Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 30 : 27.6.2007-10.7.2007

Montag 2.7.2007: Kernfusion, die Energie der Zukunft?

Bei den Gästebücheinträgen fand ich auf meinen Aufruf zum ersten Jahr des Blogs mir doch mal zu Mailen, was sie so interessiert, die Bemerkung ich sollte etwas über ITER sagen. ITER ist nun nicht etwas womit ich mich im speziellen beschäftige, ich habe auch die Kernfusion nicht als Energiequelle angesehen die uns in absehbarer Zukunft zur Verfügung stehen sollte.

Damit wir mal auf demselben Wissensstand sind ITER ist die Abkürzung für Internationaler Thermonuklearer Experimenteller Reaktor. Es ist ein Reaktor in dem man die Kernfusion weiter vorantreiben will, aber immer noch kein Reaktor der Strom im Regelbetrieb liefert. geplant wird er seit 20 Jahren, gebaut seit 2 Jahren. Die kosten von 5 Milliarden Euro für den Bau und nochmals etwa 500 Millionen pro Jahr für den Betrieb bekommt man nur durch internationale Kooperation zwischen EU, Russland, USA, Japan, VR China, Indien und Südkorea zusammen.

Um eine Kernfusion auf der Erde durchzuführen muss man Tritium haltiges Plasma auf 400 Millionen Grad Celsius aufheizen, Da man nicht die hohen Drücke im Inneren der sonne wo derselbe Prozess schon bei 15.6 Millionen Grad Celsius in Gang kommt erreicht. Bisher gelang es ein Plasma maximal 2 Sekunden lang zu zünden, bevor es instabil wurde (die Magnetfelder die das Plasma in Schach halten müssen laufend angepasst werden) und zum Erreichen der Temperaturen brauchte man mehr Energie als man herausbekam (20 zu 16 MW). ITER soll ein Plasma 400 Sekunden lang aufrecht erhalten können und mehr Strom liefern als man zum Betrieb braucht (Leistung etwa 500 MW). Danach soll ein Demonstrationsreaktor folgen und um 2060 der erste reguläre Reaktor zur Stromerzeugung.

Nun ich kann wenig zur Technik des ITER sagen, das ist kein Gebiet in dem ich zu Hause bin und dann sollte man lieber den Mund halten anstatt sich zu blamieren. Aber ich kann etwas zu Kernfusion und anderen Entwicklungen sagen. soweit ich weis ist die Kernfusion die einzige Technologie an der man nun schon seit 50 Jahren forscht und die in diesem Zeitraum immer verspricht dass man in 40-50 Jahren soweit sei, das man sie zur Stromerzeugung einsetzen kann. Andere Technologien verfolgt man über Jahre oder Jahrzehnte, aber wenn man keinen Fortschritt macht so gibt man sie auf oder greift sie auf wenn man die Technologie dafür hat. Andere Energiequellen unterlagen einer Evolution: Dampfmaschinen wurden durch Dieselmotoren abgelöst. Einfache Kohlekraftwerke durch welche mit Kraft/Wärmekopplung oder Gasturbinen für höhere Wirkungsgrade. Ich kenne kein Beispiel wo man eine Idee hat die theoretisch möglich ist und man 50 Jahre dran forscht um sie umzusetzen. Theoretisch ist es möglich, dass der Mensch mit genügend großen flügeln segeln kann - Das haben seit dem Altertum viele versucht und trotzdem gab es kein Forschungsprojekt über 50 Jahre, welches zu den heutigen Segelflugzeugen führten. Als man die Prinzipen erkannte und die Materialen zur Verfügung hatte, waren sie einfach möglich. Vielleicht ist die Kernfusion in einigen Jahrzehnten möglich - ich weis es nicht, ich bin aber angesichts der Anforderungen an die Temperatur und das Material skeptisch.

Ich möchte ein Beispiel aus der Raumfahrt bringen. Zwischen den Raumsonden Mariner 4 und Mars Reconnaissance Orbiter liegen 40 Jahre. Mariner 4 sandte beim Vorbeiflug 22 unscharfe Bilder von 200 x 200 Pixel Größe, der MRO übermittelt aus dem Orbit innerhalb von wenigen Monaten genauso viele Daten wie alle Missionen vorher, er hat 3 Kamerasysteme mit unterschiedlicher Auflösung bis in den Sub-Meter Bereich an Bord, Radar, zwei Spektrometer und andere Experimente. Beide Missionen waren in etwa gleich teuer. Der MRO kann mehr, weil er 40 Jahre später startet, die Technologie welche seine Leistungen möglich machte wie On Bordcomputer mit Rechenleistungen im GFlop Bereich, Bodenstationen mit hoher Empfindlichkeit im Ka Band, CCD Sensoren und IR Flächensensoren gab es in den sechziger Jahren noch nicht. Mit noch so viel Geld hätte man nicht damals eine Raumsonde wie den MRO bauen können.

