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Web Log Teil 240: 30.7.2011 - 6.8.2011

Samstag den 30.7.2011: SpaceX, Bigelow und die NASA

Immer wenn ich im Sommer mal die Gelegenheit habe länger zu Schwimmen komme ich auf dumme Ideen (3-4 Stunden die Kreise ziehen sind einfach lang). Diesmal wie man die bemannte Raumfahrt (wie so immer gefordert wurde) deutlich preiswerter machen könnte. Ich dachte an Gouvernment-Private Partnershipmodell. Also die Regierung finanziert vor, profitiert aber von Vergünstigungen. So funktioniert es:

Eine Falcon Heavy transportiert ein aufblasbares Modul von Bigelow, innen ausgerüstet von der NASA und eine Dragon Kapsel in den Orbit. Die 7 NASA Astronauten halten sich dot ein halbes Jahr aus, landen dann mit der Dragon. Danach geht das Modul in den Besitz von Bigelow über, die dort mit weiteren Flügen Touristen unterbringen.

Technisch: Die NASA hat die Technologie für aufblasbare Module entwickelt (Transhab). Dieses wiegt 13,2 t und hat über 300 m³ Volumen. Es wird nun von Bigelow gebaut, welche die Patentrechte gekauft. Die NASA stellt die nötige Innenausstattung, die ich mit 16,8 t angesetzt habe. Zusammen gibt das ein Startgewicht von 30 t. Weitere 15 t entfallen auf die Vorräte für eine 180 Tagesmission, die auch beim Start dort innen angebracht werden. Die Besatzung sitzt in der Dragon die mit gestartet wird. Das macht weitere 8 t aus. So kommt man auf 53 t, die Nutzlast der Falcon Heavy,

Vorteil: Die NASA muss für einen 180 Tagesaufenhalt von 7 US-Astronauten nur die Inneneinrichtung, die Falcon Heavy (120 Millionen Dollar) und eine Dragon (70 Millionen - Differenzenrechnung aus den CRS Verträgen) finanzieren. Also 190 Millionen Dollar + Inneneinrichtung für ein halbes Jahr. Derzeit kostet ein Start auf der Sojus 56 Millionen Dollar pro Sitz und die Versorgung kostet bei 15 t auch bei SpaceX rund 1200 Millionen Dollar (CRS Verträge: 1,6 Milliarden für 20 t). So kostet derzeit eine Besatzung von 7 Personen und die Vorräte die NASA heute 1592 Millionen Dollar. So teuer kann die Inneneinrichtung gar nicht sein, dass sie 1.400 Millionen Dollar kostet.

Warum das Modul dann nicht nochmals verwenden? Weil man dann die Versorgungsgüter teuer mit einem Transporter bringen muss (siehe oben) und wahrscheinlich auch das Modul bezahlen. so kann es dann Bigelow für Kurzzeitmissionen nutzen, die vom Transport her nicht so aufwendig sind. Weiterhin kann man so Experimente für einen Zweck konzipieren und dann beim nächsten Modul neue. Zudem muss die Besatzung nicht wie bei der ISS fast die ganze Arbeitszeit nur für Reparaturen aufwenden, sondern kann forschen. Zwei Module würden pro Jahr gestartet, das ergibt echte Serienbauweise, Treibstoff für die Bahnanhebung kann auch gespart werden und man braucht keinen Frachttransporter. Die Module altern kaum, es sind keine teuren und zeitraubenden Reparaturen nötig und man kann in jedes Modul neue Experimente integrieren. Weiterentwicklung, Anpassung an den Fortschritt, Forschung anstatt Reparaturarbeiten - all das was die ISS nicht bieten kann.

Selbst für die P&R Seite kann man in einem bis zu 8,2 m breiten Modul ja viel bessere Schwerelosigkeitsfilme drehen (das ist ja das überhaupt wichtigste was an der ISS gemacht wird).

Unmöglich? Verschwendung? Nein, so was gab's mal. Das Konzept war billiger als die ISS und die Besatzung viel produktiver. Es hieß Skylab ....

