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Web Log Teil 284: 4.7.2012 -

4.7.2012: Buchkritik: iWoz oder wie ich den Personal Computer erfand und Apple mitbegründete

Ich schaue ja immer wieder mal bei Amazon nach, wie sich mein Buch über Computergeschichte(n) verkauft und dann gibt es ja die Links zu anderen Produkten, die sich andere Kunden angesehen haben und darunter ist auch eines das ich schon habe. Da fiel mir gleich die gemischte Beurteilung durch Kunden auf und nachdem ich einige Rezensionen gelesen habe, denke ich wirds Zeit dass ich eine verfasse.

Das Buch ist nicht neu. Ich habs mir schon vor einigen Jahren gekauft und in Vorbereitung für mein Buch nochmals gelesen. Fangen wir mal an mit dem wichtigsten: Einer Inhaltsbeschreibung.

Es ist die Autobiographie von Stephen Wozniak. Sie beginnt sehr früh, schon mit seiner Zeit als Kind, als sein Vater mit ihm an elektronischen Geräten bastelte, über seine Schulprojekte, dann die Streiche bei der Uni und schließlich dann das was die meisten interessiert: Apple. Danach geht es weiter mit seiner Bruchlandung und dem Gedächtnisverlust, zwei Rockfestivals bei denen er Millionen Verlust machte und seine Idee für eine programmierbare Fernbedienung und wie nichts draus wurde. Dann endet das Buch so um das Jahr 1989. Die Frage ist natürlich warum. Also man kann eine Autobiographie ja unter verschiedenen Gesichtspunkten aufziehen. Ich habe ja schon einige von Astronauten oder Flugdirektoren bei der bemannten Raumfahrt gelesen. Die waren an dem orientiert, was den Leser interessiert. Also konzentrieren sie sich auf ihre NASA-Tätigkeit. Natürlich gibt es meist auch noch was über das Leben vorher, aber der größte Teil des Buches ist eben dem gewidmet weswegen der Leser die Person kennt und was ihn interessiert.

Das ist bei iWoz schon mal nicht der Fall. Was interessiert die Leute? Die Zeit bei Apple, bzw. kurz davor. Das macht aber gerade einmal 6 der 20 Kapitel aus. Natürlich hat Woz vorher auch mit Computern zu tun gehabt. Er hat einen eigenen Computer konstruiert (den Soda Cream Computer) und Blue Boxes mit denen man umsonst telefonieren konnte und natürlich als Schüler schon eine Tic-Tac-Toe Maschine.

Doch wenn ich davon ausgehe, dass der Leser sich für das gesamte Leben interessiert, so ist schon komisch wenn die letzten 20 Jahre von Wozniak Lebens nicht Gegenstand des Buches sind. Ich hätte mir mehr ein Buch über die Apple Zeit gewünscht. So ist es zu wenig und es ist auch nicht sehr detailliert genug. Man wünscht sich in vielen Dingen mehr. Wie kam er zu dem Aufbau des Apple II? Wie zu dem BASIC Befehlssatz, wie zu dem komischen Grafikmodus?