Vielleicht ist Kernfusion einmal möglich zu vertretbaren Investitionskosten, dann sollte man es anpacken wenn man die Technologie dafür hat (wie es prinzipiell geht, das weis man ja seit Jahrzehnten) vorher sollte man in anderes investieren. Zum Beispiel in alternative Energien: Solarzellen kann man noch weiter entwickeln, billiger machen oder den Wirkungsgrad steigern, man könnte in Windenergiefelder vor der Küste investieren und sehen ob diese eine Alternative sind. Wir kennen diesen Effekt: Durch die Förderung von Solarenergie durch die SPD-Grünen Koalition von 1998 an hat sich das bei uns breit durchgesetzt und Deutschland ist innerhalb von weniger Jahren zum weltgrößten Produzent von Solarzellen geworden. Man denke nun was passiert, wenn man dies wie bei ITER jährlich mit einer Milliarde Euro fördert - Man würde sicher Fortschritte in der Technologie machen oder auch nur erreichen, das man über andere Verfahren zur Herstellung nachdenkt wenn man an wirkliche Massenfertigung denkt (die ITER Kosten würden ausreichen um Solarzellen mit einer Leistung von 6.5 Milliarden kWh zu installieren, das wären bei rund 1500 Sonnenscheinstunden eine Spitzenleistung von 4 GW, oder etwa der Leistung von 4 Atomkraftwerken.

Schlussendlich nutzen wir heute schon Solarenergie, entweder direkt mit Solarzellen oder indirekt mit Solarkollektoren, Windkraftenergie, Biomasse. Heute braucht man noch viel Energie zur Herstellung des reinen Siliziums für diese. Investitionen in Forschung wie man mit nicht so reinem Silizium oder mit Dünnfilmsolarzellen mehr Energie erzeugen kann wäre sicherlich besser angelegt als in ITER, da man dann sofort einen wirtschaftlichen Nutzen hätte. Aber nach ITER käme ja erst ein Demonstrationsreaktor und dann erst

Dienstag 3.7.2007: Polonium 210

Durch die Morde an unliebsamen ehemaligen Geheimagenten ist Polonium 210 in die Schlagzeilen gekommen, als ein Gift mit dem man sehr schnell und sehr grausam jemanden um die Ecke bringen kann. Polonium ist ein radioaktives Element, alle seine Isotope zerfallen mit Halbwertszeiten von 0.3 µs bis zu 2.9 Jahren, das häufigste Isotop Polonium 210 ist ein Zerfallsprodukt von Thorium und Uran-238. Polonium 210 zerfällt mit 138 Tagen Halbwertszeit unter Ausendung von Alpha Strahlung in das ungefährliche Blei 206. Alphastrahlung, das sind Helium 4 Kerne ist sehr Energiereich und zerstört Zellstrukturen und schädigt die DNA, so dass auch die Reparatur von beschädigten Zellen schwer möglich ist. Im Prinzip werden durch die intensive Alphastrahlung (intensiv, weil die Halbwertszeit so kurz ist) also Zellen geschädigt und sterben ab, betroffen sind zuerst die Teile des Verdauungsapparates wenn man mit Polonium oral vergiftet wurde (Diarrhoe, Zerstörung des Darmepithels), dann gelangt das Gift durch den Blutstrom in den ganzen Körper und hier ist der Schaden um so größer je aktiver die Zellen sind, d.h. je öfter sie sich teilen. Dies sind Knochenmarkszellen, rote und weiße Blutkörperchen, so kommt es zu Anämie, Blutungen in Nase, Mund und Darm und Haarausfall. Überlebt man die akute Vergiftung (Polonium wird innerhalb von 50 Tagen ausgeschieden9, so hat man durch die Strahlenschäden ein sehr stark erhöhtes Krebsrisiko. Es sind Fälle bekannt wo man geringere dosen eingesetzt hat und die Personen dann innerhalb von kurzer Zeit an Krebs verstarben.

