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Web Log Teil 316: 21.3.2013 - 24.3.2013

20.3.2013: Wie groß sind die Chancen sich vor Asteroiden des Tscheljabinsk Typs zu schützen?

Wenige Stunden bevor der vorher bekannte Asteroid 2012 DA14 an der Erde vorbeiflog schlug ganz unerwartet bei Tscheljabinsk ein Meteor ein, zerstörte 3.700 Gebäude und verletzte einige Hundert Menschen. Und sofort gibt es dann Anhörungen wie man sich davor schützen kann. Also Zeit dass wir uns das mal genauer anschauen.

Zuerst mal wovon sprechen wir? Die Untersuchungen gehen davon aus, dass es sich um einen Asteroiden mit etwa 17-20 m Größe handelt. Wikipedia gibt die Masse zu 10.000 t an, was für einen 20 m Körper vom Typ der Chrondriten sehr leicht wäre (Dichte 2,38. Chrondriten liegen meist zwischen 3 und 3,7). Bei 17 m passt es dann schon eher. Die Sprengkraft wird mit 100 bis 500 kt TNT-Äquivalent angegeben.

Der Asteroid ist damit in einer Größenklasse in der er nicht ganz den Erdboden erreicht. Je nach Einfallswinkel, Geschwindigkeit und vor allem Zusammensetzung zerfällt ein Asteroid unter 100 m Größe in der Atmosphäre. Auch dieser zerlegte sich in 25 bis 30 km Höhe. Damit ein Asteroid ganz den Erdboden erreicht, muss er eine gewisse Grenzgröße erreichen, etwa 50 m bei einem massiven Steinasteroid, bei Eisenasteroiden können sie auch kleiner sein. Aber die sind sehr selten.

Die erste Frage ist, wie kann man sich davor schützen?

Nun es gibt mehrere Möglichkeiten. Das naheliegende ist eine Atombombe. Da muss ich aber passen, denn ich kenne mich nicht damit aus. Die Druckwelle die auf der Erde eine Menge Zerstörung anrichtet fällt weg, denn es gibt keine Atmosphäre, aber alleine die Hitze wird ausreichen den Asteroiden zu pulverisieren. Selbst wenn damit die Bahn nicht verändert wird (was unwahrscheinlich ist) so hat man es mir mehr Bruchstücken zu tun die größere Chancen haben vollständig zu verglühen bevor sie den Erdboden erreichen.

Ich denke es gibt zwei "konventionelle" Möglichkeiten sich zu schützen: Das eine ist es eine konventionelle Raketenstufe auf dem Asteroiden zu landen und diese dann zu zünden um entweder Kurs oder Geschwindigkeit zu verändern und das zweite ist es langfristig dies durch kleine Veränderungen (langsame Ablenkung) zu tun.

Nehmen wir das erste. Wir könnten z.B. mit einer Raumsonde eine PAM-D Oberstufe auf dem Asteroiden landen und sie zünden. Ein Star 48 Antrieb hat einen Gesamtimpuls von 5,8 Millionen Newton. Einen 10.000 t Asteroiden kann sie damit um 0,58 m/s beschleunigen. Es gibt nun zwei Möglichkeiten:

Wir verlangsamen ihn um 0,58 m/s. Da die Erde sich mit 29,8 km/s um die Sonne bewegt, würde es ausreichen, dass die Raumsonde um 437 s später den Passagepunkt erreicht und die Erde wäre um einen Erddurchmesser weiter links oder rechts. Wann muss dies erfolgen? Nun 0,58 m/s / 18000 m/s * 437 s = 13,56 Millionen Sekunden vor der Passage. Das sind 157 Tage. Die Berechnung ist stark vereinfacht, weil die Geschwindigkeit nicht konstant ist auf der anderen Seite muss auch eine Raumsonde erst mal den Asteroid erreichen und das dauert. So gesehen müsste man ihn auf jeden Fall vor dem Zeitpunkt von 157 Tagen entdecken und eine Abwehrmission starten.

