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Web Log Teil 258: 5.12.2011 - 16.12.2011

5.12.2011: Das Ende einer Ära

Am Samstag lief die letzte Wetten Dass Sendung mit Thomas Gottschalk. Es war die einzige Sendung, die mich noch so lange vor den Fernseher fesseln konnte. Man konnte sicher viel über die letzten Sendungen sagen. Die Gespräche wurden flacher. Mehr und mehr ging es um das Präsentieren von neuen Filmen oder CD's. Die verlorenen Wetten resultierten nicht mehr in wirklichen Herausforderungen für die Wettpaten.

Aber eines ist unumstritten: es war die letzte richtige Samstagabend-Unterhaltungsshow. Es gibt unter meinen Bloglesern ja etliche in meinem Alter. Die können sich sicher noch erinnern, dass früher die Samstagabendshow ein fester Bestandteil des Abends war. EWG, Das laufende Band, Auf Los gehts Los. Heute dominieren Casting Shows, Chart-Shows oder Quiz Shows. Die breite Unterhaltung ist ein Auslaufmodell und ich denke auch Wetten Dass war die letzte Sendung die erfolgreich war. Frank Elsner, von dem die Idee stammt hat ja auch später neue Shows ausgedacht, aber keine hat sich durchgesetzt.

Ich weiss nicht ob sich das Konzept überlebt hat oder es einfach die Quote ist, die zum Tod der teuren und aufwendigen Shows geführt hat. Gerüchteweise sollen ja auch andere Gründe als der Unfall des Kandidaten vor einem Jahr zum Rücktritt geführt haben und dieser nur als gute Ausrede fungieren. Und da wird die fallende Quote auch erwähnt.

Mal sehen wie es weitergeht. Ich befürchte egal welchen Nachfolger sie finden, die Quote wird weiter fallen und wahrscheinlich dann auch Wetten Dass wird abgesetzt. Thomas Gottschalk meinte Unterhaltung wäre wie Seifenblasen oder Muster im Sand, die bald vom Meer weggewaschen wird. Natürlich ist es etwas kurzweiliges und in einigen Wochen vielleicht in einigen tagen ist jede Show vergessen. Aber ich habe auch was anderes gehört: Unterhaltung ist wie Sahnetorten. Man kann ohne Sahnetorten leben, aber es fehlt einem was. Das gleiche gilt wenn gute Unterhaltung durch austauschbare Billigformate ersetzt wird. Und das findet seit Jahren immer mehr statt.

Nun soll Gottschalk ja bei der ARD was neues machen. Ob es gelingt? Ich bin skeptisch. Er hat ja schon mal Wetten Dass verlassen und bei RTL was moderiert, was heute schon wieder vergessen ist. Er ist nun mal nicht der Quizmaster oder der Mensch für tiefgehende Talkshows, warum so viele den Weggang bedauern ist ja dass diese seichte Paluderei irgendwie in das Format reinpasste.

Manchmal gibt es noch kleine Wunder. So hat die ARD ihren Vorabend wiederbelebt. Von Montag bis Donnerstag kommen nun Krimis mit Lokalcolerit, also Krimis in denen es weniger um die Aufklärung geht als um die Geschichten rund um die Figuren, so wie das inzwischen ja schon fast normal ist. Was mich stört ist eigentlich nur, dass es nur noch Krimis sind. Das scheint ja das einzige zu sein, was heute an "nicht-Daily" Serien noch produziert wird. Auch ein Opfer des "neuen" Fernsehens: die klassische Familienserie die wöchentlich lief.

Das zweite was mir auffällt ist die Werbung. Zum einen bestätigt sich die Einschätzung von mir, dass die Qualität unserer Straßen immer schlechter wird. Warum sonst nimmt diese Carglass Werbung so zu? Früher kam sie nur im Radio, nun wird man im Fernsehen fast dauernd davon berieselt. Das lohnt sich nur wenn es genügend kaputte Scheiben zu reparieren gibt,

