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Web Log Teil 345: 24.8.2013 - 1.9.2013

25.8.2013: Das Rätsel um Stratolaunch

Nachdem SpaceX als Kooperationspartner ja schon abgesprungen war und stattdessen Orbital die Trägerrakete baut (die scheint bei dem Konzept ja völlig nebensächlich zu sein, wenn man sie so ohne weiteres austauschen kann) gab es nun wenig überraschend den Auftrag an ATK die erste und zweite Stufe zu bauen.

Wenig überraschend, weil Orbital nichts im Portfolio hat was zu den wenigen veröffentlichten Daten passt. So soll die Trägerrakete 211 t wiegen. Orbitals Antares wiegt 281,7 t und hat trotzdem eine kleinere Nutzlast als die veröffentlichten 6,8 t (maximal 6 t). Natürlich bringt der Start aus der Luft etwas, auch kann man am Äquator starten, während die Taurus bei 31 Grad Nord startet. Doch selbst damit wird es knapp.

Nun steht fest dass die ersten beiden Stufen feste Treibstoffe einsetzen, eventuell setzt die dritte dann flüssige Treibstoffe ein, doch auch dazu wurde nichts verlautbart (vielleicht gibt es auch keine dritte sondern nur ein Orbit-Adjustmentmodul).

Die Frage ist: Was hat ATK im Programm das sich eignen würde, ohne eine Neuentwicklung? Nun die erste Stufe würde wahrscheinlich um die 150 t wiegen, die zweite um die 40-50 t und die dritte (wenn es eine gibt) um die 10-15 t). Für die zweite würde ein Castor 120 (erste Stufe de Taurus) mit 53 t Startmasse passen. Das nächstgrößere verfügbare "Produkt" bei ATK ist dann ein 1-Sgemnet RSRM mit über 183 t Startmasse. Zusammen wiegt die Rakete dann schon über die 211 t. Wenn diese dehnbar sind wäre das eine brauchbare Lösung allerdings mit einer unangenehmen Beschleunigungsspitze zum Brennschluss. Eine dritte Stufe wäre schon aus diesem Grunde sinnvoll. Es steht zu vermuten dass diese nicht von ATK kommt, sonst hätte die Firma sicher auch gleich den Auftrag für sie bekommen. Denkbar wäre die Delta-Oberstufe die auch mit 6 t Startmasse in einem angenehmen Gewichtsbereich ist.

Es steht allerdings zu vermuten, dass ATK wie beim Castor 30 für die Taurus was neues entwickelt. Ich würde es anders aufziehen: vier Stufen, die ersten drei jeweils Castor 120. Die dritte ein Orion 50XL und die vierte ein Orion 50T oder die Delta K Stufe. Allerdings kommt man damit auch auch nicht auf die 6,8 t Nutzlast. Es wird interessant sein zu sehen ob die Stratolaunch diese Nutzlast erreicht, tendenziell haben Feststofftriebwerke bei den großen Stufen, von denen hier die Rede ist, ein eher ungünstigeres Voll/Leermasseverhältnis als Antriebe mit flüssigen Treibstoffen und der spezifische Impuls ist auch kleiner. Ein bisschen wird das von geringeren Aufstiegsverlusten kompensiert, aber ob es reicht? Die 211 t Startmasse sind schon recht knapp kalkuliert für die Nutzlast. Für eine Feststoffrakete ist dagegen die Länge von 36 m etwas groß.

Selbst wenn es die Rakete gibt und sie die 6,8 t Nutzlast erreicht - welche Nutzlasten will man befördern? Die Regierung hat die Delta II aufgegeben die in diesem Segment lag weil es zu wenig Nutzlasten gab. Die Taurus und Falcon 9 würden sich eignen, wenn sie erst mal qualifiziert sind, und das dürfte noch vor dem Erstflug von Stratolaunch sein. Viel billiger wird es auch nicht werden, denn warum sollte OSC für Stratolaunch eine billigere Trägerrakete als die eigene Antares fertigen? Aus Drittländern kann man auch kaum auf Aufträge hoffen, weil Europa, Russland, China und Indien Träger in diesem Segment haben und für kommerzielle GTO Transporte ist sie zu klein. Alles in allem ist das Konzept sehr unausgegoren, kein Wunder das so wenig neues davon zu hören ist.

