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Web Log Teil 312: 9.2.2013 - 21.3.2013

9.2.2013: Ein hoffnungsloses Unterfangen

Das Internet hat den Vor- oder Nachteil, dass man nach Dingen sucht, die man vor der Internetära ignoriert hätte. Vor einigen Wochen kam ein Fernsehfilm in dem unter anderem eine Szene drin war, wo eine Mutter ihren dealenden Sohn dazu zwingt, ein Pfund Haschisch zu entsorgen. Da kam dann die Frage "Mama, weist Du was das wert ist?". Ne gute Frage und bei der Suche nach der Antwort kam ich auf eine Seite die für Schmerzpatienten vorrechnete, wie viel Geld sie mit dem "Indoor" Anbau von Haschisch sparen können.

Frage beantwortet, Neugier geweckt. Schaut man sich um, so scheint der Anbau einer Pflanze die ich eher als normale Nutzpflanze ansehen würde (Hanf wird schließlich schon seit Jahrtausenden zur Gewinnung von Fasern und Öl genutzt eher so was wie hohe Kunst zu sein. Na ja zumindest, wenn man Haschisch anstatt Flachs gewinnen will, da die Pflanze den Wirkstoff nur bildet wenn es 12 Stunden Tag ist, also bei uns rund um den 22 September. Trotzdem soll man die "Zucht" auch bei uns im Freien durchführen können: "Outdoor".

Das ist schon mal eine Besonderheit. Wenn wir die Drogen mal einteilen in legale und illegale und das mit dem Anbau untersuchen so stellt man fest; Auffällig ist, dass die einzigen legalen, Alkohol und Tabak bei uns produziert werden können. Tabak wächst zumindest im Rheingraben und anderen sonnigen Gebieten und Alkohol kann man aus so ziemlich jedem kohlehydratreichen Lebensmittel gewinnen.

Die meisten illegalen sind entweder synthetischer Natur oder wachsen nicht bei uns, mit zwei Ausnahmen: Schlafmohn und Hanf. Allerdings dürfte Schlafmohn mit den leuchtend roten Blüten und dem Betreuungsaufwand (mehrmaliges Aufritzen der Kapseln) doch sehr auffällig sein und ob so was indoor geht? Schlafmohnanbau wird man kaum verbergen können. Anders sieht es beim Hanf aus, der zwar auch auffällig ist, aber solange die Pflanzen nicht zu hoch sind bei den heute rudimentären Botanikkenntnissen wohl nicht stark auffällt. Es ist schon kühn etwas zu verbieten, das natürlicherweise bei uns wächst und nicht sofort auffällt. Die Möglichkeiten dann ein Verbot zu umgehen sind vielfältig.

Noch verrückter wird es aber, wenn man dann weiter nachforscht und dann stößt man recht rasch auf holländische Händler die Cannabissamen vertreiben - nicht gerade billig, aber ich denke wer welche hat kann auch negativ vermehren oder selber welche nachziehen oder er macht eine Kosten-Nutzenrechnung auf und da ist das Saatgut noch direkt "billig".  Das führt das System noch mehr ins Absurde. Wenn ich an das Beschaffen von Drogen denke, dann denke ich eher an die Kontaktaufnahme von rauchenden Junkies mit undeutlicher Sprache und heruntergekommenem Aussehen in einem Hinterhof, als das Eingeben der Liederadresse und Kreditkartennummer in einem Shop, und dann wird Haschisch gezüchtet so wie man Blumen für den Balkon nachzieht... BZW. wenn es jemand "indoor" macht, dann ist die Gefahr das er entdeckt wird noch kleiner. So leicht wird es selten gemacht ein Verbot zu umgehen.

