Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 262: 8.6.2012 - 17.6.2012

8.6.2012: Das ISS Debakel

Nun da alle COTS bejubeln, wird es mal wieder Zeit mal ein bisschen Essig in den Wein zu schütten - das ganze hätte man nämlich billiger, effizienter und früher haben können. COTS wird ja gefeiert und zwar weil es ein Festpreis-Kontrakt ist und die NASA nur Kunde ist. Das Erstaunliche was gefeiert wird, ist dass dieses Konzept tatsächlich funktioniert hat und nur 42% teurer war als geplant. (ja Festpreiskontrakt ist ein dehnbarer Begriff, wenn man 278 Millionen und drei  Flüge ausmacht und dann 396 Millionen für zwei Flüge zahlt). Auch bei OSC wird es teurer: 388 Millionen anstatt 170 Millionen.

Es folgt nun das CRS, bei dem nun 3,5 Milliarden für den Transport von 41 t Fracht bezahlt werden. Die NASA feiert auch das, weil man nun ja nur noch für Servies zahlt. Auch hier ist der Begriff dehnbar, wenn SpaceX schon vor dem ersten CRS Flug 337,5 Millionen Dollar erhalten hat, also soviel wie zweieinhalb Füge kosten. Welche Services sind denn "nichts transportiert"? Mal sehen wenn es einen Fehlstart gibt ob dann tatsächlich umsonst nachgeliefert wird.

Was die wenigsten wissen. Es geht nicht um die ISS Versorgung. Die ist völlige Nebensache und wird ja jetzt schon von Europa, Russland und Japan bestreiten. Was bitte haben die USA im letzten Jahr an Fracht zur ISS gebracht? Es geht um Industriepolitik.

Bei der ersten COTS Runde gab es jede Menge Newcomer. Aber es gab auch etablierte Firmen. Boeing wollte mit der Delta IV das ATV starten und Lockheed Martin mit der Atlas V ebenfalls ATV und HTV.

Die Frage: Warum hat man die nicht genommen. Für einen logisch denkenden Menschen gibt es folgende Vorteile:

Schauen wir es uns erst mal genauer an. Die Standard Delta IVM kann maximal 13.452 kg zur ISS befördern, das ist für das ATV, das vollgefüllt bis zu 20,75 t wiegen kann zu wenig. Man benötigt dann die Delta IVH. Die kann 21.792 kg starten, ist also leistungsfähig genug, gilt aber als sehr teuer. Der letzte Flug soll 254 Millionen Dollar gekostet haben. Die Atlas 551 hat eine Nutzlast von 20.520 kg, das reicht für das ATV aus. Bei dem HTV reicht eine Atlas 531 mit 17.520 kg Nutzlast aus. Die Trägerraketen können es also wuppen.

Dann die Vehikel. Das ATV ist leider suboptimal. Das Problem des ATV ist dass es eine eierlegende Wollmilchsau ist, das nach dem Ausmustern des Shuttles leider mit einem veränderten Einsatzspektrum zu tun hat, Als er konzipiert wurde, war das Shuttle für den Mannschaftstransport und Frachttransport vorgesehen. Das Shuttle konnte Fracht im Druckmodul und ohne Druck auf Paletten transportieren, aber weder die Station anheben, noch mit Treibstoff versorgen, noch Gase oder viel Wasser transportieren. Das sollte das ATV leisten. Mehr noch: damit das Shuttle viel Nutzlast transportieren kann, sollte die ISS auf einer erdnahen Umlaufbahn bleiben. Die beiden letzten ATV haben/werden die ISS um 60 km anheben. Beim aktiven Shuttle entspricht diese Höhenanhebung 3.000 kg Frachtverlust pro Flug oder 12.000 kg pro Jahr. So war es billiger wenn die ISS mit dem Shuttle versorgt wird sie in einer erdnahen Bahn zu lassen und stattdessen mit dem ATV einmal pro Jahr die Bahn moderat anzuheben um das absenken auszugleichen. Dafür wurde das ATV ausgelegt.

Nun hat man aber sich an das Ausbleiben der Shuttles angepasst. Die ISS zieht nun in 400 anstatt 350 km Höhe ihre Kreise - sie braucht weniger als halb so viel Treibstoff. Wasser wird mehr zurückgewonnen um weniger Fracht zu transportieren, vor allem fehlt nun aber die Transportfähigkeit von Fracht im Druckmodul.