27.8.2013: Den Moon Hoaxern geht es an den Kragen

In wenigen Tagen, am 1. September, wird in den USA ein Gesetz in Kraft treten, das für die einen ein enormer Eingriff in die Meinungsfreiheit ist und für die anderen schon lange überfällig ist: In den USA ist das Leugnen dreier Tatbestände unter Strafe gestellt. Vom zeitlichen Ablauf her sind dies:

Es ist das erste Mal, das in der Neuzeit in den USA so massiv in die Meinungsfreiheit eingegriffen wird. Wer die obigen Tatbestände leugnet oder die angegebenen Theorien als "alternative" Erklärung anführt, kann mit Gefängnis bis zu 5 Jahren, in jedem Falle mit einer Geldbuße von 10.000 Dollar aufwärts rechnen. Diese Doppelbestrafung soll vor allem verhindern, dass auch weiterhin mit diesen Tatbeständen Geld verdient wird und die Autoren ins Ausland ausweichen, bzw. es gibt ja schon deutsche Autoren die ein solches Genre bedienen.

Zur Begründung heißt es, das das Leugnen dieser drei geschichtlichen Tatbestände in den letzten Jahren stark zugenommen habe. Dies würde die Öffentlichkeit verunsichern und die Glaubwürdigkeit der US-Regierung im In- und Ausland schädigen. Es wäre nicht im nationalen Interesse, solche Entwicklungen zu dulden, und Aufgabe des Staats dem entgegenzuwirken und auch die kommerzielle Basis zu zerschlagen.

Zu dem Gesetz kam es nachdem Obama ein Treffen mit Netanjahu. Dieser forderte ein, dass in den USA auch das Leugnen des Holocausts unter Strafe gestellt und Nazi-Symbole verboten wurden. Er verwies darauf, dass das Leugnen des Holocausts in zahlreichen europäischen Staaten ein Strafbestand ist und in Deutschland auch Nazisymbole verboten sind. Obama hat zugesagt darüber nachzudenken. Wie man sieht, hat er sich nicht entschlossen, aber es hat wohl einen Denkprozess in ihm ausgelöst. Wenn viele Staaten das Leugnen des Holocausts unter strafe stellen, selbst wenn sie nicht betroffen sind, warum sind dann in den USA die Verbreitung von Behauptungen möglich die dem nationalen Ansehen schaden und Personen täuschen?

Man sollte meinen, das Gesetz wäre dann auf großen Widerstand im Kongress gestoßen, schließlich gilt die Meinungsfreiheit in den USA als höchstes Gut. Doch der Kongress bestand nur auf einen Passus, wonach die Äußerung an die Öffentlichkeit gerichtet sein muss, das heißt über ein Medium publiziert werden muss. Damit sind Stammtischrunden weiterhin erlaubt, nicht jedoch Websites, Bücher, Filme etc. Mehr noch, der Kongress hängte noch eine Liste mit weiteren Theorien an, die in der nächsten Version des Gesetzes dazukommen:

Eine weitere Ausweitung auf weitere "Theorien" gilt schon als sicher. Obama hat auch an andere Regierungen das Ersuchen gerichtet, analoge Gesetze zu erlassen, um ein Ausweichen auf Server in anderen Ländern zu vermeiden. Im Gegenzug will man entsprechende Verbote in anderen Ländern respektieren, wie eben die Sache mit dem Holocaust, Kritiker befürchten, das könnte auch die Sicht Chinas, das man im Sommer 1989 eine Konterrevolution von Terroristen niederschlug und dies nicht eine Bürgerbewegung war, sein. Mit dem gegenseitigen Anerkennen nahezu aller Verbote, dürfte es sehr schlecht um die Meinungsfreiheit gestellt sein. Doch dem muss nicht sein, denn das Gesetz gibt auch die Möglichkeit entsprechende Inhalte an den Accesspoints zum Internet zu sperren, ähnlich wie dies bei Kinderpornographie schon geschieht. Daran sollen die Behörden schon arbeiten.

28.8.2013: Wie teuer war das Space Shuttle?

Derzeit bin ich in Heppenheimers Buch fast am Ende, und da macht er auch eine Übersicht über die Kosten. Die sind recht genau ermittelbar, es gibt in den NASA Archiven genügend Material, wie sich das Budget verteilt und ich nutzte es auch mal um die Gesamtkosten des Space Shuttle Programms zu ermitteln. Ich kam auf eine andere Summe als das CAIB, das die Kosten mit 112,9 Milliarden Dollar und 172,8 Milliarden Dollar im Wert von 2000 ermittelte. Meine Ziffer waren 126.8 Milliarden Dollar bzw., 237.7 Milliarden im Wert von 2000.

