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Web Log Teil 247: 27.9.2011 - 5.10.2011

Dienstag den 27.9.2011: Atommüllentsorgung im Weltall - wohin?

Ich habe mich ja schon mal mit dem Thema beschäftigt, mehr von einem praktischen Gesichtspunkt aus. Heute ein mehr theoretischer Exkurs. Die Idee Atommüll im Weltraum zu entsorgen ist ja nicht neu. Es gab sie schon in den Siebzigern. Damals ging man sogar davon aus, dass es sich lohnt. Das ist natürlich begrenzt auf den richtig hochradiokativen Atommüll, also abgebrannte Brennstäbe, die aufgearbeitet wurden und eben das Material das dann noch üblich bleibt. Also das was bei uns auch im Endlager lagern soll. Das sind in Deutschland rund 16 t pro Jahr, also eine Menge die wir heute mit Trägerraketen ins All bringen können. Der gesamte leichtradioaktive und mittelradioaktive Abfall müsste zuerst aufgearbeitet und konzentriert werden. Das ist wahrscheinlich nicht lohnend und seine Radioaktivität ist auch deutlich geringer.

Neben der Menge ist ein wichtiges Kriterium, wie lange man es lagern muss. Die häufigste Zeit die ich vernommen habe sind 240.000 Jahre, das sind 10 Halbwertszeiten des langlebigsten Isotops im Müll, Plutonium-239 von 24110 Jahren, bei dem die Radioaktivität auf ein Tausendestel (genau 1/210  = 1/1024) absinkt. Jede Lösung im All muss also mindestens über diese Zeit stabil sein, sprich es muss gewährleistet sein, dass in dieser Zeit der Müll nicht mehr zur Erde zurückkommt.

Prinzipiell gibt es drei Lösungen:

Fangen wir mal mit dem ersten an. Das naheliegendes sind Erdumlaufbahnen. Ganz nahe Erdumlaufbahnen sind nicht gut geeignet. Die Atmosphäre bremst hier alles in auch für menschliche Maßstäbe kurzer Zeit ab. So wurde z.B. ROSAT 1990 in eine 580 km hohe Umlaufbahn gestartet. Ohne Korrekturmöglichkeiten sank er langsam immer weiter ab und steht nun 21 Jahre später vor dem Wiedereintritt. Allerdings nimmt die Dichte der Atmosphäre und damit ihr Abbremseffekt schnell ab, wenn man sich weiter von der Erde entfernt. Der passive Erdvermessungssatellit Lageos wurde bewusst in eine Umlaufbahn gestartet, die sehr geringen Störungen unterworfen ist, weil man durch Vermessung der Signallaufzeit von Laserstrahlen die Erdgestalt genau vermessen wollte. Seine Bahnhöhe von 6.000 km sollte über 8 Millionen Jahre stabil sein, wesentlich länger als die 240.000 Jahre die gefordert sind.

Entfernt man sich noch weiter von der Erde, so wird ihr Einfluss kleiner und andere Störeinflüsse, wie die von Mond und Sonne nehmen zu und die Lebensdauer nimmt wieder ab.

In den siebziger Jahren erschienen niedrige Umlaufbahnen als eine tolle Lösung, denn sie sind mit geringem Geschwindigkeitsbedarf erreichbar (für eine 6.000 km höhe Kreisbahn benötigt man aus einem 200 km Orbit nur zwei Manöver mit zusammen 2,1 km/s zusätzlicher Geschwindigkeit) und das noch schnell. Damals waren das Vorteile, denn wer weiß ob der heutige Atommüll dann nicht ein wertvoller Rohstoff ist (schon heute kann man ja in schnellen Brütern aus Abfall Energie gewinnen, nur ist diese Technologie doch recht umstritten). Heute spricht die zunehmende Verschmutzung des Weltraums mit Schrott gegen diese Überlegungen. Die NASA hatte diese Möglichkeit bei einer Studie daher auch nur auf Platz 5 gesetzt, wobei sie bewusst eine höhere Umlaufbahn in 55.000 km (jenseits der Umlaufbahn von GEO-Satelliten) als Ziel ansetzte.