Sonntag den 31.7.2011: Buchkritik: Geschichte der Raumfahrt

Das ist ein Buch für ein Publikum, das ich nicht bediene - was meinen sie welches ich meine?

Nun es ist ein Buch über die Geschichte der Raumfahrt - zumindest bis zum Jahr 1981. Der Autor, Werner Büdeler ist sicher manchem bekannt. Er war Raumfahrtjournalist während der sechziger und siebziger Jahre, unter anderem auch bei der Apollo 11 Landung in Houston. Er hat zahlreiche andere Bücher über das Apolloprogramm, das Space Shuttle und die Raumfahrt in Deutschland geschrieben (ja damals konnte man noch optimistisch darüber schreiben, heute ist das schon deswegen unmöglich weil fast alles inzwischen zu Astrium fusioniert ist und dieses Unternehmen, egal an welchen Bereich man schreibt, keinerlei Anfragen beantwortet).

Aber zurück zum Buch. Es ist ein Prachtstück. Die Ausgabe die ich habe ist in Leder gebunden, Hardcover, größer als Din-A4 und dick und schwer. (Glanzpapier mit 135 g/m²)Fast jede Seite enthält mehrere, zum Teil auch seitenfüllende Aufnahmen, die meisten davon in Farbe und hoher Qualität. Also das Buch ist natürlich etwas für die Liebhaber von Fotos. Es gibt sehr viele davon auch heute im Internetzeitalter sehenswert und nicht der Mainstream, den jeder kennt.

Aber auch Text findet man auf den rund 500 Seiten, auch wenn er gegenüber den Bildern deutlich in der Minderheit ist. Erstaunlicherweise entfällt mehr als die Hälfte davon auf die Zeit vor dem ersten Satellitenstart. Also auf Ideen für Raketen und Raumstationen, die frühen Versuche bei den Chinesen, im Mittelalter, von Congreve. Die Versuche im zwanzigsten Jahrhundert, wobei natürlich die Deutschen wie Valier, Walter, OpeL, Sänger und von Braun nicht fehlen dürfen, über die Entwicklung der Rakete als Waffe nach dem zweiten Weltkrieg.

Das ist positiv und negativ zu sehen. Positiv, weil wenn wir heute ein Werk scheiben würden, bei den meisten Autoren dies weitgehend unter den Tisch fallen würde. Seit Erscheinen des Werks sind drei Jahrzehnte vergangen - konnte Büdeler auf 20 Jahre Raumfahrt zurückblicken, so sind es heute 50. Die zahlreichen Raumsonden, Forschungsobservatorien, das Space Shuttle, Mir und die ISS würden viel Platz belegen und wir würden vielleicht sogar den Beginn der Raumfahrt auf den 4.10.1957 legen. Negativ in dem Sinne, das natürlich die 20 Jahre die Büdeler beschreibt recht kurz wegkommen. Da in unserer Internet Zeit mit dem Phänomen, der "Vor-Internetära Amnesie" aber man nur wenig über die Geschichte aller nicht aktuellen Projekte findet, halt ich das für verschmerzbar.

Wer Büdeler kennt wird sich an seinem sachlichen, aber trotzdem leicht lesbaren Schreibstil, mit zahlreichen Details und Anekdoten versetzt erinnern. Den findet man auch in diesem Buch.

Das buch hat mal 98 DM gekostet, Heute je nach Ausgabe neu 25 (Geschichte der Raumfahrt) oder in der Edition in der ich es gekauft habe mit Ledereinband 30 Euro. (Geschichte der Raumfahrt). Gebraucht gibt es das Buch schon für 5-8 Euro. Mein Urteil: ein echtes Schnäppchen. Zugreifen!

