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Web Log Teil 322: 1.5.2013 - 6.5.2013

1.5.2013: Im Memoriam: der Nadeldrucker

Es gibt Hardware, der ich keine Träne nachweine. Zu dieser Kategorie gehört auch der Nadeldrucker. Man könnte meinen, vom Prinzip her, wäre er ein sehr altes Drucksystem, doch wie ich in der Wikipedia feststellte wurde er erst 1968 von Oki erfunden. Das Prinzip ist recht einfach. In einem Druckkopf befinden sich übereinander eine Reihe von Nadeln, die einzeln gegen ein Farbband "gehämmert" werden. Währenddessen wird der Druckkopf über die Zeile bewegt.

Der grundlegende Vorteil dieses Verfahrens gegenüber dem schon erhältlichen Typenraddruckern oder Variationen dieses Prinzips, wie die Zweckentfremdung von elektronischen Schreibmaschinen und Telex-Fernschreibern war, dass der Drucker grafikfähig war und im Prinzip auch verschiedene Schriften darstellen konnte. Er setzte sich sehr schnell bei Heimcomputern und Personalcomputern durch. Auch wenn beim Altair es noch keinen Matrixdrucker gab, so setzten sie sich in den Achtzigern durch. Meine persönliche Erfahrung wurde durch die englische Wikipedia bestätigt: Der Durchbruch kam mit dem MX-80 von Epson. Als ich meinen ersten Computer kaufte, war Epson "die" Firma für Nadeldrucker. Auch die Nachfolgemodelle wie "FX-80" verkauften sich glänzend.

Demgegenüber waren Typenraddrucker oder zweckentfremdete elektronische Schreibmaschinen ziemlich teuer. Sie produzierten zwar ein schönes Schriftbild, kosteten jedoch fast das Doppelte eines Nadeldruckers.

Auch Rechenzentren nutzten Nadeldrucker, dort meist als Zeilendrucker. Das bedeutet: es gab keinen Druckkopf, sondern eine Druckzeile wo eine Zeile des Rasterns immer komplett gedruckt wurde und nur das Papier unter der Zeile durchgezogen wurde. Verbunden mit dem Nadeldrucker ist auch das Endlospapier mit Löchern an der Seite für die Walze mit der es bewegt wurde. Erst spätere Exemplare hatten einen Einzelblatteinzug. Es gab dann auch noch noch Endlospapier mit feinerer Perforierung und - besonders beliebt in Rechenzentren - Endlospapier mit abwechselnden grünen und weißen Zeilen, damit man nicht in der Programmzeile eines Listings verrutschte. Ich weiss nicht in wie vielen Spielfilmen endlose Stapel von Endlospapier geschäftige Computerauswertung suggertierte.

Nadeldrucker bauten die Schrift aus einzelnen Punkten auf, wie auch Bubble-Jet oder Thermodrucker. Das Schriftbild war anfangs sehr grob. Beim MX-80 waren es 8 x 7 Punkte bei nur 60 bzw. 72 dpi, das bedeutete, man konnte die einzelnen Punkte ohne Problem erkennen (das menschliche Auge hat aus 30 cm Entfernung in etwa eine Auflösung die 285 dpi entspricht). Das war auch das größte Manko, man konnte die Ausdrucke als vom Computer erzeugt erkennen. Das zweite Manko oder je wie man es nimmt, ein Vorteil war das Farbband. Wie das einer Schreibmaschine hatte es eine begrenzte Lebensdauer. War es am Ende angekommen so wurde beim nächsten Druck in die andere Richtung gedruckt und über die Stellen gedruckt von denen schon die Farbe abgetragen wurden, die Drucke wurden zunehmend blasser - außer man half wie der Autor mit Stempelfarbe nach, dann konnte man ein Farbband ziemlich lange benutzen.

