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Web Log Teil 307: 30.12.2012 - 3.1.2012

30.12.2012: Rückblick und Ausblick

Es ist ja so Mode zwischen Weihnachten und Neujahr Bilanz zu ziehen für das Jahr 2012. Ich will das mal für den Bereich Weltraum machen. Wir haben 2012 natürlich einige bemerkenswerte Dinge zu verzeichnen.

Das waren die für mich wichtigen Meldungen des Raumfahrtjahres 2012, doch auffälliger ist eher, dass es so wenige sind. Mal einige Dinge die 2012 nicht so toll liefen: Im Januar stürzte Phobos Grunt ab, Sie steht stellvertretend für die russische Raumfahrt. Ja die bezahlten Flüge zur ISS gehen weiter, sie werden sogar ausgebaut indem man die Besatzung länger oben lässt, damit man mehr Touristen transportieren kann. Aber sonst ist nur Stillstand. Das letzte russische Modul, Nauka sollte 2009 an der ISS sein, mit viel Glück kommt es vielleicht 2013 an. Das gleiche kann man von der Angara sagen und auch Russlands neues Kosmodrom lässt auf sich warten. Nachdem es 2011 neue Forschungssatelliten gab und das den Anfang einer "Rennaissance" versprach ist 2012 schon wieder Schluss damit.

Russland ist da nicht alleine. Auch Indien steckt in einer Krise. Auch hier gibt es Pläne für eigene bemannte Raumfahrtmissionen, eine GSLV Mark III, doch nach zwei Fehlstartes der GSLV fanden seit 2010 keine neuen Starts mehr statt und indische Kommunikationssatelliten starten mit der Ariane 5.

In Europa haben wir auch keinen Grund zur Freude. Das ganze Jahr war geprägt über Diskussionen über Ariane 5/6 und das ATV. Beim letzteren entschloss sich die ESA schon im April nicht weitere Exemplare zu bauen. Das wäre nicht "herausfordernd" genug. Meiner Meinung nach geht es bei der bemannten Raumfahrt nicht um Herausforderungen (diesen Begriff mit den enormen Sicherheitsanforderungen und dem Fortschritt im "Schrittchen" anstatt "giant leaps" zu verbinden fällt nur schwer) sondern darum die ISS am Leben und die Kosten in Grenzen zu halten. Nun soll aus dem ATV das Servicemodul für die Orion entwickelt werden. Wieder einmal macht man sich von den USA abhängig, als wäre das in der Vergangenheit nicht schon oft eine Sackgasse gewesen oder sehr teuer geworden. Tatsache ist: Von allen Partnern ist die NASA der unzuverlässigste, da der gesamte Haushalt Jahr für Jahr nneu genehmigt wird und dann Projekte oft sterben oder gekürzt werden. Auch 2011 zeigte dass dem so ist: siehe weiter unten bei Exomars. Bei Ariane 5/6 konnte man sich nicht für eines entscheiden, sondern macht nun beides, auch wenn Ariane 6 erst ein Vorentwicklungsprogramm bekommt. Wie üblich hat man 2008, als die letzte Ministerratskonferenz war, die Chance versäumt, die Entwicklung der Ariane 5 wiederaufzunehmen und nun hat man den Salat. Da das alles Geld kostet, fallen natürlich Projekte wie ein europäischer Mondlander unter starker deutscher Beteiligung herunter.

Ganz offen ist auch Exomars, da die USA abgesprungen sind. Russland will sich mit Trägerraketen beteiligen, doch ohne RTG von den USA wird der Lander nur einige Tage lang arbeiten können - für das Geld das er kostet ist das nicht akzeptabel. Immerhin wurde die Jupitermission JUICE beschlossen.

Auch die USA können nicht so richtig zufrieden sein. Die Starts der NASA nehmen seit Jahren ab. Die Doppelstrategie bei CCDev geht weiter. Nach NASA Angaben hat dies nur Vorteile, doch weil die Mittel aufgeteilt werden rückt der Erstflug eines Kandidaten in immer weitere Ferne. Und benötigen wird man schlussendlich nur ein Gefährt. Wie sieht es mit den "Hoffnungsträgern" aus? Stratolaunch hat sich von SpaceX getrennt, doch auch OSC wird keine Rakete in der Größe konstruieren können, die die geforderte Nutzlast hat und wenn, dann ist sie zu klein für viele Nutzlasten. Das ist am Markt vorbeigeplant.