Das zweite ist, dass wir ihn seitwärts ablenken. Das ist allerdings weitaus weniger effektiv. Hier müssten wir schon 25,8 Millionen Sekunden vorher eine Maßnahme starten. Das sind dann über 8 Jahre,

Das zweite ist eine sehr langsame Beschleunigung. Dies kann z.B. durch Ionentriebwerke erfolgen, aber auch den Strahlungsdruck des Lichts. Zuerst zum letzteren. Licht hat einen geringen Strahldruck von 4,5 N/km² bei ungerichteter Reflexion, wie sie durch Farbe erfolgt. Würden wir den ganzen Asteroiden weis streichen, so dass der Reflexionsgrad von 0,2 auf 0,7 ansteigt, dann würde jede Sekunde der Strahlungsdruck um 5.1x10-12 N beschleunigen. Das ist wenig. Doch wenn wir damit wie oben etwas später an der Erde vorbeifliegen wollen, müssen wir den Passagepunkt um 7866 km verschieben. Nach S=½ a*t² ist das allerdings erst nach 1,75 Milliarden Sekunden der Fall, also fast 56 Jahren - keine Alternative.

Eine zweite Möglichkeit wäre ein Ionenantrieb. Nehmen wir Raumsonden mit einem Ionenantrieb mit derselben Masse der PAM-D (etwa 2300 kg), wobei beim Einsatz modernster Solarzellen und des RIT-XT Triebwerks etwa 30 Triebwerke und 615 kg Treibstoff erforderlich, wären um in 70 Tagen den Asteroiden ausreichend zu verlangsamen. Das geht also deutlich schneller.

Beide Maßnahmen wären ausreichend wenn man ihn rechtzeitig vorher entdecken kann, und da kommt nun die Einschränkung. Wenn der Asteroid eine Umlaufbahn von der Erde bis in 350 Millionen km Entfernung hat, dann ist er 100 Tage vor der Entdeckung noch 60 Millionen km außerhalb und 257 Millionen km von der Erde entfernt. Er ist dann nur ein Objekt 29,6-ter Größe. (Albedo des Mars als Basis genommen) Zwar können Teleskope wie das VLT ein Objekt noch von 32.-ster Größe bei einer Belichtungszeit von 1 Stunde nachweisen, doch sie decken dann nur einen kleinen Teil des Himmels ab und eine systematische Durchmusterung ist so nicht möglich. PAM-STARRS, derzeit in aller Munde, weil ein Komet den man durch das Teleskop entdeckt nun seine erdnahe Passage hat (leider in Deutschland nicht oder nur schwer zu beobachten) soll in einigen Jahren alle größeren Objekte (>100 m Durchmesser erfassen). Es ist ein 1,8 m Teleskop, also für ein Großteleskop eher klein, für eine Durchmusterung eher groß. Doch für PAN-STARRS wäre selbst bei einer 1 Stundenbelichtung das Objekt zu lichtschwach. Es müsste dann eine Größenklasse größer sein und PAN-STARRS belichtet nicht eine Stunde lang, sonst würde man nicht die Durchmusterung schaffen. (Das Teleskop soll pro Nach 6000 Grad² schaffen, das läuft auf eine Belichtungszeit von etwa 3 Minuten hinaus)

Für so kleine Objekte braucht man eine Durchmusterung die schneller ist also den ganzen Himmel schneller absucht. Das kann man erreichen durch viel mehr Teleskope (wohl nicht finanzierbar oder zumindest nicht bis ein Meteorit über New York niedergeht) oder kleinere Teleskope mit einem größeren Gesichtsfeld. Das Atlas Projekt will mit kleinen Teleskopen (24 bis 50 cm Klasse, also das was im gehobenen Amateurbereich üblich ist) schneller den Himmel durchmustern - je kleiner das Teleskop, desto größer der Ausschnitt aber auch desto niedriger die Empfindlichkeit. ATLAS wird einen 100 m Brocken etwa 3 Monate vor dem Einschlag entdecken, unseren 10 m Asteroiden aber nur eine Woche vorher. Damit scheiden nicht nur die obigen Maßnahmen aus (außer der Atombombe), das wäre bei den heutigen Entscheidungsstrukturen auch schwer umsetzbar. Bis wir eine Rakete mit dem Atomsprengkopf gestartet haben, selbst wenn das Ding schon startbereit vorliegt vergeht viel mehr Zeit. Für das Ziel zwanzigmal mehr Zeit also ein Halbes Jahr zu haben braucht man zum einen 20-mal größere Teleskope (5 bis 10 m Klasse) und dann weil das Gesichtsfeld im Quadrat absinkt rund 400 mal mehr davon ....