Die Alternative sind Sonnenumlaufbahnen. Sofern diese die Erdbahn nicht kreuzen, besteht keine Kollisionsgefahr, jedoch verändern dann auch die anderen Planeten die Umlaufbahn über geologische Zeiträume. Die NASA hielt eine Umlaufbahn zwischen Erde und Venus für eine gute Lösung. Erde und Venus sind ungefähr gleich schwer, ihr Einfluss ist also bei gleichem Abstand gleich groß, was diese Umlaufbahn stabilisieren sollte. Bei einer Bahn zwischen Erde und Mars muss diese deutlich näher beim Mars liegen und bedingt durch die schweren Planeten jenseits von Mars besteht dann eher die Möglichkeit, dass der Müll auf den Mars auftrifft. Die NASA Referenzbahn in 0,85 AE Entfernung wäre über mindestens 1 Million Jahre stabil und erfordert einen Energieaufwand von 4,6 km/s zur Shuttle Umlaufbahn (3,3 km/s um die Erde zu verlassen und 1,3 km/s um die Bahn zu zirkularisieren). Das ist nicht viel mehr als für eine 55.000 km hohe Erdumlaufbahn (4 km/s), allerdings kommt man nun nicht mehr so einfach an den Müll heran. Er wäre dann wirklich für immer weg. Sie war der Sieger der NASA Selektion bei den Möglichkeiten.

Platz 4 der NASA Untersuchung war eine Mondumlaufbahn, die etwas höhere Geschwindigkeiten (4,25 km/s), mindestens drei Schubmanöver erfordert und bei der es Bedenken hinsichtlich der Langzeitstabilität gab.

Das leitet über zu den zweiten Möglichkeiten. Er entspricht so dem menschlichen Prinzip den Müll woanders (Wald, Nachbarn) einzuladen. Das naheliegendste ist der Mond. Mit 3,1 km/s mehr zur Erdumlaufbahn bringt man Müll auf einen Kollisionskurs. Er schlägt drei Tage später mit rund 2,5 km/s auf dem Mond auf. Das Problem ist dabei, dass Teile davon auch die Mondfluchtgeschwindigkeit erreichen und wieder auf der Erde landen können. So kamen wir auch zu Meteoriten vom Mond. Also müsste man es weich landen, wobei man das dann besser auf der Rückseite macht, dann treffen uns nicht mal die Strahlen und wenn er durch Meteoriten beschädigt wird, ist die Gefahr auch geringer. Dazu benötigt man rund 6,1 km/s und es sind mindestens fünf Manöver nötig. Bei den anderen Möglichkeiten waren es nur zwei. Zudem ist es organisatorisch sehr aufwendig: Auf der Mondrückseite hat man keinen direkten Funkkontakt. Die NASA Studie sie auf Platz 2 ein. Das Depot wäre dann in ferner Zukunft leicht erreichbar und man könnte den Müll leicht wieder bergen.

Die Gefahr das was bei einer direkten Kollision zurückkommt besteht auch beim Mars. Bei der Venus ist sie durch die dichte Atmosphäre nicht gegeben. Dorthin benötigt man nur 3,5 km/s, aber damit man sie gezielt erreicht, muss man die Bahn aktiv verändern. Die anderen Planeten (Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun) erfordern noch höhere Geschwindigkeiten und auch Reisezeiten und auch hier muss die Bahn über Jahre aktiv kontrolliert werden.

Die Kollision mit der Sonne selbst erfordert noch deutlich höhere Geschwindigkeiten und eine gute Abschirmung, schließlich will man verhindern, dass der Atommüll vorher verdampft und in einer Umlaufbahn welche die Erde streift, wieder auskristallisiert. Die 24 km/s die man heute benötigt, sind heute technisch nicht erreichbar. Dafür wäre nur ein Schubmanöver nötig. Möglich ist der Umweg über Jupiter, also Jupiter lenkt die Bahn so um, dass der Müll in die Sonne stürzt. Nur kann man ihn dann auch gleich in den Jupiter stürzen lassen. Zum Jupiter benötigt man rund 6,6 km/s relativ zu einer niedrigen Erdumlaufbahn. Der direkte Sturz in die Sonne kam so nur auf Platz 6 bei der erwähnten NASA Untersuchung.

Das letzte ist der Weg auf Nimmerwiedersehen. Wir kennen das ja auch auf der Erde. Einfach den Müll auf hoher See mal kurz auskippen.... Damit dies klappt, muss man nicht nur die Fluchtgeschwindigkeit der Erde überwinden (sonst erreicht man nur eine Sonnenumlaufbahn, welche regelmäßig die Erdbahn kreuzt), sondern die Fluchtgeschwindigkeit aus dem Sonnensystem. Das sind rund 8,8 km/s relativ zur Erde. Dann verschwindet der Müll wirklich für immer, vielleicht landet er mal auf einem anderen Stern, aber viel wahrscheinlicher ist, dass er seine Runde um das Zentrum der Galaxis zieht. Der Riesenvorteil dieses Konzepts, ist das nur ein Schubmanöver nötig ist also, die Zündung in der Erdumlaufbahn. Eine einfache Raketenstufe reicht aus, während bei allen anderen Manövern mindestens eine weitere Zündung nach Stunden bis Monaten erforderlich ist. Das vereinfacht vieles und macht es auch billiger und zuverlässiger. Diese Möglichkeit kam auf Platz 3 bei den NASA Untersuchungen.