SpaceX hat wie in den letzten Jahren viel angekündigt, aber nur zwei Flüge durchgeführt. Die gesamte Nutzlast beider Flüge liegt bei 1.000 kg. Dabei sollte ihre Dragon doch 6.000 kg pro Flug transportieren können - nun ja sollte. Weitgehend unbemerkt hat SpaceX die Nutzlastenmassen ihrer Raketen abgesenkt. Websites sind geduldig, die Physik kann man anders als unkritische SpaceX-Jünger aber nicht täuschen. Den Jungfernflug der Falcon Heavy haben wir auch nicht gesehen, obwohl er er gerade mal vor eineinhalb Jahren angekündigt wurde. Es klappt also nicht mal die kurzfristige Planung bei SpaceX. Von den anderen kleineren "neueren" Raumfahrt Firmen, die sich alle mehr oder weniger auf bemannte Raumfahrt konzentriert haben, gibt es noch weniger Nachrichten. Wie den auch - dieser Bereich ist vollständig von der NASA abhängig und anders als im unbemannten Bereich wo es zig Projekte gibt, um die man sich bewerben könnte gibt es nur die ISS. Wer da nicht bei der CCDev Runde dabei ist, kann nicht auf Aufträge hoffen, selbst wenn er auf eigene Spesen etwas entwickelt oder wie Bigelow sogar eine eigene Raumstation plant.

Eas wird 2013 bringen? Nur eine Mission erscheint mir interessant, das ist MAVEN zum Mars. Sie wird uns nicht Pretty Nice Pictures bringen, aber neue Erkenntnisse über die Marsatmosphäre und eventuell über ihre Entwicklung. SpaceX will 7 Flüge nächstes Jahr absolvieren: so steht es in ihrem Launchmanifest: zwei ISS Versorgungsflüge, ein Start für MDA, der Jungfernflug der Falcon heavy und drei Starts von Kommunikationssatelliten für SES, NPSO und Thaicom. Meiner Einschätzung nach dürften sie vielleicht 4 hinbekommen. Bisher haben sie minimal 5 Monate zwischen zwei Starts gehabt, unwahrscheinlich, dass sie das nun so schnell steigern können und einige Starts hängen ja von anderen ab, wie die kommerziellen Starts vom Erstflug der Falcon 9 "v1.1" und dieser wie auch der Falcon Heavy Flug sind Erprobungsflüge, bei denen man eher etwas wartet, bis man 100% sicher ist, das er glückt.

Überhaupt scheint sich einiges zu verschieben. Letztes Jahr überholte China die USA bei den Starts - 19 zu 18, dieses Jahr ist es noch deutlicher (Stand Weihnachten) 19 zu 13. Russland liegt noch weit vorne mit 29, doch wenn man genauer hinsieht dann sind davon 14 kommerzielle Starts und 4 Sojus Starts die zumindest teilweise von den Amerikanern bezahlt werden. Nur 5 eigene Satelliten wurden gestartet. Der Rest waren Progress-Transporter. Demgegenüber waren die meisten chinesischen Starts die eigener Satelliten. Aber auch sie lassen sich Zeit. An dieser Generation wird seit 2005 entwickelt, allerdings schrieb ich schon 2009, dass der Erststart nicht vor 2014 vorgesehen ist.

2013 setzt wahrscheinlich den Trend fort, dass die Starts nicht mehr von Russland und der NASA kommen. Alleine in Europa sind mehr wissenschaftliche Starts nächstes Jahr geplant als die NASA, die mehr und mehr auf den ISS Betrieb und das parallele Arbeiten an konkurrierenden Projekten reduziert werden muss. Nach dem ESA Bulletin von November sind für 2013 vier kleinere und größere wissenschaftliche und Erdbeobachtungssatelliten geplant, zwei experimentelle Kommunikationssatelliten und ein ATV. Man wird einen weiteren Startversuch der KSLV / Naro-1 sehen und ich wette dass auch Iran im Februar einen Satelliten startet. China wird mit Chang E'-3 als dritte Nation eine unbemannte Mondlandung versuchen. Bleibt zu hoffen, dass sie mal ihre Informationspolitik ändern und auch einige Ergebnisse und Bilder veröffentlichen - davon profitieren ja nicht nur die Weltöffentlichkeit sondern auch die Chinesen (wie kann man auf etwas stolz sein, wenn man nichts davon mitbekommt?).