Das zwite ist Werbung mit fremden Akzent. Ikea macht das ja seit Jahren und da passt es irgendwie auch mit der Betonung auf Vergünstigungen wegen Festen die es nur in Schweden gibt wie Midsommer. Nun gibt es diese Werbung von Dyson für ihren teuren Staubsauger. Solange da noch der Erfinder auftrat war der amerikanische Akzent okay, aber nun liest eine Frauenstimme das vor und kürzlich habe ich noch eine andere Werbung mit US-Akzent gehört, weiss jetzt aber nicht mehr wofür. Ich stehe dem sehr skeptisch gegenüber. Vor allem wenn es um ein technisches Gerät wie Staubsauger geht. Der wesentliche Unterschied zwischen IKEA und Dyson ist der, dass IKEA Sachen zum Selbstzusammenbauen verkauft oder Gegenstände die nichts große mit Technik zu tun haben wie Dekogegenstände. Dyson verkauft Staubsauger. Da frage ich mich: Wenn sie schon für die Werbung, die ja besser als das Produkt ist nur jemand finden der Deutsch mit Akzent spricht. Was passiert dann wenn ich ein Problem mit dem Staubsauger habe. Einen Garantiefall z.B.? Muss ich es dann in die USA schicken, mich mit nicht deutschsprechenden Hotlines auseinandersetzen? Es hat schon Gründe warum früher Kalkofe diese nur schlecht synchronisierten US-Werbespots in Shopping Sendern auf die Schippe genommen hat.

Wenn man Wert legen will, dass das Produkt aus Deutschland stammt, dann kann man es anders machen, so wie bei diesem Spot von Volkswagen in den USA:

 

Der Unterschied zu Dyson? Der ganze Spot ist auf US-Amerikaner zugeschnitten, auch der Moderator ist kein Deutscher sondern US-Schauspieler, der sich nur einen deutschen Akzent zugelegt hat. Es gibt übrigens noch mehr von der Sorte. Einfach mal bei Youtube nach Unpimp my Auto suchen.

12.12.2011: Was bleibt übrig?

Ich will mich heute mal mit der geplanten Wiederverwendung der Falcon 9 beschäftigen. Das ganze ist recht schwierig, vor allem weil es nur ein Video gibt, aber keine Daten. Ich will versuchen trotzdem eine ungefähre Hausnummer, also einen Erfahrungswert gewinnen. Als Ausgangsbasis muss die derzeitige Falcon 9 dienen, von der folgendes bekannt ist:

Die Daten sind nicht schlüssig, da bei den ersten Flügen die Startmasse und Nutzlast deutlich kleiner ist, die Maximalnutzlast also nicht erreicht wird. Ich habe daher für eine vollgetankte Falcon 9 folgende Daten postuliert, basierend auf den bekannten Tankvolumina.

 

  Vollmasse Leermasse spezifischer Impuls
Stufe 1 261500 kg 15.000 kg 2980 m/s
Stufe 2 48.800 kg 3.000 kg 3355 m/s
Nutzlast: 9.800 kg    
Nutzlastverkleidung: 1.500 kg    

Für diese Rakete ist eine Endgeschwindigkeit von 9438 m/s für die Nutzlast von 9.800 kg errechenbar (die Nutzlastverkleidung soll nach dem Betrieb der ersten Stufe abgeworfen werden). Dies soll auch die wiederverwendbare Rakete erreichen.

Nun zu den bisherigen Versuchen Stufen zu bergen. Sie scheiterten alle. Sowohl bei der Falcon 1 wie 9. Beim Jungfernflug der Falcon 9 kam nur ein Trümmerfeld an, beim zweiten Flug dieser Rakete wurde es gar nicht erst probiert und eingeräumt man wäre noch Jahre von der Wiederverwendung der ersten Stufe entfernt und würde dies erstmal aussetzen um die Nutzlast zu erhöhen. Die zweite Stufe die auch geborgen werden sollte, wurde bisher nie geborgen. Warum man nun eine viel aufwendigere Methode angeht ist mir ein Rätsel, wenn man nicht mal die Hausaufgaben geschafft hat, die man für die einfachere Lösung lösen muss.

Das Trümmerfeld zeigt, das die erste Stufe den Wiedereintritt strukturell nicht überstanden hat. Sie muss also verstärkt werden. Damit wird sie schwerer. Doch um wie viel? Mir fallen zwei Träger ein, bei denen man es untersucht hat. Das eine ist die Ariane 1 Erststufe. Es kam hier nie zu einer Bergung, doch man hat es intensiv untersucht. Das "Aus" kam nach Untersuchungen in DLR-Windtunneln. Es stellte sich heraus, dass die Stufe durch ihren Schwerpunkt nahe der Triebwerke zum Überschlagen neigt, was zum verheddern in den Fallschirmen führen könnte. Auch die Erststufe der Falcon 9 soll "Purzelbäume" geschlagen haben, nur reicht ihre Integrität nicht aus, um diese zu überstehen.

