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Web Log Teil 281: 30.5.2012 - 4.6.2012

30.5.2012: Die einen nennen es Panscherei, die anderen Verbraucherwunsch

Eines wogegen sich Udo Pollmer wendet ist das was er "Panscherei" nennt. Es ist der immer extensivere Einsatz von Lebensmittelzusatzstoffen und was ich eher gesagt noch für schlimmer halte, der Ersatz teurer Zutaten durch Billige und das Umgehen von Deklarationspflichten durch Stoffe die wie Zusatzstoffe wirken, aber als Lebensmittel auftauchen. Also damit wir wissen wovon wir reden:

In Brot finden sie immer wieder Stoffe, die nichts mit dem klassischen Brot zu tun haben. Neben den neuen Moden allerlei Körner oder Fremdmehle zu verwenden, die weitere Zusatzstoffe nötig machen, findet man seit einigen Jahren auch Lebensmittel wie Runkelrübenextrakt, Malzsirup oder ähnliches. Was dies zu tun hat? Es sind schwarz-braune intensiv färbende Flüssigkeiten und so wird aus einem hellen Brot ein dunkles. Das verkauft sich besser weil es als gesünder gilt. Dies ist ein typisches Beispiel wie das Verbot des Farbstoffzusatzes für Brot umgangen wird.

Eis wird immer energieärmer, obwohl die Rezeptur eigentlich sich kaum geändert hat. Das Geheimnis: Luft. Eis wird (zu meinem Leidwesen) nicht nach Gramm, sondern Millilitern verkauft. Der Verbraucher zahlt also pro Volumen und so nimmt der "Aufschlag", so der Fachausdruck immer weiter zu. Eis aus einer Cafeteria oder selbst gemachtes hat einen Aufschlag von 40 bis maximal 60%. Eis in den meisten Fertigpackungen, besonders wenn die Bezeichnung luftig klingt, wie "Eisstrudel" 100%. Und die Luft wird mitgezahlt.

Dann gibt es noch die vielen Fälle wo man teure Zutaten durch billige ersetzt. Anstatt Vollmilch wird Magermilchpulver, Molkenerzeugnis (schon der Name zeigt, dass man nicht so genau sagen kann was es ist) und Butterreinfett zugesetzt. Das ist billiger. Milchzucker wird gerne als Streckmittel verwendet. Auch er wird aus Molke, einem Abfallprodukt der Käseherstellung gewonnen. Und wenn es keine Vorschriften für Milchbestandteile gibt, dann wird auch gerne mal Milchfett durch Pflanzenfett ersetzt, so in Eiscreme.

Das alles hat in den letzten Jahren zugenommen und natürlich geht es nun darum wer ist dran schuld. Der Verbraucher sagt natürlich: Die Hersteller sind dran schuld, schließlich panschen die. Dann wird sofort nach dem Gesetzgeber gerufen. Der soll dem einen Riegel vorschieben.

Der Gesetzgeber verweist dann auf den Grundsatz unseres Lebensmittelrechtes und der ist nicht das nur Premiumprodukte produziert werden, sondern die Nahrung nicht gesundheitsschädlich ist und ordnungsgemäß gekennzeichnet. Im Zweifelsfall macht er dann Aktionen wir Beschwerdeprortale.

Die Hersteller sagen dann "Der Verbraucher will das so" und verweisen drauf, dass eben die Produkte wie sie so sind, verkauft werden. Er richte sich also nur nach dem Verbraucherwunsch. Und wenns ganz hart auf hart kommt, verweist er auf den Handel, der die Preise drückt nach dem Motto: "Die Leute wollen das so billig und Hersteller XY ist preiswerter".

Und wer hat recht? Alle haben recht. Wir haben in Deutschland die "Alles muss billig sein" Mentalität. Das führt dazu, dass Produkte tendenziell immer billiger sein müssen und irgendwo schlägt sich das dann auch auf die Qualität durch. Auf der anderen Seite ist auch der Verbraucher schuld, wenn er obwohl diese Schummeleien drauf stehen. De Fakto sehe ich aber auch eine große Mitschuld beim Handel, denn der Verbraucher kauft nicht beim Hersteller. Der Handel trägt durch den Preisdruck, den er ausübt sicher mit die Hauptschuld.

