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Web Log Teil 342: 4.8.2013 - 7.8.2013

4.8.2013: Der Space Shuttle Hitzeschutzschild - Teil 3 : die Produktion

So, nun zum vorletzten Teil des Artikels über den Hitzeschutzschild des Orbiters. Man kam nach der Entwicklung kam zu der letzten Phase: der Produktion. Sie sollte zur größten Herausforderung werden. Dabei hatte man eigentlich mehr Zeit als ursprünglich vorgesehen. Schon früh gab es eine unzureichende Finanzierung, welche den Jungfernflug von Herbst 1977 auf Frühjahr 1978 verschob. Zahlreiche Probleme bei der Triebwerksentwicklung inklusive der Zerstörung einiger Turbopumpen und ganzer Triebwerke verschoben den Jungfernflug zuerst auf Frühjahr 1979 und dann Ende 1979. Die Columbia wurde als erster Orbiter ab 1978 zusammengebaut und bald zeigte sich dass man die Zeit die man brauchte um die Kacheln zu montieren gewaltig unterschätzt hatte.

Die Prozedur für die Installation einer Kachel war folgende:

Zuerst wurde das SIP in die benötigte Form geschnitten. Sie war für jede Kachel anders. Die Kachel selbst wurde von Lockheed in 36-Stück Packungen geliefert, jede mit einer eigenen Seriennummer. Zuerst wurde die Aluminiumstruktur mit einem grünen Epoxidharz belegt. Es diente als Korrosionsinhibitor. Dann wurde eine Blaupause aufgelegt, gedruckt auf transparentem Mylar, individuell gedruckt für jede Kachel. Sie zeigte die Position jedes SIP und eines Füllstreifens zwischen jedem SIP an. Ein Füllstreifen hatte eine Breite von 1,9 cm und bestand aus Nomex. Zwischen Füllstreifen und SIP gab es Lücken. Sie mussten sein, um dem Material Raum zum Ausdehnen zu geben, sie dürften aber auch nicht zu breit sein, um die Wärmeübertragung auf die Orbiterstruktur zu minimieren. Die Lücken hatten eine Breite von 0,762 mm. Die Kacheln mussten sogar noch genauer platziert werden Hier betrug die Genauigkeit sogar nur 0,0524 mm. Das betraf nicht nur die Positionierung in der Horizontalen. Auch in der Höhe musste eine Kachel zwischen 0,9 und 1,9 mm in der Höhe relativ zur Kante der benachbarten platziert werden. (da sie in der Mitte höher waren als außen, gab es diese Differenz).

Dazu wurde auf die Oberfläche ein Gerät namens Komparator angebracht, das sich mit einer Vakuumdichtung dort fest ansaugte. Ein Techniker konnte mit Lichtindikatoren dann prüfen ob die Kacheln passen würde. Wenn dies nicht der Fall war, wurden die Ränder abgeschmirgelt.

Paste sie, so wurden nun die Füllstreifen auf dem Aluminium angeklebt und die Kachel kam in einen separaten Raum, wo auf ihrer Unterseite das SIP Pad angebracht wurde. Sie wurde gewogen um festzustellen ob die Klebermenge ausreichend war, aber auch nicht zu hoch und dann konnte der Kleber über einige Stunden aushärten.

Während die Columbia bestückt wurde, kam auch ein neues Problem auf. Es zeigte sich das das SIP alleine nicht ausreichten um zwischen dem Aluminium der Orbiterstruktur und den Kacheln zu vermitteln. Es musste verstärkt werden. Man überlegte eine weitere Zwischenschicht zwischen Kachel und SIP einzubringen. Zuerst dachte man an eine Aluminiumfolie die man gut auf beide Seiten würde kleben können, doch der thermische Ausdehnungskoeffizient war zu hoch. Es hätte unerwünschte Kräfte auf die Kachel abgegeben. Folien aus Kohlenstoff-Polyimid hatten den richtigen thermischen Ausdehnungskoeffizienten, mit der Einführung der LI-2200 Kacheln sah man im Oktober 1979 eine Lösung: anstatt eine weitere Schicht einzubringen würde man mit kolloidalem Slikat (Ludox von Du Pont) die untere Schicht der Kacheln verstärken und damit hielten die Kacheln mehr aus (siehe bei der Entwicklung). Damit waren auch die Probleme mit der akustischen Belastung weitgehend gelöst. Sie erreichten nun eine Belastungsgrenze von 11,7 psi. Nun wurde der Kleber auf der Vertiefung zwischen den Nomex-Streifen eingebracht, die Dicke geprüft (0,13 bis 0.18 mm) und dann die Kachel aufgebracht. Werkezuge hielten die Kachel mechanisch und durch ein Vakuum für vier Tage fixiert. Dann gab es einen Zugtest ob sie auch hielt und die Lücken zwischen jeder Kachel wurden ausgemessen. Jeder Schritt wurde von einem eigenen Rockwell Mitarbeiter beobachtet und protokolliert.

