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Web Log Teil 239: 26.7.2011 - 29.7.2011

Dienstag den 26.7.2011: Buchkritik: Die Exakten Geheimnisse unserer Welt

Machen wir mal weiter mit meiner unregelmäßigen Rubrik über gute Bücher. Ich habe mir überlegt ob ich ein Raumfahrtbuch nehme, das ich in der letzten Zeit gelesen habe, bin dann aber bei zwei ganz anderen gelandet. Es sind zwei Bücher von Isaac Assimov, der den meisten wohl als Science-Fiction Schriftsteller bekannt ist, aber auch sehr gute Bücher über Wissenschaft geschrieben hat. Ich habe einige von ihm im Regal. Aber die beiden stechen heraus.

Es handelt sich um zwei Wälzer mit 353 bzw.- 478 Seiten Umfang, die noch dazu in kleiner für kurzsichtige ziemlich kleiner Schrift beschrieben sind, ohne viele Abbildungen. Also viel Stoff für wenig Geld, zumal es die Bücher aus den Achtzigern heute nur noch antiquarisch zu erhalten gibt. Band 1 behandelt die unbelebte Materie - Sonnensystem, Erde, Kosmos, Atome. Der zweite Teil belebte Materie - Biologie, Chemie, Medizin, Genetik, Evolution

Nun was ist es? Schwer zu sagen, vielleicht am besten eine Einführung in die Wissenschaft und Technik. Die beiden Bände enthalten die wichtigsten Dinge die man aus Astronomie, Physik, Geologie, Biologie, Chemie, Paläoontologie und Technik wissen sollte. Dabei ist der Schwerpunkt auf die Wissenschafts- und Technikgeschichte gelegt, es wird also beschrieben wie man auf die Entdeckungen kam. Ich finde das sehr interessant und es ist auch spannend geschrieben, wenn auch ziemlich kompakt, kein Wunder wenn man die ganzen Naturwissenschaften in zwei Bücher packen will. Trotzdem geht es denke ich weiter als das Abi, zumindest ein allgemeines Abi ohne Leistungskurse in einer Naturwissenschaft. (Schlimm eigentlich, dass das ganze Schulwissen auf knapp 800 Seiten passen, aber das bekannteste Lehrbuch der Lebensmittelchemie ist auch nicht viel dicker...)

Für jeden der sich gerne informiert und auch ein Faible für Wissenschaftsgeschichte hat sehr empfehlenswert. Es ist sehr gut geschrieben, allgemeinverständlich, trotzdem exakt ohne zu verallgemeinern. Also wenn mich jemand fragen würde, wenn ich jemand genau zwei Bücher über Naturwissenschaften empfehlen dürfte, oder man nur zwei Bücher auf eine einsame Insel mitnehmen darf, dann würde ich diese beiden empfehlen.

Links zu den Büchern (es gibt mehrere seit 1985):

Die exakten Geheimnisse unserer Welt. Kosmos, Erde, Materie, Technik.
Die exakten Geheimnisse unserer Welt II. Bausteine des Lebens.

Mittwoch den 27.7.2011: Die Guten und die Bösen

Ich habe mir heute mal wieder Eis gekauft. Ich nehme gerade ab, aber so nach etwas mehr als einem Monat hatte ich mal Lust auf eine Süßigkeit und Eis ist mir da lieber als Schokolade. Meine Wahl fiel auf ein "Strudeleis" (seit die Speiseeisverordnung nicht mehr gilt gibt es zig Phantasienamen, die nichts mehr über die Zusammensetzung aussagen). Also "Strudeleis" besteht meinen Erfahrungen nach (es ist nicht das erste) vor allem aus Luft und hat dann auf der Zunge mehr das gefühl von Schaum oder Mohrenkopf als von klassischem Eis. Das ist etwas ungewohnt. aber der eine mag es und der andere vielleicht nicht.

