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Web Log Teil 250: 14.10.2011 - 15.10.2011

14.10.2011: Wer braucht die Vega?

Heute ist ein kleines Jubiläum. Ich schreibe die ganzen Blogbeiträge ja zuerst mit Expression Web als HTML Seite und konvertiere ihn erst dann in Wordpress. Da habe ich heute die Nummer 250 begonnen. Da ich etwa 6 Artikel pro Seite schreibe sind das über 1.500 Stück genauer gesagt ist es die Nummer 1534 an der ich gerade bin). Ich will mich heute mal mit der Vega auseinandersetzen.

Was auffällig ist, ist dass seit Jahren der Start immer etwa ein Jahr in der Zukunft liegt. Hier eine Tabelle aus meinem Buch "europäische Trägerraketen 2":

Datum

Jungfernflug geplant für ...

Startkosten

September 1998

Dezember 2002

10 Millionen $

Dezember 2000

Januar 2005

20 Millionen $

Mitte 2002

Ende 2005

20 Millionen $

März 2003

Juni 2006


Mai 2004

Mitte 2006

14,5 Millionen €

Juni 2005

September 2007

18,5 Millionen €

November 2005

Dezember 2007


September 2006

Ende 2007

20 Millionen €

April 2007

September 2009


August 2008

November 2009


Juni 2009

Oktober 2010

22 Millionen €

Februar 2010

Ende 2010


September 2010

Mitte 2011


Inzwischen ist von Anfang 2012 die Rede. Vor allem in den letzten Jahren gab es praktisch keine großen Fortschritte mehr, nachdem die Entwicklung der Stufen mit Testfeuerungen schon Mitte 2009 abgeschlossen wurde. Das bewog mich auch, nachdem ich fast ein Jahr mit der Fertigstellung des Buchs wartete um den Jungfernflug der Vega mitzunehmen, auch dieses letztes Jahr herauszubringen.

Die Vega geht zurück auf einen italienischen Vorschlag aus dem Jahr 1998, für das sich damals kein anderes ESA Land erwärmen konnte. Nach dreijährigen Verhandlungen inklusiver einiger Drohungen (wie dem Ausstieg aus dem Ariane 5 Weiterentwicklungsprogramm) bekam Italien auch Frankreich ins Boot und damit war der Hauptanteil der Finanzierung gesichert. Deutschland ist aber nicht an der Vega beteiligt. Schon als 2001 das Programm verabschiedet wurde war die positive Annahme Italiens, es gäbe viele kleine Nutzlasten nicht mehr gegeben. Nach einer kurzen Blüte brach dieser neue Markt Anfang des Jahrtausends ein. Darüber hinaus wurde die Vega laufend teurer. Trotzdem hätte man nicht so lange zögern brauchen, denn so hat die Vega schon zwei ESA Nutzlasten an die Rockot verloren.

Derzeit geht man nur noch von 1-2 Starts pro Jahr aus. Das ist auch ungefähr die Rate mit der ESA derzeit die Rockot, Dnepr und Kosmos bedient. Es steht nun außer Frage, das die Vega überflüssig ist. Es gibt in ihrer Klasse einige Träger wie Taurus XL, Rockot, Dnepr und Kosmos aber auch einige Modelle Chinas. Manche sind noch erheblich teurer wie die Taurus, die meisten preiswerter. Die Rechtfertigung ist daher wie bei anderen Trägern der autonome Zugang zum Weltraum. Auf der anderen Seite ist die Vega flexibler als jedes Konkurrenzmodell und es wurde für die Mission Lisa Pathfinder auch ein Propulsion Module entwickelt, dass eine Nutzlast auf Fluchtgeschwindigkeit bringt. Lisa Pathfinder wiegt 420 kg, mit Antriebsmodul 1.900 kg. Dies entspricht bei der maximalen Nutzlast der Vega einer Nutzlast von rund 500 bis 550 kg auf Fluchtgeschwindigkeit. Damit wären sogar kleine Raumsonden zu Mond, Mars und Venus möglich.

Das ein autonomer Zugang notwendig ist zeigt aber auch, dass die Preise für russiche Träger in den letzten Jahren deutlich angezogen sind und auch die Sojus ist nachdem Arianespace sie vom CSG aus starten will fast doppelt so teuer geworden. Das ist speziell der DLR ins Stammbuch zu schreiben, die weil Astrium LV an der Eurockot beteiligt ist sich nicht an der Vega beteiligen wollte - dafür darf sie nun doppelt so viel pro Start zahlen.