Hier nochmal eine Zusammenfassung der Möglichkeiten. Zu den Geschwindigkeiten ist zu sagen, dass 4 km/s in etwa einer Reduktion der Nutzlast auf ein Viertel entspricht. Entsprechend sinkt sie bei höheren Geschwindigkeiten leicht exponentiell ab. Die bisher höchste Geschwindigkeit die eine Raumsonde direkt von der Erde aus erreichte waren 16,9 km/s bei New Horizons. Das sind 9,1 km/s mehr in einer Erdumlaufbahn. Die Nutzlast der Atlas 551 nahm dabei von 20.520 kg in eine Erdumlaufbahn auf rund 490 kg ab.

Beschreibung Platz Geschwindigkeit
Sonnenumlaufbahn zwischen Erde und Venus in 127,2 Millionen km Entfernung 1 4,60 km/s
Depot auf der abgewandten Mondoberfläche 2 6,05 km/s
Fluchtgeschwindigkeit aus dem Sonnenumlaufbahn 3 8,80 km/s
Mondumlaufbahn 4 4,25 km/s
Erdumlaufbahn in 55.000 km Höhe 5 4,00 km/s
Direkter Sturz in die Sonne 6 24,00 km/s

Quelle:  Analysis of space systems study for the space disposal of nuclear waste study report. (mehrere Bände).

2.10.2011: Wie kann man mit solchen Computern zum Mond fliegen?

Je weiter wir uns zeitlich vom Mondprogramm entfernen, desto unwahrscheinlicher erscheint es, dass man mit der Technik von damals landen konnte. Das gilt vor allem für die Computertechnik. In Zeiten in denen ein Smartphone einen Prozessor mit mehreren Hundert Megahertz und mehreren Hundert Megabyte verbaut ist erscheint es unwahrscheinlich, dass jemand mit dem AGC mit rund 72 KByte ROM und 4 KByte Speicher und rund 42.000 Rechnungen pro Sekunden landen konnte.

Wert in den frühen achtziger Jahren schon einen Computer hatte denkt vielleicht anders. Die Rechenleistung und Speicherausstattung des AGC (Apollo Guidance Computers) ist in etwa vergleichbar mit einem Apple II, C-64 oder Spectrum. Viele konnten sehr viel mit diesen Kisten anstellen.

Die eigentliche Hauptaufgabe, der Flug zum Mond und die Landung ist sogar relativ einfach. Fangen wir mal an mit dem Start. Natürlich kann man ihn mit einem Computerprogramm durchführen und damit Einflüsse aktiv ausgleichen. Doch bei genügend Reserven kann man ihn auch manuell durchführen oder mit einer einfachen Logik, die keinen Computer nötig macht. Es ist relativ einfach: Zuerst steigt man senkrecht auf um eine Vertikalgeschwindigkeit aufbauen, dann wird der Winkel zum Boden konstant erniedrigt bis 0 Grad erreicht werden und nur noch vertikal beschleunigt. Sofern man genügend Reserven vorsieht, also erst umlenkt, wenn man sicher ist die Orbithöhe zu erreichen, benötigt man keine Steuerung. Alternativ kann dies auch der Mensch tun. Die Astronauten erhielten alle eine Schulung wie sie die Saturn V direkt steuern konnten. Sie hätten praktisch die Neigung die vorgegeben ist manuell mit dem Joystick nachfahren müssen.

Das nächste ist es den Mond zu erreichen. Das ist in der Tat, wenn man nicht korrigieren kann kein Problem. Man will ja ein Landegebiet oder einen Punkt in dem man in den Orbit einschwenkt, genau erreichen. Der Mond bewegt sich aber mit 1 km/s und die Reisezeit ist abhängig von der Startgeschwindigkeit. Schon geringe Abweichungen von der Sollgeschwindigkeit bewirkt dass man Stunden später den Mond erreicht, der in einer Stunde sich rund 3600 km weiter bewegt. Die ersten Raumsonden, bei denen es keine Korrekturmöglichkeiten gab verpassten denn auch den Mond um Tausende von Kilometern.

Doch schon bei der zweiten Generation ging man zu einer anderen Strategie über. Zuerst startete die Raumsonde in eine Parkbahn. Dann wurde an einem vorgegebenen Punkt das Triebwerk neu gezündet und vom Boden aus abgeschaltet wenn die in der Zwischenzeit genau bestimmte Sollgeschwindigkeit erreicht war. Dazu hatten seitdem alle Raumsonden einen Treibstoffvorrat, mit dem sie Abweichungen der Bahn weiter aktiv korrigieren konnten. Das wurde auch bei Apollo so gehandhabt bei dem es üblicherweise mindestens zwei, meistens aber drei Korrekturen gab. Eine direkt nach dem Start um die gröbsten Ungenauigkeiten zu beseitigen, eines wenige Stunden vor Erreichen des Mondes, um letzte Fehler zu korrigieren, und eines in der Mitte der Flugbahn. Genauso ist es auch bei Raumsonden heute.