Zuerst einmal die Erklärung von zwei Zahlen. Man kann alle Ausgaben summieren und erhält die ersten beiden niedrigeren Zahlen. Sie gehen nur um 14.1 Milliarden auseinander, das sind etwa 10%. Ich vermute, es liegt daran, dass ich alles dazurechnete was zum Shuttle Programm gehörte. Das sind auch die Kosten für Vorstudien von 1969-1972.Daneben die Kosten für Entwicklungen die abgebrochen wurden, wie die Centaur G oder verbesserte SRM etc. Stärker laufen die Zahlen auseinander wenn man die Summe inflationkorrigiert betrachtet. Dazu wird die Kaufkraft auf ein Bezugsjahr festgelegt, hier das Jahr 2000. Dazu braucht man einen Index, der den Wertverfall angibt und Heppenheimer hat gleich drei genannt.

Die Space Shuttle Entwicklung sollte 5150 Millionen Dollar im Wert von 1972 kosten. Real waren es /nach Heppenheimer) 9912 Millionen Dollar. Ich, wie auch andere Autoren kommen durch Auswertung der NASA Quellen, die das Budget aufschlüsseln, übrigens auf die höhere Summe von 13759,13 Millionen nur Entwicklungskosten und 15.648 Millionen Dollar, wenn man die Operationskosten mit einschließt, die ab 1978 entstehen (weitere Orbiter Flugtests, Erprobungsflüge, Transferkosten). H.O.Ruppe beziffert 1985 die Entwicklungskosten in Band 2 von "Grenzenlose Dimension Raumfahrt" S.654 auf 8,2 Milliarden Dollar im Wert von 1972,

Demgegenüber kommt Heppenheimer auf 5405,6 bis 6653,7 Millionen Dollar im Wert von 1972. Das interessante: Die Quelle für die Zahlen ist nicht die NASA mit ihren Ausgaben, sondern ein privater Brief von Robert F. Thompson an Charlies Donlan. Donlan war Mitglied der Space Task Group, Robert F. Thompson war Senatsmitglied. Das bedeutet, der Senat hatte niedrigere Zahlen als die NASA selbst ausweist.

Doch das Hauptthema ist dass selbst diese Zahlen variieren, und zwar je nachdem welchen Indes man einsetzt:

Nimmt man also nur die letzte Ziffer, so war das Shuttleprogram nur um 300 Millionen Dollar, weniger als 10% der geplanten Summe. Von den drei Indizes ist nur einer allgemein bekannt, der Consumer Price Index, der auch verwendet wird, wenn bei uns in den Nachrichten von der Inflationsrate die Rede ist. Er basiert auf den Preissteigerungen für einen "Korb" von Dingen die man kaufen muss bzw. Verbrauchskosten wie bei Strom oder Heizöl. Die NASA hatte einen eigenen Index, der höher lag bei 6653,6 Millionen Dollar, das ist ein Indiz dafür, dass innerhalb der NASA die Kosten stärker anstiegen als wie für den Verbraucher. Interessanterweise hatte das Shuttleprogramm noch einen eigenen Index, der nur 5406,6 Millionen Dollar auswies.

Das zeigt recht deutlich wie man die Kosten kleinrechnet. Als Mike Griffin NASA Administrator war, veröffentlichte er mal ein Excel Sheet mit dem die NASA ihre Wertsteigerungen berechnet. Es basiert auf der Bruttosozialprodukt, also dem Anstieg der Produktivität. Meiner Ansicht nach eine schlechte Wahl, denn die hat mit den Preissteigerungen ja nichts zu tun. Die Produktivität kann durch technische Fortschritte, aber auch einfach durch den Anstieg der Bevölkerung (die USA sind nach wie vor Einwanderungsland) ansteigen. Vor allem müsste wenn man den GDP nimmt ja implizieren, dass das Einkommen der Bevölkerung konstant bleibt, also der Lebensstandard gleich bleibt.