Im Laufe der Zeit gab es immer mehr Nadeln. Zuerst waren es 7, das gab schon Probleme mit den Unterlängen, weshalb dann Buchstaben wie das "g" oder "p" nach oben verrutscht aussahen, dann 8 und 9. Mitte der Achtziger zog die "Near Letter Quality" ein - Die Druckgeschwindigkeit wurde halbiert und dann neben jede Spalte eine zweite gedruckt, am Zeilenende angekommen wurde der Druckkopf um eine halbe Rasterzeile verschoben und nochmal gedruckt - So wurden die Lücken zwischen den Zeichen ausgefüllt. Als Preis sank die Druckgeschwindigkeit stark ab. Bei dem Star NL-10 den ich hatte von 120 auf 25 Zeichen pro Sekunde, weil die Zeile zweimal gedruckt wurde und die Druckgeschwindigkeit auf die Hälfte abnahm.

Nochmals etwas später führte NEC die 24 Nadeldrucker ein und ihr "P6" wurde zum Verkaufsschlager. Mit 24 kleineren Nadeln war ohne diese Vorgehensweise "Near Letter! Quality möglich, Mit reduzierter Geschwindigkeit auch "Letter Quality", erreicht wurden 240 dpi. Später sogar 360 dpi.

Praktisch jeder Computerhersteller brauchte auch eigene Nadeldrucker auf den Markt, meistens waren es nur OEM-Nachbauten bekannter Drucker mit einer kleinen Änderung: Das Charakter-ROM in dem die Matrix jedes Zeichen gespeichert was, war auf den Zeichensatz des Rechners angepasst, denn der standardisierte ASCII Zeichensatz endete bei Nr. 126. Die oberen 128 Zeichen wurden herstellerspezifisch definiert, meistens mit grafischen Symbolen oder Blockgrafikzeichen. In diesem ROM war auch das Aussehen der Schriften definiert, wobei diese sehr einfach für verschiedene Stile angepasst wurden - bei fetter Schrift wurde einfach jede Spalte zweimal gedruckt oder zweimal übereinander und bei kursiv einfach schräg gestellt gedruckt, aber es gab selten eigenen Speicher für verschiedene Schriftschnitte.

Theoretisch fähig und auch später von Programmen genutzt hätten Nadeldrucker jede beliebige Schrift drucken können. Das Manko war nur, dass dies langsamer war als das Drucken der Zeichen aus dem ROM und die Grafikmodi nicht die Versatze bei NLQ und LQ-Quality wiederspiegelten. In der Regel gab es einen festen Abstand zwischen den Zeilen und verschiedene Modi für die Spalten. Bei meinem NL-10 welche für 60,72,90,120 und 240. Da aber die 9 Nadeln eine Höhe von 1/8 Zoll hatten, war eigentlich wenn es nicht verzerrt sein sollte, nur die Auflösung mit 72 dpi sinnvoll.

Das Ende der Nadeldrucker als Massenprodukt kam recht schnell. In meiner Erinnerung war es der HP Deskjet 500C, der den Umschwung brachte. Tintenstrahldrucker gab es schon vorher, aber der HP Deskjet war der erste Tintenstrahldrucker der zum einen erschwinglich war (unter 1000 Mark), zum anderen in der Leistung mit den Nadeldruckern vergleichbar und mit einem großen Plus: Er war farbfähig. Das gab es auch bei Nadeldruckern mit einem Band mit vier Farben bzw. Schwarz übereinander, doch weil Farbe an den Nadeln haftete, verschmutzte Schwarz die anderen Farben. Damit konnte man nur Flächen sauber drucken die einfarbig waren wie Logos. Beim HP Deskjet 500C war die Tinte noch so einfach aufgebaut, dass man sie auch selbst aus Glycerin und normaler Nachfülltinte für Füllfederhalter herstellen konnte, was diesen Drucker auch noch im Unterhalt sehr billig machte. (Schon damals wollte HP Kasse mit Einwegdruckköpfen machen)

Ein Blick bei Amazon und in die Wikipedia zeigt mir, das es die Nadeldrucker heute noch gibt. Eine Anwendung die ich selber kenne, ist in Arztpraxen. Wie jede Behörde können wohl Krankenkassen nicht von ihren Formularen lassen und die kann man mit Nadeldruckern direkt bedrucken, samt Durchschlägen, eben durch das "Impactverfahren". Eine zweite, noch wichtigere Anwendung scheint das Protokolldrucken zu sein. Warum es dazu ein Nadeldrucker sein muss ist für mich aber nicht so offensichtlich. Wenn man den Ausdruck sofort haben will geht das sicher auch mit Bubblejets, zumal bei einem Absturz oder ähnliches unter Umständen auch die 64 bis 128 kbyte Buffer leer sind.