Montag 1.8.2011: Bücherrausch

Die Besprechungen alter Bücher auf meiner Website haben Auswirkungen. Wenn ich gerade mal nach Links auf Amazon schaue, dann suche ich meistens noch nach anderen Büchern des Autors. So habe ich mir die beiden Bücher von Assimov "Kosmos und Materie. Wissenschaft an der Schwelle zum dritten Jahrtausend." und "Vom Kosmos zum Chaos. Eine Reise durch die Welt der Elementarteilchen." gekauft und das letztere auch schon angelesen. Assimov hat, wie ich, eine Vorliebe für Wissenschaftsgeschichte, also nicht einfach die derzeitigen Erkenntnisse darlegen, sondern wie man drauf gekommen ist und welche Personen daran beteiligt waren. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, aber zu meiner Zeit gehörte es mit zum guten Ton, auch zu vermitteln, wie man auf Erkenntnisse kam und man war stolz auf frühere Größen. Bei uns wurden auch Vorlesungsäale nach Naturwissenschaftlern wie Bunsen benannt und mit einer Anekdote über Nernst, der nicht nur den dritten Hauptsatz der Thermodynamik entdeckte, sondern auch reich mit einem Patent für eine Lampe wurde, konnte ich im Vordiplom ein wenig über meine schlechten Kenntnisse über physikalische Chemie hinwegtäuschen.

Ich kaufe in den letzten Jahren wieder mehr Bücher als früher. Aber wenige neue Bücher, außer zu Recherchezwecken so über Skylab oder Gemini. die sind dann auch meistens englischsprachig. Es gibt ja im deutschsprachigen Raum praktisch keinen Markt für weitergehende Raumfahrtbücher, also welche die über das Niveau von Einstiegsbüchern oder Bildbänden hinausgehen.

Dagegen kaufe ich mir immer mehr alte Bücher. So auch ein Buch von Büdeler aus dem Jahr 1967. Ich lese auch wieder mehr Bücher. Es ist komisch, je mehr ich selbst Bücher schreibe, desto mehr lese ich auch Bücher und das Internet wird unwichtiger. Das Buch ist eben das Medium dafür ein Thema wirklich aufzubereiten, für bequemes Lesen, auch wenn es Reader gibt (die leider mit meinen gut 1000 gedruckten Büchern nichts anfangen können).

Bei meinen eigenen Büchern gibt es dagegen etwas Stillstand. Bei meinem Diätbuch habe ich mich entschlossen, mich noch mehr in das Thema einzuarbeiten. Ich lese gerade von Ibrahim Elmadfa "Ernährung des Menschen", ein Lehrbuch für Öktrophologen, das ich mir zur Abrundung des Wissens noch als Student gekauft habe, aber von dem ich bisher nur die Teile über Vitamine und Mineralstoffe richtig gelesen habe. Danach werde ich mir wohl noch ein zweites kaufen, wobei ich derzeit an "Einführung in die Ernährungslehre" von Willi Wirts denke. Ich war daran die aktuelle Auflage von Cornelias Schlieper "Grundlagen der Ernährung" zu kaufen, das ich damals in der Schule zum LK Ernährungslehre bekam. Aber zum einen sind mir 60 Seiten mehr gegenüber der Auflage die ich habe, zu wenig und zum zweiten ist mir beim Durchlesen klar geworden, dass ich doch mich inzwischen von dem Niveau des Buches deutlich entfernt habe.

Ich weiß nicht ob ich es schon mal erwähnt habe. Ich hatte in der Schule 5 Jahre lang Ernährungslehre. Zum Schluss als LK zusammen mit dem LK Biochemie. Ich hatte auch mal erwogen es zu studieren, doch da die Berufschancen sehr schlecht waren bin ich dann bei Chemie gelandet. Mit dem Fach bin ich verbunden geblieben, auch wenn man als Lebensmittelchemiker nur wenig damit zu tun hat. Das ist recht schade, und leider bei vielen Fächern so. Lebensmitteltechnologen würden gut daran tun etwas von dem Lebensmittelrecht und der -chemie zu verstehen. Staatsanwälte von der Lebensmittelchemie. Lebensmittelchemiker brauchen zum Beurteilen zahlreicher Werbebotschaften medizinische Kenntnisse und auch welche über Ernährungslehre und bessere Kenntnisse der Lebensmitteltechnologie. Mediziner bekommen glaube ich inzwischen eine bessere Einführung in die Ernährung die wichtig ist, weil bei vielen Patienten der Schlüssel nicht in Medikamenten sondern einer Diät liegt. Aber das Fachidiotentum lässt das nicht zu. Mein Vorschlag: später spezialisieren. Als Lebensmittelchemiker hat man es dann ja später eh nur mit bestimmten Produkten zu tun. Entweder in einem Labor bei dem Staat oder bei einem Hersteller (Birkel stellt eben nur Nudeln her, Pfanni nur Kartoffelprodukte). Vielleicht wäre es besser die fachspezifische Ausbildung etwas runter zu fahren und dafür mehr von nahe liegenden Fächern zu integrieren.