Diese Prozedur war nicht serialisierbar und auch nicht auf verschiedene Arbeiter aufteilbar (jeder macht nur einen Schritt), da wegen der geringen Fertigungstoleranzen man bald darauf kam, die Kacheln nicht direkt hintereinander anzubringen, sondern die erste und die dritte einer reihe, danach wurde die Lücke dazwischen vermessen und bei Lockheed eine Kachel gefertigt die genau dazwischen passte. So wurde das Anbringen eine zeitaufwendige Angelegenheit. Maximal konnte ein Arbeiter in drei Wochen vier Kacheln montieren. 150 Personen waren die ursprüngliche Belegschaft für das Anbringen der Kacheln. Sie waren, wie in den USA üblich, für diese Arbeit angeheuerte Arbeiter, die eine Schulung erhielten. Sie bestand aus je zwei Wochen im Klassenzimmer und zwei Wochen beim Training bei der Arbeit. Miteingeschlossen waren Kurse in denen sie etwas über Thermalprotektion, Behandlung der Kacheln und das Anbringen des Klebers ohne Beschädigung der Kacheln lernten.

Doch ein Arbeiter schaffte im Durchschnitt nur eine Kachel pro Woche. So würde es mehr als zwei Jahre dauern bis alle 21.000 Kacheln an der Unterseite angebracht waren, die am kritischsten waren. Da traf es sich gut, das das Shuttle woanders auch Probleme hatte. Die Entwicklung der Haupttriebwerke hatten deutliche Verzögerungen. Als man sich schon kurz vor dem Abschluss der Entwicklung wähnte, explodierte im Dezember 1978 ein Triebwerk, und ein Erstflug vor 1980 schien unmöglich. Damit waren 1100 Arbeiter von Rockwell im Kennedy Space Center, die dort die Wartung und Flugvorbereitung der Columbia durchführen sollten, für mindestens ein dreiviertel Jahr arbeitslos. Rockwell beschloss die Fähre auf die Boeing 747 der NASA für die Gleittests zu packen und zum KSC zu überführen. Die dortige Belegschaft sollte die Kacheln anbringen und durch ihre größere Personenzahl sollte es schneller gehen. Bis dahin (März 1979) waren erst 7.000 der Kacheln angebracht worden. Der Rest waren provisorische Kacheln aus Stoff, die mit Doppelklebeband angebracht waren. Was passiert wurde zum PR-Fiasko. Schon nach dem Start der Fähre mit der B-747 fand man auf der Landebahn Bruchstücke von Kacheln. Als die Columba vor den Fernsehkameras im Kennedy Space Center ankam, konnte man sehen das Kacheln fehlten. Etwa 40 Stück waren abgefallen. Leider machten weder Rockwell, noch die NASA damals in der Pressekonferenz klar, das es sich vor allem diese temporären Kacheln aus Plastik waren, die abfielen. Das Doppelklebeband hatte sich an einer Kachel abgelöst und der Zug sowie die von ihm verursachten Wirbel an der Oberfläche führten zum Ablösen auch weiterer Kacheln. So steht der Flug auch noch heute in den Annalen, dass dabei viele echte Kacheln abgelöst wurden, darunter auch bis zur Recherche zu diesem Artikel auf meiner Website, dafür ein Sorry. Es waren aber 5 der normalen Kacheln auch abgegangen, obwohl der Flug auf der B-747 keine Belastungen darstellte die vergleichbar mit denen beim Start waren und eine Inspektion zeigte, dass viele andere Kacheln zwar nicht abgefallen waren aber sich die Verbindung gelockert hatte und sie beim Start verloren gegangen wären. Das zeigte, dass die Kachelprobleme noch nicht gelöst waren.

Rockwell hatte 260 Personen mit der Anbringung der Kacheln im KSC beauftragt, Doch bis sie eingearbeitet waren schafften sie nur wenige Kacheln. In den ersten drei Wochen waren es nur 200. Im April war die Zahl der installierten Kacheln von 7000 im März auf 8000 angestiegen, im Mai war man bei 10.800 angekommen. Rockwell heuerte nun hunderte von Arbeitern aus der Umgebung an, vor allem College Studenten in den Sommerferien. Die Anzahl stieg zuerst auf 300 installierte Kacheln pro Woche und erreichte schließlich 500 pro Woche. Rockwell brachte 22 mobile Container nahe dem OPF (Orbiter Processing Facility) unter, worin Ruheräume und das Cathering untergerbacht waren. Die Belegschaft arbeitete im Dreischichtbetrieb, den eines war inzwischen klar: der Orbiter könnte starten, tja wenn er nur seine Hitzeschutzkacheln schon montiert hätte.