Die Ariane 1 Erststufe wog 160,7 t befüllt, 14,1 t leer. Sie bestand aus Edelstrahl und nicht Aluminium wie die Falcon, was auch der thermischen Stabilität nicht abträglich war. Würde man die Falcon 9 Erststufe strukturell so verstärken, dass sie dasselbe Voll/Leermasseverhältnis aufweist, so würde sie 23,7 t wiegen, also 60% höher als bisher.

Das zweite Modell ist die Baikal. Sie setzt zudem dieselben Treibstoffe ein, ist daher also eher vergleichbar. Die Baikal wird aber mit einem Düsentriebwerk zum Startplatz zurückfliegen. Dagegen soll die Falcon 9 Erststufe dazu ihren eigenen Treibstoff nutzen, was per se ineffizienter ist - das Düsentriebwerk nutzt den Luftsauerstoff zur Verbrennung, dazu noch die Umgebungsluft als Arbeitsmedium, dass mit erhitzt wird.  Ein Turbofan Triebwerk erreicht einen spezifischen Impuls, wenn man es auf den Treibstoff bezieht, von 29.000 m/s, also zehnmal mehr als ein Raketentriebwerk. Weiterhin verfügt es über Flügel welche Auftrieb liefern und so den Treibstoffverbrauch senken.

Die Baikal soll trocken 20,7 t, die URM der Angara, also die nicht wiederverwendbare Version dagegen nur 10,5 t. Sie ist also doppelt so schwer wie ihre nicht wiederverwendbare Version.

Dafür ist es ein "Komplettpaket", dass zur Basis zurückfliegen kann. Ansonsten muss man noch den Treibstoff rechnen, den man dafür braucht. Hier gibt es überhaupt keine Erfahrungswerte. Bei Ariane 1 war eine Wasserung im Atlantik geplant. Die Baikal würde mit einem Düsentriebwerk zurückfliegen. Wie die weg vom Startplatz gerichtete Bewegung umgedreht werden kann, ohne viel Treibstoff zu verbrauchen und ohne aerodynamische Hilfe wie Flügel, ist mir ein Rätsel. Was man aber in jedem Fall benötigt, ist Treibstoff um die Fallbewegung zu neutralisieren, die Lage zu kontrollieren und für eine kurze Schwebephase und zum Navigieren. Nimmt man dafür 500 m/s an und den spezifischen Impuls am Boden, so benötigt man 21% der Trockenmasse dafür. Das käme zur strukturellen Verstärkung hinzu, womit diese dann schon ohne Düsentreibwerk fast das Voll/Leermasseverhältnis der Baikal erreicht.

Nimmt man also eine Strukturelle Verstärkung um 60% und die Treibstoffreserve von 21% der Startmasse an, so resultiert eine Abtrennungsmasse von 27,15 t anstatt 15 t. Alleine dies würde die Nutzlast von 9800 auf 8400 kg erniedrigen. Wäre die Stufe doppelt so schwer, so wie dies bei der Baikal der Fall ist, so sinkt die Nutzlast auf 8100 kg.

Die zweite Stufe werde ich mir übermorgen vornehmen. Daher an dieser Stelle nur noch eine Betrachtung des Nutzens. Da es praktisch keine Erfahrungswerte gibt wie die Stufe, vor allem großflächige Strukturen wie Tanks den Wiedereintritt überstehen (Haarrisse, thermische Schäden?) wird man sich auf die Triebwerke beschränken. Normal ist, dass ein Triebwerk eine höhere Lebensdauer hat, als die maximale Brenndauer. Bei Triebwerken die bemannte Missionen absolvieren, wie das F-1, J-1, Vulcain und NK-33 lag die theoretische Lebensdauer bei mindestens der 10 fachen Betriebsdauer. Bei unbemannten Trägern ist sie auch höher, aber nur selten bekannt. Eine Ausnahme ist das RL-10, dessen Lebensdauer das fünffache der Betriebsdauer beträgt.

