Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 311: 1.2.2013 - 8.2.2013

1.2.2013: Lohnt sich das Wiederbefüllen von Satelliten?

Die NASA hat ja kürzlich das erfolgreiche Befüllen als Experiment auf der ISS groß als Nachricht herausgebracht. Nun ich fand das nicht so neu. Das Befüllen durch Progress Raumschiffe wurde schon seit Jahren praktiziert. Ich denke mindestens seit der Mir, aber vielleicht auch schon bei Saljut 6+7. Was bei dem ISS Experiment neu ist, ist das es nicht von einer Auslegung für das Wiederbefüllen ausgeht wiie dies bei der ISS der Fall ist, sondern einem Satelliten bei dem die Anschlüsse vor dem Start versiegelt wurden. Dazu wurde die "Hand" Dextre eingesetzt, zusammen mit einigen Werkzeugen wie Drahtschneidern.

Betrachten wir dies mal von einer anderen Seite aus - dem Betreiber eines Satelliten. Versuchen wir eine Kosten/Nutzenrechnung aufzustellen. Der Treibstoff ist heute die limitierende Ressource für die Lebensdauer. Früher war auch die Leistung der Solargeneratoren ein Punkt, doch mittlerweile hat man UV-beständigere Zellen im Einsatz, deren Verlustleistung so deutlich niedriger ist. Typisch ist heute eine Lebensdauer von 12-16 Jahren. Diese Lebensdauer bedeutet, dass heute Satelliten beim Start teilweise  zu zwei Dritteln aus Treibstoff bestehen.

Nehmen wir mal 12 Jahre an, das war vor einigen Jahren noch ein typischerer Wert für die Lebensdauer. Nach Wikipedia braucht man im GTO 50-55 m/s für das "Station Keeping", dazu kommen noch je 2-6 m/s für die Lagekontrolle und das Entsättigen von Drallrädern. Nehmen wir als Durchschnitt so 60 m/s pro Jahr an, so braucht der Satellit 720 m/s während dieser 12 Jahre.

Bei einer Masse von 2000 kg ohne Lageregelungssysteme und einem Faktor von 1/8 für Druckgastanks und Druckgas inklusive Druckgasflaschen beträgt dann die Startmasse zu Beginn des Betriebs 2700 kg, wenn man von einem spezifischen Impuls von 2800 m/s ausgeht (die kleinen Lagereglungsdüsen sind nicht so leistungsfähig wie die größeren Systeme). Dazu kommt dann noch der Treibstoff für das Erreichen des GEO-Orbits und das Triebwerk, sowie die ganzen Verniertriebwerke, diese sollen ein typisches Voll/Leermasseverhältnis von 1/7 aufweisen. Je nach Startort (Cape Canaveral/Kourou) kommt man so auf eine Startmasse von 4888 kg (Kourou) bzw. 5554 kg (Cape Canaveral).

Welche Auswirkung hat es nun, wenn man den Betrieb um drei Jahre auf 15 Jahre erweitern will? Zuerst einmal möchte man denken nicht viel. Das sind 180 m/s mehr bei einem Gesamtgeschwindigkeitsbedarf von 2220 m/s bzw. 2520 m/s. Also 8,1 bzw. 7.1% im linearen Fall. Es ist aber nicht ganz so einfach. Solange bis dieser Treibstoff benötigt wird, ist er tote Masse, der bei allen anderen Kurskorrekturen und Bahnänderungen vorher als Ballast mitbewegt wird. In der Realität würde die Startmasse auf 5281 kg (Kourou) bzw. 6001 kg (Cape Canaveral). 216 kg mehr Treibstoff für diese drei Jahre führen zum Anstieg der Startmasse um 393 kg bzw. 447 kg.

Wann könnte nun für einen Betreiber eines Satelliten das Auftanken attraktiv sein. Bei einer langfristigen Planung wird man einen Satelliten vor Erschöpfen des Treibstoffs durch eines neues (meist leistungsstärkeres) Exemplar ersetzen. Es kann individuelle Gründe geben eine Befüllung in Betracht zu ziehen, z. B. wenn der Nachfolger bei einem Fehlstart verloren ging oder sich die Fertigung verzögert. Für das Groß der Satelliten ist es jedoch eine einfache Abwägung: Wenn das Befüllen billiger ist als ein neuer Satellit so lohnt es sich. Für einen mittelgroßen Satelliten der 5 t Klasse muss man heute mit Investitionskosten von 400-450 Millionen Dollar inklusive Stzart und Versicherung rechnen. Verteilt auf 12-15 Jahre Betriebsdauer kommt man so auf rund 30-35 Millionen Dollar pro Jahr.