 Was mir bei Amazon auffiel, als ich nach noch heute verfügbaren Nadeldruckern suchte war, dass zum einen die beiden Traditionsmarken Oki und Epson die nach wie vor herstellen, aber anscheinend in den letzten zwanzig Jahren nichts getan hat. Sie sind noch genauso teuer wie damals, genauso schnell haben einen genauso kleinen Buffer und vor allem immer noch 24 Nadeln. Also es gab mal 48 Nadeldrucker und bei den Tintenstrahldruckern hat sich die Anzahl der Düsen von einigen Dutzend auf über 1000 erhöht, die Auflösung von 300 dpi auf 2400 und noch höher. Noch dazu sind sie enorm billig geworden. Das scheint das Schicksal jedes Produkts zu sein, wenn es vom Massen- in den Nischenmarkt verschwindet. Ein Z80 Prozessor ist in den letzten 30 Jahren auch kaum noch billiger geworden. Immerhin kann man ihn noch kaufen, was man nicht über viele Prozessoren aus derselben Zeit sagen kann.

Zurück zum Anfang. Warum ich einem Nadeldrucker keine Träne nachweine? es war das nervige Betriebsgeräusch. Durch den Aufschlag der Nadeln, mehrere Hundert Mal bis über Tausend Mal pro Sekunde waren Nadeldrucker recht laut - 10 db lauter als die als "laut" verschriehenen Laserdrucker. Noch nervender war das Geräusch das vor allem in hohen Frequenzen auffällig war. Es erinnerte irgendwie an Kreissäge oder Zahnarztbohrer. Wenn ich mal Serienbriefe rausdruckte, dann fütterte ich den automatischen Einzug und schaute dass ich nicht die nächsten Stunden ins Zimmer musste.

3.5.2013: Geheimprojekt SMS

Als das Raumfahrtzeitalter begann, da war zwar die Sowjetunion erster, aber die USA hatten viel schneller erkannt, dass man den Weltraum militärisch nutzen kann. Doch wie dies tun, ohne das dies publik wird oder gar Proteste verursacht? Nun man hat sich einen Trick überlegt und ein Satellitenprogramm ausgedacht, das nach offizieller Verlautbarung der Forschung dienen sollte. Netterweise hat man es gleich "Discoverer" (Entdecker) getauft. Die gestarteten Satelliten des Corona Programms waren aber allesamt militärischer Natur. Nur ab und an installierte man noch zusätzlich Strahlenmeßgeräte oder einmal wollte man auch Mäuse ins all schicken.

Mit der Praxis hört man nach Discoverer 35 auf, weil zu diesem Zeitpunkt niemand mehr glaubte, dass ein Forschungsprojekt so viele Starts in weniger als drei Jahren erforderlich machte und niemand etwas von den Ergebnissen hörte. Die USA übernahmen den Gedanken und benannten alle ihre militärischen Satelliten als "Cosmos" und bezeichneten sie als Satelliten der Erforschung der Erde und des Weltraums. Über 2400 Cosmos hat die UdSSR gestartet, ein enormes Forschungsprogramm!

Die USA nannten ihre Satelliten dagegen nur noch unter der Bezeichnung "USA" oder "NRO" mit einer laufenden Nummer und man muss raten, wofür er gut ist. Hinweise geben die Bahnen, aber ein erdnaher Satellit kann sowohl ein Radarsatellit wie auch ein Fotoaufklärer sein. In jedem Falle weiß man durch den Start von den Satelliten und das scheint mehr und mehr ein Problem zu werden.

Das letzte Programm für Fotoaufklärungssatelliten der USA wurde zum Desaster. Es wurde zu teuer und nach Wechsel des Herstellers schließlich eingesetzt. Seitdem nutzen die militärischen Dienste vor allem zivile Quellen und sind bester Kunde von Digiglobe, die immerhin bis zu 0,45 m Auflösung liefert. Die schon fertiggestellten Teleskope bekam die NASA, die nun einen Verwendungszweck dafür sucht. Das Problem: die zivilen Satelliten decken nicht alles ab was das neue System leisten soll. In der derzeitigen Haushaltssituation und nach dem Fiasko des letzten Programms gab es keine Chance ein neues Programm genehmigt zu bekommen.

