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Web Log Teil 335: 1.7.2013 - 5.7.2013

1.7.2013: Warum ich gegen die bemannte Raumfahrt bin

Es gibt ja Raumfahrtfans die sind nur für etwas. Und viele interessieren sich auch nur für bestimmte Teilbereiche. Also bei mir sind es, wie jeder beim Blick auf meine Website feststellen kann, Trägerraketen und Raumsonden, bedingt auch noch wissenschaftliche Satelliten, vor allem astronomische Satelliten. Kann man die anderen Dinge nicht einfach ignorieren oder warum bin ich gegen bemannte Raumfahrt (zumindest wie sie heute läuft)?

Nun ich glaube gerne, das jeder der für bemannte Raumfahrt ist, nichts gegen unbemannte Raumfahrt hat. Das hat zwei Gründe:

Das ist leider nicht im Umkehrschluss so. Mercury und Gemini aber auch Apollo sind positive Beispiel das bemannte Raumfahrt und unbemannte koexistieren können. Obwohl Apollo bis über 60% des NASA Programms ausmachte. Der Grund war, das wenn Apollo mehr Geld brauchte, dann bekam es mehr Geld, aber andere Programme wurden nicht gekürzt. 1966 wurde der Peak erreicht (Link) mit 66% am Gesamtbudget. Beeindruckend, aber rechnet man das in Dollars von 2012 um (nach Wolfram) so entsprechen die verbliebenen 34% 11,18 Milliarden Dollar heute. Demgegenüber beträgt das Budget nach Abzug des bemannten Teils heute 9,765 Milliarden Dollar.

Danach lief es anders. Immer wenn ein bemanntes Großprojekt finanziell aus dem Ruder lief wurde am unbemannten Programm gespart. Beim Space Shuttle machten zuerst Entwicklungsprobleme in den Siebzigern zusätzliche Finanzmittel nötig, die das Projekt bekam, weil es für den Transport von Spionagesatelliten wichtig war, die für die Verifikation von Carters Abrüstungen notwendig waren (Quelle: T.A. Heppenheimer: countdown S.309/310), unter dem nächsten Präsidenten Reagan wurde es noch schlimmer. Während es immer mehr Shuttlestarts, trotz ausufernder Kosten gab, wurde vor allem das planetare Forschungsprogramm zusammengestrichen, sogar die zu 90% fertige Galileo-Mission sollte den Einsparungen zum Opfer fallen, was nur aufgrund einer Protestwelle und der internationalen Zusammenarbeit nicht erfolgte. (Quelle: Daniel Fischer: Mission Jupiter, Matthias Gründer: SOS im Weltall). Doch alle anderen Projekte erwischte es. Die Folge: Über 10 Jahre von 1979 bis 1989 starteten die USA keine Planetensonden mehr. Auch die beiden Katastrophen mit dem Verlust der Columbia und Challenger verursachten Folgekosten, die nur zum Teil durch zusätzliche Mittel finanziert wurden. Der Rest wurde woanders eingespart.

Die jüngsten Beispiele sind das Constellation Programm und die dadurch verursachten Streichungen für das Budget 2007 (danach natürlich nicht mehr, ein Projekt das erst mal weg ist kann man ja nicht zweimal streichen). TPF und Sofia waren die prominentesten Opfer, dank der DLR Beteiligung kam Sofia nochmal (wie Galileo) davon. Aber das Wissenschaftsbudget erwischte es schwer. Sechs Jahre später wurde das Programm eingestellt. Es hatte einen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet, aber Hardware wurde keine produziert. (Link)

Nun, scheint sich das zu wiederholen. Die NASA muss sparen, nach US-Gesetz. So wird das Budget kleiner sein als 2013. gekürzt wird wie gehabt bei der unbemannten Raumfahrt. "Planetary Science", 300 Millionen weniger, das ist ein Fünftel der Mittel. Das einzige was in im Science-Bereich zulegt ist das JWST - dabei könnten die meisten auf dieses Multimilliardenprojekt wohl noch am ehesten Verzichten. Die beiden bemanntem Ressorts Exploration und Space Operations legen dafür netto zu. Exploration um 200 Millionen und Space Operations um 300 Millionen (netto sinkt das letzte, vergleichen zum Budget von 2012, das noch als Vergleich angeführt ist, doch das liegt daran dass dort noch 500 Millionen für das Shuttle ausgewiesen sind). Link

Dabei gibt es in dem bemannten Budget durchaus Widersprüche. Es wird die SLS finanziert, für die es keine Nutzlasten und auch kein bemanntes Programm gibt und man leistet sich den Luxus beim CCDev mehrere Firmen parallel zu fördern. Die Starts mit diesem Programm zur ISS verschieben sich dadurch immer weiter, weil keines der Projekte schnell voranschreitet und die NASA musste erst vor kurzem weitere 424 Millionen für sechs weitere "Sitze auf Sojus ausgeben, weil man sonst die US-Astronauten für zwei Jahre nicht zur Station schicken könnte.  (Link)

Wir müssen aber nicht mal in die USA schauen. Deutschland startete in den achtziger und frühen Neunzigern (mit einer Ausnahme) keine größeren Satelliten. Warum? Weil die DLR lieber die Shuttle Missionen D1 und D2 finanzierte, die zusammen 1,2 Milliarden Mark kosteten. Bei einem nationalen Budget von (2011) von 240 Millionen Euro (davon 55% Drittmittel, die es sicher bei den D-1/2 Missionen kaum welche gab) bedeutet das, dass größere Projekte für Jahre hinweg nicht mehr möglich sind. (link)

Es gibt kein einziges Beispiel, wo das Gegenteil vorliegt: das bemannte Programme gekürzt wurden, weil ein unbemanntes Programm aus dem Ruder lief. Da wurden eher diese Programme eingestellt oder gestreckt. Während also die Verlierer von vorneherein feststehen, stellt sich die Frage: was hat man von der bemannten Raumfahrt? Nun dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, das primär nicht Wissenschaft betrieben wird. Die meisten Forscher ziehen es vor, ihre Experimente auf unbemannten Missionen zu fliegen. Bei Skylab waren die beiden wichtigsten Gebiete Erdbeobachtung und Sonnenbeobachtung. Diese Forschung findet heute nur noch mit Satelliten statt. Sie sind länger in Betrieb und dauerhaft verfügbar im Gegensatz zur Besatzung. Natürlich gibt es auch heute noch Experimente an Bord der ISS. Die meisten könnten auch unbemannt erfolgen, da sie hochgradig automatisiert sind (teilweise erfolgt dies auch bei russischen Foto-Flügen), da man heute praktisch keine Alternative zur bemannten Forschung bei Werkstoffforschung und biologischen Forschung hat, wo Proben ausgewechselt werden müssen, wird diese an Bord der ISS erforscht. Hauptforschungsgebiet ist aber der Mensch und was sich bei der Schwerelosigkeit verändert. Das soll noch längere Missionen möglich machen, die natürlich ohne bemannte Raumfahrt nicht nötig wären.

