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Web Log Teil 317: 2.4.2013 -

1.4.2013: Boeing kauft zwei ATV

Das wurde gestern bei einer Pressemitteilung laut, als die NASA einen Supply Contract mit Boeing ankündigte. "To maintain the supply of the station after 2015 Boeing got a contract valued with 1080 Mill. $ for providing 14 t of Cargo". Erst auf Nachfrage gab es eine kleine Pressenotiz, dass Boeing nicht plant, selbst einen Frachter zu entwickeln, sondern zwei ATV in Europa zu kaufen. Wie bekannt gibt es ja noch Bauteile für zwei ATV, doch die ESA lehnte es ab weitere Exemplare zu bauen, und hat stattdessen mit der NASA die Lieferung von zwei Service-Modulen für die Orion aka MPCV ausgehandelt. Inoffiziell hieß es nur der Nachbau wäre nicht herausfordernd genug.

Ofensichtlich denkt man jenseits des Atlantiks pragmatischer. Boeing bewarb sich schon beim CRS Kontrakt mit einer US-Version des ATV, unterlag damals aber der Ausschreibung. Nun scheint die NASA auf dieses Angebot zurückgekommen zu sein. Boeing hat sich wohl in den vergangen zwei Wochen versichert, dass die ATV noch gebaut werden können und dann zugesagt. "The ATV is an amazing Space Tug, its the most versatile Transporter and the most powerful, so it was our nature choice". Allerdings wird Boeing nur die Servicemodule kaufen, die allerdings auch das technologische Kernstück sind. Anstatt dem Cargo Behälter will man die beiden noch verbliebenen MPLM Raffaelo und Donatello starten. Der Grund liegt darin, dass durch die Anhebung der ISS Bahn nun viel weniger Treibstoff benötigt wird, mit jedem MPLM aber rund 9 t anstatt nur 3 t Trockenfracht transportiert werden können. Damit werden auch die ATV-06 und 07 nicht am russischen sondern US-Segment andocken. Eines der beiden MPLM könnte auch an der Station verbleiben, dafür gibt es noch einen freien Kopplungspunkt an Tranquality.

Über die Trägerrakete wurde nichts verlautbart, aber wahrscheinlich wird die Delta 4H zum Einsatz kommen. Sie könnte mit 22,8 t Nutzlast sowohl ein vollbeladenes MPLM (14 t) wie auch das Avionikmodul des ATV (5,5 t ohne Treibstoff) befördern. Möglich wäre auch die Atlas 552 bei etwas weniger Fracht (maximal 20,5 t Nutzlast)

Sehr erstaunt war man über den Deal bei der ESA, die offensichtlich aus allen Wolken gefallen ist. Ein DLR Sprecher kommentierte dies so: "Es ist hinter den Kulissen schon lange einiges am Gären. es ist ein offenes Geheimnis, das die NASA mit dem CRS Programm sehr unzufrieden ist. OSC und SpaceX hinken beide drei Jahre hinter den Planungen hinterher und SpaceX hat in zwei Flügen nicht mal so viel Fracht transportiert wie bei einem Flug durchschnittlich angeliefert werden konnte. Das die ESA aus dem Transport aussteigt hat die Situation ab 2015 verschärft, denn ohne die ATV fehlt ein Drittel der Fracht weg. Da hat man wohl endlich eine pragmatische Lösung gesucht, nachdem bisher die Versorgung der ISS mehr als Technologiespielwiese und Förderprogramm galt".  Elon Musk twitterte gestern. "Sad day for SpaceX. Extended Supply contract cancelled by NASA".

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache. Das war mein letzter Blog-Beitrag zum Thema Raumfahrt und auch der letzte Beitrag zu dem Thema auf der Website. Ich habe ja schon mehrfach geschrieben, dass ich vieles schon mehrfach angesprochen habe und irgendwann sind die Themen die aktuell anliegen ausgelutscht. Bei den Gebieten die mich interessieren habe ich auch alles schon geschrieben, sowohl über Träger wie auch Raumsonden. Dann bin ich über den Kommentar von Ferdi gestolpert, der es toll fände wenn ich aufhöre, und fragte mich: warum eigentlich nicht? Alles ist geschrieben und ich bin sowieso der einzige der in dieser Regelmäßigkeit zu dem Thema blogt. Daneben nehmen einem viele übel dass ich vieles kritisieren. Offenbar muss man in der Raumfahrt alles toll finden. Es heißt ja auch Raumfahrtfan und da ich immer auch meine Meinung schreibe, stößt da einigen übel auf. Ansonsten gibt es nur Portale die Pressemittelungen zusammenfassen oder es werden positive Visionen verbreitet. Ein bekanntes deutschsprachiges Portal vermeidet ja seit langem jegliche Links auf mich, und wenn in dem angeschlossenen Forum doch jemand einen bringt, kann man drauf wetten das gleich ein Mitglied drauf verweist, dass man bei mir auch Meinung findet. Das ist also was ganz schädliches, außer sie wäre natürlich Jubel. Ich will mich von jetzt ab auf das konzentrieren was viel mehr Leuten wichtig ist, nämlich Ernährung und Computer.