31.12.2012: Meine Vorsätze für 2013

Ich weiß ja, weil ich das Thema schon mal vor einem Jahr angeschnitten habe, dass viele von euch es mehr pragmatisch sehen, Vorsätze nicht an den Jahreswechsel binden. Also bis zum 31.sten im alten Trott und ab dem 1.ten an am Riemen reisen. Nun so mache ich es auch nicht, also was ich euch hier unterbreite habe ich mir schon vorher überlegt und auch zum Teil schon angegangen. Aber ich mache sie gerne zum "offiziellen" Jahresvorsatz, weil ich mich so eher an sie erinnere und auch dauerhaft umsetze.

Für dieses Jahr habe ich mir zwei Dinge vorgenommen, die beide für mich schwer sind. Das erste ist vorwiegend das zu tun was mir nützt. Das mag für viele befremdlich klingen, das wäre doch wohl selbstverständlich, daher erkläre ich es mal. Einer meiner größten Fehler ist, dass ich sehr motiviationsgesteuert bin. Das ist Fluch und Segen. Ich weiß auch von der Rückmeldung von anderen, das wenn mich etwas interessiert, ich wirklich gute Ergebnisse zustande bekomme und das in kurzer Zeit. Das hat aber auch einige Schattenseiten, selbst bei den Dingen die ich gerne mache, investiere ich dann vor allem viel Zeit in den Teil der mich interessiert. Der Rest, die langweilige Fleißarbeit bleibt meistens liegen. Bei meinen Programmierjob war in der letzten Zeit die Hauptarbeit nicht die Erstellung neuer Funktionen, sondern das Aufhübschen der Oberfläche. Symbole für Jede Funktion, Buttons umsortieren und gruppieren, Hints und Hilfe schreiben etc.

So habe ich mir mal vorgenommen, meine Ferienlandhaus Website endlich mal umgestalten. Seite Jahren habe ich bei jedem Aufenthalt Videos und Fotos gemacht um die bestehednen auszuwechseln und auch die Texte sollte ich neu schreiben, doch die Zeit habe ich nie gefunden, oder besser gesagt, es war mir zu öde.

Eine zweite Kehrseite ist, dass ich viel Arbeit stecke in Dinge die mir nicht so viel nützen, die mich aber interessieren. Zwei Dinge habe ich mir vorgenommen. Das betrifft den Blog. Ich habe ja schon angefangen hier weniger zu tun, bzw. mehr Synergien zu schaffen - wenn ich einen neuen Website Aufsatz geschrieben habe, dann habe ich ihn auch als Blog veröffentlicht. Seit 1-2 Jahren habe ich immer wieder das Gefühl, jedes Thema schon mal angesprochen zu haben und wenn ich dann auch mal die Suchfunktion anwerfe, dann habe ich das auch meistens getan. Ich denke etwas weniger reicht auch, zumal ich im Frühjahr nun noch einen Kurs mehr an der DHBW habe und daher an drei Tagen Unterreicht. Nach 4-6 Stunden Unterricht habe ich dann nur noch wenig Lust was anderes zu machen. Das ist ziemlich anstrengend.

Das zweite betrifft die Bücher. Die angefangenen werden noch fertiggestellt, dann ist Schluss damit. Ich habe es ja schon angesprochen. 2011 gab es zuerst einen deutlichen Knick im dritten und vierten Quartal, eigentlich die umsatzstärksten des Jahres. 2012 sah es die ersten beiden Quartalen so aus, als würde es sich erholen, doch nun ist der Einbruch noch stärker. Obwohl ich mehr Bücher veröffentlicht habe, erziele ich nur knapp ein Drittel des Umsatzes des letzten Quartals von 2010, es reicht gerade aus um die Jahresgebühren von 24 Euro pro Titel zu bezahlen. Nachvollziehen kann ich es nicht. Ich kann ich als Autor bei Amazon den Umsatz zumindest von Amazon beobachten. Der ist bei den älteren Titeln rückläufig, aber nicht in dem Maße wie die ausgewiesenen Verkäufe bei BOD angeben. Vom "Was ist Drin" wurden z.B. nur 4 Stück im Quartal verkauft anstatt 20-30. Selbst bei Amazon es aber noch 9-mal über den "Ladentsich". Mir war von Anfang an klar, dass ich für ein kleines Publikum schreibe, die mehr als eine Einführung wollen. Profis werden dagegen gleich zu Lehrbüchern oder Fachartikeln greifen, aber gelesen will ich doch schon werden und irgendwann ist eben die Schmerzgrenze erreicht. Ich habe dieses Jahr ja schon deutlich weniger für die Bücher gemacht und mehr neue Aufsätze für die Website geschrieben (eines der Produktivsten Jahre, mit über 120 neuen Aufsätzen), man schaue sich mal die Länge der Neueintragungen an).