Für das Shuttle Programm hat eine andere quelle Gesamtkosten von 209 Milliarden Dollar errechnet, auch ich komme, wenn ich die Enzwicklungskosten auf 1972 beziehe, nach dem NASA GDP Index auf 8.165 Millionen Dollar ohne Operationskosten, recht nahe an der Angabe von Ruppe.  Wie kommt der Unterschied zustande. Nun zum einen natürlich wie man die Inflation berechnet (siehe oben). Das zweite, und das hat auch Heppenheimer getan, ist was man als Entwicklungskosten nimmt. Ich, wie auch andere würden wohl die Gesamtaufwendungen für das Shuttle Programm bis zum Jungfernflug nehmen, man müsste eigentlich sogar die ersten vier Flüge dazu nehmen, denn diese gelten auch als Testflüge. Doch schon als das Programm genehmigt wurde, da waren die in den 5150 Millionen nicht mit drin. Der Bau von zwei Development Orbitern und drei Einsatzorbitern war nicht dabei, das sollte weitere 1000 Millionen Dollar kosten. Dann mussten noch Anlagen gebaut werden, die mit 800 Millionen veranschlagt waren, davon 300 Millionen für die NASA. (Quelle: Space Shuttle Total Cost Breakout, GAO Report #093513, February 1975, page 19) Berücksichtigt man dies und nimmt eine ähnliche Preissteigerung an, so kommt man auf Entwicklungskosten  von bis 8333,3 bis 7637 Millionen Dollar, je nach Index.

Ehrlich gesagt hätte ich mich gewundert, wenn das Space Shuttle Programm nur um 7-30% teurer wurde. Dafür gab es zu viele Indizien, die dagegen sprachen. Das Programm wurde schon im ersten Jahr durch eine fehlende Anfangsfinanzierung um 1 Jahr gestreckt, wenn man den geplanten Jungfernflug als Maßstab nimmt. In den späten Siebzigern addierten Verzögerungen bei den Haupttriebwerken, mit mindestens fünf ausgebrochenen Bränden und einem zerstörten Teststand ein Jahr und der Shuttle Manager beantragte 1979 eine zusätzliche Finanzspritze von 222 Millionen Dollar, um ein weiteres Jahr Verzögerungen zu vermeiden. Dann kamen die Probleme mit den Hitzeschutzkacheln. Rockwell wollte nachdem sie eine Lösung fanden, auch alle schon installierten, aber als unproblematisch bekannten Kacheln auswechseln, was Alan Lovelace, damals Debuty Administrator mit einer Verzögerung von zweieinhalb Monaten und zusätzlichen Kosten von 500 Millionen Dollar assoziierte.

Angesichts dessen, das zum Ende des Programms dann die Leute bereit standen, um die operationellen Flüge durchzuführen und das waren tausende und diese ihre Gehaltschecks bekamen, egal ob sie arbeiteten oder nicht, wäre es verwunderlich, wenn eine Programmverzögerung von dreieinhalb Jahren nur so wenige kosten addiert, vor allem wenn man die zusätzlichen Kosten berechnet, die entstanden weil bei den Haupttriebwerken und dem Thermalschutz neue Kosten anfielen, weil es zuerst nicht so klappte wie geplant.

Was bleibt ist ein Lehrstück, nämlich wie man Kosten günstig rechnet. Nämlich durch Wahl des geeigneten Indexes für die Inflationsrate und Weglassen von Posten. Was man dabei aber auch nicht vergessen sollte, ist das man das Space Shuttle schon um es genehmigt zu bekommen "günstig rechnete", den vorherige Konzepte kosteten fast das doppelte und nun sollte es damit Nixon dafür eintrat maximal 1 Milliarde pro Jahr kosten. Real gesehen ist es angesichts der Größe noch relativ preiswert. Die Saturn V Entwicklung kostete 6540 Millionen Dollar, dazu kam noch der größte Teil der 900 Millionen Dollar für die Triebwerksentwicklung, und das waren Summen die 5 Jahre vor der Genehmigung des Shuttles anfielen, also wenn man den Inflationsindex nimmt, noch höher 1972 gewesen wären. Dabei handelte es sich "nur" um eine Rakete. Wie sollte ein Transportsystem, das fast genauo viel wiegt so viel billiger werden, wenn dabei ein bemanntes Raumfahrzeug auch dabei ist?

Was das Shuttleprogramm auch markiert ist eine Zäsur in der Öffentlichkeitsarbeit. Bei den vorherigen bemannten Programm, aber auch den meisten unbemannten Programmen gab es vorher exakte Zahlen was diese kosteten. Beim Space Shuttle hörte das auf. Nach dem Verlust der Challenger wurden auch die Flugkosten nicht mehr veröffentlicht. Dafür hat man mehrmals Posten in andere Ressorts verschoben oder die kosten in mehrere Budgets, wie Flugdurchführung und Upgrades oder Bodensegment aufzuteilen. Daran hat sich leider bis heute nichts geändert.

