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Web Log Teil 288: 9.8.2012 -

9.8.2012: Das beste Persil aller Zeiten

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass derzeit auf ZDF Info die Serie "Reiseführer durch die Galaxie" läuft, die unsere Planeten vorstellt - mit einem etwas humoristischen Ansatz: Was wären die Sehenswürdigkeiten, auf was müsste man achten. Nebenbei bekommt man doch einiges an Wissen vermittelt und es ist sehr unterhaltsam. Es erinnert mich dann schon etwas an die BBC Dokumentation "Die Planeten", die es so vor 20 Jahren mal gab. Nur eben aktueller und mehr US-zentriert.

Was da immer im Vorspann kommt ist ein Spruch: "Nie war die Zeit günstiger so weit zu reisen wie niemand zuvor um in die Fußstapfen unserer Roboter zu treten und die Planeten unseres Sonnensystems zu erkunden". Das kling völlig übertrieben, wenn man bedenkt, dass einem die Forscher Wanderungen auf der Venus oder Ballonfahrten auf dem Titan näher bringen, aber es ist wahr. Da sich Technologie weiter entwickelt wird es immer leichter. 1928 flog Lindbergh erstmals über den Atlantik, 20 Jahre später konnte das jeder der es bezahlen konnte und heute ist es preiswert und dauer nicht mehrere Tage sondern nur noch einige Stunden.

Auch bei der Raumfahrt gibt es technische Fortschritte, wenn auch nicht ganz so tolle wie in der Luftfahrt. Immerhin: Eine Atlas konnte mal 1500 kg Nutzlast in den Orbit befördern und heute sind es 20 t. Die kosten pro Kilogramm sind auch gesunken, wenn auch nicht so extrem wie in der Luftfahrt. So gesehen hat der Spruch recht, was allerdings offen ist: in der Zukunft könnte es aus demselben Grund noch viel billiger werden.

Es könnte allerdings auch sein, das man dann gar keine Menschen mehr losschicken möchte. Denn die Fähigkeiten des Menschen sind konstant. Die der Roboter wachsen immer weiter an. Man muss nur mal Curiosity mit Viking Lander vergleichen.

Aber dieser Superlativ ist bekannt. Es gibt zahlreiche Hersteller die ihr Produkt als das beste aller Zeiten anpreisen. Am bekanntesten der obige Spruch "Das beste Persil aller Zeiten", das ich noch in Erinnerung hatte als Abschiedwort des Persilmanns. Das klingt toll, aber ist doch logisch: Wäre es schlechter als das vorherige, so müsste man nur die alte Rezeptur heraus kramen, man versucht ja jedes Produkt weiter zu entwickeln. Abweichungen von der Regel gibt es nur, wenn man den Benutzer dazu bringen möchte, etwas neu zu kaufen obwohl es noch nicht so weit ist, einfach weil man dadurch Kasse macht. Das trifft nun nicht bei einem Verbrauchsprodukt zu, aber bei einem langlebigen Produkt wie z.B. einem Betriebssystem. Ich denke ihr wisst was ich meine wenn ich mal als Stichworte Windows 98SE/Millennium und Windows 7/8 erwähne.

So nun will ich noch den Informationsauftrag dieses Blogs nachkommen: Einige Daten die ihr nicht von der offiziellen NASA Seite von Curiosity bekommt. Die Landung wahr sehr sanft, mit 0,639 m/s vertikal und 0,0044 m/s horizontal (das ist der gleiche Effekt als wenn der Rover auf der Erde aus 23 cm Höhe fällt). Vorgaben waren 0,75 m/s und 0,1 m/s maximal.

Es wurde sehr wenig Treibstoff verbraucht. Die Abstiegsstufe hatte noch 140,9 kg übrig, was ihr zu einem Flug über 615 m verhalf. Vorgesehen waren 92 kg und 250 m Distanz zum Lander. Dieser ging 2,24 km vom zielpunkt entfernt nieder - dreimal genauer als der bisherige Rekord von 7,73 km den Spirit setzte. Das wäre nun auch eine distanz die eine Marsbesatzung zu Fuß zurücklegen könnte, obwohl das nicht der primäre Grund für die Möglichkeit war in der Atmosphäre aktiv den Auftrieb zu kontrollieren.