An sich ist das Eis relativ ehrlich. Relativ heißt, es enthält die für industrielles Eis übliche Emulgatoren, die man in Eis aus handwerklicher Produktion nicht findet. (Primär um die Luft zu stabilisieren die natürlich für mehr Volumen sorgt, sekundär um auch das Eis nicht so flüssig werden zu lassen, wenn es taut). Dafür gab es kein Pflanzenfett oder andere Bestandteile die nichts im Eis zu suchen haben. Aber es fiel mir was anderes auf: es wurde schongefärbt. Das Kirscheis verendet dazu Hibusextrakt, Karottenextrakt und Rotebeetensaftkonzentrat. Alle diese Zutaten haben keinen Sinn in einem Eis, außer es einzufärben. Dabei sollte man annehmen, dass das Sauerkirschensaftkonzentrat genügend Eigenfarbe aufweist. Das Aroma schmeckt auch ziemlich künstlich, so ein bisschen wie bei diesen Cocktailkirschen und dieses künstliche Kirscharoma das man in Kirschlikör findet. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, das wird nach Verzehr der Packung noch ein "Was ist drin Artikel".

Aber was mir eigentlich am Herzen liegt: Das ist ein typisches Produkt der Lebensmitteltechnologen. Ich weiß ja, das mein erster erlernter Beruf - Lebensmittelchemiker - bei der breiten Öffentlichkeit einen schlechten Ruf hat. Das liegt vielleicht daran, weil Chemie allgemein einen schlechten Ruf hat, und das wird ja propagiert in Büchern wie "Neue Chemie in unserer Nahrung". Das entspricht natürlich nicht dem Inhalt der Wissenschaft. Es gibt wenn man sich die praktische Beschäftigung ansieht, so gibt es drei Säulen. Das eine ist die Theorie, das zweite ist das, was das Stereotyp "Chemie" in der Öffentlichkeit wohl sieht - die Synthese, also die Erzeugung neuer Substanzen, die man in der Natur nicht findet oder die Modifikation natürlicher Substanzen. Der dritte und eigentlich traditionellste Zweig ist die Analytik. Für mich ist Analytik sicher das wichtigste an der Chemie. Zum einen natürlich aus dem geschichtlichen Kontext - der größte Teil der Chemiegeschichte entfiel auf die Erforschung der Elemente und Verbindungen. Auch Nobelpreise wurden vor allem für Aufklärungen und analytische Leistungen vergeben. Zum andern ist es natürlich auch im Studium der wichtigste Teil. Anorganische Chemie ist zum größten Teil Analytik, bei Wasserchemie, Biochemie, Molekularchemie und Lebensmittelchemie ist es sogar zu fast 100% nur Analytik. Lediglich die organische Chemie wird von der Synthese dominiert.

Was macht der Lebensmittelchemiker? Er untersucht Lebensmittel oder ihre Zutaten. Entweder bei einem staatlichen Labor oder bei einem Industriebetrieb in der Qualitätskontrolle oder in einem unabhängigen Labor. Dann sollte er noch eine rechtliche Hilfestellung geben wie das dabei erhaltende Ergebnis zu beurteilen ist. Wobei zumindest als ich noch tätig war, es darauf hinaus lief nicht nur eine Hilfestellung war, (also eine naturwissenschaftliche Beurteilung, aber keine rechtliche) sondern eine konkrete Aufstellung der Vergehen, was eigentlich Aufgabe des Staatsanwaltes gewesen wäre.