Trifft dies auf die Merlin auch zu, dann kann jedes Triebwerk nur zweimal verwendet werden, da jede Stufe eine Testzündung vor dem Start durchläuft, also schon zwei Betriebsdauern vor dem Start. Ob sich dann noch die Wiederverwendung lohnt? Bei der zehnfachen Betriebsdauer wären es vier Einsätze (man wird nicht bis zum äußersten gehen und es kommen ja noch die Statischen Zündungen beim Probecountdown dazu). Insgesamt erscheint es allerdings bei der ersten Stufe noch am verlockendsten. Sie setzt 9/10 aller Triebwerke ein und der Nutzlastverlust ist gering.

Um Diskussionen vorzubeugen: Das ist hier nur ein Aspekt. Es gäbe sehr viel mehr zu diskutieren, z.B. das Konzept der Punktlandung mit einem aerodynamisch nicht steuerbaren Körper (hat man mit aerodynamisch geformten Kapseln z.B. nie hinbekommen und das mit Jahrzehnten Erfahrung), die ungleiche Belastung durch die nicht aerodynamische Form, das Problem des stärk auf die Triebwerksseite verschobenen Schwerpunkts und und und. Doch zum einen liegt das außerhalb meiner Kompetenz und zum anderen ist es noch schwerer zu quantisieren und wir wollen ja nicht das gleiche wie SpaceX machen, also ins Blaue stochern ohne Daten vorzulegen....

14.12.2011: Was bleibt übrig, Teil 2

Ich setzte nun den Blog von vorgestern fort. Gehen wir heute an die zweite Stufe der Falcon 9. Was sind hier die Herausforderungen. Nun offensichtlich ist, das die thermische Belastung höher ist. Die Stufe tritt mit der fünffachen Energie der ersten in die Atmosphäre ein. Es ist hier zwingend ein Hitzeschutzschild nötig und selbst dann sind die Verzögerungswerte höher. Nimmt man an, dass die 6,15 m lange Tanklänge mit dem Hitzeschutzschildmaterial PICA begleitet ist und nimmt man die bekannte Dichte vom MSL an, so erhöht dies die Masse um 364 kg.

Dazu kommt noch die nötige strukturelle Verstärkung. Da schon die erste Stufe um 60% schwerer als eine nicht bergungsfähige ist, ist es sicher nicht falsch hier die doppelte Leermasse anzunehmen.

Bleibt noch die Frage des Treibstoffs. Dies ist nun höchst variabel. In einem niedrigen Orbit bis zur Höhe der ISS reichen 100 m/s aus um die Stufe soweit abzubremsen, dass sie in die Atmosphäre eintritt. Das nimmt gravierend zu, wenn die Bahn höher wird. In 800 km Höhe sind es schon 200 m/s. Das ist die typische Höhe von sonnensynchronen Satelliten. Es setzt ein negativer Feedbackkreislauf ein: Für höhere Umlaufbahnen sinkt die Nutzlast wegen der höheren Energie ab, gleichzeitig ist die Treibstoffreserve höher, was ebenfalls von der Nutzlast abgeht.

Bei GTO Bahnen ist die Situation zwar energetisch einfach (es wird nicht mehr Treibstoff benötigt als in einer niedrigen Umlaufbahn), doch selbst wenn man sofort nach der Abtrennung der Nutzlast abbremst, durchläuft man einen ganzen Orbit. Während dieser Zeit muss die Stufe aktiv bleiben und stabilisiert bleiben. Das bedeutet weiteren Treibstoff und größere Batterien.

Dafür benötigt man weniger Treibstoff für das Umdrehen der Bahn wie dies bei der ersten Stufe nötig ist. So nehme ich an, dass dieselbe Treibstoffreserve von 500 m/s für die häufigsten Flüge, zur ISS nötig ist. Das erhöht die Masse zu Brennschluss von 3 auf 7,26 t.

Die Folgen sind gravierend. Die Nutzlast sinkt um 4 t auf 3,9 t ab. Der Einbruch ist bei anderen Bahnen noch gravierender. Bei der ISS Transferbahn sind es nur noch 2,8 t (ohne Wiederverwendung: 8,56 t) und in GTO Bahnen gelangt gar keine Nutzlast mehr.