Was ziemlich viele Rezensionen übel aufstößt und auch mir auffällt ist, der Ton in dem das Buch geschrieben ist. Es ist leicht zu lesen, aber in dem Ich-Stil sehr gewöhnungsbedürftig. Es ist eine Mischung von "Ich bin das größte lebende Genie aller Zeiten" und "Ich bin ein so bescheidener, humanistisch geprägter Mensch". Das erste hat mich jetzt selbst nicht so sehr gestört. Die Aufschneiderei kann ich relativ gut technisch einordnen. Das zweite dagegen mehr. Denn das nehme ich ihm nicht ab. Vor allem weil mir bei der Recherche noch andere Fakten untergekommen sind. So ist nach Wozniaks Darstellung immer die Beziehung zu Jobs harmonisch gewesen. Doch dem war nicht so. Beim ersten Auftrag als er die Schaltung von Breakout entwarf, hat ihn Jobs um 90% seines Geldes betrogen. Als er später davon erfährt soll er verzweifelt gewesen sein. Dann war er nicht bei den Entwicklern die eine Demo vom Xerox Parc bekamen. Also der Apple Mitbegründer und Schöpfer des Apple II ist nicht bei der wichtigsten Vorführung für die Zukunft von Apple dabei? Warum den nicht? Oder die letzte Episode die sich nicht verheimlichen ließ, als er seine Fernbedienung CL-9 entwirft verbietet Jobs Frog Design den Auftrag für das Gehäuse anzunehmen, sonst bekämen sie keine von Apple. Das wurde soweit es ging nur heruntergespielt. Also es ist mit Sicherheit kein ehrliches Buch. Das ist schon ein Makel. Vor allem aber wenn das in einem Ton geschieht der so in etwa so geht. "Jobs hat mich reingelegt, aber das macht mir nichts aus. Wir sind tolle Freunde". Das nehme ich ihm nicht ab.

In manchen Stellen ist es sogar relativ naiv zu lesen. Man glaubt nicht dass dies ein zu diesem Zeitpunkt schon über 50 Jahre alter Mensch geschrieben hat, sondern der Ton könnte eher von einem Teenager stammen. Das denke haben die Coautoren zu verantworten. Sicher schreibt nicht Wozniak selbst das Buch. Er hat viele Interviews geführt und aus denen ist das Buch entstanden. Das Versäumnis der Coautoren ist es das dabei kein Abstand entstand, also man aus der wörtlichen Rede von Wozniak eine Story bildet mit eingefügten Zitaten, aber eben nicht nur und es fehlt eben total dass man jemand anders noch gefragt hat wie dies bei Jobs Buch geschah. Das mag auch erklären warum es nicht so sehr in die Tiefe geht. Ich stelle mir das so richtig plastisch vor. Nach einer Kurzen Suche stellt man fest das Gina Smith etwa 20 Jahre jünger als Wozniak ist und nicht unattraktiv. Also wenn ich jemanden der 20 Jahre jünger ist als ich und gut aussieht in einem Restaurant mein Leben erzählen würde, dann würde wohl genauso so ein Buch herauskommen. Gescheckter wäre wohl ein Computer-Journalist als Coautor gewesen.

Was kommt heraus? Ein sicher leicht zu lesendes Buch, an dem sich die Geister scheiden. Wenn man den Ton mag, die Selbstdarstellung die ja schon mit dem Titel beginnt (Nein Woz, Du hast nicht den Personalcomputer erfunden, das war und das solltest Du wissen, weil Du ja in der Kommission warst, die den ersten PC der Welt kürte  John Blankenbaker, war es, der den Kenbak-1 erfand.), dem mag das Buch gefallen. Wer dies nicht mag, der wird sich bei fast jeder Seite stören. Mir machte der Ton nun nicht so viel aus, dafür liest es sich recht flott (ich war in 6 Stunden durch). Was mir fehlt ist das man wirklich viel neues über Apple erfährt. Für die Recherche zu meinem Buch war es daher kaum nützlich. Und da ich glaube das dies sicher der Hauptgrund ist warum der Leser das Buch kauft ist das schon schade.

Bei Amazon würde ich sagen 3 Sterne sind angebracht.

7.7.2012: Wir wollen keine Autoren

Ein anderes Buch das ich bei den Amazon Links zu meinem fand, war "Commodore-Hardware-Retrocomputing". Es fiel mir auf, weil es nur zwischen zwei und drei Sternen lag. Ich finde nichts interessanter über ein Produkt als die negativen Kritiken. Nicht das jede berechtigt ist, aber das merkt man beim Lesen der Kritik schnell. Das Buch wurde anscheinend aus Internet-Schnipseln zusammengestellt und was vielen schlechten Fotos zu bestehen. Zumindest das letztere konnte ich nach einer Google Books Recherche bestätigen.