Worauf das DoD kam war ein Objekt aus "schwarzen Kassen". Sprich es taucht nirgendwo im Etat auf, sondern andere Etats werden höher angesetzt als sie tatsächlich sind und das Geld wird abgezweigt. So wurde schon viel finanziert, der F-117A oder die SR-71. Bei diesem Projekt ist es offensichtlich woher das Geld kommt - von den EELV Programm das in den letzten Jahren deutlich teurer wurde und das für das DoD deutlich mehr kostet als für die NASA, die rund 30% weniger für einen Start zahlt.

Nur durch Zufall wurden Details des geheimen Programms, das nur SMS heißt - als Abkürzung für "Satellite Monitoring System", an die Öffentlichkeit. Es soll den Hauptnachteil der zivilen Erdaufklärer beseitigen: sie haben keine Thermal-IR Sensoren und sie bilden nur ein kleines Gebiet ab. Die alten KH-11/12 machten auch Weitwinkelaufnahmen und den einzigen IR-Satelliten mussten die USA selbst zerstören, als er kurz nach dem Start außer Kontrolle geriet. In einer Welt in der man überall nach Terroristen sucht nützen Detailaufnahmen nur etwas, wenn man weiß wonach man suchen muss. und mittels IR kann man auch getarnte oder verdeckte Gebäude anhand ihrer Thermalsignatur finden. SMS soll die gesamte Erde zur Suche nach Terroristen, geheimen Waffenfabriken oder Atomforschungsanlagen in wenigen Monaten ablichten und so aktuelles Material für hochauflösende Inspektionen durch die Worldview Satelliten liefern.

Das es Satelliten gibt, die mehr können, als die bestehenden, dafür gab es Hinweise. So hat das DoD seit einigen Jahren mit kommerziellen Telekommunikationssatelliten Laserlink Terminals gestartet. Nur gibt es bisher keinen militärischen Satelliten der Laserkommunikation nutzt und auch keiner der geplanten. Laserlink-Kommunikation hat nicht nur den Vorteil, dass man keine Funksignale abfangen kann, sondern auch sehr viele Daten übertragen werden können und die Kommunikation zur Erde erfolgt durch einen zivilen Kommunikationssatelliten - die ideale Tarnung.

Doch das ist nur ein Aspekt. Wie kommt ein System ins All? Jeder dezidierte Start würde auffallen. Doch man fand eine Firma in großen Finanznöten, die über ihre Starts kaum etwas veröffentlichte: SpaceX. SpaceX hat offensichtlich die Satelliten gegen Bezahlung transportiert. Dazu passt auch das offensichtliche Missverhältnis zwischen den Kosten des Programms von SpaceX (1,2 Milliarden im letzten Mai), den eigenen Investitionen (220  Millionen) und den bekannten NASA Zahlungen (388 Millionen). Offensichtlich kam der Rest vom DoD, für einen kleinen Gefallen. Sie transportierten beginnend mit dem zweiten Start der Falcon 9, die SMS Satelliten als Sekundärnutzlast. Schon immer wunderten sich Journalisten über ein Objekt mehr im Orbit nach den NORAD Daten. Beim vierten Start waren es vier: die Zweitstufe, der Orbcomm, die Dragon und ein SMS. Darauf von Journalisten bei dem letzten Start angesprochen meinte Shotwell, es wäre die Verkleidung der Dragon. Doch nach den älteren Presskits wird die zeitgleich mit Brennschluss der ersten Stufe abgetrennt. Die fehlende Nutzlast macht auch klar, warum die Nutzlasten der Dragon so bescheiden sind. Damit ist auch eine Abschätzung möglich wie schwer die ersten SMS-Satelliten sind: es müssen etwa 1000 bis 1500 kg sein. Wahrscheinlich wurde deswegen auch das Block II Design durch die "v1.1" ersetzt, denn sonst wären gleichzeitig SMS und Dragon Transporte unmöglich. Es erklär auch die Nutzlastabnahme der "v1.1" von 16 auf 13,23 t, die zweite Generation der SMS wird offensichtlich noch schwerer. Wahrscheinlich wird "v1.1" auch vom DoD finanziert.