Nun warum erzähle ich das. Es geht mir weniger um diesen Anschlag auf  Alexander Walterowitsch Litwinenko. Es geht vielmehr dadurch das man Polonium 210 als Bestandteil der Zerfallsreihe von Uran 238 auch anderswo ausgesetzt werden kann. Uran-238 zerfällt über zahlreiche Zwischenstufen in Blei 206. Der erste Schritt dieser Reihe braucht sehr lange, der Zerfall von Uran 238 in Thorium 234, das dauert annähert 4.5 Milliarden Jahre. Die anderen Zerfallsschritte gehen recht schnell, der zweitlangsamste noch 245.500 Jahre. Die meiste Strahlung die freigesetzt wird ist Alphastrahlung und Betastrahlung, sie wird von einigen Metern Luft, Bekleidung und den äußeren Hautschichten absorbiert, weil sie so energiereich ist. So gesehen sollte Uran 238 harmlos sein, es sollte keine signifikante Gefahr von ihm ausgehen, außer man schluckt es.

Doch das ganze hat einen Haken. Ein Zerfallsprodukt ist Radon 222, es zerfällt mit einer Halbwertszeit von 3.8 Tagen in Polonium 218. Die Besonderheit: Radon ist ein Gas. Die 3.8 Tage reichen aus, dass nennenswerte Mengen dieses Gases sich von dem entstehungsort entfernen wenn sie dies können, z.B. an der Oberfläche gebildet werden. Dies ist der Grund warum in Uranerzhaltigen Gegenden wie sie es auch bei uns gibt es mehr Krebs gibt als in anderen Gegenden. Als man dies noch nicht wusste warben einige Kurgemeinden sogar mit der gesunden radonhaltigen Luft. Dabei ist der Einfluss aber noch gering: Das Erz ist gering konzentriert und nur wenig ist an der Oberfläche. Bei den Arbeitern die es Abbauten war die Krebshäufigkeit schon deutlich erhöht. Vor allem gefährlich ist, dass man das Radon als Gas einatmet, das Zerfallsprodukt Polonium aber nicht mehr ausatmet, so dass es im inneren des Körpers Strahlenschäden vor allem an Lunge verursachen kann. (Ein Grund für das erhöhte Lungenkrebsrisiko von Rauchern ist auch eingeatmetes Polonium, welches die Tabakpflanzen durch den Phosphatdünger in sich haben. Neben dem Gas werden auch die kurzlebigen Zerfallsprodukte eingeatmet die genauso wirken.

Nun solange man nicht in uranerzhaltigen Gegenden wohnt könnte das einem egal sein, gäbe es da nicht im US Waffenarsenal panzerbrechende Munition mit Urankernen. Um Panzerungen zu durchschlagen gibt es verschiedene Methoden. Eine ist, um einen Metallkern mit hoher Dichte einen Stahlmantel zu legen. der Stahlmantel dient dazu, dass man die Patrone / Granate abfeuern kann ohne sich um die Sprödigkeit des Kerns Sorgen zu machen. durch die hohe Dichte hat eine solche Granate bei gleichem Kaliber eine höhere Durchschlagskraft, da die kinetische Energie berechnet wird nach 0.5 * Masse * Geschwindigkeit². Man kann also stärkere Panzerungen durchschlagen oder die Kanone kleiner bauen, die A-10, ein Flugzeug zur Bekämpfung von Panzern hat z.B. nur eine 20 mm Kanone.

Uran ist ein sehr dichtes Metall, seine dichte liegt bei 19.16 g/cm³. Es gibt andere dichte Materialen wie Wolfram (Dichte 19.25) oder Tantal (16.62 g/cm³). Diese werden in anderen Ländern für derartige Munition verwendet. Die USA setzen dazu abgereichertes Uran ein. Abgereichertes Uran ist Uran welches weniger Ura-235 enthält, welches man für den Betrieb von Kernreaktoren anreichern muss, es ist praktisch der Anteil e Urans denn man nicht brauchen kann. Anstatt dieses als Atommüll einzulagern macht man Kerne für panzerbrechende Geschosse daraus und hat so eine nützliche "Verwendung" dafür gefunden.

In der Patrone ist das Uran harmlos, es zerfällt zwar, aber es ist ein massiver Kern aus dem wenig Radon nach außen dringt und dann ist dieser Kern ja auch noch von dem Stahlmantel umschlossen. Das ändert sich wenn die Patrone verschossen wird. Beim Durchschlagender Panzerung wird der Kern gequetscht, massivem Druck ausgesetzt und hoch erhitzt. Nach passieren der Panzerung zerstäubt er, entzündet sich durch die Hitze und tötet so die Besatzung. (Ein für die Waffentechnik wertvoller Nebeneffekt des chemisch unedlen Urans, die Reaktion mit Sauerstoff geht schon bei niedrigen Temperaturn sehr schnell und ex "rostet" sehr schnell zu Urandioxid).

