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Web Log Teil 298: 6.10.2012 - 9.10.2012

6.10.2012: Ein paar Gedanken um Diäten

Gestern brachten mich zwei Dinge auf das heutige Thema, das eine war eine Werbung für eine Frauenzeitschrift mit einer Diät bei der man "in 5 Tagen 4 Kilo abnehmen" kann und dann abends hat eine Fraue sich gegen die Diskriminierung von Übergewichtigen gewehrt und behauptet auch deutlich Übergewichtige hätten kein Normalgewicht und nach Fünf Jahren würde drr Jo-Jo Effekt zuschlagen, als eine Diabetikern schon drei Jahre lang ihr Gewicht hielt. Der BMI wäre veraltet und beruhe auf Versicherungsdaten und hätte nichts mit der Gesundheit zu tun.

Fangen wir mal an: Die Frauenzeitschrift verheißt mit einer Diät (man darf also noch was essen, zu sehen war im Spot eine Suppe) rund 800 Gramm pro Tag abnehmen kann. Geht das? Nehmen wir mal den Extremfall: Das Fasten ohne Nahrungsaufnahme. Bei einer Fastendiät wurde bei Probanden (Normalbedarf: 8.400 kJ) folgende Gewichtsabnahme beobachtet:

Zeitraum

Gewichtsabnahme

Davon Fett

Davon Eiweiß/Wasser

Energiebedarf

1-8 Tage

800 g

160 g Fett = 200 g Fettgewebe

75 g Eiweiß = 600 g Gewebe

7.500 kJ

> 8 Tage

350 gW

150 g Fett = 190 g Fettgewebe

20 g Eiweiß = 160 g Gewebe

6.100 kJ

Wie kann man dies nun deuten?

Ein Gramm Eiweiß bindet im Körper 6-7 g Wasser. Zuerst behält der Körper seinen alten Stoffwechsel bei. Unsere Nahrung ist in der Regel reich an Eiweiß. Der Körper muss sich nicht viel Mühe geben, wenn Zellbestandteile oder andere Eiweiße abgebaut werden, die Baustoffe zu recyceln, und ein Teil davon wird wie Kohlenhydrate und Fett zu Energie verbrannt. Schließlich gibt es laufend Nachschub aus der Nahrung. Nach etwa einer Woche stellt sich der Stoffwechsel auf einen radikalen Hungerstoffwechsel um. Nun wird der Verlust an Eiweiß reduziert, denn würde der Körper so weiter machen, so wären innerhalb von wenigen Wochen die Muskeln stark geschwächt. Weiterhin, das sieht man auch sinkt der Energiebedarf ab. Die Differenz zu 8.400 KJ in der ersten Woche beruhte darauf, dass die Verdauung keine Energie mehr benötigt. Doch nach einer Woche wird das Sparprogramm eingeschaltet und der Energiebedarf sinkt weiter ab.

Die Sache ist: was ist davon dauerhaft? Es ist nur der Fettverlust. Das Eiweiß stammt aus der Muskelmasse und wird wieder aufgebaut, wenn der Körper nach der Diät wieder genügend Eiweiß hat, baut er sie wieder auf. Realistischerweise kann man also pro Tag dauerhaft rund 200 g abnehmen wenn man gar nichts isst, was immerhin noch 6 Kilo im Monat sind, aber diese Diät verspricht ja das vierfache! Meiner Ansicht nach ist das fast unmöglich wenn man was isst. Es könnte allerhöchstens noch vorkommen wenn man in der Anfangsphase einer Dukan- oder Atkinsdiät Eiweiß verbrennt um Kohlenhydrate zu kompensieren, doch auch das ist nicht dauerhaft. Oder sie haben jemand mit 200 kg Gewicht als Basis genommen - der hat natürlich auch einen höheren Energieumsatz.

Ein Kilogramm Fettgewebe hat jke nach Literaturangabe 27.000 bis 29.000 kJ, nimmt man 28.000 als Mittel, und senkt man die tägliche Energieaufnahme um 4000 kJ ab, so braucht man eine Woche um ein Kilogramm abzunehmen. Die meisten Diätkonzepte raten sogar zu weniger: 2-2,5 kg pro Monat.

Diätvergelich

Das leitet zum zweiten Thema über: der Zunahme nach dem Ende der Diät, dem sogenannten Jo-Jo Effekt. Nur schlägt der nicht nach 5 Jahren zu, wie die Frau meinte, sondern direkt nach der Diät. Neben der Tatsache, dass man während der Diät einen reduzierten Stoffwechsel hatte und nun wieder mehr isst, ist die Hauptursache, dass die meisten Leute eine Diät als etwas temporäres ansehen und nicht ihr Essverhalten ändern. Wenn die 5-Jahresfrist gelten würde, dann auch für mich, und ich wiege weniger als vor fünf Jahren, als ich meine größere Diät hinter mir hatte. Der Jo-Jo Effekt ist deutlich auch bei dieser Studie zu erkennen, welche drei Diätkonzepte vergleicht.