Wie die SMS-Satelliten funktionieren, darüber gibt es noch keine Informationen. Wahrscheinlich haben sie eine Batterie von mittelauflösenden Kameras. Sie können in kürzester Zeit die gesamte Erde im sichtbaren und Infrarot in einer Auflösung von mehreren Metern ablichten. Da sie nur passiv im Orbit verbleiben, also innerhalb von einigen Monaten durch die erdnahe Bahn verglühen, müssen sie ihre Daten mit hoher Datenrate zur Erde übermitteln - daher der Laserlink. TESAT, die die Laserlinks für das US-Militär herstellten, sprechen von einer Datenrate von 10 GBit vom LEO in den GEO. Damit kann man in einem Monat bei Übertragung über 50% der Zeit schon die Erde in einem monat mit 2 m Auflösung in 11 Spektralkanälen ablichten und die Daten übertragen.

Das ganze wäre wohl noch jahrelang geheim geblieben, wenn jemand nicht die Abkürzung mit "Short Messaging Service" verwechselt hätte und einen Link auf ein Dokument per SMS verschickte. Das Dokument wurde gelöscht, doch es war zu spät. Nun suchen viele in den NORAD Daten nach weiteren verdächtigen Objekten. So könnte auch der Start der Antares einen fest montierten SMS Satelliten umfassen. Es gibt dazu zumindest einen Hinweis: er erfolgte in einen 51,6 Grad Orbit wie auch alle Starts mit der Falcon. Von Wallops aus wäre für einen Erprobungsflug eine Inklination von 33 bis 38 Grad üblich gewesen, doch damit deckt der Satellit nicht die Regionen der Erde ab, die man fotografieren muss. Eventuell wird auch OSC weitere SMS Satelliten transportieren, denn auch diese Firma arbeitet an einem upgrade ihrer Rakete und die Nutzlast hat sich trotz stärkeren Castor 30A Antriebs um 700 kg gegenüber den Werten von 2009 erniedrigt.

4.5.2013: Auf zum nächsten Buch

Seit ich vom Allgäu zurück bin habe ich begonnen die Ernährungsfragen ins Reine zu schreiben und Schreibfehler raus zu machen. Es sieht sehr gut aus und ist im Konzept besser als ich dachte. So denke ich werde ich in zwei Durchgängen fertig sein. Mit etwas Glück, wenn auch die Korrekturleser es unter 3 Monaten schaffen, kommt es noch dieses Jahr raus. Damit habe ich zum ersten Mal seit 2009 kein Buch mehr in der Pipeline.

Doch ich habe schon eine Idee für ein neues Buch, Ich hatte ja mal die Idee für "Das ist drin", also ein Buch über den teil der Ernährungslehre, den man als Lebensmittelkunde bezeichnet. Ich hatte auch schon mit Brot angefangen, aber dann doch gemerkt, dass man da enorm viel recherchieren muss und es gibt auch eine Reihe von Büchern zu dem Thema. z.B. Wirth "Lebensmittel in ernährungsphysiologischer Bedeutung", Vollmer: "Lebensmittelführer 1+2", Katalyse "Neue Chemie in Lebensmitteln". Alle leider etwas älter und vergriffen, aber das Thema wurde schon extensiv von anderen aufgearbeitet.

Was mir aber bei den Ernährungsfragen gefiel, war das es immer nur eine Frage war, ich also mich auf dieses eine Thema konzentrieren konnte und wenn es erledigt war, dann das nächste. Das erlaubte es auch immer wieder etwas dazwischen zu machen ohne befürchten zu müssen mich zu wiederholen. Daher habe ich auch eine Idee für so was ähnliches wie "Das ist drin light", also keine komplette Recherche aller Lebensmittel mit Technologie, Chemie, ernährungsphysiologischer Bedeutung und Belastung, sondern konzentriert jeweils auf einzelne Nahrungsmittel.

