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Web Log Teil 278: 11.5.2012 - 18.5.2012

11.5.2012: The Big Dumb Solid Booster

Nachdem ich mal das Thema schon mal aufgegriffen habe, heute eine zweite Sichtweise auf die Idee der "billigen" Trägerrakete. Am einfachsten geht dies natürlich mit festen Antrieben.

Sie haben eine Reihe von Vorteilen:

Man sollte aber auch nicht verschweigen, dass Feststoffraketen sehr teuer sein sollten. In den achtziger Jahren war die IUS Oberstufe teurer als eine Centaur. Warum? Sie sollte die Eigenschaft einer flüssigen Oberstufe haben - ausgehend vom LEO sollten zwei Stufen einen präzisen GEO Orbit erreichen, dabei musste sie dreiachsenstabilisiert sein, auch während des Betriebs,

Heute haben wir Feststoffraketen wie die Taurus XL die teuer sind als manche Rakete mit flüssigen Treibstoffen. Neben den niedrigen Produktionsziffern ist ein Grund, dass diese sehr weiter entwickelt sind, bewegliche Düsen haben (nicht ganz einfach, sie bestehen aus übereinanderliegenden Schichten von Metall und Elastomeren, die gegen den Brennkammerdruck bewegt werden müssen und das wird dann teuer. Dann braucht man noch Hydraulik, Pnumatik oder Motoren um die Düsen zu bewegen.

Wie wird eine Feststoffrakete billig?

Wir haben eine einfache Konstruktion, z.B. ein Stahlgehäuse das entweder aus einem Segment besteht oder wenn es mehrere Segmente sind, eine einfache Verbindung. Bei den neuen Ariane 5 Boostern sind die Segmente teilweise verschweißt.  Leichtgewichtige Materialen wie CFK-Werkstofe kann man untersuchen, wenn sie die Produktionskosten reduzieren sind sie eine Alternative, ad hoc kann ich dies nicht entscheiden. Bewegliche Düsen scheiden aus, sie machen sie teuer. Stattdessen sollte entweder bei Oberstufen ein System von Hydrazintreibwerken die Lageregelung übernehmen. Bei den unteren Stufen plädiere ich für das veraltete, aber einfache System eines Stickstoftetroxiddruckgastanks, der Treibstoff in die Düse einspritzt und durch Sekundärinjektion den Schubvektor beeinflusst. So wurde es bei der Titan 3C gemacht. Dann können Feststoffbooster preiswert sein: Die Titan 34D Booster kosteten 6,29 Millionen Dollar pro Stück (1982), die Castor 4 rund 1 Million Dollar (1998). Umgerechnet auf das heute 15 Millionen Dollar und 1,41 Millionen Dollar - für eine 251 und 11 t schwere Stufe.

Die NASA hat derzeit bei kleinen Nutzlasten keine richtig preiswerte Trägerrakete. Die billigste ist noch die Minotaur mit 17 Millionen Dollar Kosten und nur 550 kg Nutzlast. Bei 1-2 t Nutzlast liegt eine Taurus XL schon über 50 Millionen Dollar. Rein rechnerisch würde eine Rakete aus 19 Castor IV Boostern fast 2 t Nutzlast transportieren (Anordnung: Eine in der Mitte, sechs in einem ersten Ring und 12 in einem zweiten Ring. Zündung: 15:3:1). Sie wäre mit Herstellungskosten von 28,5 Millionen Dollar nur halb so teuer wie eine Taurus XL. Dabei ist dies nicht einmal die technisch optimale Lösung (die letzte Stufe ist zu groß - so gelangen neben 2 t Nutzlast auch eine 1,5 t schwere ausgebrannte Stufe in den Orbit. Immerhin zeigt dies wie man hier die Serienbauweise ideal einsetzen kann. Durch weitere Booster in einem äußeren Ring wäre so die Rakete sogar begrenzt an die geforderte Nutzlast anpassbar.

Eine technisch bessere Lösung bietet sich bei Boostern an, die aus mehreren Segmenten bestehen. Dann kann man z.B. die Oberstufe aus einem Segment bestehen, die zweite aus vier Segmenten und die erste aus 4 x 4 Segmenten. Anpassungen müsste es geben, so muss die Düse bei weniger Segmenten verengt werden, allerdings steigt so auch das Flächenverhältnis und der spezifische Impuls an.