Bleibt noch der BMI. Die Schlechtinformiertheit der Dame zeigt sich darin, dass sie BMI und Normalgewicht nach Broka verwechselt. Letzteres ist das mit der Faustformel: Körpergröße-100, das in der Tat auf den Daten einer einzigen Lebensmittelversicherung beruht und auch heute nicht mehr benutzt wird. Die Sterblichkeitsrate in Abhängigkeit vom BMI ist aber erweisen. Nur ist das auch nicht in Stein gemeißelt. Bei höherem Alter scheint ein etwas höherer BMI gesünder zu sein, was auch damit korreliert, dass die Leute im Alter mehr Gewicht haben. Zudem ist es nicht so, dass Personen die abgenommen haben, die gleichen Werte wie Normalgewichtige erreichen. Zudem versucht man heute noch andere Parameter heranzuziehen wie den Bauchumfang. Doch an der Grundtatsache, dass man mit erheblichem Übergewicht sich einige Gesundheitsrisiken aussetzt ändert das nichts. Das zeigen auch zwei prominente Fälle aus den letzten zwei Wochen Beck tritt zurück, wegen gesundheitlichen Problemen mit der Bauchspeicheldrüse. Dirk Bach wird tot in der Wohnung gefunden wegen eines Herzinfarktes. Die häufigste Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse bei Übergewichtigen ist das Auftreten von Diabetes Typ II, bei dem zuerst das Insulin immer weniger wirkt und dann die Bauchspeicheldrüse immer weniger Insulin abgibt. Vorher musste sie relativ viel produzieren, damit die zu viel aufgenommene Nahrung auch in die Zellen gelangt. Und Arteriosklerose ist die Hauptursache für den Herzinfarkt und Übergewicht ist ein Risikofaktor für Arteriosklerose.

7.10.2012: Aus der Praxis lernen

Das heißt es ja immer. Doch geht dies auch wenn die Praxis recht teuer ist? Nun wir alle wissen, dass Satelliten teuer sind. Aber wie lernen die Studenten sie zu bauen? Schaut man sich an den Unis rum, so hat jede irgendwelche Kleinsatellitenprojekte die sie gerne umsetzen könnte, nur finanzieren kann sie es nicht. Das ist ein Novum, denn sonst versucht man überall Praxis zu vermitteln. Der Mitteleinsatz ist unterschiedlich. Wenn man Chemie studiert braucht man Labore und einige nicht gerade billige Apparate. Bei Softwaretechnik reicht ein PC. Programmiersprachen gibt es heute als OpenSource. Da sind die Investitionskosten übersehbar.

Die Frage ist, warum es nicht eine Partnerschaft zwischen ESA / nationalen Weltraumagenturen und den Universitäten gibt. Das teuerste ist bei einem Raumfahrtprojekt die Arbeitszeit und Studenten werden nicht bezahlt und Doktoranten und Hiwis nur sehr schlecht. Würde die ESA die Hardware bezahlen und die Unis die Studenten, so könnte man etwas auf die Reihe stellen. Beide hätten einen Nutzen davon. Letztendlich profitiert die ESA, wie auch alle Firmen und nationalen Institute von gut ausgebildeten Studenten. In Deutschland gibt es einige Unis/Fachhochschulen mit dem Schwerpunkt Raumfahrt. Stuttgart, München, Aachen fallen mir spontan ein. Bremen und Berlin haben auch Ausbildungsgänge. Das ist nur ein ESA-Land. Nimmt man alle zusammen kommt man sicher auf 20 Unis. Schon alleine daran kann man sehen, dass es immer noch etwas besonderes sein wird einen Satelliten zu starten. nicht jeder Student wird daran teilnehmen können. Aber ich denke es ist möglich.

Hier zwei Gründe wie dies relativ preiswert für die ESA werden könnte. Ein Stichwort in der Raumfahrt ist ja COTS. Wer nun an Subvention von der NASA an Orbital und SpaceX denkt, nein der Begriff wird viel öfter als Abkürzung für "Commercial off the Shelf verwendet". Kurzum: wir entwickeln nichts neues, sondern nutzen etwas was schon da ist und woanders funktioniert. Viele elektronische Bauteile, aber auch andere Dinge wie Kameras, Solarmodule etc. könnte man in kleinen Technologiesatelliten die von Studenten gebaut werden testen. Bewährt es sich, so kann die ESA und Raumfahrtindustrie Kosten sparen indem sie diese Erkenntnisse übernimmt.