So habe ich anstatt an dem Diätbuch weiterzuarbeiten ein neues Buch angefangen, und zwar eines über Phobos-Grund und das MSL. So 60 Seiten sind auch schon grob eingetippt, die Erforschung des Mars vor den Raumsonden, die bisherigen Raumsonden zum Mars und der Web Aufsatz von Phobos Grunt, der natürlich noch erweitert wird, sowie eine Abhandlung über Curiositys RTG. Ich habe jetzt mal wieder ein bisschen Lust auf ein aktuelles Raumfahrtthema und denke die beiden Marssonden bieten sich dazu an. Bis zum Start wird es sicher nicht fertig werden, aber hoffentlich vor der Ankunft. Wer nun fragt was mit meinem letzten Buch los ist? Ja das ist seit 4 Monaten beim ersten Korrekturleser. Ich befürchte schlimmes wenn es zurückkommt, wahrscheinlich muss ich es komplett neu schreiben, wenn es so lange dauert es zu korrigieren.

Dienstag 2.8.1011: Braucht man noch die NASA?

Dr. Harrison Schmitt, Apollo 17 Astronaut und Senator fordert die Abschaffung der NASA. Ist das so abwegig? Die NASA wurde 1958 gegründet als zivile Raumfahrtorganisation Präsident Eisenhower sah schon damals das Problem dass zum einen das Raumfahrtprogramm vom Militär vereinnahmt wurde, zum anderen deutete sich schon ein Wettlauf der einzelnen Waffengattungen an. So dürfte Explorer 1 erst nach dem missglückten Vanguard Versuch starten, obwohl er vorher startbereit war, da diese (von der Navy gebaute) Rakete als "ziviler" galt und auch mehr politische Unterstützung als die Redstone der Army hatte. Das wiederholte sich bei den Mondsonden wo auch die Jupiter der Army erst nach der Thor von der Air-Force starten dürfte (genützt hat es nichts, denn auch hier scheiterten alle Thor Starts). Die NASA hat wirklich viel auf den Weg gebracht, Mercury, Gemini, Apollo, das Space Shuttle. Aber deutlich ist auch, dass sie träge und behäbig geworden ist. Raumfahrtprojekte dauern immer länger. sie werden immer teurer. Das JWST wird nun schon seit Jahren geplant. Sein Start liegt aber immer noch 6-7 Jahre in der Zukunft und es wird 7-8 Milliarden Dollar teuer. Die NASA hat in den ersten 26 Jahren die Projekte Mercury, Gemini, Apollo und das Shuttle in der bemannten Raumfahrt angegangen. In den letzten 27 Jahren war es nur die ISS. Alle folgenden Bestrebungen für andere Projekte wurden entweder schon im Planungsstadium gekippt (Marsexpedition 1989) oder vom nächsten Präsidenten eingestellt (Constellation). Gerade diese letzten beiden Projekte die deutlich teurer wurden, viel langsamer fortschritten als geplant und mit denen keiner richtig zufrieden ist, zeigen, dass die NASA ein Problem hat.