29.8.2013: Ein eigener Träger für Cubesats?

Den Nachrichten entnehme ich, dass die US-Raumfahrtagentur nach einem eigenen Träger nur für den Transport für Cubesats sucht. Also zuerst mal denke ich das nicht nötig. Es gibt genügend Starts bei denen man diese so mitführen könnte. Wenn die Bahnneigung keine Rolle spielt so wird es alleine zur ISS pro Jahr drei bis vier Starts geben. Sie ist in 407 km Höhe, nur wenig unterhalb der 425 km Referenzhöhe die vom dezidierten Träger gefordert werden, eine standardisierte Plattform, eventuell mit einem kleinen Antrieb um die Bahnhöhe anzuheben oder abzusenken (wenn man sie nicht so lange im Orbit haben will) für die Antares und Falcon 9 würden das Problem lösen. Beim Start in SSO Orbits gäbe es dann Mitfluggelegenheiten von Vandenberg aus, das sind auch einige Starts pro Jahr.

Ein eigener Träger ist schon deswegen unsinnig, weil für die projektierte Nutzlast von 15 kg die Startkosten sehr hoch sind. Teuer sind bei den Stufen die Düsen, das Gehäuse ist leicht herzustellen und ob es es groß oder klein ist ist auch nicht so wichtig. Darüber hinaus braucht man eine Steuerung und eine Möglichkeit zur Lageregelung. Diese ist nicht weniger Aufwendig als wie bei einem kleinen Träger wie der Pegasus.

Aber spielen wir es mal durch. Gesucht wird von der NASA ein Träger für 15 kg Nutzlast auf 425 km Höhe, fähig auch diese in SSO-Bahnen zu befördern. Bei einer Feststoffrakete kann man mit Verlusten von 1400 m/s rechnen, SSO-Bahnen haben dann einen um 400 m/s höheren Energiebedarf. Das entspricht also einer Gesamtgeschwindigkeit von 9600 m/s. Dann braucht man noch eine Steuerung mit etwas Treibstoff, wenn die Bahn feinjustiert sein soll. Sinnvollerweise wird man die Lageregelung nicht in jede Stufe einbauen, sondern nur Zentral in die vorletzte stufe. Um die Nutzlast nicht zu sehr abzusenken, sollte dies nicht die letzte Stufe sein. Weiterhin sollte das Design so preiswert wie möglich sein. Daher mein Ansatz:

Das Profil ist das gleiche wie bei der Scout. Die ersten beiden Stufen lenken die Rakete in die Horizontale aus und bringen die dritte Stufe an einen definierten Punkt im Orbit. Dort wird die letzte Stufe aufgespinnt abgetrennt und gezündet. Nach dem Ausbrennen reduzieren zwei Jo-Jo Gewichte die Drehzahl und die Satelliten werden durch Federn abgesetzt.

Basierend auf der Scout kann man etwa 1% Nutzlast annehmen, das wären bei 15 kg Nutzlast also eine Startmasse von nur 1500 kg. Schaut man sich im US-Arsenal um, so könnte man folgende Stufen einsetzen:

Eine kleine Rechnung (ohne Steuersystem und Schubvektorsteuerung ergab eine Nutzlast von 17 bis 29 kg in einen SSO (Gesamt-V: 9600 m/s). Es ist also möglich. Die Startmasse liegt bei unter 2 t. Allerdings ist das noch die Version ohne Lenksystem und ohne Steuersystem, Telemetrie, Batterien etc.

Die Schubvektorsteuerung addierte bei der Scout jeweils 25% Masse bei der Leermasse. Problematischer ist die Steuerung. Bei der Pegasus macht diese alleine 75 kg aus. Würde man so viel Gewicht addieren so würde man keine Nutzlast mehr aufweisen. Wenn man auf eine aktive Steuerung verzichtet und nur einen Empfänger für Kommandos und Verstärker für die Betätigung der Ventile addiert, so käme man vielleicht mit 20 kg aus, was trotzdem die Leermasse der zweiten Stufe verdoppelt.

