht der Einführung einer neuen Stufe, und es verringert die Gravitationsverluste, da nun die Booster 264 s lang brennen (daher die um 200 m/s niedrigere Endgeschwindigkeit). Die hohe Leermasse der ESC-B Oberstufe wirkt sich nun weniger stark aus. Die Nutzlast steigt dadurch überproportional an.

Man sieht, dass man so zu beträchtlichen Nutzlaststeigerungen von bis zu 250% kommt. Ja man bräuchte nicht mal die ESC-B Entwicklung aufnehmen, denn schon die ESC-A würde ausreichen. Heutige Trägerraketen haben Spitzenbeschleunigungen von 55 m/s (z.B. bei der Atlas V). Damit wäre eine Kombination mit 4 Boostern möglich oder die x+2  Kombination. Diese ermöglicht schon mit der heutigen ESC-A Oberstufe enorm hohe Nutzlasten.

Die (6+2) oder (4+2) Kombinationen sind natürlich sehr reizvoll, weil sie satte Nutzlaststeigerungen versprechen, doch werden sie sicherlich nicht in absehbarer Zeit benötigt werden. Doch sehe ich keinen Grund für eine Kombination mit 4 Boostern. Die EPC wäre strukturell zu verstärken, doch das habe ich oben schon erläutert, da EADS annimmt man könnte sie auch auf einen Shuttle SRB setzen (für die Liberty Rakete), wo der Schub nur von unten kommt, was eine größere Belastung ist als wie bisher (oben am Stufenadapter und unten am Schubgerüst) denke ich, ist es nicht unmöglich. Es müsste die Startplattform umgebaut werden, vor allem der Flammenschacht.

Denkbar wäre auch eine Version mit 3 Boostern, die dann zwischen der heutigen Ariane 5 und der Version mit 3 Boostern legen würde (so bei de Nutzlast der ESC-B Variante). Das wäre dann eine Möglichkeit die Ariane 5 wechselnden Nutzlasten anzupassen wie dies noch bei der Ariane 4 möglich war.

 Donnerstag 14.7.2011: Testbericht ALDI wissenschaftlicher Taschenrechner REX

Man kennt das: Man braucht einen Tischrechner und hat keinen zur Hand, oder man will ihn nicht mit in die (Hoch)Schule nehmen weil er verloren gehen könnte oder beschädigt. Ich habe zwar einen Casio FX991, doch ich dachte mir ein Zweittaschenrechner wäre nicht schlecht. Da traf es sich gut, das es bei ALDI einen gab für einen Bruchteil eines CASIO.

Nun was ist davon zu halten? Klar muss man Abstriche machen. Der Rechner hat mit 240 Funktionen und 8 Variablenspeichern in etwa die Fähigkeiten eines CASIO FX-85, doch der kostet etwa das vierfache. Funktionell wäre zu sagen, dass er gut zu bedienen ist. Die Tastenanordnung orientiert sich an CASIO, es gibt ein zweizeiliges Display das oben die Eingabe zeigt und unten das Ergebnis. Die Tasten haben brauchbaren Druckpunkt und sind aus Hartplastik. Die Weichgummitasten von Casio finde ich angenehmer, doch man hat ein gutes haptisches Feeling und sie sind auch ausreichend groß, auch wenn man die rechteckigen Tasten anderer Taschenrechner besser trifft. Das obere LCD Display zeigt die Daten recht gut in Punktmatrixschreibweise. Dazu gibt es ein Cursorkreuz um die Eingabe zu editieren oder die letzten anzuschauen. Also hinsichtlich Bedienung: nichts zu beanstanden. Wer mit HEX-Ziffern gewohnt ist zu arbeiten sollte aufpassen: Die Buchstaben A-F stehen für Variablenspeicher, nicht für die Rechnung zur Basis 16.

Das Gehäuse ist dicker als bei meinem Casio, dafür leichter, hat aber irgendwo etwas Spiel, also wenn man die beiden Hälften versucht etwas zu schieben, dann bewegt sich zwar nichts, aber man merkt, das es nicht 100% fest verschraubt ist. So gibt es auch einen schmalen Spalt zwischen Ober und Unterschale. Immerhin: Für nur 4 Euro bekommt man einen Rechner mit solarer und Batteriestromversorgung.

Die Anleitung ist brauchbar und informiert recht gut über den Rechner. Soweit die Beurteilung der Funktionen. Doch er hat einen entscheidenden Nachteil. Die LCD Elemente die nicht aktiv sind, erhalten auch etwas Strom und sind zu sehen. Wenn man senkrecht drauf sieht und es viel Licht gibt, sieht man sie kaum, doch bei wenig Licht oder nur leicht schrägem Blick sind sie deutlich zu sehen, das geht schnell bis zur Unleserlichkeit der Eingabe (siehe Abbildung). Das ich mich überhaupt mit der Bedienungserklärung beschäftigt habe, liegt daran, dass ich dort nach einem Menüpunkt gesucht habe die Displayhelligkeit einzustellen. Es gibt aber keinen.

Also wenn sie einen Taschenrechner suchen, der viel kann und dafür bereit sind bei der Berechnung ihn mal richtig zum Licht drehen, dann ist der ALDI Taschenrechner was für sie. Ansonsten nicht.


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