Ich habe die Daten natürlich auch ins Curiosity Buch eingearbeitet. Da hat sich nun verdichtet, dass der zweite Korrekturleser auf absehbare Zeit nicht dazu kommt. Das bedeutet, ich werde es fertig stellen, warten bis Curiosity seinen operationalen Betrieb aufnimmt (zwischen Sol 10 und Sol 20) und dann publizieren. Das müsste dann irgendwann im September sein. Beim Ernährungsbuch ruht derzeit die Arbeit, auch weil ich noch anderes zu tun habe. Ich habe ja schon erwähnt, das ich mir überlege einige Bücher selbst als Kindle ebook zu publizieren. Das habe ich nun mit zweien gemacht. Dem Gemini Programm und als neuem Titel einem Buch über Ariane 1-5 (bestehend aus den entsprechenden Kapiteln aus beiden Büchern). Ich habe sehr gerungen, weil beide Bücher viele Abbildungen und Tabellen enthalten. Das epub Format von Amazon besteht aber in der Basis aus HTML, da bleibt praktisch das gesamte Layout auf der Strecke. Die kleine Auflösung von 600 x 800 Punkten und nur 16 Graustufen sind Hindernisse bei Bildern und Tabellen, die man anders als Text nicht umbrechen kann. Aber man hat keinen Informationsverlust und kann es lesen, davon habe ich mich mit einem Kindle Reader für den PC überzeugt. Dafür bekommt der Käufer die Bücher zum Halben bzw. Drittelpreis der Printausgaben (4,99 und 9,99 Euro). Wenn es ankommt könnten es mehr werden.

Der zweite Grund warum es erst mal eine Pause gibt ist meine Steuererklärung, die schiebe ich immer vor mir her, weil ich es so bürokratisch und aufwendig finde. Rechnungen sortieren, alles zusammenstellen, alles so was von ätzend. Wahrscheinlich könnte ich Steuer sparen, wenn ich mich mehr damit beschäftigen würde, die steht aber nun auch an.

10.8.2012: Russlands Raumfahrt - Anspruch und Wirklichkeit

Vor drei Tagen ging wieder ein Proton Start schief. Es ist der 39.ste Fehlstart bei insgesamt 379 Starts also eine Gesamtzuverlässigkeit von 89,7%. Das ist heute ein recht schlechter Wert. Noch schlimmer: Bei vielen "alten" Trägern war die Zuverlässigkeit anfangs schlecht und stieg an. Als Beispiel habe ich mal ein Diagramm von Proton und Delta angefügt. Auch das neueste Modell, die Proton M macht keine Ausnahme, von 59 Starts schlugen 5 fehl, das sind 91,5% und damit liegt sie nicht besser als der 45 Jahre Durchschnitt über alle Proton Starts.

Die Grafik stammt von Launchlog, meinem Programm das ich dazu benutze, da habe ich mich nun aufgerafft, nachdem ich es wieder etwas erweitert habe es nun endlich mal zu dokumentieren - es wird aber noch ein bisschen Dauern bis das abgeschlossen ist.

Was mir bei Russlands Raumfahrt auffällt, ist seit etwa 20 Jahren das laufend neue Programme angekündigt werden die dann aber doch eingestellt werden. Russland hat anders als Europa oder die UISA ihre Trägerraketen weitgehend unverändert produziert. Wenn die Nutzlasten zu klein wurden vielen Typen weg. Ein System das funktioniert. Seit 20 Jähen gibt es nun unzählige Pläne die alten Typen zu ersetzen: Rus, verschiedene neue Sojus Versionen, Baikal und Angara. An letzterer wird seit Jahren angekündigt. Erster Start: 1994 noch für 2005/6 angekündigt. 2009 als mein Raketenlexikon wurde 2011 angegeben und nun redet man von Mitte 2013. Die Rus-M wurde auch eingestellt.

Als ich für Phobos Grunt recherchierte stieß ich über eine beeindruckende Roadmap mit unbemannten Missionen zum Merkur bis Jupiter, Landungen Bodenprobenrückführungen. Etwa 20 Raumsonden in 10 Jahren. Keine einzige wird gebaut und Phobos Grunt zeigt ja, wie der derzeitige Stand in Russland ist.

Angeblich soll auch ein neues Raumschiff entstehen, das sieben Leute zur ISS befördert (Hallo wo sollen denn die unterkommen?), aber von den mal geplanten russischen Forschungsmodulen und dem Power-Tower redet keiner mehr. Und dann baut man an einem neuen russischen in Wostostschnj. Den zwischendurch als Alternative zu Baikonur eröffneten Swoobodny hat man wieder zu gemacht.