Diese Modifikationen würden die leistungsfähigste Version von 29 auf 22 kg Nutzlast senken, was immer noch Brutto wäre. Die Cubesats werden ja nicht direkt auf  die stue montiert, man braucht ein Gehäuse und einen Federmechanismus. So ist es wahrscheinlich dass sie gerade eine Punktlandung auf den geforderten 15 kg schafft - bei 1872 kg Startmasse.

Es lohnt sich weder von der Startmasse, noch von den Kosten. Schon 1982 kostete eine PAM-D Oberstufe also nur die Oberstufe ohne Steuerung rund 3,8 Millionen Dollar. Deise wiegt 2,1 t, die Annahme dass die Rakete in etwa die gleichen Kosten aufweist wäre logisch, inflationskorrigiert kommt man so auf 8 Millionen Dollar - für 15 kg Nutzlast.

Sicher kann man noch was machen. Die Rakete wäre leicht genug um sie mit einem Düsenjäger zu starten, doch sind diese Flüge auch sehr teuer und mit der Rakete wird er wohl keine Mach 2 mehr erreichen. Sinnvoller wäre sicher ein Start mit einem kleinen Passagierflugzeug. Die NASA hat z.B. Gulfstreams die sich dafür eignen. Wenn man 600 m/s Geschwindigkeit für einen Start bei Mach 0,8 in 13 km Höhe abzieht erhöht sich die Nutzlast auf 31 kg Brutto. Beim Start mit Mach 1,8 auf 37 kg und für eine äquatoriale Umlaufbahn (alle Daten bisher für SSO-Bahnen) sind es dann 45 kg mit allen Optionen.

Doch wie in der Einleitung gesagt: es ist unnötig. Cubesats sind ja keine Satelliten die die NASA fertigt. Sie sind das Ergebnis der Förderung der Raumfahrt. Entweder direkt durch die Universitätsinstitute gefertigt oder als Ergebnis von geförderten Wettbewerben entstanden. Cubesats waren bisher Sekundärnutzlasten die keine besonderen Anforderungen an die Umlaufbahnen stellen dürften. Sie sind auch keine NASA-Eigenheit, sondern international genormt in Größe und Gewicht. Ich verstehe nicht, warum man dann nicht einen internationalen Weg beschreitet. Die Nutzlastadapter sind ebenfalls international genormt und meist kleine Konuse, die zwischen dem Durchmesser der letzten Stufe und dem der Nutzlast vermitteln. Sinnvoll wäre es daher wenn alle Raumfahrtagenturen sich bereit erklären Cubesats mitzuführen, für einen standardisierten Preis. Sie werden dann am Nutzlastadapter befestigt und durch Federn nach erreichen des Orbits abgetrennt. Es gibt genügend Starts weltweit um weitaus mehr Cubesats zu starten als man heute in den Orbit bringt. Aufgrund des einfachen Aufbaus aus Standardbauteilen gibt es auch keine Probleme mit Geheimnisverrat, wenn sie z.B. mit einem chinesischen Träger starten.

Die wahrscheinlich billigste Möglichkeit für einen neuen Träger wäre es ausgemusterte ICBM (Minuteman) oder SLBM. Diese haben aber mit etwa 300 bis 500 kg Nutzlast zu viel Nutzlast für diesen Zweck. Die USA setzen ja schon die Minotaur ein, allerdings darf sie als militärische Rakete keine NASA-Nutzlasten starten, doch dann müsste eben die USAF die Cubesats betreuen, was an den Cubesats ja nichts ändert. Allerdings ist eine Minotaur als dezidierter Träger teuer, zwischen 13 und 17 Millionen kostet ein Exemplar und 300 Cubesats um die Nutzlast auszufüllen wird man sicher nicht starten.

Dann gibt es noch den neuesten träger die Super-Strypi.  Sie besteht aus Restbeständen, ein übriggebliebener GEM-40 Booster, der zweiten Stufe der IUS und einem Star 30 Antrieb. Doch selbst sie ist mit einer Nutzlast von 250 kg noch überdimensioniert. Daneben ist nicht damit zu rechnen, dass man sehr viele Restbestände hat. Kurzum: ich halte einen neuen Träger für eine Schnapsidee und eine Verschwendung von Mitteln.