Nun ist die Möglichkeit leicht an die Droge zu kommen eine Sache. Das sie alleine schon ein Verbot unwirksam macht, zeigt die Prohibition in Amerika, die dieses nicht trockener machte aber die Mafia groß machte die mit dem Alkoholschmuggel Geld verdiente. Die zweite Seite und das sollte vielleicht viel eher ein Kriterium sein, ist die Gesundheitsgefahr. Ich gebe gerne zu, ich bin da kein Experte, aber soweit ich gehört habe ist sowohl das Suchtgefahr wie durch die Schäden durch THC deutlich geringer als bei den "erlaubten" Drogen Alkohol und Tabak. Nur denkt keiner dran die zu kriminalisieren. Hier gibt es (zumindest beim Tabak) noch die Bigotterie, dass offiziell der Konsum unerwünscht ist und es immer mehr Gesetze gibt die Werbung oder Konsum in der Öffentlichkeit einschränken. Auf der anderen Seite verdient der Staat ganz dick bei der Steuer mit. Damit ist das Interesse den Konsum zu reduzieren natürlich nicht so arg gegeben....

In Holland scheint es ja mit der Legalisierung auch zu klappen und sie verdienen auch noch am Grenzverkehr weil es bei uns ja verboten ist, bzw. exportieren Samen für 5 bis 20 Euro pro Stück nach Deutschland.... Ein Aktivist sollte mal im Kanzleramt "gueilla Farming" betrieben, vielleicht wachen dann einige auf....

13.2.2013: Demokratie à la Ostfildern

Heute mal ein Thema das mir wichtig ist, auch wenn es die meisten Blogleser die ja nicht gerade in meiner Nähe wohnen, interessieren wird. Es ist ein kommunales Thema. Ich wohne ja in einer dieser Patchwork-Gemeinden, also Gemeinden die man zu einer Stadt zusammengeschlossen hat, auch wenn die Bürger nicht so begeistert davon sind. Seit einigen Jahren wächst bei mir der Unmut wie es bei uns so zugeht. Da ist zum einen der Zentralismus - immer mehr Einrichtungen finde ich nicht mehr vor Ort sondern vor allem im "neuen" Stadtteil Scharnhäuser Park. Neu weil das bis vor 20 Jahren ein US-Kasernengelände war. Bei städtischen Einrichtungen die ich nur selten besuchen muss wie das Rathaus kann ich nachvollziehen, dass man diese zentral betreibt und so Kosten spart. Doch bleibt es nicht dabei.  Besonders schlimm ist auch das der Einzelhandel bei uns zumacht und dort, weil es noch Platz für große Gebäude gibt die Discounter auf machen. Ein Gegensteuern von der Politik ist aber nicht zu erwarten, denn es erfolgte ja in den vergangenen Jahren nichts um diese Tendenz zu stoppen.

Vor 10 Jahren beschloss dann unsere Stadt, dass ihr drei Hallenbäder zu viele sind und sie zwei zumachen will. Das einzige das blieb ist das an dem Gymnasium/Realschule in Nellingen, das natürlich dann durch Vereine und Unterricht weitgehend belegt ist und an manchen Tagen dann nur stundenweise aufmacht. Die beiden anderen wurden von privaten Vereinigungen weiter betrieben. Das Kemnater weil es klein ist bis jetzt immer noch. Das Ruiter, dass zwar die Verluste um 80% reduzieren konnte, aber immer noch Verluste machte, musste nach 5 Jahren zumachen. Undenkbar dass die Stadt sich dann noch beteiligt, obwohl es dass einzige Bad mit durchgehenden Öffnungszeiten war. 20% mehr als die 390.000 Euro Verlust die das Nellinger nach wie vor jedes Jahr generiert kann sich unsere verarmte Stadt  nicht leisten, wohl aber neue Schulen die im Finanzplan mit der hundertfachen Summe stehen.

Bei der letzten OB-Wahl waren wohl darüber und über andere Missstände so viele verärgert, dass sie den Bewerber aus der Verwaltung Finanzbürgermeister Lechner nicht wählten, sondern den bis dahin bei uns völlig unbekannten Bolay. Lechner ist natürlich immer noch Finanzbürgermeister, es wäre ja zu viel verlangt  Konsequenzen aus der Wahlniederlage zu ziehen.