Das machte mich neugierig auf den Verlag. Man denkt bei so schlechten Kritiken ja unwillkürlich an einen Selbstverlag, oder Nutzung eines Print on Demand Dienstleisters wie ich es mache. Dafür spricht auch der hohe Preis von 17,80 gemessen an dem Umfang (164 Seiten). Bei BOD würde ich hier eine Marge von 29,4% erhalten. Deutlich über dem was ich bei meinen Büchern ansetze (zwischen 20 und 25%). Wer bei einem Verlag publiziert (der übernimmt aber auch noch Satz, werbung und man hat einige Gratisexemplare) bekommt üblicherweise 12 bis 16%.

Aber der Verlag ist kein Dienstleister, Publikationen tauchen sogar bei Wikipedia auf. Der Skriptorium Verlag hat sich wohl auf Bücher über alte Computer spezialisiert. Das hat mich dann doch interessiert. Hätte ich vielleicht dort mein letztes Buch herausbringen sollen? Vom Thema hätte es ja super dazu gepasst.

Doch ein Blick auf die Webseite belehrt mich eines besseren. Das sieht aus wie handgestrickt aus Mitte der neunziger Jahre. Doch unerschocken gehe ich weiter. Da gibt es einen Link, für potentielle Autoren und man landet auf einer anderen Seite. Da frage ich mich wie der Verlag wirklich ernsthafte Autoren bekommen will. Ich kopiere mal den knappen Text:

So werden Sie Autor!

Wenn Sie im Bereich »Retrocomputing« schreiben wollen oder bereits ein Manuskript in der Schublade haben, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme bzw. Einsendung Ihres Manuskripts freuen. Es entstehen Ihnen keinerlei Kosten – der Skriptorium-Verlag ist keiner der berühmt-berüchtigten Zuschussverlage. Ganz im Gegenteil erhalten Sie ein Autorenhonorar pro verkauftem Buch. Der Verlag übernimmt Satz, Lektorat, Korrektorat, Druck, Werbung und natürlich den Verkauf.

Derzeit werden vor allem für die Themengebiete

Autoren und Autorinnen gesucht. Auch Seminar-, Magister-, Diplom- und Doktorarbeiten sind willkommen.

Fragen offen? Ja alle. Welche Formate werden angeboten. Wie hoch ist die Verdienstspanne konkret? Welche Leistungen gibt es konkret? Bei BOD kann ich mich genau informieren was in welchem Packet enthalten ist und wie hoch die Verdienstspanne bei einer gegebenen Seitenzahl und Ausstattung ist. Ich muss dazu keinen vertrag anstellen. Jeder kann z.B. hier nachrechnen welche Marge ich bei einem Buch habe. Vor allem habe ich angesichts des schon gesehenen Buchs meine Zweifel was die Leistung angeht.

Man sollte sich abschminken, dass heute bei Spezialthemen es ein Lektorat gibt. Das kann der Verlag nur leisten wenn er mit einer hohen Auflage rechnet. Das sieht man auch bei anderen Büchern. So z.B. fiel mir das sofort bei Reichls Buch auf. Aber dort stimmt wenigstens der Satz. Es sind gute Graphiken drin, Bilder sauber platziert. Bei dem Buch über den C64 und Amiga 500 scheint auch hier keinerlei Arbeit erfolgt zu sein. Sonst hätte man nicht so schlechte Grafiken, lieblos im Text platziert geduldet.

Dazu kommt auch die gesamte Aufmachung der Seite. Links finden sich alle Publikationen: das sind gerade mal 18. Die Zahl könnte ich bis nächstes Jahr alleine erreicht haben. Also alles in allem, frage ich mich was dieser Verlag leistet und warum dort jemand publizieren sollte, anstatt direkt bei einem Print on Demand Dienstleister.