Der "Hauptnutzen" ist wohl das Prestige. Bei erdnahen Stationen wie der ISS ist Prestige in der Tat in Anführungszeichen zu setzen. Die ISS ist zwar ein Mammutprojekt mit großem finanziellem Engagement und über 10 Jahre Aufbauzeit, doch beeindrucken kann man niemanden mehr. Wie China beweist, kann man bemannte Raumfahrt auch mit kleinem Finanzaufwand betrieben. Man braucht nur eine Kopie des Sojus-Raumschiffs und ein kleines Wohnmodul. Das ist nicht viel mehr als ein druckdichter Zylinder. Für die Kurzzeitmissionen, die China damit durchführt, reichen die Lebensmittel, Gas und Wasservorräte des Shenzhou aus. In aufstrebenden Nationen mag das Prestige ein Grund sein, für Russland das es sich bemannte Raumfahrt noch leisten kann und sogar die Amis ins All transportiert. Aber in den USA und der EU denke ich wird der Prestigefaktor nicht sehr groß sein.

Das sieht anders aus wenn man wirklich etwas unternimmt, das herausfordernd ist. eine Mondmission oder gar ein Aufbruch zum Mars. Das haben bisher nur die Amis hinbekommen, und ich denke sie können auch auf das Apolloprogramm stolz sein. Daher wäre ich auch für ein europäisches bemanntes Programm, wenn es finanzierbar ist und es zusätzlich angegangen wird. Prestige kann einem was wert sein. Der Staat gibt ja auch sonst für Dinge viel Geld aus die man nicht wirklich braucht, wie eine Elbphilharmonie oder die Wahl von Berlin als Bundeshauptstadt, anstatt dem provinziellen Bonn (mit den Folgen, dass man alles was es schon gibt dort nochmal baut und über Jahre hinweg Beamten Reisen und Umzugskosten erstattet).

Leider ist so was nicht in Sicht und das was derzeit läuft ist bemannte Raumfahrt im Erdorbit, die weitgehend von der Öffentlichkeit ignoriert wird und Projekte für die Zukunft ohne jede Langzeitplanung was man eigentlich will. Solange sich daran nichts ändert, bin ich gegen bemannte Raumfahrt (zumindest die nach Post-Apollo). Das leitet mich dazu über warum ich gegen Elon Musk ist. Neben anderen Punkten wie das Verbreiten von Desinformation oder Spinnereien, anstatt solider Information ist es dieses Statement über Neil Armstrong: Er wäre ja nur "Pilot und wäre nicht fähig eine technische Beurteilung zu machen - im Gegensatz zu Buzz Aldrin der einen Doktor hätte" (Neil Armstrong war gegen die Streichung von Constellation zugunsten des CCDev Programms und Buzz Aldrin dafür). Quelle: Video mit Originalaussage und Transcript für die Leute die Stotterer nicht gut verstehen.

Mit dieser Aussage hat er sich für mich ins Aus geschossen.

2.7.2013: SpaceX nimmt keine Aufträge mehr an

Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, als noch vor wenigen Tagen eine Option für den Transport von deutschen RADAR-Satelliten bekannt wurde. Nun ja die Firma nimmt schon noch Aufträge an, doch keine mehr, deren Starttermin innerhalb der nächsten zwei Jahre liegt. Gwen Shotwell gab bekannt, ab Ende des Jahres könnte man über die Entscheidung für weitere Transporte nachdenken.

Natürlich schießen nun in den gängigen Foren die Gerüchte hoch. Verschiedenste Thesen werden diskutiert. Die meisten meinen, dass SpaceX die Verzögerungen bei der Entwicklung der Falcon 9 "v1.1" unterschätzt hat. Gerade erst scheiteten vier Versuche die erste Stufe über die volle Betriebsdauer zu betreiben vorzeitig. Dabei kam es in zwei Fällen zu Beschädigungen. So was sollte bei einem Träger nicht passieren, der in wenigen Monaten starten soll. Andere bezweifeln, dass die Firma überhaupt die Fähigkeit hat so schnell die Produktion zu steigern. Für dieses Jahr, das ja nur noch 6 Monate hat sind fünf Flüge nach Launch manifest geplant, für 2014 sogar zwölf. Bislang haben sie maximal zwei Start pro Jahr durchgeführt.

Andere mutmaßen die NASA und das DoD würden Druck ausüben, dass ihre Missionen Vorrang haben, schließlich sind sie die beiden größten Auftraggeber. Nur wenige glauben, dass SpaceX nicht schon existierende Kunden verlieren möchte, weil man nicht rechtzeitig starten kann. Doch was ist der Grund für diese Sinneswandlung einer Firma die noch vor einem Jahr von zehn Starts der Falcon 9 und zehn der Falcon Heavy pro Jahr als Ziel sprach?

Ich möchte einen neuen Gesichtsprunkt hereinbringen. Vor etwa zwei Monaten bekam ich nach einem SpaceX Blog eine Mail von einem Mitarbeiter der Münchner Rückversicherung. er möchte nicht genannt werden, aber den Inhalt darf ich wiedergeben. Er erklärt mir, das Startpreis nicht Startpreis ist. Zum einen wird heute ein Packet angeboten - der Satellit "schlüsselfertig" im Orbit, wozu Fertigung, Start und Inbetriebnahme gehören. Dazu gehört auch eine Versicherung, die alle Risiken bis zu Übergabe abdeckt. Der Großteil entfällt auf den Start aber es gibt auch Risiken nach dem Start (keine Kommunikation mit dem Satelliten, er ist "verloren", bei der Fertigung und Transport und auch bedeutend: Verzögerungen, die bei Kommunikationssatelliten gleichbedeutend mit einem Einnahmeausfall sind. Allerdings ist das Startrisiko der größte Anteil und wenn es erhöht ist, so ist auch die Gesamtversicherungssumme und nicht nur die des Raketenstarts erhöht, was bei einem Vergleich verschiedener Träger zu berücksichtigen ist.

Nachdem es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Jahre mit sehr hohen Verlusten für die Versicherungsunternehmen gab, ist man heute bestrebt das Risiko genauer einzugrenzen. Dazu gehört das Launch Service Provider (LSP) den Versicherungen umfangreiche Unterlagen zur Verfügung stellen, die fast einem Audit gleichkommen. Bei jüngeren Trägern umfassen diese auch den Entwicklungszyklus, in jedem Falle aber Details der Fertigung, Qualitätssicherungsmaßnahmen und Prüfungen. Wenn es Änderungen am System gab, wie wurde die Auswirkung auf den Träger geprüft? Dazu kommt dann noch die Startvorbereitung. Es liegt im Eigeninteresse der Launch Service diese Unterlagen bereitzustellen, da ansonsten die Versicherungen die Risiken einschätzen. Und natürlich schätzen die Gutachter die Risiken möglichst konservativ ein, um ihre Versicherung vor Verlusten zu bewahren. Das Ergebnis kann durchaus überraschend sein. Arianespace hat die niedrigsten Prämien, nicht nur wegen der makellosen Bilanz von über 50 Starts ohne Versicherungsfall. Führend sei auch das Qualitätsmanagement sowie die Vorgehensweise bei Problemen, selbst wenn diese sich nicht auf den Start selbst auswirken. Dazu später mehr. Dahinter folgt die Proton mit einem größeren Abstand zu Sealaunch. Hier ist die Einstufung der höheren Qualitätssicherung bei der Fertigung ausschlaggebend, obwohl die Proton nicht wesentlich zuverlässiger als die Zenit ist.