Das HTV sollte dagegen schon immer nur Fracht im Druckmodul befördern und kann zudem Paletten transportieren, also genau das gleiche Einsatzspektrum wie das Shuttle. Es wäre daher der ideale Ersatz.

Kommen wir zu dem, was stattdessen entwickelt wurde. Da haben wir die Cygnus. Eine an und für sich gute Lösung: Damit es nicht zu teuer wird bedient man sich bei anderen Transportern. Die Hülle des Druckmoduls ist die des ATV, nur im Durchmesser verringert. Annäherungssensoren stammen ebenfalls von ATV/HTV. Der Bus selbst von Kommunikationssatelliten von OSC.

SpaceX preist seine Dragon zwar als eierlegende Wollmilchsau, hat aber im Grunde das gleiche Problem wie die ESA. Sie hat ein Vehikel entwickelt, das für den jetzigen zweck suboptimal ist. Das Problem ist das die Kapsel ein viel zu kleines Volumen hat - 10 m³, gegenüber 18,75 beim Cygnus. Der dritte ATV ist vollgepackter als der zweite, und trotzdem startete er mit weniger Fracht. Warum? weil er weniger Treibstoff transportiert und die Fracht zu voluminös ist. Bei der Konzeption der ISS gingen die Raumfahrtagenturen von einem durchschnittlichen Gewicht von 500 kg/m³ aus. Tatsächlich sind es aber nun nur 240 kg/m³. Das Volumen ist zu klein. Trotz weiterer Befestigungsmöglichkeiten kann das ATV seine Maximalfracht nicht ausnützen und das gilt auch für die Dragon.

Das gleiche Problem hat nun auch SpaceX. Mag ihre kommende Falcon 9 v1.1 nun endlich die Nutzlast haben, um nennenswert Fracht zu transportieren. In die kleine Kapsel passt sie nicht rein. Flug 1+2 haben nach derzeitiger Planung nur jeweils rund 1.280 kg Nutzlast. Dazu kommt noch der Trunk, wo man weitere Fracht unterbringen kann. Doch da die letzten Shuttles sehr viele Ersatzteile, die außen gelagert werden, (sogenannte ORU's) befördert haben gibt es erst mal nicht den großen Bedarf. Er wird erst in einigen Jahren ansteigen. Insgesamt rechnet die NASA bei CRS mit 2/3 Fracht im Druckmodul und 1/3 ohne Druckausgleich. So kommt SpaceX maximal auf 2 t pro Flug und da nützt es nix, wenn die Rakete auch 6 t wuppen könnte. Da die gesamte "Downmass" auch nur 1,5 t pro Jahr beträgt kann man auch damit die Defizite in der Upmasse Bilanz ausbessern.

Ein weiterer Vorteil: Weniger Gedränge. HTV, Cygnus und Dragon werden alle drei an dem letzten verbliebenen CBM andocken. Es sind derzeit drei Flüge der Dragon, zwei der Cygnus und ein HTV pro Jahr geplant. Die Folgen wenn es zu Startverschiebungen gibt kann man sich denken. Dazu gibt es bei allen Transportern himmelsmechanische Einschränkungen und das Problem, dass zu bestimmten Zeiten die Solarzellen der ISS den Rendezvouspfad beschatten, was bei Cygnus und Dragon ein No-Go ist.

Mit dem nachgebauten HTV kann man drei Dragon und etwas mehr als zwei Cygnusflüge ersetzen, entschärft also das Gedränge und es ist wegen der Solarzellen auf der ganzen Außenseite immun gegen den Beta-Cut out.

Kommen wir zur Rechnung. Ein HTV kostet derzeit 140 Millionen Dollar in der Fertigung, die Atlas 551 für Juno kostete 221 Millionen Dollar. Das sind Startkosten von 361 Millionen Dollar für 6 t Nutzlast also 60.200 Dollar pro Kilogramm Nutzlast. Nach den CRS Verträgen bezahlt die NASA OTS 1,9 Milliarden für 20 t Nutzlast (95.000 Dollar/kg) und SpaceX 1,6 Milliarden für ebenfalls 20 t (80,000 Dollar/kg) - man sieht schon es ist billiger.

Mehr noch: Diese Zahlen gehen von den Preisen wie sie nun vorliegen aus. Nun wird aber eine Produktion von zwei bis drei Exemplaren pro Jahr die Kosten senken. Gemäß einem Lernkurvenfaktor von 0,8 (konservative Annahme) sind es 13% Ersparnis oder 122 Millionen Dollar pro HTV. Auch die Atlas wird billiger. Nimmt man vorher 5 Flüge pro Jahr an und sind es nun 6, so sinken die Fertigungskosten nach demselben Gesetz um 8 Millionen Dollar. Weitere 8 Millionen wird die NASA sparen, da diese Einsparung für alle Träger gilt und sie pro Jahr mindestens einen bestellt.