Als Arbeitstitel habe ich mir vorgestellt so was wie "die 30 gesündesten Lebensmittel", wobei das ironisch gemeint ist, so wie auch der aktuelle Titel ("Was sie schon immer nicht über Lebensmittel wissen wollten"). Das Buch besteht aus der Beschreibung der Zusammensetzung verschiedener Lebensmittel, wobei ich je ein Lebensmittel zum Aufhänger nehme die Wirkung eines Stoffs genauer zu beschreiben, bei Acerola z.B. Vitamin C. Also ich brauche von euch Vorschläge für Lebensmittel von denen ihr schon immer wissen wolltet. aus was sie bestehen, oder hergestellt werden. Das mit dem "gesund" solltet ihr wegen der Ironie nicht wörtlich nehmen, wie bei Politikern kommt es nur auf die Sichtweise an. Auch Schokolade kann sehr gesund sein, man muss nur den richtigen Blickwinkel haben.

Also Vorschläge für Lebensmittel deren Zusammensetzung oder Technologie euch interessiert bitte hierein. Ich werde die Rohformen der Artikel natürlich auch im Blog veröffentlichen.

4.5.2013: Steuern und Steuerehrlichkeit

Etwas verspätet mal mein Senf zu der Steueraffäre um Uli Hoeneß. Da das in meiner internetfreien Woche war, erst jetzt mein Kommentar. Das wurde zumindest in Talkshows recht kontrovers diskutiert. Zum einen wendeten sich viele gegen die Verharmlosung "Steuersünder", das wäre ein Delikt wie Betrug oder Diebstahl. Zum anderen wurde bemängelt, dass man sich nun auf Hoeneß konzentriert, aber nichts zu den Deutschen sagt die ihren Wohnsitz gleich ins Ausland verlegt haben wie Beckenbauer, Schumacher und Vettel, die sich aber gerne als "Deutsche" feiern lassen.

Die meisten Debatten gab es um das gescheiterte Abkommen mit der Schweiz. Je nach Parteibuch hätte jemand wenn das Abkommen zustanden gekommen wäre Geld gespart oder mehr gezahlt. Ich denke die Rechnung hängt wie immer von den Annahmen ab. Nämlich dem Steuersatz und ob die Zinsen abgehoben werden oder nicht. Meine Meinung ist da recht klar: es ist gut, dass das Gesetz gescheitert ist, denn was es für den "Steuerflüchtling" bringt ist Anonymität. Während er sonst bei einer dieser Daten-CD der Finanzbehörde bekannt ist und damit rechnen muss ab einer bestimmten Summe nicht nur ins Gefängnis zu wandern, sondern auch das seine restlichen Finanzen genauer unter die Lupe genommen werden - und da ist sicher auch nicht alles koscher. Nach dem Abkommen müsste er damit nicht rechnen.

Was mich am Steuerrecht ärgert, ist nicht das es Steuerflüchtlinge oder solche Transfers ins Ausland gibt. Die wird es immer geben, außer der Staat setzt seine Steuersätze so niedrig ein, dass es in Deutschland günstiger als in allen Ländern ist - und damit ist dann eben das Allgemeinwesen nicht zu finanzieren. Was mich viel mehr ärgert ist, dass unser Steuerrecht so komplex ist und unzählige Sonderregelungen und Schlupflöcher hat. Von denen profitiert nur wer selbstständig ist oder andere Einkommen als aus nichtselbständiger Arbeit hat. Bei letzteren wird die Steuer gleich vom Arbeitslohn abgezogen und es gibt den Arbeitnehmerpauschalbetrag. Damit hat es sich dann auch. Selbst wenn man wie ich nun als Programmierer selbstständig ist, kann man fast nichts absetzen, wie ich leidvoll bei den letzten beiden Steuererklärungen erfahren habe.

Es gibt zwei Gründe, warum unser Steuerrecht so kompliziert ist. Das eine ist es allen Recht zu machen. So setzen Berufsgruppen mit ausgeprägten Nachtschichten durch, dass diese steuerlich anders behandelt werden, oder man kann lange Anfahrtswege über die Pendlerpauschale hinaus absetzen, von den Sonderreglungen für richtig wohlhabende Klientels (Stichwort: Mehrwertsteuer bei Hotels und FDP) mal ganz zu schweigen.