6.7.2012: Technologie ist kein Selbstzweck - Beispiel ATV

Vor einigen Tagen las ich diesen Bericht auf SpaceNews. Er bringt mich auf mein Thema: Raumfahrt muss ökonomisch sein. Sie muss weil es um Forschung geht sicher nicht Geld abwerfen, aber man muss verantwortlich mit den Steuergeldern umgehen. Warum geht es in diesem Bericht konkret: 2006 beschlossen ESA, JAXA, NASA und Roskosmos dass man gemeinsam die ISS bis 2016 betreibt. Die NASA benötigte zu diesem Zeitpunkt die Mittel für den ISS Betrieb (derzeit ohne Versorgungsflüge rund 2 Milliarden Dollar pro Jahr) für ihr zu diesem Zeitpunkt noch aktuelles Mondprogramm. Darauf hat sich die ESA eingestellt. Nachdem vorher bis zu 10 ATV in der Diskussion waren, gab es nun nur noch einen Auftrag für 4 Exemplare nach dem Jungfernflug.

2010 hat man sich nun wieder umentschieden. Die ISS wird bis 2020 betrieben, eventuell (das ist noch nicht beschlossen) bis 2028. Das Problem für die ESA: sie braucht nun eine Lösung für die nächsten vier Jahre. Zeit gewann sie, indem das fünfte ATV 2017 gestartet wird. Der Start war für 2015 geplant und ursprünglich war dieses ATV nicht als "Muss" Beitrag vorgesehen. Vier ATV muss die ESA bis 2016 stellen. Das fünfte war gedacht als Kompensation für einen weiteren Astronauten der ESA an Bord der ISS. Nun ist es auch ein regulärer Transporter.

Nun es gibt mehrere Möglichkeiten wie die ESA ihren Verpflichtungen nachkommen kann. Die offensichtlichste: Man bezahlt die NASA. Pro Jahr mit 150 Millionen Euro. Auch wenn das nicht allen gefällt: es ist die billigste Möglichkeit. "Eddi", der gerade bei der ISS ist, kostete 450 Millionen Euro, also so viel wie für drei Jahre ISS Betrieb zu zahlen ist. Ein ATV ist aber (wenn wir die Periode von 2008 bis 2017 mit fünf ATV als Maßstab nehmen) alle zwei Jahre fällig, kostet also 225 Millionen pro Jahr.

Das ist jedoch nicht mein Vorschlag. Auch wenns teurer ist: Wir sollten weiter ATV starten. Zum einen landet dann das Geld wieder in Europa und kommt als Steuern zum Teil zurück und zumindest sind Leute beschäftigt. Wir können noch zwei ATV bauen, das müsste für diese drei Jahre reichen. Danach fehlen Elektronikbauteile, da das Design ja schon im letzten Jahrtausend entstand.

Was die ESA nun in Auftrag gab, war eine Studie nach der nach Möglichkeiten gesucht werden soll was man mit dem ATV sonst noch anfangen kann, bis hin zu so skurrilen Ideen wie Müll einsammeln (wer bitte bezahlt das wenn es mal das Gefährt gibt?). 17 Millionen gibt es nur für diese Studie. Ich stehe dem kritisch gegenüber. Das ist so wie mit den ATV-Evolution Szenarien die es ja auch gab. Sie machen alle nur dann sinn, wenn es ein eigenständiges bemanntes Raumfahrtprogramm gibt, ansonsten sind sie bei derzeit einem ESA Astronaut alle zwei Jahre auf der ISS völlig unnötig. Das ist ein typisches Beispiel dafür, dass man immer was neues entwickeln muss, neue Technologien aneigenen ohne das man Verwendung dafür hat - Technologie als Selbstzweck. oder wörtlich aus dem Bericht:

"But ESA officials, pointing to their agency’s role — like NASA, ESA is a research and development agency — said rebuilding multiple ATVs for a station that may be operational through 2028 is an unfulfilling job. "