Hat sich was geändert? Nein. Bolays Programm ist Familienfreundlichkeit und Bildung. Also wird nun das alte Ruiter Hallenbad abgerissen und dort eine neue Schule gebaut, obwohl wir nicht das Geld dazu haben.- Die 100 m weiter gelegene Justinus Kerner Schule zu sanieren wäre wohl zu einfach gewesen. Nun ich habe nichts gegen Bildung und Familienfreundlichkeit, aber der Rest der Bürger scheint wohl nur noch dafür da zu sein Steuern zu zahlen. Der Zustand der Straßen ist katastrophal. Viele Straßen haben Schlaglöcher die monatelang nicht repariert werden und wenn dann nur geflickt, sodass sie bald wieder aufbrechen oder es Hubbel oder Versenkungen gibt in denen sich dann Wasser sammelt (da freut man sich als Radfahrer, vor allem wenn ein Auto da durchfährt) und als Folge habe ich immer öfters einen Platten am Fahrrad den ich flicken muss. Man sollte meinen für Familien wären auch Fahrradwege wichtig, doch da offensichtlich die Schüler alle mit der Stadtbahn fahren genießen die nur geringe Priorität. Ansonsten kann ich auch nicht feststellen, was sich in den vergangenen 5 Jahren der Amtszeit von Christof Bolay geändert haben sollte, wenn es nicht um Bildung und Familienfreundlichkeit, sondern  alle anderen Bürger geht.

Dafür hat kein anderer Politiker ein solches Geltungsbedürfnis - während wir den vorherigen Bürgermeister äußerst selten mal im Bild sahen, vergeht eigentlich keine Woche in der er nicht in unserer Stadtrundschau vorkommt, meistens mehrmals. Inzwischen ist es schon Sport geworden zu zählen wie oft - viermal war das höchste was ich bisher gezählt habe. Wer nun an Praktiken wie in kommunistischen Ländern erinnert wird, wo auch jeden Tag der Staatsratsvorsitzende in der Zeitung oder im Fernsehen auftauchte, der wird sich nicht wundern über unsere Wahl am 25.2.

Wir haben wie es auch in kommunistischen Ländern üblich ist genau eine Wahl: Christof Bolay. Mehr gibt's nicht zu wählen. Damit wird dies die allererste Wahl in meinem Leben sein, (egal ob Kommunale, Landes, Bundes- oder Europawahl) wo ich nicht wählen gehe. Wenn man seinen Unmut nur noch durch Stimmenthaltung Ausdruck verleihen kann, bleibt einem ja praktisch nichts anderes mehr übrig. So funktioniert Demokratie in Ostfildern.....

14.2.2013: Das Senate Launch System

Neu im Lexikon US-Trägerraketen ist auch ein Eintrag über das Space Launch System, das aber auch gerne als "Senate Launch System" verspottet wird. Denn seine Entstehungsgeschichte ist ein Unikum. Den NASA-Haushalt für 2011 bekam die NASA vom Senat nur bewilligt, wenn sie mit der Entwicklung dieses Gefährts beginnt, für das Mittel genehmigt wurden, die die NASA nicht beantragt hatte. (Sie bekam 1,9 Milliarden Dollar für die SLS, beantragte aber nur 1,5 Milliarden)

Ich mache mich mal an eine Beurteilung. Das kann man auf vielerlei Weise machen. Nehmen wir zuerst die technische Seite. Das SLS hat zuerst mal zwei Ausbaustufen, gerne Block I und Block II genannt. Block besteht aus zwei 5-Segment SRB und einer Zentralstufe mit 8,38 m Durchmesser und 4 RS-25 (SSME) Triebwerken. Wer ein De-Ja Vue Erlebnis hat, täuscht sich nicht, genauso so sahen auch die ersten Ares V Entwürfe aus, bevor man auf das RS-68 umstieg. Das ergibt maximale Synergien mit dem STS-Programm. 16 RS-25 sind noch im Inventory, die Stufe kann auf der Tanktechnologie des Shuttles aufbauen und auf derselben Straße produziert werden und drei Tests der 5-Segment SRB gab es schon , der erste Qualifikationstest steht dieses Jahr an.