Macht also: 122+213-8 Millionen Dollar = 327 Millionen Dollar oder 54.500 Dollar pro Kilogramm. Hochgerechnet auf das ganze CRS Programm sind das 2,18 Milliarden Dollar oder eine Ersparnis um 1320 Millionen Dollar.

Aber ich sage euch nichts neues. Es ging ja nicht um eine kostengünstige Lösung, es ging um die Förderung von Industrien. Was aber erschreckend ist: das man dafür die ISS riskiert. Man sollte ja naiv meinen wenn man für 100 Milliarden Dollar die ISS aufbaut, man hätte ein vitales Interesse daran, dass die Versorgungsflüge (Fracht und Personen) unterbrechungsfrei und redundant sind. Stattdessen begann man erst 3 Jahre nach der Columbiakatastrophe mit COTS, wählt dort erst mal Firmen die keine Erfahrung haben und zumindest alles neu entwickeln müssen (vor OSC war ja Kistler der Gewinner, die gingen dann noch nach wenigen Monaten Pleite). Beim Mannschaftstransport ist es ja noch schlimmer, da gibt es seit zwei Jahren nur Vorentwicklungsaufträge. Glaubt wirklich jemand bis 2016 sind da Vehikel fertig? OSC und SpaceX sind nun ja schon um 32 Monate und >18 Monate hinter dem Terminplan hinterher. 2011 und 2012 hängt die Versorgung der ISS ganz von den internationalen Partnern ab, die zwar nur wenig zu sagen haben, aber doch viel Fracht liefern dürfen. Ja die dürfen das Chaos bei der NASA ausbügeln.

Zugegeben, es gibt nicht nur Chaos bei der NASA. Russland ist wieder klamm bei Kasse und redet offen drüber die Aufenthaltsdauer auf 270 Tage zu erweitern (derzeit 180 Tage, mit Shuttle waren 90 geplant) oder ab und an die Besatzung nur auf drei zu reduzieren .... Vielleicht überlegt man sich unter diesen Vorzeichen doch noch mal den Betrieb über 2016 hinaus.

9.6.2012: Optionen für den ISS Ausbau

Wenn tatsächlich mal CST-100 oder Dragon einsatzbereit sind. Dann gibt es eine neue Herausforderung für die ISS-Planer. Dann könnte die Besatzung nämlich rapide ansteigen. Derzeit sind sechs Astronauten/Kosmonauten auf der ISS (eigentlich sollte man ja von Ionosphärenauten reden, denn in den Kosmos oder zu den Sternen ist noch keiner aufgebrochen). Selbst wenn die Russland eine Sojus aufgeben (mehr wird es nicht werden, denn es wäre ja blamabel, wenn man nicht mehr die eigenen astronauten zur ISS befördern kann), dann sind bis zu 10 Astronauten an Bord der ISS.

Was sind die Probleme. Also erst mal ein Platzproblem. Nicht dass die ISS eng wäre. es gibt sogar mehr Volumen als in jeder Raumstation vorher. Allerdings ist es beengt. Die westlichen Knoten haben z..B. ISS-Standardracks an den Wänden in denen Gerätschaften sind. Von 4,4 bis 4,8 m Außendurchmesser bleiben noch 2-2,5 m innen übrig und im Rahmen der Einsparungen wurde das einzige geplante Wohnmodul eingespart. derzeit haben die Ionosphärenauten hygienische Einrichtungen und Schlafkabinen verstreut über die ISS zwischen Lebenserhaltungssystemen und Forschungsapparaturen. Vor allem braucht man ja dann mindestens 4 weitere Kabinen, sicher noch eine Toilette und bei 10 Leuten vielleicht auch eine Messe.

