Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 297: 1.10.2012 - 5.10.2012

1.10.2012: Ich mach was falsch

Auf diesen Gedanken bin ich bei der Recherche für mein Diätbuch gekommen. Zwischen den beiden Korrektoren habe ich es noch um die Konzepte der Dukan Diät und der Weight Watchers ergänzt. Da stolpert man natürlich auch über Zahlen über die Umsätze die mit solchen Konzepten gemacht werden. Nur mal drei Beispiele: Diamond verkaufte 12 Millionen Exemplare seines Buches "Fit for Life". Atkins je nach Quelle 12-45 Millionen seiner Bücher und seine Frau brachte von dem Erbe rund 41 Millionen in eine Stiftung ein. Dukan, der sein Konzept erst 2010 veröffentlicht hat, soll inzwischen auch schon 10 Millionen Bücher verkauft haben.

Bei den Margen als Autor kann man von 1-2 Euro Gewinn bei jedem Buch ausgehen, damit ist man also fürs Leben saniert. Auch die Weight Watchers haben ein Konzept, das sie selbst als "wissenschaftlich abgesichert" beschreiben. Wenn man sich das was darüber veröffentlicht wird ansieht (die Firma mahnt ja jeden ab, der Formeln oder ähnliches publiziert) dann wird der Gesamtenergiegehalt mit einer Formel berechnet, davon 1000 kcal abgezogen und das ist dann die maximale tägliche Verzehrsmenge. Nur dass diese nicht in kJ oder kcal sondern in "Punkten" gemessen wird. Mehr ist es nicht. Es läuft immerhin so auf eine Diät mit gemischter Kost hinaus, neuerdings mehr in Richtung "Low Fat", also dem Konzept das von den meisten Ernährungswissenschaftlern empfohlen wird. Aber immerhin ist es ein empfehlenswertes Konzept, für das eben die Hand aufgehalten wird und dann verdient man noch mit speziellen Taschenrechnern die die Points errechnen. (Wers übrigens genauer wissen will, kann zu meinem Energierechner greifen).

Das ist schon mal ein Unterschied zu den drei andern Konzepten. Bei Diamonds wird die Zeit wann man was essen darf stark reglementiert. Daneben gibt es wirre Postulate die nicht stimmen (Fleisch enthält kein Vitamin B12, Milch verklebt den Magen etc.), und dadurch wird die Zahl dessen, was man essen darf stark eingeschränkt. Das gibt es auch bei den anderen. Wers noch nicht weiß: Bei Atkins darf man fast keine Kohlehydrate zu sich nehmen, das bedeutet die Nahrung besteht außer energiearmen Gemüse als einziger pflanzlicher Nahrung am Anfang nur aus tierischer Nahrung: Fleisch, Wurst, Milchprodukte Eier. Später wird es dann gelockert, doch selbst bei Dauerernährung sind maximal 40-60 g Kohlenhydrate pri Tag erlaubt, ein Sechstel bis ein Viertel der normalen Aufnahmemenge. Dukan ist noch extremer. Hier ist auch Fett nicht mehr erlaubt. Das bedeutet man darf nur extrem mageres Fleisch (natürlich ohne Fett zubereitet), fettfreie Milchprodukte, 1 Ei und fisch essen. Das Konzept heißt auch "Star Diät", angeblich weil Stars auf es schwören, meiner Meinung nach eher, weil es sich kein anderer leisten kann. Die erlaubten Produkte sind recht teuer. Ein Diättag kostet 20-30 Euro.

Ich denke, jeder kann sich ausmahlen wie lange man die erlaubten Lebensmittel essen kann, so scheint nach neueren Untersuchungen der Erfolg auch mehr auf Nahrungsverweigerung als dem postulierten Abnehmen durch Ankurblung des Fettabbaus zu beruhen. Daher haben beide Konzepte auch hohe Abbruchquoten und auch einen ausgeprägten jo-Jo Effekt. Diamond ist nach Aufnahmen von 2009 übergewichtig. Atkins wog als er starb 117 kg. Also scheint das Konzept nicht mal bei den Erfindern anzuschlagen.