2.4.2013: Der E-book Reader für mich

Ich habe mich ja schon mehrmals mit ebook Readern beschäftigt und ich sehe in der S-Bahn immer mehr Leute die einen haben. Doch für mich sind die Geräte nichts, und das kann ich auch begründen.

Fangen wir mal mit meinen Lesegewohnheiten an. Ich lese fast nur Fachbücher, inzwischen über Raumfahrt fast alles nur in englisch, bei Astronomie und Ernährungslehre auch in Deutsch. Natürlich lese ich oft wenn es ein Thema ist von vorne bis hinten, wenn es um eine Geschichte geht. Geht es mehr in Richtung Lehrbuchcharakter, so lese ich eigentlich nur was ich gerade brauche und schaue da im Stichwortverzeichnis nach. Bücher die ich kenne, kann ich meistens sehr gezielt aufschlagen, das heißt ich weis bis auf wenige Seiten genau wo die Information steht und kreise dann die Fundstelle ein. Das geht schneller als mit dem Computer, weshalb ich auch öfters zu meinen eigenen Büchern greife, auch wenn die Luftlinie 6 m von mir entfernt sind. (Eine Triebkraft hinter meienn Büchern ist natürlich auch, ass sie alles enthalten was ich selbst wissen will, denn das vergisst man ganz schnell wieder).

Fachbücher enthalten viele Tabellen und Grafiken, oft auch Fotos.

Und nun kommen die heutigen e-book Reader mit ihren Fähigkeiten. Das sie nur Schwarz-Weiß sind stört mich nicht, auch dass sie Bilder so rastern müssen ist mir egal. Aber was bei der Darstellung schon hinderlich ist ist die kleine Auflösung. Die größten haben 1000 x 750 Pixels. Da gehen schon die Tabellen, die ich in meinen Büchern verwende nicht drauf. (ich weiß das, weil ich ja einige Bücher für den Kindle publiziert habe und da kann man sie sich im kindle previewer ansehen), von Graphiken ganz zu schweigen. Klar sie sind so klein wie ein Taschenbuch, doch wenn ich die meisten Bücher die ich habe auf dieses Format reduzieren würde, dann würde ich diese auch nicht mehr lesen können.

Forderung Nr. 1: Die Darstellung muss größer werden. Ich schlage DIN-A5 als Kompromiss vor, das sind 10,1 Zoll Diagonale. Die meisten haben derzeit nur 5 bis 6 Zoll. Damit hat man dann auch den Platz für eine ansprechende Darstellung.

Forderung Nr. 2: PDF als Standardformat. Viele Reader können pdf anzeigen, die meisten Formate basieren aber auf html. Das bedeutet z.B. für mich als Autor, dass von meinem Layout nichts mehr übrig bleibt. Natürlich ist es für einen Roman egal, der wird ja auch wenn eine andere Auflage erscheint, umgebrochen, doch wer Bücher schriebt die Tabellen und Bilder enthalten diese genau zum Text justiert und dann wird alles auseinandergebrochen der ärgert sich. PDF sollte als zweites Standardformat etabliert sein, wenn eine ganze Seite nicht darstellbar ist dann eben in zwei Teilen mit Scrollen. Am Speicherplatz kanns nicht liegen. Selbst PDFs mit vielen Bildern sind relativ klein. Das letzte Buch mit 250 Bildern und fast 700 Seiten hat als PDF gerade mal 80 MB Größe. Das ist bei der Möglichkeit heute eine SD-HC Karte für ein paar Euro mit zig Gigabyte einzuschieben doch dann wirklich kein Problem mehr

Forderung 3: Eine schnelle Suche muss verfügbar sein. Wenn ich pdfs lese, dann meistens nur den Teil den ich brauche, dann suche ich danach, Natürlich kann man schon heute suchen, doch mit den Eingabemöglichkeiten ist das eine Qual. Bei DIN-A5 würde der Platz für eine vollwertige Tastatur reichen, eben ohne Zifferblock. Die kann man auf der Innenseite des Deckels anbringen und dann klappt's auch mit der Suche.