Ich bin draufgekommen durch Speiseeis, da kam vor einiger Zeit eine Sendung des "Verkosters" über das Thema wo auch die Sache mit dem Aufschlag und der Differenz handwerkliches Eis und Industrieeis thematisiert wurde. Nun wir müssen nicht darüber reden, dass Industrieeis anders zusammengesetzt ist als Eis aus handwerklicher Fertigung. Denn dieses ist typischerweise 1-2 Tage haltbar, das geht beim Vertrieb über den Supermarkt nicht. Bestimmte Unterschiede wie mehr und verschiedene Dickungsmittel gab es schon immer, doch das man nun auch bei Markeneis Pflanzenfett, Magermilchpulver und Molkereiprodukte anstatt Sahne und Milch findet, dass wird immer schlimmer. Die Frage ist ob Langnese, Möwenpick und Co sich damit einen Gefallen tun. Wenn ich ein Markenprodukt kaufe, dann erwarte ich eine höhere Qualität. Wenn ich dann im Markenprodukt dieselbe Zusammensetzung wie beim Billigeis finde, dann brauche ich keine Marke.

Mal ein Vorschlag: Die meisten Hersteller produzieren ja auch für die Discounter oder andere Handelsmarken. Warum setzt ihr euch nicht die Maxime: "In unsere bekannte Marke, kommen nur gute Zutaten rein, in die Handelsmarken dann die billigen". Das ist besser als mit irgendwelchen Zusätzen wie "Premium" zu arbeiten. Es hilft auch eure Marke als qualitativ hochwertig hoch zu halten.

Nicht dass die Produktion wie sie heute ist schlechter sein muss, ich möchte nur die Auswahl haben. Ich habe z.B. jetzt bei ALDI ein "Bio Eis" gekauft. Vergleichen mit den übrigen ALDI Preisen ist es schon recht teuer (1,70 Euro für 500 ml) aber es kommt näher dem was handwerkliches Eis ist: Keine fremden Zutaten, keine Farbstoffe, nur ein Verdickungsmittel (ganz ohne geht es auch bei handwerklicher Produktion nicht). Es ist relativ hell, fast weis, fest (Aufschlag 60%). Vergleichen mit normalen Vanilleeis, schmeckt es wenig nach Vanillin, ist nicht so cremig, mehr was zum lutschen. Also normales Vanilleeis finde ich etwas zu aufdringlich im Vanillegeschmack, dort wird Extrakt zugesetzt. In Vanilleschoten die ausgekratzt werden wie in diesem Bioeis geht weniger des Aromas über. Also im Geschmack wäre ein Mittelding zwischen beiden Formen nicht schlecht. Hinsichtlich der Konsistenz bin ich wirklich jemand, der die cremige Konsistenz des heutigen Industrieeises bevorzugt. Aber ich möchte die Wahl haben. Derzeit kann ich an einer Verpackung nicht erkennen wie viel Aufschlag drin ist.

Was kann man tun? Augen Auf - zumindest bei dem Kauf. Was eine Mogelpackung ist, das sollte man eben links liegen lassen. Ich habe da gerade so einen Fll vor mir. Ein "Eiweißbrot", das ziemlich teuer ist (1,99 Euro für 400 g). Das werde ich wenn es gegessen ist dann mal zusammen mit anderen Brotsorten in der Was ist drin Rubrik unter die Lupe nehmen.

1.6.2012: SpaceX - was wäre wenn

Ich denke wenn der Blog erscheint, ist die COTS 2+ Mission zu Ende gegangen. Selbst wenn die Dragon noch beim Eintritt verglühen sollte - gemessen an den Missionszielen (die NASA verlangt ja keinen Rücktransport, das wird nur mit unwichtigem Equipment demonstriert) ist das COTS Programm dann abgeschlossen worden.

Schon gibt es an einigen Stellen den Jubel, so im Stil "neue Ära in der Raumfahrt" und mancher sieht nun schon die Marsmissionen kommen. Zeit mal drüber nachzudenken, was passiert wenn SpaceX nur die angekündigten Ziele umsetzt, welche sind:

Was wären die Folgen?

Fangen wir mit den Trägern an. Für die US-Regierung wird die gleiche Politik wie bisher gelten: zwei Linien beim DoD. Die Einsparungen sind dort wegen der Zuschüsse bei wenigen Starts also nicht so hoch. Die NASA könnte mittelfristig auf die Falcon umsteigen und so Startkosten sparen. Doch bei beiden Agenturen gilt eines: Die Startkosten machen bei den wissenschaftlichen und militärischen Satelliten nur einen kleinen Teil der Projektkosten aus. Die eingesparten Kosten werden wohl kaum in neue Missionen investiert, denn die NASA muss wie alle US-Behörden nach dem Haushaltsgesetz sparen.

