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Web Log Teil 267: 6.3.2012 - 12.3.2012

6.3.2012: Ein Hoch auf die Schokolade!

Schokolade gilt als Dickmacher, als Süßigkeit. Nach den DGE Empfehlungen steht sie an der Spitze der Ernährungspyramide, sollte also nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Stimmt das? Zeit sich mal Kakao und den aus ihm hergestellten Dingen zu widmen.

Unter Kakao versteht man die fermentierten, getrockneten Samen des Kakaobaums (Theobroma cacao). Wie jeder andere Samen hat er einen Aufbau aus einer harten Schale, welche ihn vor Beschädigungen schützen soll, dazu kommen Vorratsstoffe von denen er lebt, wenn er auskeimt und Wurzeln erst ausbildet. Der Keimling selbst enthält viel Eiweiß wie jeder andere Keimling aus. Praktisch alle Pflanzensamen sind daher aufgrund der Vorratsstoffe für den Keimling hochenergetisch. Die Kakobohne gehört dabei zu den Pflanzensamen die vor allem Öl als Vorratsstoff nutzen, wie wir es auch von Walnüssen, Haselnüssen oder Oliven kennen. Die zweite Gattung sind Samen die Stärke als Vorratsstoff nutzen wie Getreide.

Die Kakaofrüchte werden geerntet und dann zwei bis acht Tage fermentiert. Durch Umschichten in offenen Fässern oder Körben kann Fruchtwasser abfließen und es kommt Luftsauerstoff an die Bohnen. Es gibt dann einen Austausch zwischen Fruchtfleisch und Bohnen und sie verfärben sich zu ihrer typischen dunklen Farbe. dabei werden die typischen Aromastoffe des Kakaopulvers gebildet. Danach werden die Samen aus der Pulpe ausgewaschen und getrocknet. Diese Samen werden dann geröstet. Das Rösten bei 120 bis 130 Grad bewirkt die Bildung weiterer Aromastoffe, flüchtige, unangenehme Fremdaromen wie Essigsäure, Essigsäureester verdampfen, Gerbstoffe werden oxidiert und das Aroma milder und Schädlinge und ihre Larven abgetötet. Zuletzt werden die Bohnen gebrochen und dann durch Sieben die harten Schalen und Keimwurzeln abgetrennt.

Die Kakaokerne werden dann zu uns exportiert und weiter verarbeitet. Sie bestehen zu 54% aus Fett, 11,5% aus Stickstoffverbindungen, 9% Cellulose, 6% Stärke, 2,6% Mineralstoffen. Das bedeutet die Zusammensetzung ist gar nicht mal so ungünstig. Sie enthalten relativ viel Eiweiß, fast keinen Zucker, viel Ballaststoffe und Mineralien. Der Ballaststoffanteil ist variabel, da er vom Anteil der Schalen abhängt, die mit im Produkt sind (sie enthalten rund 26,5% Ballaststoffe). Typisch ist ein Anteil von 10-12% Schalten im Fertigprodukt, was einen Ballaststoffanteil von 11-12% ergibt. Auffällig ist dass sie noch zahlreiche andere Stoffe enthalten. So 1,4% Coffein und Theobromin, 6 % Polyhydroxiphenole und je 1,5% Carbonsäure und Pentosane (Schleimstoffe aus der Gruppe der Hemicellulosen). Auch der Stickstoffanteil besteht nur zu 60% aus Eiweiß, der Rest sind vor allem freie Aminosäuren.

Dieser Rohkakao kommt aber bei uns kaum in den Handel. Das Fett besteht aus Kakaobutter. Kakaobutter schmilzt bei 28 Grad Celsius, das ist die Temperatur der menschlichen Haut und davon kommt der "Schmelz" von Schokolade. Aufgrund dieser positiven Eigenschaft wird sie aber aus der Kakaomasse abgetrennt. Man erkennt das an dem Zusatz "leicht entölt" oder "stark entölt", wobei in den Einzelhandel fast nur stark entöltes Kakaopulver kommt. Bei diesem hat sich die Zusammensetzung schon verändert. Der Fettanteil ist auf 24-25% (schwach entölt, mindestens 20% Fettgehalt) oder 10-20 % (stark entölt, minimal 10% Fettgehalt) gesunken. Der Energiegehalt von entöltem Kakaopulver, das z.B. zur Herstellung von Trinkschokolade, aber auch zur Herstellung von Gebäck verwendet wird ist dadurch geringer als der von Zucker. Es ist reich an Ballaststoffen.