Nun die Gegenrechung. Was kann man in den GEO-Orbit bringen und was kostet das? Wir brauchen natürlich Treibstoff, nicht nur zum Auffüllen, sondern auch um vom GTO in den GEO zu kommen und zu manövrieren. Dann braucht man einen Satellitenbus mit Stromversorgung, Steuerung, Thermalhaushalt, Kommunikation, Annäherungssensoren und das Refüllsystem zusammen mit einem Greifer und Werkzeugen.

Die Abschätzung ist schwierig. Das ATV Busmodul als Beispiel für einen ISS-Versorger fasst 6760 kg Treibstoff und wiegt 5320 kg. Das entspricht einem Treibstoffanteil von 56%. Natürlich ist eine Optimierung möglich. anstatt automatisch anzukopppeln kann man durchaus den Tanker von dem Kontrollzentrum aus aufgrund der Daten von Videokameras steuern. Es kann also einfacher sein. Aber auf der anderen Seite wiegen natürlich Solargenerator, Computer, Steuerung etc. bei einem kleineren Modell weniger als bei einem großen, zumindest prozentual, man kann ja nicht die Stromversorgung soweit herunterskalieren. Dazu kommt das Refüllsystem und die Werkzeuge die im ATV Servicemodul nicht enthalten sind. Also könnte man auch von einem Treibstoffanteil von 56% auch bei unserem Gefährt ausgehen. Viel höher wird er nicht sein, alleine schon weil Tanks und Triebwerke ja schon für 14% der Gesamtmasse stehen. Das wären bei einem Falcon 9 Start mit Maximalnutzlast dann 1520 kg von 2713 kg im GEO Orbit. Das wären bei den obigen Beispiel (216 kg Treibstoff für drei Jahre) ausreichend für sieben Auffüllungen. Wenn also die Satellitenbetreiber tatsächlich einen guten Teil der Einsparungen an den Betreiber dieses Befüllservices abgeben würden, dann würde es sich lohnen. Wenn es nur 50% der obigen Summe wären (15-17,5 Millionen Dollar pro weiteres Betriebsjahr, so würde das Vehikel 315 - 367 Millionen Dollar in die Kasse spülen, natürlich abzüglich der Betriebskosten und Herstellung/Start.

Allerdings ist es nicht ganz so einfach: Seit es Kommunikationssatelliten gibt, werden sie immer leistungsfähiger, tragen immer mehr Transponder und senden mit höherer Leistung und höherer Datenrate. verglichen dazu sind die Investitionskosten nur moderat angestiegen. Ein neuer Satellit bringt mehr Gewinn ein als ein alter. Der alte blockiert aber den Slot von dem man aus senden darf.

Daneben sind auch noch viele Dinge ungeklärt. Wie soll z. B. dass Befüllen erfolgen, wenn tatsächlich mal ein Zugang geschaffen wurde und der Tankanschluss auch passend ist? In den Tanks herrscht ein Druck, der nötig ist um den Treibstoff in die Leitungen zu pressen. Gegen diesen Druck muss man den Treibstoff anpumpen, was bedeutet das das Gefährt einen höheren Tankdruck aufweisen muss, was schwere Tanks und mehr Druckgasflaschen bedeutet. Oder man verwendet eine turbopumpe die man wie bei einem Raketenantrieb über einen Gasgenerator antreibt. Dann braucht man einen Teil des Treibstoffs für die Pumpe und hat ein empfindliches mechanisches System an Bord.