Basierend auf dem Titan 3C Booster wäre eine mögliche Kombination z.B. 280 / 60 / 12,5 t schwer. Bei einem spezifischen Impuls von 2.600 m/s bei der ersten Stufe und 2.750 bei den beiden oberen kommt man immerhin auf 3.300 kg Nutzlast. Wäre er doppelt so teuer wie ein einzelner Booster, so wären das 30 Millionen bei 3,3 t Nutzlast. Auch hier ist die Leermasse der letzten Stufe mit 1.750 kg recht hoch, weshalb wohl eine vierstufige Bauweise angebracht wäre.

Wie groß kann man bauen? Am Boden getestet, jedoch nie geflogen sind die AJ-260 Booster. Dies waren Feststoffbooster von 260" Durchmesser (660 cm: Die SRB haben nur 374 cm Durchmesser). Jeder Booster wog 842,3 t, davon 768 t (nutzbar: 746.114 kg Treibstoff). Diese Booster hatten einen mittleren Schub von 17.695 kN im Vakuum, bei einer Brennzeit von 114 Sekunden. Der Maximalschub betrug sogar 22,2 MN. Sie wurden 1966/7 getestet. Der Motor war 24,4 m hoch. Der mittlere spezifische Impuls betrug 2186 m/s, bei einem Brennkammerdruck von 41 bar. Nehmen wir eine heutige Treibstoffmischung und einen höheren Brennkammerdruck von etwa 60 bar an, so ist er vergleichbar mit heutigen Boostern. Das Voll/Leermasseverhältnis liegt sogar etwas günstiger. Vier dieser Booster als erste Stufe, ein weiterer als zweite Stufe und ein Titan 3C Booster würden rund 55 bis 60 t in die Umlaufbahn befördern.

Das Grundproblem des Big Dump Solid Boosters ist der niedrige spezifische Impuls und der hohe Strukturfaktor. Er eignet sich daher vor allem für erdnahe Umlaufbahnen. Relativ schwierig wird das erreichen kreisförmiger hoher Umlaufbahnen. Die dafür notwendige Aufstiegsbahn ist eine mit einem hohen Apogäum, das ist energetisch bei kurzen Brennzeiten sehr ungünstig. Die Abhilfe ist die Ausrüstung der Steuerung mit einem kleinen Vorrat an flüssigen Treibstoff und einem kleinen Triebwerk, z.B. einem Satellitenapogäumsmotor. Der Feststoffantrieb muss dann nur eine elliptische Umlaufbahn erreichen die stabil ist. Dann steht viel Zeit zur Verfügung um sie zu zirkularisieren. Das könnte auch der Satellit übernehmen, doch das ist heute eher ungewöhnlich. Sowohl Antares wie auch Vega und Athena nutzen diese Strategie, bei der Pegasus steht sie als Option zur Verfügung.

12.5.2012: Wir machen alles national

Nun ist ja erneut die Liberty in die Schlagzeilen gekommen. Ich will gar nicht über das Konzept in technischer Weise diskutieren, aber eines ist schon auffällig. Es werden immer mehr Konzepte immer mehr Träger. Nehmen wir mal nur das CCDev Programm. Da bewerben sich nun (die Aufzählung ist sicher nicht vollständig, Spezialisten über bemannte Raumfahrt mögen mich da korrigieren) mindestens vier Träger:  Die Falcon 9, die Atlas V, die Liberty und die New Shepard. An Raumfahrzeugen gibt es das CST-100, den ream Chaser, die Dragon, ebenfalls die New Shepard und die noch namenlose ATK/Lockheed Kombination.

Nun geht es um Mannschaftstransporte zur ISS. Wenn diese nur die nicht russischen Astronauten transportieren, dann reichen bei vier Personen pro Start zwei Flüge pro Jahr. Reduziert man wieder die Aufenthaltsdauer von derzeit 180 auf 90 Tage, wie es mal vorgesehen war, als noch das Shuttle zur Verfügung stand, dann sind es vier Flüge pro Jahr. Lohnt sich dafür die Entwicklung einer eigenen Trägerrakete? Bei dem Raumschiff ist es etwas anderes, aber auch hier will die NASA ja zwei Systeme haben, also wird auch dieses nicht so oft eingesetzt werden.