Konkret heißt das: Wenn ich von Hans im Januar das Diätbuch zurück bekomme, dann wird das fertiggestellt und erscheint dann hoffentlich noch im Februar. Danach folgt Auflage 2 des US-Trägerraketenlexikons, das wird mit 600 Seiten das bisher größte Buch und ein wahres Mammutwerk, alleine die Korrektur dafür dauert Monate und ich bin erst halb durch. Zuletzt dann noch "Was sie schon immer über Ernährung wissen wollten", wobei ich bei 6-7 Monaten für den Durchlauf bei den Korrekturlesern das wohl dieses Jahr nicht mehr rausbringen werde. Als "Abfallprodukt" wird es noch eine kleine Broschüre "Einführung in die Ernährungslehre" geben. Ein "Abfallprodukt" ist ein Buch, das ich aus dem Inhalt von anderen Büchern mit überschaubarem Aufwand machen kann. Da gibt es schon einige. In diesem Falle wäre es der Teil aus dem Diätbuch über Ernährung und die Risiken von Übergewicht, ergänzt um die anderen ernährungsabhängigen Krankheiten, das ist dann der eine Teil der Ernährungslehre, (der zweite ist die Lebensmittelkunde) der vor allem Grundlagen und weniger Nachschlagwissen voraussetzt.

Das wären dann immerhin 18 Printtitel und zwei weitere schon jetzt nur für den Kindle verfügbare Titel. Ich denke mit zwanzig Büchern kann ich mich zur Ruhe setzen.

Ich habe mir auch überlegt, wie ich das im Informatikunterricht umsetzen kann. Zum einen bin ich hier motiviert und zum anderen meinen die Maschinenbauer, das sie das Fach nicht brauchen. Mein Ansatz ist es in einem halben Semester zuerst die Grundelemente von Pascal beizubringen, die dann Studenten leicht auch auf C oder Java übertragen können. Das ist nicht so viel, gemessen an dem was ich in dem ersten Informatiksemester vermittelt bekam: elementare Datentypen, Schleifen, Verzweigungen und Prozeduren und Funktionen. Dinge die man sich mit einem Buch im Selbststudium in einigen Tagen beibringen kann. Im zweiten Teil geht es dann an die grafische Oberfläche und ich führe die Studenten anhand von einigen Beispielen an größere Programme und wie man ereignisgesteuert programmiert. Im zweiten Semester wo dann nur noch 12 Stunden sind geht es dann noch an weiche Themen wie Struktogramme, Lasten und Pflichtenheft, Bedienungsfreundliche Anwendungen und die Studenten sollen sich auf ihren Programmentwurf mit dem Design einer Anwendung auseinandersetzen ohne gleich an den Rechner zu gehen.

Die Studenten meinen das wäre zu schwer und ich bekomme regelmäßig schlechte Noten in der Bewertung. Ich habe zumindest ein Skript eines anderen Dozenten gesehen und dessen Ansatz ist ein komplett anderer. Dort geht es gleich mit der grafischen Oberfläche los. Studenten schreiben da vor allem kleine Berechnungsroutinen, die dann Eingaben aus Editfeldern auslesen und in ein Label die Ergebnisse schreiben. Das ist viel einfacher, gibt sicher sofort Erfolgserlebnisse, aber die Programmiersprache oder wie ich von diesen einfachen Berechnungen zu einem komplexen Algorithmus komme wird nicht vermittelt.