Neben denAromastoffen enthält Kakao noch die Xanthine Coffein und Theobromin. Coffein, das man auch vom Kaffee kennt ist nur in vernachlässigbarer Menge enthalten. Theobromin, das ebenfalls anregt, jedoch länger anhaltend jedoch in deutlich größerer Menge von bis zu 2% vor. Bei den Aromastoffen hat man heute über 400 verschiedene bestimmt, welche für das Aroma von Kakao verantwortlich sind.

Machen wir eine erste Zwischenbilanz: Ist ein Kakaogetränk energiereich? Nein, zumindest liegt es nicht am Kakao, sondern am Zucker. Hier die Zusammensetzung von zwei Tassen Kakao, jeweils mit einem Teelöffel Kakao und Süßstoff hergestellt. Einmal mit normaler und einmal mit teilentrahmter Milch. Als Vergleich dazu noch die Angaben eines Fertiggetränks dass sie im Supermarkt kauen können: (5 g Kakao pro Tasse)

  Kakao mit Süßstoff und teilentrahmter Milch Kakao mit Vollmilch und Süßstoff Kakao Fertigprodukt Supermarkt
Energie 220 kJ 295 kJ 360 kJ
Kohlenhydrate 4,8% 4,8 % 9,1 %
Fett 1,7 % 3,7 % 3,5 %
Eiweiß 3,9 % 3,8 % 3,6 %


Deutlich wird, dass die Energie vor allem durch den zugesetzten Zucker und den Fettgehalt der Milch herkommt. Die nur rund 2 g Kakaozusatz pro 100 ml verändern die Energiebilanz gegenüber der Milch kaum. herkommt. Bei Schokolade ist die Situation etwas anders. Schokolade besteht aus folgenden Bestandteilen:

Betrachten wir die Bestandteile genauer. Nun ist reiner Kakao recht energiereich. Er enthält viel Fett, die Kakaobutter. Das Schokolade so schön auf der Zunge vergeht hängt von ihr ab. Sie schmilzt bei 28 Grad Celsius und zwar recht gut bei dieser Temperatur und ist einige Grad tiefer noch fest. Damit zergeht die Schokolade erst im Mund. Aus demselben Grund wird das Fett auch in der Kosmetikindustrie eingesetzt, damit Hautcremes flüssig beim auftragen werden, aber im Tiegel noch fest sind. Schokolade wird wieder die Kakaobutter zugesetzt die beim Entölen entfernt wurde. Weiße Schokolade besteht nur aus Kakaobutter, Michpulver und Zucker. Bei normaler Schokolade ist ein Mindestanteil von 21% Kakaobutter und 33% Kakao vorgeschrieben.

Doch enthält schwach entöltes Kakaopulver noch 19,8% Eiweiß, ist also sehr eiweißhaltig und 32,8% Ballaststoffe - die Pflanzenfasern. Also ist Schokolade ein echt guter Ballaststofflieferant. Der Energiegehalt ist gar nicht mal so hoch und liegt unterhalb dessen von Zucker.

Erst durch das zugeben von Milchpulver und Kakaobutter wird die Schokolade energiereich. Immerhin: milchfreie Schokolade schneit nicht so schlecht ab:

  Bitterschokolade Edell Bitterschokolade Zartbitterschokolade Vollmilchschokolade
Energie 2434 kJ 2357 kJ 2385 kJ 2420 kJ
Fett: 49,3 g 42,3 g 40,6 g 38,2 g
Eiweiß: 9,3 g 7,7 g 4,8 g  7,1 g
Kohlenhydrate: 21,0 g 33,5 g 42,3 g 50,6 g
davon zugesetzter Zucker: 14,8 g 28,0 g 39 g 49,8 g
Ballaststoffe: 11,9 g 11,4 g 10,2 g 3,2 g
Eisen: 3,2 mg     2,3 mg
Magnesium: 100 mg     85 mg
Kupfer: 2 mg     0,8 mg
Zink: 2 mg     1,1 mg
Kakaoanteil:   85% 70% 60%  