Sie hat ja mal probiert sich zu reformieren - im kleinen - die Shuttlewartung wurde externalisiert, das Discovery Programm sollte preiswertere Raumsonden ermöglichen. Doch die Shuttle Startpreise sanken weiter und die Flugrate sank. Von den Discovery Sonden scheiterten drei und andere erfüllten nicht voll die Erwartungen. Mit den inneren reformen klappte es offensichtlich nicht. Ich denke daher Schmitts Idee ist nicht schlecht. Es gibt genügend Organisationen die Satelliten entwickeln können. Schon vorher gab es die Forschung an Flugzeugen. Die Zentren die vor allem Grundlagen betrieben können auch ohne NASA arbeiten und die USAF und NRO zeigen ja auch, das Raumfahrt ohne eigene Agentur gehen. Doch in einem bin ich anderer Meinung: Braucht die NASA wirklich noch eine Nachfolgebehörde, die sich dann nur noch um die bemannte Raumfahrt kümmern. Dafür werden doch jetzt die Privaten. Was noch bleibt ist die ISS Missionsüberwachung. die können Roskosmos, ESA und JAXA übernehmen. Braucht man dafür eine Raumfahrtagentur? Meiner Ansicht nach nicht.

Und ich glaube auch nicht an ein neues Projekt, das eine neue Organisation nötig macht. An der ISS wurde nicht weniger als 27 Jahre geplant, entwickelt und gebaut bis sie fertig war. Das Shuttle wurde 30 Jahre lang betrieben und hat mit Entwicklungszentrum eine Gesamtgeschichte von 42 Jahren. Also für mich sieht das nicht so aus, als wäre gerade in nächster Zeit was zu erwarten. Auch das Programm für Obama ist kein Programm für ein neues Unternehme, sondern für Grundlagenforschung. Das nun von Ares V in SLS umgetaufte Konzept einer Schwerlastrakete zeigt das ja deutlich. Anders als bei der Saturn V gibt es die Triebwerke ja schon und auch die Shuttle SRB und den ET. also wenn ich ganz auf die Schnelle einen Schwerlastträger haben will, dann nehme ich einfach den ET, zwei SRB und montiere darauf einen Nutzlastbehälter und die Shuttle SRB. Schon das müsste 100 t in den Orbit bringen. Es gibt noch 36 Triebwerke - genug für 12 Flüge und so oft wird es wohl nicht eingesetzt werden. Ansonsten nimmt man eben das RL-68, das wird noch produziert und mehr Nutzlast bringen vier anstatt zwei Booster. Zack ist das Thema erledigt, doch selbst wenn ich was neues entwickele auf Basis der SRB, der RL-68 und de J-2X, also Triebwerken die existieren, dann müsste es schneller als bei der Saturn V gehen, die bei 0 anfing. Übrigens zeigt das SLS erneut das Problem der NASA: sie entwickelt eine Schwerlastrakete ohne eine Nutzlast dafür zu haben. Wenn ich schon die Falcon Heavy kritisiere, die nur 45 t Nutzlast hat, was meint ihr halte ich von einem ebenfalls aus dem Shuttle entwickelten SLS, das mindestens 6 Jahre braucht umgesetzt zu werden.

Vor allem, sehe ich nicht, dass es nun neue Projekte geben wird. Denn seien wir mal ehrlich: An der NASA wird gern gespart und wie uns der derzeitige Haushaltsstreit in den USA zeigt ist man ja nicht gewillt für neue Einnahmen zu suchen (ein Spitzensteuersatz von 33%, bei 15 Billionen Staatsverschuldung!).

Freitag 5.8.2011: Vermischtes

Heute mal wieder ein Kurzweilliger Blog, mit ein paar Schnipseln, die mir so einfielen, und zu denen ich eure Meinung wissen möchte, die aber für einen Blog wohl zu kurz sind. Für alle Raumfahrtfans gibt es heute noch ein extra Raumfahrträtsel.