Meine Meinung: wir brauchen ein neues Steuerrecht. Zwei Vorschläge: entweder man macht eine komplette Bilanz also alle Einnahmen, alle Ausgaben und daraus wird die Steuer berechnet - wie schon heute, nur eben ohne Sonderregelungen wie Sonderabgaben, Riesterbefreiung etc. mit dann angepassten Steuersätzen, da ja zahlreiche Schlupflöcher wegfallen. Oder, mein Vorschlag: es gibt Pauschalen für alles und die Steuererklärung reduziert sich auf die Einnahmen und die Abzüge der Pauschalen. Liegt man trotzdem mal drüber, z.B. bei einer Gebäudesanierung es einmalig hohe Ausgaben gibt, so kann man dann zur Einzelabrechnung übergehen. So was haben wir ja schon bei Arbeitnehmern und Kapitalerträgen. Das kann man auf andere Teile übertragen. Bei einer vermieteten Wohnung kann man einen Durchschnittswert für Rücklagen für Sanierung, Versicherungen, Kosten für Beleuchtung, Wartung etc. bilden und als Pauschale festlegen, bei selbstständigen Tätigkeiten genauso.

Das hätte einen Vorteil: man hat weniger mit der Steuererklärung zu tun. Auch die Finanzämter haben weniger zu tun. Es ist vielleicht nicht für jeden Einzelfall gerechter, aber damit habe ich eh zwei Probleme. Das eine ist, das unser Steuerrecht nicht verantwortlich ist mangelnde Tarifabsprachen wie eine zu schlechte Bezahlung von Nachtarbeit abzufedern, noch dafür verantwortlich ist, wenn jemand 200 km zur Arbeit fährt, anstatt umzuziehen. Erst recht nicht ist es für den Spekulationen mit Immobilien verantwortlich. Das zweite ist, das ich bei dem derzeitigen Steuerrecht immer das Gefühl habe, ich schenke dem Finanzamt etwas, weil ich gar nicht weis, was ich alles absetzen kann oder worin ich investieren könnte um Steuern zu sparen. Wenn das wegfällt, weil es einfacher ist und nicht so viele Regelungen gibt wäre wohl nicht nur mir gedient.

Aber die berühmte Steueerrklärung auf dem Bierdeckel à la Merck wird wohl nicht kommen. Ganz einfach deswegen weil die Politik bestimmt ist von den Interessenvertretern von Industrie und anderen Gruppen. Nur mal ein Beispiel: Gewerbesteuer müssen nur Betriebe zahlen. In Baden-Württemberg waren das 454 Euro pro Einwohner. Ich bin mir aber recht sicher, dass die durchschnittliche Steuerbelastung selbst unter Einbeziehung von Kindern und nicht arbeitenden viel höher ist. Teile ich nur die Steuereinnahmen des Bundes durch die Einwohnerzahl, so komme ich auf 3000 Euro. Betriebe werden also heute schon enorm bevorzugt. Der Arbeitnehmer hat keine Lobby, das ist das Problem.

6.5.2012: Immer ist Microsoft dran schuld.

In der letzten ct' kam eine Meldung wonach der PC-Verkauf erstmals seit 1993 rückläufig ist. Damals flog glaub ich eine Fabrik für den Kunststoff in die Luft in die damals die Chips eingegossen wurden, was innerhalb weniger Wochen die Speicherpreise vervierfacht hat. Schuld an dem Rückgang: Microsoft. Windows 8 käme bei den Leuten nicht an, sie würden daher keinen neuen PC kaufen und mit dem alten unter Windows 7 weiter arbeiten.