Selbst dann würden wir nur nicht alle Asteroiden entdecken, denn was von der Sonne kommt, also am Tag einschlägt, kann kein Teleskop detektieren. Als Lösung wurde ja schon vorgeschlagen einen Satelliten in eine Umlaufbahn zwischen Erde und Sonne, z.b. in Venusentfernung zu schicken. Er müsste wie ATLAs mit vielen kleinen Teleskopen ausgestattet werden um den Raum zwischen Erde und Sonne dauerhaft abzusuchen.  Auch der Tscheljabinsk Einschlag war vond er Sorte, er schlug am Tag ein und wurde nicht vorher entdeckt. Die Rekonstruktion der Bahn erfolgte durch Bilder der Lichtspur wie z.B. von Meteosat 9.

Meine Meinung: Wir werden uns gegen solche Brocken kaum schützen können. Wir haben schon Probleme zehnmal größere Asteroiden zu entdecken bevor sie die Erde passiert haben (oftmals wurden sie erst danach erkannt). Das galt auch für 2012 DA4 dessen Passage vorhergesagt wurde - er wurde schon ein Jahr vorher entdeckt nachdem er die Erde damals in 2,6 Millionen km Entfernung passiert hatte.  Mit einer systematischen Durchmusterungen und mehr Observatorien wie PAN-STARRS werden wir vielleicht in überschaubarer Zeit fast alle Objekte >100 m entdecken. (Ausnahme: die auf sonnennahen Bahnen, die die Erdbahn nur berühren und so von uns aus gesehen immer nahe der Sonne sind) aber dei 10 m Brocken sind 100-mal lichtschwächer und dürften dieser Durchmusterung größtenteils entgehen (außer sie sind gerade in Erdnähe).

Was nun läuft ist eben politischer Aktionismus nichts mehr. Wenn aber ein weiteres Projekt wie PAN-STARRS herauskommt, das auch durchaus ernsthafte Forschung betreiben kann nützt es schon was.

21.3.2013: Miese Werbung - Deso

Also schlechte Werbung gibt es ja zuhauf. Aber was mir besonders übel auffiel war die Werbung von Deseo, einem freiverkäuflichen Präparat. Originalzitat aus der Werbung "Für Männer mit Potenzstörungen und Frauen mit sexueller Unlust". Was mir aufstieß war die "sexuelle Unlust", doch dazu noch mehr. Also besuchte ich mal die Website wo viel drum herum geredet wird. Um was es sich handelt wird aus dem Beipackzettel deutlich. Es ist ein Extrakt aus der Pflanze Damiana, (Turnera diffusa nach systematischer Nomenklatur). Schon in der Wikipedia wird zwar von Heilwirkung gesprochen, aber die vom Hersteller reklamierte Wirkung als Aphrodisiaka bezweifelt, es soll aber eine pharmakologische Wirkung und ein Missbrauch als Rauschmittel gegeben sein.

Nun die Gefahr liegt hier nicht vor, denn das Mittel ist homöopathisch, mit der Potenzierung D4. Es wurde also um 104 verdünnt, die Ziffer nach D entspricht der Zehnerpotenz mit der verdünnt wurde, das ist der Faktor 10.000. In den 50 ml sind also maximal 5 Milligramm Wirkstoff, was eine direkte pharmakologische Wirkung ausschließt, doch Homöopathie und vor allem Potenzmittel wirken ja vor allem durch den Placebo-Effekt. Nur würde ich dann dafür keine 50 Euro für 50 ml Alkohol/Wassermischung ausgeben. Dann ist es wenn man von dem Konzept der Homöopathie überzeugt ist, billiger sich eine Pflanze auf dem Balkon anzubauen und die Blätter direkt zu verarbeiten. 1 g Extrakt, das ist wohl eher wenig würden bei der Potenzierung für 10 l ausreichen. Eine kleine Recherche ergab, dass in einem Shop 100 g Kraut 3,70 Euro kosten. Der Wirkstoffgehalt liegt bei 0,2 bis 0,9%, das bedeutet in den 100 g sind dann 0,2 bis 0,9 g Wirkstoff enthalten oder so viel wie in 40 bis 160 Fläschchen Deseo. Bei der Ersparnis von 99,8% (2000 bzw. 8000 gegenüber 3,70 Euro für das Kraut Euro sind auch noch fünf Flaschen Rum drin, in die man nach mexikanischem Rezept die 100 g Kraut löst.