Dabei wird das Uran großflächig verteilt. Das Panzerwrack ist verstrahlt aber auch die gesamte Gegend mit feinstem Uranstaub übersät. Dieser kann nun weiter verweht werden, eingeatmet werden oder das Radon und die entstehenden Zerfallsprodukte die noch besser schweben können, weil es einzelne Moleküle sind können eingeatmet werden. So stieg nach dem Golfkrieg von 1991 die Krebsrate im Irak in den Gegenden wo die Amerikaner Panzer zusammenschossen drastisch an. Betroffen waren auch Amerikaner die sich später den Wracks näherten um Erinnerungsfotos zu schießen.

Es ist interessant: Die USA können heute eine ganze Gegend verstrahlen und unbewohnbar machen, ohne eine Atombombe einzusetzen. Ich frage mich: War das beabsichtigt oder hat man nur nicht daran gedacht? Ich denke das erstere ist gegeben, denn andere Länder, selbst welche die auch Uran anreichern nutzen vorwiegend Wolfram als Kerne für panzerbrechende Geschosse, wahrscheinlich weil sie anders als die USA damit rechnen dass diese auch im eigenen Land eingesetzt werden oder wenn man ein anderes Land überfällt es wohl danach einverleiben möchte. Die USA dagegen führen zwar überall krieg, doch besetzen sie das Land in der Regel nicht (Irak mal als Ausnahme). Es wäre mal an der Zeit diese Munition auszumustern.

Sonntag 8.7.2007: Nachtrag und e-bay

Es ist Urlaubszeit und daher kommen die Blogs auch nicht ganz so häufig. Heute erst mal einen Nachtrag und zwar von Udo, gepostet im Gästebuch:

Sie schreiben im Weblog 30: "Alphastrahlung und Betastrahlung, sie wird von einigen Metern Luft, Bekleidung und den äußeren Hautschichten absorbiert, weil sie so energiereich ist" - das ist Unfug, denn ebenso energiereiche Neutronen-, Photonen-, Myonen- oder gar Neutrinostrahlung wird weit weniger absorbiert. Und niederenergetischere Alpha- und Betastrahlung wird sogar auf noch kürzerer Strecke absorbiert.

Noch ein Nachtrag: Es werden natürlich bei der Trennung von Uran aus Pechblende ein bisschen was von den anderen Actinoiden als Verschmutzung im Uran bleiben, aber bei der Uranhexafluoriderzeugung und mehrstufiger Abreicherung werden diese aber weiter reduziert, sodass nicht viel davon übrigbleiben wird. Der Hauptpunkt bleibt bestehen: Die Radonverschmutzung durch abgereichertes Uran ist verschwindend gering, verglichen mit Uranerz.

Kommentar zur Homepage: Noch etwas: Vielleicht sollte man ein bisschen mehr über die Radonmenge aus Uranerz und die Radonmenge aus abgereichertem Uran nachdenken: Im Uranerz sind alle weit kurzlebigeren Zerfallsprodukte mit Uran-238 im Gleichgewicht, d. h. pro kg Erz ist die Aktivität von U-238 gleich hoch wie die von Th-234, Pa-234, etc (das Uran zerfällt langsam, jedes Tochternuklid über geologische Zeiträume gesehen "sofort"). Wenn das Uran aus dem Erz chemisch separiert wurde, liegt aber zuerst einmal nur Uran-238, Uran-234 und Uran-235 vor. Hier ist anfangs also nur das Uran-234 im Gleichgewicht mit dem Uran-238-Zerfall. Wird es dann noch "abgereichert", dann enthält es danach nur mehr etwa 0.2% anstatt 0.7% U-235, und der Rückgang an U-234 dürfte grob geschätzt gleich sein, also auch auf ungefähr 30% des ursprünglichen Anteils, d. h. von 0.0055% auf 0.0017%.

In der Zerfallsreihe hat Th-234 eine Halbwertszeit von 24 Tage, Pa-234 eine von 7 Stunden, d. h. diese zerfallen, gemessen an der möglicherweise jahrzehntelangen Lagerung des abgereicherten Uran auch "sofort" und haben bald nach der Urangewinnung wieder die gleiche Aktivität wie das U-238. Das nächste Glied der Zerfallsreihe, U-234, hat jedoch eine Halbwertszeit von 245*10^3 Jahren. Deshalb nimmt durch den U-238-Zerfall innerhalb von ein paar Jahrzehnten die U-234-Konzentration nicht merklich zu: Um sie von 0.0017% auf 0.0018% zu erhöhen, müsste (ohne den Zerfall des U-234 selbst zu beachten, der den Zeitraum noch länger macht) ungefähr 0.0001% des U-238 zerfallen, was etwa 6.5*10^3 Jahre dauern würde.