Was es nicht sein muss ist ein Tablett PC. Okay Farbe wäre schön, aber wenn ich da an die Akkulaufzeit denke reicht mir e-ink auch und zu was anderem will ich das Gerät auch gar nicht (wenn ich surfen will gehe ich an den Computer, für Musik ist ein mp3 Spieler viel geeigneter un handlicher und Fernsehen schaue ich nicht mobil). Ich denke dass das machbar ist. Man braucht nur ein größeres Display, eine kleine Tastatur und vielleicht einen bessere Prozessor um pdf anzuzeigen. Dafür kann das Gerät dann auch gerne 200 bis 250 Euro kosten, das wäre es mir wert meine pdf Sammlung schnell verfügbar zu haben.

Was ich gewiss nicht machen würde, wäre ebooks zu kaufen, zumindest keine mit DRM. Wenn ich etwas nur elektronisch verfügbar habe ist das eine Sache, doch wenn ich die Wahl habe so komme ich immer auf das Buch. Das ist unabhängig von technischen Defekten, leidet nicht an Gedächtnisverlust und ist jahrzehntelang ohne Einbußen nutzbar. Ich habe Bücher von Anfang der Achtziger Jahre. Zur gleichen Zeit habe ich meinen ersten Computer gekauft. Die Bücher kann ich noch lesen, die Kompaktkassetten mit den Programmen für den Ti 99/4a nicht mehr....Eigentlich brauche nur einen ebook Reader um meine PDF's die ich im Internet finde, und das sind viele vor allem zum Thema Raumfahrt ohne Computer zugriffbereit zu haben bzw. bequemer, ohne dass sie einen Bildschirm blockieren wenn ich gleichzeitig schreibe und noch den Browser aufhabe. Doch da ich ohne Kauflust wohl eine Ausnahme bin, denke ich wird kein Gerät entwickelt werden, dass das kann was ich gerne hätte.

Eine Kick Oberstufe für die Ariane 5

Nun da der letzte Gastbeitrag über eine Alternative für Ariane 6 auf so viel Interesse gestoßen ist, auch mal was von mir. Was mich schon seit langem ärgert, ist das wir Sojus Raketen brauchen um die Galileo Satelliten in den Orbit zu bringen. Das liegt vor allem daran dass diese keinen eigenen Antrieb haben, also eine Zirkularisierung erfordern. das kann die ESC-A nicht leisten, die EPS senkt die Nutzlast stark ab und wenn es die ESC-B gäbe, was kein Problem wäre, hätte man sie 2008 nicht kurzfristig von der Tagesordnung des Konzils genommen, dann bräuchten wir keine Sojus Starts. 30 sind es, je zwei werden bei einem Start befördert, macht 15 Sojus Starts zu je 70 Millionen Euro. Sicher kostet auch eine Ariane 5 ESC-B was, doch da landet das Geld wenigstens wieder in Europa und nicht in Russland.

Also kam ich auf die Idee: was wäre wenn ...

... Europa sich entschließen würde eine "Low-Tech" Kickstufe mit kryogenen Treibstoffen zu bauen. Mal sehen ob man da was vernünftiges hinbekommt. Wie bei jedem Projekt definiere ich erst mal Zeile:

Daraus kann man einige Daten ableiten. Forderung 1 legt den minimalen Treibstoffvorrat fest. Die Galileo Satelliten gelangen in einen etwas niedrigen Orbit. Die Ariane 5 Nutzlast müsste dabei bei 10.6000 kg liegen. Um den Orbit zu zirkularisieren wären weitere 1453 m/s nötig. Bei einem spezifischen Impuls von 4000 m/s (niedrig geschätzt) bräuchte man 3,3 t Treibstoff dafür,

Forderung 2 bedeutet, dass man die Stufe isolieren muss, da sie dann erst nach 6 Stunden erneut gezündet wird.

Forderung 3 bedeutet dass der Schub bedeutend sein muss, anders als bei Apogäumantrieben, wo man sich relativ viel Zeit lassen muss steigt die Stufe laufend an. Ich habe als Grenze die Brennzeit der Ariane 5 EPS Stufe mit 1.100 s. Daraus ergibt sich ein Treibstoffverbrauch von 3 kg/s oder ein geforderter Schub von 12 kN bei einem spezifischen Impuls von 4000.

Die Idee ist es nun dafür kein Expander Cycle Triebwerk einzusetzen, sondern ein ganz ordinäres druckgefördertes Triebwerk. Das ist erheblich preiswerter, die Entwicklung ist einfacher und selbst wenn man es braucht ist die Wiederzündung einfacher, man muss nur die Ventile öffnen und zeitgleich einen Zündfunken erzeugen. Bis zu dieser Größe sind druckgeförderte Triebwerke gängig, das Aestus ist z.B. doppelt so schubstark.

Das Aestus hat 28,4 kN Schub und wiegt 111 kg. Es hat bei einem Brennkammerdruck von 8,4 Bar einen Druck von 20 Bar in den Treibstoffbehältern und eine Düse mit einem Expansionsverhältnis von 84:1. Ich nehme diese Daten für mein Triebwerk, mit mit einer verkürzten Düse von 40:1, da sonst der Stufenadapter zu schwer wird.