Dasselbe könnte man für viele Dinge im kleinen Sagen. Seit Jahren soll die Proton eine kryogene Oberstufe bekommen, es gibt auch eine - für Indien im Auftrag entwickelt, genauso wie das URM dann doch sehr der ersten Stufe der KSLV ähnelt. Es geht also. Doch was ist der Knackpunkt? Schlicht und einfach das Geld. Phobos Grunt kostete 124 Millionen Euro. Auch wenn diese Zahl nicht mit den Aufwendungen im Westen vergleichbar ist (einfach aufgrund des unterschiedlichen Lohnniveaus, dann ist dies doch zu wenig gewesen und Geldmangel dürfte auch die anderen Projekte zu schaffen machen. Vieles was angekündigt wird hat wenig mit rationaler Notwendigkeit zu tun, als vielmehr mit politischen Vorgaben. Baikonur liegt in Kasachstan, also will man einen Weltraumbahnhof. Lohnt es sich? Es sind ja nicht nur ein paar Startrampen, es wird eine komplette Infrastruktur benötigt. Nicht umsonst liegt beim Weltraumzentrum das Sternenstädchen und ist diese eine russische Enklave in Baikonur. Dies alles neu aufzubauen wird sehr teuer. Sinnvoller wäre es sicher für die GTO Starts ein Startgelände nahe des Äquators zu mieten, wie es auch mal bei einigen Projekten angedacht war. Aber das wäre dann ja wieder nicht in Russland. Aber es gäbe immerhin einen Vorteil - die Sojus Nutzlast ist so um über 50% angestiegen. Ein äquatorialer Startplatz für Zenit und Proton - das wäre die Lösung. Alle anderen Träger brauchen keine neuen Startplätze. Von Plessezk aus kann man in sonnensynchrone Umlaufbahnen starten und die ISS ist von Baikonur aus erreichbar. Hier brächte ein äquatornaher Startplatz nichts.

Sinnvoll wäre sicher eine Konsolidierung und weniger Ankündigungen. Nehmen wir mal die Proton. Die Fehler dort sollten gefunden und eliminiert werden. Auffällig bei russischen Untersuchungen ist das sie extrem schnell abgeschlossen sind, so auch bei Phobos Grunt. Nur gab es ja bei den letzten beiden Proton Fehlstarts Untersuchungen und was hat die schnelle Untersuchung gebracht? Aber vielleicht ist es auch ein Hinweis, das eine Rakete mit insgesamt 13 Triebwerken und 14 Verniertriebwerken nicht die Zuverlässigkeit einer mit nur zwei Triebwerken erreichen wird. Das sich Fehlstarts in den letzten 1-2 Jahren häufen ist ja auch so ein Phänomen. Das kann Zufall sein, bei der Proton ist es aber schon eher fast symptomatisch.

Zu wünschen wäre ein langfristig ausgelegtes und finanziertes Programm, ein Ziel, was will man bei den Trägerraketen, was bei der bemannten und unbemannten Raumfahrt. Was brauche ich und worin investiere ich am besten? Doch ein solches ist bei der derzeitigen Führung, die ja schon Popgruppen wegen einer Demo für drei Jahre in den Knast bringen will nicht zu erwarten.

11.8.2012: Der Organskandal und der Mangel an Organen

Derzeit geht ja wieder ein Thema um, nämlich dieser Arzt, der seine Patienten auf der Wartliste nach oben gepusht hat. Ob das strafrechtlich strafbar ist, wird ja noch geprüft. Es ist moralisch verwerflich, aber auch verständlich, schließlich steht einem der eigene Patient näher als irgend jemand anders auf einer liste, aber ich denke auch da ist Geld geflossen.

Was nun befürchtet wird ist, dass es einen Mangel an Spendern gibt. Es gibt ja jetzt schon die Initiative dass jeder Organspender sein sollte, und wer es nicht ist, der sollte dies explizit sagen. Ich habe seit zwanzig Jahren einen Organspenderausweis (bzw. den Dritten, den er ist in meiner Geldbörse, damit er falls ein Unfall kommt auch gleich auffällt und da hebt Papier nicht ewig) und finde diese Regelung gut. Sie gibt mir solange ich noch lebe ein gutes Gefühl noch eventuell etwas für andere zu tun und wenn ich tot bin muss es mich eh nicht mehr kümmern. Ich glaube auch das nicht das Problem die Organspender sondern die Angehörigen sind, die diese Entscheidung praktisch direkt nach dem Tod treffen müssen und dann ist das zum einen zu viel und bei vielen schwingt dann auch noch mit wie dann wohl der Leichnam aussieht wenn er aufgeschnitten wurde. Da wäre ein Ausweis sicher die bessere Lösung, weil er die Angehörigen von dieser Entscheidung befreit. Nur ob dann ein Zwangsausweis die Lösung ist denke ich nicht, weil dann sofort der Gedanke kommt "Darüber hat sich mein Vater/Mutter ... zu Lebzeiten ja keine Gedanken gemacht und ich denke er/sie war dagegen".