Aber darum geht es mir eigentlich nicht. Obwohl jedes dieser Konzepte eigentlich nicht für eine dauerhafte Abnahme, bei der man das Gewicht auch hält, tauglich ist, verkaufen sie sich prima. Da stört es nicht wenn offizielle Stellen alle drei als "gesundheitsschädigend" einstufen. Es reicht wohl Gewichtsabnahmen von einem Kilo pro Woche oder sogar 5 Kilo in zwei Wochen zu versprechen. Atkins hatte vor Zehn Jahren noch einen Marktanteil von 12%, in der Blütezeit waren es noch mehr. Das bedeutet dass Millionen sich freiwillig diesem Konzept unterzogen.

Also Leute kaufen freiwillig Bücher und Produkte die von ihnen verlangen, sich stark beim Essen einzuschränken. Nur wegen des schnellen Abnehmens willen? Oder weil es so anders als die normalen Empfehlungen ist? Vielleicht sollte ich anstatt ein Buch über die Grundlagen der Ernährung und des Stoffwechsels und wie man dieses Wissen in einer Diät umsetzt einfach eine neue Diät entdecken. Wie wäre es mit der Schokoladediät? Oder einer Brotdiät?

Ich sehe das ja auch bei meinen schon existenten Büchern. Da beschwert sich jemand bei einem Sachbuch über die ISS das es diese beschreibt anstatt "Begeisterung zu erwecken". und das DLR Magazin bemängelt bei einem Lexikon, das es nur die Auflistung von Fakten enthält. Es ist wohl ein grundlegender Fehler Sachbücher mit Fakten zu schreiben oder Bücher mit dem Ansatz den Leser zu informieren und ihm zu helfen. Wichtiger scheinen Geschichten zu sein.

Okay die Erkenntnis ist nicht neu. Es gibt mehr Leser der Bild als der FAZ. Es schauen Millionen Trash-Fernsehen an wie die Casting-Shiws. Aber ich dachte immer es müsste genügend Leute geben die sich für mehr interessieren. Dem scheint aber im deutschsprachigen Raum nicht zu sein.  Seit Jahren kaufe ich fast nur noch englischsprachige Bücher wie aus der Reihe Springer Praxis Books, da findet man noch diese Informationstiefe.

11.1.2012: Eine Wunderwaffe die gottseidank nicht zum Einsatz kam

Wie heißt es so schön: Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Nun ja, vieleicht wird im Krieg nicht alles erfunden, aber wenn etwas militärischen Vorteil verspricht, dann gibt es die Mittel schon erfundene Dinge zur Einsatzreife zu bringen. So wurde im zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite die Großrakete, der Marschflugkörper und das Düsenflugzeug zum Einsatz gebracht. In den USA wurde die Atombombe entwickelt. Alle Entdeckungen oder Prototypen auf denen sie beruhten, waren schon vor dem Kriegsbeginn gemacht worden.

Was die wenigsten wissen: In Deutschland wurden vor dem zweiten Weltkrieg auch die Grundlagen für die modernen Kampfstoffe erarbeitet. Gerhard Schrader erkannte das eine bestimmte Grippe von organischen Phosphorsäureerstern ein Schlüsselenzym der Nervenleistung blockieren kann, die Cholinesterase. Sie dient dazu Acetylcholin, dass zwischen den Nervenzellen die Impulse überträgt, zu spalten. Bei einer normalen Nervenleitung passiert am Ende einer Nervenzelle folgendes: Der Botenstoff Acetylcholin wird ausgeschüttet, gelangt an Rezeptoren an der Endplatte der nächsten Nervenzelle und die Ankopplung löst einen Impuls aus, wonach nun wieder Ionenkanäle geöffnet werden und der Impuls über den Nerv weitergeleitet wird. Damit dies nicht zur Dauererregung führt, spaltet ein Enzym an der Endplatte das Acetylcholin in seien Bestandteile Essigsäure und Cholin auf, die dann von den Rezeptoren sich lösen.

