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Web Log Teil 325: 20.5.2013 - 24.5.2013

20.5.2013: Wer braucht 4K Fernseher?

Ich hatte euch für heizte einen verbesserten Beitrag von Niels für eine Ariane 6 versprochen in der er die Anmerkungen beim letzten mit einfließen lassen hat, aber das Word Dokument enthielt eingebettete Excel Tabellen die bei mir in Libreoffice und Textmaker nur als Grafiken zu sehen waren und beim Export in HTML oder über die Zwischenbalge in Wordpress ganz wegfielen. Bis das korrigier ist also wieder was von mir.

Seit kurzem bietet Seiki seinen Monitor SE50UY04 an - das besondere: der 50 Zoll (1,27 m) große Display hat eine Auflösung von 4096 x 2304 Pixeln, auch 4K genannt. Das ist mehr als doppelt so auflösend wie HD-Fernsehen in der Norm 1920P und mehr als dreimal so hochauflösend wie die Norm 1280p, mit der bei uns HD ausgestrahlt wird. Weiterhin ist das Gerät mit 1300 US-$ bezahlbar. Das sind in etwa 1000 Euro und so was kann man hier auch für einen 55 Zöller hinlegen, der zugegebener weise noch etwas größer ist.

Doch lohnt es sich? Also mal das ganze hinterfragt. Das ganze hat natürlich mehrere Aspekte. Da ist zum einen mal ob man die Auflösung sieht. Leider gibt es da relativ wenige Messungen wie gut das menschliche Auge ist, am meisten noch in der Astronomie, wobei wir dann aber von dunkeladaptiertem Sehen und dem Trennen von punktförmigen Lichtquellen und nicht sehen bei Tage und Bewegbildern reden. In der Astronomie liegen die publizierten Werte für das Auflösungsvermögen des Auges zwischen 60 und 120 Bogensekunden, dass ist der 1720 bzw. 3440-ste Teil des Abstandes. Manche Autoren geben auch höhere Werte an bis zu 30 Bogensekunden, das mag dann für das Tagsehen gelten. Doch ich habe noch niemanden getroffen, der dann tatsächlich ein Objekt von 1 mm Größe in rund 7 m Anstand von einem zweiten 1 mm daneben unterscheiden kann (einen 1 mm breiten dunklen Fleck auf Weiß schon, doch hat das nichts mit Auflösungsvermögen zu tun, das kann man nur in der Trennung zweier Details wie Linien oder Punkte bestimmen). Damit ihr wisst von was ich rede habe ich hier zwei Mondaufnahmen herunterskaliert auf eine Auflösung die 0,5 Bogenminuten oder 1 Bogenminuten entspricht

31 Pixel Größe 31 Pixel Größe = 1 Bogenminute
62 Pxiel Mond 62 Pixel Größe = 0,5 Bogenminute

Also ich erkenne auf dem Mond weitaus weniger Details als selbst auf der 31 Pixel Aufnahme, man achte auf die kleinen Mare, die immer noch einige Hundert Kilometer groß sind.

Unser Auge könnte also, wenn man den höheren Wert nimmt, aus 3,5 m Entfernung noch Details von 1 mm erkennen. Übertragen auf einige Geräte heißt das:

Bei einem 24° Monitor in 1920 x 1080 Pixeln: in 95 cm Entfernung ist diese Grenze erreicht, ist man weiter weg, so kann man nicht alle Details sehen, ist man näher dran, so erkennt man immer stärker die einzelnen Pixel

Bei einem 37" Tv in 1280P Auflösung beträgt der Abstand 2,2 m

Bei einem ipad mit Retina Display (264 dpi) sind es 33 cm.

Wer tatsächlich im Besitzes eines Auges mit 0,5 Bogenminuten Auflösung ist, kann diese Abstände wie auch alle folgenden halbieren.

Man kann leicht errechnen, dass man bei dem 4K Monitor dann bis auf 93 cm an den Monitor heran muss um die Auflösung auch auszukosten. Bei einem Gerät dieser Größe (man will ja nicht dauernd den Kopf schwenken, denn der Monitor hat 127 cm Durchmesser) wird der typische Abstand aber eher bei >2 m liegen. Dann aber sieht 1920i genauso gut aus wie 4K Auflösung.