Das gleiche wird bei Flügen zur ISS gelten. Wenn diese billiger werden, dann senkt das die Fixkosten. Ob die NASA deswegen Orion und SLS aufgibt? Vielleicht weil sie zu teuer sind, aber bisher wird parallel entwickelt - kommerziell und Orion und wenn nun einer der kommerziellen Anbieter gewählt wird, was soll dies ändern? Zudem haben beide ja auch unterschiedliche Ansatzpunkte. Orion für Missionen ins Sonnensystem und kommerzielle für die ISS-Versorgung. Meiner Ansicht nach völliger Blödsinn, aber bemannte Raumfahrt war noch nie logisch.

Für Orbitaltourismus sind 140 Millionen pro Flug immer noch teuer, zumal dann ja noch eine Raumstation gebraucht werden und es bei 24 Millionen pro Sitz (ein ausgebildeter Astronaut muss ja mitfliegen) es nur bleibt, wenn ein Flug vollständig ausgebucht ist. Bei den Russen war es ein Tourist alle paar Jahre und daran wird sich bei den Preisen auch nichts ändern. Das Interesse der Industrie an Forschung ist gering. Schon bei der ISS gibt es trotz Sonderkonditionen wenig, was da vorzuweisen ist. Also ob sich Bigelows Station, die ja dann mit SpaceX kooperieren wollen, rentiert?

Warum man vor allem in Deutschland jubelt ist mir noch unerklärlicher. Ariane 5 braucht wegen der niedrigeren Preise der Proton Subventionen, rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Wenn tatsächlich SpaceX für 60% des Preises starten kann werden die Aufträge noch mehr wegbrechen, die Subventionen werden noch höher werden. Also zahlen wir mehr oder müssen bei den ESA Missionen sparen. Schlimmer noch: Wenn die Ariane 6 entwickelt wird, dann werden dann Milliarden in den Sand gesetzt.

Für alle weitergehenden Vorstellungen von Elon Musk, der ja mal zum Mars will, ist es recht einfach: selbst im optimistischsten Fall, wenn er also alles baut Träger, Raumfahrzeuge, Habitate, braucht er eine Fremdfinanzierung einer Regierung und die ist in absehbarer Zeit nicht sichtbar. Zum einen soll ja die ISS weiter betrieben werden und zum anderen muss ja wie schon gesagt gespart werden. Schon jetzt ist das NASA Budget gesunken, das wird noch mehr werden.

Also zu viel Jubel sehe ich keinen Grund, im Gegenteil.

2.6.2012: Kommerzielle Raumfahrt wo funktioniert sie?

Nach dem Abschluss des COTS Programm ist ja zumindest Elon Musk sehr optimistisch, dass dieses Konzept funktioniert (die Äußerungen der NASA in der gleichen Pressekonferenz sind da etwas reservierter). Zeit mal zu sehen wo Kommerzialisierung funktioniert. Wer in meinem Alter ist und schon damals sich für Raumfahrt interessiert, der erinnert sich noch was für Versprechen es mit dem Space Shuttle gibt. Man muss nur mal Jesco von Puttkamers Bücher aus dieser Zeit durchlesen, dann hat man einen Eindruck von dem Optimismus den es damals gab.

Zeit also mal zu sehen wo man im Weltraum heute Geld verdienen kann und wo dies in Zukunft möglich sein könnte. Wo der Rubel heute rollt ist klar:; Seit 1963 gibt es kommerzielle Kommunikationssatelliten. Kleine Nebenbemerkung: Die Branche jammert seit Jahrzehnten zwar immer über steigende Startkosten, doch sie sind zum einen inflationskorrigiert  laufend gesunken, zum andern verdient sie enorm viel Geld.

Doch nur mal zu Erinnerung zwei Links. Einmal hierhin: Demnach kostet der Start eines Kommunikationssatelliten nur 25 bis 45% des ganzen Budgets (45% ist schon recht hoch, typischerweise ist der Satellit doppelt so teuer wie der Start und dann kommt noch die Versicherung oben drauf). Also wenn man die Startkosten halbieren könnte, (ehrgeiziges Ziel) dann würde man insgesamt nur 12,5 bis 22,5% der Gesamtsumme einsparen. Dann sind sie noch hochprofitabel: Nach diesem Link soll einer der O3B Satelliten 40 Millionen Dollar pro Jahr an Einkommen generieren. Die Investitionskosten für das gesamte Netzwerk aus 12 Satelliten (10 operationell) betragen zwischen 1,5 und 3 Milliarden Dollar. Also 400 Millionen jährlicher Nettogewinn bei 3000 Millionen maximalen Investitionskosten - keine schlechte Rendite.