Als wäre das nicht schlimm genug, kam 1979 auch noch das Problem auf, das ich bei der Entwicklung beschrieben hatte: die Kacheln waren erheblich höheren Belastungen durch akustischen Lärm ausgesetzt als geplant. Man musste bei einer Reihe von Ihnen die Rückseite verstärken. So war die Columbia 1979 im Kennedy Space Center ein Chaosgefährt: Teile waren fertiggestellt mit "guten" Kacheln, andere Arbeiter demontierten an schon fertiggestellten Teilen "böse" Kacheln, die beim Zugtest die 1.25-fache Nennbelastung nicht aushielten und unter den Tragflächen waren ganze Zonen noch nicht angegangen worden. Ein erster Test ergab, das 1% der Kacheln ausgewechselt werden musste, plus welcher, an besonders exponierten Stellen die mit Sicherheit nicht den Belastungen standhielten. Dann führte man ab Februar 1980 eine zweite Inspektion mit Ultraschall ein, die vorher bei Beton und Holz erprobt wurde. Sie sollte versteckte Fehler, die noch kein Loslösen waren, aber eine Schwächung der Verbindung nach dem Zugtest nachweisen. Nun waren schon 10% der Kacheln betroffen.

Wie kam es dazu, dass dieser Punkt so übersehen wurde? Es lag an der Konzeption des Programmes. Es folgte dem Grundsatz des "concurrent efforts". Bisherige Raumfahrtprojekte hatten isolierte Abschnitte die vollständig durchlaufen wurden, bevor man in den nächsten Abschnitt überging. Üblich waren Design, Entwicklung, Produktion und Einsatz. Beim Shuttle waren diese Abschnitte verzahnt. Damit konnte man das Projekt schneller fertigstellen. Nach dem ursprünglichen Plan war ja schon im Herbst 1977 der Jungfernflug geplant, also nach gerade mal fünfeinhalb Jahren. Das Konzept wurde von der US Air Force in den sechziger Jahren eingeführt, um Technologien schneller zur Einsatzreife zu bringen. Es erforderte aber viel Erfahrung, welche Punkte man beim Testen zurückstellte und erst in der Produktionsphase anging. Und die Belastung der Kacheln durch Akustiklärm war eine die man als nachrangig einstufe. Der enge Kostenrahmen erforderte aber, dass man Kompromisse einging und Tests in die Produktionsphase verschieben musste. Hätte man diese Tests 1976 / 1977 durchgeführt, so sagte später ein NASA Bericht, man hätte wie bei der Verwendung der LI-2200 Kacheln die Verstärkung in die Produktion einfließen lassen können. Die Columbia hätte im April 1980 zum ersten Mal starten können, ein Jahr vor dem tatsächlichen Jungfernflug. So fanden die Tests aber erst 1979, parallel zur Installation der Kacheln statt.

Man nutzte die Zeit für weitere Tests. Neben Windtunneltests in Ames wurden die Kacheln an F-104 und F-15 Düsenjäger montiert. Sie flogen Profile die der 1,4-Fachen Nennbelastung beim Aufstieg entsprachen. Weitere Tests führten dazu, dass man die Kacheln bei den OMS-Pods mit ebenfalls hohen Belastungen kleiner machte, damit wirkte auf jede eine kleinere Kraft,.

Im Mai 1980 fasste die NASA einen Start für den März 1981 ins Auge, da kam Rockwell mit einem neuen Vorschlag: Der ganze Hitzeschutzschild sollte für 175% der Nennbelastung qualifiziert sein. Die ausgetauschten Kacheln hatten diese Sicherheitsspanne, ebenso die neuen LI-2200 Kacheln. Doch die nicht verstärkten waren nur für 125% qualifiziert. Das würde, so Rockwell, den Austausch von 9000 Kacheln bedeuten. Alan Lovelace, verantwortlicher NASA Manager für das Programm meinte das würde den Jungfernflug um ein weiteres Jahr verzögern und das Programm um 500 Millionen Dollar verteuern. Denn eines war klar: die Arbeiter die das Space Shuttle warten sollten, auf den Start vorbereiten sollten, die Angestellten der Subkontraktoren und auch von Thiokol und Martin Marietta, sie alle mussten ein Jahr lang Däumchen drehen, solange als einzige Problem der Hitzeschutzschild noch nicht fertig war.

Trotzdem lies die NASA die Situation untersuchen. Bis Juli 1980 hatte man einen genauen Überblick. 1700 Kacheln musste man austauschen, Sie hatten den Zugtest nicht bestanden. Weitere 1700 lagen in Zonen mit hoher Belastung und sollten ausgetauscht werden, auch wenn der Zugtest erfolgreich absolviert  wurde. 1216 kämen nach einer Studie mit kombinieren Lasten durch Akustik, Vibration und aerodynamischen Schockwellen hinzu. Das wären weniger als 4700, also nur halb so viele wie Rockwell veranschlagte, trotzdem bedeuten sie eine Verschiebung des Jungfernflugs über mehrere Monate. Man entschloss sich zu der Maßnahme, aber begann gleichzeitig die Vorbereitung zum Start die formell am 24.11.1980 begann. So wurde an den Kacheln bis zum Schluss gearbeitet, In einer Woche im September 1980 wurden z.B. 738 Kacheln montiert. Allerdings wurden auch 308 demontiert, So betrug der "Nettogewinn" nur 438 Kacheln. Zu diesem Zeitpunkt waren 26.281 montiert, 4.741 fehlten für den Gesamtbestand von 30.922.  Während der ganzen Zeit von mehr als zwei Jähren wurden niemals mehr als 41 Packungen mit je 12 Kacheln pro Woche montiert.