Auch dafür benötigt man keinen Computer zumindest nicht auf dem Raumfahrzeug. Die Position und die Geschwindigkeit kann durch Vermessung der Funksignale bestimmt werden. Auf der Erde wird dann die Korrektur bestimmt und diese wurde auch bei Apollo der Besatzung übermittelt, die dazu nicht ihren eigenen Computer nutzte.

Zuletzt gibt es noch die Landung auf dem Mond. Auch diese wurde schon ohne Computer durch Luna-Sonden und Surveyor durchgeführt. Die Vorgehensweise ist relativ einfach: Mit einem schubstarken Triebwerk wird zuerst der Großteil der Geschwindigkeit vernichtet, danach fällt mit geringem Schub die Raumsonde/Lander um mit geringer Geschwindigkeit zu landen. Das ist auch ohne Computer durch einen Radarhöhenmesser möglich. Auch bei Apollo war dies so vorgesehen. Der Computer hätte genau dieses Profil durchgeführt. Nach Beendigung der ersten Phase konnten die Astronauten aber übernehmen. Dafür gab es eine Sicherheitsreserve die eine Schwebezeit von 90 s vorsah. Das entsprach rund 10% der Treibstoffvorräte.

Raumsonden die selbst Bodenproben zur Erde zurückbringen zeigten, dass es auch ohne Computer ging. Warum war ein Computer trotzdem essentiell für Apollo? Weil es durch die Menschen nicht ohne ging. Die wichtigsten Aufgaben war es das Raumfahrzeug zu stabilisieren, wenn der Mensch eingriff, jederzeit Alternativen durchführen zu können, so z.B. die Landung abbrechen und die Rückkehrstufe zünden zu können, wobei gleichzeitig deren Systeme überwacht und eine Radarverbindung zum Mutterschiff aufzubauen. Dazu kam die komplette Überwachung der Lebensfunktionen des Raumschiffs und die Aufbereitung der Daten für die Besatzung. Das war der wichtigste Punkt und deswegen war auch der Computer für Apollo unersetzlich. Es ging aber auch ohne ihn. Um Strom zu sparen wurde der Computer der Kommandokapsel direkt nach der Havarie bei Apollo 13 abgeschaltet. Erst vor dem Wiedereintritt wurde er reaktiviert, da er dann den Winkel im Wiedereintrittskorridor aktiv korrigierte um eine Punktlandung zu ermöglichen. Der Computer der Landefähre, der ja für Landung und Start wichtig war, wurde ebenfalls abgeschaltet, nachdem der Mond umrundet war und das einzige größere Manöver durchführt wurde. Den Rest der Daten für kleine Kurskorrekturen berechnete dann, wie gehabt, die Missionskontrolle auf der Erde.

3.10.2011: Ne, also wirklich ....

Ich weis, einige wollen schon nichts mehr davon hören, andere werden nun wieder sagen, ich betreibe "SpaceX-Bashung". Aber Leute, wenn ihr Fußball spielt, freie Schussbahn auf das Tor habt, der Torwart weit abwärts steht und jemand euch den Ball direkt vor den Fuß spielt, schießt ihr dann nicht auch? Diese Firma wirft ja nur so mit Steilvorlagen für Kritiker um sich.

Also: Dieses Jahr gibt es wahrscheinlich KEINEN einzigen Start. Trotzdem gibt es immer verrücktere Ankündigungen, von Schwelastraketen über Marsmissionen bis nun zu dem neuesten: der vollständig wiederverwendbaren Falcon 9. Dazu gibt es auch ein Video. Also was kann man davon ableiten? Die Falcon 9 Erststufe soll zuerst abgebremst durch drei, dann durch ein Triebwerk landen. Obwohl die Stufe sehr schlank ist und bei einer leeren Stufe schon ein Triebwerk einen zu hohen Schub hat, sind keine Stabilisierungstriebwerke vorgesehen.

Die zweite Stufe soll analog auf Stelzen landen, wobei die Firma meint mit einem kleinen Schild an der Nutzlastseite die Reibungshitze abfangen zu können. (Und dies obwohl durch das Triebwerk, der Schwerpunkt auf der anderen Seite liegen dürfte).