Ehrlich gesagt ich hätte nicht gedacht, dass es so lange gut geht, ich dachte als man in den neunziger Jahren Anfing Glasfaserkabel mit erheblich höherer Kapazität als die vorherigen Kupferkabel zwischen den Kontinenten zu verlegen, das wäre das Ende der Kommunikationssatelliten.

Aber kehren wir zurück zum Thema. Kommunikationssatelliten sind nicht nur die ältesten, sie sind auch die einzigen die heute in keiner Weise von einer Regierung abhängig sind. Das ist bei den folgenden Gebieten noch nicht der Fall.

 Das zweitälteste Einsatzgebiet ist Erdbeobachtung. Das begann in den achtziger Jahren mit SPOTImage, heute operieren einige Firmen in diesem Bereich. Die Satelliten von SPOTImage wurden noch vom französischen Staat gebaut und gestartet, nur die Bilder wurden kommerziell vertrieben, heute baut und startet Digiglobe alles selbst und mit Rapideye gibt es auch ein deutsches Gegenstück. Aber: bei den meisten dieser Firmen ist der Staat noch Hauptauftragnehmer. Besonders bei den hochauflösenden Aufnahmen von Digiglobe sieht man das. Die bekommt zuerst das US-Militär, und beim neuesten Späher sind die kommerziell verfügbaren herunter skaliert. Die höchste Auflösung bekommt nur das NRO. Zudem führt das dann dazu, dass man vor und nach dem Afghanistankrieg keiner Aufnahmen von Afghanistan auf dem freien Markt bekam.

Doch ist das ein Nachteil? Eigentlich nicht. Es gibt eine Reihe von Bereichen wo Staaten die Hauptkunden sein werden. Doch das heißt nicht, das die Anbieter privat sein können, denn es gibt viele Staaten und es gibt viele mögliche Firmen, die Satelliten bauen können. Zusammen nennt man das Wettbewerb und als Folge könnten die Preise sinken.

Es wäre Zeit dies auf ein zweites Gebiet auszudehnen: Umweltbeobachtung. Es ähnelt stark der Erdbeobachtung, nur braucht man nicht so hohe Auflösung, dafür auch Daten aus anderen Spektralkanälen und anderen Instrumenten wie SAR, Temperaturmessungen, Bestimmung von Spurengasen mit Spektrometern etc.. Man benötigt die Daten für die Wettervorhersage und Klimamodelle / Überwachung der Umwelt. Damit wird es etwas komplizierter. Wissenschaftler wollen vor allem eine kontinuierliche Datenbasis, also Daten die sich über Jahnzehnte erstrecken. So war die Bestürzung groß, das Envisat vor zwei Monaten ausfiel, denn der Nachfolgesatellit wird erst 2013 gestartet. So gibt es eine Einjahreslücke in den Daten. Doch ist das nicht lösbar, indem die Anforderungen publiziert werden, und jeder der Instrumente dafür zur Verfügung stellt, kann Aufträge zu bekommen.

Das wäre doch mal eine Idee. Derzeit entwickelt jede Nation Wetterbeobachtungssatelliten, Umweltbeobachtungssatelliten und betreibt diese. Zwar werden die Daten ausgetauscht, aber ich denke wenn es echte Konkurrenz gäbe würde es für alle billiger werden.

