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Web Log Teil 262: 10.9.2012 - 16.9.2012

10.9.2012: Am Markt vorbeigeplant

Es waren einige ohne viel Neues von SpaceX. Wie immer wenn sie tatsächlich was arbeiten müssen, kündigen sie nichts an. Nun soll in einigen Wochen endlich der erste Versorgungsflug beginnen. (Bei der Pressekonferenz zu COTS 2/3 im Mai war noch von August die Rede) Er wird nach NASA-Langzeitplanung 1268 kg Fracht zur ISS bringen. Eventuell ändert sich da noch was kurzfristig, aber wahrscheinlich nicht viel. Warum es nur 1268 und nicht 6000 kg sind wie von SpaceX als Nutzlast angegeben? Nun Zeit mal zu untersuchen, wie das Unternehmen sich auf die Märkte ausrichtet die sie umkrempeln will.

Was man als Laie erwartet ist, dass wenn eine neue Rakete entwickelt wird, noch dazu von einem kommerziellen Unternehmen das neu ist und also den etablierten Konkurrenz machen will, dann sollte ich diesen vorher studieren und mein Produkt so auslegen, dass ich möglichst viele Aufträge bekommen kann. Wenn ich z.B. eine Trägerrakete für GTO-Transporte entwickeln würde, dann wäre eine mit 6 t Nutzlast sinnvoll, so viel wiegen die schwersten Satelliten und man hat etwas Luft wenn sie noch schwerer werden (das Groß ist ja etwas leichter). Diese Diskussion, wie man bei Ariane 5 weitermachen soll, aufgrund der Tatsache, das man mit der Ariane 5 ECA nur noch schwer die Satelliten so kombinieren kann, dass ein Doppelstart möglich ist, führte ja zu zwei Vorschlägen - einem kleineren Träger mit der halben Nutzlast oder einem Ausbau zur Ariane 5 ME. Dies ist ein Beispiel wie man sich an die Märkte anpasst.

Doch kehren wir zu SpaceX zurück. Wie hat sich diese Firma auf existierende Märkte ausgerichtet?  Die Falcon 1 sollte 670 kg Maximalnutzlast befördern können, sank aber in der Nutzlast auf 420 kg ab (nach den Angaben über den Orbit von Rakhsat-1 und den Betriebszeiten der Stufen komme ich auf noch niedrigere Werte - für diesen Orbit 280 kg anstatt 340 kg nach Users Manual). Zu dem Zeitpunkt, als die Entwicklung begann (2002) nahm die Startfrequenz der Pegasus, einem Modell mit annähernd gleicher Nutzlast schon ab, weil die meisten Satelliten nun größer waren und seit dem Erststart der Falcon 1 (2006) erfolgten nur 10 Starts der Pegasus. Hätte die Falcon 1 also alle diese Starts ergattert, so wären es 1-2 pro Jahr gewesen. Doch da die Falcon 1 nur zwei Stufen hat und die zweite Stufe mit 550 kg mehr als die Nutzlast wiegt, würde sie nicht alle Starts bekommen, denn die Nutzlast nimmt für höhere Orbits stark ab.

Konsequenterweise hat man die Entwicklung der Falcon 1e mit etwa doppelt so hoher Nutzlast zuerst aufgeschoben und dann still und leise aufgegeben (anders als die Ankündigung neuer Raketen wird sehr wenig über eingestellte Entwicklungen berichtet).

Zeitgleich wurde die Falcon V angekündigt. Wie die Ziffer V andeutet, sollte sie 5 Triebwerke desselben Typs wie die Falcon 1 in der ersten Stufe einsetzen. Bei einer Startmassse von 181 t hätte sie knapp 6 t in einen LEO Orbit und 1,9 t in den GTO-Orbit gebracht. Als die noch größere Falcon 9 konzipiert wurde, wurden die Planungen geändert und die Falcon V sollte nun eine Falcon 9 mit teilbefüllter Stufe (154 t Startmasse) sein. Die Nutzlast sank so auf 4,1 t ab. Während die ursprüngliche Version in etwa mit der Delta II vergleichbar war, die ja 2009 in der Produktion auslief, also durchaus einen Markt anvisierte, der wichtig ist, schließlich gibt es zahlreiche NASA Nutzlasten in diesem Segment, war diese neue Version nun zu klein für diese Transporte. Folgerichtig wurde sie 2005 eingestellt - um 2011 eine Wiedergeburt als "Stratolaunch" zu erleben. Durch den Start durch die Luft und nun stärkere Merlin Triebwerke will man wieder die 6,1 t Nutzlast erreichen.