Doch woher kommt das Geld her, auch wenn es wenig ist? Nun die ESA hat viel Geld. So viel Geld, dass sie seit dreißig Jahren den einzigen Sektor in der Weltraumfahrt der wirklich von nichtstaatlichen Auftragsgebern subventioniert indem sie die Entwicklungskosten bezahlt. Sie ordert nämlich in regelmäßigen Abständen neue experimentelle Kommunikationssatelliten. Das fing 1978 (Startjahr) an mit OTS. Dann kam die ECS-Serie, die nachdem sie im Orbit war, privatisiert wurde (Eutelsat), dann kam Olympus als Hochleistungskommunikationssatellit der schweren Generation, Artemis zum Erproben von Ionentriebwerken und Laserkommunikation und nun steht Alphasat/Alphabus vor dem Start, die dies operationell einsetzen sollen. Da könnte man ein bisschen sparen und schon hätte man das Geld zusammen. Satelliten müssen nicht teurer sein. Proba-1 ein kleiner Technologiesatellit ist seit 2001 aktiv und kostete nur 13,5 Millionen Euro - als ESA Projekt, wenn dann noch die Arbeitskosten weitgehend wegfallen, müsste es noch billiger werden und den Start sollten wir auch noch umsonst hinbekommen. (bei Proba-1 musste man ihn bezahlen).

Umsonst? Ja, wir zahlen jedes Jahr  Arianespace 120 Millionen Euro. Dafür könnte man verlangen die ASAP-5, die Struktur für Sekundärnutzenlasten bei den Flügen mitzuführen die die Nutzlast nicht voll ausnutzen. Damit kann man dann die Satelliten befördern, wenn die Maximalnutzlast nicht erreicht wird und das ist bei den meisten Starts der Fall. Eine ASAP kann bis zu acht Satelliten von 120 kg Gewicht, zwei von 300 und sechs mit 120 kg oder vier im Gewicht von 300 kg transportieren. Bei vier Starts 2011 gab es zwischen 900 und 1100 kg Reserve die man so nutzen könnte. Bisher hat Arianespace die ASAP-5 kaum eingesetzt. Manchen Gerüchten (nichts offizielles sondern in Foren gepostet) wollen sie wohl nicht. Macht wohl zu viel Aufwand für zu wenig Einnahmen. Dazu würde auch passen, dass der letzte Einsatz bei der letzten Ariane 5G nur dazu diente Ballast mitzuführen, weil sonst wegen dem viel leichtere Helios 2B die EPC auch einen Orbit erreicht. Dass die Satelliten im GTO landen würden, wäre für Erdbeobachtung zwar dumm, aber für verschiedene Technologieexperimente, um die es ja primär geht, egal und vom GTO kommt man mit Ionenantrieben oder einem kleinen chemischen Antrieb leicht zum Mond, vieleicht mal als Anregung ....

Aber dazu wird's nicht kommen, denn das wäre unbürokratisch, unkonventionell, würde mit der Tradition brechen, dass man nur die Raumfahrtindustrie fördert und dann muss man ja auch noch ganz genau den geographical Return achten. Also nichts für den unbeweglichen Dinosaurier ESA.

Vermischtes aus den Weltraumnachrichten ....

... möchte ich heute kommentieren. Fangen wir an mit dieser Schlagzeile:"Envisat Puts ESA in Unenviable Position".  wo eine Frau bemängelt, dass die ESA Envidat nach 10 Jahren nicht außer Dienst nahm und seinen Orbit absenkte. Demnach müsste die ESA haften für Schäden wenn der Satellit zu Weltraummüll wird und andere Satelliten beschädigt. Diese Position ist mir neu. Haftet China für die vielen Trümmer die sie in dieser Orbithöhe erzeugt haben, als sie einen Satelliten mit einer Rakete zerstörten? Wie sieht das bei anderen Ländern aus. Kurz vor dem Ablegen von ATV-03 sollte dieser noch ein Ausweichmanöver durchführen, weil der ISS ein Stück einer PSLV Oberstufe gefährlich nahe kam. Es erweis sich als nicht nötig, aber müsste dann nicht Indien für den verbrauchten Treibstoff zahlen? Bei den Kosten eines ATV kommt da leicht ein Millionenbetrag zusammen.