Ich jetzt (wie jedes Jahr) mein Skript nochmals durchgesehen, versucht einige Aufgaben aus der Welt der Maschinenbauer einzubinden und ich denke ich werde noch ein bisschen mehr wiederholen und ein paar Dinge weglassen. Mal sehen ob es besser läuft, aber ich sehe eigentlich keine Alternative zu dem Stil. Ich muss doch erst mal die Grundlagen beherrschen, bevor ich an größere Programme gehen kann. Ich merke das schon bei den Aufgaben. Es fällt am Anfang wenn ich nur Datentypen und Rechnungen vermittelt habe schwer Beispiele herauszusuchen bei denen die Berechnung nicht viel einfacher mit einem Taschenrechner erledigt werden kann (schließlich kennen die Studenten noch nicht Schleifen...). Auf der anderen Seite hat die Vorlesung 72 Präsenz und 78 Heimarbeitsstunden, das ist mehr als bei Informatik I an der Hochschule Esslingen für Informatik I. Vergleiche ich aber den vermittelten Stoff, so bin ich jetzt schon deutlich dahinter. Daher habe ich nicht vor einen "Informatik-light" Unterricht zu machen, der noch weniger vermittelt.

Den zweiten Vorsatz habe ich von Eckhard von Hirschhausen. Der hat mal in einer Talkshow erklärt, dass das Rezept für eine glückliche Ehe ist, wenn der Mann den Mund hält. Ich bin zwar nicht verheiratet, aber der Mann hat recht. Bei mir sind es immer die Diskussionen mit meiner Mutter, die ja nun 88 ist, daher muss ich im Haus die meisten Sachen machen. Wir haben ziemlich unterschiedliche Auffassungen über Sauberkeit (meine Bezeichnung: Kampf der Entropie) und Garten (ich: pflegeleicht, meine Mutter: verwahrlost). Im Prinzip werden weder ich noch sie ihren Standpunkt ändern, also ist's wohl am besten wenn das Thema wieder aufkommt einfach nichts zu sagen, dann ist das Gewitter am schnellsten vorbei. Das Problem ist nur: wenn man der Auffassung ist man habe recht, nichts zu sagen ist echt schwierig.

Traumberuf Astronaut

Vor einigen Jahren bin ich mal beim Zappen bei der eigentlich für Kinder gedachten Serie "Schloss Einstein" hängen geblieben und da ist mir ein Thema  aufgefallen, das ich mal als Aufhänger nehmen will. Schon zweimal ist es in dieser Serie vorkommen, das Kinder trainierten, um Astronaut zu werden. Die erste versuchte es mit körperlichem Training, die zweite mehr mit intellektuellen. Bei der ersten endete es mit der Führung durch einen Astronauten (keinen echten) in das Planetarium und wie es bei der zweiten ausgeht ist noch offen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass sonst in der Serie so stark ein Berufswunsch, außer Modeschöpfer, thematisiert wurde und das leitet mich meinem Thema über: Ist Astronaut ein Traumberuf? Man mag es schon ahnen, für mich war es nie. Das liegt aber nun nicht daran, dass ich mehr für die unbemannte Raumfahrt bin. Gerechterweise muss ich aber erwähnen, dass für mich persönlich sich nie diese Frage stellte. Ich sehe seit meiner Geburt nur sehr wenig und nach zwei Operationen und mit einer Brille bin ich heute bei 25% des Normwertes, weshalb ich mir nicht nur den Astronautenberuf sondern auch das Autofahren und die Bundeswehr abschminken musste. Auch für das Chemiestudium, das zu einem großen Teil aus praktischer Arbeit besteht ist es nicht sehr förderlich wenn man nicht gut sieht und ziemlich nahe an Apparaturen ran muss.

Aber ich kann mich nicht erinnern, jemals den Wunsch gehabt zu haben als Astronaut schwerelos durchs all zu schweben. Eigentlich hatte ich klassische Berufswünsche nur kurz, in dem Sinne das ich einen Beruf mit einer Tätigkeit im Sinn hatte. In den letzten Jahren der Schule wusste ich vielmehr, was mir liegt: Wissen erwerben und weitergeben.

Zu der Zeit war es auch so, dass man im Spacelab maximal für eine Woche bis 10 Tage im Orbit bleiben kann. Dafür mehrere Jahre der Vorbereitung - nein danke. Heute sind auf der ISS 180 Tage Standard, bald werden es für jede zweite Besatzung 360 Tage sein, weil die Russen wieder Touristen befördern wollen. (Eigentlich müsste das nicht sein, denn schließlich kommen ja bald die mit CCDev geförderten Vehikel und dann müssten die armen Russen nicht mehr die Amis für 63 Millionen Dollar pro "Sitz" befördern, sondern könnten sich dann voll auf das Transportieren von Touristen für 25 Millionen pro Sitz konzentrieren....)