Das erste betrifft das Wasser. Wasser ist was wunderbares. Es erquickt nicht nur beim Trinken, sondern Wasser ist auch toll zum Baden, Plantschen Schwimmen. Kein Wunder, besteht doch der Körper zu 70% aus Wasser. So ist es keine Überraschung wenn Wasser sich auch auf der Haut gut anfüllt. Es gibt eine Ausnahme: Die Nase. Jeder kennt dass: wenn flüssiges Wasser in die Nase kommt brennt sie, man muss husten. Wasserdampf ist kein Problem und das wird ja auch bei Erkältungen genutzt (Dampfbad). Ich bin drauf aufmerksam geworden, seit ich bei GNTM und dem "Sommermädchen 2011" drauf gekommen bin, dass es in Deutschland noch Frauen mit 20-30 gibt die nicht tauchen können, ohne sich die Nase zuzuhalten. Also ich gehe ja dreimal in der Woche Schwimmen und da können eigentlich alle Kinder jenseits von 7 Jahren tauchen, ohne sich die Nase zuzuhalten. Es ist ja ganz einfach. Wasser dringt nicht ein, wenn die Nasenöffnung nach unten schaut, wenn man zur Wasseroberfläche blickt, die Öffnung also nach oben schaut muss man eben leicht ausatmen. Gefahr droht mehr von Spritzern oder kleinen Wellen, wenn jemand mit viel Schmackes an einem vorbeischwimmt. Warum reagiert die Nase so empfindlich? Meine Vermutung: so soll verhindert werden, dass Wasser in die Lunge gelangt.

Das nächste ist noch merkwürdiger und schwerer erklärbar. Ist euch mal aufgefallen, dass Männer und Frauen Pullis recht unterschiedlich ausziehen? Also Männer ziehen meiner Meinung nach entweder oben am Kragen und Frauen fangen unten am Saum an, entweder links und rechts mit beiden rmen, oder mit überkreuzten Armen. Es gibt auch andere Techniken, aber in der Regel setzen Frauen andere ein, als Männer. Warum ist dem so?

Das dritte sind Vegetarier. Meine älteste Nichte ist eine solche und sie ist gerade zu Besuch. Da wir heute essen gehen, haben wir ein Restaurant ausgewählt wo es auch Fischgerichte gibt, weil sie die trotzdem isst. Ich weiß nicht ob das typisch ist. Es gibt ja viele Beweggründe Vegetarier zu sein. Ernährungsphysiologische und ethische. Ein ethischer ist der, dass man keine Tiere töten will. Nur sind Fische eben auch Tiere. Sicher nicht so hochentwickelt wie Schweine oder Hühner, aber immerhin Wirbeltiere. Sie sterben eben leise, quicken nicht sondern schnappen nur stumm nach Luft, wenn sie ersticken. So gesehen ist das Essen von Fisch als Vegetarier unverständlich. Nach Wikipedia grenzen sich die "echten" Vegatearier von diesen "Semi-Vegetariern" ab, die man nun auch Pescetarier nennt. Aber ich denke es gibt eine Reihe von ihnen. Wenn man bedenkt, dass die meisten Fische gerade mal für eine Mahlzeit gut sind, ein Schwein dagegen den Fleischbedarf für ein Jahr liefert, sind Pescetarier sogar viel schlimmere Tiermörder als die normalen Fleischesser. (Mir ist bewusst, dass dies noch weiter verfolgt werden kann - Tintenfische, Garnelen etc. sind ja noch kleiner, dann isst man sicher noch die eine Schnecke mit dem Salat mit und was ist mit den vielen Bakterien - aber auf der anderen Seite nimmt auch die Entwicklungsstufe ab und irgendwo muss man einen Schnitt machen - ich würde es eben bei den Wirbeltieren ziehen.

Kennt ihr das erfolgreichste Lied der neuen deutschen Welle? Dieses nicht ernst gemeinte Rätsel hat seinen Grund. derzeit wird auf der ARD um 18:50 "Mord mit Aussicht". Schon als sie 2007 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, fiel mir eine Musikuntermalung auf, die zwischen den Schnitten gespielt wird. Auch wenn es als Volksmusik mit Blasorchester herkommt und langsamer ist, so ist es doch unverkennbar die Melodie von Hertz: "Jodel". Ich hoffe die Züricher bekommen für das Lied auch ihre Tantiemen.

Morgen könnt ihr euch wieder auf einen Beitrag zur NASA und meiner Lieblingsfirma freuen....