Tatsache ist: Bisher hat nicht einmal das Bergen der ersten Stufe mittels Fallschirmen bei mindestens 5 Versuchen geklappt und nach dem letzten Start wurde beim Wiedereintritt die Stufe regelrecht zerlegt. Das bedeutet, selbst wenn ich davon ausgehe, dass dieses Manöver klappt, die Struktur deutlich verstärkt werden muss. Sie wird also erheblich schwerer werden. Bei der zweiten Stufe sind die Belastungen noch höher und es kommt noch der Hitzeschutzschild dazu.

Das zweite ist, dass die Stufen noch Treibstoff benötigen. Auf dem Video sind keine Fallschirme erkennbar. Das bedeutet dass sie mit hoher Geschwindigkeit, typisch 1000 km/h also rund 300 m/s auf die Erde zurasen. Es wird muss diese Geschwindigkeit vernichtet werden. Dazu kommt noch Treibstoff um zu schweben oder weichzu landen. Wenn man 10 s dafür rechnet ist man bei 400 m/s Geschwindigkeitsbedarf, wofür man entsprechende Treibstoffvorräte vorsehen muss. Auch der Schub des Merlin 1D ist nicht beliebig reduzierbar. derzeit soll es 122 kklbf (543 kN) auf Meereshöhe entwickeln und auf 70% im Schub drosselbar sein. Da der Schub kleiner als g*Gewicht sein muss, wenn die Rakete nicht wieder in den Himmel abheben soll, wird die Stufe bei der Landung also >38 t wiegen. Nach anderen Angaben soll bei der derzeitigen Falcon 9 Heavy das Voll/Leergewichtsverhältnis von 30 vorliegen, was bei einer etwa 400 t schweren Stufe nur 13,3 t entspricht. Die Bergung macht sie also erheblich schwerer, Dazu kommt noch der Treibstoff der benötigt wird.

Noch schwieriger ist das bei der zweiten Stufe, die anders als im Video gezeigt, garantiert nicht mit dem Schub des Haupttriebwerks landen kann - sie ist viel zu leicht dafür. Die zweite Stufe benötigt zusätzlichen Treibstoff um auch noch den Orbit zu verlassen, etwa 200 m/s sind dazu nötig.

Das alles wird Nutzlast kosten. Rechnet man mit einer 50% höheren Stufenmasse bei der ersten und 100% höheren Masse bei der zweiten Stufe und setzt dann noch Treibstoffreserven für 400 bzw. 600 m/s Kurskorrekturen an, so reduziert dies die Nutzlast von 16 auf 9,2 t. (Persönliche Abschätzung des Autors, genaue Daten sind natürlich nicht verfügbar). Wenn, was wahrscheinlicher ist, wir erheblich höhere Lehrmassen haben, dann entsprechend weniger. Die Bergung der ersten Stufe kostet bei diesem obigem Szenario rund 2.600 kg Nutzlast, die der zweiten rund 4.200 kg Nutzlast. Natürlich ist das nur eine Schätzung von mir.

Allerdings kann man vergleichen: Die Kistler K-1 war auch völlig wiederverwendbar ausgelegt. Sie sollte bei 383,1 t Startmasse nur 4,6 t Nutzlast aufweisen und setzte dieselbe Treibstoffkombination wie die Falcon 9 ein. es ist daher anzunehmen, dass diese in etwa den gleichen Nutzlastanteil aufweist, was bei 480 t Startmasse rund 5,8 t sind - sogar noch weniger als meine Schätzung.

Immerhin gibt Elon Musk zu, dass es schwierig ist, aber dann verlässt ihn wie immer der Bezug zur Realität: "If it does work, it’ll be pretty huge,” Musk said. “If you look at the cost of a Falcon 9 ... it’s about $50 [million] to $60 million. So obviously, if we can reuse the rocket, say, a thousand times, then that would make the capital cost of the rocket for launch only about $50,000.”. Lieber Elon: alleine der Treibstoff, rund 450 t für deine Rakete wird rund 175.000 $ kosten, wenn Du keine Steuern zahlst und kein Sauerstoff verdampft und 1000 Flüge? Gab's da nicht mal ein System das auch so billig war und nur 100mal starten sollte? Ich bezweifele dass das Triebwerk dies durchhält. Normale nicht wiederverwendbare Triebwerke kann man etwa zehnmal verwenden, das Shuttle-SSME, das wiederverwendbar sein sollte 55-mal. Wie immer, Elon hat keine Ahnung von dem was er spricht. Und wenn das schon beim Chef so ist, wie muss es dann erst in den unteren Etagen aussehen....?

Mit jeder neuen Ankündigung nimmt mein Respekt vor SpaceX ab. Die Schere zwischen erreichtem und Ankündigungen nimmt immer weiter zu. Die Ankündigungen werden immer futuristischer oder technisch anspruchsvoller bzw. es kann bezweifelt werden ob sie technisch umsetzbar sind. Im Gegensatz dazu gibt es in 6 Jahre gerade mal 6 Flüge, nur einer war nicht ohne Probleme. Irgendwie erinnert mich das an die FDP - auch da vermisst man Taten, stattdessen gibt es laufend neue Ankündigungen und unpassende Kommentare.

