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Web Log Teil 32 : 24.7.2007-30.7.2007

Dienstag 24.7.2007: Atomkraft ist sicher!

Ich sah vor einigen Tagen einen Beitrag über die Übungen die das Personal in der Leitwarte eines Atomkraftwerkes regelmäßig in einem Simulator abhalten muss. In Essen sind die Leitstände von allen 12 deutschen Kernkraftwerken nachgebaut (allen deswegen, weil keines dem anderen gleicht - tolles Vorbild für saubere Planung9. Dort wurde gezeigt wie das ablaufen sollte wenn es eine Störung gibt: Wenn etwas nicht funktioniert so ist die Technik so ausgelegt, das der Reaktor sich selbst abschaltet und dann gehen die Leute dran den Fehler zu suchen. Dazu holen sie im Falle von Philippsburg am Neckar eines von 68 Bedienungshandbüchern (BHB), legen es auf einen roll baren Tisch und folgen den Anweisungen darin. In diesen BHB sind alle möglichen Ernstfälle, Komplikationen und Störungen von deutschen Ingenieuren im Voraus durchdacht und alle Dinge die man tun muss um sie zu beseitigen akribisch abgelegt worden.

Nein, das ist keine Realsatire, das ist die Wirklichkeit. Wir alle wissen, das man nicht alles voraussehen kann und selbst wenn man dies mal getan hat so verändert sich doch die Welt. Vor 30 Jahren war vielleicht der angriff des Warschauer Paktes eine Bedrohung heute wohl eher die von Terrorristen. Vor allem aber: wir wissen alle ganz genau, dass man nicht alles sich ausdenken kann was passieren kann. Selbst wenn, müssen die dort angegebenen Vorgehensweisen nicht unbedingt die richtige sein, da diese ja den Einzelfall nicht berücksichtig und selbst wenn - hält sich das Personal daran. Vor allem: Ist es im Ernstfall wirklich so, dass die Technik sich selbst abschaltet oder gibt es nicht Situationen in denen sie versagen kann?

Die Vorfälle bei Krümel und Brokdorf lassen Zweifel aufkommen, dass überhaupt das Personal so fachlich qualifiziert ist wie es eine Anlage dieser Art nötig macht. Wir haben bei uns eine sehr komische Konstellation: Während sie beim TÜV beweisen müssen, das ihr Auto keinerlei Fehler hat muss man um ein Atomkraftwerk abschalten zu können dem Betreiber nachweisen, das er einen Fehler gemacht hat - Eine Umdrehung er Beweislast!

Und trotzdem gibt es (wenn auch nun nicht mehr so laut) immer wieder Stimmen, die nicht nur für einen längeren Betrieb der deutschen Atomkraftwerke sind, sondern sogar für einen Neubau um die Ziele des Kyoto Protokolls einzuhalten. Nun es gab bislang zwei wirklich große Unfälle: 1979 in Free Miles Island (Harrisburg) in den USA, als der Reaktorkern so überhitzte, das er so viel Gas aus dem Kühlwasser entwickelte, dass der Druckbehälter kurz vor der Explosion stand und Tschernobyl 1986 wo das bei einer anderen Kraftwerkstechnologie ohne Druckbehälter passierte. Beim letzten wurde eine 30 km breite Zone bis heute als Sperrzone eingerichtet, in ihr dürfen sich nur Arbeiter des Kraftwerks (das mit den anderen Blöcken nach wie vor betrieben wird) aufhalten und in einer 60 km breiten Zone wohnen nur wenige Leute, der größte teil ist geräumt.

Die folgen waren bis zu uns spürbar: Salat und Gemüse wurde untergepflügt und radioaktive Molke von der milch wurde durch die Republik kutschiert bis sie irgendwo verschwand (wahrscheinlich in die dritte Welt exportiert). In Schweden und Norwegen wo mehr runter kam konnte man viel länger kein Renntierfleisch und Pilze mehr essen als bei uns.