Was natürlich unumgänglich ist, ist das die europäischen Staaten zu ihr halten. Gerade Europa war bisher ein guter Kunde bei den Russen. Deutschland startete alleine in den letzten Jahren 5 SARLupe und zwei TerraSAR / Tandem-X Satelliten. Die ESA Cryosat 1+2, SMOS, GOCE. Weitere Programme mit Nutzlasten in dem Bereich den die Vega abdeckt (Sentinel) laufen an. Es wird also nicht der Run sein, aber eine ordentliche Auslastung, vergleichen mit US-Trägern ist möglich. Dort ist die Nachfrage so gering, das SpaceX seine Falcon 1e inzwischen beerdigt hat. Auch hier werden wir allerdings wahrscheinlich wieder dass Verfolgen nationaler Interessen sehen und die DLR wird weiter Astrium LV mit der Eurockot bevorzugen.

Die Frage ist ob man die Vega weiterentwickeln sollte. Wie immer bei einer neuen Rakete kommt die Industrie auf die Idee lange bevor sie fliegt sich schon weitere Aufträge zu sichern. Nur geht das nicht so gut. Studien der DLR für flüssige Oberstufen brachten kaum mehr Nutzlast, würden aber sicher sehr teuer in der Entwicklung werden. Das gleiche wird man wohl von dem italienischen Vorschlag der Lyra erwarten, Was sinnvoll erscheint, wäre eine leichte Verlängerung (100 anstatt 80 t Treibstoff in der ersten und 30 anstatt 23 t Treibstoff in der zweiten Stufe), doch noch sinnvoller halte ich es einfach die zweite Stufe als Booster für die erste Stufe einzusetzen. So was wurde auch studiert. Zwei Booster erhöhen die Normnutzlast um 720 kg, vier um 1380 kg, verdoppeln also diese. Der Vorteil ist, dass die Entwicklungskosten gering sind, und eine höhere Stückzahl resultiert. Das ist angesichts weniger Starts die einzige sinnvolle Option die ich sehe.

15.10.2011: Lasst Tatsachen sprechen

Da SpaceX schon die tausendmalige Wiederverwendung ihrer Falcon 9 plant und immer verrücktere Pläne für die Zukunft hat, hier mal eine kleine Erinnerung, was sie bisher bei ihren Starts erreicht haben.

24.3.2006: Falcon 1 erster Start

Fast unmittelbar nach dem Start brach ein Feuer im Heck der Rakete aus, das nach 25 Sekunden zu einem Druckverlust in den Leitungen führte. Dieses führte nach 29 Sekunden zum Abschalten der Triebwerke. Man vermutete zuerst, dass die thermische Isolation der ersten Stufe dafür verantwortlich ist. Es war auf den Startvideos zu sehen wie Sie von der Rakete abgetrennt wurde. Doch dies soll nach Elon Musk nicht die Ursache gewesen sein. Alle Systeme sollen nominal funktioniert haben bis das Feuer ausbrach.

Am 7.4.2006 gab Elon Musk eine erste Beurteilung des Fehlers heraus. Ursache war ein Techniker der am Tag vorher an der Avionik gearbeitet hatte und dabei eine kleine Kraftstoffleitung nicht wieder fest angezogen hatte, nachdem er sie entfernt hatte um an die Avionik zu kommen. Dies soll einem der Techniker mit der meisten Erfahrung passiert sein. 4 Minuten vor dem Start gab es schon ein Leck, das man hätte "entdecken können, wenn man auf den richtigen Datenstrom schaut". 25 Sekunden nach dem Start beschädigte das Feuer das Heliumdrucksystem. Als Folge sank der Tankdruck ab und das Merlin Triebwerk wurde automatisch abgeschaltet. Die Rakete schlug etwa 1 Kilometer vom Startplatz in einem Riff auf.

Elon Musk sprach von einem Teilerfolg. Eine weitere Untersuchung der ersten Stufe ergab dann als endgültige Ursache eine Korrosion der Verbindung zwischen den Tankleitungen, durch das Triebstoff austrat und sich entzündete. Warum der Druckverlust schon vor dem Start nicht bemerkt wurde (es gibt deit Jahrzehnten Computerprogramme welche jeden Parameter überwachen können und automatisch den Countdown abbrechen können) wurde nue erklärt.

20.3.2007: Falcon 1 zweiter, Start

Die erste Stufe arbeitete einwandfrei, ebenso klappte nach 3 Minuten die Abtrennung der ersten von der zweiten Stufe und die Zündung derer im Vakuum. Nach den Bildern der Kamera an Bord der Rakete hat die erste Stufe aber die zweite Stufe touchiert.