Dadurch ist die U-234-Aktivität gegenüber reinem Uran auf etwa 30% gesenkt; sehen wir nun, wie es in der Zerfallsreihe weitergeht. Das Zerfallsprodukt von U-234, Th-230, hat eine Halbwertszeit von 75*10^3 Jahren, also viel länger als die Lagerzeit. Innerhalb von 50 Jahren werden nur 0.014% des U-234 in Th-230 umgewandelt, das sind dann 0.000000238% der Gesamtmasse des Urangeschosses, nur 0.014% der Gleichgewichtskonzentration (gleiche Aktivität) von etwa 0.017%.

Das nächste Glied in der Kette, Ra-226, hat eine Halbwertszeit von etwa 1600 Jahren. Wenn wir großzügig (also die Radonkonzentration überschätzend bzw. sicher nicht unterschätzend) rechnen, dann sagen wir, dass 0.000000238% Th-230 50 Jahre Zeit haben, in Ra-226 zu zerfallen: Dann zerfallen etwa 2% des Th-230, das ergibt 0.000000005% Ra-226-Anteil an der Gesamtmasse, oder 0.00002% der Gleichgewichtskonzentration. Und erst dieses Isotop erzeugt Radon (Rn-222), also beträgt die Radonproduktion auch nur 0.00002% der von Uran, das in Gleichgewicht mit seinen Zerfallsprodukten ist (zur genaueren Berechnung müsste man das U-235 auch noch einbeziehen). Wenn man das mit Uraninit (Pechblende), die beispielsweise einen Urangehalt von 50% aufweist, vergleicht, so erzeugt 1 kg davon etwa 2.5 Millionen mal so viel Radon pro Zeiteinheit wie 1 kg abgereichertes Uran. Wenn man eine Gegend mit Radon vergiften will, sollte man sich also dringend was anderes einfallen lassen.

Udo kanns nicht lassen und hat dann am Montag noch was hinzugefügt:

Noch eine kleine Rechnung: Ein Uranprojektil hat etwa 4.6 kg Masse. Das entspricht einer Aktivität von etwa 57 MBq. Wenn nun das Uran im Gleichgewicht mit den Zerfallsprodukten wäre, würde eine Radonmenge mit der gleichen Aktivität vorhanden sein. Wenn der Faktor von 5 Millionen stimmt, dann wären das mit abgereichertem Uran 11 Bq. Falls man das gesamte Radon eines Projektils ständig einatmet und im Körper behält, dann ist die Belastung grob geschätzt gleich groß wie die natürlich vorhandene Belastung durch K-40 (zwischen 4000 und 5000 Bq pro Person, das sind aber Beta-Strahlen, also nur 1/20 so schädlich, noch dazu nur ca. 1/4 der Energie, und es kommen beim Radon noch ein paar Glieder in der Zerfallskette dazu). Es wird aber kaum jemand soviel Radon ständig einatmen und im Körper behalten, sodass, auch wenn im abgereicherten Uran wahrscheinlich noch genug Thorium-230 ist, um den Faktor von 5 Millionen merklich herabzusetzen (allerdings wird er durch realistischere Einschätzung bei der Zerfallskette wieder etwas erhöht), ich mir eine signifikante Wirkung auf diese Weise nicht vorstellen kann.

Noch ein weiterer Nachtrag, damit das hier beisammen ist: Nicht nur die USA verwenden abgereichertes Uran für panzerbrechende Geschosse, aber anscheinend sind die USA und Großbritannien die einzigen, die es in letzter Zeit eingesetzt haben (auch die einzigen, die in größerem Umfang gegen Panzer gekämpft haben). Nach einem Dokument der FAS ( man suche mit Google nach dem Satz auf fas[dot]org ): "British, French, and Russian research teams prefer depleted uranium, while the Germans and Israelis have stayed with tungsten