Nur zwei Firmen bleiben diese Daten schuldig: Die CGWIC (China Great Wall Industries Corporation) und SpaceX. Bei China will man offensichtlich keine Details ihrer Träger und der Herstellung offenlegen, vielleicht befürchtet man auch hohe Prämien wegen der Gefahr von zivilen Opfern bei einem Fehlstart. Doch auch hier scheint sich eine Wende anzudeuten mit dem neuen Weltraumbahnhof und der Langen Marsch 5 gab es die Bereitschaft die entsprechenden Unterlagen bei einem Abschluss bereitzustellen. Bisher hat China Kunden daher eine Absicherung durch eine staatliche chinesische Versicherung angeboten, die auch wegen der niedrigeren Prämien bisher immer genutzt wurde.

Die zweite Ausnahme ist SpaceX. Bei SpaceX ist die öffentlich bekannte Datenlage so schlecht und es gab so viele Vorkommnisse, dass zumindest die Münchner Rück nicht bereit ist, einen Start bei SpaceX zu versichern. Es wäre schlicht und einfach unmöglich auf Basis der bekannten Angaben das Risiko zuverlässig zu beziffern, zumal sich die Falcon 9 "v1.1" vom Vorgängermodell weitgehend unterscheidet. Zudem wird auch das allgemeine Vorgehen negativ eingestuft. So gab es in den letzten Jahren sowohl bei SpaceX wie auch Arianespace Verzögerungen bei Starts durch Ventile. Bei der Ariane 5 war es ein nicht missionskritisches Heliumdruckregulierventil. Nachdem es zweimal Probleme bei den Startvorbereitungen gab wurde nicht nur das Ventil ausgetauscht, sondern auch die gesamte Produktion durchleuchtet und Maßnahmen zur Verbesserung dieser eingeleitet.

Bei SpaceX war es ein nicht geöffnetes Ventil zur Turbopumpe, das zu einer Explosion des Triebwerks nach wenigen Sekunden und damit zum Verlust geführt hätte. Auch hier wurde das Ventil ausgetauscht, doch weitergehende Untersuchungen ob dies ein Einzelfall war, unterblieben völlig, obwohl die Folgen viel gravierender waren als bei dem Heliumdruckventil der Ariane 5.

Dies wäre nur ein Beispiel, warum für die Münchner Rück das Risiko eines Versicherungsfalls bei SpaceX unkalkulierbar ist. Nach Angaben des Mitarbeiters scheinen auch andere Versicherungen einen Absicherung bei einem Start mit SpaceX abzulehnen.

Was bleibt dann SpaceX noch? Sie können selbst den Start versichern, was nach ihren Webseiten auch der Fall ist. In diesem Falle muss die Firma wie bei einer Versicherung vor dem Startzeitpunkt den Nachweis erbringen, dass man die Versicherungssumme bereit hat, die dann unabhängig angelegt sein muss, (auch der Bankrott des Launch Service Providers ist ein Teil des Risikos). Das sind bei Kommunikationssatelliten der 4,5 t Klasse wie sie die Falcon 9 starten kann, in etwa 300 Millionen Dollar. Das bedeutet das SpaceX für Einnahmen von unter 60 Millionen Dollar eine Finanzreserve von 300 Millionen bereitstellen muss. Dabei reicht nicht eine Rücklage für alle Starts, sondern parallel zu den Vorauszahlungen für den Start muss auch nachgewiesen werden, dass die Versicherungssumme für diesen Start vorhanden ist, schlussendlich könnte der vorherige Start ja ein Versicherungsfall sein. Will oder muss ein Unternehmen also auf eine Versicherung verzichten und dies selbst anbieten, so braucht sie im Mittel die halbe Versicherungssumme pro Start als Rücklage und dies für jeden Start für den eine Rakete in der Produktion ist (bei anderen LSP üblicherweise 2 Jahre). Das wären dann bei SpaceX wenn man die CRS Flüge ausnimmt mindestens 15 Starts und somit benötigt die Firma enorme Rücklagen.

Mein Gesprächspartner bezweifelt allerdings dass alle Starts versichert sind und auch das alles fest gebuchte Starts sind. Orbcomm habe z.B. die erste Generation ihrer Satelliten nicht versichert und Iridium auch nicht. Weiterhin enthalten die Abschlüsse für neu eingeführte Träger oft Ausstiegsklauseln, die auch sehr spät wahrgenommen werden können. Bei allen Starts nach 2015 sei von Optionen auszugehen, das heißt man reserviert sich einen Startzeitpunkt für relativ kleine Summen, und bucht erst später den Träger, typischerweise 1-2 Jahre vor dem Start je nachdem wie schnell der Anbieter reagieren kann. Erweist sich der Träger als nicht zuverlässig genug so hat man wenig Geld verloren.

Natürlich habe ich auch gefragt was passiert, wenn es denn nun einen Fehlstart gibt. Bei einem neu eingeführten Träger würden die Versicherungsprämien sehr deutlich ansteigen, da man wenig Erfahrungen hat wie wahrscheinlich dieser ist, bei einem schon länger im Einsatz befindlichen wäre der Anstieg eher moderat, weil dies ja gerade zu den versicherten Risiken gehört, nur wenn sich diese häufen so würden die Prämien langsam aber sicher ansteigen. Diesen Trend weist die Proton derzeit auf.

Wenn eine Firma selbst versichert, bedeutet ein Fehlstart natürlich ein Verlustgeschäft. Einnahmen von 60 Millionen Dollar würden Ausgaben von 300 Millionen Dollar gegenüberstehen, Sofern die Firma nicht über genügend Kapital verfügt, oder dieses aufbringen kann dies existenziell bedrohend sein.

Diese rigide Überprüfung werden übrigens von den LSP nicht als Schikane, sondern als Chance gesehen, eine unabhängige, kostenlose Überprüfung ihre Produktion und Qualitätssicherung durch Experten zu bekommen, die auch über die Ergebnisse stillschweigen müssen. Dies nutzen sogar LSP aus, die keinen versicherten Start absolvierten, wie ISC Kosmotras und Eurockot.

Das SpaceX also mangels flüssiger Mittel für Versicherungsrückstände keine weiteren Starts mehr annimmt, wäre also eine weitere Erklärungsmöglichkeit für den Auftragsstopp. Selbstverständlich sind die voll ausgelastete Produktion und Terminprobleme genauso wahrscheinliche Ursachen. Mal sehen was da noch nachkommt.

Angewandte Chemie: Ratgeber fürs Putzen

Da ich heute drei Stunden lang Fließen mit dem Dampfreiniger gereinigt habe, liegt das heutige Thema auf der Hand. Putzen und zwar was passiert, was das mit Chemie zu tun hat und wie kann man als Chemiker es effizienter machen oder sich Arbeit ersparen, wenn man seine Grundkenntnisse (mehr ist es nicht) anwendet?