Ist das Modell aber prinzipiell falsch? Nein, nur nicht in der Weise wie es betrieben wird. So mag es sich lohnen, aber der Aufwand ist doch relativ hoch, der Nutzen gering. Wenn man die Randbedingungen ändert, z. B. Satelliten auf die Wiederbefüllung ausgelegt sind (einfacher Zugang, kein Werkzeug nötig, standardisiert, Entlüftung der Tanks vor dem Befüllen möglich) und die Versorgung ändert dann kann es lukrativ sein. Obiger Satellit würde z.B. wenn er nur Treibstoff für ein Jahr Betrieb hat beim Start 3600 kg anstatt 4888 kg beim Start von Kourou aus wiegen. Den gesamten Lageregelungstreibstoff könnte dann ein Versorgungstransporter bringen. Platz genug gäbe es, denn den meisten Treibstoff braucht er ja um erst in den GEO Orbit zu bringen. Würde man die Tanks voll füllen, so könnte der Satellit ganze 25 Jahre lang betrieben werden.

Der Knackpunkt ist es den Treibstoff nicht genauso energieaufwendig zu transportieren. Satellitenbetreiber wollen nicht ihre Satelliten vom LEO in den GEO herufspiralen lassen. Das dauert Monate (Verdienstausfall) ist aufwendig (zusätzliche Kosten für Missionsbetreuung) und es gibt das Risiko von Strahlenschäden durch zwei Strahlungsgürtel. Alle Einwände gelten nur begrenzt für einen Tanker. Er hat jede Zeit der Welt den Zielorbit zu erreichen. Es ist nur ein Tanker, der aber viele Satelliten versorgen kann (Kostenersparnis) und der Treibstoff kann rund um den zentralen Teil mit der Elektronik angeordnet werden (Strahlenschutz). Realistisch kann man so leicht 50% der Startmasse in den LEO (bei längerer Flugzeit auch deutlich mehr) in den GEO bringen. Bei einem Ariane 5 Start also rund 11 t. Bei 56% Treibstoffanteil würde dann ein Tanker mit 6.160 kg Treibstoff ausreichen um neun Satelliten der obigen 5 t Klasse mit Treibstoff für einen betrieb von je 12 Jahren auszurüsten. In der Summe ist es fast ein Nullsummenspiel: Das entspricht bei Ariane 5 ECA einer eingesparten LEO-Nutzlast von rund 25.740 kg, gegen die ein zusätzlicher Start eines 22 t schweren Tankers zu rechnen ist.

Bei anderen Trägern bei denen zwischen LEO und GTO größere Unterschiede Bestehen (Proton, Falcon 9) sieht es günstiger aus und dies ist ja nur der Anfang: Der Satellit muss nur einmal transportiert werden. Er kann dann nochmals nachgetankt werden und dann wird es interessant: Bei den zweiten 12 Jahren (sofern technisch möglich) spart man den Start von sieben Satelliten mit je 4,9 t Masse ein, und benötigt anstatt 3,5 Ariane 5 Starts nur einen für den Tanker.

3.2.2012: Vielleicht der Anfang vom Ende

Am 1.2.2013 schlug 40 s nach dem Start eine Zenit 3SL auf, damit wiederholt sich fast auf den Tag genau der Fehlstart einer Zenit 3SL am 30.1.2007, bei der die Startplattform zerstört wurde. Nicht besonders professionell wirkt es den Webcast einfach abzuschneiden, als würde man ohne Webcast nichts davon mitbekommen. Meiner Ansicht nach ist das das Ende von Sealaunch. Die Firma kam 2009 unter das Chapter 11, eine Regelung des US-Insolvenzrechts zur Konsolidierung, aus der sie wieder herauskam, allerdings nun als fast alleiniges Eigentum von RKK-Energija, vorher hielten Boeing und russische Firmen je 45%. Dafür hat die Firma ihren Firmensitz nun in Bern, ich vermute mal aus steuerlichen Gründen.

2009 bekam die Firma noch Unterstützung von Intelsat und Loral, die für Startaufträge bürgten, doch nun hat sich die Situation geändert. Sealaunch hat nur noch einen Auftrag in Petto, einen Backupstart falls SpaceX nicht rechtzeitig liefern kann. Letztes Jahr wurde eine Nutzlast korrekt abgeliefert, die Solarzellen waren jedoch beschädigt. Hier vermutete man auch ein Problem der Zenit, doch eine Untersuchung konnte sie entlasten.