Der Ausweis ist eine Sache, eine andere Sache ist woher die Organe kommen. Soweit ich weiß ist es bis jetzt nur so, dass sie entnommen werden, wenn jemand im Krankenhaus stirbt. Das sind aber nur ein Bruchteil der Bevölkerung. Vor allem wer an Altersschwäche stirbt tut dies daheim oder in einem Altersheim. Und in beiden Fällen ist dies absehbar. In beiden Fällen könnte man die Person sofort nach dem Tod mit einem Notfallwagen ins nächste Krankenhaus bringen und die Organe entnehmen. Ich kenne mich nicht so in Medizin aus ob das Alter dann ein Ausschlussprinzip ist, aber ich glaube zumindest das gilt nicht für alle Organe. Meistens sterben die Leute ja an Herzschwäche, was nicht heißt das Leber Niere etc. nicht doch noch zu transplantieren wären. Wenn man dies mal regeln würde und einen Dienst aufbauen dann wäre das zumindest eine Entlastung, wenn nicht die Lösung.

Das zweite klingt bizarr, aber es gibt noch eine zweite Quelle: Selbstmörder. In der Schweiz ist es erlaubt bei Selbstmord Hilfe zu leisten, und zwei Organisationen "Exit" und "Digitas" scheinen daran auch gut zu verdienen (10.000 Euro pro Person), was gleich den Nachteil aufzeigt wenn etwas erlaubt ist. Ärzte sind straffrei wenn sie nicht davon profitieren und der letzte Schritt von dem Patienten ausgeht, also dieser selbst das tödliche Medikament einnimmt.

Nur geht das noch wenn wie bei Organen auch Geld im Spiel sein kann? Solange Organe Mangelware sind, wird es Leute geben die dafür bezahlen. Daneben bekommen die Transplantationsteams 5-6 stellige Summen und in manchen Krankenhäusern ist das schon im Etat fest eingeplant. Da kann man sich leicht Prämien für Hausärzte vorstellen wenn sie Organe vermitteln. Die Frage ist auch, ob nicht ein schmerzloser Abgang dann nicht die Selbstmordrate ansteigen lässt.

In jedem Falle bleibt es schwierig. Aber die Umkehrung des bisherigen Prinzips, also jeder ist Organspender, außer er sagt was dagegen anstatt "Niemand ist Organspender, außer er sagt dies ausdrücklich", ist eine gute Idee, weil das Thema leider bei den meisten noch nicht im Kopf angekommen ist.

12.8.2012: Nicht bemannte, nicht unbemannte Raumfahrt, sondern die Raumfahrt der Vernunft

In den letzten beiden Tagen kamen zwei bemerkenswerte Dokumentationen zum Thema bemannte Raumfahrt: "Wissen aktuell: Mission Weltraum" auf 3sat und "Kein Mensch mehr im All". Die erste drehte sich um die Zukunft der bemannten Raumfahrt nach dem Ausmustern des Shuttles und die zweite um den Sinn der bemannten Raumfahrt selbst. Die letztere ist recht gut gemacht und es kommen Astronauten wie Kritiker zu Wort. Dabei gefielt mir als bestes, wie ein Astronaut stolz erzählte, er habe bei einem Proteinzüchtungsexperiment 99,8% Reinheit erreicht, als ihn ein Wissenschaftler daraufhin wies "Auf der Erde erreichen wir derzeit 99,99% Reinheit"....

Zeit also das Thema doch mal wieder aufzugreifen. Bei den Befürwortern der Bemannten Raumfahrt werde ich ja gerne als "Gegner der bemannten Raumfahrt" bezeichnet. wer den Blog aufmerksam liest, dem dürfte klar sein, dass es mir nicht um bemannte oder unbemannte Raumfahrt geht, sondern darum wenn Raumfahrt schon teuer ist, die Mittel sinnvoll einzusetzen. So habe ich schon etliche Vorschläge für Alternativen zu Ariane 6 / Sojus STK oder für die Kostenbegrenzung bei Satelliten / Raumsonden (Stichpunkt: Serienbauweise, anstatt jedes Gefährt neu zu entwickeln) machte und ich bin auch gegen manches unbemannte Projekt wie das JWST oder die ESC-B - zumindest bei dem Preisschild das da draufklebt. Schlussendlich gibt es ja nur einen Topf für die Forschung und wenn ich an die Universitäten denke und mit welchen Budgets dort geforscht wird, dann ist schon unbemannte Raumfahrt um ein vielfaches teurer als was wir pro Forscher so auf der Erde ausgeben.