Was mich aber vor allem an der Werbung stört (jeder kann sein Geld mit unwirksamen oder überteuerten Präparaten verdienen, siehe die letzte Kritik in dieser Weise zu Zentrum) ist die Formulierung "und bei Frauen bei sexuelle Unlust". Das klingt wie ein Rückfall ins 19.te Jahrhundert. Ja "Mann" will immer, kann aber nicht immer. Und bei Frauen ist es dann sie sexuelle Unlust, die man durch ein Präparat das im "Unterleib" die Durchblutung fördert, begegnen kann. Ja wo leben wir den? Lust auf Sex fängt primär im Gehirn an, hat was mit Stimmung, Stress und vielleicht auch mit dem Partner zu tun. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand gerne Sex haben möchte, alles sonst passt, ein schöner Abend mit einem romantischen Diner, man ist in der Stimmung und dann hat die Frau "sexuelle Unlust", weil die Durchblutung im Unterleib nicht stimmt. Das hört sich für mich wie ein Rückschritt in das Viktorianische Zeitalter an "Mach die Augen zu und denk an England....". Selbst wenn es ein Symptom der mangelnden Durchblutung des Unterleibs gäbe (noch nie was davon gehört), dann fielen mit einige Sexualpraktiken ein, mit denen man die Durchblutung anregen könnte ohne Mittelchen einzunehmen. Es fehlt nur noch, dass der Hersteller auch noch ein Mittelchen gegen die Frigidität erfindet...

Diese Werbung ist dermaßen Frauenfeindlich, dass man richtig froh sein muss das Gamma-Hydroxi-Buttersäure heute wegen des Mißbrauchs als Droge eingestuft wird. Auch diese wirkt in kleinen Mengen als Aphrodisiaka, hat in größeren Mengen aber die Wirkung einer "Knock-Out" Mittels, das bedeutet die Person wird weitgehend willenlos und so hat GDB eine traurige Bekanntschaft als Vergewaltigungsdroge erlangt. Dieser Hersteller würde sicher auch GDB gegen sexuelle Unlust empfehlen, nur mit höherer Dosierung bei Frauen, die geben ja dann ihre Unlust auf....

Ansonsten ist das Geschäftsmodell toll, mit nichts kann man so viel Geld verdienen wie mit Aphrodisiaka. Wenn man dann auch nicht mehr die Mittel pur verabreicht, sondern nur in homöopathischer Dosierung, dann verkauft man eine 52% Industriealkohol-Wassermischung für 50 Euro pro 50 ml, also den Liter für 1000 Euro. Das ist bei Kosten für den Alkohol von etwa 1-2 Euro pro Liter und dann noch etwas für Fläschchen und Verpackung und die Handelsmarge immer noch ein Gewinn von über 1000%. Das ist fast so einträglich wie Wasser aus Stadtwerken als "Bon Aqua" zu verkaufen....

22.3.2013: Nutzlasten für die SLS - Teil 2

In meiner kleinen, lockeren Serie, wofür man die SLS verwenden kann, schließlich gibt es ja kein bemanntes Programm das sie erforderlich macht, heute ein Doppelstart: der der geschenkten NRO Teleskope. Die NASA bekam letztes Jahr von der NRO zwei Teleskope geschenkt die wohl für ihre KH-12/13 geplant waren. Man weiß nicht viel über die Teleskope, sie sollen nur den Durchmesser des HST haben, aber eine kürzere Brennweite, also Weitwinkelinstrumente sein, wie sie bei Satelliten auch sinnvoller sind die die Erde beobachten.