Es wäre also an der Zeit das US-Habitatmodul zu starten. Brauchen vier Astronauten auch noch mehr Arbeit? Eigentlich nicht, denn schon heute nimmt Forschung nur einen kleinen Teil der Zeit ein. Die NASA selbst reklamiert, es wären 160 Stunden pro Woche, doch Äußerungen von Astronauten oder aktuelle Presseverlautbarungen sprechen von viel weniger. Hier eine vom Dezember 2011: 45 Stunden pro Woche im Durchschnitt der letzten Monate. Selbst wenn viele Experimente hoch automatisiert sind, sollte man bedenken, dass sich diese 45 Stunden auf drei Labore mit 33 Racks verteilen, jedes dieser 2 x 1 m großen Racks nimmt dann noch viele Experimente auf. Es ist so wenig Zeit weil es viele Routineaufgaben gibt, Sport getrieben werden muss und dauernd müssen Transporter bei und entladen werden. Von den vielen Aktivitäten für P&R ganz zu schweigen. (Es geht ja nicht um Forschung, sondern darum hübsche Videos zu drehen, Fotos zu machen und zu bloggen).

Trotzdem, ein Labormodul steht auch noch auf der Erde herum, das Zentrifugenmodul, das als einzige künstliche Schwerkraft erzeugen konnte. Es wurde von Japan als Bezahlung für den Kibotransport gebaut und die NASA hat es nie abgenommen.

Bei 10 Astronauten wäre auch vielleicht noch etwas mehr Wohnraum und Stauraum nützlich. Da würden sich die beiden MPLM anbieten die es noch gibt. Eines wurde ja schon umgebaut und ist nun an der ISS befestigt. Damit wäre das erschöpft was es derzeit an Hardware gibt. Allerdings kann man sie nicht an die ISS ankoppeln aus zwei Gründen - erst mal wie wie kommt sie ins All und zweitens, wohin. Zum zweiten: es gibt nun noch einen freien CBM, aber vier Module auf der Erde. Die Lösung wäre es einen neuen Kopplungsknoten zu bauen.

So gibt es noch die Frage, wie die Module in den Orbit kommen. Das sinnvollste ist es eines der Versorgungsgefährte umzubauen. Alle bestehen aus einem Servicemodul und einem Frachtmodul (bis auf die Dragon). Dies sind eigenständige Komponenten. Es bietet sich an entweder das ATV oder HTV zu nehmen, da diese schon auf den Transport großer Masse ausgelegt sind. Zahlen habe ich vom ATV. Bei diesem beträgt das Gewicht des Servicemoduls alleine 5.320 kg. Dazu kommen noch 2.200 kg Treibstoff für die Manöver. Bei einer Startmasse von 20.750 kg maximal lässt das noch 13.230 kg für das Modul übrig. In Wirklichkeit gibt es natürlich noch Einsparungen und Aufwendungen. Einsparen kann man die Treibstofftanks für Reboosttreibstoff, samt Heliumdruckgas. Dazu einen Teil des Treibstoffs (wenn das Servicemodul ablegt wiegt es nur noch <7 t anstatt rund 19 t und braucht weniger Treibstoff zum Deorbitieren). Umgekehrt muss man vorne an das Modul die Annäherungssensoren montieren, die es in den Nahbereich der Station bringen und es muss ein Adapter zwischen CBM Anschluss und Servicemodul gebaut werden. Dies soll sich in der Summe ausgleichen. Man erhält dann so rund 13 t für ein Modul. Das ist ausreichend für die meisten Module wenn sie leer sind. Columbus wog beim Start 12 t, leer 10 t. Selbst Destiny würde man noch unbestückt starten können. Nur Kibo ist mit 14,5 t Leergewicht zu schwer.

Beim Übergang auf die Ariane 5 EC-A kann man noch einige Hundert Kilo mehr transportieren (rund 14 t). Ich habe auch schon mal Pläne für einen solchen Modultransporter auf ATV Basis gesehen. Da es sowieso nur noch Teile für zwei ATV gibt wäre das auch eine Möglichkeit wie die ESA sich an der ISS beteiligen kann, denn sie muss wenn sie nicht bar zahlen will (was übrigens erheblich günstiger wäre) eine ART ATV-2 entwickeln, da Elektronikteile des ATV inzwischen nicht mehr verfügbar sind.

Das Problem, und deswegen will niemand erweitern ist doch etwas anderes. Die ISS ist schon jetzt teuer. 2014 wird die ISS 3.170 Millionen Dollar pro Jahr kosten, dazu kommen noch 830 Millionen für "commercial Spaceflight". Dieses Niveau soll dann für einige Jahre konstant bleiben, nachdem es seitdem rapide anstieg (vor einigen Jahren waren es noch 2 Milliarden Dollar). Die JAXA zahlt ungefähr 450 Millionen Dollar und die ESA 325 Millionen Euro pro Jahr für die ISS, dazu kommen noch die ATV. Also die Gesamtkosten werden sicher bei rund 5 Milliarden Dollar pro Jahr liegen. Und das it nur der westliche Teil. Wenn dann es noch mehr Astronauten werden, dann braucht man mehr Fracht, mehr Flüge und es wird noch teurer. Immerhin: Für 5 Milliarden Dollar pro Jahr bekommen wir heute 45 Stunden Arbeit an den Experimenten pro Woche, oder rund 2.340 pro Jahr und eine Stunde kostet lächerliche 2 Millionen Dollar...