Insgesamt hatte der Austausch von Kacheln durch an der Unterseite verstärkten den Jungfernflug der Columbia um ein Jahr verzögert.

5.8.2013: Der Einsatz

Nach einem Startabbruch am 10.4.1981 aufgrund eines Synchronisationsproblems der Bordcomputer hob die Columbia am 12.4.1981 ab. Man war gespannt auf die ersten Bilder aus dem Orbit, denn die erste Inspektion der Startanlage zeigte, dass man die Kräfte der SRB unterschätzt hatte. Die Schockwellen und Flammen hatten das Stahlgerüst des Startturms teilweise verbogen, etliche Kabel und Leitungen waren durchgeschmort. Dagegen konnte man ein  Wasserunterdrückungssystem installieren, doch was war mit den Kacheln des Hitzeschutzschildes, waren auch sie beschädigt?

STS.Aufnahme OMS PodDie ersten Videoaufnahmen (Digitalkameras mit höhere Auflösung gab es ja noch nicht) zeigten das an den OMS Pods schon Kacheln fehlten. Zwar waren die OMS Pods etwas höher belastet weil sie eine stark kurvige Form hatten, aber das waren Kacheln auf der Oberseite, sie sollten maximal 650°C aushalten. Wie sah es mit dem Hitzeschutzschild auf der Unterseite aus? Einzigartig und nur einmal während des ganzen Space Shuttle Programms vorgekommen, fragte die Missionsleistung auf dem kurzen Dienstweg beim der NRO nach, ob ein KH-11 Satellit nicht den Hitzeschutzschild fotografieren könnte. Das Shuttle flog wie bei den meisten Missionen so, dass es die Nutzlastbucht oder das Heck der Erde zuwandte und den Schild nach außen, So konnte dieser eine zu starke Erhitzung der Mannschaftsräume durch die Sonne verhindern. Gleichzeitig trocknete dies den Hitzeschutzschild, falls dieser vor dem Start oder während des Aufstiegs Wasser eingeschlossen hatte, denn Feuchtigkeit war fatal wenn der Wiedereintritt begann. Das Foto wurde nie publiziert, man weis auch so ob es scharf genug war, denn das Kamerasystem der KH-11 war auf die Aufnahme der Erde ausgerichtet und das Shuttle hatte eine ganz andere Relativgeschwindigkeit als die Erde und auch eine andere Bewegungsrichtung, sodass die Bewegungskompensation kaum von Nutzen war. Selbst bei den Bedenken bei der Mission STS-107 wurde keine Inspektion des Hitzeschutzschildes im All erwogen.

Die Columbia landete ohne Probleme. Das erste was Kommandant John Young nach der Landung aber machte, war dass er um den Orbiter hum und unter ihm hindurchlief um den Hitzeschutzschild zu inspizieren. Und in der Tat fehlten auch Kacheln, sogar eine ganze Menge. doch bewährte sich das Konzept. Einzelne verlorene Kacheln konnten kein Systemversagen bewirken, dazu musste eine ganze Fläche freigelegt werden. Ansonsten strömte das Plasma über die Oberfläche hinweg, aber nicht in die Vertiefung hinein. Auch bei den nächsten Flügen gingen Kacheln verloren, es wurden aber immer weniger:

Flug verlorene / ausgewechselte Kacheln
STS-1 400 / 1827
STS-2 38 / 1100

Während die Columbia noch flog führte man eine neue Isolation ein, gerannt AFRSI (Advanced Flexible Reusable Surface Isolator ). Sie sollten die weißen LRSI Kacheln an der Oberseite ersetzen die zwischen 275 und 650°C erhitzt wurden. Für diese waren die Quarzkacheln eigentlich schon zu "gut". AFRSI bestanden aus ungerichteten Quarzfasern die auf einem Gewebe von Glasfasern aufgenäht wurden. Als Garn wurde teflonbeschichtete Quarzfasern benutzt und es gab wegen der Sprödigkeit nur wenige Sticke, 3-4 pro Zoll. AFRSUI hatte eine Dichte von 8-9 Pfund pro Kubikfuß, also noch leichter als die LI-0900. Sei wurden direkt auf die Orbiterhülle mit einem Silkionkleber angebracht und waren zwischen 6,3 und 52 mm stark. Der Hauptvorteil war, dass sie viel größer waren als die Kacheln, nämlich 90 x 90 cm.

Sie wurden sukzessive eingeführt. Bei STS-8 waren einige AFRSI zum Test eingeführt worden. Bei Discovery und Atlantis war schon ein Großteil der LRSI durch AFRSI ausgetauscht worden. Die Columbia folgte während das Programm nach der Challenger-Katastrophe am Boden stand. Bei ihr wurde aber niemals so viel  wie bei den anderen Orbitern ausgetauscht. Die Endeavour wurde gleich mit AFRSI belegt und hatte den höchsten Anteil an diesen Fasern. Das sparte 668 kg Gewicht ein.