Nun wog Hubble 11,6 t. Wir wissen nicht wie viel Satelliten mit dem neuen Teleskop wiegen werden, doch denke ich eher weniger. Zum einen ist der Tubus kürzer, wegen der kleineren Brennweite. Zum anderen hat Hubble noch einen massiven Spiegel, heute  verwendet man entweder das leichtere Siliziumkarbid (Herschel) oder ausgehöhlte Spiegel (Kepler). Das HST wiegt 11,6 t. Die Chancen stehen also gut, dass ein besser ausgestattet Teleskop nicht mehr wiegt.,

Die SLS soll 25 t auf eine Fluchtbahn transportieren können, damit könnte man beide Teleskope auf eine Fluchtbahn starten. Warum Fluchtbahn? Nun im optischen macht ein Hubble 2 nur wenig Sinn. Hier haben irdische Teleskope in der Auflösung aufgeschlossen. In der Öffnung übertreffen sie das HST sowieso. Sinnvoll sind IR-Untersuchungen, die sind zum einen wegen der Filterwirkung der Atmosphäre bei uns schwer möglich, zum anderen kann man zwar bei einem Großteleskop die Detektoren kühlen, nicht jedoch die Spiegel. Dadurch ist die Empfindlichkeit bei größeren Wellenlängen beeinträchtigt.

Im Weltraum hat man die Probleme nicht. Allerdings gibt es in einer erdnahen Bahn noch die Erde als IR-Quelle, schließlich strahlt die Erde IR-Strahlung mit einem Maximum bei etwa 11 µm ab. IR-Satelliten sind daher sukzessive immer weiter von der Erde abgerückt. IRAS war noch auf einer niedrigen Erdumlaufbahn, ISO auf einer GEO-Bahn, Spitzer und Herschel sind auf Sonnenumlaufbahnen. Die Sonne strahlt zwar intensiver, ist jedoch eine punktförmige Lichtquelle, anders als die Erdscheibe bei einer niedrigen Umlaufbahn. Man kann sich relativ einfach gegen die Sonnenstrahlung mit einem Schild schützen, der weiß angestrichen ist und so 90% des Lichts reflektiert. Mit einem Abstand zum Satelliten hat man dann eine tolle Vakuumisolation. Das JWST wird so eine Technik einsetzen und kommt ohne Kühlung aus. Bei der Erdscheibe die auf einer niedrigen Umlaufbahn fast eine Hemisphäre ausmacht, ist das nicht möglich.

Verglichen mit dem JWST werden die beiden Teleskope kleiner sein, aber sie können doppelt so schwerer sein, was eine aufwendigere Instrumentierung ermöglicht. Denkbar wäre auch eine aktive Kühlung wie bisher schon bei Satelliten eingesetzt. Bisher verwendet man dazu Helium um ganz tiefe Temperaturen zu erreichen. Doch wenn man sich mit 20 K zufrieden gibt kann man Wasserstoff einsetzen und für Wasserstoff gibt es zumindest experimentell Rückverflüssigungsanlagen für den Weltraum (gedacht für Oberstufen). 20 K ist um ein vielfaches wärmer als die mit Helium erreichbaren Temperaturen, aber es ist immer noch erheblich kälter als die 70 K die das JWST erreichen soll.

Eine Alternative ist es eines der beiden Teleskope zur UV-Beobachtung umzurüsten. Das UV-Bereich, der Spektralbereich zwischen Sichtbarem und Röntgenbereich ist ein bisschen vernachlässigt. Zugegeben spielt sich viel im Universum bei sehr großen Energien also Röntgenstrahlen und Gammastrahlen ab, oder es ist so kalt, dass man IR-Strahlung hat wie bei Molekülwolken. So gab es anders als bei anderen Spektralbereichen seit dem 1978 gestarteten IUS keinen spezialisierten UV-Satelliten mehr. Das könnte man nachholen. Optisch eignet sich ein Spiegelteleskop genauso gut für die UV-Beobachtung.