Was recht dumm ist, ist dass bisher nur eine 4 Jahres Verlängerung geplant ist. Das ist für ein neues Programm zu wenig. Sowohl wegen der Entwicklungszeit, wie auch der benötigten Vehikel. Würde man sich gleich auf 2028 einigen und davon ausgehen, dass mit den neuen US-Crew Vehikeln nun viel mehr Astronauten zur ISS gelangen können, dann könnte man überlegen ob man nicht gleich ein neues Vehikel entwickeln kann. Was geschickt wäre, wäre ein Bus, entwickelt aus dem ATV Servicemodul, der flexibel verschiedenste Nutzlasten transportieren kann. Studien dazu gibt es ja schon. Dann könnte man mit diesem Bus sowohl einen Cargobehälter mit Fracht transportieren, wie auch neue ISS-Module starten (die ISS muss dann ja weiter ausgebaut werden für mehr Astronauten und alte Module müssen irgendwann einmal ersetzt werden) oder eben nur mit einem russischen Kopplungsadapter wie bisher die ISS anheben oder Gase/Wasser transportieren. Doch so eine Neuentwicklung lohnt sich eben wirklich nur wenn man genügend dieser Vehikel baut. Das hängt natürlich auch von der NASA ab, ob sie einem kleinen Partner so viel Einfluss zugesteht. Bei den Labormodulen war es ja so, dass die NASA sie gerne alle selbst starten wollte. Nun geht das ohne Space Shuttle nicht mehr, doch natürlich kann die NASA wieder auf die Idee kommen, dass sie einen eigenen Transporter haben will, und nicht von der ESA abhängig (obwohl sich in bisher allen US-Europäischen Projekten die NASA als der Wackelkandidat entpuppte -.siehe Exomars als letztem Beispiel dafür).

Wahrscheinlich kommt es aber so, dass die ESA nun eine Kurzzeitlösung bis 2020 beschließt und man in 1-2 Jahren dann erneut über eine Verlängerung beschließt und dann muss man erneut über eine Lösung bis 2028 entscheiden.

So morgen dann ein Artikel über Technologie als Selbstzweck bei den Raketen.

7.7.2012: Technologie ist kein Selbstzweck - Beispiel europäische Raketen

Ich habe mich gestern mit dem ATV beschäftigt und dass man nun anstatt ein weiteres zu bauen lieber was neues entwickeln will, ohne das man eine Verwendung dafür hat. Dieser Trend, dass man etwas entwickelt nur um die Technologie auch zu beherrschen, gibt es leider auch woanders, z.B. bei den europäischen Raketen.

Fangen wir mal in der Vergangenheit an: Bei Ariane 1. Sie wurde bewusst konservativ entwickelt. Bewährte Technologie in den ersten Stufen, neue Technologie nur in der Oberstufe und auch da überschaubar - ein LOX/LH2 Antrieb mit herkömmlichem Gasgeneratorbetrieb, nicht so anspruchsvoll wie die Europa III Oberstufe mit höherem Schub und Expander Cycle. Ariane 1 war billig und vor allem noch preiswert zu erweitern. Die Gesamtkosten der gesamten Ariane 1-4 Entwicklung betrugen 1995 2.179 Millionen Euro. Die Ariane 5 war zu diesem Zeitpunkt schon dreimal teurer. Am Basiskonzept der Ariane 5 (EPC und EAP) habe ich nicht auszusetzen. Sicher kann man über Alternativen wie LOX/Kerosin oder kleinere und variable Boosterzahlen diskutieren, aber es scheint eine gute Lösung zu sein. Was dumm war, war die EPS Stufe, weil sie völlig ungeeignet für die GTO Transporte war. Das war die Konzession an Hermes, doch schon früh in der Ariane 5 Entwicklung war klar, dass Hermes sehr viel später kommen würde, und es wäre gut gewesen gleich damals die Weichen für eine zweite kryogene Oberstufe zu stellen, die auch 1985 bei den damaligen Entwürfen noch als Alternative auftauchte.

Seitdem läuft einiges quer. Der Ausbau der Ariane 5 hatte neben kleineren Verbesserungen zwei wichtige Zielrichtungen: Ein neues Haupttriebwerk und eine neue Oberstufe. Das Vulcain 2 war als preiswertes Upgrade geplant, doch das war es nicht. Die ESC-B Oberstufe sollte erheblich mehr Nutzlast bringen, aber die Entwicklung wurde 2003 eingestellt und seitdem nicht mehr wieder aufgenommen und die 12 t GTO Doppelstartkapazität konnten selbst durch Erhöhung der Treibstoffmenge und des Schubs des Vinci nicht gehalten werden.