Ein Unfall oder besser gesagt der GAU (größter anzunehmender Unfall - was ist eigentlich mit den Unfällen zu denen die Fantasie nicht gereicht hat?) mag zwar sehr unwahrscheinlich sein, aber die Folgen sind eben dramatisch. Wo bitte in Deutschland kann man es sich leisten einen Kreis von 30 km Radius zu evakuieren?

Nun ja ich weis wo.... Und hier mein Ketzerischer vorschlag an alle Kernkraftbefürworter: Wir bauen neue Kernkraftwerke und decken damit den gesamten Strombedarf, beziehungsweise die Grundlast. Am besten baut man sie da wo sie niemanden stören: Also im Ausland. Frankreich hat ja da eine andere Einstellung. Man kann sie entlang des Rheins, 30 km von der Grenze entfernt bauen und damit sogar die französische Wirtschaft dort ankurbeln. Auch ein paar Atomkraftwerke in Polen wären nicht schlecht, dann wären die Versorgungsleitungen nach Berlin und Ostdeutschland nicht so lang. Was sie meinen das wäre unfair? aber ich bitte sie, die sind doch so sicher, es kommt ja nie zu einem Unfall

Alternativ könnte man sie geballt in einer Region unterbringen die sowieso schon fast leer ist: Mecklenburg Vorpommern an der Oder und der Ostsee um genügen Kühlwasser zu haben. Vorsorglich sollte man um sich gegen eventuelle Ansprüche nach einem Gau abzusichern einfach die Region in 30 km Umkreis evakuieren. Daher auch mein Vorschlag die an die Ostsee zu legen - dieses enorme Reservoir an Kühlflüssigkeit erlaubt es die Atomkraftwerke örtlich nah zu platzieren und so auf einigen Kilometern alle Meile unterzubringen. Das evakuierte Gebiet könnte dann die Bundeswehr als Truppenübungsplatz benutzen (oder für Tiefflüge die sonst kaum möglich sind) und dabei gleichzeitig die Atomkraftwerke beschützen. alternativ wäre es auch ein schönes Naturschutzgebiet. Wollte man nicht schon immer bei uns Wölfe ansiedeln - Da hätten wir den Platz dafür.

Bin ich ketzerisch oder Zynisch? Nein - ich denke nur eine Risikoabwägung zünde. Hier die offiziellen Zahlen: Nach der Studie
 "Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke - Phase B" von der Gesellschaft für Reaktorsicherheit kommt es in einem deutschen Atomkraftwerk bei einer Betriebszeit von rund 40 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent zum Super-GAU. Das sind also reale Zahlen einer Risikobewertung einer unabhängigen Vereinigung mit Fachkenntnissen. Deutschland hat 17 Reaktoren in Betrieb. Das Risiko liegt also bei 1.7 % in 40 Jahren (realistischer weise muss man die Reaktoren in en Grenzregionen der Nachbarländer vor allem von Frankreich am Rhein hinzuzählen und kommt so auf ein noch höheres Risiko) und das ist nicht von der Hand zu weisen. Eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 1.7 % bedeutet immerhin die Chance steht 1:60 und welches wirtschaftlichen Schaden hätte man dann wenn man mitten in Deutschland einen Kreis mit 60 km Durchmesser räumen müsste und in einem Kreis von 120 km Durchmesser nur eingeschränkt leben kann?