Was relativ unstrittig ist, ist das für die Forschung man keine bemannte Raumfahrt betrieben muss. Sicher wird man immer das eine oder andere Experiment finden, dass an Bord der ISS durchgeführt wird. Doch muss man dann den Erkenntnisgewinn gegen die Kosten aufwiegen, oder um ein Beispiel eines Astronauten zu nehmen: Wenn ein Forschungsergebnis der ISS-Forschung von Flammen es ist Brennkammern effizienter zu konstruieren, dann könnte man für die rund 3-4 Milliarden Euro die die Station nur ESA und NASA jedes Jahr nur an Unterhaltskosten kostet jede Menge alternative Energien auf der Erde erforschen, die sicher uns mehr nützen würden.

Bleibt noch der "sportliche Nutzen", wie Nobelpreisträger Steven Weinberg es beschreibt: Es ist dasselbe wie wenn man einen Berg besteigt, eine sicher beeindruckende Leistung aber weder eine die uns inspiriert, noch der Forschung nützt. Ja und da hat er recht. Astronauten beim Schweben zuzuschauen oder die Bilder von Weltraumspaziergängen anzuschauen hat schon so was wie wenn man die Wiederholung eines Tors ansieht, da ist man schon beeindruckt von der Leistung, aber inspiriert, zum Träumen angeregt werde ich eher von Aufnahmen der Raumsonden und Satelliten. Wie es wohl auf dem Titan aussehen wird, wie mag es sein durch die Saturnringe zu schweben - das alles sind Dinge auf die ich bei den Bildern komme. Das hebt bei mir aber nicht die Begeisterung für bemannte Raumfahrt - das Menschen nun dorthin müssen, sondern das ich mehr dieser Bilder sehen möchte und dazu einen Roboter hinschicken will.

Warum wirklich bemannte Raumfahrt betrieben wird ist doch eigentlich jedem klar: Es ist Großmachtgehabe. Die USA und Russland weil sie sich als Weltraummächte positionieren müssen. Das es nicht um bemannte Raumfahrt selbst geht, sondern nur darum die eigenen Astronauten im All zu haben, dass sieht man ja auch daran, dass ein Antriebspunkt für CCDev der ist, dass man nun auf die Sojus angewiesen ist und das am nationalen Ehrgefühl zehrt. Genauso gut hätte man ja auch die Versorgung mit ATV und HTV gewährleisten können anstatt zwei neue Systeme zu entwickeln. Aber dann wäre man ja auch noch von ESA und JAXA abhängig. Dasselbe findet man in grün bei den Raketenstarts. Ja da jammert man dass ELV und OSC so teuer geworden sind, aber dass man US-Satelliten auf europäischen oder russischen Trägern startet ,kommt ja nicht in die Tüte.

Das nun China, obwohl es bisher kaum ein wissenschaftliches Weltraumprogramm hat gleich an ein bemanntes Weltraumprogramm geht ist genauso nachvollziehbar. Damit kann man die eigenen Landsleute beeindrucken.

Unverständlich ist dann, warum es dann noch Befürworter der bemannten Raumfahrt wie Messerschmidt, der auch in der ersten Doku kam, dann plädieren, das Europa da auch einsteigen sollte, einem ATV mit einer Rückkehrkapsel auszustatten - die Technologie braucht man, wenn man bemannt Raumfahrt betreiben will. Das leitet mich zu einem weiteren Punkt über. Bemannte Raumfahrt ist dafür bekannt neue Kosten zu verursachen. Nehmen wir das aus dem ATV entwickelte Crew Vehikle. Es kostet dann natürlich zusätzlich zum ATV. Da nach wie vor Russen und Amis ihre Astronauten selbst befördern wollen, braucht man um es überhaupt auszunutzen (für den nach den Vereinbarungen alle 2 Jahre für 6 Monate zustehenden ESA Astronauten braucht man ja kein eigenes Vehikel) kann braucht man dann eine eigene Raumstation und die verursacht dann weitere Kosten.

Genauso wird man spätestens wenn CCDev ansteht feststellen, dass man die ISS für die nun 10 Astronauten zu klein ist und wahrscheinlich auch einiges ausgewechselt werden muss. Kurzum - eine Investition macht eine neue notwendig.