Vor allem: Wenn irgendwo derzeit bei der ISS etwas passiert so ist bei der derzeitigen Architektur die Station verloren. Es gibt keine Möglichkeit viel zu rangieren. Nur wenn es einen der abstehenden Knoten erwischt, kann man diesen lahmlegen. Aber wenn Sarja, Swesda, Unity, Harmony, Tranquality betroffen sind, ist die Station verloren. Ohne diese Knoten kommt man nicht mehr in andere Bereiche der Station oder zu Kopplungsstellen für Versorgungsflüge. Verzichten könnte man nur auf die Luftschleusen und Labormodule. Drei dieser Knoten sind nun aber schon 13 Jahre und älter ....Daher wird man sie wohl nicht erweitern.

9.6.2012: Wie sollte es mit dem ATV weitergehen?

Eigentlich wollte ich heute wieder ein Ernährungsthema bringen, weil ich derzeit da viel mache. Doch dann bekam ich eine Mail von einem meiner Leser, der mich zu meiner SpaceX gewonnenen Wette beglückwünschte. Es waren da einige Links zur NASA und DLR drin, wo es Performancegraphen und eine zweite Berechnung seitens der DLR gibt, aber ich halte das für zu früh. Es gibt noch zwei Falcon 9 Flüge und dann kennen wir die Maximalnutzlast - zumindest für LEO.

Interessanter war ein Link in ein Forum, wo wie immer über SpaceX debattiert wurde aber auch mich. Ich musste Schmunzeln als ich das las. Da nehmen tatsächlich Leute meine Blogs für Nachrichten, Aufsätze oder so was in der Richtung. klar versuche ich zu informieren, aber das meiste in der Abteilung landet in den Aufsätzen oder mittlerweile bei den Büchern. Der Blog ist meine persönliche Meinung und ja meine Meinung verändert sich noch so schnell, so kann man das auch als Beratungsresistenz sehen. Interessant sind natürlich Äußerungen von dort nicht nur als Mitglieder tätigen Redakteuren. Vor allem wenn man weiß, dass der redaktionelle Teil nie auf mich verlinkt, sich diese Redeakteure aber dann hier im Blog melden um "Falschinformationen" zu korrigieren. Da fiel mir auch ein alter Bekannter auf, der sich früher hier im Blog getummelt hat. Wie schon damals sucht er sich aus den Blogs die Sätze raus, die ihm nicht gefallen. Wie damals geht es ums ATV und ISS.

Ja klar ich bin gegen das ATV, das ist auch der Grund warum ich ein Buch darüber schreibe und Leser des Buches sie die Aktualisierungen der laufenden Mission ein PDF zur Verfügung stelle. Das mache ich alles nur um das ATV zu diskreditieren. Wer das Buch kennt weiß, das es das Gegenteil dessen ist.

Aber es gibt eines das ärgert mich schon: Die ESA hat das ATV ja nicht so ins Vakuum hinein geplant. Es wurde in Absprache mit der NASA entwickelt. Also was braucht die ISS, wie verteilen wir die Güter auf die einzelnen Transporter und so wurde das ATV entwickelt. Sicher da ist auch viel vom Anspruch dabei, nicht nur einen popligen Transporter zu entwickeln. Aber darum geht es nicht. Was mich ärgert ist, wie nun verfahren wird. Ohne das Shuttle hat sich einiges geändert. Die Frachtzusammensetzung ist nun eine andere. Dafür kann die NASA nichts, aber auch die ESA nichts. Doch letztere soll nun einen neuen Transporter für die nächsten 5 Jahre der Station entwickeln, die alten Vereinbarungen sind ausgelaufen und nun sollen andere gelten.