Wenn ich noch mehr darüber nachdenke dann lohnt es sich ja fast noch eher Helgoland mit einigen Milliarden zur Reaktorinseln auszubauen und dort alle neuen Reaktoren unterzubringen. Ewa 30 vom Typ Neckarwestheim bräuchte man um 100 % des benötigten Stroms aus Kernkraftwerken zu decken. Helgoland ist 43 km von der nächsten Insel und 70 km vom Festland entfernt. Das ist ausreichend sicher für einen GAU Wenn man die beiden Inseln die derzeit aus einer 1 km² Insel und einer 0.7 km großen Düne besteht verbinden würde könnet man spielend eine etwa 3 km² große Insel schaffen mit einem Umfang von etwa 6-7 km. Alle 200 m ein Atomkraftwerk - das wäre machbar. Dann wären doch alle zufrieden. Wir hätten Atomstrom. Die Atomlobby könnte wieder neue Kraftwerke bauen und die angeblich so fortgeschrittene deutsche Technologie dann ins Ausland verkaufen, die CDU bekommt ihre Klimaziele hin ohne wirklich was für den Klimaschutz tun zu müssen. Die SPD könnte unter diesen Umständen ihren Atomausstieg überdenken, denn die Risikobewertung wäre eine andere. Die FDP würde sich über die Ankurbelung der Wirtschaft freuen. Nur die Grünen und die 1472 Einwohner von Helgoland würden mosern... Aber man kann es ja auch nicht jedem recht machen....

Freitag 27.7.2007: 50 Jahre Raumfahrt: Teil 2: Stufenentwicklung

Stufentrennung Saturn 1BIn der kleinen Serie über die Entwicklung der Raumfahrt anlässlich des Starts von Sputnik 1 am 4.10.1957 will ich mich heute mit der Entwicklung von Stufen beschäftigen, nachdem es letztes Mail nur um die Triebwerke ging. wir finden hier eine Parallelentwicklung zu den Triebwerken - In den ersten 10 Jahren tat sich am meisten, später war die Entwicklung mehr evolutionär - mit kleinen Ausnahmen.

Vor 50 Jahren beherrschte man viele dinge noch nicht, die heute selbstverständlich sind: So die Zündung einer stufe im Vakuum unter Schwerelosigkeit. Das Wiederzünden im Weltraum nach längerer Inaktivität, die Verwendung kryogener Triebstoffe und moderner Feststofftreibstoffe. Regelungen des Schubvektors erfolgten meist durch kleinere zusätzliche Triebwerke.

Die ersten interkontinentalen Raketen hatten auch andere Anforderungen: Sie sollten nur Geschosse beschleunigen, aber keinen Orbit erreichen. So kam man auf Lösungsansätze die eine mehrstufige Rakete (die man eigentlich für die hohen Geschwindigkeiten die eine Interkontinentalrakete erreichen muss) vermieden: Die Atlas besaß 3 Triebwerke, die gemeinsam gezündet wurden. Zwei schubkräftige für den Betrieb am Boden, eines mit weniger Schub für den Vakuumbetrieb. Nachdem 80 % des Treibstoffs verbraucht waren wurden die ersten beiden abgesprengt, wodurch die Rakete um etwa ein Drittel leichter wurde. Die Sojus verfolgte ein anderes Konzept: Rund um einen zylindrischen Zentralblock sind 4 Außenblöcke von Kegelform angebracht. an jedem Block sitzen 4 Triebwerke von geringem Schub. (Mit Steuertriebwerken insgesamt 32 Stück9. Auch hier werden alle Treibwerke gemeinsam gezündet. Da in einen Kegel weniger Treibstoff hineingeht als in einen Zylinder ist er leer, wenn der Zylinder noch etwa die Hälfte seines Treibstoffs hat. Dann werden die Außenblöcke abgeworfen und die Zentralstufe beschleunigt alleine weiter. Dies vermindert die Leermasse weit stärker.

In den ersten 10 Jahren ist man dazu übergegangen separate Steuerdüsen, wie sie noch Atlas und Sojus hatten durch beweglich aufgehängte Triebwerke zu ersetzen. Das Problem der Stufentrennung und Zündung in Schwerelosigkeit wurde gelöst indem man in den USA die Stufe mit kleinen Feststofftriebwerken beschleunigte und so praktisch eine geringe Schwerkraft für einige Sekunden herstellte in der man dann die Stufe zündete. Im Osten umging man das Problem, indem man die Stufe noch zündete, wenn die untere Stufe noch arbeitete. Da dann die Flammen auf die Untere Stufe treffen gibt es bei sowjetischen Raketen oft Gitterrohradapter wo diese zur Seite entweichen können.