WWarum hat die Firma nun so wenige Aufträge, obwohl man 2009 noch für sie bürgte? Nun die Hersteller von Satelliten wollen drei Anbieter haben. Bei zweien ist wohl die Gefahr von Preisabsprachen zu groß oder das Risiko dass eoin Start nicht rechtzeitig erfolgen kann zu hoch. Als Sealaunch 2009 ausfiel konnte so die Atlas V kommerzielle Aufträge ergattern obwohl sie damals nicht mal aktiv angeboten wurde (inzwischen wird sie es). Nun gibt es SpaceX, die Firma hat einige Aufträge erhalten, obwohl bisher der einzige kommerzielle Start auf einer Falcon 9 im letzten Oktober mit einem Totalverlust endete. Für kleine Satelliten gibt es seit letztem Jahr auch noch die Sojus STK. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Sealaunch weitere Unterstützung bekommt, denn es gibt so mindestens fünf Launchserviceproividers für Satelliten von 3 t Gewicht, vier für Nutzlasten bis 4,5 t Gewicht und drei für 6 t Gewicht.

Die einzige Hoffnung für Sealaunch wäre dass SpaceX bei einem seiner kommenden kommerziellen Flüge scheitert oder es sehr starke Verzögerungen wie in der Vergangenheit beim COTS Programm gab (zwei Jahre anstatt drei Monate zwischen Flug 1+2) und so Kunden abspringen. Da andere Firmen gefüllte Startbücher haben bzw. bei der Atlas erst der Träger produziert werden muss, wäre so Selaunch dere einzige der kurzfristig Aufträge annehmen könnte.

Was dies aber auch zeigt ist, dass es nicht so weit her ist mit der Zuverlässigkeit der Zenit. Es ist der vierte Fehlstart bei 35 Flügen, Auch die Proton steht nicht so gut da. Das aktuelle Modell M hat sieben Fehlstartes bei 69 Flügen und ist derzeit gegroundet. Zum Vergleich: Ariane 5 hat seit 53 Flügen eine makellose Bilanz ohne jeden Fehlstart. Bei der Falcon 9 stehen zwei Flügen mit Bahnabweichungen zwei Flüge entgegen die bei kommerziellen Nutzlasten einen Versicherungsfall bedeutet hätten: V1 mit der torkelnden Stufe im Orbit und V4 mit einer 22% Minderleistung die wohl nur bei einem leichten Satelliten es noch erlaubt hätte den GTO zu erreichen. So gesehen sieht es nicht so schlecht für Ariane 5 aus. Ich wette (meine alte Wette wird SpaceX ja wenn alles glatt läuft im März einlösen) dass SpaceX weniger Falcon 9 Starts als Arianespace Ariane 5 Starts dieses Jahr durchführt. Wer hält dagegen?

4.2.2013: Buchkritik: Brian Harvey "Russian Planetary Exploration"

Mit dem beginnenden neuen Semester habe ich wieder Zeit zum Lesen und da habe ich mir schon im Dezember in den USA einige Bücher aus der Reihe "Springer Praxis Books" bestellt. Bei einem US-Händler waren die sehr preiswert, nur 3-4 Euro pro Stück. Den Anfang machte obiges Buch von Brian Harvey. Wie der Titel schon sagt geht es um die Erforschung der Planeten durch Russland. Das Mondprogramm mit Lunik/Luna ist also ausgenommen. Nach einer kleinen Einleitung über die russischen Weltraumpioniere und frühe Forschungen in Russland geht es sofort los mit dem ersten Programm: Nach Ansicht des Autors 1MV, allerdings sonst in der Literatur als 1M bezeichnet. Neben der Geschichte wird auch die Raumsonde kurz besprochen, und es folgt eine Darstellung der Ergebnisse. Das geht so weiter bis zu den zukünftigen Projekten, wozu zum damaligen Stand (2007) auch Phobos Grunt gehört.