Stoffe die in diesen Mechanismus eingreifen können schon in kleinsten Mengen die Nervenleitung durcheinander bringen. Curare, das Pfeilgift, blockiert die Rezeptoren für das Acetylcholin und somit die Nervenleistung. Atropin umgekehrt belegt selbst die Rezeptoren und verhindert so die Weiterleitung ist daher auch Antidot bei Cuare und Giftgasvergiftungen.

Schrader entdeckte ab 1937 eine Reihe von Stoffe die das Enzym blockieren und damit ebenfalls die Nervenelitung unterbrechen und er entwickelte die Schrader-Formel

??????

Nach ihr sind wirksame Cholinesterasehemmer Stoffe mit einer bestimmten Struktur. R1 und R2 sind organische Reste mit einer Alkyl oder Esterstruktur. X ist ein Halogenatom.

1937 und 1938 wurden Sarin und Tabun entdeckt. Beide sind Stoffe mit einem hohen Dampfdruck, verflüchtigen sich also leicht und werden über die gesamte Körperoberfläche aufgenommen. Gasmasken sind also nur bedingt wirksam. 1944 kam noch Soman hinzu, das nochmals giftiger ist. Sarin und Tabun, vor dem Krieg entdeckt, wurden noch während des Kriegs produziert, 30 Tonnen sollen es gewesen sein. Die LD-50 Dosis von Sarin liegt bei 100 mg/min/m³, also wenn ein Kollektiv eine Minute lang Luft mit dieser Konzentration einatmet, dann sterben 50% davon. 30 t würden ausreichen rund 300 Millionen Kubikmeter so hoch anzureichern, und da wahrscheinlich die Expositionszeit länger wäre, müsste die Konzentration nicht mal so hoch sein. Es wurde ausgerechnet, dass diese Menge ausgereicht hätte, um im Großraum London Millionen zu töten.

Hitler wusste von beiden Stoffen, befahl auch die Produktion, aber nicht den Einsatz. Warum ist bis heute ungeklärt. Manche meinen, weil er im ersten Weltkrieg selbst den Gaskrieg miterlebt hat (damals wurden vor allem ätzende, oder alkylierende Substanzen wie Chlorgas, Senfgas oder Phosgen eingesetzt. Verglichen mit diesen unspezifischen Substanzen war Sarin vergleichbar wie die Bombardierung mit konventionellen und Atombomben). Der zweite Grund, der erwogen wird, ist dass er wohl befürchtete die Alliierten hätten ähnliches entwickelt, was aber nicht der Fall war. Schrader musste nach dem Krieg in 2 Jahren Gefangenschaft alle seine Erkenntnisse niederschrieben.

Russland und die USA produzierten nach dem Krieg Sarin, Tabun und Soman und entwickelten es weiter. Die Giftigkeit konnte nur noch wenig gesteigert werden, aber die Anwendung verbessert. Sarin ist z.B. nur einige Wochen bis Monate stabil. Neue Stoffe wie VX haben einen niedrigen Dampfdruck und werden so als Aerosole verteilt - sie bleiben so eher in der bodennahen Bodenschicht. Die letzte Entwicklung, worüber man wenig weiß sind binäre Waffen. Da sind in einer Granate getrennt Ausgangsstoffe untergebracht. Wird sie Abgeschossen so zerbricht die Trennwand und es kommt zur Reaktion. bei der M687 Granate sind es Methylphosponlydifluorid in einem Behälter und im zweiten eine Mischung aus Isopropylalkohol und Isopropylamin.  Der Isopropylalkohol reagiert mit dem Methylphospondifluorid zu Sarin und Fluorwasserstoff und das Isopropylamin reagiert mit der Fluorwasserstoffsäure zu einem Salz, sonst würde die Säure das Sarin wieder spalten.