Samstag 6.8.2011: Red Dragon

Bei der Routinerecherche der üblichen Raumfahrtnews bin ich über folgenden Vorschlag einer unbemannten Mission gestoßen, genannt "Red Dragon". Der SpaceX Artikel hat leider keine Details was diese eigentlich forschen soll und was sie mitführen soll. Aber versuchen wir, es mal zu diskutieren.

Teil 1: Kann eine heutige Dragon auf dem Mars landen?

Klar Antwort: Nein! Sie ist ausgelegt für Erdorbit Missionen mit kurzer Dauer und einer Wasserung. Wenn sie zum Mars fliegen soll, muss sie zum einen für eine viel längere Reisedauer qualifiziert sein, was ich jedoch voraussetze. Heute ist jeder Satellit für einen Betrieb über einige Jahre ausgelegt. Ich wüsste nicht was es an Gründen geben sollte, warum dies bei einer Dragon nicht so sein sollte. Das schwierigere ist, dass die Bedingungen andere sind. Die Dragon heute muss aus einem niedrigen Erdorbit entweder direkt oder über einen TDRSS Satelliten mit der Erde kommunizieren. Die Bestimmung der Position im Raum kann mittels GPS erfolgen, was auch verwendet wird, soweit ich informiert bin. Für Marsmissionen ist eine Hochgewinnantenne nötig, die der Erde nachgeführt wird. Es sind eigene Navigationseinrichtungen wie Starmapperkameras nötig. Die Lageregelung wird bestimmt nicht mehr durch Triebstoff geschehen, weil das über Monate einen enorm hohen Verbrauch bedeutet und die Solarzellen reichen für die Stromversorgung nicht mehr aus, denn beim Mars muss mehr geheizt werden und ihre Leistung sinkt auf weniger als die Hälfte durch den größeren Abstand von der Sonne ab.

Wenn die Landung ansteht kommen weitere Modifikationen hinzu. Der Eintritt selbst erfolgt noch ohne Probleme - die Dragon verwendet den gleichen Hitzeschutzschild wie die nächste Marsmission MSL, da er vom Ames Forschungszentrum der NASA stammt und nicht von SpaceX entwickelt wurde. Doch danach landet man auf einem Planeten mit nur 1/160 des Atmosphärendrucks am Boden. Das bedeutet bei dem derzeitigen Fallschirm (der auf dem Mars nur wenig bremst) entweder einen sehr hohen Treibstoffverbrauch oder ein neu konzipiertes Landesystem. Zar soll eine Dragon auch später mal auch auf der Erde auf Land niedergehen, aber dort braucht man nur wenig Treibstoff um die Position fein zu korrigieren und dann noch die letzten 5 m/s die es beim Fallschirmabstieg gibt, abzubremsen. Auf dem Mars muss der Fallschirm vorher abgeworfen werden (sonst legt er sich über die Kapsel) und dieses findet noch bei hoher Geschwindigkeit statt. Also wird mehr Treibstoff benötigt. Dazu kommt der Treibstoff für die Interplanetare Reise.

Damit ist klar, dass sie doch bedeutend umgebaut werden muss. Die Dragon zum Mars unterscheidet sich beträchtlich von der die in den Erdorbit fliegt. Sie wird deutlich schwerer sein und ist komplexer, teurer und erfordert Entwicklungsarbeiten. Doch gibt es sicher keinen Grund warum die nicht landen könnte. So wäre denkbar, dass man aus dem zylindrischen Frachtteil eine Art Cruise Stage macht so wie sie auch die US-Raumsonden einsetzen welche auf dem Mars landen. Dort befinden sich dann die Systeme die man auf der Reise zum Mars benötigt und die Kapsel selbst kommt dann mit relativ wenig Anpassungen aus.

Teil 2: Was soll sie auf dem Mars?