Block II wird dann eine noch zu entwickelnde Oberstufe mit dem J-2X Triebwerk einsetzen, die etwas leichter als die der Ares V ist (234 zu 278 t). Dazu kommen neue Booster für die derzeit die Ausschreibung läuft. Mit neuen Boostern soll die Nutzlast auf 105 t steigen, mit Oberstufe auf 130 t. Einige Vorschläge gehen noch weiter auf 150 ja 170 t, was ich aber angesichts der viel kleineren Zentralstufe (1100 zu 1760 t gegenüber der Ares V) für unwahrscheinlich halte.

Die Kosten sollen 11,7 Milliarden Dollar für Block I, und 41,7 für Block II betragen. Das ist dann sogar noch teurer als bei der Ares V mit 40 Milliarden Dollar und inflationskorrigiert sogar teurer als die Saturn V und damals wurde alles neu entwickelt. Finanziell finde ich daher Block II als überteuert.

Bleibt die wichtigste Frage - was könnte man damit anfangen? Da sind wir bei des Pudels Kern (das Wort kommt übrigens 10-mal im Faust vor, wie ich kürzlich meinen Studenten beweis, Faust Zitate kannten sie allerdings keine.... ). Das Grenzproblem ist, dass man eine Trägerrakete isoliert entwickelt, für die es keine Nutzlast gibt. das ist keine gute Idee. Wie die Geschichte bei der Saturn V bewies, nützt die beste Trägerrakete nichts wenn man keine Mission für sie hat. 1970 wurden Apollo 18-20 gestrichen, obwohl es die Trägerraketen und Raumfahrzeuge dafür gab, einfach weil man wenn man sie nicht startete noch die Kosten für die Durchführung einsparen konnte. Wie sind dann die Erfolgsaussichten für eine Trägerrakete die gar keine Mission hat?

Nun natürlich zeigt die NASA auf, dass man damit viel Nutzlast ins äußere Sonnensystem senden kann oder Reisen beschleunigen. Das Problem ist nur - auch dafür ist nichts geplant. Nützlich wäre sie bei einer Marsbodenprobengewinnung. Eine SLS könnte sowohl Landefahrzeug mit Rover der MSL Klasse starten wie auch ein zweites Fahrzeug dass in einen Orbit einschwenkt und dann die Kapsel mit den Bodenproben zurück zur Erde bringt. Wahrscheinlich könnte man sogar dann die Proben im Erdorbit abladen und dort von Astronauten bergen lassen (Vorteil - Kontaminationsgefahr minimiert).

Denkbar wäre es auch Orbiter zu den  äußeren Planeten zu senden. Es gäbe noch genug Nutzlast um bei einer erträglichen Reisezeit noch genügend Treibstoff mitzuführen um in einen Orbit einzuschwenken. (Man braucht um so mehr je schneller man da ist).

Doch das alles sind Programme die wären und damit in einem Sparklima nicht kommen. Was könnte man machen das nicht so viel kostet? Nun drei Dinge fallen mir ein:

Wie sieht es bei bemannten Missionen aus? Nun ich meine, hierfür braucht man keine Block II. Man kommt sogar bis zum Mars mit Block I. Das ist nicht nur meine Meinung, das hat schon die Augustine Kommission festgestellt. Der Grund dafür ist ganz einfach - das meiste was man braucht um zu Mond oder Mars zu gelangen ist Treibstoff. Bei der Ares I waren es 62,7 t zum Mond oder 48 t zum Mars aber 188,7 t in den Erdorbit. Der größte Teil der Differenz von 120 bis 140 t war Treibstoff. Es gibt aber nirgendwo ein ehernes Gesetz, dass der auf einmal in den Erdorbit gebracht oder verbraucht werden muss. Es gibt zwei Möglichkeiten mit einer kleineren Rakete dasselbe zu erreichen. Das eine sind Treibstoffdepots, also im Prinzip gut isolierte Stufen, die man aneinander ankoppelt und danach zündet. Untersuchungen dafür gab es schon seit Jahren an bestehenden Stufen und die Ares V EDS (ohne besondere Isolation) sollte auch 4 Tage lang im Orbit bleiben bis die Orion ankoppelte. Wenn man einen reflektierend Schild vor eine normale Stufe spannt kann man die Verdampfungsverluste auf unter 1% pro Tag drücken. Dann ist selbst bei einer moderaten Startrate eine Mondmission möglich. Bei Marsmissionen mit mehr Masse (so 800-1000 t für eine Mission, verteilt auf zwei Startfenster von je 6 Wochen Länge) ist eine zweite Alternative besser - das langsame Anheben des Orbits. Das Prinzip ist ganz einfach. Anstatt direkt zum Mars zu starten, startet man zuerst in einen Erdorbit. Ein zweiter Start bringt eine Stufe dann in den Erdorbit. Sie koppelt an und erzeugt eine elliptische Umlaufbahn. Erst der dritte Start beschleunigt dann die Nutzlast zum Mars. Nur dieser letzte muss während des Startfensters erfolgen. ;it je zwei Starts pro Startfenster kann man so rund 800 t zum Mars bringen - ausreichend für eine Expedition. Die anderen vier Starts können zu einem beliebigen Zeitpunkt vorher erfolgen, wofür man mehrere Jahre Zeit hätte.

Ist also das SLS nützlich? Braucht man es? Nein und das zeigt eben die Geschichte der Saturn V - es nützt nichts ein Trägersystem zu bauen für das man keine Mission hat. Man baut nicht Trägerraketen auf Vorrat, nur damit, falls man mal eine Schwerlastrakete braucht sie schon verfügbar hat. Das gilt nicht nur bei Trägerraketen sondern bei fast allem. Daher finde ich die Bezeichnung "Senate Launch System" passend - es ist eine Trägerrakete die isoliert keinen Sinn macht. Zu mehr reichen aber die Finanzmittel nicht.

17.2.2013: Aufrüstung mit Photoshop

Auf das heutige Thema brachten mich meine Studenten. Sie amüsierten sich köstlich über eine Nachricht. Iran hat vor einigen tagen ein neues Jagdflugzeug, "Qaher 313", "Eroberer 313" vorgestellt, das mit der amerikanischen F-18 vergleichbar sein soll. Nun schon letztes wird bezweifelt, doch Experten bezweifeln auch, dass das Flugzeug nicht nur ein "Mockup", ein Modell ist. Dann legte der Iran nach und präsentierte ein Foto des Flugzeugs beim überfliegen eines hohen Vulkans, dass sich als Fake herausstellte. Der Hintergrund stammt von einer Website und war nur aufgehellt, die Bilder wurden offensichtlich schon bei der Präsentation des Mockups gezeigt.

Das scheint ein System im Iran zu sein. Auch ein Video einer neuen iranischen Drohne stellte sich als ein Forschungsprojekt einer chilenischen Universität heraus. Ein Foto eines iranischen Raketenstartes wurde durch weitere Starts im Hintergrund ergänzt und als letzter Fall - Der Weltraumaffe sah je nach Foto anders aus.

Das letzte betrübt mich doch etwas, halte ich doch sonst sehr viel vom iranischen Weltraumprogramm, schließlich ist das die einzige Nation die zu meinem Geburtstag ihre Satelliten startet. Die wissen eben einen Berichterstatter noch wirklich zu würdigen.... Nun fällt es schwer an den Parabelflug zu glauben, weil der anders als ein Satellitenstart natürlich nicht beobachtet werden kann.