Nach 4 Minuten 10 Minuten sah man auf den Life Bildern einer Fernsehkamera an Bord der zweiten Stufe immer stärkere Oszillationen. Die Triebwerksdüse wurde schließlich unterschiedlich heiß und erhitzte sich. Diese Schwankungen der Rollachse waren es, die schließlich zum Verlust des Funkkontaktes führten. Schon vorher hatte ein Sicherheitsmechanismus das Kestrel Triebwerk abgeschaltet. Die Rollbewegung führt zu einem Ansammeln des Treibstoffs an der Tankaußenseite und damit zu einem Abreisen des Treibstoffflusses. Elon Musk sprach von einer 90% Qualifikation der Rakete in einer ersten Stellungnahme, korrigierte diesen Wert dann auf 95+% in der offiziellen Verlautbarung an die Presse nach oben. Die Nutzlast eine Falcon 1 wurde nun herunter korrigiert auf 1270 Pfund (576 kg). (Vorher 670 kg)

Auch klappte nicht die Bergung der ersten Stufe. Ein GPS Empfänger war defekt und man startete mit ihm und verließ sich auf Stroboskop Lampen und optische Signale von der Stufe. Als das Bergungsschiff am Zielort ankam war aber von der Stufe nichts zu finden. Einen genauen Aufschlagsort konnte man mangels GPS Empfänger nicht bestimmen.

Am 13.7.2007 veröffentlichte SpaceX eine Kurzfassung des Berichts an die DARPA. Die teilweise für den Ausfall verantwortlichen Fehler wurden verharmlosend "Anomalien" genannt: (Ein Ausdruck den SpaceX gerne benutzt).

Fassen wir zusammen: Ein in der Raketentechnik in jedem anderen Träger übliches System zum Verhindern von Treibstoffschwappen und den Folgen für die Instabilität eines Triebwerks wird erst eingebaut, wenn ein Fehlstart es notwendig macht. Besonders markiert habe ich den Absatz über die Stufentrennung. Daran zu erkennen ist, das man bewusst auf Retroraketen verzichtet, um die beiden Stufen auf Distanz zu bringen und eine abzubremsen oder eine zweite zu beschleunigen, wie jeder andere Träger, der weltweit verfügbar ist, dies tut. Stattdessen separiert man die Stufen mit Federn und hofft, das die zweite Stufe nicht aerodynamisch abgebremst wird oder die erste Stufe hat noch einen gewissen Restschub (wie er normal ist, bei einem 1000 °C heißen Triebwerk, bei dem die Treibstoffreste oder das Druckgas noch expandiert werden). Das ist Raketenbau nach dem "Prinzip Hoffnung" - Dies sollte sich noch bitter rächen....

3.8.2008: Falcon 1, dritter Start

Der Start der dritten Falcon 1 - diesmal erstmals mit dem Merlin 1C Triebwerk in der ersten Stufe - schlug am 3.8.2008 ebenfalls fehl. Die Stufentrennung versagte nach zweieinhalb Minuten Flug. Die Life Webcast Übertragung wurde auch wenige Sekunden vor der Stufentrennung abgebrochen. Ob dies technisch mit dem Ausfall in Zusammenhang steht, wurde nicht bekannt gegeben.

Drei Tage später gab es dann eine genauere Erläuterung des Verlustes: Die Stufentrennung klappte, doch die erste Stufe kollidierte dann durch den Restschub von etwa 1 % des Nominalschubs mit der zweiten. Die Stufentrennung erfolgte nach Musks Angaben zu schnell, 1.5 Sekunden nach dem Ausbrennen der ersten Stufe. Bei dem regenerativ gekühlten Merlin 1C wäre das zu kurz gewesen, während bei dem Ablativ gekühlten Merlin 1 es kein Problem sein. Das sei ein Designfehler der leicht zu korrigieren sei. Die Falcon, so erfuhr man bei dieser Gelegenheit verwendet keine Retroraketen welche die erste Stufe abbremsen (oder die zweite beschleunigen), sondern ein hydraulisches System. Dessen Fähigkeit einen Impuls zu übertragen ist natürlich geringer als eine kleinen Rakete, die daher bei anderen Trägern eingesetzt wird. (Zumindest allen die der Autor kennt).