Danach kam die Vega - nicht nur um unabhängig bei kleineren Trägern zu sein, sondern auch um zur aktuellen Technologie bei Feststofftreibwerken aufzuschließen. Nun wird schon die Ariane 6 propagiert und wen wundert es bei den Technologien geht es nun nicht mehr um den Einsatz dessen was man schon hat, sondern um neues. Entweder sehr große Hydrocarbontriebwerke wie die Kombination LOX/LNG zu erproben oder gleich ein LOX/LH2 Triebwerk im Staged Combustion Betrieb. Dann hätte man wohl alle Triebwerkstechnologien durch und alle Treibstoffkombinationen ebenfalls.

Dabei hat die ESA durchaus untersucht was bei Ariane 5 noch möglich ist. 2002 sah man hier noch die Möglichkeit in einem neuen Haupttriebwerk (untersucht 1500, 1700 und 2000 kN Klasse) - anders als das Vulcain 2 mit etwas schlechteren Leistungsdaten, aber billiger in der Fertigung. Da Ariane 5 ausgeprägte Gravitationsverluste durch die lange Brennzeit hat, wäre die Nutzlast so durch eine kürzere Brennzeit trotzdem effektiv angestiegen. Auch plante man damals die Booster in der Vega P80 Technologie herzustellen, sie wären dann um ein Drittel leichter und trotzdem leistungsfähigere. Beide Maßnahmen hätten die Nutzlast auf 14 bis 15 t angehoben. So hätte sich auch die Vega Entwicklung gelohnt. Doch davon ist nun nicht mehr die Rede.

Die Oberstufe soll nun ein neues Triebwerk bekommen. Sie weist aber wie die ESC-A eine sehr hohe Trockenmasse auf. Würde man diese reduzieren, z.B. durch die bei den Shutteltanks schon eingesetzte AL 2195 Legierung anstatt der 2209, oder Innendruckstabilisierung und CFK-Werkstoffen in den Strukturteilen die nicht tiefen Temperaturen ausgesetzt werden, so könnte man deren Trockenmasse erheblich reduzieren und bräuchte kein Vinci sondern käme mit dem HM-7B aus. Nur zur Erinnerung: Die alte Ariane 4 Dritt stufe wog bei 11,9 t trocken 1,36 t. Die neue ESC-A mit demselben Triebwerk nach dem Start noch 3,3 t bei 14,6 t Treibstoff. Nur mal dieselbe Technologie angesetzt und man bräuchte keine ESC-B um auf 12 t Nutzlast zu kommen....

Mir selbst fallen noch zig andere Ideen ein. Die JAXA entwickelte die H-2B aus der H-2A einfach durch eine etwas größere Zentralstufe mit zwei Triebwerken. Keine Idee für die ESA? Selbst wenn man nur die schon existierenden P80 Booster der Vega an die Rakete zusätzlich montieren würde, gewinnt man über 2 t Nutzlast gegenüber einer ESC-A. Das bedeutet dass man sich praktisch die Vinci Oberstufe einspart.

Aber stattdessen das gleiche wie bei der Ariane 5 Evolution: Wir müssen was neues entwickeln. Dabei sieht man schon jetzt wo es hakt. Neues Triebwerk für die ESC-B von Frankreich, damit die auch ein Expander Cycle Triebwerk bauen können und gleich auch noch Spitzenreiter bei Schub und spezifischen Impuls sind. Und die Struktur lassen wir von Bremen entwickeln, die keinerlei Erfahrungen haben im Leichtbau sondern bisher nur kleine Stufen mit lagerfähigen Treibstoffen gebaut haben. So wird die ESC-B bei ansonsten fast gleichen Daten wie die Delta 4 Zweitstufe über 6 t leer wiegen, die Delta liegt unter 4 t. Ja auch so könnte man 2 t Nutzlast bekommen. Warum, wenn es schon neue Technologien sind, dann nicht welche in leichten Strukturen oder Vibrationsdämpfungssystemen um das Strukturgewicht zu senken?