Wer ist für die netten Lebensmittel mit billigen Zutaten, Ersatz von Zusatzstoffen mit technologisch ähnlich wirkenden Lebensmitteln und vielen Aromastoffen verantwortlich? Es sind die Lebensmitteltechnologen. Dieser Studiengang hat als Aufgabe primär die Umsetzung der Technologie zur Produktion von Lebensmitteln. Also wie optimiere ich die Produktion, verringere ich die Kosten, kreiere ich neue Rezepturen und setze diese in ein Massenprodukt um. Dieser Job umfasst weder eine rechtliche Ausbildung, noch eine chemische Vorbildung. Der Abschluss ist auch nicht eine Staatsprüfung nach einem einjährigen Praktikum in einer Landesuntersuchungsbehörde, sondern ein ein einfaches Diplom .Ich meine beide Inhalte gehören mit rein. Das was produziert wird muss ja dann rechtlichen Vorschriften gehorchen, die ja auch mit chemischen Grenzwerten, Vorgaben, gehorchen müssen. Der Beruf hat eine große Verantwortung hinsichtlich der Öffentlichkeit und davon ist im praktischen Handeln nichts zu spüren. So wird man wahrscheinlich mit noch raffinierteren Verbrauchertäuschungen rechnen können. Denn sie stehen auf der andern Seite. Die einen müssen darüber wachen, dass Lebensmittel den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen und die anderen müssen eben versuchen deren Grenzen maximal auszuloten und den Gewinn ihrer Arbeitgeber zu maximieren. Aber was mich immer ärgert ist, dass die erste Berufsgruppe mit dem schlechten Ruf der zweiten assoziiert wird. Also Leute wenn euch die Zusammensetzung von Lebensmitteln nervt, dann beschimpft in Zukunft die Lebensmitteltechnologen.

Ich bin auf das Thema gekommen, weil sich meine jüngste Nichte nun gerade fürs Studium bewirbt. Sie will primär Biologie studieren und hat bei jeder Bewerbung noch einen Hilfsantrag gestellt für ein zweites Fach. Und da war auch Lebensmitteltechnologie drunter. Und das gefiel mir gar nicht, wie man sich denken kann. Aber da sie sich an vier Unis/FH beworben hat, denke ich hat sie eine gute Chance Biologie zu studieren und nicht bei den Panschern zu landen.

Montag den 25.7.2011: Wenn einem der Erfolg nicht bekommt

Am Samstag wurde Amy Winheouse tot in ihrer Wohnung gefunden. Jetzt (Sonntag, 11:00) weiß man noch nicht die Todesursache, doch "heute" wusste schon gestern, dass sie an ihrer selbstzerstörerischen Art gestorben ist. Kann sein, kann auch nicht.

Ich muss sagen, dass ich Klatsch und Tratsch von Promis nicht so verfolge und meistens auch keine aktuelle Musik. Trotzdem ging auch an mir nicht vorbei dass die Sängerin einen rapiden Abstieg verzeichnete. Das erste Mal erfuhr ich davon interessanterweise nicht in den Nachrichten oder den üblichen Promiklatschmagazinen sondern der Fernsehserie "Türkisch für Anfänger", als Yağmur dieselbe Kegelfrisur hat und von Doris gefragt wird "Du siehst aus wie diese drogensüchtige Sängerin. Wie heißt sie noch mal?" und als Antwort Amy Winehouse bekommt.

Nun ja dann gibt es noch Meldungen über Auftritte in denen sie einschlief, Alkohol und Drogenprobleme und natürlich die Aufarbeitung musikalisch in "Rehab". Ich weiß nicht ob das was mit einer selbstzerstörerischen Ader zu tun hat wie "heute" meint. Meiner Meinung nach vielleicht auch einfach mit einer Persönlichkeit, die mit dem Rummel der der Erfolg mit sich bringt, nicht fertig wird. Die Sache ist doch die: es reicht nicht einfach nur eine Platte zu produzieren. Danach muss dauernd Promotion gemacht werden, Auftritte etc. Wenn jemand nicht so gerne ins Rampenlicht gerät, dann ist das belastend. Belastender ist noch mehr, weil es mit diesem offiziellen Teil ja nicht endet. Das geht von Fans los die einen erkennen und Autogramme oder Fotos machen wollen, über Journalisten die einen mit Fragen belagern, über Paparazzi die einen selbst an versteckten und nicht öffentlichen Orten belästigen bis zum Auseinandertreten aller Dinge in deinem Leben im Fernsehen, Presse und und anderen Medien. Bei wirklichen A-Promis, und dazu kann man Winehouse sicher zählen, bleibt dann kaum noch Privatsphäre übrig.