Da - und das scheint eine bemannte Spezialität der bemannten Raumfahrt zu sein, Wissen verloren geht, wenn man sie nicht betreibt ist der Einstieg dann also praktisch gleichbedeutend, dass man dauerhaft Milliarden dafür aufwenden muss. So kann ich nur die Aussagen von Messerschmidt und dem Leiter des Johnson Space Centers interpretieren. Beide sagen man muss die Leute weiter beschäftigen um das Wissen zu erhalten. Denn wie Messerschmidt ja weiß, hat Europa schon eine Kapsel entwickelt - den ARD und wenn man nun nach 14 Jahren das nicht mehr weis, und sich das ganze neu aneignen muss, dann ist das traurig. Und der Leiter des Johnson Space Centers sprach von dem Wissensverlust, wenn begabte Techniker nichts mehr zu tun haben weil kein anderes Programm läuft und dann in andere Industrien abwandern.

Bei der unbemannten Raumfahrt ist es anders. 1986 startete Halley und 2004 Rosetta. Trotz den 18 Jahren dazwischen hat die ESA es nicht verlernt Raumsonden zu Kometen zu bauen.

Nun wird man sicher nicht Russland, China und die USA von ihrem Großmachtstreben abbringen. Doch müssen wir Europäer alles nachmachen? Sollte es nicht unsere Aufgabe sein, die besten Raumsonden und Satelliten zu bauen, mit sauber konstruierten Raketen die Position von Ariane zu halten? Das ist so vergleichbar wie mit dem Ruf Deutschlands als Exportweltmeister. Wir brauen zwar nicht die größten Autos aber wir exportieren mehr als die USA. Deutschland ist bekannt durch ausgeklügelte Maschinen und gute Produkte. Dasselbe könnte die ESA auf dem Gebiet der Raumfahrt sein. Bei den Raketen ist es ja schon so, dass die USA bei den Trägerraketen kommerziell keine role mehr spielen, genauso wie sie in anderen Gebieten den Anschluss verloren haben.

Ich glaube sogar dass unbemannte Missionen viel mehr Menschen inspirieren sich für Technik zu interessieren und vielleicht einen Berufsweg in dieser Richtung einzuschlagen. Welche Chance habe ich Astronaut zu werden? Es gibt vielleicht ein Dutzend Esa Astronauten aus rund 450 Millionen Einwohnern. Die Chancen sind gering, und wenn sie nicht 100% körperlich fit sind, dann scheitert es ja schon am Anfang. Dagegen dürften über 100.000 Personen in der europäischen Raumfahrtindustrie arbeiten, viele Tausende an Experimenten für die Raumsonden und Satelliten. Jeder hat hier eine reelle Chance wirklich seinen Traum an einem Raumfahrtprojekt mitzuarbeiten umsetzen. Um also mehr Leute für technische Studienfächer zu interessieren (und es werden ja auch viele nicht in der L&R Industrie landen sondern in nahegelegenen Feldern wie Maschinenbau, Computertechnik etc.). So gesehen wäre die Förderung der unbemannten Raumfahrt also viel sinnvoller als die der bemannten, zumal diese ja nicht permanent in der Existenz hinterfragt wird.

Ich bin mir sicher, das Curiosity, eine relativ teure Raumsonde, die weniger kostet als ein Jahr ISS Betrieb viel mehr Personen für Raumfahrt interessiert als der Betrieb der ISS und ihre Medienpräsenz.

Man könnte den Spieß ja umdrehen: bemannte Raumfahrt ist ein Relikt des kalten Krieges, wer sie heute noch betreibt beweist eher dass er nicht den Anschluss an die Zeit gehalten hat. Es ist Angeberei, dem keine Substanz dahinter steht. Das sind die Klassenclowns, die immer auffallen müssen, aber die letzten in der Klasse sind, während die echten Spitzen ruhig und stil sind, damit sie nichts verpassen.

13.8.2012: Nachschlag Pedelecs

Vor zwei Monaten gab es diesen Kommentar zu einem älteren Artikel über Pedelecs oder Elektrofahrrädern:

"Sie wollen doch wohl nicht im ernst behaupten Henry Ford hätte als erstes ein Recyclingsystem für Autos entwickelt bevor er seine Autos in Serie gebaut hat? Das ist ja mal eine ganz neue These."

Nun sind wir aber nicht mehr Anfang des letzten Jahrhunderts und Elektrofahrräder sind nicht so neu. Das man Elektromotoren einsetzt ist wirklich nicht gerade als der neueste Schrei zu bezeichnen und Akkus sind es auch nicht. In anderen Branchen hat man die Akkus standardisiert. Es gibt AA, AAA, C und D Akkus und wer eine längerlebige oder hochpreisige Kamera kauft, wird auch diese vorfinden. Bei Geräten die man nicht so lange nutzt, wie billigere Kameras aber auch Notebooks, dominieren dann Spezialanfertigungen, zum Teil auch der Platzarmut (Gehäusehöhe bei Notebooks und Tabletts) geschuldet, wobei ich mir sicher bin, dass man sicher Akkus für Notebooks genauso standardisieren könnte.