Also von der Auflösung her bringt 4K keinen Vorteils. Doch das ist nur eine Seite. Die zweite ist: was will man anzeigen?

Und da hapert es. BlueRay arbeitet mit maximal 1920p. Derzeit wird an einer 4K Version gearbeitet, die natürlich auch eine viel höhere Datendichte wegen der rund 4,5 mal mehr Pixel nötig macht, doch da die Kapazität seit Einführung schon vervierfacht wurde, denke ich ist das kein Problem. Problematischer ist, dass es kein Material gibt das man anzeigen könnte. Kino hat gerade erst auf 2K umgestellt und dürfte wegen der Investitionen sich nicht so schnell auf 4k wechseln, dabei ist es wie beim TV: umgestellt haben bisher einige Kinos, die anderen nehmen nach wie vor Film, der nicht mal 1280p entspricht (je nach Qualität 800-1000 Pixel in der Horizontalen). Beim Fernsehen ist es so, dass noch nicht mal die öffentlich rechtlichen alles auf HD umgestellt haben. Es ist eigentlich nur ARD und ZDF. Ale dritten, alle Spartenkanäle sind noch in SD. Wenn der Kanal HD ist, bedeutet dass noch lange nicht, das jede Sendung auch in HD produziert wird. Als ich im Urlaub war habe ich mal "Volle Kanne Susanne" angeschaut, eine tägliche Hausfrauensendung. Die läuft immerhin jeden Tag und wird jetzt 6 Jahre nach Einführung von HDTV erstmals in HD ausgestrahlt - ich möchte nicht wissen wie viel SD-Sendungen sonst noch im HD Kanal laufen....

Bleibt noch der Zuspieler für den Computer. Für die Alltagsarbeit ist der Monitor zu groß. Bei Spielen wäre er sicher brauchbar, man denke mal an Flugsimulatoren oder auch Sportspiele mit Bewegungssteuerung also so was wie bei der wii. Nur korreliert die hohe Auflösung natürlich dann auch mit höheren Ansprüchen an die Hardware die nun 4,5 mal mehr Pixels rendern muss, die allerdings bei den immer besseren Grafikkarten vielleicht in einigen Jahren dann gegeben ist.

Aber selbst für die Spieler wird oft der Platz nicht da sein. Okay, wenn der Monitor nur 75 cm von den Augen weg ist muss er "nur" noch 40 Zoll Diagonale haben, also so groß wie heute ein größerer Fernseher, doch setzten sie sich mal 75 cm vor einen Fernseher hin - da wird man bald Genickschmerzen bekommen, weil man das ganze Gesichtsfeld nicht überblicken kann, aber bei Ego-Shootern überall hin schauen muss und nicht nur in die Mitte.

Die einzige Chance die ich für das Medium sehe, ist die Großprojektion, wofür es auch mal gedacht war (Kino). Wenn man 1,50 m in der Höhe und 2,67 m in der Breite an der Wand frei hat, darf man 2,30 m von der Leinwand entfernt sein. Eventuell wäre es sogar besser das Format gleich kinotauglich auf das Seitenverhältnis 21:9 zu ändern. Erste Monitore in dem Format gibt es ja schon, also warum nicht gleich so?

Mir persönlich wäre ein 1:1 Format lieber, das merke ich immer mehr im Alltag. Ich habe zwei Monitore, einen 24 Zoll mit 1920 x 1200 und einen 19 Zoll mit 1280 x 1024 Pixeln. Für vieles ist der kleinere besser geeignet. Beim Browsen gehen die Dokumente in die Länge und nicht in die Breite, Textdokumente und Programmcode sind auch länger als breit. Wobei bei letztem wegen der vielen angedockten Fenstern dann Breitbild doch ganz geschickt ist. Nur für Filme wäre der größere besser geeignet, aber Video läuft bei mir als Nebenberieselung auf dem kleinen Monitor und lässt unten Platz den ich nicht nutzen kann. Monitore im Format 1:1 wären besser, dann wäre der Platz gut ausgenutzt Die zweite Lösung sind Monitore die man drehen kann, doch da bei den 24 Zöllern die Auflösung in der Horizontalen auf 1080 Pixel abgenommen hat müsste ich mir zwei neue Monitore kaufen und hätte dann doch nur knapp 15% mehr Pixel, was mir zu wenig ist. Oder ich habe nur einen Monitor, dafür ultrawide, doch die zeigen bei 29 Zoll auch nur 2560 x 1080 Pixel an....