Fangen wir mal an mit dem Schmutz. Anders als uns die Werbung suggeriert gibt es nicht DEN Schmutz, es gibt aber auch nicht hunderte von Schmutzarten für die man hunderte von Spezialmitteln braucht. Das heißt, man kommt weder mit dem Allzweckreiniger alleine zurecht, noch braucht man etliche teure Spezialreiniger.

Man kann den Schmutz oder Verkrustungen in mehrere Kategorien einteilen:

Fettlöslicher Schmutz: der wohl bekannteste und in der Werbung am meisten behandelte Schmutz. ist fettlöslich. Das ist Fett, Schmieröl, Majonäse, Altöl etc. Um fettlöslichen Schmutz zu lösen braucht man entweder ein lipophiles Lösungsmittel oder alternativ einen Reiniger der viel Emulgator enthält. Von den Haushaltsmitteln ist das vor allem Spülmittel, weil Geschirr durch das Essen viel fett enthält. Bei richtig viel Fett und wenn die Oberfläche nicht empfindlich ist (also z.B. nicht aus Kunststoff besteht) kann es auch sinnvoll sein, ein unpolares Lösungsmittel wie Reinigungsbenzin, Terpentinersatz (Ethylacetat) oder Aceton zu nehmen. Frisches Fett bekommt man relativ gut weg. Vor allem natürliche Fette oxidieren aber im Laufe der Zeit und verharzen. Dabei werden zwischen den Doppelbindungen von ungesättigten Fettsäuren geknüpft. Das entstehende Produkt ist dann nicht mehr fettlöslich und haftet meist auch sehr gut auf der Oberfläche.

Ein anderes Problem ist, dass zähflüssige Fette auch Stoffe mit einschließen können, die nicht fettlöslich sind. Jeder kennt das vielleicht vom Fahrrad, wo die Kettenschmierung auch Rost und andere schwarzen Sachen enthält und man die Finger dreckig hat, wenn man die Kette aufziehen muss. Eigentlich ist Rost (ein Gemisch verschiedener Eisen(III)oxid-Hydrate nicht fettlöslich. Es ist in Wasser bedingt löslich. Das Problem, ist dass diese Stoffe, wenn sie auf einer Oberfläche landen, die eigentlich mehr eine Affinität zu wasserlöslichen Stoffen haben wie Textilgewebe, dort gebunden werden und dann schwer wieder herausgehen.

Der zweite Schmutz ist wasserlöslich. Eigentlich ist das der einfachste Schmutz, denn er könnte theoretisch mit Wasser ausgewaschen werden. Nun ist Wasser aber ein sehr polares Lösungsmittel. Zahlreiche Schmutzstoffe sind zwar wasserlöslich, aber nicht so polar wie das Wasser. Sie können dann eine feste Bindung mit anderen Stoffen eingehen die ebenfalls polar sind, aber eben nicht so wie das Wasser, das ist der Fall bei Naturstoffen wie Baumwolle, Leinen, Wolle. Viele pflanzliche Farbstoffe oder auch Hämoglobin, der Blutfarbstoff gehören in diese Kategorie. Sie sind gut abwaschbar wenn sie frisch sind, wenn sie aber erst mal eingetrocknet sind und Gelegenheit hatten in die Fasern zu diffundieren, dann bekommt man sie mit Wasser kaum mehr heraus, auch wenn es einen Emulgator enthält. Wäre dem nichts so, so könnte man wohl kaum Stoffe färben indem man sie in Wasserlösungen mit pflanzlichen Farbstoffen wie Indigo taucht. Das leitet über zur nächsten Gruppe, wozu diese Farbstoffe auch gehören:

Das sind Stoffe die man durch Spaltung beseitigen kann. Vor allem organische natürliche Stoffe haben eine große Affinität zu anderen natürlichen Materialien, sei es Gras (grüne Verfärbung), Ketchup und Blut (rot/braun) oder Heidelbeeren (blau). Sie bekommt man, wenn sie in Fasern einwandern oder eine chemische Bindung mit dem Material eingehen, kaum noch mit Wasser oder Reinigern weg. Die Lösung ist es dann sie chemisch zu spalten. Das geht mit zwei Mitteln. Das eine sind Bleichmittel, die man vor allem bei Farbstoffen einsetzt. Sie oxidieren die Farbstoffe so, dass sie nicht mehr farbig sind indem sie dein Molekülstruktur verändern, welche die Farbe hervorruft. Bei vielen Farbstoffen ist das ein System von konjungierten Doppelbindungen. Sie bilden praktisch eine Elektronenwolke. Je größer sie ist (je mehr konjungierte Doppelbindungen) desto weniger Energie braucht man um ein Elektron anzuregen. Ab acht Doppelbindungen absorbieren Moleküle das sichtbare Licht. Carotinoide mit 11 Doppelbindungen haben z.B. ein Absorptionsmaximum bei 484 nm, sie sind daher orangene Farbstoffe.

Wird eine der Doppelbindungen oxidiert, so ist das Absorptionsmaximum verschoben und liegt nicht mehr im sichtbaren Licht. Klappt das übrigens nicht, so kann es vorkommen, dass man nur eine Farbe gegen eine andere andere austauscht wie blau (kurzwellig) gegen rot (langwellig). Der Nachteil von Bleichmitteln: sie enthalten Stoffe, die chemisch sehr reaktiv oder instabil sind, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen und dann atomaren Sauerstoff freisetzen, der eben nicht nur mit dem Dreck sondern auch dem Material reagiert. Es kann der natürliche Farbton auch zerstört oder sogar das Material angegriffen werden, rau und spröde oder leicht zerreisbar werden. Daher werden Bleichmittel fast nur bei weißer Wäsche oder unempfindlichen Oberflächen  eingesetzt. Seltener werden Reduktionsmittel eingesetzt, die meist dazu dienen einen Stoff in Lösung zu bringen, da der Luftsauerstoff wieder eine Oxidation in Gang setzen kann. Ein prominentes Beispiel, wo man es anwenden kann ist es Rost von Keramik wegzubekommen. Rost lagert sich gut an die raue Oberfläche von Keramik an, wenn diese nicht glasiert ist und hat auch eine chemisch Affinität zum Ton. Was eingedrungen ist bekommt man auf anderem Wege nicht weg. Das Mittel der Wahl ist hier ein mildes Reduktionsmittel wie reiner Alkohol. Damit bekommt man z. B Rostflecken in Badwannen unterhalb des Wasserhahns weg. Der Alkohol wird durch das Eisen(III) zu Acetaldehyd oxidiert und dieses zu Eisen(II) reduziert. Dieses ist anders als das Eisen(III) aber wasserlöslich .