Der nächste Punkt ist GPS. "Galileo" war auf Platz 18 der größten Fortschrittsflops und selbst Ulrich Walter hält es für überflüssig. Aber warum? Weil es das GPS System gibt. Nun ja das GPS System ist militärischer Natur und so lange ist es noch nicht her, dass die künstliche Signalverschlechterung abgeschaltet wurde und im Konfliktfall könnte das wieder passieren - gut bei uns wahrscheinlich nicht solange wir keinen Krieg mit den USA haben. Aber der Grundgedanke von Galileo ist ja nicht schlecht gewesen: Satellitennavigation findet man in so vielen Geräten, die so ubiquitär genutzt werden, dass ein solches System sich rechnen könnte - nun ja, wenn nicht jemand anders das für lau anbietet. Aber Tatsache ist: selbst das sehr teure Galileo wird 3,5 Milliarden Euro kosten. Mindestens 12 Jahre beträgt die Betriebszeit. (20 Jahre geplant) Nehmen wir rund 350 Millionen Kunden in den Industrieländern (sicher mehr, man muss nur mal an die Einwohnerzahl von China denken). Dann sind das 10 Euro pro Person - verteilt über 12 Jahre und alle Geräte die er benutzt. Ja wenn eben nicht die enorme militärische Bedeutung gegeben wäre. Es wäre ja ehrlich schade, wenn GPS-gesteuerte Bomben nicht mehr funktionieren würden. Vielleicht wäre Satellitennavigation dann weniger etwas für eine Firma, als vielmehr für die UN - es brauchen schließlich alle, aber bei der Paranoia des Militärs würde wahrscheinlich nicht mal das die Bedenken ausräumen. Und so baut eben jeder sein System - Amerika, Russland, China, Europa und wenn nicht aufpassen sicher bald auch noch Indien und weitere Länder.

Was bleibt noch? Forschungsmissionen und bemannte Raumfahrt. Bei Forschungsmissionen ist es heute noch so, dass die Raumfahrtagenturen sehr viel mitbestimmen wir das Gefährt aussehen sollte. Wie wäre es mit einem neuen Ansatz: Man gibt Betriebsdauer, mitzuführende Instrumente (Masse, Volumen, Datenrate etc.) vor und liefert diese ab, gebaut, und betrieben wird die Mission privat - und es gibt internationale Konkurrenz bei der Ausschreibung. Das ist natürlich völlig utopisch. Fakt ist das heute wenn Industrien schon Gebiete subventionieren, die kommerziell funktionieren. Die ESA vergibt gibt in regelmäßigen Abständen Aufträge für Kommunikationssatelliten die nur neue Technologien einführen sollen (Olympus, Artemis, Alphasat) und weil die Industrie sich schon dran gewöhnt hat soll man nun auch noch Satelliten mit reinem Ionenantrieb subventionieren.

Das zweite ist die bemannte Raumfahrt. Da gibt es zwei Segmente. Den Orbitaltourismus und Industrieforschung. Nehmen wir ersteres: Touristen gab es bislang genau sieben. Und dies obwohl sie noch zu moderaten Preisen von 10 bis 25 Millionen Dollar flogen (heute kostet ein "Ticket" 63 Millionen). Wenn ich mal die Zahl der potentiellen Multimillionäre nehme, sind das recht wenige. Sicher sind 20 Millionen Dollar viel Geld, aber für wirklich Reiche kein Problem. Die haben auch umgebaute Jachten und Flugzeuge die dreistellige Millionenbeträge kosten oder finanzieren ganze  Sportvereine. Selbst wenn nun der Zugang billiger wird - ich denke bevor er nicht entscheidend billiger wird (sagen wir mal 1-2 Millionen pro Flug) prophezeie ich da keine Wende. Dabei muss ein Anbieter ja anders als bisher eine eigene Raumstation betreiben, was auch noch Kosten verursacht.

Als die ISS noch geplant wurde, plante die NASA einen Großteil der Kapazitäten zu vermieten, es gab sogar Preislisten. Europa dachte sogar Profit zu machen. Dann die Überraschung. Die Nachfrage war ... lassen sie mich mal nachschauen .... sie war gleich Null. Okay fast gleich null. Ab und an wird extra hervorgehoben dass es ein "commercial" Experiment gibt. Doch dafür muss fast nichts bezahlt werden, Hauptsache man hat überhaupt was vorzuweisen. Die ISS muss ja zu was nutze sein, sonst könnte jemand die 4-5 Milliarden Dollar Aufwendungen nur für den Betrieb hinterfragen. Ob Bigelows Vorstellungen mit ihrer Raumstation, die ja auch auf Industrieforschung und nicht Tourismus fußen aufgeht? Ich bin skeptisch.

3.6.2012: Körner im Brot

 Ich sammele gerade die Verpackungen von Brot - ich habe mir mal vorgenommen in "Was ist drin" vier verschiedene Brotsorten zu vergleichen (vielleicht auch fünf, wir werden sehen) und das leitet mich zu meinem heutigen Thema: Der Mode Körner in Brot zu verbacken. Okay, von Mode kann man nicht sprechen, das gibt es schon seit über zwanzig Jahren. Was ein bisschen ausgeufert ist, dass es immer mehr Sorten sind und früher waren die Körner vor allem Belag auf der Krume, heute sind sie auch mitverbacken.