Das Problem der Zündung nach langen Inaktivitätszeiten wurde zuerst in den militärischen Satelliten gelöst, die man im Westen fest mit ihrer Agena Oberstufe verband. Diese verwandte Treibstoffe die lagerfähig waren und sich bei Kontakt selbst entzündeten. Der Einsatz dieser Treibstoffe war einer der großen Neuerungen im ersten Jahrzehnt. Auch hier ging die Initiative vom Militär aus, welches kürzere Vorbereitungszeiten haben wollte. Das zweite war die Verwendung kryogener Treibstoffe. Im Westen wurde hier viel Lehrgeld (in Form von Verlusten und enormen Entwicklungskosten) bei der Centaur bezahlt. Das Isolationsproblem löste man bei ihr zuerst durch eine abwerfbare Isolation, später durch eine dünnere, aber fest aufgesprühte Isolation. Auch sie musste wiederzündbar sein und war dies auch - doch gab es hier einige Rückschläge. Das bewegte die NASA dazu dieses "Feature" erst 1973 für ihre Raumsonden zu nutzen.

Moderne Feststofftreibstoffe auf Basis von Ammoniumperchlorat / Aluminium / Kunststoffen setzt man seit Mitte der sechziger Jahre ein. Sie sind immer wichtiger geworden und heute setzen viele Raketen große Feststoffbooster als 0.te Stufe ein. Möglich wurden sie nur durch die Verwendung von Segmenten die man dicht verbinden musste - Eine fehlerhafte Verbindung verursachte den Verlust der Challenger 1986.

Im Westen war die wohl einzige große technische Neuentwicklung im Stufenbau nach den ersten 10 Jahren das Space Shuttle. Betrachtet man es nur als Raketenstufe so bringt es zwei neue Aspekte: Die Trennung von Treibstofftank (billig herzustellen) von Triebwerk (teure Produktion) und die Wiederverwendbarkeit eines Hochleistungstriebwerks. Zwar konnte man ein Triebwerk bisher auch mehrmals einsetzen - typisch für ein modernes Triebwerk mit flüssigen Treibstoffen ist, dass man es etwa 10 mal einsetzen kann, das wird auch genutzt um es vor dem Start zu testen. Aber das SSME isst das einzige Triebwerk das wirklich im Einsatz mehrfach eingesetzt wird und dies sogar 55 mal erlauben soll.

S-ICIm Osten sieht die Erfolgsbilanz der letzten 40 Jahre besser aus. Der Grund war, dass man im "Rennen" um den Weltraum, wie man sicher ohne Untertreibung die ersten 10-15 Jahre Raumfahrt beschreiben kann viele Kompromisse einging um schnell gleichzuziehen. Wasserstoff als Treibstoff wurde erst bei der Energija 1987 erstmals eingesetzt. Analoges gilt für wiederverwendbare Treibwerke - Hier die RD-170 in den Boostern. Stufen die nach längerer Zeit der Inaktivität zünden gab es ebenfalls einige Jahre nach dem Amerikanern und auch die Triebwerksentwicklung verlief langsamer. Ein Triebwerk wie das RD-170 mit der Leistung des F-1 gab es erst 20 Jahre nach den USA.

Auffällig ist auch bei den militärischen Raketen dass die UdSSR hier eine andere Philosophie verfolgten. Während im Westen schon Mitte der sechziger Jahre Feststoffraketen den Haupanteil der ICBM's stellten setzte man in Russland auf lagerfähige flüssige Treibstoffe. Zivile Trägerraketen im Westen setzen heute vor allem Feststoffbooster und Wasserstoff/Sauerstoff ein. In Russland denkt man bei der Konzeption neuer Raketen vorwiegend noch an die bewahrte und gut handelbare Kombination Kerosin und flüssiger Sauerstoff.