Da es in der Natur viele Stoffe gibt, die in der Natur auch abgebaut werden, setzt man heute vor allem in Waschmitteln Enzyme ein. Enzyme sind Biokatalysatoren die in der Lage sind bestimmte chemische Bindungen zu spalten. Sie sind seit den Siebzigern stark im Vormarsch, Zuerst wurden natürliche Enzyme aus Pilzkulturen eingesetzt. Heute sind auch Enzyme aus gentechnisch veränderten Organismen im Einsatz, die bei viel geringeren Temperaturen wirken. Enzyme können die meisten Nahrungsbestandteile abbauen also die meisten Flecken, die durch Nahrung aber auch andere natürliche Stoffe verursacht werden, beseitigen indem sie Eiweiß, Fett oder Kohlenhydrate spalten. Da sie spezifisch für eine Bindungsart sind schonen sie auch die Oberfläche des Gewebes. Enzyme machen es erst möglich heute Wäsche bei 25°C zu waschen.

Der letzte Schmutz reagiert weder auf Wasser, noch ist er fettlöslich, noch kann er durch Bleichmittel oder Enzyme beseitigt werden. Er ist aber durch Säure oder durch Basen löslich. Die beiden prominentesten Vertreter sind Kalk, eine Mischung von Calciumcarbonat und Magnesiumcarbonat und Urinstein, eine Mischung von Oxalaten, Carbonaten und Phosphaten. Beide sind durch Säure, selbst wenn sie sehr fest mit der Unterlage verbunden sind und Krusten bilden, ablösbar. In beiden Fällen verdrängt die Säure die schwache Säure Kohlensäure aus ihren Salzen. Die Kohlensäure ist instabil und zerfällt in freier Form zu Wasser und Kohlendioxid. Das Kohlendioxid hat eine zusätzliche Sprengwirkung, indem es andere Teil der Kruste zum Platzen bringt. Selten ist die Lösung durch Alkali. Bei verstopften Rohrleitungen setzt man Natriumhydroxid ein, doch seine Wirkung beruht nicht auf einer Lösung durch Absenkung des pH, sondern der Verseifung von Fett und der Spaltung von Proteinen.

Das ist das eine, die Chemie. Doch damit alleine geht's nicht. Zum Flecken oder der Schmutzentfernung gehört auch noch eine weitere Komponente: Wärme. Sowohl physikalische Vorgänge wie auch chemische Vorgänge werden durch Wärme beschleunigt. Das Eindringen eines Lösungsmittels oder Fleckenlösers geschieht durch Diffusion und die wird durch Wärme beschleunigt. Fett wird durch Wärme dünnflüssiger oder erst gar flüssig und vor allem beschleunigt die höhere Temperatur chemische Reaktionen. Vor allem bei Reaktionen der Nahrungsbestandteile gilt die RGT Regel: Eine Temperaturerhöhung um 10 Grad beschleunigt die Reaktion um den Faktor 2. In etwas anderer Form kennt man das ja auch vom Backofen, wo eine kleine Erhöhung die Backzeit stark reduziert oder der Unterschied zwischen hellbraun und fast schwarz bei gleicher Zeit darstellt. Oder die Niedriggarmethode bei der Fleisch bei nur 80 Grad im Backofen gegart wird - zur Kompensation der niedrigen Temperatur aber über eine Stunde oder noch länger. Wärme ist nur gegenindiziert, wenn dadurch andere Stoffe ausfallen. Blut sollte man z.B. mit kaltem Wasser auswaschen. Heißes kann zur Gerinnung des Eiweis führen und dann ist es fest an die Fasern gebunden.

Der dritte Punkt ist Bewegung. Erst durch die Bewegung kann der abgelöste Schmutz sein Medium verlassen und ins Lösemittel übergehen, er führt auch zu einer besseren Durchmischung und führt immer neues Lösemittel heran und er beschleunigt das Eindringen. Bei Verkrustungen bewirkt eine mechanische Bewegung einer Bürste, das kleine Rillen entstehen und in die Rillen Lösemittel eindringen kann und so überhaupt erst eine Reaktion zustande kommt. Für die Reinigung braucht man alles drei: ein chemisches Mittel, Wärme und Bewegung.

Die Umsetzung des Prinzips: Chemie-Wärme-Bewegung ist die Waschmaschine. Ein Flecklöser kommt in Form von Waschmittel hinein (Chemie), das ganze wird je nach Empfindlichkeit erhitzt (30,40,60 oder gar 90 Grad) und die Trommel rührt um. Früher wurde die Wäsche sogar auf Waschbrettern gerubbelt. Wenn man das Prinzip verstanden hat, so kann man es auch selbst anwenden.

Als ich den Dampfreiniger gekauft habe, sah ich mir die Kundenurteile bei Amazon an, genauer gesagt die mit den schlechten Bewertungen (ich mach das immer so). Und da meckerte dann eine dass man damit die Fenster nicht sauber bekommt und Kalk von Badfließen nicht abbekommt. Nun bringt der Dampfreiniger nur eine der drei Komponenten: Wärme, die zwar in großer Menge, aber eben nur Wärme. Wenn man eine Bürste anwendet auch noch mechanische Energie. Damit kann man einige wasserlösliche Flecken lösen, aber eben nicht Kalk oder auch fettige Verschmutzungen richtig lösen. (Durch die Wärme kann man es verflüssigen und so anlösen, aber sicher nicht vollständig ablösen). Es wird was, wenn man vorher die Scheibe mit Essig einsprüht. Die Säure löst das ganze, allerdings käme ich nicht auf die Idee mit dem Dampfreiniger Fensterscheiben so zu putzen.

Analog kann man sich denken, das Mittel wie "Vanish" alleine auch nicht helfen. Sie enthalten je nach Anwendung einen Stoff in größerer Menge wie z.B. das Bleichmittel "oxi Action". Ohne Einreiben, Wärme etc. geht es aber auch so nicht. Dafür sind sie ziemlich teuer, verglichen mit normalen Brechpulver. Wenn man das Prinzip kennt, kann man es aber ausnützen und so komme ich zum Anfang zurück. Ich putze mit dem Dampfreiniger Bodenfließen, genauer gesagt die Rillen zwischen den Fließen. Wer Fließen hat weiß, dass sich in den Rillen der Dreck ablagert und man durch die Vertiefung kaum rankommt bzw. die rau Oberfläche gut bindet. Wenn das einige Jahre lang geht, dann ist der Dreck kaum noch rauszubekommen, außer mit dem Dampfreiniger (aber da braucht man bei hartnäckigem Dreck mehrere Durchgänge). Die Vorgehensweise: In die Rillen Allzweckreiniger pur gießen (Flasche direkt über die rille halten) und dann mit der Bürste die Rille entlang fahren. Ich fing damit an, nachdem es in unserem Ferienhausaus brannte und an der Stelle wo der Blitz einschlug unten alle Rillen schwarz waren. So bekommt man sie wirklich wieder frei. Inzwischen mache ich es auch zuhause, aber selten, weil es wirklich lange dauert (rund 3 Stunden für 20 m²). Es ist aber die optimale Kombination von Chemie (purer Allzweckreiniger), Hitze (Dampf) und Mechanik (Borsten). Wenn man Badekacheln so bearbeiten will, sollte man Geschirrspülmittekonzentrat nehmen - nicht weil es besser ist (eher nicht, weil es stark schäumt), aber es ist viskoser und läuft so nicht gleich runter.