Es ist auffällig, dass es in den USA einen Trend gibt mehrere Systeme für ein und denselben Zweck zu haben. Beim EELV gibt es für eine Startrate die ohne Problem eine Linie abdecken könnte, zwei Träger. Bei den kleinen Trägern ist es genauso. Minotaur I und Pegasus haben fast gleiche Nutzlasten, Minotaur IV und Taurus XL ebenso und nun gibt es bei mittelgroßen Nutzlasten Falcon 9 und Antares. Die Frage ist ist es nötig? Meiner Ansicht nach nicht. Natürlich kann ein Träger mal einen Ausfall haben, dann steht er für einige Monate am Boden, aber dass er wirklich für längere Zeit ausfällt, das sollte bei einem eingeführten Träger, der seine Kinderkrankheiten abgelegt hat nicht vorkommen. Europa hat schließlich auch nur eine Ariane 5 - die übrigens genauso oft fliegt wie Delta IV und Atlas V zusammen. Nur eine Frage in den Raum, wie haben die USA im Jahr 1966 insgesamt 83 Starts mit nur sieben Trägern durchgeführt? Warum brauchten sie 2010 für 15 Starts genauso viele Trägertypen? (Die Statistik für 2011 habe ich noch nicht, aber es sind eher noch mehr...)

Was mir an der Liberty gefällt, ist dass man sich zusammentut: Astrium und ATK wollen sie gemeinsam entwickeln. Das wäre doch mal ein Modell für die Zukunft. Anstatt dass jeder für sich zig verschiedene Trägerraketen baut, entwickelt man eine zusammen. Dann ist jeder zufrieden, denn jeder hat Aufträge, es wird für alle billiger (höhere Stückzahl = niedrige Stückkosten). Aber stattdessen nationales Gerangel. Ich habe ja schon die Idee gehabt, die DSCC (zweite Stufe der Delta 4) für die Ariane 5 zu adaptieren - fast gleicher Durchmesser, fast gleiche Treibstoffzuladung, nur wiegt sie 3,5 anstatt 6,25 t. Selbst wenn man das Vinci Triebwerk verwendet, müsste man noch um die 2 t mehr Nutzlast transportieren können. Nicht dass man in Europa leichtgewichtige Stufen nicht bauen könnte - die EPC die in Frankreich entsteht zeigt es ja und sie hält sogar den Ritt auf einem SRB aus. Nur soll ja die ESC-B in Bremen gebaut werden, wo man bisher eben nur massiv gebaut hat. Das Problem ist eben der geographische Rückfluss. Wenn man 20% für Ariane gibt muss man eben auch 20% der Aufträge bekommen, auch wenn die Kompetenz nicht vorhanden ist. Und das Astrium Bremen sie aufbaut, ist unwahrscheinlich, denn wie man Foren entnimmt scheint Astrium Bremen alle Vorschläge doch leichtgewichtigere Legierungen, Druckstabilisierung oder CFK-Werkstoffe einzusetzen abgelehnt zu haben.

So glaube ich nicht, dass mein Vorschlag Anklang findet. Im Gegenteil: die nächste Subvention ist schon ausgemacht. Nachdem ich sicher schon seit 20 Jahren die Vorteile von Ionentriebwerken herausgestellt habe, sie sich inzwischen auch im Weltraum bewährt haben (DS-1, Smart-1, Dawn....) baut man nun Kommunikationssatelliten die sie einsetzen. Nur eiben bei Boeing. Und schon wird diskutiert dass man die Industrie in Europa subventionieren muss, weil sie keine solchen Satelliten im Programm hat. Das hat man ja schon früher so gemacht mit Olympus, Artemis, bald kommt Alphasat dazu. Leute: ihr seid nicht dazu da, die Scharten der Industrie auszuwetzen. Wenn Astrium sieht, dass sie Aufträge verlieren, dann werden sie schon selbst was entwickeln. Wenn sie das nicht können, dann sollen sie auch keine Satelliten bauen.