Trotzdem wäre es mir auch bei 180 Tagen nicht die Mühe wert, denn so toll ist die Arbeit da nicht. Die meiste Zeit verbringen Astronauten nicht mit dem Forschen, sondern dem Reparieren und Sport Treiben, damit die Muskeln nicht allzusehen abbauen. Selbst wenn, dann ist die Forschungsarbeit nicht so der Renner. In einer Fernsehsendung kam folgende Geschichte. Ein Astronaut berichtete ganz stolz auf einem Seminar von Materialforschern, dass es auf der ISS gelungen sei, Proteinkristalle mit 99,7% Reinheit zu züchten. Nach dem Vortrag zog ihn einer der Anwesenden Forscher zur Seite und meinte. "Übrigens in unserem Labor sind wir derzeit bei 99,95% Reinheit"....

Was mich viel mehr jucken würde, wäre die Mitarbeit an einer Raumsonde. Wenn diese funktioniert und wirklich neue Ergebnisse liefert, das wäre etwas worauf ich stolz sein könnte. Auf die Arbeit als Astronaut, könnte ich nicht stolz sein, vor allem wenn ich weiß, was rauskommt und was sie kostet. Bei der ESA ist das gut bezifferbar. 2010 machte der Posten Human SpaceFlight 19% des ESA Haushaltes von 1,52 Milliarden Euro aus, also 289 Millionen. Dafür gibt es alle zwei Jahre einen Flug zur ISS mit 180 Tagen. Der Aufenthalt eines Astronauten kostet also 578 Millionen Euro, das ist in der Größenordnung eines teuren Planetenmission oder zweier einfacher oder drei Forschungssatelliten.

Trotzdem konnte sich die ESA nicht vor Bewerbungen retten als sie 2008 nach neuen Astronauten suchte 8413 Bewerbungen für glaub ich 6 Personen, wobei bei dem derzeitigen Zyklus, (einer alle zwei Jahre( der letzte erst 2026 zur Station gelangt - wenn sie dann noch im Orbit ist. Ich weiß nicht was daran so faszinierend ist. Das man danach berühmt ist, kann man sich weitgehend abschminken. In den USA konnte man sich die Astronauten noch merken, bis das Shuttle startete. danach waren es durch mehr Flüge und mehr Besatzungsmitglieder bald so viele, das es schwer wurde. Dazu fehlten die sensationellen Missionen die es noch bei Gemini und Apollo gab. Innerhalb von Deutschland oder europa haben wir ja viel weniger Astronauten, da könnte man sich die wenigen noch merken. Doch wenn ich mir mal die deutschen Astronauten anschaue, da konnte keiner seinen Rum versilbern. Die meisten blieben in der Raumfahrt. Walther und Messerschmidt lehren heute das Fach, Reiter und Merbold haben die Astronautenausbildung geleitet.

Aber etwas positives hat es: Anders als in den USA hat man in Europa nur Chancen Astronaut zu werden, wenn man eine naturwissenschaftliche ode technische Ausbildung an einer Hochschule mit mindestens Masterabschluss hat. In den USA ist es noch immer so, dass die meisten aus dem Militär kommen und vorher Pilot waren. (Spätestens mit dem Space Shuttle, das ohne Computerunterstützung auch von einem Piloten nicht lenkbar ist, hat diese Vorausbildung ihren Sinn verloren). Der Wunsch Astronaut zu werden mag dann den einen oder anderen der 8413 Bewerber dazu bewegt haben ein naturwissenschaftliches der technisches Studium zu beginnen, anstatt etwas anderes zu studieren. Das sehe ich als wichtigsten positiven Aspekt des Berufwunsches Astronaut.

29.12.2012: In Memorian Jesco von Puttkamer

Wie ihr sicher in den Nachrichten gehört habt, ist gestern Jesco von Puttkamer gestorben. Ich nehme an, die meisten kanntn ihn. Wenn immer es um Raumfahrt ging, kam er im Fernsehen, er ging auch in Deutschland auf Vortragsreise, war eine Zeitlang Professor in Aachen, vielen ist er auch bekannt als Buchautor, ich selbst habe acht Bücher von ihm, mehr als von jedem anderen Autor auf dem Gebiet.