Dann benötigt man Treibstofftanks. Hier ist nun ein Hauptnachteil der Ariane 5, die starken Vibrationen durch die Feststoffbooster kein Nachteil mehr, denn wegen dem Tankdruck von 20 bar sind diese sehr dickwandig. Idealerweise würde man vier kugelförmige Tanks nehmen, die ein Kleeblatt bilden. Das nutzt den Raum am besten aus. Wenn man drei der Tanks mit LH2 füllt und einen mit LOX erhält man eine Mischung von LOX/LH2 von 5,5 also ein gängiges Verhältnis. Für 3.300 kg Treibstoff bräuchte man dann vier Tanks von 2.900 l Volumen. Nimmt man welche von 1.90 m Durchmesser, so haben diese 3500 l Volumen, erlauben also noch etwas mehr Treibstoff. Basierend auf dem ebenfalls sphärischen 769 l Tank von EADS kommt man zu einem Gewicht von 90 kg pro Tank.

Dann braucht man noch Helium als Druckgas. Die Menge muss ausreichen um 14.000 l Volumen mit 20 Bar Druck zu füllen. Das sind bei den üblichen Druckflaschen von 300 bar anfangsdruck rund 940 l Volumen. Das Helium wiegt dann 50 kg. Air Liquide setzt bei der Ariane 5 superkritisches Helium ein, dass 23 Stunden stabil ist. (167 kg in einer 224 kg Flasche). EADS Druckgastanks sind schwererer: 93 kg für je 300 l aber bei 400 bar Druck. Davon müssten drei ausreichen. Wenn die Tanks nicht vollständig gefüllt werden (2900 l) und vor dem Start druckbeaufschlagt, dann reichen auch zwei.

Dann braucht man noch Leitungen. Bei EADS fand ich ein Propellant Manaegment Device für Satellitenantriebe. Es wiegt 11 kg für 0,5 l/s. Da das Volumen zur dritten Prozent zunimmt, die Fläche aber nur zur zweiten wären für 10,7 l/s dann etwa 77 kg nötig.

Zuletzt braucht man noch ein Schubgerüst, dass die Tanks auch umschließt. Es wog bei der EPS Stufe 380 kg, allerdings auch ausgelegt für 21 t Lasten. Bei maximal 8 t ist man dann bei 144 kg.

Für Langzeitmissionen müssen die Tanks isoliert sein, doch die Isolation fällt kaum ins Gewicht 5 cm Polyurethanschaum sind dicker als bei der Delta 4 DSSC und wiegen bei 0,04 g/cm³. Das sind dann 20 kg mehr.

Die Konstruktion hat eine Höhe von 1,90 m. Das Aestus ist 2,18 m lang, mit verkürzter Düse würde es in die Mitte passen und könnte noch in die VEB hineinragen, die ja ein 0,95 m hoher Ring ist. Ein Stufenadapter ist so nicht nötig. Die Konstruktion würde dann aber den gesamten Durchmesser der Ariane 5 ausfüllen (5,33 m maximaler Durchmesser), wäre aber nur etwa 2 m hoch.

Damit hätte man alles beisammen:

Das ganze ist relativ konservativ angesetzt. Bei dem Schub könnte man auch das AJ-118 als Vergleich (-40 kg) heranziehen, mit einer Flasche weniger Helium oder gar superkritischem Helium käme man auch aus (-93 bzw. -211 kg).

Die Maximalzuladung an Treibstoff beträgt bei den 3500 l Tanks 724 kg LH2 und 3990 kg LOX, also 4714 kg Treibstoff. Das ergibt ein Strukturverhältnis von 5,52 zu 1, in etwa in der Region der ECS-A.

Was noch fehlt ist eine Equipment Bay und Lageregelungstriebwerke. Das letztere ist schnell gelöst. EADS hat ein 300 N LOX/LH2 Triebwerk im Angebot. Bei nur 5 Bar Druck erreicht es 4070 m/s Ausströmgeschwindigkeit. Es wiegt 1,9 kg. Je zwei Blöcke mit 4 Triebwerken würden für die komplette Lagereglung und Vorbeschleunigung ausreichen. Das sind weitere 15,2 kg.

Der Bordcomputer mit Inertialplattform und Batterien selbst muss nicht so schwer sein. Bei der Vega wiegt das Avionikmodul 171 kg.