Was ich davon halte? Gar nichts!

Nun fangen wir mal an mit dem Nutzen dieser Körner oder Ölsaaten. Man könnte nun meinen, ja klar, das ist natürlich gaaaanz wichtig für die Ernährung. Schließlich sind das Vollkornprodukte. Die enthalten also viele Ballaststoffe, Mineralstoffe, Vitamine, hochwertiges Eiweiß im Keimling und ungesättigte Fettsäuren. Doch dem ist nicht so. Es handelt sich um die ganzen Samen mit ihren äußeren Schutzschichten, also vergleichen mit einem ganzen Weizenkorn. Genauso wenig wie wir ein Weizenkorn so ungemahlen (oder bei Hafer wenigsten zerquetscht) essen können, sind wir in der Lage, viel aus den Samen herauszuziehen. An der Schnittkante können sicherlich Enzyme angreifen, doch wir haben kein Wiederkäuergebiss, dass Saaten fein zermahlt. Es ist eben keine Parallele zu Nüssen gegeben, denn da essen wir nur den Samen/Keimling, den wir erst aus der Hülle befreien müssen. (Kleines Rätsel am Rande, welche der vielen Nußsorten ist im botanischen Sinne eigentlich eine Nuss?). Das ist schade, weil z.B. die Leinsamen sehr viel Linolensäure enthält, eine der wenigen Omega-3 Fettsäuren deren Hauptquelle nicht Fisch ist. Doch die Nährwerte haben für die Hersteller einen Nutzen: Bei den Nährwertangaben zählt nicht der physiologische Nährwert, sondern die Analysenwerte. Kurzum: er kann mit mehr Ballaststoffen, ungesättigten Fettsäuren, Eiweiß werben, ohne das der Konsument was davon hat. Körner die oben an der Krume sind und die volle Backofentemperatur abbekommen sind übrigens nahezu unverdaulich.

Bleibt noch der Geschmack. Da rate ich einfach zu einem Experiment. Nehmen sie einfach mal mehrere Brotsorten, deren Geschmack sie noch nicht kennen, und die verschiedene Körner enthalten, z.B. eines mit Leinsamen, eines mit Sonnenblumenkernen.  Ich wette, sie können nicht die Samenkerne erkennen (außer vielleciht die totgerösteten an der Kruste). Ungeröstet schmecken die meisten nämlich nach fast nichts. Ausnahmen sind Sesamsamen und Mohn, die aber schon seit etlicher Zeit als Belag verwendet werden und bei denen auch keiner auf die Idee kommt sie in den Teig zu mischen. Okay, es sieht bunter aus, bei manchem Brot, das nachgefärbt wurde fällt so auch nicht auf, dass es nicht aus Vollkornmehl ist, sondern Auszugsmehl.

Das leitet über zum größten Nachteil. Sie verschlechtern die Backeigenschaften rapide. Wir meinen ja immer Mehl, das hat tolle Backeigenschaften. Wenn sie mal Lebensmitteltechnologen oder industrielle Bäcker fragen, warum dieser oder jene Zutat hinzugesetzt wird, dann heißt es meist "um die Backeigenschaften" zu verbessern oder weil zu wenig Enzymaktivität vorhanden ist. In der Tat kann man nur aus Weizenmehl ohne Sauerteig ein Brot backen und da sieht jeder die Veränderung von kleinen Teilen die nicht zum Mehlkörper gehören am Volumenunterschied und Konsistenzunterschied zwischen Weißbrot und Vollkornbrot. Wenn ich anfange, Samenkörner zuzusetzen, die noch dazu tendieren sich unten abzusetzen, dann benötige ich Zusätze um das auszugleichen: Weizenkleber, Quellmehl, Emulgatoren, Säureregulatoren, Cystein.