Was Elon Musk verschweigt: Schon beim zweiten Flug kollidierte die zweite Stufe mit dem Stufenadapter. Das Problem ist so gesehen nicht so neu und damals ging man von einem geringeren Restschub des Merlin 1C aus. Keine der beiden Stufen konnte geborgen werden. Bei der zweiten war dies nicht vorgesehen und bei der ersten wurde durch die Flamme der zweiten Stufe, die in zu geringer Entfernung zündete, die Fallschirme am Heck der ersten Stufe zerstört. Darauffolgte eine Plasmaexplosion welche das Heck der zweiten Stufe zerstörte. Damit ist auch beim dritten Start die dritte Erststufe verloren gegangen. SpaceX korrigierte duie Nutzlast erneut nach unten auf 420 kg.

28,9,2008: Falcon 1, vierter Start

Nach 2 Monaten fand dann der vierte Testflug statt, nun mit einer reinen Satellitenattrappe aus 170 kg Aluminium. Am 28.9.2008 fand dann der eigentliche Start statt, der auch erfolgreich verlief, inklusive einer späteren Zirkularisierung der Bahn die anfangs in 328 x 650 km Höhe lag durch eine Wiederzündung der zweiten Stufe. Der Satellit erreicht dann eine nahezu kreisförmige Bahn von 644 km Höhe.

Zwei Anomalien gab es dennoch zu berichten. Das erste war eine zu geringe Leistung der Rakete, denn ein höherer Orbit war geplant (330 x 686 km Höhe) und zum zweiten, dass die erste Stufe erneut nicht geborgen werden konnte. Sie wurde offensichtlich beim Wiedereintritt zerstört. Eine eingehendere Vermessung der Bahn durch die Radar Antennen des US Verteidigungsministerium ergab eine endgültige Bahn von 621 x 643 km Höhe mit einer Bahnneigung von 9.3 Grad. Die zweite Stufe hat dagegen ihren Treibstoff von 3.900 kg (1.200 kg Kerosin und 2.700 kg LOX) vollständig verbraucht. Die Daten lassen nun erstmals eine Berechnung der maximalen Nutzlast zu. Ich erhalte eine Nutzlast von 349 kg bei der derzeitigen Konfiguration. Das ist noch von den 420 kg entfernt allerdings ist damit zu rechnen, dass diese Rakete wahrscheinlich über größere Reserven verfügte und zusätzliches Equipment installiert wurde um mehr Daten zu erhalten (die Kamera und die Sender wiegen z.B. auch einige Kilos extra).

Diese Daten wurden dann auch von SpaceX bestätigt: Die zweite Zündung diente nicht zum Zirkularisieren der Bahn (dies sei nur Zufall gewesen). Sinn war es den Treibstoff bis auf nicht nutzbare Reste in der Größenordnung von 45 kg zu verbrauchen um eine Performanceabschätzung zu machen. Vergleicht man nun aber die beförderte Nutzlast mit den Angaben von SpaceX in Diagrammen für diesen Orbit, so ergibt sich eine Differenz von -70 kg. Damit liegt die Nutzlast der Falcon 1 bei nur 350 kg.

14.7.2009: Falcon 1, fünfter Start

Nach einem Jahr fand der erste Start einer bezahlten Nutzlast statt. Dies war der mailayische Satellit Razaksat. Nach SpaceX Angaben verlief der Start erfolgreich in den vorgesehen kreisförmigen Orbit von 685 km Höhe. Wörtliches Zitat: "We nailed the orbit to well within target parameters...pretty much a bullseye.".

Eine Vermessung des NORAD ergab einen Orbit von 666 x 687 x 8.9°. Geplant waren: 685 km kreisförmig, 9,0 Grad. Vergleicht man dies mit den Vorgaben des Users Guide so resultiert folgende Tabelle:

Parameter Abweichung vierter Start Abweichung fünfter Start maximal nach Users Guide
Perigäum 2 km 19 km 5 km
Apogäum 36 km 2 km 15 km
Inklination 0,3 Grad 0,1 Grad 0,1 grad

Legt man die Daten des Users Guide zugrunde, die auch rechtlich bindend sind (als zugesicherte Eigenschaften der Rakete), so erreichte keiner der beiden letzten Starts den geplanten Orbit und diese müssen daher als Teilerfolge eingestuft werden.