Die Zahl der Kacheln ist daher sehr stark abhängig vom Orbiter und der Zeit. Anfangs waren 34.000 geplant (inklusive der Nomex Matten für unter 275°C), davon 30.922 Quarzkacheln. Die Atlantis hatte bei ihrem letzten Flug 18.490 LI-0900 Kacheln, 2.846 AFRSI-Matten, 469 ATBUI-Kacheln, 234 BRI-18 Kacheln und 3.254 Matten verschiedener Typen. Pro Flug gingen typisch 20 Kacheln verloren und nach dem Flug wurden nach der Inspektion 200 Kacheln und 10 Matten ausgetauscht.

Auch die Beschädigungen durch Bruchstücke der Tankisolation nahm nach dem Verlust der Columbia bei der Mission STS-107 ab, als man diese überarbeitet hatte. Vorher gab es 50 "Löcher" mit einer Größe von mehr als 2,5 cm Durchmesser pro Flug, beim letzten Flug nur noch 4. Was allerdings als Problem blieb, war das neben anderen Dingen vor allem die Inspektion von über 20.000 Kacheln und das Austauschen dieser eine gewaltige Arbeitsbelastung bedeutete. Nach den ursprünglichen Plänen sollte ein Orbiter alle vier Wochen starten - das war ein Durchschnittswert. Wenn man berücksichtigt dass ein Orbiter für Inspektionen / Aufrüstungen für längere Zeit nicht zur Verfügung steht, von diesen 4 Wochen noch die Zeit für die Startvorbereitung und die Mission abgeht, dann war klar, dass der Hitzeschutzschild nach der Mission eigentlich kaum repariert werden konnte, anders hätte man diesen Zeitplan nicht einhalten können. Um die durchschnittlich 200 Kacheln in einer Woche auszuwechseln hätte man dann aber alleine dafür 200 Arbeiter benötigt. So war niemals diese schnelle Startfolge zu erreichen. Wie die Geschichte lehrte waren selbst 4 Starts pro Orbiter pro Jahr, die 1985 erreicht wurden (Challenger), nur möglich wenn Sicherheitsstandards sträflich vernachlässigt wurden.

6.8.2013: Größenwahn bei SpaceX

Nun da nach einer Verschiebung von 5 Monaten wohl in einem Monat endlich die Falcon 9 "zweiter Versuch" starten wird, macht sich die Firma große Sorgen. Wie soll man mit nur zwei Startrampen die enorme Startzahl von 11 Starts 2013 absolvieren? Das geht doch nicht, und so bewirbt sich die Firma um die Nutzung von PAD 39A, also einem der Launchpads die für die Apollomissionen gebaut wurden und für die Space Shuttles genutzt werden. Das ist nebenbei ein Eingeständnis der NASA, dass sie in den nächsten Jahrzehnten kaum noch bemannte Raumfahrt mit eigenen Raumfahrzeugen treiben wird. Denn wenn man die Startvorbereitungszeiten für die Shuttle Missionen und die Apollo Missionen betrachtet, dann dürfte ein Pad kaum mehr als 4 Starts pro Jahr erlauben, bei einer Schwerlastrakete mit ihren längeren Vorbereitungszeiten eher mehr (die NASA konnte nachdem sie nach der Mondlandung mit Apollo 11 nur noch ein Pad betrieb nur noch zwei Missionen pro Jahr durchführen).

Gleichzeitig sucht SpaceX noch nach einem Spaceport für kommerzielle Einsätze, denn angeblich gibt es im CCAF und VAFB zu viele Hindernisse für Kommerz. Also vier Startplätze, die räumlich getrennt sind (das KSC liegt ein gutes Stück vom CCAF entfernt auf Merrit Island) braucht diese Firma um ihre Starts abarbeiten zu können.

Okay, nachdem ihr euch nun vom Herumkugeln vor lauter Lachen erholt habt, machen wir doch mal einen Vergleich. Arianespace konnte bei ELA 2 bis zu 12 Starts pro Jahr durchführen. Das sind mehr als SpaceX 2014 und 2015 pro Startplatz durchführen wird.  Dabei ist die Konzeption von ELA nach Ansicht der ESA keineswegs ideal gewesen. Die Startvorbereitung war getrennt in einen Teil an der Startrampe und einen in den Gebäuden. ELA3 wird nur an der Startrampe gestartet und getrennt vorbereitet, wie dies auch SpaceX durchführt. Daher müsste man noch viel mehr Starts durchführen könnte. Schauen wir uns die Sojus an, die ja auch viele Triebwerke einsetzt, die gleichen Treibstoffe und auch in der Größe vergleichbar. Da gab es etliche Jahre in denen eine einzige Startrampe mehr als 20 Starts pro Jahr sah, die meisten hatte LC31 in Baikonur im Jahre 1966 mit 27 Stück. Das ist so viel wie SpaceX von 2013 bis 2015 zusammen plant, also in drei Jahren.