21.5.2013: Die Minirakete

Nun da ja so gerne am oberen Ende des Spektrums neue Raketen konstruiert werden, hier meine Vision einer Rakete am unteren Spektrum. Ziel ist es sehr kleine Mini Satelliten von unter 100 kg zu starten.

eine so kleine Rakete werfen wir am besten vom Flugzeug ab. Sie ist so licht, dass wir dazu kein Passagierflugzeug brauchen, daher habe ich ein Kampfflugzeug ausgesucht: die Mig-31. Sie hat eine Spitzengeschwindigkeit von Mach 2,85. Ich habe nur Mach 2 angesetzt, weil die Rakete(n) ja noch Luftwiderstand bedeuten. Damit es keine Probleme gibt sind es nämlich zwei die simultan abgeworfen werden und die Rolle der Zusatztanks einnehmen. Damit ist die Startmasse auf 2500 kg beschränkt, denn diese transportieren 2500 l Kerosin und die Tanks wiegen auch noch was.

Die Pegasus braucht beim Abwurf mit Mach 0,8 nur noch 850 m/s um den Orbit zu erreichen. Ein Start bei mach 2,0 reduziert die Verluste dann auf 450 m/s. Das wäre mit zwei Feststoffstufen oder drei zu erreichen. Ich will beide mal projektieren. Ich bevorzuge die drei Stufen Lösung, da wir ohne aktive Steuerung auskommen müssen. Sonst bleibt nicht viel von der Nutzlast übrig. Eine passive Steuerung ist recht einfach. Die erste Stufe setzt Flügel ein, das stabilsiert sie aerodynamisch und lässt sie in einem flachen Winkel ansteigen. Die beiden oberen Stufen werden vor der Trennung von der Unterstufe zuerst in einen vorgegeben Winkel zur Horizontalen gedreht und dann aufgespinnt zur Spinnstabilsierung. Bei nur zwei Stufen muss man eine recht lange Freiflugphase zwischen Brennschluss erster und Zündung zweiter stufe einschieben, was energetisch ungünstig ist, zudem ist die Leermasse der zweiten Stufe relativ hoch.

Dreistufige Variante:

Erste Stufe: voll: 1620 kg, leer 220 kg, spezifischer Impuls: 2850 (abgeleitet von dem Star 50)

zweite Stufe voll: 540 kg, leer 34 kg, spezifischer Impuls 2833 m/s (abgeleitet vom Star 30C)

dritte Stufe voll: 170 kg, leer 22 kg, spezifischer Impuls 2845 (abgeleitet vom Star 17)

Nutzlastverkleidung: 20 kg (wird nach erster Stufe abgeworfen). Wie man sieht haben die Stufen ein Gewichtsverhältnis von 3. Das ergibt ungefähr gleiche Start(Endmasseverhältnisse und damit die maximale Nutzlast.

Zielgeschwindigkeit (mit Verlusten): 8250 m/s brutto, 7800 m/s netto

Es errechnet sich eine Nutzlast von 67 kg. Will man das Startgewicht von 2500 kg ausnutzen so kann man die zweite Stufe um 80 kg erhöhen und die dritte um 20 kg, dann resultiert gerade eine Nutzlast von 70 kg

zweistufige Variante

Erste Stufe: voll: 2110 kg, leer 286 kg, spezifischer Impuls: 2850 (abgeleitet von dem Star 50)

zweite Stufe voll: 350 kg, leer 35 kg, spezifischer Impuls 2846 m/s (abgeleitet vom Star 17/30C)

Die Nutzlast beträgt hier nur 44 kg.