Was macht man wenn man den Schmutz nicht mehr wegkommt? Dann muss man ihn verdecken. Alle Waschmittel enthalten optische Aufheller, einige wie Persil sogar in großer Menge. Wenn der Dreck in der Waschlauge nicht vollständig gelöst bleibt (meistens weil man das Waschmittel unterdosiert hat), dann kann er zum Teil wieder auf die Fasern aufziehen und bleibt dort auch, nur eben nun gleichmäßig verteilt. Es entsteht der berühmte Grauschleier. Dieser ist permanent und nicht mehr zu entfernen. Optische Aufheller sind nun Substanzen die auch auf die Fasern aufziehen, Licht im UV absorbieren und blaues, kurzwelliges Licht emittieren. Durch die Mischung des blauen Lichts mit dem meist gelblichen Ton des Grauschleiers entsteht dann wieder weis, obwohl die Wäsche nicht sauberer geworden ist. Wer einmal eine UV-Lampe in der Hand hatte weis, wie dot Kochwäsche leuchtet. Optische Aufheller findet man vor allem in Vollwaschmitteln, da sie bei farbigen Klamotten sonst die Farbe verändern würden.

Jagged Alliance Online

Wie ich schon mal hier habe anklingen lassen, spiele ich immer noch gerne Jagged Alliance, ein Spiel das mittlerweile 14 Jahre auf dem Buckel hat. 2012 war dann geprägt von zwei Neuigkeiten: Es gab zuerst "Back to Action" als Nachfolger. Doch als ich eine Demoszene durchspielte wurde mir gleich klar, dass dies nichts für mich ist. Der Rundenmodus fehlt komplett, Man weiß wo Gegner sind etc. Gamigo kündete dann eine Online Version von Jagged Alliance an, die ich mir angesehen habe.

Ich hatte mich für die Beta Jagged Alliance Online Version (JAO) beworben, aber dann bald die Lust verloren. Die Bedienung war ruckelig, verzögert und machte keinen Spaß. Es blockierte den Browser und stürzte dauernd ab. Daher habe ich es nicht mehr gespielt.

Im Juni 2013 kündigte Steam an, das Spiel zu vertrieben und zwar auch als offline zu spielende Version. Also habe ich es nochmal getestet. Es läuft nun etwas flüssiger. Auf meinem AMD 5150e Prozessor (2 x 2,6 GHz) mit OnBoard Grafik (ATI3200HD), also nicht gerade "Gamer" Hardware läuft es selbst bei 1920 x 1200 Punkten in niedrigen Detailstufen annehmbar, aber auch nicht flüssig. Was bliebt ist das der installierte Player den Browser weitgehend lahmlegt. Es ist ratsam nur zu spielen, und nicht andere Webseiten offen zu lassen. Stellenweise konnte man auch nicht auf andere Anwendungen wechseln und Chrome crashte beim Schließen per Task-Manager (anders ging es nicht mehr).

Was hat es mit Jagged Alliance zu tun?: Man kann Söldner rekrutieren, die verschiedene Eigenschaften und Spezialisierungen haben. Diese müssen Aufträge erfüllen, die aus mehreren Missionen bestehen. Dafür gibt es Geld und Erfahrungspunkte und man findet Beute. Die Namen von JA2 Söldnern findet man wieder. Die Portraits sind auch etwas ähnlich und die Stimmen wurden vom englischen Ja2 übernommen. Das war es aber schon.

Es gibt nicht die Freiheit die Gegend zu erkunden. Es gibt einen Sektor, eine Mission, das war es. Wer Ja2 Erfahrung übertragen will wird enttäuscht. Ich kaufte zuerst ein Erste-Hilfe Päckchen, ohne die geht es in Ja2 nicht. Die kosten schon ein Zwanzigstel des Anfangsbudgets. Nutzen? Sinnlos. Ein Söldner verliert nicht Blut und auch keine AP (der Feind auch nicht) wenn er getroffen wird. Selbst wenn er tot ist, ist er bei der nächsten Mission wieder dabei. Die Waffen reparieren sich von selbst und es gibt nur zwei Waffen pro Personen, einen Helm und eine Weste. Kein komplexes Erweiterungssystem der Ausrüstung. Selbst in den Bewegungsmöglichleiten wurde gespart. Es gibt z. B. kein Liegen oder springen.

Es gibt auch keinen Realitötsbezug. Die Feinde tauchen aus dem Nichts auf. Ihre KI ist nur dämlich. Sie rennen auf einen zu und selbst wenn man hinter Benzinkanistern kauert wird man nicht getroffen - und natürlich auch die Benzinkanister nicht. Es ist natürlich auch immer möglich genau den Gegner zu treffen, den man trefen will, selbst wenn er hinter einem anderen steht (genauso auch bei den eigenen Söldnern). Also bleibt von dem komplexen Steuersystem, der Ausrüstung und Taktik von JA2 nichts mehr übrig.

Die Beute die Gegner hinterlassen ist oft nutzloser Plunder. Das man über kurz oder lang mit den Leuten Geld verdienen will ist klar. So gibt es Geld und Gold. Bestimmte Dinge wie Aufrüstungen oder Waffen sind nur mit Gold erhältlich. Mit Gold kann man auch Geld erhalten (Kurs: 50 Gold = 50.000 Dollar). Und das ist notwendig. Die Söldner kann man noch billig rekrutieren, doch die Ausrüstung kostet und das Aufsteigen in jeder Stufe. Beispiel: Es gibt für eine Kampagne mit 5 Missionen 12.420 $. In dieser Stufe angekommen kostet eine aktuelle Waffe aber 13.200 $, genauso viel eine Schutzweste und ein Helm. Um nur also die zu diesem Zeitpunkt drei Söldner aufzurüsten muss man die Kampagne neunmal durchspielen. Da der Gegner leistungsfähiger wird muss man aufrüsten, genauso wie in Ja2, da kann man Meduna auch nicht mit einer Baretta, Splitterschutzweste und Stahlhelm einnehmen. Mit dem Geld kommt man also nicht aus. so habe ich mehrere Missionen mehrmals gespielt um Geld zu bekommen. Spielspaß ist was anderes. Die alte Ausrüstung zu verkaufen bringt auch nichts - nur ein Zehntel des Wertes bekommt man zurück. Es gibt nur Feuerwaffen die mit jedem Level freigeschaltet werden, also nichts damit gleich ein FN-FAL zu kaufen. Messerattacken oder Handgranaten sind auch nicht vorgesehen.

Als Online Game für die Pause ganz nett, aber in keiner Weise vergleichbar mit Ja2. Für mich ist eines klar. Für das aufs nötigste reduzierte Konzept werde ich kein Geld ausgeben. Zumal man nicht erkennen kann wo die Kosten enden. Wenn man die Kampagnen bis Level 10 durchgespielt hat gibt es nur noch Prestige Missionen oder die per Kampagne zu kaufenden Missionen. Da die Kampagne 675 Gold kostet, man aber wenn man kein Gold seit Spielanfang ausgab maximal 160 Gold hat, läuft das auf Bezahlung raus. Benötigt werden 675 Gold, das kostet 2 Pakete à 300 Gold zu je 9,99 Euro, also fast das gleiche wie bei Steam.