Es kam dann die Falcon 9, oder heute muss man besser sagen die "Falcon 9 V 1.0". Ursprünglich mit 8,7 t Nutzlast angekündigt, steig diese dann auf 12,5 t ab und danach wieder ab auf 10,45 t nach SpaceX Angaben. Sie liegt damit in etwa in dem Bereich den auch die kleinsten Atas V Modelle und Delta 4 abdecken. Anders als bei diesen wird aber keine kryogene Zweistufe eingesetzt und die Nutzlast in den GTO nimmt stark ab. Ich (und auch das Institut für Trägerraketen bei der DLR) errechnen für den GTO nur 2-2,5 anstatt 4,5 t Nutzlast. Auch hier: der niedrige spezifische Impuls und die hohe Leermasse der zweiten Stufe sind daran schuld. Für GTO-Transporte ist die Falcon 9 V 1.0 also nicht geeignet. Dies scheint der Grund für die Entwicklung der "V 1.1" mit schubstärkeren Triebwerken und 55% höherer Treibstoffzuladung gewesen zu sein. Diese erreicht dann die 4,5 t welche schon die erste Version aufweisen sollte. Die Frage ist, warum man sie nicht gleich angeht anstatt zuerst eine Interimsversion zu entwickeln. Noch verrückter: Die "V1.0" hat eine etwas größere Nutzlast als die Delta II Heavy (etwa 8-9 t, für sonnensynchrone Orbits und fluchtbahnen schnell auf das Niveau der Delta II abnehmend) und man stellt die Familie ein und entwickelt für Stratolaunch eine kleinere Version mit etwas niedriger Nutzlast.

Die Falcon Heavy, aus drei dieser Falcon 9 stieg so ebenfalls in der Nutzlast an - von 24,5 t LEO nach den ersten Planungen auf 53 t nach den letzten Verlautbarungen. Hier scheint man allerdings realistischer bei der GTO zu sein - hier werden nur noch 12 t angegeben. Damit wäre sie geeignet für Doppelstarts der größten Satelliten, nur ist dafür die Nutzlastverkleidung der extrem langen Trägerrakete zu klein. Sie ist kürzer als die kleinste der Ariane 5. Grund könnten die hohen aerodynamischen Belastungen durch die hohe Beschleunigung und die lange Rakete sein. Immerhin sind die "V1.1" Versionen beider Raketen die ersten, die tatsächlich auf einen Markt ausgerichtet sind.

Die "V1.1 Versionen" bringen aber SpaceX in ein anderes Dilemma - die ISS Transporte. Die Firma bewarb sich auf die COTS Transporte mit der Dragon, einer Kapsel die vor diesem Programm für bemannte Transporte angekündigt wurde. Da diese nun auch im Rennen um den kommerziellen Crewtransport ist, hat die Geschichte der Firma recht gegeben, denn für ISS Transporte ist die Kapsel deutlich suboptimal. SpaceX spricht von 6 t Maximalnutzlast davon je 3 t in der Kapsel und hinten im "Trunk". Das mag die Maximalnutzlast sein, und die Falcon 9 V1.1 kann das auch transportieren, nur benötigt die NASA vor allem Fracht im Druckmodul und da ist das Volumen von 10 m³ doch recht klein, zumal die Kegelform für sperrige Fracht sehr ungünstig ist. Die Dragon muss daher für 20 t Fracht 12 Flüge durchführen, durchschnittlich 1,67 t pro Flug, anfangs wenn man nur Fracht im Druckmodul braucht (die Shuttles haben in den letzten Flügen zahlreiche Reserveteile gebracht die außen an der Station angebracht wurden, daher gibt es derzeit keinen hohen Bedarf an Fracht im Trunk) werden es weniger als die 1,67 t sein. Später kann sie auf 2 t ansteigen. Das ist auch die Maximalnutzlast beim Start mit der der Falcon 9 V1.0. Doch nächstes Jahr wird sie von der Falcon 9 V1.1 abgelöst. Das bedeutet die Firma startet für ihren Hauptkunden, die NASA eine Kapsel die, solange die NASA nicht viel Wasser und andere schwere Dinge braucht, nur zu einem Bruchteil der maximal möglichen Nutzlast transportiert. Kurzum, man hat eine Rakete die ideal für den Zweck war, auf den die meisten Starts (2/3 des Launchmanifests) entfallen durch eine ersetzt, die um 50% zu leistungsfähig ist. Andere Sekundärnutzlasten wird es beim ISS Orbit kaum geben. Für sonnensynchrone Bahnen ist die Bahnneigung zu niedrig, für GTO zu hoch. Und da die Nutzlast von der NASA vorgegeben ist (und auch SpaceX bekannt ist), wird sich an der Tatsache wenig ändern.