Das interessante dabei ist natürlich, dass man zur gleichen Zeit über die Ariane 5 ME und Ariane 6 nachdenkt. Also wenn ich dem Artikel folge und dann die Startmasse halbieren kann, dann brauche ich weder eine Erweiterung der Ariane 5 noch eine Ariane 6, weil ich ja mit den derzeit 10 t Nutzlast wenn ich wieder die Speltra einführe, drei Satelliten mit 8,6 t Startmasse gleichzeitig starten könnte, die rund 17 t bei einem chemischen Antrieb entsprechen, und selbst wenn ich nur eine Mischbestückung habe, so finde ich nun immer einen leichten Satelliten. Dieses Problem wurde ja als Triebkraft für die neue Oberstufe angegeben - es gäbe zu wenig leichte Satelliten, sodass man mehr Einzelstarts durchführen müsste,

13.5.2012: Eine tolle Geschäftsidee

Als Chemiker kommen einem ja im Laufe des Studiums Ideen, wie man seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte wenn man im Traumberuf keine Chance hat. Die meisten sind mehr oder weniger illegal, nutzen aber die chemischen Kenntnisse die man gewonnen hat, wie die Synthese von Rauschgift oder das Entfernen des Entgällungsmittels aus Brennspiritus (man erhält dann steuerfreien preiswerten Alkohol). Seit Al-Quaida käme ja noch die Herstellung von Bomben dazu, doch denke ich zahlen die nicht gut genug.

Die Verbrauchersendung "Da wird mir übel" brachte mich noch auf eine andere Idee: Himalajasalz. Anders als zuerst vermutet, ist das keine geschützte Herkunftsbezeichnung. Es ist vielmehr die Bezeichnung für ein gefärbtes Speisesalz, das auch aus Polen stammen kann.

Bei Preisen von 6 bis 7 Euro für ein Kilogramm winken enorme Verdienstspannen, denn das ist rund zehnmal teurer als normales Speisesalz. Was das Salz unterschiedet sind nur einige Beimischungen wie Calcliumsulfat-Dihydrat (populärer Name: Gips) oder eben färbende Substanzen.

Also was ich mir denke: der Markt wartet doch auf deutsches Himalajasalz und das in anderen Farben. Also hier mal einige Vorschläge

Wenn ich nachdenke kommen mir sicher noch ein paar Ideen für weitere Farben. Dann kann man das noch leicht geschmacklich anreichern, entweder mit Kräutern oder etherischen Ölen. Also gegenüber dem herkömmlichen Himalajasalz könnte man das perfekte Lifestlyesalz für jede Gelegenheit bieten. Dazu kann man noch werben - die zugesetzten Mineralien decken den Bedarf an Spurenelementen.

Die penetrante Werbung für "Schüsslersalze" von Pflüger bringt mich auf meine zweite Idee. Ein Nachschlagen ergab, dass es sich homöopathische Salze in einer so hohen Verdünnung handelt, dass man bei den meisten den Mineralstoffgehalt nicht mehr analytisch wird nachweisen können. Interessanterweise schweigen sich die meisten Stellen darüber aus, woraus denn dann die Tabletten bestehen. Ich dachte zuerst an Kochsalz, doch da dieses auch ein Schüsslersalz ist, konnte es das nicht sein - es ist wie ich nach Suchen feststellte Milchzucker. Super, der Abfallstoff ist billig zu haben. Also einfach Milchzucker in Tabletten abfüllen und verkaufen - Mineralien zudosieren muss man nicht, denn es sind ja eh keine nachweisbar. Daher reicht auch eine Maschine für alle 27 Schüsslersalze. Geld verdienen kann so einfach sein!

14.5.2012: Die neuen Modelle in der Raumfahrt

Schon vor dem COTS 2/3 Flug kommt das COTS und die nachfolgenden Programme in die Diskussion. Bei Anhörungen im Kongress war man doch recht unzufrieden. SpaceX gibt da ja Steilvorlagen. Selbst wenn man die Äußerungen des Chief Rocket Engineers (warum erinnert mich das immer an die 50 Euro Doktortitel die man bei ebay kaufen kann?) Elon Musks absieht, dann ist das ganze doch nicht so überzeugen.

Die Frage die gestellt wird ist, was diese Konzepte nun bringen. Ob nicht der bisherige Ansatz besser war. Schon wird gefordert beim CCDev sich auf eine Firma zu beschränken und zwar eine die schon etabliert ist. Die derzeitigen Beratungen des Kongresses haben das Budget von 830 auf 500 Millionen reduziert und es gab die Forderung nur eine Firma mit einem Entwicklungsauftrag zu beauftragen. Es werden Parallelen zu anderen Subventionen von Firmen gezogen die für den Staat nur teurer wurden.