Was mich auch ärgert ist, dass es bei der ISS praktisch keine Langzeitplanung mehr gibt, oder eben alles nicht zusammenpasst. Ich habe ja schon im letzten Blog das mit CRS angesprochen. CCDev wäre auch noch zu nennen. An und für sich sehe ich da gute Konzepte (mein Favorit ist das CST-100) - nur zu spät, zu langsam und warum stellt man dann nicht Orion/SLS vollständig ein, damit man dieses System möglichst schnell an den Start bekommt? Missionen für Orion/SLS gibt es ja eh keine. Zumindest gibt es kein Programm. Die ESA hat nun ein anderes Problem: Sie hat fünf ATV bestellt und so viele wird es auch geben. Das war, als man von einem Betrieb bis 2016 ausging, ja auch richtig und dieser ist abgesichert (während der Recherche zu meinem Buch stieß ich auf Planungen mit mehr ATV, aber natürlich bestellt man nur so viele, wie gebraucht werden und die 2006 abgeschlossenen Verträge sahen nur einen Betrieb über 10 Jahre vor.

Nun geht es in die Verlängerung, wie lange weiß man nicht. Bis 2020 bestimmt, eventuell bis 2028 (ich wäre vorsichtig, da ja nirgendwo Reservehardware verfügbar ist, wenn nicht nur ein Rack kaputtgeht sondern man ein Modul aufgeben muss). Die ESA muss nun nach einer Lösung suchen. Seit ein paar Jahren gibt es ja auch Konzepte, nur beschlossen ist keines und das dumm, denn auch hier wird die Zeit knapp. Nach 2016 muss der Ersatz verfügbar sein. Nicht viel Zeit für Entwicklungen.

Es gibt nun folgende Optionen:

  1. Wir bezahlen der NASA 150 Millionen Euro pro Jahr für den Anteil an den Stationskosten. Quelle hier, sonst glaubts mir ja wieder keiner)
  2. Wir bauen noch die ATV die mit den Bauteilen möglich sind (zwei Stück) und zahlen dann den Rest
  3. Wir bauen die zwei ATV und dann kommt ein neuer Transporter. Derzeit soweit ich die Diskussion kenne eher ein "ATV 2.0" als das ARV.
  4. Es kommt gleich das ARV

Es gibt für alles Argumente. Wenn man nur die Technologie nimmt, dann baut man das ARV, nur wird es dann knapp mit der Zeit, zwei ATV würden einem 2,5 Jahre mehr ZHeit bringen. Ökonomisch, im Sinne, wir verwenden was noch da ist, ist es nur die beiden ATV zu bauen und wenn man an den europäischen Steuerzahler denkt nimmt man Option 1, da ein ATV 15 Monate ISS Betrieb abdeckt aber 450 Millionen Euro kostet und man sonst nur 150 Millionen für 12 Monate zahlen muss.

Meiner Ansicht nach sollte man den ISS Betrieb möglichst ökonomisch gestalten. Also bin ich persönlich für Option 1. Was mich besorgt, ist dass man wie bei der Ariane 5 eine Entscheidung verschiebt. Schon beim letzten Ministerratstreffen wollte Deutschland ja das ARV, das wurde abgelehnt, aber auch nichts beschlossen, was dann nach 2016 kommen sollte. Und wer die Entwicklungszeiten bei Raumfahrtprojekten kennt, der weiß, dass die Zeit vom nächsten Minierstratstreffen (damals noch für 2011 geplant) aus knapp werden würde. Nun wird sogar Ende 2012 draus. Mal sehen was Ende des Jahres beschlossen wird.

So, dar fürs erste der letzte Raumfahrtblog. Es gibt ja wenig neues was man kommentieren könnte oder wenn, dann ist es bald wieder Geschichte. Wir haben zumindest bei ESA und NASA so viele Dinge die beschlossen werden müssten. Bei der NASA wie es nun wirklich bei der bemannten Raumfahrt weiter gehen soll, wie die NASA mit den Kürzungen zurecht kommt, wenn gleichzeitig die bemannte Raumfahrt mehr Geld bekommt. Bei der ESA wie es bei Kernprojekten weitergehen soll (Exomars, ATV, Ariane 5). Da kann man viel Schreiben und doch hat nichts Bestand.

Stattdessen werde ich versuchen einige der Fragen für das nächste Buch schon aufzugreifen und im Blog zu veröffentlichen und mich mehr mit anderen Ernährungsthemen beschäftigen. Ich fange morgen an mit "-Ist teilweise Verkohltes (vom Grill) wirklich krebserregend ?". Die Frage ist ja passend zur Grillsaison.

12.6.2012: Skandal!