Ich freue mich wenn jemand sich auch Gedanken macht und etwas mehr dazu beiträgt. Aber dazu noch zwei Anmerkungen: Mit Uranerz kommen selbst die Bewohner im Joachimstal nicht in Berührung (der einzigen Lagerstätte in bewohntem Gebiet). Es liegt unter Tage und an den wenigen Stellen wo es auch an die Oberfläche reicht gibt es zumindest noch eine humusschicht darüber. Das ist kein vollkommener Schutz, den Radiogas kann diese durchdringen, aber zumindest ein Schutz. Das Uran einer explodierende Granate ist dagegen breit an d er Oberfläche verstreut. Die Gesamtkonzentration pro Fläche ist sicher geringer, aber die lokale Konzentration an einer Stelle ist höher. Der zweite Punkt: Das die Krebsrate unter der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten angestiegen ist, ist eine Tatsache die man nicht wegdiskutieren kann. Es soll auch eine größere Krebsdate unter den US Soldaten geben, doch da ist man sich noch nicht sicher ob dies nicht auch andere Ursachen haben könnte. Vor allem aber gibt es keinen Grund ausgerechnet ein radioaktives Material für diese Munition einzusetzen. Es ist ja nicht so, dass dieser Munitionstyp nicht weltweit eingesetzt wird, nur eben benutzen andere Länder Wolfram oder andere nicht radioaktive Elemente zumindest im Einsatz.

Noch so viele Rechnungen können an dem Anstieg der Krebsfälle im Golfkrieg von 1991 in der betroffenen Region nichts ändern. Man möge bitte mal die Seite http://www.freace.de/artikel/aug2003/du210803.html besuchen. Die Links auf den Seiten führen durchaus dann auch zu ernst zu nehmenden Quellen wie dem Guardian. 340-375 t abgereichertes Uran reichten aus nach 1990 die Gesamtkrebsrateim Irak um 38 % zu steigern, die Krebsrate bei Kindern um das 5 fache zu steigern und die Leukämierate unter Kindern um das 3 Fache (Quelle San Franzisco Chronicle). Beim letzten Irakeinsatz sollen es dagegen 1000-2000 t gewesen sein, die noch dazu vor allem in Städten verfeuert wurden. Die Gemessene Strahlungsintensität wurde von Journalisten an den Kampforten zu 1000-1900 mal höher als in der Umgebung bestimmt. Das verfeuerte Uran sollte ausreichen um 1300 km² so zu verstrahlen wie nach Tschernobyl (wer erinnert sich noch daran: Damals aß keiner mehr Gemüse und Salat aus angst vor der strahlung9, also 21000 Bq/m². Rechnungen sind gut und schön, die Wirklichkeit ist eine andere.

Udo hätte es sicher einfacher gehabt wenn ich einen "klassischen" Blog hätte und keine HTML Seite, doch genau das will ich nicht. Okay ich schreibe ab und an was über mich, aber ich denke das ist nicht sooo interessant als das deswegen jemand diese Seite liest. Blogkommentare müsste ich dann wieder kommentieren und ich bin da auch etwas empfindlich. Mir als altem Computerhasen reicht HTML und vieles vom Web 2.0 ist mir noch ein bisschen unheimlich, insbesondere dieser Community Gedanke, vielleicht auch weil ich auch im "real life" wie es so schön Neudeutsch heist nicht in irgendwelchen Communitys sprich Vereinen, Vereinigungen etc. bin. Wer also in Zukunft meint was interessantes zu einem Thema ergänzen zu haben, der möge es doch bitte per Mail an bl "at" bernd-leitenberger.de schicken.

Okay anderes Thema: E-Bay. Ich habe gerade bei E-bay. günstig Zubehör für meine Canon Powershot S1 IS bekommen, das in Deutschland sündteuer zu haben ist (Netzteil und Weitwinkel / Telelinse). Selbst mit den hohen Frachtgebühren aus den USA ist es noch günstig weil die Sachen in Deutschland zum drei bis vierfachen Preis angeboten werden. E-Bay ist wirklich bequem als Plattform. Man entdeckt dort Angebote die man sonst nie im Netz gefunden hätte und es ist eine gute Marktplattform für viele kleinere Betriebe die sonst Probleme hätten bekannt zu werden. Für mich als Käufer ist ein einfacher Preisvergleich möglich. Nur zwei dinge stören mich: Wenn jemand einen Shop hat und seine Sachen nur über Sofort-Kaufen einstellt, dann braucht man dafür kein Versteigerungsdatum, dass hat dann nichts mehr mit dem System zu tun, bei dem man steigern sollte und das mal für den Verkauf von Gebrauchten dingen von privat eingeführt wurde. Das zweite sind die oft horrenden Verpackungskosten die Shop Betreiber dann verlangen. 9 Euro für etwas das dann als Großbrief (Portokosten 1.50, Versandtasche unter 0.5 Euro) verschickt wird ist Abzockerei! Das ganze nur um das eigentliche Angebot günstiger zu machen  Okay, das ist etwas worauf ich achten kann... etwas anderes ist das "Ablaufen" von "Auktionen". Das spricht in mir die Schnäppchen Mentalität an. So habe ich schon einige Male was gekauft was ich eigentlich nicht brauchte, oder nicht zumindest in der Menge, wir kürzlich 8 x 4 Akkus Größe AA. Der Preis war mit 4.3 Euro (inklusive Versand) pro 4 er Pack okay, doch kurz drauf habe ich das Netzteil für die Kamera gekauft die der eigentliche Akkufresser bei mir ist und sie sind zumindest in der Menge überflüssig. ohne ablaufende Uhr hätte ich wahrscheinlich nach einer oder 2 Wochen wieder reingeschaut und mir mehr Gedanken gemacht.