30.8.2013: So einfach ist die Erklärung

Peer Steinbrück nimmt ja kein Blatt vor den Mund und da ist ihm vor einigen Wochen etwas rausgerutscht. Merkel wäre keine überzeugte Europäerin, das könnte sie auch nicht weil sie im Osten aufgewachsen ist. Dafür hat er ja jede Menge Prügel bekommen. Aber wenn man nachdenkt, so unrecht hat er nicht. Was prägt denn die von Merkel geführte Bundesregierung? Untätigkeit, vor allem wenn es um Dinge geht, die nicht vorhersehbar sind. Da haben wir fließende Steuereinnahmen, aber man hält am Plan fest erst nächstes Jahr die Staatsverschuldung auf Null zu senken. Das entscheidende Wort ist Plan. Merkel ist Planwirtschaft gewohnt, und so beschließt sie eben vor einer Bundestagswahl einen neuen 4-Jahresplan (nur eine kleine Änderung gegenüber den 5-Jahresplänen in der DDR) und hält sich sklavisch daran. Damit das nicht so auffällt gibt es Gipfel; Umweltgipfel, Demographiegipfel, nationaler IT-Gipfel, Elektroauto-Gipfel, ... Raus kommt nie was. das ist wie die Beratungen der SED mit anderen Gruppen. Reden ja, was ändern nein. Auch das Modell der Führung, mit absolutistischer Macht hat sie voll von der DDR übernommen. Ja selbst wie sie an die Macht gekommen ist, hat gewisse Ähnlichkeiten zum Sturz Honekers und Ulbrichts.

So wundert es auch nicht, warum Merkel so seltsam unberührt von der NSA Spionage ist, wie auch die gesamte Bundesregierung. Eigentlich sollte jeder Minister doch bestürzt sein, wenn er abgehorcht wird. Denn dass die NSA wohl eher an einem Minister interessiert ist als an Otto Normalbürger dürfte doch klar sein. Die Erklärung ist ganz einfach: keiner hat direkt etwas mit dem Internet zu tun. Alle haben Sekretärinnen die für sie Mails beantworten, Recherchen durchführen etc. Merkel lässt sich für einen Videoblog filmen, doch das ist nichts anderes als die Neujahrsrede im Kleinen. Mit der Veröffentlichung hat sie nichts zu tun. Einer dürfte gar keine Sorgen haben: Rainer Brüderle, denn ihn kann keiner verstehen, sodass er mangels Computerkenntnissen noch alles selbst mit der Schreibmaschine macht. Und Schreibmaschinen sind sicher. Der russische Geheimdienst FSO hat bei Olympia 20 Schreibmaschinen bestellt, mit denen echt geheime Dinge getippt werden.

Da es ja so aussieht als würde die Bundesregierung wiedergewählt werden, lohnt sich ein Blick in das Blick der Wahlprogramm der CDU - das dürfte unverändert, egal was kommt dann ja in den nächsten 4 Jahren umgesetzt werden.

1.9.2012: Vor dem siebten Start einer Falcon 9

Nein ich nenne es nicht den Jungfernflug, da ja selbst SpaceX die Version nur "v1.1" nennt, also ist es nichts neues. Daher erwarte ich auch das der Start klappt. Ich wünsche es sogar für MDA, die den Cassiope Satellit gebucht haben. Sie haben lange drauf warten müssen. 2005 taucht der Start erstmals bei SpaceX auf, damals angekündigt für das dritte Quartal 2008. Sie haben also 5 Jahre warten müssen, obwohl ihre Nutzlast damals noch auf einer Falcon 1 gebucht war und wiegt ja auch nur 500 kg.

Wer fünf Jahre wartet, obwohl die Firma ja jedes Jahr erklärt im nächsten Jahr erheblich mehr Starts durchzuführen. der sollte doch belohnt werden. Denn von den anderen Starts im Manifest von 2005 ist nichts geblieben. Lediglich Rakhsat wurde gestartet, alle anderen sind abgesprungen, auch der 100 Millionen Dollar Auftrag der Air Force hat sich erledigt.

Ich wünsche mir dagegen dass der nächste Satellit misslingt. Er soll ja einen Satelliten von SES starten. SES, die die Astra Satelliten betreibt ist ja eine Gesellschaft mit dem Firmensitz in Luxemburg. In einem Herzogturm, dessen Hauptwirtschaftszweig die Banken sind. Angesichts dessen kann man nicht viel Loyalität erwarten, denn von Griffelspitzern ist nur Gewinnmaximierung zu erwarten. Das dürfte dann auch allen Plänen für viele GTO-Starts ein Ende bereiten. Bislang ist die kommerzielle Bilanz ja übersichtlich: ein versicherter Start, ein Totalschaden.