Gerade Sarin ist daher durch die relativ einfache Herstellung in den traurige Berühmtheit gekommen, dass es auch eingesetzt wurde. Bekannt ist zumindest der Einsatz seitens des Iraks, und bei einem Einsatz in der Tokioter U-Bahn.

Immerhin macht es Waffenkontrolleuren die Arbeit einfach. Da für die Herstellung  der Ausgangstoffe man Fluorgas benötigt, sind üblicherweise die Rohre und Behälter Teflonbeschichtet oder alternativ teuere Spezialstähle oder Glas/Keramik im Einsatz. Würde man VX herstellen, dass kein Fluoratom innehat, so wäre das erheblich schwerer nachzuweisen.

Schrader arbeitete an dem Konzept weiter und entwickelte eine Reihe von Insektiziden, was eigentlich auch Ausgangspunkt seiner Forschung war. Die Wirkung gibt es bei allen Organismen mit Nervenleitung, nur ist das Enzym Acetylcholinesterase unterschiedlich aufgebaut. Sarin und Tabun hatten eine große Affinität zu der Cholinesterase von Säugetieren und Vögeln. Bei anderen Stoffen war das nicht so. Nach dem Krieg folgten bei Bayer E601 und E605. Sie basieren auf der Ersetzung des Sauerstoffs am Phosphor durch den Schwefel. Sie sind für Säugetiere weniger toxisch, trotzdem erlangte E605 (Parathion) als in den fünfziger Jahren eine Frau mit Pralinen mit diesem Stoff ihre Ehemänner vergiftetete. Insektizide auf Basis von Schraders Forschung werden bis heute eingesetzt.

3.10.2012: Technikgeschichte

Ich habe in den vergangen Tagen einen Aufsatz über die Cray 1 fertiggestellt und mal kurz überlegt, ob ich ihn nicht an dieser Stelle veröffentlichen sollte, doch da es 60 k sind, wäre das selbst bei mehreren Teilen für den Blog zu lang. Aber er hat mich zu meinem heutigen Thema gebracht: Technikgeschichte.

Wir Menschen lieben ja Geschichten. Nicht unbedingt Geschichte, aber Geschichten. Also nicht die Geschichte Englands im 16 Jahrhundert, aber vielleicht die von Heinrich dem VIII. Das haben auch die Fernsehsendungen erkannt. derzeit läuft im ZDF immer dienstags "Weltenbrandt" über den ersten Weltkrieg, aber in jeder Sendung ziehen sich auch die Geschichten von zwei Prominenten durch. So in der ersten von Hitler und Montgomery, in der zweiten von Göring und Charles de Gaulle. Ich wette in der dritten sind dann Rommel und Winston Churchill dran. Auch sonst wenn es um Geschichte geht, geht es um Personen oder es kommen Zeitzeugen mit persönlichen Schilderungen zu Wort.

Das gilt nun nicht nur für die Historie, sondern auch die Naturwissenschaft. egal ob es Forschungsreisen sind (Darwin, Humboldt, Scott/Amundsen) oder Erfindungen geht, ist es persönlich gefärbt, so interessiert es uns. So kam bei Terra X letzten Sonntag die Geschichte von zwei Pionieren die unabhängig voneinander den Düsenantrieb erfunden haben. Von ihnen erfuhr man viel, vom Düsenantrieb oder Problemen recht wenig,