In Deutschland war auch daher die Bestürzung groß, weniger in den USA, vielleicht weil auch General Schwarzkopf gestorben ist, vielleicht weil er dort weniger bekannt war. Etwas schwer tun sich die Nachrufe mit der Würdigung. Am einfachsten ist es andere zitieren von Anderen, da fallen dann Worte wie "Visionär", "Institution". Na ja, Institution ist man sicher, wenn man dienstältester Mitarbeiter der NASA ist, Mit 79 wäre wohl jeder andere schon längst pensioniert worden, Doch was hat er gemacht?

Nun offensichtlich ist es leichter über von Puttkamer zu schreiben, als seine Bücher zu lesen, dort steht es rudimentär in zweien drin. er wanderte 1962 in die Staaten aus, dann war er wohl an der Saturn V Entwicklung beteiligt (was genau erfährt man nicht) und 1974, als die Entlassungswelle nach Skylab anstand wechselte er ins "Office for Manned Spaceflight" in die Langzeitplanung, einen Job den er wohl weiter behalten hat. Irgendwie konkretes, was er geleistet hat, ist anscheinend bei der NASA auch nicht ihm zuzuordnen, viel mehr hat er eben geplant und verwaltet, auch das ist ein Job der getan werden muss. Ihn als Chef der ISS zu stilisieren, wie dies manche Nachrufe tun, halte ich aber für falsch. Ich denke, in den den letzten 1-2 Jahrzehnten war er vor allem für die NASA wichtig als Publizist, als medienwirksame Figur, eben als Visionär. Nicht nur für uns Deutsche. Auch den Amis gefällt sicher die Story von dem Deutschen der nach einem Telegramm von Wernher von Braun seine Sachen packt und in die Staaten reist um dann Planungschef zu werden. Das ist doch genau das was sie unter ihrem "American Dream" verstehen.

Soweit der Teil, was andere über ihn schreiben. Doch was denke ich über von Puttkamer? Ich habe zwar acht Bücher von ihm, habe mir aber nur zwei neu gekauft, der Rest später gebraucht, und das sagt schon etwas aus. Empfehlen würde ich von den acht nur zwei, die er auch immer wieder unter neuen Titeln wiederauflegt. Eines über Apollo 11 und ein zweites über die Marsforschung und bemannte Marsmissionen. Im letzteren kann man viele Informationen über die Marsforschung rausziehen, auch etwas zu den Herausforderungen. Den Rest kann man ignorieren. Bei den anderen Büchern ist das weit weniger so.

In den Achtzigern beeindruckte mich, wie viele technische Daten in den Büchern waren und wie viele Details. Mit dem Aufkommen des Internets wusste ich dann, das das keine Hexerei war, er musste nur die Broschüren oder Press-Kits/Press Releases der NASA durchlesen. Das wertet die Bücher nicht ab, so viel Mühe machen sich ja die wenigsten Autoren und "Insider" Bücher gibt es eigentlich fast keine mehr. Was mir aber zunehmend aufstieß, ist die in diesen Büchern deutlich werdende Fortschrittsgläubigkeit und die unkritische Nicht-Hinterfragung der bemannten Raumfahrt. Was in Zukunft konkret geplant wird, und was seiner Ansicht nach möglich ist, das wird nur wenig unterschieden. In seinen drei in den Achtzigern erschienen Büchern zur Space Shuttle Zeit ("der erste Tag der neuen Welt", "der zweite Tag der neuen Welt", "Rückkehr zur Zukunft" ist das zu sehen. Der erste Buch erschien nach STS-1 und enthält Prognosen was man alles mit dem Shuttle anstellen wird:

Das Buch konstatiert dass man 2010 einen Gewinn aus der Weltraumnutzung in Höhe von 75 Milliarden Dollar (Preisbasis 1977, also heute mindestens dreimal so viel wert) machen wird. Das wäre etwa zehnmal mehr, als heute alle westlichen Raumfahrtagenturen zusammen ausgeben. Ich bin überzeugt, auch das stammt aus NASA Studien, die für die Atommüllentsorgung habe ich, als ich es mal genauer wissen wollte, schon gefunden. Die Frage ist warum er relativ unkritisch diese Studien publiziert, schlussendlich sollte er doch in seiner Position wissen, was das Shuttle kann und wie teuer es ist.