Wehren kann man sich dagegen fast nicht mehr. Obwohl ja durch Prinzessin Dianas Tod mal die Frage gestellt wurde, wo hier die Grenzen sind. Über Zehn Jahre später wissen wir - es gibt fast keine mehr. Die Zahl der Blätter mit Klatsch und Tratsch nimmt zu. Viele Promis versuchen sich mit den Medien zu verbünden mit "Homestories" oder Aktionen wie "das perfekte Promidiner" um also selbst ein bisschen die Kontrolle zu behalten und gut rüberzukommen. Aber ich denke es funktioniert nicht wirklich. Viel interessanter sind doch Skandale, negative Schlagzeilen oder erfundene Geschichten. Wahrscheinlich klappt es nur, wenn man gar nichts privates von sich gibt, mit einem Anwalt gegen jedes Gerücht oder jede Story vorgeht. Ich habe mal gehört Stefan Raab und Harald Schmidt halten es so und das finde ich auch nur recht und billig. Sie werden für eine Arbeit bezahlt und nicht für die Aufgabe des Privatlebens, zumal da ja auch noch Familienmitglieder betroffen sind, die nicht prominent sind. Das geht für Talkshowmoderatoren noch. Aber geht es für Sänger oder Filmschauspieler, die ja davon leben, das ihre Produkte (Platten, Filme) von möglichst vielen gekauft werden? Können die sich noch aus dem Rummel ausklingen?

Es ist wohl utopisch eine bessere Mediengesellschaft zu fordern. Es wird ja immer schlimmer. Man muss sich nur mal ansehen wie viele ich sage mal "Klatschmagazine" es mittlerweile gibt, und das auch auf den öffentlich-rechtlichen Sendern. Was aber jeder machen kann ist, selbst zu entscheiden was er will und wie er mit der Bekanntheit umgeht. Das ist natürlich immer leicht gesagt. Ich denke auch niemand der bekannt wird, hat sich vorher mit der Frage auseinandergesetzt. Amy Winehouse wllte wohl einfach singen und Platten produzieren. Ob sie den ganzen Rummel darum wollte bezweifele ich. Der Weg das eine zu tun und das andere nicht, ist nicht leicht. Ich glaube aber wenn sie sich durchgesetzt hätte und alles private blockiert und jede P&R vermieden, dann wäre es gegangen. Natürlich meint das Management man sollte P&R machen, oder eine Tour um die Verkäufe anzukurbeln. Aber dann wird von der Platte eben weniger verkauft, wahrscheinlich konnte sie ja schon von den Einnahmen der ersten LP ein sorgenfreies Leben führen. Die Beatles zeigten, dass dieser Weg gangbar ist, auch wenn das natürlich noch andere Zeiten waren.

Ich denke jeder weiß selbst was für ihn gut ist und was er will oder nicht. Es ist sicher nicht der beste Vergleich: aber ich schreibe gerne. Bücher, Aufsätze Blogs. Ich wünsche mir auch dass sie von vielen gelesen werden. Ich möchte aber weder Interviews geben, noch im Fernsehen erscheinen und ich habe schon Probleme damit wenn ich Monate in ein Buch reinstecke und jemand es bei Amazon zerreißt. Nicht das es keine Gelegenheit gäbe - Anfragen vom Fernsehen gibt es immer wieder. Nur ist es eben nicht das was ich will und außerdem will ich wohl die Kontrolle darüber haben, was ausgestrahlt wird. Ich weis relativ genau, dass ich nicht im Rampenlicht stehen möchte. Nur geht das bei mir relativ einfach. Doch wie sieht es aus, wenn man Musiker oder Schauspieler als Profession hat? Also wenn man eine gewisse Empfindlichkeit hat, die man nicht haben darf, wenn man wirklich bekannt ist (und dass bin ich ja beileibe nicht). Dann muss man sich fragen, ob man überhaupt diesen Weg gehen soll und ob es möglich ist künstlerisches Schaffen und den nicht gewollten Rummel zu trennen oder wie man ihn nicht an sich heranlässt.