Sind hier noch große Impulse zu erwarten? Ich denke vom technischen Aspekt eher nicht. Wirtschaftlich mag sich noch einiges tun, eventuell werden in einigen Jahren die ersten Stufen durch wiederverwendbare Antriebe ersetzt werden. Diskutiert wird dies seit langem und geplant wurde es ebenso lange. Bislang sprachen vor allem die Kosten dagegen. Dies mag sich ändern wenn man die Stufen nicht einfach hart "wassert" wie dies bislang erfolgte, sondern wie ein Space Shuttle im Gleitflug landet, so dass man die Checks nach der Landung erheblich reduzieren kann.

Sonntag, 29.7.2007: Risikobewertungen

Der letzte Eintrag in meinem Gästebuch veranlasst mich mal meinen geplanten Blog Eintrag über Vitamin-A zu verschieben und heute mal etwas über Risiken zu sagen. Zum einen finde ich es natürlich schön wenn nicht nur ich meine Zweifel an der Aussage über die Strahlenbelastung durch Urankernmunition habe, zum anderen ist mir natürlich nicht entgangen, dass Kernkraftwerke die Kohlendioxidbelastung senken und es noch erheblich schwerer sein wird diese zu senken wenn man sie vom Netz nimmt. Wäre dem nicht so, so hätten sie auch nicht so lange Restlaufzwiten zugebilligt bekommen.

Das ganze ist schlicht und einfach eine Abwägung von Vorteilen und Nachteilen, in diesem Falle eben auch von Risiken. Meine persönliche Meinung die ich satirisch überspitzt (es nimmt doch wirklich nicht jemand wirklich den Vorschlag Helgoland in eine Kernkraftwerksinsel zu verwandeln ernst?) formuliert habe ist: Ich halte angesichts der Folgen eines GAU bei der dicht besiedelten Bundesrepublik und den Erfahrungen bei Tschernobyl für sehr hoch: Hoch an kosten, weil ganze Landstriche unbewohnbar werden, hoch an einer möglichen gesundheitlichen Schädigung tausender. Die Chance dafür liegt nach offiziellen Angaben bei 1/60 in den nächsten 40 Jahren, dass ein Kraftwerk einen solchen GAU hat.

Andere mögen dasselbe Risiko erheblich weniger bedrohlich sehen, zumal ja keines der Kernkraftwerke ja solange arbeiten wird und niemand über den Neubau redet. Da sind wir schon bei Risiken und ihren Bewertungen. Statistiker teilen Risiken in 3 Gruppen ein: Risiken mit den man täglich rechnet und gegen die man sich vorsieht. Das ist praktisch alles was uns im täglichen Leben passieren kann. Man kann von einer Leiter stürzen und vergewissert sich (hoffentlich) ob sie mechanisch in Ordnung ist und fest steht. Man kann von einem Auto angefahren werden und schaut ob eines kommt, wenn man die Straße überquert.

Das zweite sind Risiken die nicht täglich vorkommen, aber mit denen man in seinem Leben rechnen muss mit einer nicht zu vernachlässigbaren Wahrscheinlichkeit konfrontiert zu werden. Diese versucht man durch Versicherungen, Sicherheitsmaßnahmen etc. zu Mininieren, aber man denkt nicht täglich dran. Dazu gehört alles wogegen man eine Versicherung abschließt: Brände im Haus, Hochwasser, Sturmschäden.

Das dritte sind Risiken die von vielen nur wenige während eines Lebens ausgesetzt werden, an die denkt man nicht, zumindest nicht solange man nicht konkret mit ihnen konfrontiert wird: So wird niemand eine Versicherung gegen den direkten Einschlag eines Blitzes auf einen Menschen abschließen - das passiert in der Bundesrepublik nur etwa 30 mal im Jahr, selbst ein 6 er im Lotto ist bei wöchentlicher Spielweise wahrscheinlicher.