Vor allem bei Raketen geht es nicht primär um Technologiegewinn, sondern um eine bezahlbare Entwicklung und einen bezahlbaren Träger. Schaut man sich um, so setzt praktisch kein anderes Land, außer vielleicht Japan überall Spitzentechnologie ein. Die meisten setzen auf LOX/Kerosin, also altbewährtes. selbst die Delta 4 hat ein Triebwerk neu entwickelt, das dem Vinci hinsichtlich spezifischem Impuls und Schub/Gewichtsverhältnis unterlegen ist, aber es war preiswert zu entwickeln und ist preiswert zu produzieren. Ich mag Technologieentwicklung, aber sinn muss sinnvoll sein. Sie kann nie ein Selbstzweck sein.

8.7.2012: Wenn man die Bedeutung von Worten umdreht / Galileo im ZDF / die schlechtesten Songs aller Zeiten

Also irgendwie kam ich auf das Wort "Gutmensch" und das ist ja negativ belegt, also so ziemlich das Gegenteil dessen, was das Wort ausdrückt (ich bin mir aber relativ sicher, jeder hat eine etwas andere Interpretation dessen was er unter "Gutmensch" versteht. Es ist ja nicht das erste Wort das genau gegenteilig zu seiner Bedeutung verwendet ist. Die wohl schlimmste Beleidigung ist, das etwas "nett" ist. Also wenn jemand nett ist, dann ist es noch positiv, aber wenn eine Sache "nett" ist, dann ist sie weder gut noch schlecht, eher langweilig und einfallslos, wenn man sich nicht zu einer Meinung durchringen kann oder jemanden nicht verärgern will ist es "nett".

Wie weit ist es gekommen. Erst darf man nicht mehr Begriffe benutzen weil sich "politisch unkorrekt" sind (schon das Wortmonster gehört verboten. Politisch unkorrekt ist es meiner Meinung nach Hoteliers von der MWST zu befreien, aber nicht Begriffe zu verwenden), so wie Neger (nicht Nigger) oder Mohr (ist Sarotti eigentlich noch existent? Werben mit dem Sarotti-Mohr können sie ja nicht mehr) und natürlich muss man nun Lebensmittel wie Mohrenköpfe umbenennen. Nun werden also positive Begriffe ins negative verdreht. Was wohl als nächstes kommt? Darf man bald nicht mehr "fett" sagen, weil das neben einem Lebensmittelinhaltsstoff auch ein Zustand ist und wir wollen nach nicht Wohlbeleibte diskriminieren? Oder "süß", dass man ja auch erotisch auffassen kann? Immerhin, es gibt ja noch Felsen in der Brandung Astrid Lindgren hat verboten, das man ihre Werke "modernisiert" (ja auch dort kommen Neger vor).

Dann gab es am Freitag "Nicht nachmachen" im ZDF. Wenn Sie es versäumt haben: Es ist Galileo. Also völlig unnütze Experimente die Wumms machen wie "Was passiert wenn man 72 mit Propan gefüllte Ballons anzündet oder "Wie viel Wasser geht in ein Wasserbett". Aber halt es gibt einen Unterschied: Galileo hat den Anspruch eine Wissenschaftssendung zu sein und Fragen zu klären (die außer den Redakteuren wohl keiner geklärt haben will). Beim ZDF ist es nur Unterhaltung der explosiven Art.

So, nun nach einer Woche eine Fortsetzung bei den schlechtesten Songs aller Zeiten: Der Tipp kam ja schon mal bei den Kommentaren es ist "Dragostea din tei". Da mein Blog rapide an Zuschauern verliert, seit ich diese Rubrik habe, erspare ich mir ein Video, ich will ja nicht noch die letzten Leser vergraulen. Der nächste Eintrag gilt einer ganzen Musikrichtung.


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