So bleibt das schale Gefühl, dass sich Amy Winehouse in eine Reihe von Promis einreiht, denen ihr Ruhm nur geschadet hat wie Curt Cobain oder Michael Jackson.

Was jeder tun kann ist Klatsch zu boykottieren. Wenn es niemand sieht, keiner die Zeitschrift kauft, dann hört das auch auf. Denn schlussendlich bedienen die Medien ja nur eine Nachfrage.

Donnerstag 28.7.2011: Die bemannte Raumfahrt am Ende

Nun wird ja das Ende der Shuttle Ära bei zahlreichen Medien zelebriert. Ich habe das mal zum Nachdenken genutzt. Wie wird es weitergehen in der bemannten Raumfahrt? Es gibt ja (wir hatten die Diskussion hier schon mal) die unterschiedlichsten Ansichten, warum es überhaupt bemannte Raumfahrt gibt. Die Motivlage ist anders als bei der unbemannten Raumfahrt. Dort gibt es eine wissenschaftliche Gemeinschaft, die neue Missionen wünscht. Diese bekommt zwar auch nicht jede Mission, aber in den letzten Jahrzehnten ist doch ein deutlicher Fortschritt festzustellen, wie viel Wissenschaft man pro Dollar bekommt. Bei der bemannten Raumfahrt ist das wegen der immer gleichen Anforderungen des Menschen an die Umgebung und Sicherheit wesentlich schwieriger mehr Wissenschaft für das gleiche Geld zu erhalten. Vielmehr explodieren die Kosten wenn man sich vom Erdorbit zu entfernten Zielen aufmacht. Ich glaube ich sag euch nichts neues, wenn ich darauf hinweise, dass fast niemand von bemannten Missionen wirklich bahnbrechende Erkenntnisse erwartet.

Die meisten die sich hier zu Wort gemeldet haben, argumentieren entweder, dass es ein tiefer Menschheitswunsch ist ins All aufzubrechen oder soziokulturell, also bemannte Raumfahrt gehört zu unserer Kultur wie Theater, das ja auch subventioniert wird und für das sich nur eine Minderheit interessiert. Es gibt für beide Aspekte Gegenargumente. Fürs erste Argument würde ich sagen, dass es wohl ein Schluss von der eigenen Einstellung auf die Aller ist. Und die meisten Leute haben eben keine Entdeckernatur. Sie wollen weder auf einen Himalaja Gipfel klettern, noch zur Titanic herab tauchen (alles heute bezahlbar). Es gab immer Entdecker, nur gibt es den kleinen Unterschied, dass bei der Raumfahrt die Summen so hoch sind, dass ein Einzelner diese nicht aufbringen kann, selbst wenn er Sponsoren oder eine Organisation für seine Idee gewinnt. Zum zweiten ist zu sagen, dass es als Gegenargument viele Kulturen gibt, die keine bemannte Raumfahrt betreiben. Vor allem gibt es einen Unterschied: Von der Förderung der Theater profitiert zwar nur eine Minderheit, aber doch immerhin Hunderttausende in der BRD. Von der bemannten Raumfahrt profitieren dagegen gerade mal ein Astronaut alle paar Jahre. Daher werden sich weitaus weniger finden die gegen eine Kürzung der Mittel in diesem Bereich sind.

Meiner Meinung nach gibt es vor allem politische Gründe für die bemannte Raumfahrt. Es fing an als ein Wettlauf, wer den ersten Mann in den Orbit brachte - das Mercury Programm in den USA und Wostok in der UdSSR. Dann folgte als Reaktion auf Gagarin Flug die Ankündigung des Apolloprogramms. Das führte in den USA zum Gemini Programm als Lückenbüßer und Vorbereitung indem viele Dinge im Erdorbit erprobt werden konnten. In Russland wurde das sehr riskante Woschod Programm aufgelegt mit dem alleinigen Ziel Gemini bei den Erstleistungen zuvorzukommen. Als es bei den ersten zwei Flügen massive Probleme gab wurden alle folgenden Flüge abgesagt.