Dumm nur ist dass sie selbst beim Fälschen so primitiv vorgehen. Es müsste doch kein Problem sein, wenn man das professionell betreibt und davon darf man ja ausgehen, mal an dem Berg mit einer Turboprop Maschine vorbeizufliegen, einige aktuelle Aufnahmen zu machen, dann das Mockup von Qahar 313 in derselben Beleuchtungssituation zu fotografieren (notfalls mit Scheinwerfern nachhelfen) und dann klappt auch mit der Fälschung. Von einer Regierungsorganisation wie der staatlichen Presseagentur kann man doch ein bisschen Professionalität erwarten. Wenn man nicht mal saubere Mockups und Fakes produzieren kann, wer traut dann dem Iran zu, dass er wirklich das Flugzeug bauen kann?

Offen ist auch wehn der Iran so beeindrucken will. Die USA dürften sich allerhöchstens vor einer Atombombe fürchten. Ansonsten entscheidet heute bei Flugzeugen, Drohnen etc. vor allem die Elektronik und da dürfte es gravierende Unterschiede zu den USA geben. Andere Staatsmänner werden wohl auch Berater haben die Internetquellen lesen und so auch informiert sein. Bleibt noch das eigene Volk, das soweit ich mal in einem Bericht gehört habe sehr internetaffin sein soll und auch nicht ganz so uninformiert.

Mein Tipp an den Uran: macht's wie die Russen und legt euch aufblasbare Attrappen zu, das spart echt viel Geld und ist aus der Luft von echtem Gerät nicht zu unterscheiden.

18.2.2013: Die Mimosenrakete

Russland hat nun eine Erklärung für den Verlust von Yamal 402 im letzten Dezember auf einer Proton M geliefert. Ursache war eine zu hohe Temperatur des Oxidators. Diese gab es schon beim Start, danach stieg sie weiter weil das Triebwerk Wärme abstrahlte. Dadurch verdampfte vor der vierten Zündung ein Teil des Treibstoffs und die Turbopumpe erreichte zu hohe Drehzahlen und das Lager wurde beschädigt was zu einem vorzeitigen Brennschluss führte.

Das ist nicht die erste ungewöhnliche Erklärung für das Versagen der Proton. 2010 wurde als Erklärung für das Versagen eines GLONASS Starts eine Zuladung von zu viel Triebstoff genannt.

Nun ist man ja von Russland schon einiges gewohnt. Während der Zeit des Niedergangs ab 1990 kam es zu Fehlstarts weil Treibstoff gestohlen oder durch andere Flüssigkeiten ersetzt wurde, von der Abnahme der Qualitätssicherung ganz zu schweigen. Aber diese Erklärungen sind doch sehr komisch. Das Stickstofftetroxid schon bei etwas höheren Temperaturen als Zimmertemperatur verdampft ist bekannt und daher füllt man es auch gekühlt ein. Ariane 1-4 hatte aus diesem Grund rund um die zweite Stufe eine Isolationsschicht die beim Start abgesprengt wurde. Nur fand der Start im Dezember statt. Wenn ich mich nicht irre ist es da in der russischen Steppe ziemlich kalt. Also so recht glauben kann ich die Erklärung nicht und wenn sie zutreffen sollte ist sie blamabel für eine Nation die mehr als jede andere Raketen mit diesen Treibstoffen gebaut hat. Auch die meisten ICBM Russland setzten ja genau diese Treibstoffe ein,

Noch etwas merkwürdiger ist das Übergewicht durch zu viel Treibstoff beim GLONASS. Natürlich könnte es sein, dass Block DM-3 und GLONASS zu schwer für die unteren drei Stufen ist. Es ist jedoch nicht sehr glaubhaft. Block DM-3 wiegt beim Start 17,5 t . Die drei GLONASS Satelliten 4,08 t. Das sind dann zusammen 21,7 t. Dieselbe Rakete hat aber kein Problem 21,5 t in eine ISS-Umlaufbahn zu befördern oder die Breeze-M Oberstufe zu starten. Die Breeze M wiegt 21,2 t und kann bis zu 6,3 t Nutzlast mitführen. Dieses Gespann wiegt also zusammen bis zu 28,5 t. Da das Versagen erfolgte bevor DM-3 überhaupt zündete ist Übergewicht alleine wohl keine ausreichende Erklärung. Man kann damit nicht begründen, dass die Rakete um 8 Grad vom Kurs abkam und eine um 100 m/s zu geringe Geschwindigkeit erreichte.