Was durch einfache Überlegung schon offensichtlich ist (die Trockenmasse der Oberstufe muss zur Nutzlast gezählt werden - steigt diese an, so sinkt die Nutzlast im gleichen Maße ab). ist rechnerisch leicht beweisbar. Es macht - und das zeigt dass die SpaceX Videos nichts weiter als P&R sind - es macht keinen Sinn die zweite Stufe zu bergen, selbst wenn man sie zu 100% wiederverwenden könnte. Sie enthält nur eines von zehn Triebwerken, nur ein Achtel des Treibstoffs. Für diesen kleinen finanziellen Gewinn bei der Wiederverwendung halbiert man die Nutzlast für erdnahe Orbits, bzw. GTO Bahnen also das Brot- und Butter Geschäft ist dann gar nicht mehr erreichbar. Das ist so unsinnig wie Geld zum Heizen von Öfen zu benutzen....

10.12.2011: Neid

Jeden Tag schaue ich mal ins Wordpress Dashboard um zu sehen wie der Blog besucht wird und da findet man dann auch eingehende Links. Neben den Suchmaschinen die das meiste stellen werden es immer mehr von Foren. Viele aus dem Bereich Mystery und Verschwörungstheorien, nun auch mehr aus dem Bereich Ernährung und welche wo ich mich frag wie der Link überhaupt zustande kam. Ich gehe dem dann immer nach um festzustellen worum es sich handelt. Bei einem kann ich mir schon denken was ich zu lesen bekomme. In diesem Board finde ich fast immer in Zusammenhang mit mir Herabwürdigungen wie "zweitklassiger Schreiberling" oder "dem trau ich nicht weiter als ich werfen kann" oder es wird allgemein auf Fehler verweisen, die aber nie genannt wird.

Das sich die Leute von dort auch im Blog in die Diskussion einmischen ist die Ausnahme, Mails über entdeckte Fehler habe ich auch noch nie bekommen. Man könnte sie ja sonst korrigieren und der Grund zum Meckern fiel weg. Da es ja offensichtlich nicht um eine Auseinandersetzung geht, muss es nicht um die Sache gehen und das leitet mich über zu meinem heutigen Blogeintrag: Neid und Missgunst als Antriebskraft des Menschen. Die Frage ist - warum sind wir neidisch, missgünstig und ist das immer von Nachteil.

De Fakto sind alle neidisch. Ein Aspekt ist sicher, dass jeder irgendwie erfolgreich sein will. Beruflich oder nur monetär oder in einem bestimmten Bereich. Man möchte beliebt sein, aktraktiv  oder respektiert. Doch jeder wird damit konfrontiert, dass andere besser sind. Meiner Ansicht nach ist das die Ursache für Neid, Missgunst und andere Gefühle dieser Art. Das geht in der Schule los, wenn die, die gut sind "Streber" sind. Das ist ja viel einfacher als selbst Zeit zu investieren und zu lernen, damit die Noten besser werden.

Gestern kam eine Sendung über Mobbing in der Schule, das nun durch das Internet eine neue Dimension gewonnen hat. Ich weis nicht, ob dies direkt dazu gehört, aber Neid gehört sicher mit dazu. Die drei Schüler die gezeigt wurden, hatten zumindest eines gemeinsam. Man konnte wegen eines Punktes auf sie neidisch sein. Die beiden Mädchen waren sehr attraktiv und der Junge so intelligent, dass er eine Klasse überspringen konnte.

Das geht dann weiter und erreicht gesellschaftliche Züge, die man ja auch in den Kommentaren im Blog sieht. Ein Teil der Gesellschaft sagt, dass die Reichen viel zu viel Geld haben und mehr an den Staat abführen sollen. Dieser Teil weist dann darauf hin, dass 20% der Bevölkerung 80% der Steuern zahlen, und die Hälfte gar keine, also praktisch von dem Geld der anderen 50% leben, oder besser gesagt zu 80% von ihrem Geld. Und seltsamerweise kennt auch jeder jemand persönlich, der das soziale System ausnützt obwohl er selbst für seinen Unterhalt sorgen könnte.

Interessant ist, dass der Neid relativ groß ist, wenn jemand durch eigene Arbeit erfolgreich ist, weitaus weniger, wenn jemand Glück hat, wie z.B. wenn jemand im Lotto gewinnt. Das ist eigentlich unverständlich, denn anders als der Erfolg durch Arbeiten, Lernen, Studieren, kurzum anstrengenden Tätigkeiten ist dieser ja völlig unverdient. Aber vielleicht ist gerade auch das der Schlüssel: er könnte ja einen selbst genauso treffen und man spart sich den anstrengenden Teil. Auch dazu passt, das ich noch nie davon gehört habe, das Leute besonders neidisch auf Fußballspieler sind, die in der Woche gerade mal 90 Minuten lang einen Ball herumschubsen und in den Interviews danach keine drei Sätze in einwandfreiem Deutsch hin bekommen, aber alle auf die Manager schimpfen die für ihre Kohle eine 60 Stundenwoche haben.