Die Mineralstoffe stammen vor allem aus dem Kakao. Mit steigendem Milchanteil werden sie weniger. Vitamine sind kaum vorhanden, zumindest nicht bezogen auf den Energiegehalt. Dies liegt daran dass sowohl Kakao, wie auch Milch hoch erhitzt wurden und die Masse dann noch stundenlang bei höheren Temperaturen unter Luftzufuhr gerührt wird (conchiert wird). Die nachgeschaltete Fermentierung des Kakaos über 24 Stunden bei 45-50 Grad und das Conchieren über mindesten 6-12 Stunden (bei Edelsorten bis zu 48 Stunden) gehen zu Lasten von oxidationsempfindlichen Stoffen wie den Vitaminen, machen aber auch den Geschmacksunterschied zu Kakaopulver aus. Erstaunlich ist sicher der Ballaststoffgehalt. Die DGE Empfehlung von 30 g Ballaststoffen, erreicht man schon mit zwei Tafeln Bitterschokolade. Schokolade mit hohem Kakaoanteil enthält fast so viele Ballaststoffe wie Vollkornbrot!

Der Energiegehalt ist nicht so hoch. Chips, Erdnussflipps oder fettreiche Kekse wie American Cookies liegen noch höher und erreichen bis 2.400 kJ. Vor allem steigt der Zuckeranteil mit abnehmenden Kakaoanteil. Reine Bitterschokolade enthält nur Kakaomasse und wenig Zucker. Der Anteil wird immer höher je niedriger der Kakaoanteil ist. Vollmilchschokolade enthält nur rund 30% Kakaomasse. Bei allen Sorten macht der Zucker den größten Teil der Kohlenhydrate aus. Vollmilchschokolade besteht allerdings zu 50% aus Zucker, während es bei Bitterschokolade nur rund 15% sind. Wer nicht bittere Schokolade kauft, sondern Vollmilch oder eine Sorte mit Nüssen oder anderen Zutaten hat in der Regel eine Masse mit 40-60% Zuckeranteil.

Da der Zucker keinerlei Vitamine enthält und auch den Geschmack des Kakaos "ausdünnt" hier mein Tipp für Schokoladenliebhaber: Probieren Sie mal eine Sorte mit höherem Kakaoanteil. Dieser muss heute ausgewiesen werden, so dass ein Blick ins Zutatenverzeichnis hilft.

Meine persönliche Erfahrung, als ich den Schokoladenkonsum nach einer Diät einschränken musste ist, dass die Umstellung von Vollmilch/Nugat auf Halbbitter und ab und an auch Edelbitter etwas bringt. Der Geschmack ist natürlich anders, aber er ist auch viel intensiver. Bitterschokolade isst man in kleinen Mengen, weil nach einem Stückchen man schon genug hat und der Geschmack noch lange nachwirkt. Dadurch sinkt zwangsläufig der Schokoladenkonsum. Ich rate jedem einfach mal zu probieren eine etwas dunklere Schokolade zu probieren.

Wer wissen will ob Schokolade glücklich macht sollte mal hier vorbeischauen.

10.3.2012: Wie funktionieren Raketen mit aktiver Treibstoffförderung?

Heute mal ein Blog auf einfachem Niveau. Es geht um die prinzipielle Funktionsweise eines Raketentriebwerks mit Pumpenförderung. Zuerst einmal wofür braucht man sie? Bei einer Rakete mit flüssigem Treibstoff muss dieser in die Brennkammer gelangen. Man könnte nun meinen, das geht doch mit der Schwerkraft, bzw. sobald das Triebwerk läuft gibt es eine Beschleunigung, welche den Treibstoff in die Leitungen presst. Also braucht man nur genügend große Leitungen und das Problem ist erledigt. Das Problem ist nur, dass in der Brennkammer durch die Verbrennung ein hoher Druck herrscht. Der Treibstoff wird gasförmig und vergrößert so sein Volumen rapide. Er muss auch herrschen, denn ohne hohen Druck gibt es keinen Schub (der Schub berechnet sich nach Austrittsfläche bei dem Düsenhals x Druck - würde man mit kleinem Druck arbeiten, so bräuchte man sehr große Triebwerke.