Noch mehr wunderte mich die Feststellung, dass Envisat in 30 km weniger in 25 Jahren verglühen würde, und nun in 780 km Höhe eine tickende Zeitbombe ist. Es ist nicht leicht die Abbremsung durch die Atmosphäre zu berechnen. Sie ist nicht linear. So führte das Anheben der ISS durch ATV-02 (Johannes Kepler) zu einer Ersparnis von 11.0000 Pfund Treibstoff pro Jahr (von 19.000 auf 8.000 gesunken) und das obwohl es nur von 350 auf 400 km hoch ging. Aber in größerer Höhe nehmen die Unterschiede rasch ab. De faktor erscheint es mir unwahrscheinlich, dass ein Satellit 25 Jahre braucht um von 750 km Höhe ausgehend zu verglühen. Skylab brauchte 6 Jahre um von 435 km Höhe zu verglühen Rosat 24 Jahre um aus 580 km Höhe zu verglühen. Und 750 km Höhe ist dann in einem Jahr mehr möglich? Das erscheint unwahrscheinlich. Spot-2 wurde 1990 gestartet, und 2009 in einen Graveyard Orbit gebracht mit einem Apogäum von 800 km und einem Perigäum von 600 km gebracht. Vorher war er in 813,7 x 830,8 km Höhe. Nun durch die niedrige Perigäumshöhe ist das dann auch glaubhaft, dass er in 25 Jahren verglüht, denn so erreicht er tiefere Schichten, die zuerst das Apogäum abbauen (Resultat immer längere Zeit in tieferen Schichten - der Satellit sinkt schneller ab). Aber ein kreisförmiger Orbit in 750 km Höhe bringt nichts. Wenn man so schlecht informiert ist wie die Dame verliert auch der Rest der Argumentation an Glaubwürdigkeit.

Dann war diese Schlagzeile zu lesen: "Astrium Satellite Would Take 3-Meter Video from Geo Orbit". Ich hatte das Thema ja schon mal im Blog. Da ging es um ein ähnliches Projekt des US-Militärs mit einer aufblasbaren Linse. Astriums Satellit ist konventioneller, eher vergleichbar mit einem Weltraumteleskop (Tipp an die NASA: Die Spiegelfläche ist mehr als dreimal so groß wie die von Hubble....). Fangen wir mal an mit der technischen Umsetzung:

Der GEO Orbit ist rund 40-60 mal weiter entfernt als die normalen Beobachtungsorbits von Satelliten für die Erdbeobachtung, die in 600 bis 800 km Höhe ihre Kreise ziehen. So muss die Auflösung sinken. Worldview mit 45 cm Auflösung hat ein 60 cm Teleskop und befindet sich in 770 km Höhe. Aus 35.887 km Höhe würde die Auflösung auf 21 m absinken. Dadurch ist klar, dass Teleskop größer sein muss. Astrium gibt 4,1 x 5,1 m an. Doch das erscheint mir zu wenig. Die maximale beugungsbegrenzte Auflösung eines Teleskops errechnet sich nach dem Dawes Kriterium. Demnach bräuchte der Satellit eine Optik von mindestens 6,6 m Durchmesser. Wenn im Strahlengang ein Fremdkörper ist, wie dies bei vielen Spiegelteleskopen der Fall ist, müsste sie sogar noch größer sein, nach empirischen Erfahrungen rund 8,6 m. Doch bei einer gefalteten Bauweise, wie sie heute öfters eingesetzt wird, (auch bei der hochauflösenden Kamera des MRO) ist dies nicht der Fall.

Wie kommt Astrium nun zu den 3 m? Nun zum einen kann man den Begriff locker auslegen: 3,99 m sind ja auch noch "3 m".  Dann würde mit 5,1 m eine Auflösung von 3,95 m möglich sein. Das zweite ist es, die Beobachtungswellenlänge abzusenken. Das Dawes Kriterium gilt für eine Wellenlänge von 550 nm im gelben Spektralbereich - hier sind unsere Augen am empfindlichsten, weil zufälligerweise auch die Sonne das Strahlungsmaximum da hat, Geht man auf eine Wellenlänge von 427 nm runter, das ist zwischen blau und grün, dann sind auch 3 m möglich.

Technisch ist es also möglich, wenn auch zu einem hohen Preis: Der Satellit wiegt beim Start über 8800 kg, dürfte also derzeit nur von einer Ariane 5 startbar sein und ist sicher nicht billig. Umgekehrt hat die nur 13,5 Millionen Dollar teure Proba-1 schon 5 m Auflösung und inzwischen wurden schon von Drittländern Kleinsatelliten im niedrigen Meterbereich gestartet. Das leistet heute schon ein Satellit von 100-200 kg Gewicht.