Die Verbraucher jammern immer: "Ich möchte keine Zusatzstoffe im Brot, das soll nur aus Mehl, Hefe, Salz und Sauerteig bestehen". Ja, aber dann kaufen sie Körnerbrot, das nicht ohne Zusatzstoffe herstellbar ist. Man kann nur eines wollen. Okay, die Verbraucher wollen viel, was mit klassischen Backverfahren nicht möglich ist, wie Brot das nicht nach drei Tagen altbacken ist sondern eine Woche lang frisch ist, Vollkornbrot das sehr luftig ist oder noch besser Weißbrot, dass so gesund ist wie Vollkornbrot: Abhilfe: Weißbrot einfach braun färben, Verbraucher gehen ja nicht nach Geschmack, sondern nur nach dem äußeren Schein.

Und das ist das Problem: Der Verbraucher möchte das eine, aber er kauft das andere. Und so gehen diese Körnerbrote eben gut. Sie erwecken die Illusion als wären sie gesünder und nicht nur mit mehr Zusatzstoffen hergestellt....

4.6.2012: Dir Falcon Heavy, als ISS Deorbitierungsgefährt

Tja man soll mir nicht vorwerfen können, ich suchte nicht nach Ideen für SpaceX. Nun genauso wie ich Ideen für Erweiterung der Vega und Ariane 5 habe, so fallen mir natürlich auch welche für SpaceX ein. Ich hatte ja mal die Idee einer Mondmission mit der Dragon und Falcon Heavy. Das wäre nach der damaligen Nutzlastangabe auch möglich gewesen. Doch wie bei SpaceX üblich sinkt die Nutzlast, sobald die Realisierung näher rückt. Bei der letzten Mission wurde ja die Masse der Dragoin schon nicht mehr angegeben. Nun wird für die Falcon Heavy nur noch 12 t GTO Nutzlast angegeben (beim Abschluss der Option mit Intelsat). Vorher waren es noch 13,5 t zum Mars, obnwohl man dafür 1 km/s schneller sein muss. Kurzum: Für eine Mondmission wirds knapp. Vielleicht noch eine Umrundung wie bei Apollo 13, doch dafür wird niemand so viel Geld locker machen.

Doch es gibt tatsächlich einen Einsatzzwecke wofür man die Falcon Heavy brauchen kann - die ISS Deorbitierung. Damit wir wissen wovon wir reden hier ein kleines Briefing.

Irgendwann (derzeit für 2020 geplant, eventuell wird 2028 draus) wird man die ISS aufgeben. Dann muss sie sicher deorbitiert werden. Schließlich will man nicht riskieren, dass sie wie Skylab ohne große Kontrolle verglüht. Damals glücklicherweise weitgehend über dem Ozean. Wie deorbitiert man eine Raumstation? Nun im Prinzip genauso wie einen Raumtransporter. Man zündet 180 Grad vor dem Wiedereintrittspunkt die Triebwerke und bremst das Raumfahrzeug gegen die Bewegungsrichtung leicht ab. Es sollte eine neue Bahn resultieren, deren niedrigerster Punkt beim Wiedereintrittspunkt liegt und in einer Höhe die dazu führt, dass dir Raumstation dort so weit abgebremst wird, dass sie auseinander bricht. Dazu wird ein erdnächster Punkt in <100 km Höhe ausreichen.

So weit so klar. Es gibt nur einige Wenns und Abers. Der erste Punkt: Man hat dafür nicht unendlich viel Zeit. Das liegt an dem Manöver. Der Wiedereintritt beginnt spätestens 45 Minuten nach der Zündung, nämlich maximal einen halben Umlauf später. Dauert die Zündung länger, so resultiert eine Bahn, bei der sich Apogäum und Perigäum annähern, das Raumfahrzeug spiralt sich ab, erreicht nicht in einem Umlauf das Zielperigäum und taucht langsam in immer tiefere Schichten herein. Es wird dann leicht durch die aerodynamischen Kräfte unkontrollierbar, vor allem wenn es so verwinkelt aufgebaut ist wie die ISS mit ihren großen Solarzellenauslegern. Sie könnte in eine Rotation geraten und die Abbremsung wäre unkontrollierbar.

Ich habe mal bei der Recherche zum ATV Buch gelesen, dass die NASA erwäge, ATV von der ESA für die Deorbitierung zu kaufen, und schon damals Zweifel dran gehabt. Mit den kleinen Triebwerken des ATV müsste man diese Stunden lang laufen lassen, mit den oben beschriebenen Problemen. Darüber hinaus reicht der Triebstoffvorrat eines ATV nicht aus.