Die Frage ist, warum man nicht wie OSC einfach einen zylinderförmigen Frachtbehälter genommen hat. Er ist auch nicht schwerer zu fertigen, leichter vergrößerbar und wenn die Firma im CCDev doch noch unterlegen sollte (also ich würde auf Boeing wetten, egal wie billig SpaceX ist - für die NASA zählt Zuverlässigkeit und Erfahrung) dann war die Entwicklung der Kapsel eine nette bezahlte Auftragsarbeit, doch mit weniger Flügen zur ISS bei mehr Fracht pro Flug hätte man viel mehr verdienen können. Siehe OSC - die bekommen für 8 Flüge sogar noch mehr Geld.

Was bleibt ist, dass wir bemerkenswert viele Designs haben - bei den Trägern die Falcon 1,Falcon 1e, Falcon V, Stratolaunch, Falcon 9 V1.0, Falcon 9 V1.1, Falcon 9 Heavy und Falcon Heavy, von denen aber bisher nur zwei von acht im Einsatz sind. Zielorientierung sieht anders aus. Genauso de Einsatz einer Wiedereintrittskapsel für Frachttransporte (zu schwer, zu teuer und weil die NASA auf einer neuen Kapsel pro Flug besteht auch nicht wiederverwendbar).

Ich hab es ja schon mal angesprochen: in vielem erinnert mich SpaceX an Softwareentwicklung. Es wird etwas angekündigt und angepriesen, das nie erscheint, oder es hat dann weniger Leistung als Versprochen und die wird in einem "Upgrade" nachgeliefert und es folgen auf unbrauchbare Versionen ("Windows Vista") brauchbare ("Windows 7"). Wie bei Software wird viel Rummel gemacht und Zeitpläne sind Makulatur. Die Parallelen zu Windows 1.0 das so toll angekündigt wurde und dann extrem verspätet erschien, sind schon frappierend. Da inzwischen sogar für Raketen Versionsnummern vergeben werden spricht viel dafür, dass bei SpaceX tatsächlich so gearbeitet wird. Wahrscheinlich kommt bald die Falcon 9 "2014 Edition" oder die Falcon Experience.

11.9.2012: Terraforming Mars - Teil 3 - noch ein paar kleinere Probleme

Nachdem ich mich in den ersten beiden Teilen damit auseinandergesetzt habe, dass es wahrscheinlich nicht möglich sein wird, die Atmosphäre soweit umzugestalten, dass der Mars bewohnbar wird und er dann auch noch recht wenig Wasser für ein gemäßigtes Klima hat, will ich heute noch einige Dinge ansprechen, die genauso wichtig sind.

Langfristige Bahn- und Klimaänderungen

Mars ist ein kleiner Planet, nahe Jupiter, und er hat noch kleinere Monde. Dies hat zwei Folgen. Zum einen stört die Anziehungskraft von Jupiter seine Umlaufbahn. Die Exzentrizität schwankt. Es gibt einen Zyklus, der eine Periode von 1,7 Millionen Jahre hat. Dazu kommt ein zweiter Zyklus. Mit einer Periode von 2,5 Millionen Jahren schwankt die Neigung der Rotationsachse. Unser Mond stabilisiert die Neigung der Rotationsachse der Erde. Die kleinen Marsmonde können dies nicht.