Ich sollte den Kanal wechseln wenn es um Lebensmittel geht. Gestern kam wieder "Fakt" und wieder Thilo Bohde. Dieser Politologie der sich seit Jahren als Verbraucherschützer aufspielt, scheint seinen Lebensunterhalt inzwischen mit dem Besuch von Talkshows zu beschreiten und wie immer kommt derselbe Senf: Nur weil Thilo Bohde zu doof zum Lesen ist und es nicht geschafft hat was Anständiges zu lernen, müssen alle Nahrungsmittel so gekennzeichnet sein, das auch Menschen mit einem Vakuum im Kopf sie verstehen.

Und in der Tat diesmal wurde es schon echt peinlich. Also ein Fruchtjogurt, der wirbt "ohne Süßstoff" enthält Zucker, was für eine Frechheit! Natürlich. Der Jogurt muss doch süß sein. Also entweder mit Süßstoff oder mit Zucker (aus der Fruchtmischung, die im Prinzip Marmelade ist). Und bevor ein ganz Schlauer meint "Mann kann den Jogurt auchs selbst aus Früchten und Naturjogurt mixen - bitte erst ausprobieren wie das ohne Zucker schmeckt und welche Farbe es nach einem Tag hat.

Und dann das nächste Beispiel. Kalbsleberwurst enthält keine Kalbsleber. Welch ein Skandal! Doch das das dem so ist, wusste sogar meine 87-jährige Mutter. Das war schon so als sie jung war. Sie wäre sonst weder bezahlbar noch genießbar. Das Kalb bezieht sich auf den Zusatz von Kalbsfleisch. Und das zeigt das Problem: Es war schon immer so, nur wussten das früher die Leute. Heute sind sie zu doof und dann ist dieselbe Tatsache ein Lebensmittelskanal.

Und es ging weiter, dann wurde noch gegen die Lebensmittelkommission gewettert, die die Leitsätze beschließt, die dafür verantwortlich sind,, das Kalbleberwurst keine Kalbleber enthält. Auch das ist nichts neues. Die Kommission gibt es seit 1958. Und dann wurde auch gleich geschimpft: Verbraucher sind dort nur zu einem Viertel beteiligt. (Die anderen sind Hersteller, Überwachung und Wissenschaft). Und sie haben kein Vetorecht. (aber angeblich die Industrie). Falsch, falsch falsch. Die Leitsätze werden einstimmig beschlossen, denn sonst würden sie Normierungscharakter haben (also eine Gruppe zu etwas zwingen). Und es macht auch nicht Sinn, das wie Herr Bohde das will die Verbraucher dort alleine was zu sagen haben, denn es geht bei den Leitsätzen um Rezepturen. Mal ne kleine Frage Herr Bohde: Kennen sie die Rezeptur von Weißwurst? Die Leitsätze legen fest welche Fleischarten da hineinkommen und wie hoch der Anteil von qualitativ hochwertigen Zutaten sein muss. Der Verbraucher muss natürlich beteiligt sein, aber nicht alleine. Ohne die Überwachung geht es schon gar nicht, weil nur die nachkontrollieren kann. Ihr Einfluss kann man z.B. am Zusatz von Stärke in Margarine erkennen - vor einigen Jahrzehnten als die Analytik noch nicht so weit war, war dies ein probates Mittel um die Umdeklaration einer Margarine als Butter zu bestimmen.

Na ja es gab einige Dinge die auch mich störten in der Fernsehsendung. So die Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Wir haben ja derzeit eine Aktionismus-Verbraucherpolitik. Portale oder letzte Peinlichkeit "Initiative für kleinere Portionen im Gaststättengewerbe" von Fr. Eigner. Es würde reichen, wenn man einfach in §11 LFGB einen Satz reinnimmt so in der Art "Die Werbung mit Selbstverständlichkeiten ist verboten". Derzeit steht da noch "Es ist verboten .... zu verstehen gegeben wird, dass ein Lebensmittel besondere Eigenschaften hat, obwohl alle vergleichbaren Lebensmittel dieselben Eigenschaften haben", was nicht ganz das gleiche ist.

Na ja einen Nutzen hat es: mir sind mindestens zwei neue Fragen für das Buch eingefallen....