Eine SLS könnte beide Teleskope mit je 12,5 t Gewicht zusammen befördern. Bei einer Größe des Nutzlastraums von 8,38 m passen auch beide nebeneinander hinein. Ein idealer Punkt wäre der Librationspunkt L2, 1,5 Millionen Kilometer jenseits der Erdbahn. Dort befindet sich eine Sonne im Erdhalbschatten, was auch die Sonneneinstrahlung reduziert. Die Kommunikation ist einfach, es gibt pro Tag über 8 Stunden Funkverbindung und es ist noch nicht so weit entfernt als dass man riesige Antennen oder starke Sender bräuchte.

Eine alternative, die ich aber nicht durchrechnen kann wäre für nur ein Teleskop ein "schwarzer Orbit". Den habe ich bei Ruppe gefunden, leider ohne Bahnangaben. Es soll ein Orbit um den Mars sein, bei dem ein Satellit permanent im Marsschatten ist. Er wäre ideal für IR-Observatorien. Die Stromversorgung müsste durch RTG erfolgen, doch wenn man die mit einem Ausleger weit genug von dem Satelliten wegbringt, dann ist das kein Problem. Bei 1 kW elektrischer Leistung reden wir von 5 kW thermischer Leistung (bei SRG) die in 20 m Entfernung nur noch 4 Watt/m² sind. Das kann man gut abschirmen. Zusätzlich würde man einen Kommunikationssatelliten benötigen, da wahrscheinlich den größten Teil der Zeit es keine Funkverbindung zur erde gäbe. Doch ohne Bahndaten ist das schwer durchrechenbar. Als Vorteil wären ohne aktive Kühlung sehr tiefe Temperaturen möglich.

29.3.2012: Buchkritik: Ben Evans: Space Shuttle Challenger

So als kleine Unterbrechung (ich warte noch auf die Rätselauflösung) heute eine kleine Buchkritik. Das heutige Buch habe ich für wenige Euro von Bargain Books gekauft, sonst hätte ich es mir wohl nicht gekauft, weil mein Interesse weniger Missionen und Astronautenstories als der Technik gilt.. Wie der Untertitel verrät "Ten Journeys into the Unknown" geht es weniger um die Raumfähre, als vielmehr um ihre 10 Missionen.

Was ich nicht wusste: es geht nur um die Missionen. wer wie ich auch gerne etwas über die technische Seite wissen will, wird schwer enttäuscht sein. Daten über Challenger und sei es nur über die Dinge die auch die Besatzung angehen (wenns schon um die Missionen geht) wie z. B. wie die Astronauten dort leben, wie die Decks aufgegliedert sind etc. fehlen. Stattdessen findet man detailliert die sich in der Vor-Challenger-Desaster Zeit laufend ändernde Missionsplanung erläutert und eben was die Astronauten so gemacht haben, ohne aber auch hier sich mit technischen Details zu befassen. Nicht mal etwas über die Nutzlastgewichte, die befördert wurden.

Das ganze zieht sich leider bis zum Schluss durch, selbst bei der Challenger Katastrophe findet man eben alles nacherzählt. Das geht deutlich besser, wie Jesco von Puttkamer schon vor 20 Jahren beweis. Er hat sowohl die Vorgeschichte der O-Ringe wie auch das Ereignis (millisekunden-)genau erläutert und zwar so dass es jeder verstehen würde. Das Buch endet mit den geplanten Missionen der Challenger für 1986 und 1987, aber die Aufarbeitung von Challenger, die Folgen für die NASA, alles was die Roger Kommission fand und empfahl, fehlt.

Auch über den Hintergrund des Shuttle Programms vor dem 28.1.1986 erfährt man wenig. Sicher kommt der Autor nicht umhin die sich laufend wechselnde Planung zu beschreiben, aber der Hintergrund, die Ausrichtung auf immer mehr Missionen, immer mehr kommerzielle Transporte, eine immer höhere Startrate, die selbst mit dem Programm Vertraute, nicht für möglich halten und die Auswirkung auf die Sicherheit fehlt weitgehend.