Ich will nicht auf das im Detail eingehen. Das Problem, dass man hat, ist das die Sache mit der Auslagerung zwar potentiell Kosten spart, es jedoch Probleme gibt wenn dann die Schnittstelle in Form der ISS und der Sicherheit der Station und der Besatzung gegeben ist. Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass wenn man es mit dem Staat zu tun hat es immer bürokratisch wird, was in Firmen zu erheblichen Kosten führt. Schließlich war ich ja mal in einer Uni und ich muss nur mal denken wie es da mit den Bestellungen lief.

Wenn nun die ISS beteiligt ist, dann hört an der Stelle eben die Freiheit auf. Dann will die NASA jedes System das sicherheitsrelevant für die Ankopplung und den Betrieb an der ISS ist genauestens prüfen, was durchaus sinnvoll ist, wie ja gerade SpaceX zeigt. Ich möchte nicht wissen was passiert wäre, wenn die Kapsel mit der Software ohne Fehler (so der Chefentwickler) ohne Review zur ISS geflogen wäre. Ich vermute mal dasselbe wie bei Progress M-34.

Mein Vorschlag: ihr habt das an der falschen Stelle probiert. Bei der ISS mit ihren 100 Milliarden Kosten und den potentiellen Schlagzeilen, wenn sie beschädigt wird oder der Besatzung was passiert, nun gerade mit einem neuen Modell anzufangen um Kosten zu sparen. war eine falsche Idee. Wenn, dann hätte man damit bei der unbemannten Raumfahrt damit anfangen müssen. Dies sind einzelne Projekte, wenn sie schiefgehen, dann ist das auch weniger spektakulär.

Wie könnte es gehen? Die Weltraumagentur tritt als Auftraggeber mal etwas zurück. was will man bei einem Satelliten oder Raumsonde eigentlich? Man möchte bestimmte Instrumente in den Orbit befördern, legt wert auf eine bestimmte Lebensdauer und eine bestimmte Datenrate. Heute bestimmt man viel mehr Details, wie eine Raumsonde konstruiert ist, verhandelt über den Start separat etc. Warum mal hier einen radikal einfacheren Ansatz: Man vergibt nur den Auftrag: Das sind unsere Instrumente, die sollen dort hin und wir wollen so viel Daten pro Tag haben. Punktum. Wie ihr das macht, welchen Träger ihr nehmt, ist nicht unsere Sache. Als Absicherung gegen absolute Billigangebote und Pleiten muss der Einsatz versichert sein, damit man ihn wiederholen kann. Das ist in Russland übrigens üblich. Dort war auch Phobos Grunt versichert. Das ist übrigens auch bei kommerziellen Satelliten üblich, nur nicht bei Regierungssatelliten. Da meint man mit mehr Geld beim Bau mehr Sicherheit kaufen zu können.

Ich prognostiziere, dass dann durchaus Einsparungen da sind. Man muss nur mal dorthin schauen wo kommerzielle Raumfahrt funktioniert: Das sind Kommunikationssatelliten die heute überwiegend von Unternehmen bestellt werden. Während ein Forschungssatellit typischerweise vier bis sechsmal teurer als der Träger ist, ist es bei einem Kommunikationssatelliten erheblich günstiger, er kostet nur doppelt bis dreimal so viel wie der Start. Warum? Er wird nicht jedes Mal neu entwickelt, sondern aus Standardbauteilen zusammengebaut. Doch gibt es ja auch hier Tendenzen die Branche zu subventionieren, wenn sie Entwicklungen verschläft, wie jetzt bei der ESA wenn Boeing Satelliten entwickelt die keinen chemischen Antrieb mehr haben.