Ich habe das Buch auch gekauft um meine Aufsätze über Mars und Venera zu verbessern. Ein Quercheck zeigt, dass wenig vorhanden ist, das ich nicht schon erwähnt habe, die Stärke eines Buches ist aber auch mehr die Geschichte im Zusammenhang zu erzählen als ich mit den isolierten, missionbezogenen Aufsätzen. Allerdings gefallen mir auch einige Dinge nicht. Kleinere Probleme sind die Abbildungen die im Web in nur schlechter Qualität verfügbar sind und gedruckt wahrscheinlich auch nicht in besserer. Wenn man die einzelnen Pixel erkennen kann, dann hat man es wohl übertrieben. Viele Abbildungen hätten davon profitiert wenn man sie nicht auf eine halbe Seite gezoomt hätten. Das zweite ist die sehr komische Zahlenangabe wie 15m km, womit 15 Millionen km gemeint sind.

Was schwerer wiegt ist das es zahlreiche Unsauberkeiten in der Recherche gibt. Ich habe schon erwähnt, das er die getrennten Programme 1M und 1V zu 1MV zusammenlegt, bei vielen Details bin ich auch nicht Experte genug um sie als Fehler oder unbekannte Fakten zu deuten, doch bei den beiden letzten Sonden Phobos 1+2 und Mars 96 gab es genügend Informationen um die Fehler zu erkennen. Bei Mars 96 ist nach Ansicht des Autors fast jedes Experiment primär russischen Ursprungs, auch die deutsche HRSC und WANOSS. Das diese sowie andere Kernexperimente aus Europa kamen wird nicht sehr deutlich.

Ein zweiter Aspekt ist dass der Autor kaum auf den politischen Hintergrund eingeht. Nach seiner Ansicht nach wurde zwar versucht die Sonden propagandistisch auszuschlachten (Chrustschow mit einem Modell von Mars 1960 auf dem weg zur UNO) aber die Missionen wurden ohne Druck von Außen geplant. Die Entscheidung nicht mit den Amerikanern zu konkurrieren erfolgte seiner Ansicht nach von den Wissenschaftlern. Genau das Gegenteil ist aber der Fall wie man am Mars sieht. Anstatt systematisch ein Programm anzugehen, wie dies bei der Venus erfolgte (da dort die Amis kein Interesse hatten), versuchte man immer die NASA zu übertrumpfen. Gelang es nicht eine Erstleistung zu erbringen so ging man zur nächsten Stufe über ohne auch nur die erste zu nehmen (Orbiter ohne vorherige Vorbeiflugmission, nachdem diese mit Mariner 4 glückte, Lander ohne vorherige Atmosphärenuntersuchungen als für 1975 die Viking Landung anstand, neues Ziel Phobos nachdem dieser noch nicht von US-Raumsonden besucht worden war.

Auch die Einordnung der Ergebnisse fehlt. Es wird nur aufgezählt was es gab, aber nicht eingeordnet, z.B. ein Vergleich der gleichzeitig stattfindenden Mariner 9 und Mars 2+3 Mission gezogen. Über die Technik der Raumsonden, ihre Konzeption und die sich daraus ergebenden Probleme erfährt man nichts. Genauso wenig wie über die genaue Instrumentierung, also einige technische Daten der Instrumente. Dabei ist dieses doch gerade eines der interessantesten Kapitel, aber auch Ursache zahlreicher Probleme. Es gibt keine Bewertung der oft starren Programmierung der Sonden, außer es gab diese auch von offizieller Seite daran Kritik wie bei Phobos 1+2. Wenn man als Sachbuchautor seine Arbeit so versteht, dass man nur die bekannten Tatsachen wiedergibt, dann ist das sicher okay, doch da man selbst nach zwanzig Jahren wohl kaum Kritik an den frühen Programmen seitens Russland findet ist dies doch etwas naiv. Vor allem wenn es nicht das erste Buch ist und man etwas Erfahrung mit dem Thema hat sollte man den Maßstab höher stecken, Zumindest ich konnte in einem Buch von Vladimir Permirnov eine deutlich Kritik an der Entscheidung Mars 4-7 mit bald ausfallenden Transistoren auf den Weg zu schicken finden, aber dies wurde von oben verordnet und war nicht wie Harvey schreibt eine freie Entscheidung der Wissenschaftler.