Nun kann man die Tanks unter Druck setzen. Der Tankdruck muss dann größer als der Brennkammerdruck sein. Doch dem sind Grenzen gesetzt. Bei hohem Druck werden die Tanks recht schwer, trotzdem ist der Druck in der Brennkammer begrenzt und daher ist entweder das Triebwerk sehr groß oder sein Schub sehr klein. Praktikabel ist dies nur bei kleinen Stufen, da durch den hohen Tankdruck die ideale Tankform die einer Kugel ist - Zylinder würden in der Mitte stark ausbeulen. Bei den langen Tanks von niedrigen Stufen würde sonst eine völlig andere Raketenform resultieren (die einer Pyramide). Mit Druckförderung sind Brennkammerdrücke jenseits von 20 Bar nur schwer möglich. Die aktive Förderung erreicht heute bis zu 220 bar.

Das bedeutet, man muss den Treibstoff aktiv mit hohem Druck in die Brennkammer fördern. Dazu werden Pumpen genutzt, welche den Treibstoff fördern. Doch beginnen wir weiter oben: Die Pumpen brauchen einen Antrieb. Batterien als Stromversorgung scheiden aus und ein Netzkabel gibt es auch nicht. Ein Motor funktioniert nicht im Weltraum. Daher gibt es ein autarkes System, welche die Leistung für die Pumpe liefert. Es fängt an mit dem Gasgenerator. Das ist eine kleine Raketenbrennkammer. Zu ihr führen Abzweigungen von den Hauptleitungen. Damit dort nicht so viel Treibstoff durchläuft gibt es eine Regulation. Im einfachsten Fall durch den Leitungsdurchmesser - ist dieser zehnmal kleiner als bei der Hauptleitung so gelangt eben nur ein Hundertstel (1/10²) zum Gasgenerator. Der Gasgenerator soll ein Arbeitsgas erzeugen. Da er nicht gekühlt wird, besteht die Brennkammer aus hochtemperaturfesten Materialen. Trotzdem muss die Temperatur des Gases reduziert werden. Sonst würde die Brennkammer trotz hochtemperaturfesten Materialien nicht den Verbrennungstemperaturen standhalten. Es gibt dazu drei Methoden. Die älteste ist es das Gas mit einem eigenen System zu erzeugen. Die A-4 und andere frühe Raketen wie die ersten Versionen der Sojus und Kosmos nutzten dazu Kaliumpermanganat das mit Wasserstoffperoxid reagiert. Es entsteht dabei ein heißes Wasserdampf/Sauerstoffgemisch. Dessen Temperatur ist durch die chemische Reaktion begrenzt. Die zweite Methode, eingesetzt in Ariane 1-4, ist es den Treibstoff normal zu verbrennen, aber ein inertes Medium zuzusetzen um die Gastemperatur zu senken. Bei Ariane 1-4 war dies Wasser. Die verbreitetete Methode ist es aber, einfach die Verbrennung mit einem Überschuss einer Komponente durchzuführen. Diese wird dann nicht umgesetzt, aber mit erwärmt und senkt so die Verbrennungstemperatur. Bei Wasserstoff/Sauerstoff ist das der Wasserstoff, bei Kerosin/Sauerstoff der Sauerstoff um die Bildung von Ruß zu vermeiden.

Das Arbeitsgas hat nur einen Zweck: eine Gasturbine anzutreiben. Diese unterscheidet sich im Funktionsprinzip nicht von einem Gaskraftwerk, auch hier wird über ein Schaufelrad durch das Gas eine Welle angetrieben und es kühlt sich dabei ab, überträgt also Energie auf die Welle. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Turbine extrem klein ist. Bei einem großen Raketentriebwerk beträgt die Leistung der Turbine einige Megawatt (beim F-1 Triebwerk z.B. 55 MW), trotzdem ist sie extrem kompakt.