Heute hat der Mars eine Bahn mit einer Neigung von 1,85 Grad zur Ekliptik mit einer Exzentrizität von 0,0935. Innerhalb des ersten Zyklus kann die Bahnneigung zwischen 0 und 8 Grad schwanken und die Exzentrizität zwischen 0 und 0,12. Die Neigung der Rotationsachse zur Bahnebene beträgt heute 25,3 Grad. Hier sind die Schwankungen noch höher, mit Extremwerten von 0 bis 80 Grad. So kommt es dazu, dass bei günstiger Kombination beider Parameter alle paar Millionen Jahre eine Hemisphäre über Monate von der Sonne beschienen wird und gleichzeitig der Mars für diese Zeit nahe der Sonne ist. Das führt dazu, dass kurzfristig die Temperaturen soweit ansteigen, dass der Permafrost auftaut. Das freiwerdende Wasser bildet zusammen mit dem Boden Schlamm. Wird die Polkappe beschienen, verdampft das Kohlendioxideis und die Atmosphäre wird dichter. Das hebt den Sublimationspunkt von Wasser weiter an und steigert den Treibhauseffekt. Es gibt Überflutungen und Sedimentablagerungen. Erreicht der Mars das Aphel, so sinken die Temperaturen und das Wasser friert wieder aus. Damit können jüngere Überflutungsereignisse erklärt werden.

Für das Leben hätte dies gravierende Folgen. Es würde heißen, dass sich die Jahreszeiten und die Gebiete mit gemäßigtem Klima innerhalb von wenigen Millionen Jahren drastisch ändern. Im Extremfall (Neigung der Rotationsachse 80°, Exzentrizität 0,12, ist es so, dass die Pole und die polnahen Gebiete für ein halbes Marsjahr lang "Polartag" haben, also die Sonne nie untergeht. Der andere Pol liegt dagegen über diese Zeit im Schatten, diese Situation ist mit Uranus vergleichbar, der auch eine Neigung von 98° hat (entspricht 82° zur Senkrechten). Durch die hohe Exzentrizität nähert sich dieser eine Pol dann der Sonne auf 200 Millionen km, während der andere Pol, wenn er von der Sonne beschienen wird, 256 Millionen km von der Sonne entfernt ist. Es ist schwer vorstellbar, wie diese eine Zivilisation meistern kann. Am Pol im Schatten müssten die Temperaturen weit unterhalb der Werte in der Antarktis sinken. Wenn man vorher nur gemäßigtes Klima am Äquator hat, dann müsste am Pol, der der Sonne ausgesetzt ist, die Temperaturen auf das Niveau in Wüstengebieten steigen (die Aufschmelzvorgänge, die wir kennen bedingen, dass die Temperaturen um mindestens 55°C höher liegen als heute und diese kommen anscheinend regelmäßig vor). Schon jetzt sind die Jahreszeiten auf dem Mars sehr viel ausgeprägter als auf der Erde. Heute schwankt sogar durch das Ausfrieren der Atmosphäre der Luftdruck um 25%% (7-9 mbar am Viking 1 Landeplatz). Diese Schwankungen werden bei noch größerer Exzentrizität noch größer sein, schließlich erhält der Mars bei einer Exzentrizität von 0,12 im Aphel nur nur 62% der Energie des Perihels. (Auf der Erde betragen die Schwankungen nur 6,3% - dies bewirkt, dass die Sommer und Winter auf der Südhalbkugel etwas extremere Temperaturen haben, da die Erde am 3. Januar den sonnennächsten Punkt (Perihel) durchläuft).