Damit hätten wir als Komplettsystem eine Startmasse von 5941 kg und eine Trockenmasse von 1227 kg. Mit einer Ariane 5 ECA würde dieses System bei einem spezifischen Impuls von 4200 (siehe unten) würde diese Stufe 6170 kg in den Galileo Ortbit befördern. Ein Galileo Satellit wiegt 680 kg, das wären also fast 9 Stück. Da noch was für die Befestigung draufgeht rechnen wir mit 7 bis maximal 8. Dann wäre das System mit vier Starts aufgebaut. Das würde folgende Bilanz aufmachen:

entweder 15 Starts der Sojus à 70 Millionen Euro = 1050 Millionen Euro

oder

4 Starts der Ariane 5 ECA à 160 Millionen Euro = 640 Millionen Euro + 410 Millionen Euro für die Entwicklung der Kickstufe.

Ein durckgefördertes Triebwerk, ohne die teuren Turbopumpen, mit einer Ablativ verkleideten Brennkammer (plus Aktive Kühlung) müsste eigentlich für diesen Betrag umsetzbar sein.

Kommen wir zum spezifischen Impuls. Wenn man FCEA anwirft für ein LOX/LH2 Verhältnis von 6:1 (etwas niedrige als das 5,5 zu 1 in den Tanks, ich rechne mit Wasserstoffverbrauch für die Verniuertriebwerke, Dump, und Verdampfungskühlung) und einem Brennkammerdruck von 8 Bar und einer Expansionratio von 40:1 kommt man auf einen spezifischen Impuls von 4398 m/s bei chemischen Gleichgewicht und 4078 m/s bei eingefrorenem Gelichgewicht. Die Mitte der beiden Werte ist dann weitgehend richtig, also 4238 m/s. Das ist über den 4200 die ich oben angesetzt habe, also konservative Annahme. FCEA zeigt auch, dass man bei etwas weniger Brennkammerdruck nur wenig verliert. Bei 4 Bar sind es immer noch 4206.

Ein geringerer Druck hilft Gewicht zu sparen. Das Aestus als Vergleich arbeitet mit 11 Bar, die Tanks stehen dazu unter 20 Bar. Damit habe ich auch für die Gewichtsabschätzung gearbeitet. Wenn der Druck absinkt, sinkt auch der Schub ab. Basierend auf dem Aestus mit seinen 265 cm² Düsenhalsfläche und 12 kN gefordertem Schub kommt man auf einen Brennkammerdruck von mindestens 4,6 Bar. Nimmt man 5 bar, so kann man den Tankdruck auf 10 Bar absenken.

Das spart ein:

Helium: 25 kg

Heliumflaschen: 170,5 kg (eine vergrößerte reicht aus)

Wandstärke bei den Treibstofftanks: 180 kg

Nach FCEA kommt man immer noch auf einen spezifischen Impuls von >4200 m/s. allerdings bei einer um 375 kg geringeren Trockenmasse oder 375 kg mehr Nutzlast.

Was man damit machen kann:

die optimierte Version (5566 kg Startmasse, 852 kg Trockenmasse, ispez = 4200 m/s) mit Isolation könnte  6257 kg in einen GEO Orbit befördern (isolierte Variante), 7980 kg auf einen Fluchtkurs ) oder 6376 kg in den Galileo Orbit.

Besonders bvei dem Fluchtkurs ist der Unterschied zur Ariane 5 ECA (etwa 7200 kg) deutlich. Bei höheren Geschwindigkeiten nimmt dies noch zu. JUICE wiegt 4.800 kg und wird von Ariane 5 ECA auf eine hyperbolische Exzessgeschwindigkeit von 3,15 km/s² beschleunigt. Die kickstufe könnte entweder 6805 kg auf diese Geschwindigkeit beschleunigen oder 4800 kg auf 5,72 km/s² Exzesgeschwindigkeit, was fast einen Erdvorbeiflug einspart und die Reisezeit verkürzt.

Die letzte Frage: Was bringt es bei GTO Transporten? Leider fast nichts. Selbst die optimierte Variante würde die Nutzlast nur von derzeit 10.300 auf 10677 kg erhöhen. Verglichen mit der Nutzlast ist die Stufe zu klein. Ihr gewinn nimmt um so stärker zu je kleiner die Nutzlast ist. (Zu Merkur (Bepi-Colombo) würde die Stufe z.b. 3,3 t auf den Weg bringen und direkt zum Jupiter noch 2340 kg, die ESC-A alleine würde gerade mal 410 kg auf eine Jupiterbahn transportieren). Was diese Stufe aber lösen würde, wäre die ESA Forderung nach einer wiederzündbaren Stufe für wissenschaftliche Missionen. Das liegt ihr am Herzen und ist wohl auch eine Triebfeder für die ESC-B, während man das Feature für normale Wald und Wiesen Missionen nicht braucht. Wofür man sie auch einsetzen könnte wären ATV Missionen. Da braucht man eigentlich keine ESC-A, weil sie nur die Bahn zirkularisieren muss, wofür wenig Treibstoff benötigt wird. Eine kleine Rechnung zeigt, dass die Kickstufe anstatt der ESC-A eingesetzt immerhin noch 20.600 kg auf eine Transferbahn zur ISS bringt. Man spart dann die ESC-B die (abgeleitet von den Auftragsvolumen) mehr als 20 Millionen Euro (meine Schätzung: 30 Millionen) kostet. Selbst wenn die Struktur dann stärker sein muss reicht das für die derzeitigen ATV gut aus.