Nun will ich nicht unfair sein, und daher muss man sagen, das SpaceX mindestens zwei Startrampen benötigt, eine für sonnensynchrone Umlaufbahnen wie Erderkundungssatelliten (derzeit in Vandenberg) und eine für Starts in die geostationäre Umlaufbahn und ISS-Transporte. Von Kalifornien aus kann man nicht nach Osten starten, also weder geostationäre Umlaufbahnen noch die ISS erreichen. Vom Cape aus sind sonnensynchrone Umlaufbahnen nicht möglich weil man dann entweder ie Ostküste oder Mittel/Südamerika überfliegen würde. Doch wofür braucht man dann vier? Also die Motivation hinter LC39 ist recht offensichtlich. Zum einen kann man schon vorhandene Infrastruktur nutzen, wie dies auch bei LC6 in Vandenberg der Fall ist (auch dieses Pad wurde einmal für das Space Shuttle umgerüstet). Wenn man nichts investieren will oder kann ist das von Vorteil. alle Einrichtungen für bemannte Flüge sind auch vorhanden. Man will sicher auch was vom schillernden Mythos dieser Startanlage profitieren. Von LC39A aus startete die erste Saturn V, Apollo 8 die erste Mission zum Mond, Apollo 11 die Mondlandung, Apollo 13, die gerettete Mission trotz eines "Problems", pardon, einer "Anomaly". die letzte Apollo und die erste Shuttle Mission und der Starts von Skylab. LC39A sah auch die letzte Shuttle Mission, das einzige was so einen kleinen schwarzen Fleck hinterlässt ist das auch STS-107 vom LC39A aus startete, aber die verglühte ja auch beim Wiedereintritt nicht beim Start.

Offensichtlich will SpaceX suggerieren: wir sind die Nachfolge des Shuttle Programms, wir sind die bemannte US-Raumfahrt, schenkt uns noch mehr Milliarden und nicht den anderen Konkurrenten! Dabei zeigt das eher wie uneffektiv die Firma ist, denn Lockheed kann von der Atlas V Rampe unbemannt starten oder mit dem Dreamcheaser oder mit der CST-100, nur SpaceX braucht für jede noch so kleine Änderung an ihren Raketen einen neuen Startplatz.

Die Frage ist, warum die Firma aber dann noch einen weiteren kommerziellen Startplatz braucht, derzeit ist Brownsville, an der Grenze zu Mexiko im Gespräch. Angeblich sind ja für kommerzielle Missionen die bisherigen Startplätze nicht so geeignet. Nun werden beide Weltraumbahnhöfe vom Militär betrieben. Sie vermieten die Startrampen. Das taten sie schon seit Mitte der achtziger Jahre, aber so ganz gleich sind die Kunden nicht. Wenn ein Start für das DoD oder die NASA ansteht, dann sind die Startfenster begrenzt. Verschiedene Services sind reserviert bis der Start durchgeführt wurde. Erst danach konnte man es für den SpaceX Start umkonfigurieren und wenn es eine Verzögerung gibt, dann muss man eben warten.

SpaceX wartet nicht gerne, wo man doch gleich von heute auf morgen starten will - sofern es nicht andere kleine Probleme gibt die den Start verschieben und dann eben doch entscheidend sind. So wich SpaceX im Juni 2005 auf Kwajalein für den Jungfernflug der Falcon 1 aus, als die Air Force beim VAFB wegen des letzten Titan 4 Starts einen Start erst nach Abheben der Titan 4 im August/September 2005 zuließ, aus Furcht, die Falcon 1 könnte vom Kurs abkommen und die Startanlage beschädigen. Nein, wie kann man denn auch so die Firma behindern, die schon damals drei Starts für 2005 (im Juni 2005!) plante. So zog man nach Kwajalein um, wo der Jungfernflug übrigens nach 5 Monaten mit mehrfachen Startabbrüchen am 24.3.2006 stattfand. Er endete 1 km von der Startrampe entfernt - als hätte die USAF es vorausgeahnt. Von Vandenberg aus hätte sie übrigens schon ab August/September 2005 abheben können...

Die Parallele zu heute ist offensichtlich: Auch damals riesiges Launchmanifest mit Starts die nie erfolgten, Dieses Jahr bislang einer, glaubt jemand ernsthaft, dass sie in den letzten 4 Monaten des Jahres noch 5 Starts durchführt? Nur einen Unterschied gibt es: Wenn man in Brownsville tatsächlich starten will, dann wird es nicht so billig wie bisher. Bisher konnte man vom Militär die gesamten Anlagen und die Infrastruktur mieten. Nun muss man sie erst mal errichten und das wird teuer, genauso wie es billiger ist eine Wohnung zu mieten als eine zu bauen. Daher glaube ich nicht das SpaceX noch einen Raumfahrtbahnhof auf der grünen Wiese bauen will, und fertig ausgebaute, die nur auf die Firma warten gibt es auch kaum welche. Vielleicht liebäugelt die Firma mit Subventionen, denn auffällig ist ja dass sie trotz der geographischen Nachteile nach einem US-Startgelände Ausschau hält. Dagegen wäre eine Insel oder wie bei Sealaunch eine umgebaute Bohrinsel viel geeigneter. Man kann sie am Äquator positionieren, was die Nutzlast erhöht und man braucht nur einen Startplatz um alle Bahnneigungen abzudecken. Aber da man bei SpaceX für die wenigen Starts ja schon jetzt vier Startrampen braucht, wäre das wohl zu teuer. 