Kein Schutz vor dem Sonnenwind

Problem Nummer zwei ist das fehlende Magnetfeld. Die Erde hat einen flüssigen Erdkern, der durch die Gezeitenkräfte unseres Mondes flüssig gehalten wird. Er bewirkt Strömungen, Reibung und damit eine Verflüssigung und durch die Strömungen auch ein Magnetfeld. Das Magnetfeld lenkt geladene Teilchen wie die von der Sonne ausgehenden Protonen und Elektronen, den Sonnenwind um. Über den Polen, wo es sich öffnet da hier die Magnetfeldlinien senkrecht zur Oberfläche sind, können die Teilchen eindringen und sie werden dann in zwei Strahlungsgürteln (einen für Elektronen und einen für Protonen) gesammelt. Das Erdmagnetfeld schirmt uns aber auch vor kosmischer Strahlung von Galaxien und stellaren Quellen (Supernovae) ab. Das fehlende Magnetfeld kann praktisch nicht kompensiert werden. Die Atmosphäre schirmt zusätzlich ab, sodass die Strahlenbelastung auf der ISS höher als auf der Erde ist, verlässt man jedoch einen Erdorbit so steigt sie stark an. Wenn selbst die NASA, also nicht gerade fanatische Mars-Expeditionsbefürworter davon spricht, dass Astronauten zum Mars ihre Familienplanung abgeschlossen haben sollten und im mittleren Alter sein sollten, (wegen den zu erwartenden Genveränderungen und der Cancerogenität der Strahlung), dann dürfte klar sein, dass wir niemals auf dem Mars so leben, können wir auf der Erde, also ohne Schutz. Natürlich ist auch so keine Landwirtschaft möglich, denn auch bei den Pflanzen und Tieren würden bald Mutationen auftreten. Wenige Generationen auf dem Mars und die über Jahrtausende gezüchteten Kulturpflanzen wären nicht mehr wiederzuerkennen.

Das zweite ist, ob die Atmosphäre des Mars und damit auch die Bedingung, dass man überhaupt auf der Oberfläche leben kann, von Bestand ist. Darüber wissen wir zu wenig. Schon die Verlustrate der heutigen Atmosphäre ist unbekannt. Schätzungen aufgrund von Messungen der Ionen im Weltraum gehen weit auseinander. Eine Extrapolation von den jetzigen 6,1 mb Bodendruck auf 200 mb wie sie bei einer reinen Sauerstoffatmosphäre vorliegt sind daher eher spekulativ. Die Problematik ist folgende: Der Mars hat eine Fluchtgeschwindigkeit von 5 km/s, vergleichen mit 11 km/s bei Erde und Venus. Gase haben bei einer bestimmten Temperatur eine bestimmte mittlere Geschwindigkeit. Bei der Atmosphäre des Mars liegt diese im Mittel unter 1 km/s. Doch das ist nur die mittlere Geschwindigkeit. Ein kleiner Teil der Moleküle ist schneller und kann die Atmosphäre verlassen. Auf der Erde sind dies Wasserstoff und Helium. Beim Mars alle Gase. Das ist der Grund, warum die Atmosphäre so dünn ist und warum sie kaum Stickstoff enthält: Er ist mit Atommasse 28 noch leichter als das Kohlendioxid und leichte Moleküle sind schneller. Einen Teil der Moleküle verliert der Planet schon alleine durch die geringe Fluchtgeschwindigkeit. Ein größerer Teil durch den Sonnenwind. Der Sonnenwind, das sind Protonen mit einer Geschwindigkeit von rund 400 km/s. Treffen sie auf ein Molekül oder ein Ion/Atom der Atmosphäre (in der oberen Atmosphäre sind Moleküle oft durch die UV-Strahlung ionisiert oder in Atome gespalten), so übertragen sie diese Energie auf das Molekül. Dieses hat nun einer höhere Geschwindigkeit als die Fluchtgeschwindigkeit und kann den Planeten verlassen. Der Sonnenwind bläst richtiggehend die Atmosphäre weg.

Der nächste Marsorbiter MAVEN wird genauere Zahlen über die Verlustrate der heutigen Marsatmosphäre liefern. Eine Interpretation auf die Vergangenheit ist daher hoch spekulativ. Was wir allerdings wissen, ist, dass in der Frühzeit des Mars es eine Atmosphäre gab, bei der Wasser flüssig über längere Zeit blieb. Das zeigen die Erosionsspuren aus der noachischen Periode. Es gibt kaum Krater aus dieser Zeit, die wie beim Mond "frisch" aussehen, sondern alle sind erodiert, mit Sedimenten aufgefüllt und abgeschliffen worden. So auch der Gale Krater in dem gerade Curioisty landete. Dazu müsste es auf dem Mars mindestens 55°C wärmer als heute gewesen sein, was eine erheblich dichtere Atmosphäre mit einem hohen Bodendruck und Treibhausgasen voraussetzt. Etwa vor 3,5 Milliarden Jahren fror das Wasser aus, weil die Temperaturen sanken, wahrscheinlich durch den Verlust der Atmosphäre. Die Frage ist nur, wie schnell dies geschah. Wenn wir von 100 Millionen Jahren reden, so ist das nichts, was eine Zivilisation kümmern müsste, wenn es nur um den Verlust der Atmosphäre geht. Es könnte aber auch in einer Million Jahre geschehen, was bedeuten würde, dass die gesamten Wasservorräte des Planeten bald verbraucht wären, um den so verlorenen Sauerstoff zu generieren. Vom Energiebedarf ganz zu schweigen.