Das zweite ist welchen Nutzen hat es? Schon normale Satelliten haben das Problem, dass manche Nutzer zwar Bilder schnell haben wollen (vor allem militärische Nutzer), aber sie verzerrungsfrei sein sollen. Ein Gebiet wird aber nur im Tagesabstand senkrecht überflogen. Einmal pro Tag sind Schrägaufnahmen aus maximal einem Orbit neben dem senkrechten Überflug möglich. (Am Äquator rund 2.500-3000 km) Astrium baut gerade aus den beiden Plejades und SPOT-6/7 eine vierer-Konstellation aus, die alle 6 Stunden Aufnahmen machen kann. Theoretisch kann man vom geostationären Orbit aus die halbe Erde beobachten - nur eben nicht verzerrungsfrei. Deutlich wird das an diesem Meteosat Bild links. Man achte mal auf die Verzerrung zum Rand hin, also zur arabischen Halbinsel, Europa und Madagaskar.

Das Bild unten ist ein Ausschnitt von Europa. wo es noch deutlicher wird. Als Lösung für verzerrungsfreie Bilder könnte der Satellit nicht in einer "normalen" geostationären Umlaufbahn (Inklination 0 Grad) verbleiben, sondern einer geneigten. Bei 52 Grad Neigung (erreichbar von Baikonur aus) wäre dann die gesamte Landmasse in Nord/Südrichtung Halbkugel verzerrungsfrei ab bildbar. (Ost-West nur bedingt, der Satellit hat einen Groundtrack in Form einer "8"). Doch jedes Gebiet wird nur einmal am Tag überflogen. Das bedeutet, dass der Hauptvorteil der dauernden Verfügbarkeit aufgegeben werden muss. Einmal am Tag wird auch mit niedrigen Erdumlaufbahnen erreicht, nur eben nicht verzerrungsfrei sondern mit schrägen Aufnahmen.

Zudem braucht man mehr als einen Satelliten. Auch hier hilft ein Blick auf die Meteosat-Aufnahme. Amerika und Asien sind nicht drauf. Für Wettervorhersage platziert man alle 60-72 Grad einen Satelliten also 5-6 auf der Umlaufbahn. Derzeit sind sechs in Betrieb, Zwei der ESA, zwei der NASA und je einer von Russland und Japan. Für die Detailaufklärung müsste man ähnliches anstreben. Das hat den Vorteil, dass man zumindest bis zum 40 Breitengrad einigermaßen verzerrungsfreie Bilder bekommt, wenn man die Inklination von 0 Grad beibehält. Da liegen immerhin die meisten Schurkenstaaten. Wenn man sich auf Afghanistan, Nord-Korea und einige arabische Staaten beschränkt, würde auch ein Satellit bei 100 Grad Ost ausreichen.

In der Summe denke ich ist es aber ein hoher Aufwand für wenig zusätzlichen Nutzen, der zusätzliche Nutzen ist eigentlich nur militärisch relevant und heißt "Realzeitaufnahmen". zivile Nutzer können durchaus einen tag warten. Nur dürfte für militärische Nutzer dann die Auflösung zu gering sein. Und wenn wir von militärischen Nutzern reden, dann ist es das NRO. Europa hat nicht die Kapazitäten überall auf der Welt innerhalb von Stunden Einsätze durchführen zu können und daher auch keinen Bedarf. Ob aber das US-Militär einen europäischen Satelliten in Auftrag geben würde? Sie kaufen zwar Bilder von allen Betreibern von Satelliten, doch einen Bauauftrag vergaben sie bisher nur an US-Anbieter.

Mein Vorschlag: Baut zwei der Satelliten, startet sie zusammen mit einer Ariane 5 in einen sonnensynchronen Orbit und nutzt sie als Weltraumteleskope. Da hat man mehr davon. (Ohne den Apogäumsantrieb würde die Masse unter 5,5 t sinken, das sind dann 11,5 t in den sonnensynchronen Orbit, durchaus eine Nutzlast welche schon die Ariane 5 ES packen könnte). Der erwähnte Sonnenschild scheint sowieso darauf hinweisen, dass der Satellit für IR-Aufnahmen gedacht ist, denn Erderkundungssatelliten die in der Regel im nahen Infrarot operieren brauchen diesen nicht., Die Detektoren sind bei diesem Spektralbereich mit normalen Kühlmethoden  genügend rauschfrei. Nur beim fernen IR muss man die ganze Optik abkühlen, weil sie sonst jede empfangene IR-Strahlung durch die Eigenemmission überdecken würde.