Wer gerne Astronautengeschichten liest, darf zugreifen, es ist aber nacherzählte Geschichte, wenig direkte Rede, wenig Zitate. Doch auch diese sollten sich klar machen, dass sie ein sehr unkritisches Buch gekauft haben. Es ist zwar weit weg von Heldenverehrung, aber es hat Chancen vergeben jenseits des Untertitel das Shuttle Programm zu beleuchten.

Wenn man auf Missionsbeschreibungen steht, dann kann man je nach Gusto zwischen 3 und 4 Amazonsterne vergeben.

30.3.2013: Das Ende der Bescheidenheit

So, am Donnerstag Abend habe ich mein letztes Raumfahrt-Buchprojekt abgeschlossen. Es gab am Schluss nochmal Probleme, weil im Korrekturblock viele Linien bei Tabellen, wie schon beim Diätbuch fehlten. Dann habe ich gut 300 der 420 Tabellen mit stärkeren Linien versehen und wie immer spielte dann die Formatierung verrückt und der Umfang wuchs durch wild eingestreute Leerseiten mal auf 728 mal auf 890 Seiten an. Ja ja jetzt kommen sicher wieder einige mit Latex, doch das ist für mich keine Alternative, weil ich mich jetzt zum einen nicht noch in was anderes einarbeiten will, zum anderen es ja schon fertig ist (und auch fertig formatiert) und als drittes ich ohne Dudenkorektor kein Buch schreiben will, da wird wenigstens ein Teil meiner Rechtschreibfehler gefunden.

Sicher hätten dem Buch auch noch einige Korrekturdurchläufe gut getan. Diesmal waren es wie beim Vorgängerwerk nur zwei, anstatt vier bis fünf, und Korrekturleser hat es auch keine gesehen. Der Grund ist aber relativ einfach: die Zeit. Normalerweise lese ich ein Buch in maximal einer Woche zur Korrektur (7 Tage mal 8 Stunden), für dieses Buch brauche ich drei Wochen pro Durchgang. Es ist ist um 220% umfangreicher als das bisher umfangreichste (Skylab), um 260% umfangreicher als die erste Auflage und wenn ich das in zu kurzen Abständen mache, werde ich betriebsblind gegenüber Fehlern, denn man hat den Text erst ja vor kurzem gelesen, dann wird er schon richtig sein. Kurzum: für weitre Korrekturläufe müsste ich es einige Monate "ruhen lassen". Korrekturleser scheiden bei den Erfahrungswerten von 3-6 Monaten pro Korrektur für ein 200 bis 300 Seiten Buch auch aus. Dann kann ich leicht ausrechnen das ein Korrekturlesen für das Buch ein bis zwei Jahre braucht und dann erscheint es wohl erst 2016....

Egal, das letzte Raumfahrtbuch ist abgeschlossen. Dabei bleibt es auch, sofern sich nichts ändert, also mit Bestimmtheit dieses Jahr. Vielleicht auch für immer. Das hängt von den Verkäufen ab. Sie müssten schon signifikant ansteigen. Wenn es so bleibt wie jetzt, dann ist das Mammutwerk ein würdiger Abschluss. Ich habe Norbert Brügge, weil ich von ihm Grafiken verwenden konnte, ein PDF zukommen lassen und er bezeichnet es als eine "irre Fleißarbeit" . Ich selbst habe mir gedacht: bei allen meinen Büchern habe ich in den Katalogbeschreibungen immer den Inhalt angegeben, bescheiden, informativ. Zum Abschluss mal keine Bescheidenheit, aber wartet nur bis das Buch erscheint, dann könnt ihr es bei Amazon & Co selbst nachlesen.

Da hat im Hintergrund auch noch die Kritik des DLR Pressesprechers Andreas Schütz über die erste Ausgabe noch gewirkt. Derselbe Rezensent hat ein Buch eines Plagiators, das im Prinzip meine Website mit den Daten von Astronautix.com als Buch verwurstet hat, hoch gelobt. Und dieser Plagiator bezeichnet sich ja als "ausgewiesenen Fachmann". Also wer bescheiden ist, macht wohl was falsch. Also Schluss mit der Bescheidenheit. Es ist das beste Buch zu dem Thema auf dem Markt, es ist zumindest das Buch auf das ich sehr stolz bin (dazu gehören noch die beiden über europäische Trägerraketen), aber mit Sicherheit ist es das arbeitsintensivste das ich jemals geschrieben habe. Drei Jahre habe ich dran gearbeitet, die letzten sechs Monate mit nur kleinen Unterbrechungen am Stück, zuletzt so viel, dass ich nicht mal mehr gebloggt habe und einen Stapel Klausuren von letzter Woche habe ich auch noch zu korrigieren....