Eine viel wahrscheinlichere Erklärung wäre, dass die unteren Stufen nicht voll betankt wurden und man sich hier verschätzt hat. Das ist sparen an der falschen Stelle. Zwar ist UDMH/NTO keine preiswerte kombination, aber der ganze Treibstoff wird wohl nur einen Bruchteil der Startkosten ausmachen und wenn man hier spart braucht man entweder viel Erfahrung oder man ist extrem knapp bei Kasse. Beide Vorfälle zeigen wohl nur eines: Russland hat entweder enorm viel Erfahrung verloren (die Fachleute sind ins Ausland gegangen oder in den Ruhestand) oder man ist extrem knapp bei Kasse.

Dafür sprechen auch andere Vorfälle in den letzten Jahren wie der Verlust von Phobos Grunt, die schon seit Jahren verzögerte Indienststellung der Angara und das Versagen des Angara-URM bei der koreanischen Naro-1. Von den vielen wissenschaftlichen Projekten die angekündigt wurden, wurden keine weiteren umgesetzt. Gestartet werden nur Anwendungssatelliten wie die erwähnten YAMAL und GLONASS Satelliten. Immerhin als Trost für die Kunden von ILS scheinen Fehlstarts bei russischen Nutzlasten häufiger vorzukommen als bei bezahlten Starts. Da scheint man dann noch das Geld zu haben um den Treibstoff vorzukühlen und die Tanks voll zu füllen.... Das ändert aber nichts an der erschreckend niedrigen Zuverlässigkeit der Proton / Breeze Kombination, vor allem für eine schon seit Jahrzehnten eingesetzte Trägerrakete.

21.3.2012: Pferdefleisch und die Lebensmittelüberwachung

Wieder mal ein Skandal und wieder mal heißt es von Verbraucherministerin Aigner "Man sollte mehr Kontrollen durchführen". Tja wenn man hier im Schwäbischen sagt "Mr sod" dann kann man zu 100% sicher gehen, dass man nicht sich selbst damit meint und so meint es wohl auch Fr. Aigner. Man kann darüber streiten wie viel Kontrolle nötig ist, ich würde es mal an den Absolventenzahlen des Lebensmittelchemiestudiums festmachen, dass ja ein NC-Studium ist also schon in der Zahl der Anfänger reguliert. Kleine Rechnung: In Baden-Württemberg gibt es zwei Unis die Lebensmittelchemie anbieten. Pro Semester gibt es rund 10-12 Studenten, das sind dann pro Jahr mindestens 40-50 Berufsanfänger. Es gibt vier Untersuchungsanstalten. Jede hat im Durchschnitt 30 Lebensmittelchemiker die rund 30 Berufsjahre dort arbeiten. Macht also 4 neue Stellen pro Jahr. Nur ein Zehntel der Absolventen kommt also in einer Untersuchungsanstalt unter, obwohl der Beruf in der Ausbildung weitgehend auf die Arbeit an einer Untersuchungsanstalt und das gutachterliche Wirken dort ausgelegt ist. Meiner Ansicht nach sollte ein Drittel unterkommen, ein weiteres Drittel in der Industrie als Gegenpart für die interne Qualitätskontrolle und ein Drittel in unabhängigen Labors bzw. anderen Berteichen wo die analytischen Fähigkeiten gefragt sind. 20.000 Proben untersucht die CUVA Stuttgart pro Jahr, rechnet man das auf die Bevölkerungszahl von Baden-Württemberg hoch so ist es weniger als eine pro 100 Einwohner. Das umfasst nun wirklich alles. Also vom Massenprodukt im Discounter bis zu Proben einzelner Marktstände und Gastwirtschaften. Vom Fertigprodukt bis zum Ausgangsstoff. Wer nur mal im Supermacht mal gesehen hat wie viele Produkte es dort gibt, wie viele Wurstsorten ein Fleischer an der Theke hat und wie viele es davon gibt, der kann sich vorstellen, dass es aber auch bei Erfüllung der Forderung der Verdreifachung des Personals nicht eine vollständige Überwachung geben kann.