Ich zähle Elektrofahrräder zu den langlebigen Gütern. Mein letztes Fahrrad hat 12 Jahre gehalten, das vorletzte 9 Jahre. Entsprechend sollte man sich Gedanken machen dass die Akkus zum einen genauso standardisiert sind, wie wir es bei den Kleinakkus kennen (was spricht gegen drei bis vier Standardgrößen, die man ja auch wie heute bei anderen Gebieten parallel oder in Serie schaltet?) und weil diese mit Lithium bestückt sind, einem recht teuren und nicht gerade häufigen Metall. Es verbraucht sich nicht und muss nur aufgearbeitet werden.

Ich finde es befremdlich wenn man es heute noch normal hält dass man bei einem Produkt nicht die Entsorgung und das Recycling berücksichtigt. Das muss heute jede Branche vom Hersteller von Autos über Elektrogeräte, etc. Die Akkus für Kleingeräte kann ich heute bzw. muss ich im Supermarkt abgeben, und da ist es eine "neue These" das bei viel teureren und brandgefährlichen Akkus (Lithium entzündet sich bei Luftkontakt) nicht sein soll?

Die Frage ist natürlich, wie teuer das wird. Also ich habe mal nachgeforscht. Ein typsicher Pedelec Ersatzakku kostet 399 Euro und hält 1500 Ladezyklen durch. Allerdings nur wenn man, wie ich gelesen hab,e ihn nach spätestens 20 km auflädt, also nie voll entlädt. Sonst nur 500 Zyklen. Macht dann bei 20 km pro Teilzyklus rund  0,02 Euro pro Kilometer. Also klingt das doch sehr billig. Selbst wenn man dann noch die Strommenge (0,25 KWh + Verluste) dazurechnet (man kommt dann auf rund 0,03 Euro/km).

Die Sache ist natürlich die, wie praktikabel das ist. Ich denke die meisten die heute ein Pedelec kaufen sind Freizeitfahrer. Also Leute denen sonst Fahrradfahren zu anstrengen ist oder nicht hipp genug. Für die ist es wahrscheinlich Wurst wie viel ein Ersatzkakku kostet weil sie nicht auf große Strecken kommen und mit den rund 8000 bis 25000 km die der Erstakku je nach Pflege durchhält, auskommen.

Wenn ich wirklich mal das als alternatives Beförderungsmittel sehe, dann kommen mir doch Fragen auf. Alternativen Beförderungsmittel heißt: Das Fahrrad sollte das Auto auf kurzen Stecken, sagen wir mal alles was man so in 30-45 Minuten erreichen kann, ersetzen. Also bei meinem City Fahrrad mit eher gemächlichem Tempo und hier in etwas hügeliger Landschaft, wären das rund 9-14 km einfache Strecke. Wenn ich in die beiden Nachbarorte (3,5 und 5,6 km entfernt) fahre brauche ich 12 bzw. 18 Minuten dazu. Wer wurklich sportlich unterwegs ist wird wahrscheinlich deutlich höhere Strecken ansetzen. Die Zeit ist praktikabel, viel länger wird man wohl nicht fahrradfahren wollen.

Dann ist es aber so, dass man den Akku täglich schon aufladen muss. Bei 14 km hin und zurück kommt man schon deutlich über die 20 km raus, wenn man zur Arbeit hin und zurück fährt. Eine große Mobilität ist das nicht, von einer größeren Fahrradtour mal ganz zu schweigen. Man könnte ja sagen "Okay, dann trebbele ich einfach". Das Problem ist nur: Das Fahrrad ist deutlich schwerer als ein normales. Also ich bemerke bei meinen Rädern nur wenige Kilos mehr oder weniger schon deutlich und so fallen die rund 8-10 kg, die ein Pedelec mehr wiegt, schon auf.

Ideal wäre es doch wenn es in beide Richtungen gehen würde. Also warum geht es nicht, dass man wenn man bergab fährt und schnell wird, dass der Elektromotor als Motorbremse wirkt und den Akku auflädt? Schon jetzt ist es ja so, dass der Motor sich abschaltet wenn man schnell genug ist und das wäre dann einfach nur eine Zusatzfunktion. Da man bei regelmäßigen Strecken immer den fall hat dass wenn der Hinweg bergauf ging, der Rückweg bergab sollte man so die Reichweise deutlich erhöhen können. Straßenbahnen können das, aber die "innovative" Fahhradbranche wartet wohl noch drauf, für die ist ja schon ein Recyclingsystem für Akkus unzumutbar, wie soll man dann erst Bewegungsenergie recyclen, obwohl das technisch recht einfach ist.