Die dreistufige Variante ist also deutlich besser. Was diese Rakete aufweisen wird, sind sehr große Schwankungen der Bahnparameter. Der Satellit sollte daher ein eigenes, kleines Antriebssystem beinhalten. Das muss nicht groß sein. Bei einer so kleinen Masse reichen Triebwerke 10 N Schub, diese kann man ohne Druckgastanks alleine durch den Treibstoff der sich durch die Oberflächenspannung ansammelt zünden. Damit sind auch höhere Orbits leichter erreichbar.

Was kostet es? Nun wenn man nicht so hohe Ansprüche stellt gar nicht mal so viel. Die Scout war recht einfach aufgebaut und als sie noch relativ häufig gestartet wurde, so 1970 kosteten ihre stufen zwischen 213.000 und 288.000 Dollar, das wäre inflationskorrigiert heute 1,28 bis 1,7 Millionen Dollar. Allerdings sind unsere Stufen noch kleiner und haben keine aktive Steuerung. So sollten die drei Stufen für 3 Millionen Dollar herstellbar sein, wenn es eine genügend hohe Startrate von >6 Starts pro Jahr gibt.

Dazu kommen noch die Startkosten. Wenn man einen Mitflug auf einer Mig für 15000 Euro pro 45 Minuten buchen kann, dann sollte es kein Problem seinen einen Flug mit Abwurf der beiden Raketen zu buchen. Da die meisten Satelliten in einen SSO gehen, müssen diese Flugzeuge auch nicht Russland verlassen. Nehmen wir noch weitere 500.000 Dollar für den Start und den Transport nach Russland, dann sind wir bei 3,5 Millionen Dollar pro Start oder 50.000 $ pro Kilogramm. Die Vega ist dreimal billiger mit 32-42 Millionen Euro je nach Startrate pro Kilogramm, aber der zweite Testflug zeigt schon ihren Nachteil: Nutzlast war die nur 140 kg schwere Proba V sowie zwei weitere Satelliten. Jeder wog 1.33, 115 und 140 kg, alle drei zusammen 258 kg.

Für kleine Satelliten ist der Transport mit der Vega also unökonomisch, außer man findet einen Hauptsatelliten der die Nutzlast weitgehend ausnutzt. Okay, die 70 kg dieser Rakete sind nochmals um die Hälfte kleiner. Limitierend ist das bei Kampflugzeugen die Außenlast sich auf viele Punkte verteilt. Ob dies konstruktionstechnisch bedingt ist oder daran liegt das es besser ist 8 kleine Lenkkörper als einen großen mitzuführen kann ich nicht beurteilen. Auf die MIG 31 kam ich wegen der zweimal 2500 l Zusatztanks, die also diese Tragfähigkeit aufweisen. Etwas höher liegt die Su-34, die aber wahrscheinlich noch zu neu ist, als dass man sie westlichen Ländern für Starts zur Verfügung steht (3400 l entsprechend 95 kg Nutzlast) und die Mig 25BP mit einem 5800 l Tank, von der aber nicht sicher ist ob es noch Exemplare gibt. Wenn ja so wäre sie aufgrund der hohen Geschwindigkeit und Tragfähigkeit sehr geeignet. Die Flugzeit muss nicht lang sein. Es reicht aufzusteigen zu beschleunigen, abzuwerfen und zum Flugplatz zurückzukehren. Bei 5800 l Zuladung wären 160 kg Nutzlast möglich - ausreichend für viele kleine Satelliten.

 Doch wenn man auf die Mig 29 wechselt, die 5,5 t Außenlast tragen kann, dann landet man schon bei 140 kg und man hätte die drei Satelliten einzeln starten können - für vielleicht 4 Millionen pro Start oder wesentlich weniger als der Transport mit der Vega.

Und wenn's Frankreich stört: Zumindest nach Wikipedia sollte die Jagdbomber Version der Mirage 2000 auch die kleine Rakete starten können, aber nur eine pro Start. Der Eurofighter wäre vielleicht auch möglich, nur finde ich hier keine Daten über eine größere Last anstatt der vielen kleinen (maximal 1500 kg).