Dafür wird (wie fast alles bei SpaceX) der schon 2011 geplante Gang an die Börse wieder mal verschöben. Nicht ein bisschen, sondern in eine ungewisse Zukunft: "No near term plans to IPO @spacex. Only possible in very long term when Mars Colonial Transporter is flying regularly.".

Nun ja da selbst SpaceX selbst wenn sie alle weltweiten Starts durchführen würden, niemals eine Marskolonie finanzieren könnten, heißt das wohl nie. Aber man wird es wie mit Ankündigungen von SpaceX machen - ab in den Papierkorb. SpaceX Ankündigungen haben mit der Wirklichkeit so viel zu tun, wie die 5-Jahrepläne in der DDR, nach denen man immer in den nächsten 5 Jahren in allen Belangen die BRD überholt hat.

Das SpaceX nicht an die Börse geht hat einen anderen Grund. Es gibt drei Gründe an die Börse zu gehen. Das eine ist um an Geld zu kommen. Durch die Aktien kann ich viel Geld in die Kasse spülen. Das war und ist die Grundlage des neuen Marktes, wobei man von Vorschusslorbeeren und Hoffnungen auf Gewinne lebt. So ging es bei Tesla Musks zweitem Unternehmen, das ja seit es an der Börse ist nur Verluste macht.

Das zweite ist, dass man ein florierendes Unternehmen hat und so seine Beteiligung versilbern kann. Das beste Beispiel dafür ist Apple. Der Börsengang machte Jobs und Wozniak über Nacht zu Multimillionären und ihr Aktienpaket verhundertfachte sich in den nächsten zwei Jahren, als Mikrocomputer vor allem von Apple sich verkauften wie warme Semmeln. Mein verdacht war, dass Musk auch darauf spekuliert, wird doch SpaceX "Börsenwert" schon auf 5 Milliarden Dollar geschätzt, obwohl die Firma gerade mal für die Hälfte Aufträge hat. Nur zum Vergleich: der Börsenwert von OHB liegt bei 300 Millionen Euro, und die Firma hat Aufträge im Wert von mehr als 800 Millionen Euro.

Das Problem ist, wenn man darauf spekuliert bevor man an die Börse geht muss man einen Bericht vorlegen der auch eine aktuelle Bilanz enthält. Und dann sieht man wie profitabel SpaceX wirklich ist. Wenn man den Börsengang mehrfach verschiebt scheint diese Bilanz nicht ganz so zu sein, wie Musk sich das wünscht.

Der letzte Punkt ist wohl der der SpaceX an die Börse bringen wird: wenn man die Mitarbeiter nicht verprellen will, Es gab schon mal ein Unternehmen das hat mies bezahlt, es gab massig Überstunden und der Chef lebte in einem abgeschlossenen Universum und beschimpfte seine Angestellten. Sie bleiben trotzdem bei dem Unternehmen: sie hatten Aktienoptionen, die sie verloren, wenn sie es wieder verließen. der Firmenchef und Mitbegründer dachte nicht daran an die Börse zu gehen. Sein Unternehmen war durch einen glücklichen Zufall Marktführer geworden. Verdiente sich dumm und dämlich weil ein Produkt von ihm für den Betrieb jedes PC notwendig war und warum sollte er nun an die Börse gehen, wenn er so genug Geld hatte und sich Ärger mit Bilanzen, Miteigentümern etc. an den Hals holen? Nun weil sein Unternehmen eine Grenze überschritt: Es gab 500 angestellte mit Aktien Optionen und nach einem Gesetz von 1934 musste er da dann an die Börse gehen. Das Unternehmen war Mikrosoft. Das Gesetz ist sinnvoll, denn sonst würde Microsoft wohl heute noch so arbeiten.

Die Grenze wurde inzwischen auf 2000 Personen (Shareholders) hochgesetzt, doch angeblich hat bei SpaceX jeder solche Optionen. Interessant ist, das als ich nach der Mitarbeiterzahl suchte, die Quelle das CRS-2 Presskit von SpaceX gelöscht wurde. Dabei handelt es sich immerhin um das Presskit einer offiziellen NASA Mission. Es scheint so als wöllte man mit allen Mitteln verhindern das bekannt wird, dass die Firma mehr als 200 Shareholder hat und damit an die Börse gehen muss.


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