4.4.2013: Die CFG App

Am 1.4. sind ja einige neue Regelungen für den Straßenverkehr in Kraft getreten, die vieles teurer machen und auch manches ändern. In meinem Radio wurde z.B. thematisiert wie teuer es wird als Fahrradfahrer eine Ampel bei rot zu überqueren und wie teuer es wird wenn man nicht den Radweg benutzt (wenn es den einen gibt..., hier kenne ich nur Wege für Fußgänger und Radfahrer). Doch wer kontrolliert das? Die Autofahrer werden ja überwacht. Sei es mit Blitzern, sei es durch Politessen, welche Falschparker oder Parksünder ein Knöllchen verpassen. Doch Radfahrer? Wenn man den Verstoß nicht gerade vor einem Polizeiwagen begeht dürfte man relativ sicher sein.

Noch, doch das soll sich nun ändern. Ursprünglich plante eine Kommission den Verkehr besser zu überwachen und das Kameranetz stark auszubauen. Doch anders als in Großbritannien wo man mit diesem Ansatz gute Erfahrungen machte, war man der Meinung dass dies in Deutschland auf breite Ablehnung stoßen würde.

Den das Bundesverkehrsministerium (BMVBS) plant eine Serie von Applikationen für alle gängigen Smartphones unter der Bezeichnung "CFG-App". CFG ist die Abkürzung für "Citizen Feature Government".  Der Grundgedanke: Millionen haben schon ein Smartphone, und es werden immer mehr. Damit gibt es Millionen von potenziellen Verkehrskontrolleuren die die Kommunen unterstützen können. Sehr weit ist schon die "Parksünder CFG App". Sie wird ab dem 1. Mai für Android und IOS verfügbar sein. Voraussetzung ist ein Tablett PC oder Smartphone mit Kamera und GPS Empfänger.

Die App fordert den Benutzer auf bei einem erkannten Verstoß gegen die Parkordnung ein Foto zu machen, untersucht es auf ein gut sichtbares Autokennzeichen und verschickt es im Erfolgsfall mit der aktuellen Uhrzeit und den GPS-Koordinaten an die zuständige Kommune. Der Benutzer kann es durch maximal 500 Zeichen ergänzen, wie die genaue Position oder seit wann der Wagen schon dort steht.

Das Bundesverkehrsministerium rechnet mit einem großen Andrang. Ein Pressesprecher sagte bei der Vorstellung: "Es gibt Millionen von Anwohner in Deutschland die sich über zugeparkte Einfahrten oder fremde Wagen in einem nur für Anwohner frei gegebenen Bereich beschweren. Bisher kam man dem kaum bei, bis man bei der Kommune anrief und jemand vor Ort war (wenn überhaupt jemand kam) war der Parksünder meist längst weg. Der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Nutzen. Das könnte sich nun gravierend ändern. Wir erwarten auch nach wenigen Monaten eine deutliche höhere Befolgung der Vorschriften, wenn kaum noch ein Verstoß ungeahndet bleibt. Das Risiko ist durch unzählige potentielle Überwacher, die meisten mit ureigenen Interessen an der Ahnung des Verstoßes dann einfach zu hoch". Diese App wird dann in den folgenden Monaten noch weiter ausgebaut für alle Verstöße, in denen es reicht das Fahrzeug im Kontext zu identifizieren wie das Fahren in Fußgänger-Passagen während der Ladenöffnungszeiten (vorher und nachher wegen Belieferung erlaubt), Fahren gegen die Richtung von Einbahnstraßen oder Passage einer roten Ampel.