4.10.2011: Jetzt habt ihr das Schlamassel

Der Start einer Ariane 5 vor knapp zwei Wochen wird der letzte in diesem Jahr sein, das eigentlich ja erst zu dreiviertel rum ist - genug Zeit bei bisher 5 Starts für einen oder zwei weitere. Warum Arianespace pausieren muss: Es gibt für die Hauptnutzlast keine passende Zweitnutzlast. Dies wird in den nächsten Jahren nicht das einzige mal sein, wie SpaceNews berichtet.

Seit es Ariane gibt, lebt sie von dem Transport von zwei Nutzlasten. Wenn diese schwerer werden, dann muss Ariane mitwachsen. Das führte zur Evolution der Ariane 1 zur Ariane 4 wobei sich die Nutzlast um über 100% erhöhte, und entsprechendes war und ist auch für die Ariane 5 geplant. Heute erreicht Ariane 5 über 10 t Nutzlast, als sie 1996 Indienst gestellt wurde, waren es noch 6,8 t.

Allerdings sollten es noch mehr Nutzlast sein, denn als die ESA 1999 das Ausbauprogramm der Ariane 5 beschloss, sah es neben Veränderungen an den Boostern und der Zentralstufe auch die Entwicklung von zwei neuen Oberstufen vor. Die ESC-A, welche aus der H10 der Ariane 5 entstand als Zwischenlösung und die Endlösung ESC-B mit dem neuen Triebwerk Vinci.

Als 2002 die Ariane 5 EC-A beim Jungfernflug scheiterte, benötigte man Gelder für eine erneute Qualifizierung und einen weiteren Testflug. Sie kamen aus den 700 Millionen Euro, die eigentlich für die Entwicklung der ESC-B vorgesehen waren, die nun beginnen wurde. Diese Entwicklung wurde eingefroren und sollte später wiederaufgenommen werden.

doch dazu kam es nie. Weder 2005 noch 2008 konnten sich die forschungs- und Technologieminister bei ihrem ESA Konzil für eine Neuauflage der Entwicklung erwärmen. Aus der Übergangslösung ESC-A ist eine Dauerlösung geworden. Doch nun reicht sie nicht mehr aus, um weiter Doppelstarts durchführen zu können, obwohl ihre Nutzlast durch Upgrades an den Boostern und der EPC von anfangs 9,2 auf 10,1 t gesteigert wurde.

Das die Entwicklung nicht wieder aufgenommen wurde, ist um so unverständlicher, weil im gleichen Zeitraum die europäische Industrie Subventionen bekam. Von 2005 bis 2006 960 Millionen Euro in fünf Jahren und nun in den letzten beiden Jahren weitere 240 Millionen Euro. Sie sollten Verluste bei der Vermarktung abfangen und die Produktion effizienter machen. Sie wären nicht nötig, wenn es die ESC-B schon gäbe. Sie soll bei gleichem Startkosten die Doppelstart-Nutzlast von 9,3 auf 10,7 t erhöhen. Bei dem Umsatz von Arianespace von 1 - 1,1 Milliarden Euro pro Jahr entspräche dies einem Gewinn von 150 - 165 Millionen Euro, wenn sich diese höhere Nutzlast adäquat durch höhere Preise vermarkten lässt. Alleine so wären also in den vergangenen sechs Jahren so etwa 900 Millionen Euro eingespart worden, wenn es die ESC-B schon gäbe, womit die 1999 auf 700 Millionen Euro geschätzte Entwicklung sich schon finanziert hätte. (Mittlerweile wird sie auf 1,5 Millionen Euro geschätzt, weitere 400-500 Millionen wurden schon ausgegeben).

Aber die ESA hat für andere Dinge durchaus Geld. So finanzierte sie den Startkomplex für die Sojus im CSG mit 220 Millionen Euro mit. Diese kann mit 3,2 t Nutzlast dann auch noch der Ariane 5 ESC-A ihre Zweitnutzlast abjagen. Derzeit wird überlegt, wie man sich an dem verlängerten ISS Betrieb beteiligen kann. Da sich die Anforderungen gewandelt haben, wird es drauf hinauslaufen das ATV neu zu entwickeln, was natürlich dann auch noch eine Stange Geld zusätzlich zu den benötigten neuen Transportern und den Aufwendungen für die ISS hinausläuft.