Russland scheiterte mit seinem Mondprogramm und leugnete es bis 1991. Die USA zogen es durch und wir sehen hier auch als erstes, dass auch wenn bemannte Raumfahrt politisch motiviert ist das nicht für immer und ewig gilt - als die erste Mondlandung erfolgte und das öffentliche Interesse schwand, wurde es vorzeitig eingestellt, obwohl es noch genügend Hardware für drei weitere Landungen gab. Skylab konnte noch aus den Resten durchgeführt werden.

Russland konzentrierte sich auf den Erdorbit. Zum einen um die für die Mondmission entwickelten Sojus Raumschiffe noch zu verwerten, zum anderen weil dieses Segment noch von den USA belegt war - Skylab war nur insgesamt ein halbes Jahr bemannt. Denn noch immer herrschte der kalte Krieg und es galt die eigene Überlegenheit in Form von Langzeitaufenthalten zu beweisen.

Das Shuttle hatte sicher auch politische Gründe. Zwar wurde es als billiger Transporter angekündigt. Doch selbst wenn die projektierten Flugkosten erreichbar gewesen wären, so war es doch schon damals sicher, dass er nie die Entwicklungskosten würde einspielen können. Nein, das Shuttle versprach eine neue Gelegenheit die USA als technologisch führende Nation zu präsentieren - andere Nationen möchten sich mit Wegwerfraketen begnügen. Die USA haben ein wiederverwendbares bemanntes Raumgefährt das zwischen Erde und Orbit wie ein Taxi pendelt. (der Blogautor kann sich noch recht gut erinnern wie andere Autoren zu Beginn des Shuttle Programmes genau diese Sichtweise brachten und auch die Entwicklung der Ariane kritisierten, schließlich wäre diese ja in wenigen Jahren total veraltet und würde keine Nutzlasten mehr bekommen....). Auch politisch ist das das Shuttle nach den Wünschen des Militärs entworfen wurde, denn die NASA wollte ein viel weniger leistungsfähiges Gefährt.

1984 folgte durch Reagan als letzten kalten Krieger der Auftrag zum Bau der ISS, damals noch "Freedom" getauft. Gerade die Raumstation zeigt aber wie die politische Unterstützung schwinden kann. Als kurz danach Glasnost begann und Michael Gorbatschow so gar nicht in das bisherige Feindbild passte, bröckelte die Unterstützung für die Station. Sie war nun viel zu teuer und neun Jahre lang wurde sie eigentlich nur umgeplant und sie sollte billiger werden. Sie stand mehrmals vor dem Aus, als 1993 die NASA zusammen mit Roskosmos ein neues Konzept präsentieren: Mir-2 und Freedom (inzwischen Alpha getauft) sollten zusammengelegt werden und nochmals billiger werden. Das brachte wieder die politische Unterstützung auch weil das Konzept in eine veränderte Landschaft passte. Das Russland schon jetzt die NASA brauchte, um ihre Mir-1 weiter betreiben zu können, wurde geflissentlich übersehen.

Die Ankündigung von Constellation 2004 war wohl mehr eine Ablenkung von der Columbia Katastrophe als ein ernstgemeintes Programm, denn die Unterstützung die das Programm brauchte bekam es nie. Nun veränderte sich nach 14 toten Astronauten auch die Sicht auf das Shuttle Programm. Es stand nun nicht mehr für nationales Prestige als vielmehr dafür das Leute ihr Leben riskieren in einem unsicheren Gefährt und es wurde überlegt ob es dieses Risiko wert ist. Das Shuttle war nötig zum Aufbau der ISS, aber danach nicht mehr. Also wurde es eingestellt.