Montag 9.7.2007: Eine neue Chance für Stardust and Deep Impact

Am 3.7.2007 gab die NASA bekannt dass man alle 3 Vorschläge für "Opportunity" Missionen im Discovery Programm akzeptierte. Das war überraschend, denn man rechnete nur mit der Auswahl eines Vorschlags. Opportunity Missionen sind keine neuen Missionen sondern Vorschläge bei denen man Gelegenheiten ausnutzen sollte und daher in den Kosten begrenzt. Bislang gab es nur eine solche Mission eine US Beteiligung am ASPERA Experiment auf Mars Express. Die 3 Vorschläge betreffen 2 Raumsonden die ihre Primärmissionen schon erfüllt haben. Deep Impact beendete seine Mission 2005. Sie setzte ein Projektil mit Kameras auf dem Kometen Tempel 1 ab und beobachtete den Aufschlag. Sie soll bis zum 5.12.2008 nun das Programm Extrasolar Planet Observation and Characterization (EPOCh) durchführen: Man will mit der Kamera und dem Spektrometer Sterne beobachten von denen man schon weiß das sie Planeten haben und diese charakterisieren. Im Weltraum kann dies Deep Impact besser als auf dem Erdboden, da die Atmosphäre wegfällt obwohl ihr Bordteleskop recht schmal ist. Am 5.12.2008 wird sie dann den kleinen Kometen Boethin passieren und dort ein weiteres Beobachtungsprogramm durchführen. Dies soll einen Teil der Missionsziele von CONTOUR erfüllen, eine Raumsonde die bei der Explosion ihres Antriebs im August 2002 verloren ging und nacheinander mehrere Kometen besuchen sollte. Zwar gab es bislang schone einige Raumsonden die Kometen besuchten, doch das Problem war immer die Daten vergleichen zu können, weil sie mit unterschiedlichen Instrumenten gewonnen wurden. Deep Impact wird die erste Raumsonde sein, die zwei Kometen besucht. Dieses Programm läuft unter der Bezeichnung Deep Impact Extended Investigation (DIXI)

Der zweite Gewinner ist Stardust, ebenfalls eine Raumsonde die mit der Landung von Proben aus der Koma des Kometen Wild 2 ihre Primärmission erfüllt hat. Sie wird den Kometen erneut besuchen den Deep Impact beschossen hat: Tempel 1. Der Vorbeiflug soll am 14.2.2011 erfolgen. Dieses Programm läuft unter der Bezeichnung New Exploration of Tempel 1 (NExT)..

Alle 3 Vorschläge können zu 15 % des Preises einer neuen Raumsonde erledigt werden (75-90 Millionen USD) um akzeptiert zu werden muss jeder Vorschlag unter 35 Millionen USD liegen. Es ist eine gute Chance die Raumsonden nochmals zu nutzen und dadurch zu einem geringen Preis neue Erkenntnisse gewinnen zu können. Man sollte sich aber nicht zu viel davon versprechen. Bei beiden Missionen lag die Hauptaufgabe auf dem Absetzen von Impaktor oder dem Sammeln von Proben- Diese sind erfüllt und die Sonden sind instrumentell nicht so gut ausgestattet wie es eine neue Sonde wäre. Deep Impact noch relativ gut mit einem mittelauflösenden und hochauflösenden Teleskop und einem Spektrometer. Stardust war für einen sehr nahen Vorbeiflug konzipiert und hat ein deutsches Flugzeitmassenspektrometer an Bord, dass nur direkte Messungen machen kann, also die Koma durchfliegen muss soweit eine niedrigauflösende Kamera bei der schon vor dem Vorbeiflug an Wild 2 das Filterrad nicht mehr bewegt werden kann. Dazu kommt ein _Staubdetektor der auch die besten Ergebnisse liefert wenn er direkt durch die Koma fliegt, so wie man dies bei Wild  2 tat.