Nun gab es ja mal ein Experiment in Deutschland, bei dem man das genauestens untersucht hat. Es nannte sich DDR. Die Idee: wenn man alle gleich bezahlt, egal wie viel sie arbeiten, dann gibt es keinen Neid. Den gab es trotzdem, weil die die mehr arbeiteten herausgestellt wurden und man befürchtete sie würden dazu führen, dass die "Normen" für die anderen anheben. In der Praxis lief es darauf hinaus, dass die die der Meinung waren sie würden mehr tun als der Rest und die nicht zufrieden waren dafür nur durchschnittlich entlohnt zu werden, bzw., keine Aufstiegsmöglichkeiten sahen, sich aus dem Land verkrümelten. Vor allem zeigt sich ein anderes Phänomen: wenn man nicht arbeiten muss um sein Auskommen zu haben, dann tun das auch die meisten nicht und die Produktivität sank rapide ab.

Die Führung versuchte gegenzusteuern, indem sie immaterielle Entlohnungen einführte. Jenseits von Geld gibt es ja genügend andere Motivationen, wie Ruhm, Anerkennung, Akzeptanz, Promi-Status. Ich habe mal eine Sendung über die DDR und ihre Orden gesehen, da kam auch ein Sammler vor, der wirklich jeden Orden sammelt und er hat schon zehntausendste: Nirgendwo in der Welt gab es so viele Orden, Auszeichnungen, Titel wie in der DDR. Geholfen hat es nicht, denn dadurch dass sie sich inflationär vermehrten, waren sie auch nichts mehr wert. Das ist eben das Problem bei Ideologien. Sie versuchen alle Menschen über einen Kamm zu scheren. Doch alle Menschen sind nicht gleich und sie haben unterschiedliche Motive.

16.12.2011: Zeit für einen Neuanfang

Nachdem Phobos Grunt nun gescheitert ist, kann man sicher viel sagen. In Foren wird viel über die Ursachen und Folgen diskutiert. Michael Khan, Missionsanalytiker bei der ESA hat einen (fiktiven?) Brief an Medwedew geschrieben. Ich muss sagen, mich hat es nicht so sehr überrascht. Es gab zum einen schon Anzeichen, als 2009 wenige Wochen vor dem Start dieser um zwei Jahre verschoben wurde und die Verschiebensgründe eher solche waren, die viel früher schon zu diesem Akt hätten führen müssen. Zudem war die gesamte Mission extrem anspruchsvoll. Für das Ziel, das im wesentlichen ja vergleichbar mit der Bodenprobengewinnung von Mars vergleichbar ist, (zumindest was den logistischen Aufwand angeht), ist das Budget von 124 Millionen Euro ein Witz. Die NASA will das seit 10 Jahren machen und verschiebt es immer weiter, auch weil die Kosten auf 8,5 Milliarden Dollar geschätzt werden.

Aber sehen wir mal über Phobos Grunt hinaus und betrachten das gesamte planetare Programm Russlands. Zum Mars starteten 19 Sonden. Keine einzige konnte als Erfolg verbucht werden. Beim Mond gelang zwar die Bergung von drei Bodenproben. Aber mehr Missionen scheiterten und diese Missionen waren recht einfach gestrickt: In der Mitte der Landestufe saß die Rückstartstufe, an ihrer Seite ein Bohrer der senkrecht nach unten bohrt, den Bohrkern aufrollt, in die Kapsel bringt und dann startet das ganze zurück zur Erde - einfach automatisiert, nicht selektiv und nicht gerade ein technisches Glanzstück, eher ein mechanisches.

Aufsehen erregten die Lunochods, doch diese wurden von der Erde  gesteuert - auch hier kein Sieg von intelligenter Technik. Fernsteuerungen gibt es auch bei Modellautos. Die anderen Mondsonden können einen auch nicht vom Hocker reisen. Luna 9 landete erst nach fünf Fehlversuchen, dazu kamen noch weitere Fehlstarts. verglichen mit den wenige Monate später gelandeten Surveyors war die Sonde primitiv und hatte nur eine kurze Betriebszeit. Und die Surveyors brauchten nicht 6 Versuche bis zur ersten geglückten Landung.