Da es eine Reihe von Satelliten dieser Größe gibt (zumindest für die etwas größere Version von 100-150 kg Nutzlast) würde sich eine solche Rakete lohnen. Bei der Vega gibt es zwei Einschränkungen für die Nutzlast in der VESPA (nein kein Scherz, so heißt die Doppelstartstruktur die beim letzten Start zum ersten mal getestet wurde): der begrenzte Platz und wenn sie einen anderen Orbit braucht der Treibstoffverbauch - das AVUM wiegt leer noch 494 kg und muss mitbewegt werden. Kein Problem wenn wie beim letzten Sta rt die Orbits nahe beianderliegen. Doch auch hier wurden für eine Nutzlast von unter 120 kg eine Gesamtbrennzeit von 86 s für Orbitänderungen benötigt, was 68 kg Treibstoffverbrauch entspricht - viel für eine so kleine Nutzlast. Ist die Nutzlast größer so relativiert sich dies und auch die Kosten werden geringer - diesmal hatte die Vega nur 638 kg Nutzlast wovon nur 258 kg auf die Satelliten und der Rest auf Adaptoren und VESPA entfielen.

So was kleines wäre ja was für Deutschland, dann könnte man sich auch mal an die Technologie leichter FW-Feststoffgehäuse heranwagen, die man ja noch nicht beherrscht und Astrium Bremen hat ja gute Kontakte zu Russland, die DLR hat bisher auch russische träger exklusiv genutzt und die Bundeswehr auch, also gäbs vielleicht die Chance das Projekt so umzusetzen.

23.5.2013: Technologie und erste und dritte Welt

Wer heute in ein Entwicklungsland oder Schwellenland reist, der bemerkt vielleicht eines (oder nicht): technologisch scheint es keinen Unterschied zu geben. Zumindest in den Ballungszentren gibt es Wlan und Mobilfunk. Viele der Elektronikkonzerne stammen aus Schwellenländen. Man denke nur an Samsung, die alles von Unterhaltungselektronik über Halbleiter bis zu Festplatten und Fernseher produzieren. Schon seit Jahrzehnten kommen die wichtigsten Motherboardhersteller aus dem asiatischen Raum. Apple lässt in China fertigen und viele andere Hersteller auch. Wenn wir die Mikroelektronik als Spitze der Technologie betrachten, so scheint es keinen Unterschied mehr zwischen erster und dritter Welt zu geben.

Ein Beitrag den ich kürzlich sah über Abdul Kadir Khan bestärkte mich in meiner Vermutung, dass dem aber nicht so ist. Abdul Kadir Khan gilt als "Vater der pakistanischen Atombombe". Wie der Beitrag zeigte, stammte nichts von dieser aus Pakistan. Es gibt zwei prinzipielle Möglichkeiten eine Atombombe zu bauen. Das eine ist es Plutonium aus Kernbrennstäben zu isolieren. Dazu braucht man einen Atomreaktor an dem man sehr einfach an die Brennstäbe kommt ohne ihn komplett herunterzufahren. Graphitkernreaktoren vom Tschernobyltyp sind z.B. dazu geeignet. Das waffentaugliche Plutonium entsteht zu einem kleinen Teil während des Betriebs, wird aber später wieder abgebaut und selbst als Fusionsmaterial genutzt wenn der Anteil an U235 abnimmt. Dieser Weg wird von den USA und Russland beschritten. Entwicklungsländer bekommen, wenn sie einen Reaktor von den Industrieländern gebaut bekommen aber meistens keinen dafür geeigneten Typ.

Der zweite Weg ist die Anreichung von U235 über physikalische Verfahren. Das ist ziemlich aufwendig, weil sich beide Isotope nur in der Masse unterscheiden. Das am häufigsten eingesetzte Verfahren ist die Zentrifugation von Uranhexafluorid. Uranhexafluorid ist bei 57 Grad gasförmig und kann mit einer sehr schnell rotierenden Gaszentrifuge in einen schweren und leichten Teil aufgeteilt werden. der schwere Teil enthält das Isotop 238, der leichte das Isotop 235. Da Der Gewichtsunterschied weniger als 1% beträgt und Gase sind wegen ihrer höheren Mobilität schwerer als Flüssigkeiten zu trennen.