Die Welle der Turbine treibt nun die eigentliche Pumpe an. Sie saugt den Treibstoff an und drückt ihn mit Druck in die Brennkammer. Erstaunlicherweise waren die Turbopumpen die einzigen Teile die es bei der Entwicklung der A-4 schon auf dem Markt gab - zumindest Geräte mit denselben Anforderungen. Auch Feuerwehrpumpen mussten extrem klein, zuverlässig sein und ihre volle Förderleistung in kurzer Zeit erbringen. Trotzdem ist die Entwicklung von leistungsfähigen Turbopumpen immer noch eine Herausforderung. Sie zählen zu den anfälligsten Teilen eines Raketentriebwerks.

Das ist das allgemeine Grundprinzip. Es gibt im Detail sehr viele Variationen. So kann man die Abgase des Gasgenerators ins Freie entlassen oder zur Kühlung oder Nachverbrennung nutzen. Wird der Oxidator oder Treibstoff im Gasgenerator vollständig verbrannt und danach in die Brennkammer eingespritzt so resultieren sehr hohe Brennkammerdrücke und effiziente Antriebe. Man spricht dann auch eher von einem Vorbrenner. Das wird so bei der gestuften Verbrennung (staged Combustion) eingesetzt. Turbopumpen können getrennte Wellen für Treibstoff und Oxidator haben oder eine gemeinsame. Es gibt Übersetzungen und oder mehrstufige Bauweisen, wenn z.B. wie bei LOX/LH2 Antrieben, da die Wasserstoffpumpe eine viel höhere Förderleistung als die Sauerstoffpumpe haben muss, weil das Volumen viel höher ist. Üblicherweise fasst man die Gasturbine und die Pumpe zusammen zu einer Turbopumpe.

Die Herausforderung bei allen Komponenten ist die Kleinheit, die extremen Anforderungen an Robustheit und Leistung. So befinden sich alle Apparaturen direkt an der Brennkammer, sie werden so kräftig durchgeschüttelt, da sie die Vibrationen des Triebwerks voll ausgesetzt sind. Die Brennkammer wird zwar gekühlt, aber sie strahlt trotzdem noch einiges an Wärme ab, umgekehrt kann bei LOX/LH2 Turbopumpen das Medium das transportiert wird bis zu -250°C kalt sein. So herrschen auf kurzen Distanzen sehr große Temperaturgegensätze die zu thermischen Spannungen führen können und das Material belasten. Die meisten Ausfälle von Triebwerken beruhen auf der Treibstoffförderung, auch weil es hier die meisten bewegliche Teile bei dem Antrieb gibt. Beim Space Shuttle sorgten sich zerlegende Räder der Gasturbine für eine Verzögerung des Erstflugs um mehr als ein Jahr. Alle Fehlstarts der dritten Stufe der Ariane 1-4 (immerhin 5 von 7 Starts) beruhten auf Problemen mit der Turbopumpe.

Mehr  zu anderen Verfahren der Treibstoffförderung in meinem Aufsatz zum Thema.

8.3.2012: Liebe Amis ...

In den nächsten Tagen dürft ihr euch freuen, denn wir sorgen mal wieder für euch. Der kleine Juniorpartner Europa, der zu 8,3% am internationalen Teil der ISS beteiligt ist, wird einen guten Teil der Versorgungsgüter transportieren. Morgen startet das dritte ATV, diesmal mit dem unaussprechlichen Namen "Edoardo Amaldi", von praktisch allen nur "Eddi" genannt. Das die Italiener ihre Raumfahrzeuge nach Leuten, die keiner kennt, benennen habe ich ja schon thematisiert. Nur zum Unterschied: Die Schweizer benennen ihren ATV nach einem Deutschen, der in der Schweiz gelebt hat (ratet mal wer).