In der Summe

Was bleibt? Der Mars wird nie wie die Erde werden. Selbst wenn man mit sehr hohem Aufwand eine atembare Atmosphäre erzeugt, dann ist dies eine fast reine Sauerstoffatmosphäre. Um die Temperaturen stabil zu halten, müsste man potente Treibhausgase ausstoßen, die nicht unproblematisch sind. Diese Atmosphäre ist dann jedoch sehr brandfördernd, weil der inerte Stickstoff fehlt und es gibt keine Ozonschicht, da auch Fluoridradikale Ozon zerstören, wenn auch nicht so stark wie Chlor, doch dafür benötigt man dieses Gas in viel höherer Konzentration. Ohne Schutz wird man die Marsoberfläche nicht betreten können und Landwirtschaft wird wohl eher unter Glas oder in Wasserbecken (Hydrokulturen) ohne Ozonschicht möglich sein.

Wasser gibt es auf dem Mars in zu geringer Menge für ein global gemäßigtes Klima. Nur kleine Regionen, wo sich das Wasser sammelt, wenn es mal so warm ist, dass es global taut, werden ein angenehmes Klima haben, der Rest des Planeten wird wüstenartig sein, mit extremen Temperaturschwankungen. Selbst dann aber bleibt dieser Zustand durch die Bahnveränderungen durch Jupiter und den Atmosphärenverlust nicht stabil. Gegen die Problematik, dass aber die Kosmische Strahlung auch bei einer dichten Atmosphäre bis zum Marsboden durchdringen würde, gibt es nach heutigem Stand kein Mittel. Wir können kein Magnetfeld der Größe, die dafür benötigt würde, induzieren. Der einzige mögliche Schutz (wenn wir einen wie die Erde ohne Schutzanzug bewohnbaren Mars haben wollen) besteht darin eine viel dickere Atmosphäre aufzubauen, die dann durch ihre Dicke eine entsprechende Schutzwirkung hat. Doch dann reden wir nicht mehr von 0,2 bar Bodendruck, sondern einigen Bar Bodendruck. Diesen zu erzeugen wird fast unmöglich sein, und ob der Mensch darin dauerhaft auf dem Mars leben kann, ist auch noch offen.

Links: Early Mars Climate Modells

16.9.2012: Aus meinem Postfach

Es gibt so viele Verschwörungstheorien. Über 911, die Mondlandung und nun auch die Hohlerde. Jedoch, man lernt nie aus, gibt es auch laufend neue. Ich will die folgende Unterhaltung aus meinem Schriftverkehr mal wiedergeben. Ich denke, da sich der Betreffende nur "The last don" nannte kann ich das, da ist ja der Personenschutz gewahrt. Es fing an mit folgender Mail:

"Hallo Herr Leitenberger,

ich habe gerade ihr Review bezüglich des Vittel Wassers gelesen:
Sie erwähnen in diesem Beitrag dass insgesamt nur drei Stoffe wichtig sind für ein Wasser, nämlich Magnesium, Calcium und
Fluor. Letzteres erwähnen Sie allerdings nicht im negativen Kontext.
Vielleicht scheint ihnen ja auch nicht bewusst zu sein, dass Fluorid total giftig für uns Menschen ist und es sich dabei um chemischer Abfall der Industrie handelt, genauso wie es bei Aluminum auch der Fall in Deos ist.
Vielleicht sollten Sie das mal recherchieren, nur so als Tipp.