Khan war in den siebziger Jahren in Holland in einer Firma angestellt, die solche Gaszentrifugen herstellte. Er hat dort die Pläne kopiert und später für Pakistan in Europa die benötigten Zentrifugen und andere Geräte bestellt. Den Bauplan der Atombombe hatte er von den Chinesen.  Von der nach eigenen Aussage "selbst entwickelten" Atombombe Pakistans bleibt nicht viel übrig. Später hat er die Technologie dann exportiert. UNO Waffeninspektoren und die CIA waren informiert, nachdem erstere nach dem ersten Golfkrieg Unterlagen beschlagnahmten, inklusive der Atombombenskizzen mit chinesischer Beschriftung und letztere weil Libyen nach einem Deal alle Unterlagen an die USA übergab.

Was das ganze beleuchtet, ist dass die Herstellung einer Atombombe weitaus schwieriger ist als die eines Mikroprozessors, obwohl dieser jünger und auch die Technologie anspruchsvoller ist. Der wesentliche Unterschied: wer eine Atombombe baut, der muss sich die Teile dafür auf Umwegen beschaffen, wenn er sie nicht selbst entwickelt - und das hat Pakistan und Khan eben nicht getan. Die Frage ist ob sie es nicht konnten oder es billiger war. Der Unterschied bei der Herstellung eines Chips ist, das alles was man dafür braucht auf dem freien Markt erhältlich ist - von dem Reinstsilizium bis zu den Fotobelichteranlagen. Die Fähigkeit einer Nation ist es aber nicht aus den Einzelteilen etwas zusammenzubauen oder sie zu benutzen, sondern diese Technologie selbst zu entwickeln.

Was der Atombombenbau mit der Raketentechnik gemeinsam hat, ist auch dass man die Teile dafür nicht so einfach kaufen kann. Wer außer Raketenbauer brauchen Turbinen höchster Zuverlässigkeit im Miniformat, verbunden mit Turbopumpen die hohen Durchsatz auf kleinstem raum bieten. Von nur bei Raketen eingesetzten Teilen wie Brennkammer, Injektoren und Düsen ganz zu schweigen. Wenn man die Teile hat muss dann auch noch eine funktionierende Rakete rauskommen, was bei UdSSR und USA Jahre dauerte, bis sie die Technologie soweit entwickelt hatten, dass sie zuverlässig genug war. Auch hier gibt es ein Beispiel: Südkorea hat einige der größten und weltweit bedeutendsten Konzerne im Bereich Elektronik im Land, an der spitze sicher Samsung. Für ihre eigene Trägerrakete Naro 1 stellt aber Russland die erste Stufe und nur eine kleine Feststoffoberstufe stammt von ihnen selbst.

Indien setzt bei PSLV und GSLV auf in Lizenz gefertigten Viking Triebwerke und eine russische Oberstufe. Die größte selbst entwickelte Oberstufe mit flüssigen Treibstoffen wiegt nicht mal 10 t. Die GSLV hat bei fast gleicher Startmasse wie eine Ariane 44L nicht mal die halbe Nutzlast. Das zeigt recht deutlich das technologische Gefälle, das es noch gibt, wenn man die Technologie nicht einfach so kaufen kann.

25.5.2013: Skylab SL-2

Nachdem ich schon vor einigen Tagen an den Start von Skylab erinnert hatte, heute eine kleine Erinnerung an Skylab 2, die Mission die erst aus dem Labor eine bewohnbare Behausung machte. Was wusste man vor Skylab 2 und welche Pläne hatte man? Nun sicher war durch den Temperaturanstieg, dass der Mikrometeoritenschutzschild weg war. Über ihm sollten die beiden seitlichen Solarpanels liegen, die sich vor ihm entfalten sollten. Da gab es nur von einem Panel wenige Hundert Watt Leistung. Man erkannte wie sich als richtig entpuppte, das wohl ein Panel am Entfalten gehindert wurde. Das zweite schien wie der Schild weg zu sein, doch sicher war man nicht.