9.10.2012: Was uns bei Romney in Sachen Weltraum erwartet

Da Mitt Romney beim, Fernsehduell so gut abgeschnitten hat und auch weil Amerikaner etwas anders wählen, als wir Deutsche habe ich mir mal die allgemeinen Aussagen des Kandidaten zur Weltraumfahrt angeschaut.

Aber zuerst mal zu Romney selbst. Bei uns würde der Mann mit der Fähigkeit die Fettnäpfchen noch besser als Kohl zu treffen und große Teile der Bevölkerung auszugrenzen, ja es nicht mal in den Bundesvorstand der FDP schaffen und dazu gehört nun wirklich nicht viel. Aber Amerikaner wählen gerne Leute die wir Deutschen für geistig minderbemittelt, Kriegstreiberisch oder für Vertreter der obersten 10% der Bevölkerung halten, also nicht wirklich sympathisch sind. Basierend auf zwei der letzten Präsidenten dieser Art, Reagan und Bush, heißt das nichts gutes für Teile der NASA und einen Geldsegen für andere.

Das ganze Dokument findet man hier. Es steht aber nicht viel mehr drin, als in der Zusammenfassung in SpaceNews, was schon zeigt wie wichtig das Thema für Romney ist (soweit ich mich zurückerinnern kann war es aber für keinen Präsidenten der letzten 30 Jahre wichtig).

Die NASA braucht nicht mehr Geld, aber erreichbare und praktische Ziele: Guter Spruch, nur das Gegenteil ist der Fall, Wir haben ja schon bei Obama gesehen, welche Dynamik da ist. Er wollte Constellation einstellen und der Kongress kippt das weitgehend. Im Prinzip wird nur die Ares I eingestellt, Orion und Ares V laufen unter anderem Namen weiter. Aber die Orion fliegt nicht die ISS an, dafür gibt man dafür neues Geld aus. Und schuld dran ist nun nicht der Präsident sondern die Kongressleute und Senatoren die nach dem Ende des Shuttleporogramms keinen Jobabbau haben wollen. Da kam Constellation und nun weigert man sich eben Programme einzustellen und sucht derzeit verzweifelt nach Zielen für MPCV und SLS. An dieser Politik "irgend etwas muss immer entwickelt werden bei der bemannten raumfahrt, egal ob sinnvoll oder nicht" wird auch Romney nichts ändern.

Ich glaube nicht das sich das unter Romney ändern wird, und bei der derzeitigen Situation mit Parallelentwicklungen wird die NASA eher mehr Geld benötigen. Wie man mit dem Geld das die NASA erhält aber " top-priority science with inspirational and groundbreaking exploration programs" erreichen soll ist mir ein Rätsel. Praktisch ginge das nur wenn man den wissenschaftlichen Teil stärken würde, und sich bei der bemannten Raumfahrt entscheidet was man will: ISS oder Exploration. Für beides zusammen reicht der Etat nicht,

Wir brauchen auch keine Einladung an "Freunde" für Partnerschaften. Es würde schon reichen vertragliche Verpflichtungen einzuhalten und nicht von Projekten abzuspringen die man mal vereinbart hat (Exomars).

Angst kann einem machen, das wieder einmal die Rede ist von Fähigkeiten andere Satelliten zu zerstören oder zu beschädigen. Vor allem wenn man weis, dass die USA diese bereits haben. Vor einigen Jahren haben sie einen Satelliten abgeschossen, der außer Kontrolle war, damit er nicht vielleicht noch in China oder Russland runterkommt und man was aus den Resten rekonstruieren könnte.... Wie fast bei jedem republikanischen Präsidenten den letzten Jahrzehnte kann man drauf wetten, dass militärische Entwicklungen egal wie unsinnig sie sind (SDI (Reagan),Raketenschild (Bush) mit großzügigen Beträgen gefördert werden.

Und dann will man die kommerzielle Industrie wiederbeleben. Ja wie denn? Beim Satellitenbau sind sie ja schon führend, nur bei den Raketen hapert es und was soll da die Lösung sein? Es ist ja nicht der Wunsch der NASA, Atlas und Delta parallel zu betrieben (alle NASA Starts finden mit der Atlas statt), sondern das DoD betriebt beide Linien. Deswegen ist die Startrate niedrig und die Preise hoch. Daran wird sich nichts ändern. Denn die dahinter stehende Sicherheitsrichtlinie wird sich nicht ändern. Man braucht auch keine neuen Technologien. Vielmehr braucht man weniger: Weniger Anbieter die mehr Starts absolvieren.

Es wird interessant sein zu sehen ob SpaceX auch so gute Beziehungen zu Romney hat wie zu Obama. Dem verdanken sie es, dass die NASA die Firma zu 85% finanziert. Viel besser konnte es bisher nicht laufen.