Gruß"

Okay, beim Satz "Dass Florid total giftig für uns Menschen ist", schwante mir schon was. Aber ich bin bei der ersten Antwort immer höflich und weise auf den derzeitigen Stand der Wissenschaft hin und habe geantwortet:

"Hallo

Fluor ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand für Säuglinge und Kleinkinder essentieller Nahrungsbestandteil, bei Erwachsenen erhöhen kleine Dosen die Härte des Zahnschmelzes, hohe Dosen wirken toxisch, doch diese Gefahr besteht bei den zugelassenen Mineralwässer nicht die nur wenig oder mittlere Fluoridgehalte aufweisen. Dagegen ist es im Trinkwasser in einigen Regionen in höherer Menge enthalten.

Florid ist ein natürlicher Bestandteil der Böden und anders als Aluminium leicht löslich weshalb man es auch im Wasser findet bzw. in Lebensmitteln die es durch das Wasser aufnehmen. Es gibt fluoriertes Speisesalz, weil die durchschnittliche Fluoridaufnahme in Deutschland als zu gering erachtet wird.

Ich habe mich informiert, sie scheinen aber einen Nachholbedarf zu haben. Hier die offiziellen Empfehlungen für die Zufuhr:
http://www.dge.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=3&page=12

Stellungnahme zu Flurodisalz und Überdosierung:
http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=703

oder wenn sie eine zweite unabhängige Quelle haben wollen:
http://www.ernaehrung.de/tipps/karies/karies13.php


mfg
Bernd Leitenberger "

Als Antwort bekam ich dann folgendes:

Hallo Herr Leitenberger,

Sie haben recht. Das ist die ofifzielle Version. Doch Sie sollten auch mal einen Blick hinter die Kulissen werfen und nicht alles glauben was offiziell verzapft wird.
Hierzu reicht es manchmal sogar auch, ein wenig zu googeln. Dazu haben wir schließlich das Internet! Leider wird dieses heutzutage von vielen nur noch für Dinge wie Facebook oder Bild Zeitung benutzt.
Da man Menschen aber nicht überzeugen, sondern höchstens überreden kann- werde ich mir sicherlich nicht die Mühe machen um hierauf noch viel näher einzugehen. Jeder ist seines Glückes Schmied und ein Jeder hat gewisse Vorurteile, weshalb es schwierig ist- wenn ich jetzt versuchen würde, Ihnen meine Meinung aufzugaugeln. Denn "überzeugen" müssen Sie sich selber!

Fluor und Jod sind Sondermüll für die Gesundheit!
Fluor und Jod sind Nichtmetalle und gehören zu den Halogenen. Sie sind Salzbildner und hochreaktiv. Fluor ist sogar das stärkste Oxydationsmittel! Toxikologen bezeichnen Fluor und Jod als giftig. Sie können in allen Geweben schwere Schäden verursachen.

Fluor und Jod fallen in der Aluminum-, Stahl- und Düngemittelindunstrie in großen Mengen als Sondermüll an. Daher sinnt die Industrie darauf , wie man den Sondermüll loswerden kann, ohne ihn mit aufwendigen und teuren Verfahren entsorgen zu müssen.Und die Lösung heißt: Aus Müll mache Geld!! Die Folge ist- wir werden krank! Damals wurden diese Stoffe in Flüße und Seen entsorgt, als dies nicht mehr möglich oder erlaubt war-> kam die große Fluor Lüge zum Vorschein.
Betrachten wir ein paar Krankheitsbilder als Beispiele:
Athrose, Osteoporose:
Fluor gelangt über die Lymphbanen in die Wirbelsäule und in die Gelenke und spaltet das Calciumphosphat des Knochens. Es entsteht eine neue giftige Verbindung "Calciumfluorid CaF2", das nicht nur den Zahnschmelz härtet, sondern auch alle anderen Gewebe wie die Wirbelsäule und die Gelenke, sowie deren Bänder und Gelenkkapseln mit nachfolgender Einsteifung. Aber es gelangt auch in alle anderen Gewebe.