Chris McKay sagt, man könnte dann immer noch "great Science" machen. Doch frage ich mich - welche? Es nützt mir ja nichts einfach nur eine Kapsel auf dem Mars landet. Selbst wenn eine Lucke einbaut - wie bitte kommen dann Experimente auf den Mars? Wie kommunizieren sie mit der Erde, wie werden sie mit Strom versorgt? Selbst wenn ich nur an eine einfache, nicht mobile Station denke, dann muss diese irgendwie aus der Kapsel herausgebracht werden. Dort wartet je kein Team das die Luke öffnet und alles auslädt. Auf der Oberfläche benötigt sie die gleichen Systeme wie ein anderer Lander wie Phoenix. Es ist ja sogar problematischer als bei Phoenix, denn wie bitte soll er aus einer kleinen Luke rauskommen? Dieser konnte so groß sein, wie Platz in der Aeroshell ist. Wenn nicht ein ganzen Stück aus der Kapsel herausgetrennt wird muss der Lander daher viel kleiner sein und man benötigt einen Kran, da durch die Landebeine der Boden der Kapsel sicherlich etwa 1 m von der Oberfläche entfernt ist.

Teil 3: Was kostet es?

Eine normale Dragon kann nicht von einer Falcon 9 zum Mars transportiert werden, dafür ist sie zu schwer. Mit einer Falcon Heavy geht es und dann ist auch noch genügend Gewicht für eine Nutzlast übrig. Damit fallen schon mal 120 Millionen Dollar für den Start an. Dann kommt noch die Dragon selbst. Sie wird mindestens weitere 80 Millionen Dollar kosten (Differenzberechnung aus CRS-Kontrakten - Falcon 9, durch die kostensteigernden Modifikationen eher teuerer). Es ist nicht zu erwarten, dass man den Umbau der Dragon für umsonst bekommt. Nach allen Erfahrungen wird ein Raumschiff, das für interplanetare Missionen geeignet ist, ein vielfaches teurer als eines für einen Erdorbit. Wenn nun schon die Dragon Entwicklung nur als Frachter für den Erdorbit mindestens 300 Millionen Dollar kostet, dann ist klar, dass von dem Budget eigentlich nichts mehr für die eigentliche Nutzlast übrig bleibt, selbst wenn SpaceX dies preiswert erledigt. Discovery Missionen haben ein Cost-Cap bei 400-425 Millionen Dollar.

Teil 4: Macht es Sinn?

Nein! Warum soll ich nur um eine Aeroshell mit Hitzeschutzschild einzusparen, eine viel schwerere Kapsel landen, die ich erst aufwendig umbauen muss und die für einen anderen Zweck entworfen wurde. Selbst wenn es klappt, dann habe ich Probleme meine eigene Nutzlast an die Oberfläche zu bekommen, während diese sonst selbstständig landen könnte. Viel einfacher wäre es eine schon entwickelte Aeroshell z.B. für das MSL oder Phoenix zu nutzen um eine neue Nutzlast zu landen. Es wird keine neue Entwicklung benötigt, und ich kann viel mehr Nutzlast landen. Die Aeroshell beim MSL wiegt 1.950 kg, die Dragon für Erdorbitmissionen trocken 5.000 kg, dazu kommt noch der Treibstoff. De fakto wird es viel sinnvoller sein nur die Trägerrakete von SpaceX zu nutzen aber nicht ihre Kapsel. Das ist wie wenn sie zum Supermarkt einkaufen gehen. Da nehmen sie auch eine Einkaufstasche und keinen Koffer, der viel robuster und für einen anderen Zweck konzipiert wurde. Die Dragon ist nun mal dafür ausgelegt, dass Menschen sie betreten können um sie auf der ISS auszuladen und dass sie den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre übersteht. Auf dem Mars landet sie mit kleinerer Geschwindigkeit (weniger kinetischer Energie) und es muss kein innendruck von 100 hpa in jedem Fall aufrecht erhalten werden. Genauso ist ein Koffer der eine Flugzeugreise und die Gepäcksortierung überleben muss robuster und schwerer als eine Einkaufstasche die nur von ALDI bis zu Ihnen halten muss.

So verwundert es nicht, wenn der Vorschlag bei der letzten Runde bei Vorschlägen für Discovery Missionen durchfiel und ich rechne auch nicht viele Chancen für 2018 aus.


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