Trotzdem bleibt eine sehr günstige Möglichkeit einen Kometen neu zu besuchen und einen zweiten Kometen nach 6 Jahren erneut zu besuchen. Die Entscheidung dürfte sicher leichter gefallen sein, weil seit einigen Jahren es kaum neue Missionen gibt. Nun stehen die Starts von Phoenix und Dawn an, Missionen die schon vor Bush genehmigt wurden. Danach folgt 2009 noch das mobile Marslabor und das war es dann auch schon an konkreten neune Missionen. Derzeit läuft nach 6 Jahren erstmals wieder eine Selektion einer neuen Discovery Mission, doch dürfte die dann nicht vor 2011 startbereit sein.

Dienstag 10.7.2007: Dawn der Pechvogel der NASA

Dawn ist eine sehr ehrgeizige Mission. Die Raumsonde soll erstmals den Ionenantrieb nutzen um zu ihren Zielen zu kommen. Bei Deep Space 1 hatte man die Technologie erprobt und sie ermöglichte einen Vorbeiflug am Kometen Borelly nachdem das automatische System zur Steuerung der Sonde bei dem Primärziel dem Asteroid Braille versagte und kaum Daten gewonnen wurden. Doch Deep Space 1 war eine Technologiesonde zur Erforschung dieser und anderer Technologien.

Dawn sollte die erste Raumsonde sein, die auch diese Technologien für ihre Mission benötigt. Dabei braucht die Sonde viel Strom, dies weit im Asteroidengürtel, was sehr große Solararrays notwendig macht. Dies und einige Probleme bei der Entwicklung verteuerten die Sonde sehr stark weshalb die NASA im Oktober 2005 die Notbremse zog und die Sonde wenige Monate vor dem Start streichen wollte - Das ist natürlich blödsinnig, aber so arbeiten eben Bürokraten. Sie sehen nur dass man einen Raketenstart und die missionskosten einsparen kann, das man den größten Teil des Geldes schon für die Sonde ausgegeben hat, vergessen sie.

Im März ging es mit einem verändertem Management weiter, doch der Starttermin im Juli 2006 war nun nicht mehr zu halten. Die Sonde sollte nun im Juni 2007 starten. Alles lief gut, bis man den ersten Starttermin am 20.6.2007 streichen musste weil United Launch Alliance, der Vertragspartner der NASA durch Verzögerungen noch keinen Start durchführen konnte. Der Start wurde dann auf den 30.6.2007 verschoben, bis man Probleme bei den Zeitgebern der dritten Stufe fand. Diese müssen dann ausgewechselt werden und so rutschte der Start auf den 7. Juli 2007.Dieser fiel dann ins Wasser weil ein Bahnverfolgungsschiff in Afrika einen Motorschaden hatte. Zuerst war dann von einer Verschiebung um 1-2 Tage die Rede, dann machte man jedoch Nägel mit Köpfen und verschob gleich auf den September. Dawn hat zwei Startfenster: eines läuft vom 20.6.2007 - 11.7.2007 und das zweite von Mitte September bis Ende Oktober. Diese Startfenster sind so variabel, weil die Sonde mit ihren Triebwerken die Bahn in weiten Bereichen selbst verändern kann. Sie muss aber 2009 den Mars für ein Swing By Manöver erreichen und wenn sie das zweite verpasst dann gibt es das nächste erst 2022.

Die Verschiebung kostet die NASA weitere 25 millionen USD, zusätzlich zu den Startkosten von 30 Millionen. Aber es blieb keine andere Wahl: Füllt man die zweite Stufe der Delta mit ihrem Treibstoff, dann muss man diese innerhalb der nächsten 40 Tage starten. Stickstofftetroxid ist korrosiv und wenn man diese Frist versäumt kann man es zwar wieder abpumpen, doch danach muss die gesamte Stufe genau inspiziert werden. Man hätte aber nur noch 4 Tage Zeit gehabt und bis zum nächsten Startfenster im September wären die 40 Tage schon um gewesen. Weiterhin steht nun der Start von Phoenix an, ebenfalls auf einer Delta 2 Trägerrakete und das Personal von ULA kann nicht beide Starts in einem zu engen Zeitrahmen gelichzeitig vorbereiten.

Das zweite Startfenster ist für 6 Wochen offen bis Ende Oktober 2007. Es ist zu hoffen, dass diesmal der Start erfolgen kann und man nicht nach so vielen Verzögerungen diese einmalige Gelegenheit verpasst.


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99