Es ist zu raten die Shortcuts zu benutzen. obwohl diese nicht für alle Aktionen(und es gibt eigentlich wenige) vorgesehen sind, denn die Maus reagiert auch jetzt noch sehr verzögert. so habe ich schon als ich an den linken und oberen Rand fuhr und klickte ein Programm gestartet (die Taskleiste ist bei mir links) und auf eine andere Webseite gewechselt (die Lesezeichenleiste ist oben). Öfters bewegte sich auch ein Söldner obwohl das nicht gewollt war.

Was man machen kann ist gegen andere Spieler anzutreten - wenn es welche gibt. Zwei Versuche ergaben nach mehreren Minuten keine passenden Gegner, wahrscheinlich weil es kaum Anfänger gibt. Zudem möchte ich die Wahl haben, was ich speile und nicht verdonnert werden gegen Menschen zu spielen die sich für Geld die gute Ausrüstung gekauft haben.

Die Steam Version

Die Steam Version ist vom Gameplay, Story, Missionen etc. völlig identisch mit der Online Version. Das bedeutet auch: die Restriktionen eines Online Games (man will ja viele Leute anlocken, da gibt es keine komplexe Steuerung, komplexes Spielsystem oder irgend etwas was längere Einarbeitungszeit erfordert) bleiben bei einem Stand Alone Spiel erhalten. Einzige Neuerung ist beim Start eine frei wählbare Fenstergröße. JOA nutzt immer die volle Breite des Browserfensters aus. Es läuft flüssiger, Verzögerungen bei den Mausaktionen habe ich nicht beobachtet und man kann auch die Anwendung per Alt-Tab verlassen (allerdings habe ich schon Crash gehabt, als ich den Startbildschirm mit Lademeldung wegdrückte um was anderes in den Vordergrund zu holen).

In Jagged Alliance Online konnte man mit "Gold" nur bestimmte Dinge kaufen und das gab es wenig, etwa 2-3 Stücke pro Mission, 684 davon braucht man für eine Kampagne, also muss man sich ziemlich abrackern. Das ist auch hier so. Sobald man die dritte Kampagne nach der Einführung abgeschlossen hat, also Level 12, kommt man nicht weiter. Auf der Weltkarte tauchen neue Missionen auf, doch klickt man sie an erfährt man, dass man nur mit der für 24,99 Euro zu erwerbenden Kampagne spielen kann, die 100 Stunden Spielspaß bieten soll. Was bleibt? Man ersetzt viele kleine Downloads durch die eines Steam Clients (1,1 GB), aber man hat keinen Zusatznutzen. Ohne Online Anbindung läuft das Spiel trotzdem nicht und ohne Geld auch nicht.

Wer nicht nur exklusiv mit JAO spielen will wird vielleicht einen Vorteil schätzen. JAO blockiert den Browser, das heißt man kann die Seite nicht wechseln oder diese reagiert nicht mehr auf Aktionen. Das geht soweit dass man nicht mal mehr den Popupblocker instruieren kann ein Popup der Jagged Alliance Webseite zuzulassen. Mit Steam kann man nebenher arbeiten und auch auf andere Anwendungen wechseln.

Fazit

Ziel eines Browsergames oder eben einer Steam Version ist es, Geld zu verdienen, wie auch bei anderen Spielen auch. Das ist nicht verwerflich. Was mich an der Umsetzung mit Jagged Alliance stört, ist das ich zum einen nicht weiß, wenn ich eine Kampagne kaufe, ob damit Schluss ist - ich vermute nicht, denn nach wie vor Kosten ja auch die Waffen und bessere Ausrüstung Gold - und das ich wenn ich nichts investieren möchte nach dem Abschluss der Mission von Level 10 gegen eine Mauer fahre. Danach kommt man ohne Geld nicht weiter. Das macht auf mich keinen guten Eindruck und vermittelt eher den Eindruck dauerhaft zahlen zu müssen.

Vom Spielprinzip her, der Einfachheit mit der es gestrickt ist ist es mir zumindest die 24,99 Euro nicht wert. Maximal 5 bis 10 Euro würde ich dafür ausgeben. Ich habe lieber denselben Betrag der Entwicklerschmiede Full Control gestiftet die einen JA Nachfolger entwickeln will.

Links:
Jagged Alliance Online
Jagged Alliance Online Steam Version

5.7.2013: Manchmal schäme ich mich für das DLR

"Fremdschämen" ist ja eines der neuen Worte die seit dem Einzug des Assozialenfern... pardon Privatfernsehens Einzug gehalten haben. Aber es trifft ganz gut das was ich empfinde, wenn ich über das DLR und die Trägerpolitik denke. Ich will mal mit der Ariane 5 anfangen. Die Europa-Rakete war vor der Gründung der Vorgängerorganisation DFVLR (1969). Bei Ariane 1 war man nach den Erfahrungen bei der Europa-Rakete vorsichtig. Das ist verständlich, da bei der der Europa der Anteil der BRD im Laufe des Projektes gravierend anstieg, obwohl man am wenigsten zur Rakete beitrug und Ariane 2-4 waren nur preiswerte Weiterentwicklung der Ariane 1.

Bei Ariane 5 deren Vorentwicklung 1985 und deren Entwicklung 1988 beschlossen wurde, war die Situation anders. Zum einen war Ariane 1 etabliert, es gab ein volles Auftragsbuch, das bis 1988 als die Entwicklung endgültig beschlossen wurde noch weiter anwuchs. Ariane war eine finanzielle erfolgreiche Rakete. Es wäre also logisch gewesen sich daran möglichst stark zu beteiligen.

Das zweite ist, dass es auch Anfragen von Frankreich aus gab, dass Deutschland stärker beteiligt sein könnte. Sicher nicht aus dem uneigennützigen Grunde den eigenen Anteil zu senken. So gab es von SNECMA den Vorschlag das Vulcain zusammen zu entwickeln. Doch was macht Deutschland? Wieder nur eine Minorbeteilligung. Stattdessen beteiligte sich Deutschland an Columbus. Ein Raumlabor, das völlig abhängig von einer amerikanischen Raumstation war und das anders als die Ariane 5 keine Arbeitsplätze dauerhaft durch die Produktion weiterer Exemplare sichert.

Vor allem: mit was beteiligte sich Deutschland an der Ariane 5? Eine Oberstufe mit lagerfähigen Treibstoffen und einem druckgeförderten Triebwerk. Das ist im Prinzip die Technologie die man schon zwanzig Jahre früher für die Astris-Stufe entwickelt hatte. Dazu eine Doppelstartverkleidung (SPELTRA), die nach den Erprobungsflügen gestrichen wurde, weil sie zu groß war. Dann bekam man noch den Auftrag für die Boosterhülsen. Das ist nicht der komplette Booster und sie sind in Edelstahl gefertigt, während die USA zur gleichen Zeit die Booster für die Titan IVB entwickelten, die schon CFK-Werkstoffe einsetzten und noch größer waren. Dazu kamen noch einmalige Aufträge bei den Bodenanlagen.