Und weil Constellation nie so richtig in die Gänge kam und es viel Kritik an dem Sinn des Programms gab (wir waren ja schon auf dem Mond), wurde es auch eingestellt. Was folgte, ist ein Zugeständnis an die zahllosen Firmen und festen Angestellten in der Raumfahrt - eine Art Beschäftigungsprogramm um etwas zu entwickeln, was man vielleicht mal brauchen könnte, wenn man zum Mars aufbricht. Mit der gleichzeitig beschlossenen Verlängerung der ISS Betriebszeit werden wohl auch nicht alle so richtig zufrieden sein. Die ESA hat keine Bauteile mehr für die nötigen ATV und muss was neues entwickeln. Bei der JAXA wird es angesichts des Entwicklungsbeginns vor mehr einem Jahrzehnt auch nicht anders sein, und die USA müssen Gelder für ein privat finanziertes bemanntes Raunfahrzeug ausgeben, da sie nun sich nicht mehr rausreden können, das bis 2015 ein solches nicht zu entwickeln wäre. Die einzigen die froh sind sind wohl die Russen, die weiter mit der ISS Geld verdienen können - ausgeben wollen sie schon lange keines mehr für die Station.

Da derzeit alle Länder mehr oder weniger mit größeren Staatsverschuldungen zu kämpfen haben, denke ich wird es den politischen Willen, Milliarden für ein neues Projekt auszugeben nicht geben. Pläne für Marsmissionen und Mondmissionen gab es ja schon zuhauf und keiner wurde umgesetzt. Vielleicht kommt man angesichts der derzeitigen Situation auch zum Schluss, dass ein Weiterbetrieb der ISS mehr kostet als man sich an Nutzen von ihm erhofft. Schließlich müssen alle Nationen mit Ausnahme von Russland in neue Transporter investieren und selbst dann tickt bei jedem Modul die Uhr - die ältesten werden 2015 schon 17 Jahre in Betrieb sein. Ich prophezeie: Wenn das erste nicht ersetzbare Kernmodul ausfällt, wird die ISS aufgegeben...

Freitag 29.7.2011: Verrisse

Ich denke, einige von euch haben es mitbekommen, am Mittwoch war nun der schon angekündigte Homepageumzug im Gange und die Seite zeitweise nicht erreichbar. Ich hoffe von nun an wird alles besser. Zum meinem Thema bin ich durch Sven Piper gekommen. Ich bin mit ihm in lockerem Kontakt, seit er mir sein Buch vorgestellt hat, Er hat nun den ersten Verriss bekommen. Der Kritiker hat nichts gutes an dem Buch gefunden. Die Fehler sind eigentlich keine neuen. Sie wurden auch von anderen Kritikern schon erwähnt. Einige kann ich auch unterschreiben. Der wesentliche Unterschied zu anderen Kritiken war, das die Rezensentin überhaupt nichts gutes an dem Buch fand, also das was man umgangssprachlich als Verriss bezeichnet.

Als es noch das literarische Quartett gab, mit den entsprechenden Einschaltquoten, war es für die Bücher die dort kamen, immer ein Erfolg. Sie wurden bekannt. Ja es war sogar fast besser wenn ein Buch verrissen wurde, weil das viele Leute neugierig machte ob das Buch wirklich so schlecht ist. Nur hat sich vieles inzwischen verändert. Zum einen gibt es die Bedeutung einzelner Medien nicht mehr. Sicher sind Spiegel, Fokus, Fernsehen oder Zeitungen heute noch wichtig, aber nicht mehr so wie früher. Viele Leute kaufen heute online ein, lesen Bewertungen bei Amazon oder anderen Online Shops die von anderen Lesern kommen.