Ich mochte schon immer Geschichten über Technik und Naturwissenschaft. Das hat mir auch die Note im Anorganik Vordiplom gerettet. Ich wusste nicht was das Nernstsche Verteilungsgesetz ist. Nicht das mir Walther Nernst nichts sagte, aber ich brachte ihn mit dem dritten Hauptsatz der Thermodynamik in Verbindung. Zu der Zeit war gerade eine Sendereihe in den Dritten (ja damals gab es noch Bildungsfernsehen in den Dritten) gelaufen: Bildner der Chemie und da kam auch Walther Nernst. Da unser Professor in der Vorlesung auch Anekdoten über andere Chemiepioniere von sich gegeben hatte, konnte ich annehmen, dass er das Thema mochte und ich erwähnte eben, das ich von Nernst nur wusste, dass er durch eine erfundene Lampe reich wurde (er verkaufte das Patent an AEG) und enorm stolz auf seinen dritten Hauptsatz war, seine Studenten witzelten daher immer der dritte Hauptsatz steht im Lexikon unter "M" M wie "Mein Hauptsatz". Als er nach 1933 seinen Lehrstuhl räumen musste, weil er sich für jüdische Mitarbeiter einsetzte (etwas was man sicher nicht bei Guido Knopp erfährt, dort gibt es ja immer nur die Naziverbrecher) zog er sich auf sein Landgut zurück. Ein Mitarbeiter fragte ihn was er wohl züchten würde: Schweine oder Rinder? Nernst antwortete: "Karpfen, ich züchte isotherm". Tja ein echter Chemiker.

Man sieht, gute Geschichten vergisst man auch nach 20 Jahren nicht. Die Frage ist: kann auch Technik, ohne viele involvierte Personen interessant sein? Also für mich schon. Sonst gäbe es ja nicht zig Aufsätze über Raumsonden, Raketen und ähnliches. Nur bei den wenigsten kennt man ja Personen die involviert sind oder kann Geschichten der Entwicklung erzählen, am ehesten noch bei der bemannten Raumfahrt, bei der sich die wenigsten ja für die Technik und der Großteil für die Personen und ihre Erlebnisse interessieren.

Also ich finde Technik an sich ist interessant und auch wenn man keine Geschichte erzählen kann, so sind doch technische Lösungen interessant weil sie die Lösung eines Problems durch jemanden darstellen. Das bringt mich auch dazu immer wieder über Technik zu schreiben. Aber ich weiß auch: nur ein Bruchteil der Bevölkerung denkt wie ich. Zum einen interessiert und als Menschen eben mehr was andere Menschen machen, was ja auch immer als Begründung für eine Marslandung angeführt wird (wir können uns mehr mit einer Person identifizieren und wir wollen Augenzeugenberichte, wie es auf dem Mars ist) und zum zweiten leben wir in einer Zeit in der wir mehr von Informationshappen in der Form "Die Wiedervereinigung in drei Sätzen" leben, als dass wir uns mit Dingen beschäftigen wollen, die man über Seiten erklären muss. Oder vielleicht ist die Zahl der Leute die dank PISA das verstehen können, heute auch kleiner geworden.

Schade drum

3.10.2012: Der Fahrradhelm und die Autorfahrer

Vor etwa einem halben Jahr trat der CSU Verkehrsminister Ramsauer eine Diskussion über die Helmpflicht bei Fahrradfahrern los. Er war für diese, konnte sich aber nicht durchsetzen, weil nur 10% aller Radfahrer Helm tragen und da wollte man wohl nicht zu viele vergrätzen. Doch da ich die Politik kenne und weiß, dass wenn heute was diskutiert wird und erst mal begraben wird, dann kann man damit rechnen, dass es in einigen Monaten oder Jahren erneut aufgegriffen wird und dann doch Gesetz wird.

Zur gleichen Zeit gab es bei ALDI Fahrradhelme und ich habe mich entschlossen einen zu kaufen. Bisher hatte ich keinen. Es ist nicht so, dass ich was gegen Fahrradhelme habe oder sie ungeschickt oder unnütz empfinde. Ich hatte nur die Befürchtung, ich würde ihn wahrscheinlich die meiste Zeit vergessen. Das hat sich nicht bewahrheitet. Der Helm ist bequem, schnell zu verstellen und ich habe mich schnell an das Tragen gewöhnt. Zuerst habe ich ihn neben dem MP3-Player geparkt denn ich immer beim Fahrradfahren habe (mit kleinen normalen Kopfhörern, keinen In-Ear Kopfhörern, zum einen sind die unangenehm und zum andern will ich auch noch den Verkehr mitbekommen) und mittlerweile lasse ich ihn beim Fahrrad stehen, dann habe ich ihn fast immer auf.