Der einzige Teil der europäischen Raumfahrt der auch Einnahmen generiert, wird dagegen nicht gefördert. Ich bin natürlich nicht weltfremd. 2002 gab es nach dem Ausfall der EC-A Variante sicher nicht den Wunsch nun eine neue Stufe zu entwickeln, die dann zur Verfügung steht wenn die ESC-A ihren zweiten Flug absolviert (geplante Indienststellung 2006/7). Doch als die Ariane 5 EC-A wieder auf Kurs war, hätte man die Entwicklung wieder aufnehmen sollen. Dann wäre die ESC-B 2009/10 zur Verfügung zu stehen.

Nun wird spätestens beim nächsten ESA Konzil (vielleicht 2012?) darüber entschieden werden. Die Folge: Vor 2018 wird sie nicht kommen und ich wage zu prognostizieren, dass bis dahin die europäische Industrie weitere Subventionen braucht.

Mann kann noch aus anderer Sicht nicht mit der Stufe zufrieden sein. Als sie projektiert wurde, ging die ESA von rund 24 t Treibstoff und einem Schub von 150 kN aus. Nun sind es 28 t Treibstoff und 180 kN. Doch die Nutzlast ist trotzdem nicht angestiegen. Anstatt 12 t sind nun nur noch 11,3 t anvisiert. Sie weist wie ihre Vorgängerin eine sehr hohe Trockenmasse auf. Es ist unverständlich, warum die ESA nicht darauf drängt, diese zu verringern um das noch 1999 anvisierte Ziel von 12 t zu erreichen, auch weil sonst bald die nächste Erweiterung absehbar ist. Möglichkeiten gibt es genug. Ersatz der nun schon recht betagten Legierung 2219 durch eine neue, die schon bei den Space Shuttle Tanks viel Gewicht einsparte, Druckstabilisierung um die Wandstärke zu verringern. Ein Vibrationsdämpfungssystem im Stufenadapter um die Oberstufe leichter fertigen zu können.

Doch stattdessen wird inzwischen schon offen über eine neue Rakete geredet, die nun nur noch Einzelstarts durchführen soll. Natürlich wird das alle Probleme lösen...

Testbericht ALDI Medion PC Akoya E4050 D (MD 8362)

Denn PC gab es am Donnerstag (29.9.2011) bei ALDI. Ich hatte meinem Bruder versprochen, ihm einen neuen zu kaufen und wollte eigentlich meinen Alten ihm geben, und mir selbst einen kaufen. Doch da der PC (auf den ersten Blick) genau das bot was ich von einem Office PC erwarte, habe ich da zugriffen.

Zuerst sieht alles toll aus: Der PC ist wirklich schick, er ist klein, aber doch ausbaubar, mit einer schicken Hochglanzoptik und oben auch gut beleuchtet (ob man das braucht ist Geschmackssache). Oben im Gehäuse gibt es einen "Datenhafen" für eine USB Platte die es auch im Angebot gibt. Es ist ein Standard USB-B Anschluss mit einer weiteren Buchse, offensichtlich für die Stromversorgung. Doch denke ich, passt auch eine normale USB Festplatte rein - solange sie schmal genug ist (12 cm - meine beiden externen Festplatten sind zu breit dafür). Es ist ein USB 3.0 Anschluss, sodass dies sicher für die Anwender eine Alternative ist, die keine interne Festplatte einbauen wollen. Allerdings müsste man die jetzt gleich dazu kaufen, denn ich bezweifele, dass es in einigen Monaten oder Jahren noch eine passende bei ALDI gibt.

Schon beim Anschließen fällt mir allerdings einiges auf: DVI Anschluss? Fehlanzeige. Dafür ein Standard-VGA Anschluss und ein HDMI Anschluss. Anstatt einem der beiden wäre mir ein DVI lieber gewesen, vorzugsweise anstatt dem VGA Anschluss. Das DVD-RW Laufwerk sitzt im Gehäuse verborgen hinter einer Blende. Wenn es einen Ein/Auswurfknopf hat, dann ist er dadurch verdeckt. Das Laufwerk kann man dann nur noch öffnen, wenn man im Explorer es anklickt und auf "Auswerfen" klickt. Einmal beim Booten eine CD-Einlegen? dafür braucht an eine verbogene Büroklammer um den Resetknopf in einem Loch auszulösen.  Leicht heran kommt man durch die erst zu öffnende Blende. Ansonsten gibt es Anschlüsse für Peripherie recht satt. Vorne zwei USB, oben der USB für die Platte und hinten 6 weitere USB Anschlüsse. Insgesamt 4 davon als USB 3.0.