Bevor ich diese Rezension geschrieben habe, habe ich dann noch nach Brian Harvey gesucht, und siehe da nach dem sich mehr wie Werbung lesenden Wikipedia Eintrag hat er zum Thema russische Raumfahrt schon sieben Bücher geschrieben und seit Jahrzehnten aktiv. Da hätte ich mir mehr erwartet. Für ein Erstlingswerk könnte man mit den Mängeln leben, aber für einen Autor mit Erfahrung finde ich das Ausblenden der Politik und das recht wohlgefällige Beurteilen des Programms als doch etwas laienhaft.

Das Buch ist in den Fakten durchaus gut recherchiert, aber nicht fehlerfrei, berücksichtigt man die Mängel bei Abbildungen und erwartet man keine bewertende Einstufung der Programme so kann man 3-4 Sterne im Amazon Ranking vergeben.

5.2.2013: Was ist wichtig, wenn ich eine Programmiersprache lernen will

Der Link von Hans hat mich auf etwas gebracht was immer gerne bei den Diskussionen, welche Programmiersprache die beste ist vergessen wird, aber für den Neueinsteiger wichtig ist: Der Komfortfaktor und die Einstiegsschwelle. Um es vorweg zu sagen, ich rede jetzt nicht davon eine Programmiersprache sich anzueignen um Programmieren zu lernen, also systematisch die Konzepte einer Programmiersprache, Algorithmen, Datenstrukturen, die objektorientierte und ereignisorientierte Programmierung mit allem was dazu gehört (Vererbung, Polymorphismus, thread-safe Routinen etc...) wie es Bestandteil eines Informatikunterrichtes sein sollte, sondern von dem Ansatz her: ich bin Laie, möchte sehen ob ich am Programmieren Spaß habe und vielleicht was nützliches machen kann. Ich will aber nicht Informatiker oder beruflicher Software-Entwickler werden und ich brauche das auch nicht beruflich.

Bei den Diskussionen für und gegen eine Sprache kommt man sehr schnell immer auf konkrete Umsetzungen. Denn natürlich sind die Probleme mit Pufferüberläufen bei C bekannt und Compiler sind oft standardmäßig so eingestellt dass sie auf den Stack Daten schreiben die sie vor dem Rücksprung prüfen um die Ausführung von Fremdcode zu verhindern und beim beliebten "=" in der If Anweisung gibt's zumindest eine Warnung.

Was mich als ich Informatik studierte gestört hat (das war so 2000-2004) wie meilenweit Java und C++ damals von dem Komfortstandard von Delphi entfernt waren. In Delphi konnte ich schon damals relativ einfach visuelle Oberflächen gestalten und dann die Ereignisverarbeitungsroutinen schreiben. Trotzdem habe ich natürlich eine leistungsfähige Sprache im Hintergrund, mit der ich dann auch komplexe Programme schreiben kann. Visual C arbeitete damals mit zig verschiedenen Makros die man einfügen musste und visuell konnte man Formulare schon gar nicht designen. Bei Java gab es einen Formulardesigner, aber der war hakelig und schwergängig. Selbst dann sahen die Anwendungen altbacken aus. Zum Ende des Studiums hin hat sich mit C# mit denselben Möglichkeiten wie Delphi einiges verbessert.

Inzwischen sind ja Ruby und Phyton en Vogue, aber sie haben alle für mich das Henne und Ei Problem. Solange ich damit weniger machen kann als bisher (oder zumindest das, was ich bisher mache nicht möglich ist oder ich einen Rückschritt zur reinen Programmierung auch von visuellen Oberflächen im Quelltexteditor machen muss) solange sind sie für mich keine Alternativen.

Für den Anfänger haben solche komponentenbasierte Systeme den Vorteil, dass er schnell Erfolgserlebnisse hat. Ein Button, einige Eingabefelder und ein Onclick Ereignis und jemand kann schnell eine Berechnung ausführen und das Ergebnis ausgeben. Die große Gefahr ist, dass man auf diesem Einstiegsniveau kleben bleibt. Ich habe deswegen, als wir vor einigen Monaten diskutiert haben wie es mit dem Informatikunterricht weiter geht, eine ziemliche Diskussion. Da war ein Dozent der genau anderen Meinung als ich: während ich im ersten Teil nur Konsolenprogramme mache weil ich möchte das die Studenten die Grundlagen erlernen, hat dieser immer mit der grafischen Oberfläche wegen der "Erfolgserlebnisse" angefangen. Für mich ist sie der zweite Schritt, wobei ich dann die Elemente nicht so vertiefe, sondern dann eben in Algorithmen und komplexere Programme einsteige. Das dort objektorientiert programmiert wird und das System ereignisorientiert ist, kann man bei den wenigen Stunden aber auch nur streifen. Für mich ist ein fundiertes Grundgerüst in der prozeduralen Programmierung wichtiger als alles kurz anzusprechen. Doch wer möchte der kann sich dies dann aneignen.