18.6.2012: Verschiedene Neuigkeiten

So, da nun gerade Wochenende ist und ihr bei dem Grillwetter sicher eure neuen Blogkenntnisse umsetzen wollt, heute ein nicht so ganz informativer Blog. Also es geht mehr darum was so in letzter Zeit los ist. Also hinsichtlich Website und Bücher. Ich habe inzwischen meine zweite Lesung des Diätbuches abgeschlossen. Diesmal ist der Umfang nur um zwei Seiten gewachsen. Das ist bei mir aber fast normal, jedes Mal wenn ich ein Buch nochmals durchlese wird es länger, weil es da noch was zu ergänzen gibt und dort noch was und wenn ich in einem alten Buch blättere, dann fallen mir noch zig Sachen ein ... Trotzdem hoffe ich die dritte Lesung noch im Juni abzuschließen und dann kann es zu den Korrekturlesern, oder besser gesagt zu dem Korrekturleser, denn bisher habe ich erst einen der Interesse dran hat. Die anderen sind wohl mehr an Raumfahrt interessiert oder haben keine Zeit.

Das leitet mich zu meinem nächsten Thema über: Derzeit verfolgt die Bücher eine Pechsträhne. Bei den Computergeschichten brachen schon zwei Korrektoren vorzeitig ab und auch beim MSL war der erste zeitlich gebunden, sodass ich nun zum ersten mal seit drei Jahren zwei Korrektoren parallel dran gesetzt habe. Da es nur ein Manuskript gibt und ich diese ja dann wieder zusammenführen muss, habe ich das seit meinem ersten Buch mit Korrekturlesern streng vermieden. Trotzdem denke ich, ist der Termin zur Landung von MSL nicht zu halten. So werde ich es wohl um die Landung noch erweitern und vielleicht greife ich auch einen Vorschlag auf und nehme dann einige Farbeseiten des Landeplatzes mit hinzu. Bisher habe ich drauf verzichtet weil ich die Stärke meiner Bücher in der Information sehe und diese durch Grafiken und Diagramme ergänzen will. Dazu braucht man keine Farbe und egal wie viele Farbseiten es sind, es werden nie Bildbände sein. Aber jede Farbseite verteuert es um 9 ct.

Wie ihr festgestellt habe, bin auch voll schon beim nächsten Buch, also einer Sammlung von Ernährungsfragen und Antworten ("Arbeitstitel: "Was sie schon immer nicht über Ernährung wissen wollten"). Wie ihr in der letzten Woche gesehen habe werde ich nach und nach jede Frage beantworten. Die Antworten kommen zuerst im Blog, und später grammatikalisch korrekt und etwas erweitert im Buch. Wer jenseits des Blogs nachschlagen will, findet sie alle auch in einer neuen Rubrik auf der Website, auch den hoffe ich mit vielen Fragen zu füllen. Und da brauche ich noch welche, also nochmals nachdenken und hier als Kommentar posten oder wers lieber anonym mag kann sie auch per Email schicken. Am liebsten wären mir 100 fragen, das ist eine runde Zahl und ergibt dann auch ein Buch mit angenehmen Seitenumfang.

Wenn ich mir die Statistiken anschaue, dann besucht die schweigende Mehrheit sowieso gerade die Ernährungs- und Computerseiten. Also Zeit den Leuten mehr Futter zu liefern und weil ich Abwechslung liebe ist es ganz nett mal nach einigen Jahren in denen ich mich auf die Raumfahrt konzentriert habe wieder ein anderes Gebiet zu beackern, zumal ich mich für das aktuelle Buch da neu rein gelesen habe. Dabei fiel mir auch auf, dass ich mich der 1.000 Artikel Grenze nähere, also auf der Webseite (nicht dem Blog). Als ich mit ihr vor fast 14 Jahren begann hatte mir als Ziel gesetzt, pro Woche einen Artikel, also das sind nach 718 Wochen 718 Artikel, derzeit sind 992 fertig, also ein klares Plus - nun ja nicht ganz. Den 282 sind die HTML Versionen des Blogs den ich zuerst in einem Webeditor schreibe, Also die zählen nicht richtig, so wird's knapp - ich bin mit acht Artikeln im Rückstand - Zeit das aufzuholen.

Trotzdem, der 1.000-ste Artikel steht an und es wird Zeit das zu feiern. Ich denke ich werde zu gegebener Zeit ein Rätsel stellen und der Gewinner kann dann ein Exemplar des Buchs "Lexikon der bemannten Raumfahrt" gewinnen. Ich hatte das als Preis bei einem Mathewettbewerb gewonnen, aber die Auslieferung verzögerte sich so lange, dass ich es mir vorher schon selbst kaufte, also habe ich es zweimal. In einigen Monaten dürfte dann ein neues Jubiläum anstehen, der 6-Millionste Webseitenbesucher (während ich das schreibe sind wir bei 5.832.803, bei etwa 1.000 bis 1.500 Besuchern pro Tag müsste das in 3-4 Monaten der Fall sein).


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99