Vor allem hat sich nun die Zahl der Kritiker vervielfacht. Nicht nur durch viel mehr Medien, sondern durch das Amazon System, in dem jeder Kritiker sein kann. Auf der anderen Seite hat sich auch die Landschaft verändert. Nicht nur gibt es mehr Kritiker, es gibt auch mehr Autoren. Früher musste man mit seinem Manuskript hausieren gehen, und selbst wenn man einen Verlag fand, was noch nicht gesagt, dass das Buch auch in die Buchhandlung kam, die ja nur eine begrenzte Ausstellungsfläche hatten. Heute ist es viel einfacher. Wie bekannt publiziere ich ja selbst über Book on Demand und genauso einfach ist es, ein Buch zu finden. Einfach bei Amazon "Ariane ESA" eingeben und man bekommt die Bücher über Ariane (ohne die ESA wird viel esoterischer Stoff kommen). Auf den ersten beiden Plätzen zwei gute Treffer, dann lässt es nach. Interessanterweise ist die Liste nicht vollständig, denn mir fällt schon auf, das mein zweites Buch über Ariane 5 und die Vega dort fehlt, und dann wahrscheinlich auch andere.

Das bedeutet aber auch, das den Kundenurteilen von Amazon eine viel größere Rolle zukommt. Zumindest bei allen Autoren die ich nicht vorher kenne, richte ich mich danach. Das Problem dabei ist, dass es recht wenige sind. Wenn ich (was ich auch mache) einen Dampfreiniger, MP3 Player oder einen Staubsauger kaufe, dann habe ich 50-100 Bewertungen für das Gerät. Dann ist schon der Durchschnitt aussagekräftig. Bei Büchern gibt es viel weniger Bewertungen. Keines meiner Bücher hat auch nur eine zweistellige Zahl an Leserurteilen erreicht. Ein Verriss fällt dann schon extrem auf.

Vor allem ärgert mich, wenn ich eine in meinen Augen völlig unqualifizierte Aussage lese, so in dem Tenor: "entsprechende Daten findet man auch im Internet". Da bin ich versucht zu fragen: "Wo kann ich das in einer Buchhandlung kaufen?" - weil der Kritiker ja ein Medium mit einem anderen vergleicht. Da man alles im Internet findet, kann man damit praktisch jede Fachliteratur als überflüssig ansehen. Seit Astronautix,com offline ist, würde ich aber noch antworten: "Im Buch findet man die Daten aber auch noch, wenn das Internet nichts mehr liefert". Oder die Kritik wo der Rezensent vier Fehler sucht, um dann 4 Sterne abzuwerten.

Ich gebs offen zu, ich bin zu empfindlich für negative Kritiken und habe deswegen auch niemanden mehr um eine Rezension meiner Bücher gebeten. Das mag schlecht für den Umsatz sein, aber da der für mich sekundär ist und ich eh nicht damit rechne, reich zu werden. Als Autor ändert sich auch die Einstellung zu einem Buch. Man weiß dann, wie viel Arbeit in einem Buch steckt und ist vorsichtig etwas total zu verreißen, auch wenn es einem nicht gefällt, oder man Mängel feststellt. Ich denke das ist auch fair, schließlich zählt ja der Gesamteindruck und nicht nur die Dinge die einem negativ auffielen.

Ich habe ja bisher nur ein Buch verrissen, das Buch Typenkompass Trägerraketen, und selbst dort konnte ich noch positive Aspekte wie die Grafiken und Fotos entdecken. Zu letzterem stehe ich, weil der Autor seit über ein Jahrzehnt publiziert, dies das zweite Werk von ihm zum gleichen Thema ist und die Fehler wirklich gravierend sind. Sowohl in den Daten wie im Text und durch Nachprüfen vor dem Druck oder einfaches Korrekturlesen beseitigt werden könnten.

Ansonsten bleibt nur de Rat: Wenn sie etwas gekauft haben, es nur wenige Bewertungen hat, dann geben sie eine ab. Das grundsätzliche Problem ist ja, dass die Leute denen etwas nicht gefällt viel eher eine negative Bewertung abgeben, als die die zufrieden das Buch ins Regal stellen und sich darüber freuen.


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