14.7.2009: Falcon 9, erster Start

Die erste Stufe funktionierte nach den Videos einwandfrei, wenn mann davon absieht, dass sie direkt nach dem Start sich um 90 Grad innerhalb einer Sekunde drehte und so fast mit dem Startturm kollidierte. Beim Betrieb der zweiten Stufe waren zwei helle Stellen auf der Düse erkennbar, eventuell durch das Gasgeneratorgas verursacht, dass auf die Düsenverlängerung trifft und dort nachverbrennt. In der letzten Minute fing die Stufe dann auch stark an zu rollen und neigte sich der Erde zu. Brennschluss der zweiten Stufe soll nach 578 s gewesen sein. Nutzlast war ein Konus mit den Abmessungen der Dragonkapsel. Vermessungen der Luftwaffe ergaben einen 235 x 273 km Orbit mit 34,51 Grad Bahnneigung. Während die Bahnneigung korrekt ist, war der Orbit deutlich elliptischer als geplant. (250 km kreisförmig). Es ist mit Sicherheit nicht für Kunden akzeptabel, die einen Satelliten in einer stabilen räumlichen Ausrichtung und in einem bestimmten Orbit ausgesetzt haben wollen. Ursache soll ein durch die Hitze des Triebwerks beschädigter Regler gewesen sein. Auch die Wiederzündung der taumelnden Stufe nach einem halben Umlauf fiel aus und das Ablassen des Treibstoffs führte zu ringförmigen Abgaswolken, die in Australien UFO Alarm auslösten.

Das Rotieren direkt nach dem Start soll durch die Abgase der Gasgeneratoren und die zurückgeworfenen Gase der Triebwerke verursacht worden sein. Als gravierender stufte Ken Bowersox in einem Interview das Rollen der zweiten Stufe ein. Diesmal hätte es noch nicht das erreichen des Orbits beeinflusst, doch das könnte auch anders sein. Es könnte auch ein unerwünschter Orbit resultieren oder dass ein solcher nicht erreicht wird.

Bowersox bestätigte, dass die erste Stufe den Wiedereintritt nicht überstand. Das nicht nur das Fallschirmsystem versagte sondern die stufe in Stücke zerlegt wurde bevor sie überhaupt die dichtere Atmosphäre erreichte wäre an den Trümmern zu erkennen. SpaceX würde nun daran arbeiten bei den den nächsten Starts den Schutz zu verbessern und wenn dies auch nicht ausreicht würde man die Bergung aufgeben und das Fallschirmsystem weglassen.

8.12.2010: Falcon 9, zweiter Start

Im Vorfeld gab es Probleme bei dem statischen Test der neuen Triebwerke, der erst beim dritten Anlauf wegen abweichender Parameter bei zwei Triebwerken klappte. Bei der sich anschließenden Inspektion wurden dann zwei Risse an der Düsenverlängerung aus Niob bei der zweiten Stufe entdeckt. Anstatt dies und die Ursache genauer zu untersuchen wurde einfach der Teil entfernt. Die folgenden Düsen werden wahrscheinlich auch gekürzt werden, was Performance kosten könnte. Bei anderen Trägern schließt sich hier meist eine intensive Kontrolle der Fertigung an, da dies ja nur einer von mehreren versteckten Fehlern sein kann.

Beim Start fing eine Verbindungsleine Feuer und der Startturm wirkte danach auch etwas angeschmort. Ursache soll ein nicht geschlossenes Ventil auf der Seite des Startturms gewesen sein. Bei der Rakete waren alle Ventile geschlossen und sie konnte nicht Feuer fangen.

Das Presskit zum zweiten Flug lieferte einige neue Daten. Die Brennzeit der ersten Stufe war identisch zum ersten Flug und lag bei 178 s. Diese scheint konstant zu sein. Die zweite Stufe brannte deutlich länger: 351 s anstatt 332 s beim Jungfernflug. Dabei wurden spezifischer Impuls und Schub leicht nach unten korrigiert: 411 kN und 3295 m/s. Vorher waren es 420 kN und 3366 m/s. Nutzlast war die 5.200 kg schwere Dragon Kapsel ohne Nutzlast.

Auch diesmal sollte die erste Stufe geborgen werden. SpaceX schraubte die Erwartungen aber herunter. "Volle Wiederverwendung erfordert mehrere Versuche". Eventuell wäre man in einigen Jahren soweit eine erste Stufe zu bergen. Diesmal war das Wetter dran schuld, das nicht geborgen wurde. Die Bergungsflotte rückte diesmal nicht einmal aus.