Das ATV-03 wird knapp 6,5 t zur ISS bringen.  Dazu kommen noch drei Progress dieses Jahr die weitere 7-7,5 t Fracht bringen. Es ist kein HTV Start dieses Jahr geplant, obwohl Japan noch etwas stärker an der ISS beteiligt ist (12,2 %), die bisher deutlich weniger Fracht zur ISS brachten als die beiden letzten ATV. Nach dem jüngsten Startmanifest rechnet die NASA nicht damit dass sie selbst einen Versorgungsflug dieses Jahr zur ISS durchführen wird. Der Jungfernflug der Dragon ist inzwischen auf Mai gerutscht und gerade kam in den Nachrichten, dass Verzögerungen am Startplatz verantwortlich sind, dass auch OSC noch einige Monate mehr braucht.

ISS HöheSchon letztes Jahr war die ISS praktisch von den Versorgungsflügen der Partner abhängig. Mehr noch: Ohne das letzte ATV, Johannes Kepler, wäre ein Betrieb nach Ausmustern der Space Shuttles gar nicht möglich gewesen. Deutlich wird das am Bild. Es zeigt die mittlere Bahnhöhe der ISS und wie sich diese veränderte. Die Anhebung um 50 km hat die Absinkrate drastisch (um die Hälfte) reduziert und so den jährlichen Treibstoffverbrauch von 6.800 auf 3.600 kg reduziert. Hier sind die Manöver zwischen Mai und Juli 20110 von Johannes Kepler deutlich zu sehen. Er hat die Bahn um rund 50 km angehoben. Das nächste ATV wird 3,2 t Treibstoff zum Anheben der Bahn mitführen, dazu weitere 800 kg für das russische Modul. Mehr als die ISS während der 171 Tage geplantem Aufenthalt braucht um die Bahn aufrecht zu erhalten. So wird Eddi die Bahn weiter anheben.

Das ATV wird wichtige Ersatzteile für die Urinaufbearbeitung mitbringen, die zwar noch funktioniert, aber derzeit ohne Ersatzteile auskommen muss, dazu Wasser und Gase. Dazu kommt noch Treibstoff für das russische Segment. Kurzum: Dieses Jahr wird der kleine europäische Partner fast 50% der Gesamtfrachtmenge bringen. Die anderen 50% kommen von Russland. Was kommt von euch liebe Amis?

Man sollte annehmen, ihr seid nun dankbar für diesen Service. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das Design des ATV wurde ja in Absprache mit euch getroffen. Damals wolltet ihr die ISS mit dem Shuttle versorgen, das ohne Problem jede Menge Fracht in einem Druckmodul transportieren konnte, aber nicht die Bahn der ISS anheben oder Gase und Waser transportieren konnte. Also sollten dies die russischen Progress und das ATV erledigen. Die Menge an Fracht im Druckmodul des ATV ist begrenzt. Es ist deutlich kleiner als ein MPLM oder das Modul vom HTV. Dafür gibt es eine Sektion mit Tanks für Gase und Wasser und Treibstofftanks, Im Servicemodul dann noch weitere Treibstofftanks um die Bahnhöhe anzuheben. Daher kann trotz Bemühungen der ESA den Frachtraum durch zusätzliche Behälter bis zum letzten Rest vollzustopfen das ATV nicht seine Maximalnutzlast ausnutzen. Eddi wird 650 kg leichter als Johannes Kepler sein und mit 6,6 t auch 500 kg weniger Fracht befördern - er könnte mehr transportieren, doch das wäre Treibstoff, denn ihr offensichtlich nicht wollt.