Das ist meiner Meinung nach das wichtigste bei einer Programmiersprache für Anfänger: ein leichter Einstieg, die Möglichkeit rasch Erfolgserlebnisse zu bekommen, aber auch dass man eine leistungsfähige Sprache hat, mit den Möglichkeiten sich weiter zu entwickeln. Ob das ganze dann ein  historisch gewachsene Sprache wie Delphi oder Visual BASIC ist, etwas komplett neues von der Wiese wie Ruby, oder so was wie Java die für eine reine Einsteigersprache schon etwas zu komplex ist, man muss sich erst mal in die objektorientierte Programmierung einarbeiten (nichts dagegen und für größere Programme fast unverzichtlich, aber die Einstiegsschwelle ist bei prozeduralem Ansatz doch deutlich niedriger).

Der wohl wichtigste Punkt ist für Anfänger, dass man die Sprache umsonst bekommt. Schließlich will man erst mal ausprobieren, Leider hat sich bei Borland aka Embaccadero da einiges verschlechtert. Früher gab es noch Delphi Personal Versionen und auch mal Turbo Delphi umsonst - mit Einschränkungen, aber mit denen konnte man leben. Inzwischen ist das nicht mehr so, was auch der Grund bei der Hochschule war, sich von dem Produkt zu verabschieden, weil die Studenten natürlich für Übungen zu Hause auch Lizenzen brauchen. Wir haben ja keine Informatiker. Ich glaube daher das keine dieser Lizenzen jemals eine Umsatzverlust bedeutet hätte, zumal alle mit Online Aktivierung liefen (hat die Uni keine Lizenz mehr läuft auch die lokal installierte nicht mehr). Wir nutzen nun Lazarus, was in der Oberfläche und Bedienung einige Generationen hinterher ist, aber weitgehend kompatibel, was die Funktionalität angeht. Problematisch ist bei mir dass der Debugger reproduzierbar abstürzt wenn er mehr als zweimal in derselben Codezeile über eine Exception stolpert. Aber es ist umsonst und so eine Möglichkeit für Einsteiger. zudem ist es recht schmal und startet enorm schnell.

Microsoft denkt da weiter und verschenkt seine Express Versionen von Visual Studio nach wie vor. Die Express Version ist eben nur eine Sprache und das reicht ja für Privatpersonen. Da kann man aussuchen ob es Visual Basic oder C# sein soll. Ich würde C# wählen, weil man dann relativ leicht zu anderen C-ähnlichen Sprachen wechseln kann. Wie es mit Java, Ruby oder Python aussieht kann ich ehrlich gesagt derzeit nicht sagen, weil ich da seit einigen Jahren nicht mehr mit einer aktuellen IDE gearbeitet habe.

8.2.2012: Nachschlag

Michael K. hat ja im Blogkommentar mir vorgeworfen, dass ich Sprachen mit Implementierungen verwechsle, IDE und Bibliotheken mit rein packe und das ganze noch auf Windows beschränke. Dazu mal die Antwort. Ich habe in meinem Artikel mich auf den New-User bezogen, der wissen will ob Programmieren ein Hobby für ihn ist. ich habe bewusst die ausgenommen, die es beruflich lernen müssen. Oftmals hat man beim beruflichen Einsatz sowieso nicht die Wahl, was man lernen muss. Und es geht mir nicht um die reine Lehre oder die Endlos-Diskussion "Was ist die beste Programmiersprache".