Das nächste, 1985 erschienen, widmet sich dann der Raumstation (heute ISS, damals noch "Freedom"), die damals gerade beschlossen war und ihrem anspruchsvollen Plan. (Fertigstellung 1995, also nur 15 Jahre verhauen). Auch hier finden wir wieder den riesigen Kommunikationssatelliten (nun je nach Wellenlänge zwischen 60 und 1000 m groß), nur etwas weiter in die Zukunft projiziert und ach ja ich hätte es fast vergessen, seit 20098 haben wir die erste Mondbasis.

Beim letzten Buch der Achtziger hat er dann hinzugelernt und "nur" noch Projekte beschrieben, die geplant wurden, aber zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht bewilligt. So flog eben nicht 1997 die 14 t schwere EOS Plattform zur Erdbeobachtung in den Orbit. Im Gegenteil. Die NASA wird wenn a 11.2. der Start von Landsat 8 klappt, endlich Landsat 5 aus dem Jahre 1984 außer Dienst stellen - In den 20 Jahren danach konnte sie nur zwei Nachfolgemodelle starten. Landsat 6 ging 1993 bei einem Fehlstart verloren, Landsat 7 liefert seit 2003 deutlich schlechtere Bildqualität.

Mit dem Beginn der ISS folgt dann wieder der alte Optimismus, samt Seitenhieben auf Deutschland (wie wenig sich doch Deutschland/ESA mit Columbus an der ISS beteiligt, mit 10% der Soligelder hätte Deutschland ein eigenes Mondprogramm absolvieren können, zumindest letzteres wäre mir auch lieber, anstatt generalsanierte ostdeutsche Kommunen).

Für viele ist von Puttkamer visionär, weil er zeitlebens von bemannter Raumfahrt geredet hat, immer mit Zielen wie dem Mond oder noch mehr dem Mars im Kopf. Obwohl sich der Zeitpunkt der Missionen seit Jahrzehnten konstant in die Zukunft verschoben hat und die bewilligten Programme (sowohl bei der ISS, wie auch Constellation) in einem ziemlichen Gegensatz zu realistischen Kostenschätzungen standen. eigentlich hätte ich von einem Insider mehr Realismus erwartet, das ist das was in seinen Büchern fehlt. Das er dies wahrnahm, zeigt er selber, denn außer Visionen besteht jedes seiner Bücher aus einem Überblick der Raumfahrtaktivitäten dieser Zeit und das meiste da war eben unbemannte Raumfahrt.

Jesco von Puttkamer war in der Tat Visionär. Es gibt da zwei Sorten, die eine vom Typ Elon Musk oder Robert Zubrin, abgehoben von der Realität, jeden logischen Gedanken ausblendend oder nur das wahrnehmend was ins Konzept passt. Die zweite Sorte ist der mehr pragmatische Typ, wie Wernher von Braun, die Sorte die erkennt, dass die technologische Entwicklung bestimmte Dinge in nächster Zukunft möglich macht und sie auch noch finanzierbar sind. Natürlich ist es einfacher den ersten Typ als Visionär zu bezeichnen, doch sehe ich darin nur eine Leistung, wenn die Vorhersage präzise ist und sich mit der späteren Wirklichkeit einigermaßen deckt. Also nur, weil Jules Verne eine Mondfahrt beschrieb, würde ich ihn nicht als Visionär bezeichnen, weil fast nichts von dem beschriebenen so umsetzbar war (Start in einer Kanonenkugel, Hühner als Lebendproviant etc.). Jesco von Puttkamer ist kein Träumer gewesen wie Musk oder Zubrin, auch kein Pragmatiker wie Braun, sondern er lag dazwischen. Was ihn auszeichnete, war zwar ein Realismus, gebunden an die laufenden Projekte, aber verbunden mit einem Optimismus, dass man dabei nicht stehen bleiben müsste, sondern zum Mars aufbrechen müsste. Er blendete leider, wie viele andere die Kosten und die Sinnhaftigkeit aus. Doch gerade diese Gründe sind dafür verantwortlich, dass die bemannte Marslandung immer konstant 20 Jahre in der Zukunft liegt.


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