7.8.2013: Italien und die Demokratie

Ei wie konnte das nur passieren? Da wird doch tatsächlich Berlusconi zu einem Jahr wegen Steuerhinterziehung verurteilt? Das löst dann eine Regierungskrise aus. Thja in Italien ticken die Uhren anders was Demokratie und Justiz angeht. Aber das war schon immer so. Nur mal eine kleine Erinnerung.

Da Italien ja auf seine Geschichte so stolz ist und noch im zweiten Weltkrieg von einem Großreich mit afrikanischen Kolonien nach Stil des alten Roms träumte, fangen wir mal ganz früh an: Bei den Römern. Rom wurde der Legende nach um 753 vor Christus gegründet (das genaue Datum ist unbekannt, aber es gibt archäologische Funde aus dem achten Jahrhundert) und war dann ein Königtum bis 510 vor Christus. Dann wurde der letzte König vertrieben und Rom wurde nach Ansicht der Römer nach eine "Republik" eingeführt. Die Anführungszeichen zeigen schon, mit der Demokratie wie wir es verstehen, aber auch nur der in Athen hatte das nichts zu tun. Der Senat als entscheidendes Gremium, vergleichbar unserem Parlament bestand aus Vertreter des Adels. Wichtige Ämter wurden von ihm besetzt, an der Spitze die beiden Konsul, eine Besonderheit war, dass alle Ämter doppelt besetzt waren, vielleicht befürchtete man einen Missbrauch bei nur einem Amtsinhaber. Auch interessant war, das sie alle Ämter für ein Jahr ausgeübt werden dürften mit einer Pause von mindestens zwei Jahren zwischen zwei Ämtern, was meiner Meinung nach die Fixierung auf kurzzeitige Erfolge oder das Einsacken von so viel Geld wie in einem Jahr möglich fördert, wenn wundert das die Italiener dann heute noch Probleme mit Regierungen haben die länger als ein Jahr im Amt sind?

Nur der Adel stellte den Senat, das gemeine Volk, die Plebejer waren weitgehend rechtlos, auch wenn sie im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Rechte erkämpften, blieben sie von der Gesetzgebung und hohen Ämtern weitgehend ausgeschlossen.

Wenn die Kacke am Dampfen war, ernannten die Römer einen Diktator, der dann nur für 6 Monate regierte, aber alleine. So nach der verlorenen Schlacht von Cannae, als ein Konsul nicht angreifen wollte, der andere aber schon und da sich der Tagesbefehl abwechselte, man eben angriff, als der zweite die Befehlsgewalt hatte (man sieht das Teilen von Ämtern ist nicht immer eine gute Idee, denn die Römer verloren die Schlacht trotz doppelt so vieler Soldaten). Dieses System wurde im letzten Jahrhundert vor Christus als Rom schon große Gebiete um das Mittelmeer erobert hatte zunehmend aufgelöst. Cäsars Rückkehr nach Rom löste einen Bürgerkrieg aus, denn er schließlich gewann und er wurde Konsul auf Lebenszeit. Das konnte er allerdings nicht lange genießen, denn kurz darauf wurde er ermordet. Das löste einen zweiten Bürgerkrieg aus, bei dem Augustus, Mark Anton und Cicero gegenüber den Verschwörern, die Cäsar ermordeten siegreich hervorgingen. Ironie der Geschichte: diese wollten die Republik wiederherstellen und wandten sich gegen die Alleinherrschaft eines einzelnen. Lange hielt die Koalition nicht und Augustus und Mark Anton kämpften gegeneinander. August als Sieger gründete dann das Kaiserreich das von 27. v. Chr bis zum Untergang des römischen Reiches 476 n.Chr. existierte. Während dieser Zeit regierten Imperatoren, die anfangs noch den Ehrentitel "Cäsar" führten, woraus sich das deutsche Wort Kaiser ableitete, weshalb man das auch Kaiserzeit nennt. Es war wie woanders auch zuerst eine erbliche Sache wie das julisch-claudische Geschlecht, dem dann das flavische folgt. Dazwischen gab es immer unruhige Zeiten und schließlich wurde der Kaiser vom Militär ausgerufen, oft mehrere gleichzeitig, die dann erst mal um die Vormachtstellung kämpfen mussten.

Viele Kaiser waren durchaus erfinderisch. Nero lehrte das heutige Italien z.B. wie man die Steuereinnahmen aufbessert: er ordnete an, dass reiche Patrizier ihn (Nero) als Erben einsetzten, und dass sie danach Selbstmord begingen, denn so lange bis sie auf natürlichem Wege starben wollte er nicht warten. Die Alternative wäre ein Hochverratsprozess gewesen mit demselben Ergebnis (Tod und Einziehung des Vermögens) nur eben auch der Schande die man so über die Familie brachte. Und Commodus ernannte sein Lieblingspferd zum Konsul. Es ist nicht überliefert, dass dies negative Auswirkungen hatte und ich wette es war ein besserer Regent als Berlusconi. (Hat der nicht auch mal eine vollbusige Geliebte zur Ministerin ernannt?)