Wenn Sie noch Fragen haben, dann können Sie mich gerne kontaktieren. Es empfiehlt sich hierfür wirklich zu recherchieren, wenn Ihnen etwas an Ihrer Gesundheit liegt. Oder glauben Sie noch an den Weihnachtsmann, oder an 9/11 oder dass der Iran wirklich aufgrund von der Atomlüge angegriffen werden soll?! Genauso ist es nämlich auch mit den Pharmakonzernen und unserer Gesundheit- die größte Mafia überhaupt! Für welche nicht die Gesundheit der einzelnen Menschen zählt, sondern der Profit.

Mit freundlichen Grüßen"

Okay, nu ist also klar, es handelt sich um einen Verschwörungstheoretiker. Dann habe ich, aus leidvoller Erfahrung mit solchen Menschen recht wenig Geduld und pflege recht knallhart sie auf ihre Fehler hinzuweisen, denn Diskutieren ist da zwecklos und wenn man dies tut so hört dann bald der Kontakt auf oder es geht über zu persönlichen Beschimpfungen.

"Hallo Pablo,

Wenn sie einen Blick auf die Signatur geworfen hätten, dann wüssten sie, dass ich nichts glauben muss, sonder weiß was Fluorid und Iodid sind und welche Funktionen sie haben, daher kann man mir auch keine Verschwörungstheorien unterjubeln.

Nur einige ihrer falschen Angaben:

 * Wir reden nicht von Fluor und Iod, sondern von Fluorid und Iodid.
   Dies ist der gleiche Unterschied wie zwischen Eisen und Rost.
   (Reines Element und Verbindung). Fluorid und Iodid sind überhaupt
   nicht reaktiv, Fluor und Jod kommen weder frei in der Natur vor,
   noch werden sie Lebensmitteln zugesetzt.
 * Beide Elemente sind wertvolle Rohstoffe, kaufen sie mal eine
   Iodsalbe und sie wissen dass man diese Stoffe nicht einfach
   entsorgen muss. Die Industrie zahlt teuer für Fluoridmineralen um
   Teflon und andere Fluororganische Verbindungen herzustellen und
   genauso für Iod, das für die Synthese von organischen Verbindungen
   benötigt wird. Selbst wenn es Abfälle gäbe, dann sind die
   Dosierungen im Salz so gering, dass wenn alle nur Iodsalz essen
   würden die Industrie gerade mal 175 kg Jod jährlich entsorgen
   könnte, da nur 25 Milligramm Kaliumiodat pro Kilo Salz erlaubt sind.
 * Tja und das Calciumfluorid ist die natürliche Form des Fluroids, die
   wird also nicht im Körper gebildet. Stattdessen wird im Körper
   Calciumapatit gebildet bei dem eine der Hydroxylgruppen  des Apatits
   durch ein Fluroid ausgetauscht ist.
 * Iod ist lebensnotwendig und Bestandteil der Hormone Trijodthyronin
   und Tetrajodthyronin, welche den Grundumsatz und das Wachstum
   regulieren. Ein Iodmangel kann im Extremfall bei Kindern
   Wachstumsstörungen nach sich ziehen.


Also das sind schon mal vier falsche Behauptungen, von denen die erste schon nur Hauptschulwissen (Unterschied Element - Verbindung) voraussetzt. Ja sie sollten sich informieren, vor allem aber weiterbilden, damit sie nicht jedes Gerücht nachplappern müssen sondern die Fehler selbst erkennen können. Wer über Chemie redet sollte such etwas von Chemie verstehen.

mfg
Bernd Leitenberger "

Ja das wars dann auch, mehr habe ich nicht gehört. Die Theorie ist ja nicht so arg neu. Schon Stanley Kubrik nahm sie in seinem Film "Dr Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben" auf: Der Kommandant der die B-52 zum Erstschlag aussendet, glaubt daran, dass die Fluoridierung des Trinkwassers die wertvollen Körpersäfte zersetzen würde. Die Theorie muss es also schon damals (1964) bekannt gewesen sein. Wer weiß, vielleicht hat man die Mondlandung auch nur inszeniert um von der Fluoridierung der Trinkwasser abzulenken? Und was meint "The Last Don" mit dem Weihnachtsmann? Den sehe ich doch dauernd im Fernsehen, in zahllosen Spielfilmen und wir alle wissen, was im fernsehen zu sehen ist muss wahr sein,....

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