Also fangen wir an: Warum ich mich auf Windows beschränke? Weil 90% aller Benutzer Windows installiert haben und die die Linux oder Mac haben, nutzen oft noch Wine oder BootCamp. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Warum sollte ich etwas empfehlen, dass nur unter Linux läuft, sodass ein Windows Benutzer noch ein extra Betriebssystem installieren muss? (bei Mac-OS darf er dann noch einen teuren Computer kaufen).

Implementierungen und Bibliotheken sind wichtig und zwar nicht nur für Anfänger. Wir sind nicht mehr in den Achtzigern, als wir Programmiersprachen mit einigen Kernbibliotheken hatten und der Anwender dann anfing alle wichtigen Dinge selbst zu programmieren. Heute gehört auch dazu dass man eine grafische Oberfläche einfach erstellen kann. Was nützt es mir, wenn ich mit Zahlen beliebiger Länge rechnen kann, wenn ich nicht mal ein einfaches Formular mit einigen Editfeldern zur komfortablen Zahleneingabe schnell mal erstellen kann? Wie wichtig ist dieses Sprachfeature gegenüber dem Verlust an Komfort? Die grafische Oberfläche ist nun mal nicht so was neues und sie ist seit 20 Jahren Standard. Ich muss immer schmunzeln wenn bei Sprache X immer ein relativ unwichtiges Feature herausgestellt wird, aber vergessen wird, dass eben wichtige Bibliothekfunktionen die bei anderen Implementierungen Standard sind, fehlen oder man bisher nur Konsolenprogramme oder Ergebnisse in einem Interpreter mit Eingabeprompt ausgeben kann. Man mag eine Programmiersprache lernen, aber keiner tut das mit einem nackten Compiler. Genauso will ich nicht das Rad jedes Mal neu erfinden, sondern schon Routinen benutzen die existieren.

Genauso denke ich gehört eine IDE mit zum Sprachumfang, das Konzept der IDE ist ja nun nicht gerade was neues, Turbo Pascal, als erstes Produkt mit einer IDE das ich kenne, erschien 1986 oder 1987. Das kann man nun nicht gerade als "brandneu" bezeichnen. Es kommt mir nicht so sehr auf spezielle Funktionen an, vieles was die IDE, die ich einsetze, bietet nutze ich nicht, wie "Refaktoring" oder Unit Tests. Aber eine Kernfunktionalität wie ein integrierter Debugger sollte schon da sein.

Was ich auch wichtig finde ist, dass man ein Programm erzeugen kann, dass man ohne die Umgebung der Sprache starten kann. Bei Java geht das z.B. nicht. Ich brauche für .jar Dateien eine installierte Java Umgebung. Andere interpretierte Sprachen wie Python brauchen sogar die installierte Entwicklungsumgebung und Javascript mag zwar ohne die Installation einer IDE funktionieren, aber dafür bin ich auf den Browser uns seine Sandbox beschränkt. Dateien wird man so nicht anlegen können. Ne GUI in Javascript habe ich auch noch nie gesehen. Der Nutzfaktor ist bei dem Einsatz in Webseiten 100% gegeben, doch die wenigsten Anwender haben eine eigene Homepage. Vom Debuggen und der Entwicklung im Browser mal ganz zu schweigen. Irgendwann kommt jeder an den Punkt wo er seine Programme veröffentlichen und weitergeben will, und dann kommt er an einer Sprache die ausführbare Programme erzeugt nicht vorbei. Das müssen nicht Binärprogramme sein, wer will kann ja auch in der Powershell entwickeln. Allerdings hat die dann ein Manko bei anderen Anforderungen.

Beim Durcharbeiten der zweiten Auflage des US-Trägerraketenlexikons mache ich weiter Fortschritte und bin nun bei der Saturn angekommen, also den letzten achtzig Seiten. Es könnte sich aber noch ziehen, denn ich machte den Fehler im TRSN nochmal nachzusehen und habe prompt wieder einige interessante Reports gefunden.

Dann habe ich mir mal das BlaBlameter angesehen, dass die Qualität eines Textes misst. Dieser Text hat einen Wert von 0,22 und zeigt so einen ersten Hinweis auf "Bullshit" liegt aber noch auf einem akzeptablen Niveau. Bis 0,3 soll  noch akzeptabel sein., Merkel macht es besser. Ihre Neujahrsansprache kommt nur auf 0,17.


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99