Bei Menschen klappt dieses System sehr gut. Problematisch ist es wenn Regierungen genauso handeln. Versicherungen müssen sich nämlich durchaus auch mit der letzten Kategorie beschäftigen, auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist. Nämlich dann wenn der Schaden recht groß ist. Ich habe mich in Teil 16 mit den Folgen eines Asteroideneinschlages beschäftigt. Man kann diesen nur statistisch vorhersagen. Die Unsicherheit ist dabei groß, doch typische Zahlen sind:

Einschlag eines 100 m Asteroiden alle 0.1-0.5 Millionen Jahre: Das klingt nach nichts worüber man sich sorgen machen müsste .... Ja wie der Supergau eines Atomkraftwerks, der eben statistisch gesehen alle 25000 Jahre vorkommt. Das dumme nur an beiden Zahlen: Man weis es nicht wann das nächste Ereignis ansteht. das kann morgen sein, oder in 100.000 Jahren. Bei Asteroiden hat man zumindest nach einer langen Schlafperiode nun mehr Geld für Suchprogramme bewilligt. Lange Zeit wurden die meisten Asteroiden von einem kleinen Teleskop der US-Air Force entdeckt, das diese Aufgabe vor allem deswegen inne hatte um Asteroiden von Satelliten unterscheiden zu können, nun fängt man an den Himmel gezielt zu untersuchen, weil in den letzten Jahren einige größere Körper nahe der Erde vorbeirauschten und man sie erst Tage vorher entdeckte, teilweise auch erst danach. Ein 100 m Asteroid erzeugt einen 1-2 km großen Krater und zerstört jegliches höhere Leben in einem 20-40 km Kreis. Die Folgen sind also noch größer als bei einem Super-Gau. Man könnte bei genügend Vorwarnzeit (wozu man die Bahn kennen muss einen 100 m großen Körper mit den heutigen konventionellen Methoden aber leicht von der Bahn ablenken). (siehe dazu Weblog Nr.17). Trotzdem geniest die Suche nach solchen Körpern erst nachdem man auf die Gefahr aufmerksam geworden ist größere Priorität, dabei wusste man schon früher alleine von den Einschlagskratern auf der erde, dass das Risiko bestand und es mehr als die wenigen Körper geben musste die man zufälligerweise entdeckte weil man nie systematisch nach ihnen suchte: Astronomen nehmen normalerweise einen kleinen Ausschnitt des Himmels auf und zwar über stunden um lichtschwächste Objekte zu finden. Für die Asteroidensuche müsste man aber über einige Jahre den gesamten Himmel in größeren Ausschnitten absuchen, wobei die Belichtungszeiten nur kurz bis mittellang sind um die Durchmusterung in absehbarer Zeit zu schaffen. Die ersten systematischen Suchprogramme haben daher auch zu einem Anstieg der bekannten Objekte geführt. seit einem Jahr sucht nun mit "Pan Starrs" das erste nur dafür konzipierte Teleskop nach Asteroiden : 4 relativ kleine 1.8 m Teleskope die zusammen eine Kamera mit 1.4 Milliarden Pixeln bilden und in 5 Jahren alle Asteroiden über 300 m Größe detektieren sollte und später alle Asteroiden über 200 m Größe. Für die 100 m Klasse wird man nochmals größere Teleskope oder mehr davon brauchen.

Nun bei der Kernkraft ist es ähnlich. Auch hier ist das Risiko gering, auch wenn es signifikant höher ist als man noch in den siebziger und achtziger Jahren annahm - Damals ging man von einem Gau alle 1 Million Jahre pro Kernkraftwerk aus, die Zahl ist nun schon runter auf 25000 Jahre, obgleich ich denke dass die Kraftwerke heute sicherer als vor 20 Jahren sind. Schon alleine das zeigt, dass man eben in der Zeit wohl einige Risikobewertungen geändert hat. So muss man auch heute sich fragen, ob der Nutzen in Form von billigem Strom den Kosten wenn eines wirklich gravierende Mengen an Radioaktivität freisetzt rechtfertigt. Das ist eine Entscheidung die jeder persönlich fällen muss, denn solange es eben keinen GAU gab redet man von ungelegten Eiern - Die Atomkraftwerke können noch 100 Jahre laufen und es passiert nichts oder morgen geht eines hoch, weil etwas völlig unvorhergesehenes eintrat, das nicht in den 68 Bedienungshandbüchern steht oder die Technik versagt. Wer weis das schon?