Meiner Ansicht nach wäre ein anderer Ansatzpunkt wichtiger. Derzeit ist noch die Qualitätskontrolle beim Hersteller nicht geregelt. Manche tun es, manche nicht. Manche treiben hohen Aufwand, manche nicht. Wenn selbst bei Großkonzernen wie Nestle Produkte mit Pferdefleisch vorkommen, dann sieht man, dass da noch noch einiges verbesserungswürdig ist. Wenn es eine gesetzliche Regelung gibt, dass jeder Betrieb der eine bestimmte Mitarbeiterzahl hat eine eigene Wareneingangskontrolle mit eigenem Labor hat und es da auch Vorschriften über Mitarbeiterzahl gibt (z.B. in Prozent der Belegschaft), dann würde sich einiges verbessern. Als erstes würde die Kontrolle vor der Fertigung erfolgen, also die Waren nicht in den Verkehr gelangen. Das zweite ist, dass ein betriebseigenes Labor effizienter sein kann. Das Grundproblem eines Untersuchungslabors für alle Lebensmittel, ist das man alles nachweisen können muss, also selbst bei Gliederung in verschiedene Warengruppen wie Fleisch in einem Labor, oder Wein in einem anderen, man gerüstet ist möglichst viele Substanzen nachzuweisen. Ein Labor beim Hersteller muss nur die Qualitätsparameter des Produktes bestimmen, das hergestellt wird, sowie mögliche Verunreinigungen, Rückstände oder betrügerische Fälschungen von Rohstoffen. Dafür gibt es oft spezialisierte Geräte oder Untersuchungsmethoden, von der Möglichkeit viele identische Proben einfacher vorzubereiten als zig verschiedene ganz zu schweigen. Ich erinnere mich noch an ein "Aha-Erlebnis" im Studium als wir bei einer Betriebsexkursion ein Gerät sahen, das bei Fleisch mittels IR-Spektroskopie den Fleisch/Fettanteil bestimmte. Nur (damals) auf 10% des absoluten Werts genau, also etwa 5-10 mal ungenauer als eine chemische Analyse, aber in einer Sekunde. Fleischstück aufs Gerät legen, kurz Warten und der Wert war auf dem Display.

Wenn man dies umsetzen würde, würde sich wahrscheinlich mehr ändern, als wenn man immer wieder dasselbe sagt wie Fr. Aigner. In einem Beitrag über Biolebensmittel sah ich übrigens im Fernsehen Fr. Roth, damals als ich studierte, noch Laborleiterin, heute Amtsleiterin. Da erinnerte ich mich auch wieder wie es damals in dem Labor lief, das für die Fertigprodukte zuständig war: dort wurde vornehmlich verkostet, also nur sensorisch geprüft, was bei einigen Anwesenden das Mittagsessen ersetzte. Der Name blieb mir im Gedächtnis haften, weil in diesem Labor wenig gearbeitet wurde und das Gespann aus Laborleiterin und fauler Assistentin (Fr. Fuchs) unter der Bezeichnung "Roth-Fuchs" sprich "Rotfuchs" bekannt war - und gefürchtet, denn wenn ein Student dort seine Zeit des Praktikums hatte wurde er mit Arbeit zugedeckt, die eigentlich Aufgabe des Laborpersonals gewesen wäre. Wenn es überall so zugehen würde, könnte man wahrscheinlich ganze Pferdeherden im Essen vermanschen und keiner würde es merken.

 


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