Doch soll dies erst der Anfang sein. Der Bundesverkehrsministerium arbeitet auch an einer zweiten App die derzeit unter dem Projektnamen "Raser CFG App" läuft. Dabei wird ein videofähiges Smartphone oder eines das in kurzen Abstanden Bilder schießen kann, benötigt. Der Benutzer muss einen Verkehrsteilnehmer von dem er meint, dass er die zulässige Höchstgeschwindigkeit filmen oder die App versetzt die Kamera in den Serienbildmodus und der Benutzer muss das Auto verfolgen. Die App identifiziert den Fahrzeugtyp, holt die Abmessungen aus einer Datenbank und berechnet aus Größe und Winkelgeschwindigkeit die Geschwindigkeit und funkt diese Daten sofern eine potentielle Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit gegeben ist, zusammen mit den Bildern/Film an das zuständige Ordnungsamt. Für diese relativ hohen Datenmengen wurde mit den Providern ausgemacht, dass die Kosten nicht vom Benutzer getragen werden. Derzeit erfordert dieses Verfahren viel Rechenaufwand und eine sehr leistungsfähige Kamera. Als einziges Smartphone kann derzeit das IPhone 5 die Geschwindigkeit auf 10% genau identifizieren. Diese 10% sind der maximale Meßfehler der nach den gesetzlichen Verordnungen erlaubt sind. Die Berechnung in der Kamera ist aber notwendig um die Ordnungsämter nicht mit Videos zu überschwemmen, da man aus Erfahrung weiß, das Fußgänger die Geschwindigkeit von Fahrzeugen stets zu hoch einschätzen. Das BMVBS rechnet aber damit dass in 1-2 Jahren jedes neue Smartphone über genügend Rechenleistung für die Raser-App verfügt. Daimler und BMW haben schon angekündigt, als Folge in ihre Autos Tempomaten einzubauen, die dieselbe Datenbasis des BVM nutzen und wenn sie aktiviert sind, den Motor herunterregeln, dass man die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht mehr überschreitet.

Viele Gedanken hat man sich offensichtlich um die wichtigste Klientel bei den bisherigen Meldungen von "analog bestimmten Verstößen" gemacht. Wörtliches Zitat aus der Pressekonferenz: "Jede Kommune hat treue Helfer unter der Bevölkerung, meist aus der älteren Generation und sehr besorgt was sich in ihrer Nachbarschaft tut. Sie haben bisher die meisten Meldungen generiert, auch weil diese Bevölkerungsgruppe über sehr viel Freizeit verfügt. Wir wollen sie nicht vor den Kopf stoßen. Derzeit sind wir in Verhandlungen mit Samsung, Motorola und Siemens über ein "Volks-Smartphone", das Kommunen kostenlos an ihre bisherigen Helfer abgeben können. Als kleines Dankeschön und Ansporn". Es wird sich um ein an den Bevölkerungskreis angepasstes Gerät handelt. Die Hardware ist auf die zu installierenden Apps zugeschnitten, diese sind vorinstalliert und können mit einem Tastendruck aktiviert werden. Andere Apps können nicht installiert werden. Darüber hinaus kann man noch mit dem Smartphone telefonieren und SM;S schreiben. Beides nur ins Festnetz, aber für den Benutzer kostenlos. Eine Tarifvereinbarung mit der Telekom wurde schon getroffen. Durch die Beschränkung auf die Grundunktionen sollte es auch für ältere Mitbürger leicht bedienbar sein.  Ergänzt wurde: "Wenn jeder unserer freiwilligen Helfer pro Monat einen Verkehrssünder meldet bekommen wir die Kosten für das Gerät schon in 1-2 Jahren herein, je nach Höhe des Bußgelds. Wir rechnen aufgrund der bisherigen Erfahrungen aber mit 4-6 Meldungen pro Monat. Das lohnt sich also für die Kommunen, die die Kosten vorfinanzieren müssen, durchaus.".

Bei solchen Apps dürften dann auch bald Fahrradfahrer nicht mehr sicher sein. Allerdings sind sie derzeit noch nicht identifizierbar. Doch auch dies wird sich noch ändern. Im Verkehrsausschuss wird gerade der erste Entwurf eines Gesetztes diskutiert, das auch für Fahrradfahrer die Einführung von Verkehrsschildern und Helmpflicht vorsieht. Es wird wegen des öffentlichen Widerstandes aber erst nach den Bundestagswahlen ins Plenum zur Abstimmung kommen.

Technik die begeistert

Gestern kam im Radio "All along the Watchtower" von Jimi Hendrix. Das Lied erinnerte mich daran, wo ich es zuerst gehört hatte - als Begleitmusik zu der Produktion "Space Cowboys" vom Br3 in der Space Night. Und es erinnerte mich daran, dass ich mir schon lange mal die Lieder die dort begleitend gespielt wurden für den MP3 Player zusammenstellen wollte. Tja und da bin ich irgendwie über Telstar gestolpert, auch ein sehr gutes Lied und ich dachte mir, unterleg doch mal den Clip vom Start von Telstar mit dem Lied der Tornados. Und womit beginnt der Bericht "Telstar brings the wourld closer". Das waren noch Zeiten. Ein 50 kg schweres Gebilde aus Metall und Halbleiterelementen bringt die Welt näher zusammen!