Montag 30.7.2007: Die Germanen

So lautete der Titel einer vierteiligen Reihe auf Arte, die im modernen "Edutainment" spiel das Leben der Germanen in 4 Epochen zeigte. Ich möchte mich einem Aspekt heute widmen und zwar der Tatsache, dass es dem römischen Reich nicht gelang "Germanien" zu besetzen. Ich habe "Germanien" in Gänsefüsschen geschrieben, weil es das damals nicht so gab. Es gab auch nicht DIE Germanen. Es gab zahlreiche Stämme mit einer gemeinsamen Runensprache und gemeinsamen Sagen und Gebräuchen, so wie es verschiedene keltische Stämme gab. Doch es gab kein Germanisches Reich und sich selbst bezeichneten sie sich auch nicht so - die Germanen waren nur ein Stamm von vielen der von Cäsar als Gattungsbegriff benutzt wurde. Vielleicht um sie bedrohlicher erscheinen zu lassen, denn mit einem stamm wurden die Römer immer wieder fertig, nicht jedoch mit der Gesamtheit.

Schon um 100 vor Christus machten die Römer Bekanntschaft mit den Germanen. Die Kimber und Teutonen zogen durch Gallien nach Norditalien. Eine römische Armee die sie aufhalten sollte wurde zerschlagen. Sie suchten Siedlungsland und sollten dieses auch nach einer List des römischen Konsuls angeblich bekommen, wurden dann jedoch in einen Hinterhalt gelockt, bei dem sie aber in der Schlacht bei Noreia siegreich waren. Auch das zweite Zusammentreffen einige Jahre später war für sie siegreich, nicht jedoch das dritte bei dem die Römer Kimbern und Teutonen separat angriffen. Hier zeigte sich schon die größte Schwäche, jeder stamme kämpfte einzeln und oftmals auch gegeneinander.

Trotzdem hinterließ dies großen Eindruck bei den Römern. Man schrieb 102 v.chr, die Römer hatten damals schon Karthago und Griechenland besiegt, verfügten über Gebiete in Afrika, Spanien und Sizilien und waren eine Großmacht im Mittelmeerraum. Trotzdem konnten zwei kleine germanische Stämme römische Armeen vernichtend schlagen und bis nach Oberitalien vordringen. wären die beiden Stämme wirklich auf eine Eroberung aus gewesen so wäre Rom in einer üblen Lage gewesen, doch die beiden Stämme zogen 12 Jahre lang auf der Suche nach Siedlungsland getrennt durch Gallien und die Schweiz.

Cäsar kam bei seinem gallischen Feldzug in Kontakt mit den Sueben, die er schlagen konnte. Trotzdem wagte er es nicht den Rhein zu überschreiten um dort seine Eroberungsfeldzüge fortzusetzen. Er ließ eine Pontonbrücke als Beweis bauen, dass sie jederzeit übersetzen könnten, riss sie aber nach dieser Demonstration der Macht ab. Das war 58 v.Chr. Danach war das römische Reich fast ein halbes Jahrhundert erst einmal mit verschiedenen Bürgerkriegen beschäftigt. Unter Augustos kam der Gedanke erneut auf die Grenzen zu erweitern. Tiberius unternahm Feldzüge bis zur Nordsee und Ostsee und beanspruchte danach Germanien erobert zu haben. Zahlreiche direkt am Rhein liegende Stämme unterwarfen sich den Römern und es kam zur Gründung von Militärlagern rechts des Rheines. Doch die Behandlung der "besiegten" gegen die es nie eine richtige Schlacht gab durch die Römer und ihren Statthalter Varus führte dazu dass sich ausnahmsweise mehrere germanische Stämme zusammenschlossen und die Römer in einen Hinterhalt lockten und dort 3 Legionen vernichtend schlugen.