Das BIOS ist sauber konfiguriert. Auch AHCI ist voreingestellt. Beim Start muss man F11 drücken um Windows zu installieren. Diese Recovery Funktion taucht aber leider bei jedem Start auf und ich hoffe nur, mein Bruder löst es nicht einmal aus versehen aus. Von der 1 TB Platte wurde eine 40 GB Partition abgezweigt für die Recovery Dateien. Was fehlt ist eine echte Windows 7 Installations-CD. Es gibt nur eine Recovery DVD und eine Applications DVD. Man bekommt zwar von Microsoft ein Windows 7 legal zum Download (auch wegen dem Anytime Upgrade) aber was so fehlt ist der richtige Windows Key. Es findet sich zwar eine Seriennummer auf einem Bepper bei "Erste Schritte", aber die bezieht sich wohl auf das Gerät, denn sie sieht völlig anders aus als die Windows Seriennummern die ich kenne aus Zahlen und Buchstaben, Also Windows 7 auf einer zweiten Partition als Alternative oder testweise parallel installieren oder die Lizenz bei einem anderen Rechner zu nutzen, wenn dieser in den Müll wandert oder für Linux genutzt wird, ist nicht so einfach möglich.

Nach der Installation geht es erst mal daran, alles unnötige zu entfernen. Es gibt bei jedem Konto Minianwendungen die ich nicht will (ebay, Uhr, zahlreiche ALDI Services) und vorinstalliert ist Kaspersky in einer Testversion, Office Starter (werbefinanziert), einen Versandlabelbeschrifter der Post und zahlreiche nationale Versionen des Microsoft Mesh ActiveX, bei der eine gereicht hätte. was ich drauf lies war Power2Go, ein Packet von Cyberlink als Vollversion und Microsoft live, auch weil mein Bruder da angemeldet ist. Es ging jedoch alles unkompliziert und nach einem Neustart konnte ich dann den Virenscanner und die Programme meines Vertrauens einspielen. Die Minianwendungen werden leider bei jedem Konto beim Einrichten neu angelegt und müssen da separat gelöscht werden.

Tastatur und Funkmaus habe ich nicht getestet, weil ich den Rechner nur zum Installieren da habe und da meine eigene Maus und Tastatur anschließe. Beim ersten Start fragt mich das System auch gleich, ob ich nicht einem Wlan beitreten will - auch das ist an Bord. Auch das habe ich dank normalem Switch nicht getestet. Komisch war nur, dass mein Wlan Router, der direkt neben dem Rechner steht nur mit 3 Balken angezeigt wird, genauso stark wie ein zweites Netzwerk, dass garantiert mindestens 20 m weiter entfernt sein muss, weil mein Router der einzige Wlanzugang in diesem Haus ist.

Beworben wird das System als "Multimedia" System. Das ist es garantiert nicht. Es ist eine beschleunigte Onboard Graphik, für die auch Treiber installiert sind. Damit kann man sicher HD Videos ruckelfrei anschauen. Aber aktuelle, §D-Spiele spielen geht damit sicher nicht. Ich hätte ihn eher als einen Office PC eingeordnet. Die Grafik schlugt 512 MB des Arbeitsspeichers, somit sind nur 3,5 GB verfügbar. Dank 64 Bit Version von Windows 7 kann man ihn jedoch erweitern.

Ob der 2,4 GHz AMD 3800 Prozessor so viel mehr Leistung als ein Zweikernprozessor bringt? Ich finde den PC verglichen mit meinem, während der Installation betriebenen Athlon 5050e PC (zwei Kerne, je 2,4 GHz) nicht viel schneller. Wenn, wie praktisch während des Tests immer gegeben nur ein Kern aktiv ist, so kann er nach dem Bios bis auf 2,7 GHz hochtakten.

Resümee: Es ist einer dieser typischen ALDI Rechner: Alles drauf, dafür mit Krücken bei anderen Punkten. Für 400 Euro gibt es 1 TB Platte, Vierkernprozessor, 4 GB RAM, viele USB 3.0 Anschlüsse, WLAN und den Datenhafen. wer kein WLAN und den Datenhafen benötigt und dem ein Zweikernprozessor ausreicht, der findet auch zu diesem oder einem leicht höheren Preis einen anderen PC, der leistungsmäßig vergleichbar ist. Für mich, da ich zwei Monitore betreibe und es gewohnt bin ab und an eine CD einzulegen ist der fehlende DVI Anschluss und die umständliche Prozedur beim Öffnen der Schublade (das Laufwerk ist ja durch die Klappe auch so nicht ohne Bücken zugänglich) wären die Nachteile zu gravierend. Zumal denke ich nervt die Recovermeldung bei jedem Starten und ich sehe sie eher als eine Einladung für Fehlbetätigungen, zumal bei meinem Rechner z.B. die Taste F11 für die Bootreihenfolge steht und dort eben für die Revovery Funktion ....

Für meinen Bruder als DAU-User ist er sicher ganz gut geeignet, auch weil er nicht so viel mit dem PC macht wie ich.


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