In der Spätantike hat man das römische Reich aufgeteilt, weil eines alleine zu schwer zu regieren war. Während der Völkerwanderung ging es dann unter. Es schlossen sich germanische Staaten in Italien an. Im Laufe des Mittelalters bildete sich ein Kirchenstaat rund um Rom aus, die weltliche Macht des Papsttums, wurde (auch das eine Vorwegnahme von Gesetzen Berlusconis zum privaten Eigennutz) durch ein gefälschtes Dokument legitimiert mit dem angeblich Konstantin, römischer Kaiser der Kirche Italien "schenkte". Die Fälschung war so plump, das man nicht mal den richtigen Namen von Konstantinopel, das damals noch Byzanz hieß verwendete. Trotzdem berief sich die Kirche über Jahrhunderte auf dieses Dokument. Während der ganzen Zeit gehörte Italien zum deutschen reich und der deutsche Kaiser war auch König von Italien.

Napoleon ordnete Italien neu, ernannte sich selbst zum König und schuf damit um 1805 ein neues Königtum, nicht mehr verbunden mit dem deutschen. Dem folgte ab 1926 eine Diktatur unter dem Königtum, also eine doppelte Herschafft einzelerner. Das dies zum Größenwahn führte verwundert nicht. Schon im ersten Weltkrieg war Italien sagen wir mal "nicht so erfolgreich", im zweiten Weltkrieg brachten sie es nicht mal fertig dem geschlagenen Frankreich einen Zipfel Land abzuluchsen und in Afrika wurden 150.000 Italiener von 30.000 Briten um rund 1000 km zurückgetrieben, sodass man das Afrikacorps entsenden musste. So verwundert es nicht, das Mussolini als die militärische Situation schlechter wurde vom König verhaftet wurde und sie ganz schnell Frieden mit den Alliierten abschlossen. Seit 1946 gibt es kein Königtum mehr dafür eine "Demokratie", bei der es bis heute 62 Regierungen gab, also jedes Jahr eine neue. Klar die Italiener sind Demokratie nicht gewohnt, das ist nach 2700 Jahren von verschiedenen monarchistischen oder feudalen / diktatorischen Regierungsformen nichts für sie. Wie sonst könnten sie Berlusconi wiederwählen, nachdem er sogar gesetzte beschließt, die seine Verbrechen legalisieren? In einem Land in dem es keine wirklich starke Regierung gibt, die Selbstbedienung regiert und das im Korruption Index auf Platz 72 ist, hinter Ländern wie Nambia kann natürlich auch die Camorra weiter blühen, während in den USA die Mafia schon lange keine Rolle mehr spielt. Wo anders will eine Partei den europäischen Gerichtshof bemühen wenn ihr Parteivorsitzende eine (viel zu milde) Strafe wegen Steuerbetrugs bekommen hätte? Also nicht wegen Amtsmissbrauch, Beugung des Justiz oder ähnliches und kommt es dann zu einer Regierungskrise? Wo sonst wählen die Leute immer noch diese Partei, die bei uns wahrscheinlich schneller abgestützt wäre als die Piraten.

Nun wir wissen es, die Italiener kommen mit Demokratie nicht zurecht, zweieinhalb Jahrtausende wurden sie von Adel, römischen Kaisern, deutschen Kaisern und einem König regiert. Da braucht man etwas Eingewöhnungszeit an die Demokratie.

So verwundert im Spiegel der Geschichte auch nicht die hohe Staatsverschuldung. Die Römer musste nie sparen, sie hatten immer Steuereinkünfte aus den besetzten Gebieten. Das Papsttum finanziert sich seit Jahrhunderten über die Einnahmen der anderen Bischofstümer, Dazu gab es den Ablasshandel über das ganze Mittelalter hindurch, auf die Spitze getrieben von Papst Leo X, der damit seinen ausschweifenden Lebensstil finanzierte "Wenn das Geld im Kasteln klingt die Seele in den Himmel springt". Ich wette Berlusconi würde sich so was heute wünschen.

Wie ihr sicher gemerkt habt, habe ich das unter "Satire" eingeordnet. Aber die Frage ist eigentlich nicht so unberechtigt: Warum ist Italien so instabil. Ich verstehe es wenn Länder die lange Zeit kommunistische Staaten waren Probleme mit der Demokratie haben. Wir sehen das ja auch bei Ungarn und Bulgarien, obwohl es hier mehr positive Beispiele gibt wie die baltischen Staaten oder Tschechei / Slowakei und Polen. Von den West und Mitteleuropäischen Ländern ist Italien das einzige Land mit solch oft wechselnden Regierungen. Das einzige das einen Clown wie Berlusconi immer wieder wählt, egal was er anstellt. Und die Position in der Korruptionsliste ist auch ziemlich schlechter als im Rest von Europa, von der Mafia ganz zu schweigen. Deren Bekämpfung scheint auch in Jahrzehnten nicht vorranzukommen. Woher dieser "Sonderstatus"? Habt ihr eine Idee?


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