Heute versetzt einen Technik nicht mehr in Begeisterung, erst recht nicht ein Satellitenstart. Wenn Leute von Technik begeistert sind, dann eher vom neuesten Apple Spielzeug, das eigentlich nur eine inkrementelle Verbessrung des letztjährigen Modells ist. (Nichts gegen Apple, meine Aktien haben sich im Wert seit 2009 verdreifacht, aber kaufen würde ich mir nichts davon)

Und das ist der Unterschied zu heute. Es gab vor fünfzig Jahren eine viel größere Technikgläubigkeit, eine viel größere Begeisterung und es war ja auch so viel im Umbruch. Computer zogen zumindest in der Wirtschaft ein (zehn Jahre später auch für jedermann erschwinglich). "Elektronengehirne" verhießen die Lösung fast jedes Problems. Kernkraft versprach unendlich viel Energie für fast nichts. die Raumfahrt entwickelte sich mit der Raketentechnik enorm schnell. Wer sich mal Zukunftsplanungen aus dieser Zeit ansieht wird Konzepte wie Städte auf dem Meeresboden und fliegende Autos sehen. Alles schien möglich, wenn es in dem Tempo weitergeht.

Das prägte auch das Apolloprogramm: Wir landen einfach in 8 Jahren auf dem Mond, scheiss drauf, das wir noch nicht mal wissen wie und die stärkste Rakete gerade mal ein Fünfzigstel der benötigten Nutzlast transportieren kann und wir noch nicht mal einen Mann im Weltall haben - das bekommen wir schon hin. Und heute? Wir könnten sowohl technisch wie auch von den Erfahrungen her eine Marsexpedition angehen. Wir haben Langzeiterfahrungen über die Dauer, könnten die Raketen recht schnell entwickeln und haben regernative Lebenserhaltungssysteme welche die Gütermenge drastisch reduzieren. Wir kennen den Mars stellenweise besser als die Erde, aber es könnte ja in zehn Jahren noch ein bisschen billiger werden. So kann man auch in 10 Jahren noch warten das es in zwanzig Jahren noch etwas billiger wird....

Was fehlt ist diese Begeisterung die es nicht nur bei den Beschäftigten des Apolloprogramms gab, sondern auch in der Bevölkerung. Das ist eine Aufgabe, die packen wir an und wenns die Technik dafür noch nicht gibt entwickeln wir sie eben! Natürlich geht das nicht ewig. Der Vietnamkrieg brachte auch die Greuel moderner Technik in Form von neuen Waffen wie Napalm, Streubomben und ähnlichem ins öffentliche Bewusstsein und andere soziale Probleme zwischen alt und Jung aber auch schwarz und Weiß brachen auf. Denn diese kann man durch noch so viel Technik nicht lösen. Technikgläubigkeit beseitigt nicht die Ursachen von Problemen, sondern Technik allenfalls die Symtome.

Der Soundtrack ist übrigens fertig geworden. Für alle welche das auch probieren wollen, hier ist die Trackliste:

01 - Mike Oldfield - Wonderful Land
02 - Canned Heat - Let´s Work Together
03 - Hawkwind - Silver Machine
04 - Zombies - Time Of The Season
05 - Jeronimo - Na Na Hey Hey
06 - MFSB - TSOP (The Sound Of Philadelphia)
07 - Free - All Right Now
08 - Deep Purple - Child In Time
09 - Santana - Samba Pa Ti
10 - The Mamas & The Papas - Dream A Little Dream Of Me
11 - John Kincade - Dreams Are Ten A Penny
12 - John Lennon - Imagine
13 - Nazareth - This Flight Tonight
14 - Simon & Garfunkel - The Sound Of Silence
15 - Collective Consciousness Society - Whole Lotta Love
16 - The Monkees - I’m A Believer
17 - Cream - I Feel free
18 - Golden Earing - Radar Love
19 - The Jimi Hendrix Experience - All Along The Watchtower
20 - Santana - Black Magic Woman
21 - Marmalade - Reflections Of My Life
22 - Wilson Pickett - Land Of 1000 Dances
23 - Jonny Nash - I Can See Clearly Now
24 - Black Sabbath - Paranoid
25 - Nancy Sinatra - These Boots Are Made For Walking
26 - The American Breed - Bend Me, Shape Me
27 - Fleetwood Mac - Albatross
28 - Uriah Heep - Easy Livin´
29 - Jimi Hendrix - Crosstown Traffic
30 - Zager & Evans - In The Year 2525
31 - The Rolling Stones - You Can´t Always Get What You Want
32 - Louis Armstrong - What A Wonderful World

Meine beiden Lieblingslieder sind 01 und 21, auch weils sehr gut zu Apollo 13 passt. Auch der Telstar-Clip ist fertig geworden. Ich hoffe ihr könnte ihn auch sehen, ihr kennt ja das Problem mit der GEMA.

http://www.youtube.com/watch?v=El3jTe4fqQ8


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