Nun sollen für den erweiterte ISS-Betrieb die Europäer mehr Fracht im Druckmodul befördern, weil diese vom Space Shuttle nun fehlt. Das läuft darauf hinaus, das Europa das ATV grundlegend verändern muss. So dankt ihr es also, dass wir die ISS vor dem Absturz retten und ihren Dauerbetrieb überhaupt aufrecht zu erhalten? Ihr Fordert ein weitgehend neues Raumfahrzeug mit hohen Investitionskosten von dem Juniorpartner, während eure eigenen beiden Transportvehikel gerade mal zusammen so viel Fracht transportieren wie ein ATV von der ESA? Mein Vorschlag: Wir bleiben bei dem was ausgemacht war und wir heben die ISS weiter an. Das reduziert deren Treibstoffbedarf weiter. Der letzte ATV kann dann die Station noch weiter anheben, sodass sie in einer für ein Jahrzehnt stabilen Bahn ankommt. Wenn jeder der fünf ATV für die es noch Ersatzteile gibt durchschnittlich 1,8 t Treibstoff zum Anheben der Station einsetzt und der letzte weitere 4,5 t, dann wäre die ISS schließlich in rund 540 km Höhe. Wenn wie bisher der Treibstoffverbrauch weiter abnimmt, dann sind es sogar 580 km. Diese Bahn ist mindestens 10 Jahre lang stabil. Genug Zeit, dass ihr euch über eine Deorbitiermöglichkeit Gedanken macht, die ja bis heute weder angedacht noch geplant ist. Nach einer Schätzung eures eigenen Beraterkremiums müsstet ihr sonst für die Deorbitierung der ISS fast 2 Milliarden Dollar aufwenden. Das könnt ihr euch dann zumindest für einige Zeit sparen bis ihr dann irgendwann mal eine Schwelastträgerrakete verfügbar habt und die an die Station ankoppeln könnt um sie zu deorbitieren.

9.3.2012: Obsoleszenz

Ich habe eine neues Wort gelernt: Obsoleszenz. Es war Hauptthema des Films "Produzieren für die Müllhalde", der kürzlich auf ARTE lief. Darunter versteht man die bewusste Beschränkung der Lebensdauer von Produkten. Der Film brachte auch einige bekannte Beispiele, wie einen EPROM-Chip auf Epson Druckern, der Seiten zählt und irgendwann sagt der Drucker wäre hin (Abhilfe: mit einer Software reseten), den Akku des iPod, der so ausgelegt war dass er nicht lange hielt und als Prominitestes Beispiel die weltweite Ansprache, dass Glühbirnen maximal 1000 Stunden halten aus den zwanziger Jahren.

Das Geräte nur eine begrenzte Lebensdauer haben sollen, diese Idee stammt wohl aus den dreißiger Jahren, als Konzept gegen die Depression. Es gab sogar den Vorschlag, dass es ein gesetzlich verordnetes Datum gibt, ab der ein Gerät nach dem Kauf als "tot" gilt und der Verbraucher unter Strafandrohung es zum Entsorgen bringen muss. Die Obsoleszenz wurde propagiert, weil sie die Wirtschaft am Laufen hält: Das Problem. Die Wirtschaft produziert mehr, als wir konsumieren können. Also muss man den Verbraucher dazu bringen, möglichst schnell sich etwas neues zu kaufen und das alte Produkt auf den Müll zu werfen. Dazu gibt es verschiedene Methoden. Produkte können sich weiter entwickeln und alte Teile in der Leistung weit überholen, wie wir es von der Elektronik seit Jahrzehnten gewohnt sind. Doch bei vielen Branchen gibt es nur graduelle Verbesserungen. Dann kann man noch etwas mit Design bewegen. Doch wenn auch das kein Kaufkriterium ist, wie im bekanntesten Fall von vorgeschriebener Obsoleszenz, der Beschränkung der Lebensdauer von Glühlampen auf nur 1.000 Stunden durch das Phebus-Kartell, dann geht es eben nur mit künstlich eingebauten Defekten oder Alterung.

Anders als der Beitrag suggeriert, denke ich werden viele Produkte nicht so gebaut, dass sie bewusst nur bestimmte Zeit lang halten. Doch was auch mir auffiel, ist dass die Lebensdauer abgenommen hat. Seit 1994 habe ich z.B. den fünften Staubsauger. Zwei gingen kaputt, einer war zu umständlich und der vierte funktioniert zwar noch, zieht aber dauernd das Netzkabel ein. In der Zeit vor diesen kann ich mich an zwei Staubsauger erinnern. Also zwei Staubsauger für die ersten 29 Jahre meines Lebens und fünf für die letzten 18.