Stören tut er mich nicht. Er hat sogar Vorteile, wenn es regnet und ich ein Regencape trage - man kann den Helm über dem Cape tragen, so passiert es einem nicht, dass der Wind die Kapuze dauernd wegweht.

Aber das ist nicht das, was ich heute ansprechen will. Es ist wie der Fahrradhelm die Wahrnehmung des Fahrradfahrers ändert. Ich weiß nicht ob man mit Helm eher bemerkt wird., aber das Verhalten sowohl von Fußgängern wie Autofahrern ist anders. Es ist meiner Erfahrung nach viel wahrscheinlicher, dass einem ein Autofahrer den Vortritt lässt, obwohl er Vorfahrt hat, als wie ohne Helm und Fußgänger fangen eher an, den Weg freizumachen als wenn man keinen Helm hat. Ich denke jeder der Fahrrad fährt und Wege nehmen muss die für Fußgänger und Fahrradfahrer sind (das sind bei uns alle Wege zwischen den Ortschaften, da wir keine ausgewiesenen Fahrradwege haben) kennt das Problem von Fußgängern die links laufen oder noch besser in Gruppen die ganze Wegbreite einnehmen.

Die Frage stellt sich mir warum? Nehmen die anderen an, dass jemand der einen Helm hat sich anders verhält? Rücksichtloser vielleicht? Oder das er schneller ist, weil Rennfahrer meistens Helme haben? - Letzteres ist ja anhand meiner gemütlichen Zuckelgeschwindigkeit (etwa 18 km/h im Durchschnitt mit Ampeln und Warten, ohne vielleicht 20-22) leicht als falsch zu erkennen.

Es wäre interessant zu wissen warum. Ich glaube zumindest nicht, dass man nur wegen des Helms besser gesehen wird. Aber vielleicht ist man auffälliger. In jedem Falle ist es positiv, auch wenn es eine Fehleinschätzung ist. Zwar fahren viele, die wirklich regelmäßig das Fahrrad benutzen (entweder für die Freizeit oder um zur Arbeit zu fahren) mit Helm, aber Helme sind auch sehr oft in Mode bei den "Sonntagsfahrern". Der Ausdruck kommt ja von den Autofahrern, trifft aber auch auf bestimmte Fahrradfahrer zu. Es sind Leute oder eher noch Familien, die ein Fahrrad als Sportgerät und für Ausflüge haben. Sie sind nur bei schönem Wetter und vorwiegend zu Urlaubszeit und Samstags/Sonntags unterwegs, da wird dann langsam gefahren, in der Mitte oder als Gruppe nebeneinander oder mal geht es nach links, mal nach rechts. Ihr wisst schon wie ich das meine. Auf der Straße würde man solche Autofahrer wohl sofort rauswinken, aber bei Wegen hört bei vielen das Verständnis für die Links-Rechts Regel auf. Egal, da hier das Fahrrad Sportgerät ist, darf es natürlich nicht an dem Zubehör Fahrradhelm fehlen. Die Gruppe, bei der die Helmträger noch am wenigsten vertreten sind, sind die regelmäßigen Kurzstreckenfahrer, wozu ich wohl auch zähle - also die die das Fahrrad zum Einkaufen oder andere Besorgungen innerhalb der Ortschaft brauchen. Neben dem zeitlichen Aspekt (ich bin ja nur 5 Minuten unterwegs) ist es oft auch der praktische Aspekt dass man im Geschäft oder wo man ist nicht dauernd den Helm abziehen und wieder anziehen will - ich lasse ihn beim Einkaufen einfach auf. Beschwert hat sich darüber noch keiner.