Das zweite sind Solarzellen. Die Idee kam mir diesen Sommer. Eigentlich könnte man doch auf dem Fahrrad ein Dach installieren. Nicht groß, so breit wie der Lenker und vom Lenker bis zum Ende des Gepäckträgers gehend. Das wären bei meinem Fahrrad 1,2 x 0,6 m also 0,72 m². Da habe ich mal nachgeschaut welche Leistung man da bekommt. Bei Konrad stieße ich auf diese Solarzellen. Bei 0,54 m² Fläche liefern die 85 Watt Spitzenleistung und sind mit 299 Euro noch bezahlbar. Kleiner Wehrmutstropen - sie machen das Fahrrad um 7,5 kg schwerer. Immerhin hochgerechnet auf 0,72 m² Fläche wären das 113 Watt. Genug, um selbst bei bedecktem Himmel und nicht senkrechter Strahlung den Akku während eines typischen Arbeitstages wieder aufzulassen und bei Sonnenschein könnte man erheblich länger fahren. Wenn man das Dach dann noch kippen könnte um die Sonne optimal auszunutzen (geht bei einer Gartenliege ja auch) dann wäre das fast ideal, wenn nur nicht die 7,5 kg Zusatzgewicht wären ... Aber vielleicht gibt es ja mal leichtere Konstruktionen. Als Nebeneffekt würde es auch vor Regen schützen.

Das Aufladen soll wohl eine Gefahrenquelle sein. Kürzlich sah ich in WDR3 einen Bericht über einen Akku bei dem die Abschaltautomatik versagte und der fast einen Schuppen in Brandt setzte. Er hätte es wohl nicht in die Nachrichten geschafft, hätte der Hersteller des Fahrrades nicht einen Austausch verweigert, was völlig unverständlich ist. Denn sowohl nach Bedienungsanleitung, wie auch der Erfahrung von anderen Akkuladegeräten beaufsichtigt man so was ja nicht. Wenn die Enderkennung versagt, dann sollte das Ladegerät eben nach einer bestimmten Zeit automatisch abschalten, wenn man z.B. davon ausgehen kann das auch ein fast leerer Akku dann annähernd voll ist. Unverständlich das so eine Funktion nicht drin, ist die heute jedes 20 Euro Ladegerät bietet und das bei einem Systempreis eines Pedelec von 2000 bis 300 Euro, als viermal so teuer wie ein normales Fahrrad.

Der Preis ist sicher der Knackpunkt (Solarzellen auf dem Dach würden ihn ja noch anheben). Vor allem wenn ein Mofa, bei dem man nicht treten muss, mehr zuladen kann nur ein Drittel dieses Preises kostet - klar hier muss man dann nachtanken, doch die 1300 bis 2000 Euro Preisunterschied reichen doch für etliche Tankfüllungen. Bei rund 30 km/l so wird die Reichweite eines Mofas angegeben, muss man schon 26000 bis 40000 km fahren, bis man den Preisunterschied drin hat (mit den Kosten für die Ersatzakkus sind es es sogar noch mehr). Also wer täglich 28 km zur Arbeit fährt, 230 Arbeitstage im Jahr hat erst nach 4-5 Jahren einen Vorteil von einem Pedelec, der Freizeitfahrer wohl gar nicht und ein Mofa ist noch viel bequemer und kann mehr Zuladung packen ....

Vielleicht liegt die Zukunft woanders - in dem gemieteten Pedelec. Das gibt es ja schon mit Fahrrädern. Das Prinzip: Man mietet ein Fahrrad für eine Strecke. Das kenn per Handybezahlung oder über EC Karte oder Dauerkarte gehen. Einmal gebucht, wird das Schloss freigeschaltet, man fährt zum Zielort und stellt es dort in der Nähe bei einem weiteren Sammelpunkt ab. Danach wird der Betrag abgebucht und das Fahrrad neu gesperrt. Ein Service transportiert dann abends Fahrräder von Knotenpunkten wo es viele sind wieder zu Punkten wo sie fehlen. Irgendwo bei unseren Nachbarn gibt es so was und es soll unheimlich geschickt in der Großstadt sein. Das Abstellen kann man dann mit dem Neuauflagen kombinieren. Da hier nur Kurzstrecken zustande kommen, ist das sogar ideal und würde viel mehr Leute zum Fahrradfahren animieren.

Artikel verfasst: 9.8.2012

Artikel zuletzt modifiziert: 10.8.2012


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