Es wird nachdem BOD endlich mal seine e-book Konditionen überarbeitet hat nun auch endlich zu einem fairen Preis als e-book erscheinen: dort kostet es nur 27,99 anstatt 54,90 Euro, was ich für ein faires Verhältnis halte. Vorher war mit die Preisgestaltung von BOD viel zu hoch, weshalb ich einige Bücher ja selbst auf Amazon veröffentlicht habe (nur dort geht es als Autor ohne ISBN, bei Apple leider nicht und libri und andere Plattformen sehen eine Veröffentlich durch Autoren gar nicht vor)

Okay, morgen gibts einen neuen Blog - wenn wir grade bei Büchern sind, zu meinen Vorstellungen über einen e-book Reader wie er mir gefallen würde.

31.3.2013: Hässliche Raketen

Das heutige Thema kam mir bei der Endfassung meines Buches. Zuletzt habe ich wo es noch ging, Lücken mit Bilder und Diagrammen gefüllt. Als noch drei Seiten frei waren, weil es immer ein vielfaches von vier sein muss und ich nicht um eine Seite einzusparen, nochmals das ganze Layout umschmeißen wollte, war klar von welcher Rakete die Fotos für zwei weitere Seiten waren: Der Saturn V. Sie ist nicht umsonst auch auf dem Titelbild zu sehen, denn die Saturn V ist meine Lieblingsrakete. Nicht weil sie die größte je gebaute war, sondern weil sie so ästhetisch ist. Sie ist schlank, aber nicht dürr, sie nimmt im Durchmesser langsam nach oben ab und mit dem Fluchtturm sieht sogar noch majestätischer aus (mit einfacher Nutzlastverkleidung wie bei Skylab verliert sie schon viel von ihrem Sex-Appeal).

Danach kommt Ariane 1, auch sie hat eine schlanke leicht abnehmende Form und mit ihrer Nutzlastverkleidung sieht so sogar etwas putzig aus. Auch hier mögen persönliche Gründe mitspielen, denn als sie operationell wurde, begann ich mich gerade für Raumfahrt zu interessieren und ich fieberte bei L03 mit, nachdem der zweite Start fehlschlug. So gefiel mir auch die Titan IIIE besonders gut, weil sie nur Raumsonden startete, darunter meine Lieblinge Voyager 1+2, aber sie ist nicht wirklich ästhetisch.

Was ist nun eine ästhetische Rakete?

So gesehen ist die Saturn V die nach meinen persönlichen Kriterien die idealste Rakete. Natürlich gibt es jede Menge die nicht so aussehen. Nicht nur heute, sondern auch früher. Als Beispiele seien die Juno II, die ersten Thor-Deltas, die Atlas Able oder Titan 3C genannt. Was mir aber auffiel ist, dass in letzter Zeit nur noch solche Träger gibt. Die Minotaur Familie, Taurus, Liberty, Ares V, Ares I, Falcon heavy. Was mich persönlich ärgert ist, dass auch die Ariane 5 in diese Kategorie fällt.

Wie die Raketen entstehen ist relativ einfach. Die Basismuster gehorchen oft noch dem Ideal, da es auch den Vorteil hat einen geringen Luftwiederstand aufzuweisen und damit geringe dynamische Lasten bei Max-q. Dann baut man Booster dran, die Nutzlastverkleidung wird größer oder man verlängert die Stufen oder führt neue ein. Zack hat man breite Ungetüme wie die Titan 4 oder lange Spargel wie die Falcon 9 "v1.1". Da dies ja heute die Standardmethode ist, gibt es so viele hässliche Raketen.

Was meint ihr dazu und was sind eure ästhetischsten und hässlichsten Raketen?


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