Bei Möbeln werden heute nur noch Schubladen mit Dübeln gesteckt und verleimt, anstatt, wie früher eine Verzahnung oder Verschraubung zu benutzen - mit der Folge, dass die Schubladen nach einiger Zeit sich auflösen. Meine 14 Jahre alte Sofagarnitur ist nun durchgelegen, die meiner Mutter von 1979 hat dagegen 30 Jahre lang gehalten. Die letzte Matratze hielt noch 12 Jahre, die davon noch 16 Jahre - egal welches Beispiel ich nehme. Die Nutzungsdauer nimmt ab und ich ersetze meist nur, wenn es nicht mehr geht, nicht weil es nicht mehr neu aussieht oder etwas veraltet ist. Gut man kann als "Entschuldigung" noch anführen, dass die Möbel deutlich preiswerter geworden sind, sowohl real wie auch inflationskorrigiert. In einem Beitrag über das Phänomen wurde auch gesagt, dass viele Leute immer schneller Dinge auswechseln. Es gibt Moden - nicht nur bei Kleidern, sondern eben auch bei Möbeln, Farben, Inneneinrichtungen, Bodenbelägen. Daher müsste alles nicht mehr so lange halten. Ein zweiter Punkt ist, dass bei den heutigen Stundenlöhnen es viel teuer ist, etwas zu reparieren, als etwas neu zu kaufen. Doch das muss nicht sein. Man kann auch Dinge so konstruieren, dass sie einfach zu demontieren sind und dann kann man auch Teile einfach auswechseln. Das wäre schon im Hinblick auf ein späteres Recycling empfehlenswert.

Besonders auffällig ist es meiner Ansicht nach bei den PC's. Meine beiden letzten hielten dreieinhalb und vier Jahre. Danach waren sie hin, also froren schon beim Booten oder bald im Betrieb ein. Ich denke hier kann man auch den Übeltäter ausmachen. Ich meine mich mal erinnert zu haben, das man bei den Motherboards wegen der hohen Ströme seit einigen Jahren Elektrolytkondensatoren einbaut, die nach einigen Jahren in der Hitze neben dem Prozessor undicht werden und den Geist aufgeben.

Okay, man könnte nun sagen: Ein PC wird ja auch immer billiger. Das ist war. Mein erster kostete über 5.000 DM, das wären heute inflationskorrigiert die gleiche Summe in Euro. Einen neuen gibt es mit Monitor heute für ein Achtel der Summe. Aber: der Zugewinn an Nutzen wird immer kleiner. Vorbei sind die Zeiten in denen die Rechengeschwindigkeit sich alle zwei Jahre verdoppelte. Festplatten wachsen auch immer langsamer - und seit eine Fabrik für Gehäuse in Bangkok überflutet wurde, sind auch deren Preise explodiert. Also gibt es immer weniger Grund sich einen neuen PC zu kaufen und so steigt die durchschnittliche Nutzungsdauer auch an - würden die Dinger nicht nach einigen Jahren von alleine kaputt gehen...

Ich bin ja auf den Film gekommen, weil bei "Fakt" ein Beitrag kam zu dem Thema und auf den Film hingewiesen wurde. Da kam auch der schlaue Sprich: "Ich bin nicht reich genug um mir was billiges leisten zu können". Doch ist der Preis wirklich noch ein Garant für Qualität? Bekommt man für mehr Geld wirklich hochwertigere Dinge, längerlebigere, robustere oder sind sie nur teurer? Woran kann man Qualität festmachen?

Die Frage klingt einfach, ist es aber nicht. Ich will mir ja ein neues Fahrrad kaufen, sobald das Wetter etwas schöner ist. (Solange es schlecht ist, nehme ich das alte, damit das neue nicht so schnell rostet). Ich fange schon an mich zu informieren. Nur sehe ich da zwar enorme Preisunterschiede, aber nur wenige Qualitätsunterschiede. Ein City-Rad kann 249 Euro kosten, aber auch 999 Euro. Natürlich gibt es Details, die besser sind, wie einen Gang mehr in der Gangschaltung und LED-Lichter anstatt Halogen, aber wenn ich mal von den Gangschaltungen absehen, kaum Unterschiede in den technischen Daten. Selbst wenn ich die Billigangebote außen vor lasse, kostet ein Cityfahrrad bei einem Anbieter 499 Euro und beim andern 899. Ist letzteres automatisch fast doppelt so langlebig? Fragen über Fragen ...


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