Nun ist Windows 8 bestimmt nicht der Verkaufsschlager als den Microsoft ihn geplant hat. Der grundlegende Fehler war es, Funktionen die auf einem Tablett Sinn machen, auf einem Desktop Rechner zur Bedienung einzuführen wie Gestensteuerung "Tochdisplay". Es gibt zwar neben Tablett-PCs und Zwittern zwischen Notebook und Tablett zwar erste Geräte mit einem berührungssensitvem Bildschirm, aber die sind zum einen recht teuer und zum anderen ändern sie nichts am Grundproblem, dass man dann dauernd wechseln muss zwischen Tastatur und Maus und Monitor. Anders als bei Windows 7 halten sich die Verbesserungen die man auf dem PC nutzen kann aber in Grenzen. Früher war es so, dass eine neue Windows Version schon wegen der gestiegenen Hardwareanforderungen einen neuen PC nötig machte. Auch dem ist nicht mehr so. So gibt es für die Leute aus diesem Blickwinkel keinen Grund einen neuen PC zu kaufen.

Eigentlich sollte man meinen, Microsoft hat nach dem Fiasko mit Windows Vista hinzugelernt, aber dem scheint nicht so zu sein. Vielleicht hat aber auch die Firma den PC Markt schon abgeschrieben. Egal welches Windows sie rausbringen. Jeder PC braucht eine Lizenz. Die noch bei XP möglichen Volumenlizenzen wurden abgeschafft, so ist jeder Schlüssel nur wenige Male verwendbar ohne das man unangenehme Fragen beantworten muss wenn man es dann nur noch telefonisch aktivieren kann. So ist es logisch, dass sich die Firma auf den Zukunftsmarkt der Tablett PCs oder Smartphones konzentriert in denen derzeit noch Android und iOS dominieren.

Aber die Branche macht es sich zu einfach. Ich habe mir vor einigen Tagen mal angesehen was ich für den Peis meines alten PC's (500 Euro) an neuen Geräten bekomme. Der alte ist nun dreieinhalb Jahre alt, steuerlich abgeschrieben und vielleicht wäre mal ein neuer fällig. Doch selbst wenn ich ignoriere dass ich den PC um eine Festplatte und 4 GB RAM erweitert habe, bekomme ich nicht wesentlich mehr als vor mehr als 3 Jahren. Anstatt 4 GB eben 8 GB, die Festplatte ist nach wie vor 1 TB groß und bei den Prozessoren ist es in der Preisklasse um 500 Euro auch noch ein Zweikerner. Nur die Spitzentraktfrequenz ist von 2,6 auf 3,2 GHz gestiegen. Also wenn ich noch nicht aufgerüstet hätte, würde ein RAM Riegel reichen und das einzige was dann ein neuer PC voraushätte wären 600 MHZ oder weniger als 25% Geschwindigkeit mehr.

Das ist der wesentlichste Grund, warum die Leute keinen neuen PC kaufen: früher brauchte man ihn entweder weil sonst neue Software nicht mehr lief oder der neue war nach drei Jahren in allen Parametern 2-4 mal besser, sodass man "mehr Power fürs Geld" bekam (ob man sie braucht ist eine andere Frage), aber nun ist dem nicht mehr gegeben. Die PC Branche erreicht nach 30 Jahren den Sättigungspunkt den andere Branchen schon längst erreicht haben: jeder hat das gewünschte Produkt und neue Innovationen die obwohl man das Produkt hat einen zum Neukauf veranlassen bleiben aus. Dann wird eben noch ersetzt wenn etwas ausfällt. Ich wette bald werden Motherboards oder Prozessoren so konstruiert, dass sie nach 2-3 Jahren den Geist aufgeben. Die geplante Obszoleszenz ist ja auch sonst im IT Bereich schon verbreitet wie Tintenpatronen bei Druckern sie sich für leer halten oder fest verlötete Akkus die einen zum Neukauf zwingen.

Ansonsten geht es der Branche ja gut. Das es weniger neue PCs gibt, heißt ja nicht, dass es nicht mehr Umsatz gibt. Die Leute haben meist noch ein Notebook, das muss man sowieso nach einigen Jahren auswechseln, weil das Display dunkler wird und der Akku schwach. Dann kaufen sie jetzt noch ein Tablett oder einen Tablett PC oder ein Smartphone und geben dafür sogar noch viel mehr Geld aus als wie für einen neuen PC. Es scheint so zu sein wie bei den Fernsehern: anstatt Röhrengeräten kauft man eben erst LCD und nun LED Fernseher, aber der Umsatz wird nach wie vor gemacht, nur eben mit anderen Geräten.


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