Die Bemühungen in den letzten 10 Tagen lagen vor allem darin einen provisorischen Sonnenschutz zu konstruieren. SL-2 hatte zwei Lösungen an Bord, würde aber nur eine erproben, weil die andere eine EVA nötig machte die man erst trainieren musste. Der Solarzellenflügel war zurückgestellt worden, notfalls könnte die Station auch mit 40-45% des Stroms unter Einschränkungen betrieben werden. Ziel war es den Parasol zu entfalten, wenn es gravierende Probleme gegeben hätte, hätte man auch die Mission verkürzen können, über einen beschränkten Zeitraum konnte man die Apollo Kapsel und ihre Vorräte an Energie anzapfen, dann hätte SL-2 nach etwa 17 Tagen beendet werden müssen.

Als die Besatzung ankam war ihre erste Aufgabe erst einmal die Station zu inspizieren. Sie umkreiste Skylab und beschrieb alles der Bodenstation (es gab TV Aufnahmen, doch wurden diese zeitversetzte und in verringerter Datenrate überspielt). Es zeigte sich das man richtig lag. Das Solararray war durch einen verbogenen Draht am Entfalten gehindert worden, aber noch vorhanden. Das zweite fehlte.

Die erste Idee war es nun diesen Draht mit den schon vorbereiteten Schneidwerkzeugen zu durchtrennen. Das waren Sägen die über ein Seil und Verlängerungsstreben betätigt wurden. Die Luke wurde geöffnet und Conrad versuchte in einer Stand-Up EVA (in der er mit den Füssen in der Kapsel blieb) an den Draht heranzukommen, erreichte ihn nicht. Da auch ein Triebwerkblock der Apollo ausgefallen war und man so alle Korrekturen nachkompensieren musste gab man später auf.

Auch das Ankoppeln klappte erst im sechsten Anlauf. Nach einem Soft-Dock sollten Riegel zuschnappen und die Verbindung fest fixieren. Sie taten es nicht. Conrad kletterte in die Verbindung und löste die elektrischen Kontakte und verwirbelte die Kabelenden von Hand. Dann klappte es beim letzten Versuch, als die Apollo bewusst mit hoher Geschwindigkeit den Kopplungsadapter rammte. 22 Stunden hatten die Aktivitäten gedauert und die Besatzung schlief - noch in der Apollo.

Am nächsten Tag wurde die Station betreten. Zuerst wurde geprüft ob die Luft atembar war. Das war der Fall. Skylab wurde inspiziert und die erste Aktion war die Entfaltung des Parsols. Da sich die Astronauten wegen der Hitze nur 5 Stunden pro Tag in der Station aufhalten konnten zog sich dies über zwei Tage hin. Der Parasol war eine Art Regenschirm und funktionierte auch ähnlich. Er war zusammengefaltet und würde erst außen entfaltet werden. Die Herausforderung war, dass er in einen kleinen Kanister passte der in die nur 22 x 22 cm große Luftschleuse eingebracht wurde. Damit wäre diese für die Mission blockiert. Mit ihr sollten eigentlich verschiedene Materialexperimente und astronomische Experimente durchgeführt werden. Außen angekommen wurde der 6 m lange Schirm erst entfaltet und dann der Stiel in der Mitte wieder zurückgezogen, sodass er die Oberfläche abdeckte.

Anders als bei den Pannen vorher klappte dies reibungslos. Innerhalb von zwei Tagen sanken die Innentemperaturen von 43 auf 27 Grad Celsius, solange schlief die Besatzung aber noch im Command Module. Erst am vierten Tag begannen die wissenschaftlichen Arbeiten in der Station.

Das nächste Mal werde ich an die Reparatur des Solararrays erinnern. Wer es genauer wissen will: ich habe auch ein Buch drüber (Skylab: Amerikas einzige Raumstation) geschrieben und gerade diese Mission gibst auch als Probekapitel zum Download.


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