An und für sich ist das Papier nichts neues. Es ist die übliche Tirade gegen den Amtsinhaber und man findet wenig konkretes was man umsetzen will, vor allem sind Anspruch und Vorhaben (die NASA soll ja nicht mehr Geld erhalte, obwohl ihr Anteil am US-Haushalt seit 40 Jahren sinkt von 5,4 auf nun unter 0,5%) wie üblich meilenweit auseinander.

8.10.2012: Ach ja SpaceX

Eigentlich wollte ich CRS1 nicht mehr groß kommentieren, außer es gäbe was wirklich weltbewegendes zu vermelden. Ansonsten ist der Flug relativ unbedeutend, er transportiert ja nicht einmal ein Zehntel der Frachtmenge eines ATV oder HTV zur ISS. Interessant war für mich nur zu erfahren, dass die CRS Verträge den Transport mit Verpackung vorsehen, dazu gehören auch Befestigungen in der Dragon und so die Bruttofracht die bezahlt wird doppelt so groß ist. Beim ATV werden die Racks dagegen nicht mitgezählt, soweit ich informiert bin aber die viel leichteren Umverpackungen. Wieder einmal beschleicht mich das Gefühl, dass die NASA andere Nationen bei der ISS ungleich behandelt.

Wie ihr sicher schon mitbekommen hat gab es beim Start eine "Anomalie". Wörtliches Zitat:

"Falcon 9 detected an anomaly on one of the nine engines and shut it down," Musk wrote in an email to Spaceflight Now. "As designed, the flight computer then recomputed a new ascent profile in realtime to reach the target orbit, which is why the burn times were a bit longer." The first stage burned nearly 30 seconds longer than planned.

Also da ich den Ausdruck "Anomalie" schon von SpaceX von den Falcon 1 Start 2 und dem zweiten Falcon 9 Start kenne: Anomalie ist ein schwerwiegender Vorfall. Wenn's nicht schwerwiegend ist, wie eine taumelnde zweite Stufe beim Jungfernflug der Falcon 9, dann geht man schon gar nicht drauf ein.

Da der Orbit erreicht wurde, die Falcon 9 ja gerade solche Dinge aushalten muss, sonst bräuchte man extrem zuverlässige Triebwerke, wäre das eigentlich keinen Blogeintrag wert und jede andere Firma hätte das auch positiv dargestellt, in der Form "seht wie robust unser Design ist", so als Beispiel (gerade aktuell) eine Underperformance beim letzten Delta 4 Start. Dort hieß es nachdem auch hier der Satellit im Zielorbit ankam

"The Delta 4's robust system design, flight software, vehicle margins and propellant reserves enabled the successful outcome for this mission," ULA said in a statement to reporters Friday night. "

Und was macht SpaceX? Sie spielen es runter. Nehmen das Startvideo vom Netz, stellen es später wieder online, nun um 3 Sekunden gekürzt, wo der Ausfall nicht zu sehen ist. Also ich glaube schon Schüler wissen, dass das Internet wie eine Büchse der Pandora ist: Einmal online bekommt man es nicht mehr raus. Irgendjemand lädt das immer runter, schneidet den Stream mit und wenn dann das Video offline geht ist das doch die Einladung es neu zu publizieren.

Und trotzdem versuchen sie es. Und das ist das was ich an der Firma kritisiere. Es geht ja nicht um das Konzept der Rakete oder der Dragon. Es geht um etwas ganz einfaches: stinknormale Pressearbeit. Dazu gehört dass man die Öffentlichkeit informiert, vor dem Start in Presskits die auch wirklich Informationen bieten, auf der Firmen-Homepage mit Daten und nicht Ankündigungen glänzt und eben auch mit Rückschlägen professionell umgeht und nicht sie runter spielt. Diesen Ausfall konnte ja jeder mitbekommen. Der letzte Vorfall beim zweitem Flug wohl nur wenige. Einer der daraus Kapital schlagen wollte, wurde von SpaceX verklagt, zwei Monate später musste der Ex-Astronaut Ken Bowersox den Vorfall bei einem Beratungspanel der NASA doch zugeben und sprach dann auch von einer "Anomalie", wo er sich dann von Tom Stafford anhören musste, dass ein Triebwerksausfall keine Anomalie sei. Ken Bowersox verlies wenige Monate später SpaceX.