Erreicht wurde ein Orbit von 288 × 301 km mit einer Inklination von 34,53 Grad. Geplant war ein kreisförmiger 300 km Orbit mit 34,50 Grad Inklination. Auch hier kann man die Daten mit denen des Users Guide vergleichen:

Parameter Abweichung erster Start Abweichung zweiter Start maximal nach Users Guide
Perigäum 15 km 12 km 10 km
Apogäum 23 km 1 km 10 km
Inklination 0,01 Grad 0,03 Grad 0,1 grad

Demnach erfüllen beide Orbits nicht die Anforderungen welche garantiert werden (wenn auch beim zweiten Flug nur knapp). Aufgrund des unvorhergesehenen Rotierens der zweiten Stufe beim Jungfernflug wäre eine kommerzielle Nutzlast verloren gewesen, da so nicht die Solarzellen beschienen werden und die Batterien bald nicht mehr ausgereicht hätten die Stromversorgung zu sichern. Aber alleine aufgrund der Vorkommnisse vor dem Start /Risse in der Düse, Brand der Leitungen des Startturms kann man den zweiten Flug nur als Teilerfolg ansehen.

Später wurde bekannt, dass eines der Merlin Triebwerke beim Herunterfahren einen "oxygen-rich Shutdown" hatte, der wie SpaceX selbst einräumt unter anderen Umständen die Turbine beschädigt haben könnte. Da es aber beim Herunterfahren war, bezeichnet es SpaceX nur als "Engine Anomalie". Ein Beratungspanel welche unabhängig von der NASA die sicherheit bei bemannten Raumfahrzeugen untersuchen soll und damit Unglücke wie bei Apollo 1 verhindern soll stufte den Vorfall wesentlich dramatischer ein:

""There was no explanation or root cause analysis or corrective action for this particular anomaly," Charles Daniel said during a public meeting last Friday in Washington D.C., according to Space News. "This is a relatively troublesome statement not to recognize that a premature engine shutdown was a significant event.". Dieses Gremium bekam die Informationen darüber erst im September 2010. Auch dann erst drang diese Information an die Öffentlichkeit. Die NASA hatte Kenntnis seit Mitte Dezember, aber als "Kunde" kein Recht diesen Vorfall publik zu machen. Einen unabhängigen Sachverständigen, der öffentlich mutmaßte, dass genau ein solcher Vorfall sich ereignet hatte, wurde von SpaceX im Juni 2010 verklagt. Der rechtstreit wurde im August beigelegt.

Zusammenfassung

Sieben Starts, dabei drei Fehlstarts, einen unbrauchbaren Orbit (gleichbedeutend bei kommerzieller Vermarktung mit einem Fehlstart) und drei Orbits mit gravierenden Abweichungen von den Sollangaben. Dies ist die Bilanz einer Firma, die viel verspricht und bislang wenig liefert. Was ebenfalls schwer wiegt ist das enorme Hochloben der Leistungen ("95+ Mission Success bei Flug 2, der keinen Orbit erreichte") und das Verschweigen von Fehlern und Problemen (Triebwerksausfall beim zweiten Start der Falcon 9, Bekanntgabe ob die Bergung klappte erst nach mehrfachen hartnäckigen Nachfragen von Journalisten). Bei anderen Firmen würden schon kleinere Vorkommnisse eine genaue Untersuchung nach sich ziehen. so gab es 2010 bei mehreren Countdowns der Ariane 5 Abbrüche wegen Probleme mit einem Heliumdruckventil. Dies führte zu einer Verschiebung aller Missionen und einem Audit der gesamten Produktion um das Problem einzukreisen. Wenn bei SpaceX die Düse Risse hat, wird sie dagegen einfach gekürzt...

Die Nutzlast nahm dabei bisher immer ab. Bei der Falcon 1 offiziell von 670 auf 420 kg. Nach Berechnungen des Autors über den verbliebenen Resttreibstoff (Brennzeiten der zweietn Stufe sind bekannt) sind es sogar nochmals 70 kg weniger. Bei der Falcon 9 ist nachdem die zweite Stufe erneut zündete um ihren Resttreibstoff zu verbrennen nur eine Abschätzung möglich, da deren Trockenmasse unbekannt ist. Je nach deren Trockenmasse liegt die Maximalnutzlast der Falcon 9 für diesen Orbit bei rund 7 t (zwischen 6,5 und 7,2 t, je nach Gewicht der Stufe, je leichter sie ist um so geringer). Auch hier gibt es Indizien, dass diese Unterperformance nicht geplant war: die zweite Stufe sollte eigentlich eine fluchtbahn erreichen, es resultierte aber nur ein Apogäum in 11.000 km Höhe - da fehlen noch rund 1.600 m/s für eine Fluchtbahn.


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