Was sichergestellt werden muss und das sehe ich als das größte Manko des COTS Programmes, ist die Information. So wie es jetzt bei SpaceX läuft zeigt es wie es falsch ist. Von den 45 Seiten des COTS 2 Presskits sind in 2 neue Informationen drin. Das ist die Mission Timeline. Wichtiger (4 Seiten lang) scheint die Biographie von Musk und Shotwell und das schon peinliche Launchmanifest zu sein. Information sieht anders aus. Vielmehr hat man sohl alles was es auf der Website gab, zusammengegrabscht egal ob es was mit dem Flug zu tun hatte um Seiten zu füllen. Vielmehr würde einen interessieren wie die Dragon genauer aufgebaut ist, eine kleine Massenbilanz wäre auch interessant, denn ich vermute mal sie ist deutlich schwerer geworden als geplant. In älteren Dokumenten findet man 4.900 kg Trockenmasse (mit 20% Sicherheitsschwelle), aber die noch nicht vollständige die im Dezember 2010 flog wog ja schon 5.200 kg und nun scheint man mit 500 kg Nutzlast schon an der Nutzlastgrenze der derzeitigen Falcon 9 zu liegen. Aber warum sollte es nicht funktionieren auch dies vertraglich festzulegen. Frage: warum hat man es bei COTS offensichtlich nicht vertraglich festgelegt?

Bei OSC sieht bei der Information etwas besser aus, ist aber auch noch ausbaufähig. Wenn man Raumfahrt so angeht, dann könnte es in der Tat große Einsparungen geben. Es würde wahrscheinlich bald standardisierte Busse für Forschungssatelliten geben. Was natürlich auch kommen würde wäre eine Bereinigung des Trägerraketenmarktes. Noch nie gab es so viele Träger bei so wenigen Starts. Schon jetzt höre ich da wieder viele jammern, dann wird man eben die üblichen Schutzmechanismen aufbauen wie "ihr dürfte sie mit jeder US-Trägerrakete starten, aber eben nicht mit einer ausländischen". aber so wird man auch weiterhin subventionieren müssen.

17.5.2012: Anti-amerikanische Umtriebe

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber mir ist das Wort im Kopf hängen geblieben und ich habe mir dazu einige Gedanken gemacht, die ich mal wiedergeben. Zuerst einmal ist es nicht sofort verständlich, also versuchen wir mal erst den Sinn zu ergründen.

Fangen wir mit den Umtrieben an. Als Substantiv kenne ich es nicht, nur als Adjektiv, da bedeutet "untriebig" soviel wie fleißig oder rastlos. Rentner sind oft umtriebig, können also nicht sich auf ihrem Altersruhestand ausruhen, sondern suchen immer nach einer Beschäftigung. Aber versuchen wir es mit einer Analyse. Da haben wir das Wort "Triebe". Triebe sind die elementaren Antriebe (daher auch der Wortstamm) die uns bewegen oder eben "antreiben". Also die Deckung von Bedürfnissen wie Hunger, Durst, Sexualität, Sozialer Integration etc. Also Triebe sind etwas definitiv positives.

Doch da ist ja noch die Vorsilbe "Un". Sie verkehtz das Wort das sie kleidet in sein Gegenteil, meistens ins negative. Aus "Geheuer" wird "ungeheuer" aus "gefährlich" wird "ungefährlich" und aus "bekleidet" wird "unbekleidet". Also sollte jemand der "Umtriebe" hat jemand sein, der keine Triebe hat, also eigentlich jemand sehr phlegmatisch. ist. Es gibt aber auch noch eine zweite Bedeutung in dem Sinne, dass nicht das Gegenteil gemeint ist, sondern eine negative Form. Triebe sind positiv, erwünscht, Umtriebe dagegen negativ belegt und nicht erwünscht.

Doch kommen wir zum zweiten Wort, das ist vom Wortsinn zumindest her einfacher "anti-amerikanisch" oder in anderer Übersetzung "unamerikanisch".  "Un" haben wi ja schon abgehakt. "Anti" bedeutet so etwa "Gegen", so ist der Antagonist der Gegenspieler und Anti befindet sich oft bei vielen Substantiven um zu kennzeichnen, dass jemand gegen etwas ist wie "Anti-Atomkraftbewegung". Was bedeutet dann wohl "anti-Fada`?

Bleibt noch "amerikanisch", das ist ein Adjektiv, kennzeichnet also eine besondere Eigenschaft. Was ist amerikanisch? Das wird schwierig. Welche Eigenschaft würden sie einem Amerikaner oder einem Land zuweisen? Fangen wir mit dem Amerikaner an. Nun mir würden da einfallen "naiv", "Waffennarr", "oberflächlich", "uninformiert". So gesehen wäre ein "antiamerkanistisch" also "skeptisch", "Waffen ablehnend", "tiefschlürfend", "Infomiert". Das sind eigentlich sehr positive Eigenschaften für einen Staatsbürger die wünschenswert sind.