Das ist das Grundproblem bei SpaceX dass mich auch immer wieder aufregt. Diese Geheimniskrämerei, die Filterung von Informationen. Nicht dass es das nicht woanders gäbe. Aber bei SpaceX kommt dazu dass sie Offenheit darstellen wollen (Life Übertragung, launige Ankündigungen, ein Launchmanifest aller kommenden Starts (nur nie aktuell)) und doch nichts preisgeben wollen und das geht eben nicht gut. Es ist schon schlimm, das man Details aus Interviews von Elon Musk rausziehen muss. Auch ein Novum unter den Raumfahrtfirmen.

Also versuche ich mal zusammenzutragen was man an Daten hat, das wenigste davon von SpaceX

So, das ist nicht viel. Erst mal verwundet bei nur einem Ausfall (1/9) aller Triebwerke die Verlängerung der Betriebsdauer um 30 s (1/6). Berücksichtigt man den späten Ausfall, so kann man leicht nachrechnen, das SpaceX einen Triebwerksausfall durch Abschalten eines weiteren Triebwerks kompensiert (entspricht ziemlich exakt 7 Triebwerken ab der 79 s Sekunde). Es gäbe auch die Möglichkeit den Schubvektor der anderen zu ändern. So gesehen ist bei 314 t Startmasse und 387 t Startschub nicht viel Luft drin. Direkt nach dem Start darf keines ausfallen, sonst sinkt der Schub auf 301 t ab, das ist dann weniger als 1 g.

Das zweite ist, dass zwar der Triebwerksausfall aufgefangen wurde, aber eben doch ein zu niedriger Orbit erreicht. 122 Meilen oder 196 km sind schon recht erdnah und wenn es ein GTO Orbit wäre bei dem der erdnächste Punkt noch niedriger liegt (geplant waren 307 km) wäre das das Ende des Satelliten wenn der Betreiber nicht innerhalb von 5 Stunden ihn  betriebsbereit bekommt. Er würde beim ersten Durchqueren des Perigäums verglühen, wenn dieses auch um 100 km zu niedrig wäre.

Was aus dem als Sekundärnutzlast mitgeführten Orbcomm wurde ist noch offen. Er sollte ja in einen höheren Orbit gelangen. Wenn er diesen nicht erreichte, spricht vieles dafür dass gerade noch mit den letzten Reserven der Orbit erreicht wurde - geringer Frachtzuladung sei Dank. Wenn nicht, dann kann SpaceX reklamieren einen Vorfall gemeistert zu haben, wenn auch nicht 100%. Wenn nicht, dann hat SpaceX eine andere Vorstellung von "Engine-out" Capability, denn die sah bei der Saturn auch Treibstoffreserven vor, um Ausfälle abzufangen.

Mein Tipp: Für die "v1.1" würde ich die Reserven etwas erhöhen, also weniger Nutzlast oder weniger Treibstoff (Triebwerksausfalle gehen ja auch einher mit höheren Gravitationsverlusten und geringerer Beschleunigung - nur weniger Nutzlast nützt da wenig, wenn kurz nach dem Start die Rakete noch vollbetankt ist und nun 7 anstatt 9 Triebwerke sie hochliften müssen.

Insgesamt ist die Zahl der Anomalien nun aber schon etwas auffällig. Bei zwei Flügen vor dem Start Probleme (Risse in der Düse der zweiten Stufe, Druckventil bei der Zündung ausgefallen und automatisches Abschalten), beim Flug Probleme (nicht rechtzeitig abgetrennte Treibstoffleitungen die beim Abheben Feuer fangen, drehen nach dem Abheben um 90 Grad, zweimal Triebwerksabschaltungen, taumelnde zweite Stufe) und bisher erreichte nur ein Flug den Orbit der vorher angekündigt war mit den im Users Guiide ausgewiesenen Toleranzen, die ja dort "garantiert" werden.

Wofür das ganze einen Dämpfer darstellt sind wohl die Bemühungen die Falcon 9 als bemannter Träger anzupreisen. Wir haben nun bei zwei von vier Starts Triebwerksausfälle in der ersten Stufe, bei 40 bisher eingesetzten Merlin 1C in der Falcon 9 sind das 5% aller Triebwerke. Dagegen will die Konkurrenz mit der Atlas starten und die hat eine deutlich bessere Bilanz. Da anders als Boeing (den man wohl als Hauptkonkurrent ansehen muss) Kapsel und Rakete gebundelt werden konnte es eng werden.

Aber vielleicht hat Elon Musk zu Romney gute Beziehungen. Das hat bei Obama ja schon geholfen.

Ach ja da mir ja garantiert wieder vorgeworfen wird, ich wäre zu böse zu SpaceX hier eine gute Nachricht: der Start erfolgte pünktlich beim ersten Anlauf!


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