Was sich leider nicht geändert hat ist die Hupmacke von Autofahrern. Autofahrer müssen hupen. Das schein ein ehernes Gesetz zu sein. Ich habe noch nie entdeckt, dass Fahrradfahrer klingeln nur weil der Vordermann zu langsam oder sonst was nicht tut, allerhöchstens klingele ich wenn ich vor mir Fußgänger habe, die in der Gruppe laufen oder Eltern mit kleinen Kindern oder Hundebesitzer mit freilaufenden Hunden. Ich gehe zwar mit der Geschwindigkeit runter, aber besser ist es das Elternteil passt zusätzlich auf, dass die Kleine nicht plötzlich in meine Spur wechselt. Aber Autofahrer hupen dauernd, und sie hupen auch bei Fahrradfahrern. Dabei ist das, wenn der Autofahrer hinter mir ist, völlig sinnlos. Warum? Nun wenn er hinter mir ist, sehe ich ihn nicht und bei langsamen Tempo und moderneren Autos höre ich ihn auch sehr spät. Meistens will er ja überholen. Doch was hat das Gehupe für einen Zweck. Ich erschrecke und im ungünstigen Fall wechsle ich in die falsche Richtung. Intuitiv ist das erste was ich tun will, zu sehen was da hupt. Da Fahrräder keinen Rückspiegel haben muss ich über die Schulter schauen und damit weicht zum einen der Blick von der Straße ab und zum andern ist die Gefahr groß, dass man von der Geraden abweicht, meistens in die Richtung in die man den Kopf dreht. In jedem Falle ist es konterproduktiv, weil in jedem Falle der Fahrradfahrer von der Geradeausfahrt abgelenkt wird. Ich kanns mir eigentlich nur damit erklären, dass Autofahrer eher unter Adrenalin stehen als Fahrradfahrer oder Fußgeher.

Trotzdem lohnt sich der Fahrradhelm. Man kommt mit ihm schneller und unkomplizierter durch den Straßenverkehr.

5.10.2012: So langsam reichts

Beim durchlesen der Nachrichten stieß ich auf diesen Artikel über den Disput Ariane 5 und Ariane 6. Ich dachte eigentlich Beratungen von Fachgruppen hätten eine Annäherung gebracht, aber dem scheint nicht so zu sein. Stattdessen wird der Ton härter:

“We in industry have been fighting for a decade to have launch vehicles viewed in Germany as a strategic interest, and finally the government has agreed. And it’s now that France proposes to scrap the program?” Fuchs said. “What has particularly bothered Germany is that its position on Ariane 5 ME is viewed as childish, short-term thinking focused only on industrial policy. It’s getting to where it provokes an almost emotional reaction. The reaction now is that if France wants Ariane 6, they can only get it if they go through Ariane 5 ME.”

Dazu muss man sagen, das Marco Fuchs Chef von OHB ist und damit über MT-Aerospace an der Ariane 5 beteiligt. Da MT Aerospace vor allem aber die Booster fertigt würde vom Anstieg der deutschen Beteiligung von 20 auf 33% vor allem Astrium Bremen profitieren, weniger OHB. Dorthin würde die Fertigung der ESC-B Stufe wandern.

Ich habe ja schon hier meine Position deutlich gemacht: Ich bin für die ESC-B und die Ariane 5 ME. Die Versprechung eine Ariane 6 (von der ich übrigens bisher noch keine Pläne gesehen habe) wäre billiger als die Ariane 5 glaube ich schlicht und einfach nicht. Ob eine Trägerrakete teuer oder billig ist, zweigt sich wenn sie existiert. Hier einige Beispiele die mir so spontan ohne nachzuschlagen einfallen:

Ich hätte zwei Botschaften an die Beteiligten, eine politische und eine wirtschaftlich/technische:

Die politische: einigt euch endlich mal. Denn ohne Einigung wird beim nächsten ESA Gipfel, der bald ansteht nichts beschlossen, weder Ariane 6 noch Ariane 5 ME und dann hat man wieder drei Jahre verloren. Meiner Meinung hättet ihr schon 2008 die Ariane 5 ME in Angriff nehmen sollen, dann würden wir auch heute nicht über eine Ariane 6 reden.