Was man braucht ist also ein Raumtransporter mit viel Treibstoff und einem schubstarken Triebwerk. Bei der MIR reichte noch eine Progress mit ihrem 3 kN Triebwerk. Doch die ISS ist viermal so schwer. Mit einer Progress, aber auch den internen Treibstoffvorräten ist es nicht getan. Man kann den Treibstoffbedarf absenken, wenn man die ISS selber sinken lässt. Doch tiefer als 250 km sollte man sie nicht sinken lassen, sonst löst sich das Problem in wenigen Wochen von selbst (im operationellen Betrieb darf sie nicht unter 340 km Bahnhöhe sinken, sonst kann sie kein Transporter mehr nach einer Zeitspanne von 90 Tagen anheben).

Lässt man die ISS auf 250 km Bahnhöhe sinken und soll eine neue Zielbahn von 100 x 250 km resultieren, so muss man sie um 45 m/s abbremsen. Klingt nach wenig, sind aber bei 440 t Gewicht rund 20 Millionen Newton oder bei einem spezifischen Impuls von 3100 rund 6.400 kg Treibstoff. Sicherer wäre eine Bahn von 340 x 80 km ausgehend von einer 340 km Kreisbahn. Dafür braucht man dann rund 77 m/s oder 11 t Treibstoff.

Damit ist klar, dass alle derzeit verfügbaren Transporter mit dieser Aufgabe überfordert sind. Wenn man zudem nicht mehr als 30 Minuten Zeit für die Abbremsung hat, dann braucht man ein Triebwerk, das rund 20 kN Schub aufweist.

So und nun schlägt die Stunde der Falcon Heavy, denn mit der wiederzündbaren Raketenstufe kann man z.B. folgendes machen:

Eine Falcon Heavy startet eine Dragon zur ISS. Die Dragon ist fest mit der Oberstufe verbunden. Die Solarpanels liefern den Strom zur Raketensteuerung. Die Dragon koppelt mit ihren eigenen Treibstoffvorräten an die ISS an. Bei den vergrößerten Tanks die man für die Super-Draco Triebwerke braucht, sollte das kein Problem sein, auch wenn die teilweise leere Oberstufe mit transportiert wird. Diese hat dann noch über 28 t Treibstoff an Bord, denn die Dragon ist mit 7 Gewicht viel kleiner als die nominellen 45 t Maximalnutzlast. Dort wartet die letzte Dreierbesatzung auf sie, sie koppelt sie an, verlässt die Station und schaut sich das letzte Schauspiel von ihrer Sojus aus an. Die Falcon Heavy Oberstufe zündet ein zweites mal - ihr 400 kN Triebwerk ist schubkräftig genug dazu. Das bringt die Station auf einen Kollisionskurs.

Technisch gesehen ist es nicht sehr kompliziert. Man müsste die Tanks der Oberstufe isolieren, doch selbst mit einem Überdruckventil, das Sauerstoff entlässt, hat man noch mehr Treibstoff als benötigt. Selbst wenn man nicht riskieren will das Menschen anwesend sind, (die heute die Dragon einfangen und ankoppeln müssen), dann könnte man sie mit einem russischen Kopplungsadapter ausstatten und an Swesda ankoppeln.

Es gäbe natürlich auch eine zweite Möglichkeit, sofern die Falcon Oberstufe dreimal zündbar ist. Geht man von 28 t nutzbarem Treibstoff aus, so kann man die ISS um 200 m/s beschleunigen, oder in eine Bahn in 750 km Höhe (ausgehend von einem 380 km hohen Orbit). Diese wäre über Jahrzehnte stabil (es gibt keine Werte für so große Raumstationen, aber Envisat, der gerade seine Tätigkeit einstellte, soll in 783  km Höhe noch mindestens 100 Jahre seine Kreise ziehen, Rosat verglühte 22 Jahre nach dem Start - er war in nur 580 km Bahnhöhe ausgesetzt worden).

Allerdings könnte man das auch auf anderem Wege bewerkstelligen. So verfügt das ATV über die Möglichkeit viel Treibstoff zur ISS zu befördern, das wird nun da das Shuttle nicht mehr als Mannschaftstransporter vorgesehen wird, gar nicht mehr gebraucht (die ISS hätte man in diesem Falle nicht so weit anheben dürfen). Würde man die ISS dagegen weiter anheben, dann wäre sie am Schluss auch in 540 bis 580 km Höhe (siehe hier) und auch diese Bahn ist schon über mindestens ein Jahrzehnt stabil. Genug Zeit um sich Gedanken zu machen wie man weiter verfährt.


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