Was fertigt Frankreich? Das Vulcain Triebwerk, das leistungsfähigste mit Gasgeneratorantrieb und die EPC mit einem hervorragenden Voll/Leermasseverhältnis mit Innendruckstabilisierung. Ja so kann man es auch machen. Viel Geld kassieren, dafür das man nichts neues entwickelt und anderen die technologischen Weiterentwicklungen gemacht hat ist das kein schlechter Schachzug ür die deutsche Raumfahrtindustrie, nur fällt man so eben weiter zurück.

Vor allem zeigt sich schon damals die Tendenz: "Geiz ist geil". Der Telecom-Satellit DFS Kopernikus 3 startete 1992 auf einer Delta II, das gab sogar eine eigene Sitzung des Bundestags (Link). Warum auch einen Träger stützen, bei dem die deutsche Industrie zu 20% beteiligt ist (so gesehen bleiben 20% des Startpreises ja auch im Lande). Hauptsache gespart. Frankreich zeigt da mehr Solidität. Sie starteten mit der letzten Ariane 5G einen Helios Satelliten der nicht mal die Hälfte der möglichen Nutzlastmasse hatte. Mann musste sogar Ballast mitführen um zu verhindern, das die EPC einen Orbit erreicht.

Bei der Vega wiederholt sich dann die "Geiz ist Geil" Mentalität. Wozu soll Europa eine neue Trägerrakete entwickeln, wenn es doch die russischen ausgemusterten ICBM gibt die von deutsch-russischen Unternehmen angeboten werden? Ja damalige DLR Mitarbeiter machten in öffentlichen Vorträgen sogar Stimmung gegen die Vega, sie "gefährde die innereuropäische Solidarität" zu Ariane. Umgekehrt wird ein Schuh draus: An der Vega sind die gleichen Länder wie bei der Ariane beteiligt mit einer Ausnahme: Deutschland.

Das die Vega auch ein Einstieg in die Entwicklung neuer und leichtgewichtiger Feststoffbooster ist, die auch bei größeren Raketen benötigt wild wollte man nicht sehen. MT Aerospace entwickelte auf eigene Faust eine Zwischenlösung bestehend aus Stahl, verstärkt mit CFK-Werkstoffen, die allerdings keinen Zuspruch fand. Frankreich war ja anfangs auch skeptisch, stieg aber dann in die Entwicklung der ersten Stufe ein, weil sie die technologisch interessanteste ist. Natürlich bemerkt im DLR keiner, dass die P85 Stufe "zufälligerweise" genau den gleichen Durchmesser wie die Ariane 5 Booster hat und ebenfalls "zufälligerweise" drei Motorgehäuse genauso hoch sind, wie die Segmente der Ariane 5.

Natürlich ist es auch reiner Zufall, dass die Produktionsanlage bei Fiat Avio für die P85 etwas überdimensioniert ist und 2002 in den Ausbauplänen für die Ariane 5 ein P270 Booster auftaucht der rein zufälligerweise die gleichen technischen Daten wie drei hintereinandergeschaltete P85 hat.

Nun ja, Deutschland ist ja noch an der Oberstufe der Ariane 5 beteiligt. Und da baut Astrium Bremen die ESC-A und B (jeweils ohne Triebwerke). Da die Firma entweder keine state-of-the Art Strukturen für LH2 bauen kann oder wahrscheinlich einfach ihre massive Bauweise, die bei druckgeförderten Stufen ja noch Sinn machte, hochskaliert, halten beide Stufen Rekordwerte bei dem Start/Trockenverhältnis - im negativen Sinn.

Als der Jungfernflug der Vega dann näherrückte beginnt man beim DLR nachzudenken. Denn die russischen Träger sind nicht mehr so billig. Außerdem sind sie nur noch einige Jahre lang verfügbar - klar sie wurden ja schon vor 20 Jahren ausgemustert und ewig lang kann man sie auch nicht mehr lagern. Man erstellt im eigenen Institut SA/RT eine Analyse ob man die letzte Vega Stufe mit AVUM nicht durch eine andere ersetzen könnte - und das sah auch gut aus. Nur hat man einen Fehler gemacht: man rechnete mit technischen Werten die weltweit üblich sind, mit Ausnahme einer kleinen Insel, die sich dem technologischen Fortschritt verweigert und in Bremen lokalisiert ist. Die Folgestudie ging dann nach Astrium Bremen, die das ganze dann mit ihren Werten, nochmals rechneten und siehe da, wenn Astrium Bremen den Auftrag bekommt, dann sinkt die Nutzlast der Vega ab. Also war es das dann mit der deutschen Beteiligung an einer fortentwickelten Vega Version.

Und nun vergibt das DLR die Nachfolgesysteme von SAR-Lupe mit einer Falcon 9 starten soll. Begründung "Aber aus deutscher Sicht haben wir auch immer gesagt, dass wir das günstigste Angebot nehmen." (link). Zumindest die beiden leichteren Satelliten in ihrer niedrigen Umlaufbahn wären noch mit der Vega startbar. Das wäre etwas teurer (64 Millionen Euro zu 59 Millionen Dollar) aber dafür auf einem Träger mit 100% Erfolgsstatistik anstatt zwei Fast-Fehlstarts und zwei weiteren Starts mit gravierenden Problemen von einer Firma die mehr durch Ankündigungen als Leistungen von sich Reden macht.

Europäische Solidarität, auch wenn man nicht an der Vega beteiligt ist, sieht anders aus. Interessanterweise ist man woanders großzügig. Zum Beispiel bei Columbus. Es wird zu 40 bis 50% (Schwankungen über die Jahre) von Deutschland finanziert. Von sechs neuen ESA-Astronauten, die wahrscheinlich jeder nur einmal fliegen werden ist aber nur einer aus Deutschland. Dafür soll der Brite Tomothy Peake zur Raumstation fliegen. Englands Beteiligung am Direktionat Human Spaceflight war in den letzten Jahren bei genau 0 Pfund. Nun zahlen sie 28 Millionen Pfund ein, das sind 33 Millionen Euro. Das sind 3% des Postens "Human Spaceflight" von 2013 bis 2015. Deutschland ist mit 40,7% dabei. Beide Nationen haben einen Flug zur ISS. Da ist man doch richtig großzügig oder?

Bei einer so verkorksten Politik kann man sich nur schämen. Was hat sie in drei Jahrzehnten erreicht? Milliarden wurden im Trägersektor versenkt, dafür beherrscht die Industrie Strukturen wie sie in in den sechziger Jahren üblich waren, keine Triebwerkstechnologie welche eine Turbopumpenförderung einsetzt, oder LOX/LH2 Technologien, keine Feststofftriebwerke. Frankreich und Italien wären gut beraten, auf Deutschland bei der Ariane 6 zu verzichten. Mehr als ausbremsen und die Kosten steigern, wird man nicht können. Das ist die Folge davon wenn man nur auf einem prozentualen Anteil an der Fertigung wert legt, oder die Verdienstspanne von deutschen Firmen zu maximieren, aber nicht darauf, dass man sich auch technologisch weiterentwickelt.


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