Doch in der Bedeutung die es hat scheint es wohl nicht den Durchschnittsamerikaner meinen, sondern das Land. Das verwirrt zuerst, hat doch ein Land schlecht Eigenschaften die man negieren kann. Vor allem sind es Eigenschaften die man schlecht aktiv sind, wie es bei den Umtrieben der Fall ist. Ein Land kann weitläufig, schön, bewaldet, flach, heiß oder kalt sein. Doch das ist statisch und hat nichts mit Bewegung zu tun. Gemeint war wohl eher mit "amerikanisch" ein Konsens über die Politik und Werte des Landes, also vielleicht als Paradebeispiel dem "amerikanischen Traum". Das es also jeder vom Tellerwäscher zum Millionär bringen kann. Andere typisch amerikanische Werte sind das Recht Leute beim Überqueren fremder Grundstücke zu erschießen, kleine Länder unter fadenscheinigen Argumenten zu überfallen, den größten Dorftrottel den man findet zum Präsidenten zu wählen und bei jeder passenden Gelegenheit die Nationalhymne zu spielen und die Nationalflagge in allen möglichen Formen auf Kleidungsstücken zu tragen.

Wie die meisten wohl wissen, kam dieses Wort in der McCarthy Ära zu Popularität. Das Komitee mit dem Titel im Namen "House Committee on Un-American Activities" gab es aber schon vorher und noch lange nachher. Unamerikanisch sind in diesem Sinne kommunistische Aktivitäten. Nun gut Kommunismus und Amerikanismus passen wirklich schlecht zusammen. Kommunismus (zumindest in der Theorie, nicht dem real existierenden) ist die klassenlose Gesellschaft in denen allen alles gehört. Dagegen beruht die amerikanische Gesellschaft auf dem Gegenteil dem Kapitalismus, also dem Streben sich maximal zu bereichern um aufzusteigen, was natürlich die Ausbeutung vieler anderer zur Folge hat.

Die Frage die sich stellt, warum gerade dies so bedrohlich für die USA sein sollen. Zum einen wurde der Ausschuss so richtig aggressiv zum Ende der Stalinära unter McCarthy, als schon der kalte Krieg zwischen beiden Ländern ausgebrochen war und jeder wusste, wie der Kommunismus die Leute unterdrückt. Das in diesem Klima kommunistische Ideen kaum Zulauf bekommen würden und man gewiss keinen Ausschuss braucht um sie zu bekämpfen dürfte dann eigentlich klar sein. Interessanterweise gab und gibt es keine Ausschüsse um andere amerikanische Eigenschaften zu verteidigen, so das Waffennarrentum, die Uninformiertheit über den Rest der Welt, und den Anspruch Weltpolizist zu sein. Wie man sieht bleiben diese aber auch bestehen, ohne dass sie verteidigt werden.

Mich würde mal interessieren, was wohl "undeutsche Umtriebe" wären. Habt ihr da Vorschläge?

19.5.2012: Wer hat Angst vor dem bösen Luchs

Mufflon

Vor zwei Tagen sah ich beim Zappen einen Beitrag über Luchse im Harz. Man mag es kaum glauben. Kaum hat man wieder einige mit Mühe angesiedelt, schon gibt es wieder Ärger. Grund ist das Mufflonwild, das nun vom Luchs im Harz "ausgerottet" wird. Das suggeriert zumindest ein Jäger, der Fotofallen aufstellt und damit nachweisen will, wie die Mufflons immer weniger werden. Doch auch andere befürchten schlimmes. Die Touristenregion ist bedroht, weil die Touristen wegen des Mufflons in den Harz kommen. Ja sie haben wirklich richtig gelesen. Die Leute kommen nicht wegen der Landschaft sondern wegen der Mufflons. (und natürlich nicht wegen dem Luchs). In einem Jagdbezirk hat man im letzten Jahr nur noch 23 geschossen, bevor der Luchs kam waren es mal 300.