Die zweite ist eine technische. Ich kenne noch kein beschlussfähiges Konzept für die Ariane 6. Es gibt einige Konzepte der ESA aus dem FLPP Programm, die ich auch für mein Buch angeschaut habe. Alle setzen eine kryogene Oberstufe ein. Also warum entwickelt man die ESC-B nicht so, dass die Stufe oder zumindest große Teile der Technologie für eine zukünftige Ariane 6 adaptierbar sind?

Mehr noch von fünf Konzepten des FLPP setzen drei LOX/LH2 in der Zentralstufe ein, nur mit einem größeren, schubstärkeren Triebwerk.  Warum baut man dieses nicht in die Ariane 5 ein? Die CNES hat in ihrer Ariane 2010 Initiative ja so etwas schon 2002 untersucht und kam zum Schluss dass dies auch 1.100 bis 1.900 kg mehr Nutzlast bringt (je nach Leistung des Triebwerks). Dadurch werden die Gravitationsverluste erniedrigt. Und die kleinen Feststoffbooster der Ariane 6 könnte man auch zusätzlich an der Ariane 5 befestigen. Mehr noch: Da für die Ariane 6 Triebwerke von 2.500 bis 2.750 kN Schub geplant werden, wäre es beim Einbau in die Ariane 5 sogar möglich diese ohne Booster oder mit den kleinen der Ariane 6 zu starten.

Worauf ich raus will? Lassen wir bei der Ariane 5 die Booster weg, bauen ein neues Triebwerk ein und eine ESC-B Oberstufe und wir haben die Ariane 6. So kann sie in der Tat dann weniger Nutzlast transportieren, Nur wäre sie kostenmäßig nicht ideal für die kleine Nutzlast weil die Booster das preiswerteste sind. Ich vermute es ist das Vulcain 2 das der Kostentreiber ist. Bei der Ariane 2010 Initiative war Hauptaugenmerk dieses Triebwerk durch ein billigeres, selbst wenn es einen niedrigeren spezifischen Impuls hat, zu ersetzen. Doch braucht man dafür eine neue Rakete, zwei der FLPP Konzepte haben LOX/LH2 Stufen mit 156 bzw. 170 t Treibstoff - 156 t das ist Ariane 5G und 170 t das ist Ariane 5E - also wofür dann eine neue Rakete?

Aber ich sehe keinen Grund, warum es nicht eine friedliche Koexistenz geben könnte. Mit ESC-B und neuem Haupttriebwerk, zwei kleineren Boostern zusätzlich läge die Ariane 5 bei 13-14 t im Einzelstart. Wenn es dann eine Ariane 6 mit 3-5 t im Einzelstart gibt dann sehe ich keine Konkurrenz, denn mit 13-14 t entspricht dies 2 x 6,2 bis 6,7 t also höher als die Nutzlast einer Ariane 6 im Einzelstart. Die eine transportier dann die schweren Nutzlasten und die anderen die leichten. Dafür brauchen wir keine Sojus. Auf Druck der CNES hat man ja für sie einen Startplatz gebaut, größtenteils von der ESA finanziert.

Ach übrigens, noch ein kleiner Gruß an unsere französischen Freunde: bevor ihr irgendwelche Forderungen stellt, solltet ihr erst mal eure seit 2002 offenen Schulden an die ESA zurückzahlen. Im Januar waren noch 376 Millionen Euro offen, das sind 15% des ESA Etats oder die Hälfte dessen was Frankreich jährlich zahlt.


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99