Wo Russland Erfolge aufweisen kann, ist die Venus. Die Bedingungen dort sind so harsch, dass intelligente Technik wenig nützt, wenn man nur wenig Zeit zur Verfügung hat. Hier war das Abspulen von Programmen nicht von Nachteil. Daneben muss man sich nicht mit versagenden Triebwerken, die zum Aufschlag führen, herumärgern. Im Gegenteil: Russland musste erst lernen, dass sie besser nach einigen Kilometern den Fallschirm abwerfen, um schnell genug den Boden zu erreichen. Trotzdem ging auch einiges schief. Venera 11+12 lieferten keine Bilder weil die Kameradeckel sich nicht ablösten. Da es kein US-Programm für die Landung gab, sind leider die Ergebnisse nicht zu vergleichen. Das ist aber bei den Orbitern möglich und vergleicht man die Venera 9+10 Aufnahmen mit denen von Mariner 10 und die groben Radarstreifen von Venera 15+16 mit denen von Magellan, so wird der qualitative Unterschied deutlich.

Nun ist das alles Jahrzehnte her. Kann man es auf die heutige russische Raumfahrtindustrie übertragen? Ich denke schon. Denn nach zwei Jahrzehnten ohne bedeutende wissenschaftliche Nutzlasten, sowohl was Satelliten wie Raumsonden angeht, nach einem Exodus der Jungen in den Westen und der baldigen Pensionierung der Alten kann man mit Fug und Recht sagen, das Russland vor einem Neuanfang steht. Das dem so ist, zeigen auch andere Dinge. Schon die Modernisierung des Sojus Raumschiffs führte zu Landungen die recht hart waren und weit vom Zielgebiet entfernt. Das gleiche gilt für die Proton: 90% Zuverlässigkeit für ein eingeführtes Modell, nur mit einer neuen Oberstufe ist schlecht und noch schlimmer: die Quote wird nicht besser: alle 1-2 Jahre gibt es einen Fehlstart. Es scheint praktisch nur das zu funktionieren, was seit Jahrzehnten unverändert produziert wird.

Was würde ich Russland raten? Fangt klein an. Eure Raumsonden hatten bisher nur eine schlechte Zuverlässigkeit und kurze Lebensdauern. Die ESA und NASA haben gezeigt, dass sie es besser können. Auf der anderen Seite hat Russland sehr leistungsstarke Trägerraketen. Warum kombiniert man es nicht? Russland stellt die Trägerrakete und darf im Gegenzug einige Instrumente stellen. ESA/NASA die Raumsonden die dadurch viel größer und leistungsfähiger sein können. Wenn dies klappt, dann als nächsten Schritt vielleicht gemeinsame Missionen mit gemeinsam gebauten Raumsonden und Experimenten. Dabei zuerst einmal kleine Ziele: bei Mars also ein Orbiter oder einfacher Lander. Später dann aufwendigere Missionen wie Rover oder Penetratoren und wenn ihr das Know How habt, kann man dann gemeinsam oder ihr geht alleine an noch komplexere heran wie eben Phobos Grunt. Bei dieser bleibt ein fader Beigeschmack: gilt es immer noch den Kapitalismus zu schlagen? Es gäbe ja zig mögliche Marsmissionen. Warum hat man sich etwas vorgenommen, was eine Erstleistung darstellt und eine Nummer größer ist als das was andere Nationen geleistet haben? Der Verdacht kommt auf, wenn man dieses Dokument ansieht, dass 11 Planetensonden in 10 Jahren vorhersieht - von Merkur bis Jupiter ist alles dabei, inklusive Bodenprobengewinnung von Mond und Mars. Alle Missionen sind Erstleistungen oder anspruchsvoller als das, was bisher andere Nationen geleistet haben - große Sprünge angesichts der bisherigen Bilanz.

Das eine Kompetenz in einem Gebiet der Raumfahrt nicht notwendigerweise Erfolg in anderen bedingt zeigt Japan: Sie können unbemannte Transporter, Satelliten (wissenschaftliche und Anwendungssatelliten) und Raketen bauen, aber ihre Raumsonden waren bisher eher weniger erfolgreich. Dabei gab es dort keinen Bruch wie in Russland. Es scheint aber so zu sein, als würde Russland hinzulernen: Sie will die Exomars Mission als vollwertiger Partner beitreten.


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