Nun warum ist das Mufflon so bedroht? Tja und nun wird es skurril. Das Mufflon ist keine einheimische Tierart, sondern wurde vor 105 Jahren aus Korsika importiert, wahrscheinlich, damit man mehr Auswahl zum Abknallen hatte. An den Luchs als natürlichen Feind nicht gewöhnt, hat es nicht das adäquate Abwehrverhalten, flüchtet also nicht rechtzeitig und ist so eine leichte Beute. Fassen wir also zusammen: eine ehemals einheimische Art, die ausgerottet war, dezimiert nach ihrer Wiederansiedlung eine nicht einheimische Art. Sie stellt also den natürlichen Zustand wieder her.

Ich weiß nicht, was ihr von Jägern haltet. Für mich sind sie in der Glaubwürdigkeit nicht weit von den Politikern entfernt. Sie  reden immer davon, dass unser Wild keine natürlichen Feinde hat und sie regulierend eingreifen müssen. Wenn aber dann mit viel Mühe und Kosten die natürlichen Feinde in den wenigen Regionen, die noch groß genug sind damit sie überleben können, angesiedelt werden, dann geht das Heulen los, weil der Wildbestand abnimmt. Glaubt man ihnen, dann rotten Wolf und Luchs alles aus. Und wenn mal ein Bär sich zu uns verirrt, der anders als Wolf und Luchs auch unter Umständen dem Menschen gefährlich werden könnte, dann wird er zum "Problembär" wenn er Schafe reist. Dabei sollten sie, glaubt man ihrer eigenen Argumentation als "Wildhüter" ja dankbar sein, wenn Luchs und Wolf ihnen die Wildbestandspflege abnehmen.

Was die Jäger in vielen Gebieten wirklich wollen, ist ein Wildbestand, der weitaus höher ist als es für den Wald gut ist, damit genügend Wild zum Abschuss da ist. Das führt dazu, das Waldbesitzer, die wirklich Wald haben wollen, diesen einzäunen müssen, weil sonst die Rehe die ganzen Bäume verbeißen. Um es klar zu sagen: ich habe nichts gegen die Jäger, ich will sogar, dass sie ihren Aufgaben wirklich nachkommen, das bedeutet den Wildbestand zu verringern, auf ein ökologisch sinnvolles Maß. Doch das tun sie nicht. Was ist die Lösung? Anstatt die Aufgabe Laien zu übertragen, die nur ein Interesse haben, nämlich möglichst viel Wild zu haben, sollte man es den Experten überlassen, die eine Ausbildung haben und für den Wald als ganzes verantwortlich zeichnen, also den Förstern.

Vor kurzem kam in einer anderen Fernsehsendung ein Streifzug durch Deutschland und da ging es um die Natur. Ich war erstaunt wie schwer es ist Wolf und Luchs bei uns wieder anzusiedeln. Neben den Anforderungen die bei uns kaum noch erfüllt sind (beide Arten brauchen recht große Waldgebiete und sind sehr scheu, meiden also den Menschen, was bedeutet, dass die Gebiete auch noch nicht so besucht sein dürfen) gibt es die Probleme mit Autobahnen die die Reviere zerschneiden und eben den Jägern. Immer wieder gibt es Ärger mit Luchsen und Wölfen. Wenn mal ein Schaf gerissen wird kommt es in den Nachrichten. Ein Schaf. Okay, wie oft kommt es in den Nachrichten, dass mal ein Tier auf der Autobahn überfahren wird? Das Theater gibt es wegen ganzen 80 Luchsen und 60 Wölfen. Das ist also in etwa ein Wildtier auf eine Million Einwohner. Ich bin überzeugt, es gibt sicherlich zehnmal mehr Mörder in Deutschland und die gibt man ja auch nicht zum Abschuss frei. Wobei die ja sogar Menschen töten - im Gegensatz zu Wölfen und Luchsen. Ein kleiner Fond für Entschädigungen durch Risse würde wahrscheinlich das Problem einiger Schafe, Hühner oder Ziegen die zum Opfer fallen schon lösen. Wie oft kommt das vor vielleicht ein Dutzend bis Hundertmal pro Jahr und welchen Wirtschaftlichen Wert hat ein Schaf? Also wenn man drüber nachdenkt, dann wird es schon skurril.

Es ist eine Schande, dass offensichtlich unsere Gesellschaft schon mit dieser kleinen Anzahl von Wildtieren überfordert ist.


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