Nach einigen Rachfeldzügen zog man sich daraufhin auf die natürlichen Grenzen Rhein und Donau zurück. Von den 24 Legionen der römischen Armee welche das gesamte Weltreich absichern sollten (das sich von England bis Nordafrika in Nord-Süd Ausrichtung und von Spanien bis zu Syrien in Ost-West Ausdehnung erstreckte waren nicht mehr als 9 nur an diesen beiden Flüssen stationiert um die Grenzen zu sichern.

Im Jahre 83 v.chr. drangen die Römer erneut nach Schwaben vor um die Grenze zu verkürzen. Später bauten sie dort den 500 km langen Limes mit 900 Wachtürmen um die Grenze zu sichern. Weitere Bestrebungen Land zu erobern gab es nicht mehr. Der Limes wurde in er folge immer wieder überrannt und schließlich als es einen innerrömischen Bürgerkrieg gab 260 n.chr ganz aufgegeben. Zu dieser Zeit war das römische Reich schon weitgehend geschwächt und die Germanen begannen sich zu Großreichen zusammen zu schließen. Als schließlich die Völkerwanderung einsetzte durch den Druck der Hunnen hatten die Römer den Germanen nichts mehr entgegenzusetzen. Sie fielen in England ein als die Römer es 406/7 verließen, sie nahmen sich einfach römische Provinzen. Die Vandalen ließen sich zuerst in Spanien nieder (V)Andalusien, dann gingen sie nach Afrika. Die Franken ließen sich in Nordfrankreich nieder. Die Westgoten und Burgunden in Frankreich und die Langobarden in der Lombardei. 406 n.Chr. plünderten die Westgoten unter Alarich Rom, das erste mal seit 483 v.Chr. und 471. n. Chr. setzten die Vandalen den letzten römischen Kaiser ab.

Das besondere an dieser Geschichte über 500 Jahren ist, dass es den Römern nie gelang die Germanen zu unterwerfen, obgleich sie in vielen Feldzügen siegreich waren. Dabei fanden die Auseinandersetzungen statt als Rom schon eine Weltmacht war - Sie hatten die rivalisierenden Großreiche ihrer Zeit - Karthago und die 3 diadochenreiche niedergerungen. Gegner mit größeren und disziplinierten Truppen als es die Germanen waren. Die Kelten konnten bezwungen werden, obwohl sie viel mit den Germanen in Kampfesweise aber auch Zersplitterung in Stämme gemeinsam hatten. Warum gelang es nicht bei den Germanen? Sicherlich nicht wegen des Geländes wie immer angeführt wurde. Sicherlich, damals gab es in Deutschland viel mehr Wälder als heute, doch die Germanen betrieben auch damals schon Landwirtschaft und auch in Gallien gab es noch große Wälder. Wirtschaftlich interessant war damals Germanien auch - wegen der Salz und eisenvorkommen und dem Bernstein an der Ostsee (dem Hauptgrund für die Feldzüge zur Ostsee rund um Christus Geburt. Es war wohl die Einsicht, dass anders als bislang geschlagene Gegner es bei den Germanen nicht reicht nur siegreich zu sein. Sie ließen sich eben nicht "romanisieren" und eingliedern, auch wenn sie sich im Laufe der Jahrhunderte mit den Römern arrangierten und eine Wirtschaftsgemeinschaft bildeten.

Das war eben kein einfacher Eroberungsfeldzug der hier möglich. Genauso taten sich die Römer schwer gegen die Briten im Norden Englands und die Parthern und später Persern im Osten. Keiner dieser beiden Völker band jedoch solche Kräfte über Jahrhunderte. Zahlreiche Germanen dienten im römischen Heer als Söldner, sie zeichneten sich durch große Tapferkeit und Loyalität aus und stellten schließlich die kaiserliche Leibwache.

Die germanischen Reiche unter denen sich später das Frankenreich als größtes herausbildete traten die Nachfolge des weströmischen Reiches an. Später erwuchs daraus sogar die kulturnachfolge, denn der deutsche Kaiser war der Kaiser des "Heiliges Römisches Reich deutscher Nation".


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