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Web Log Teil 351: 6.10.2013 - 14.10.2013

6.10.2013: Mir hat's gefallen

Ich habe ja schon mal durchblicken lassen, dass ich "Wetten Dass" Fan bin und (nicht nur) meiner Ansicht nach die Show unter Lanz einen ziemlichen Abwärtstrend hatte, mit dem Tiefpunkt mit dem Mallorca Spezial. Drittklassige Prollgäster, Scherze unter der Gürtellinie (Eiswürfel in die Hose) und diese unerträgliche Cindy von Marzahn. So bekommt man eine Show klein. Zumindest meiner Ansicht nach. Aber wenn Pocher und Marzahn schon den deutschen Fernsehpreis moderieren, scheine ich ja eine Ausnahme zu sein, wenn ich Scherze auf die Kosten anderer oder Proll-Humor nicht für passend für das allgemeine Publikum finde. In einem Sparten- oder Tittensender wie RTL2 passt das sicher gut rein, aber bei ARD & ZDF zur Primetime?

Nun Die Cindy kann woanders in ihren Leberwurst-Kostümen in Lila auftreten. Sie hat aufgegeben. Ob es wegen dem verlorenen Wetteinsatz von Hunzinger war (einmal Assistentin geben) oder es eine redaktionelle Entscheidung war? Wer weiß.

Wie ich in der Berichterstattung feststellte, war das neue Konzept von der Redaktion vorgegeben, die sich dem "jüngeren" Publikum anbiedern wollte, das vom Privatfernsehen kommt und dann auch eben Leute einlädt die man nur von besagten Titten- und Krawallsendern kennt. Dafür setzt man dann Tom Hanks eine dämliche Mütze auf, über die er sich noch Wochen später auf Pressekonferenzen lustig macht. Die Frage ist warum Lanz das mitgemacht hat, wo er angeblich doch auch nicht mit dem Konzept einverstanden war. Schließlich ist er der Showmaster, er ist die Aushängefigur der Show.

Nun ja nun gab es einen Neuanfang. Der letzte Werbungsblock (für Audi, mit dem Wettgewinn) flog raus. Leider auch die Wette Publikum gegen Lanz. Da Lanz sehr sportlich ist und schon in der Antarktis war, war das für die Kandidaten keine leichte Aufgabe. Aber auch das hatte ja in der letzten Sendung mit dem Schummel-Lambada und Howi als "Privatperson" nachgelassen.

Diesmal war's fast wieder wie bei Gottschalk. Im Gegenteil: nach einem schlaffen Anfang indem er Harrison Ford eigentlich nur auf die Indy Jones Rolle reduzierte und dauernd auf das zurückkam wurde Lanz besser und man erfuhr anders als bei Gottschalk durchaus auch ein paar Dinge von den US-Promis die man noch nicht kannte. Das Ford mal bei Rettungsaktionen mitgemacht hat, habe ich nicht gewusst. Ein paar Fragen hätte ich mir aber gewünscht. Zum Beispiel woher Stallone den Sonnenbrand im Gesicht hat und welchen Schönheitschirurg Cher hat. Erstaunlich: Ford, Stallone und Cher sind im fast gleichen Alter. Stallone und Cher sind 67, Ford ist 71. Während man es bei den Männern sieht, ist Cher wie glattgebügelt, aber anders als andere Hollywood Schauspieler noch ohne erstarrte Botox-Miene. Aber wie sie ja selbst sagt man muss im Showgeschäft mit Zwanzigjährigen konkurrieren. Da gibt es nicht die Rolle des "Charakterschauspielers" für Sänger wo man auch altern darf.

Na ja Cher blieb ihrem Klischee rtrue und kam mit kurzem Rock, wenn auch nicht so kurz wie 1987, auf jeden Fall für eine Rentnerin zu kurz. Immerhin hat sie gut und live gesungen und ohne "Believe" Effekt. Die Promis waren wieder hochkarätig. Wenn man dann noch als Außenreporter nicht solche Typen wie Elton hat, sondern auch hier echte Prominente, dann wird's vielleicht wie früher, vielleicht sogar noch besser. denn eines kann Lanz besser als Gottschalk: Gespräche führen. Leider hat man von denen nicht so viel mitbekommen. Bei Ford hätte ich mir gewünscht dass dessen Mikro lauter war, denn sein Übersetzer hinkte hinterher und so hätte ich den Originalton mitbekommen. Bei Cher war die Übersetzerin parallel, aber genauso laut und daher ging eines im deutsch-englischen Kuddelmuddel unter.

Auf jeden Fall: es geht wieder aufwärts. Mal sehen ob die Quoten das gleiche aussagen.

8.10.2013: Wofür wir Jupiter brauchen

Jupiter ist ein toller Planet. Er ist ein Sonnensystem im kleinen, alleine vier seiner Monde sind so groß wie der Mond oder größer, zwei sogar größer als der Merkur. Er hat eine turbulente und sich laufend verändernde Atmosphäre - anders als bei Saturn, Uranus und Neptun wo sie eher ruhig ist oder es feste Bänder gibt. Er hat ein enorm großes und starkes Magnetfeld und daher auch einen sehr starken Strahlengürtel, das macht die Erforschung des inneren Jupitersystems etwas schwierig. Er hat auch einen Ring, nur ist der etwas mickrig.

Jupiter ist nicht nur ein dankbare Beobachtungsobjekt - inzwischen können schon Amateure mittels der Addition von vielen kurzzeitbelichteten Aufnahmen genauso gute Aufnahmen wie vor wenigen Jahren noch Profis machen, sondern er ist auch wichtig für die Raumfahrt und noch wichtiger für unser Sonnensystem.

Die Bedeutung von Jupiter liegt in seiner Masse und seiner Position. Jeder Planet hat eine Einflusssphäre (Sphere of Influence SOI). Das ist eine Kugel rund um den Planetenmittelpunkt, in dem seine Gravitationskraft die der Sonne oder anderer Planeten überwiegt. Für die Berechnung kann man die Planeten weglassen, weil selbst der größte, eben Jupiter nur ein Tausendstel der Masse der sonne hat. 

Diese Einflussphäre kann man berechnen nach:

r = h * (MPlanet / MSonne) 0.4

mit

h = Halbachse der Bahn (eigentlich: momentaner Anstand des Planeten von der Sonne)

MPlanet = Masse des Planeten

MlSonne = Masse der Sonne

Rechnet man das aus, so kommt man für die acht Planeten auf folgende Einflusssphären:

Planet Abstand [Mill. km] Masse [Erde=1] Einflusssphäre [Mill. Km] Prozent der Umlaufbahn
Merkur 57,91 0,06 0,11 0,031
Venus 108,21 0,81 0,62 0,091
Erde 149,60 1,00 0,92 0,098
Mars 227,90 0,11 0,58 0,040
Jupiter 778,34 317,70 48,21 0,986
Saturn 1427,01 93,50 54,56 0,608
Uranus 2859,60 14,80 51,99 0,289
Neptun 4496,90 17,10 86,58 0,306

Zeichnet man die Distanz von der Sonne gegen den Prozentsatz der Umlaufbahn auf, so erhält man folgende Grafik:

EinflussphäreMan sieht deutlich das es bei Jupiter ein Maximum gibt. Auf der einen Seite nimmt natürlich die Größe der Einflusssphäre stark zu, wenn man sich von der Sonne entfernt. Das liegt an der Potenz zu 2/5. Doch da die Halbachse ebenso ansteigt macht sie absolut nur einen kleinen Teil der Umlaufbahn aus. Der Prozentsatz SOI verglichen zur zurückgelegten Strecke in der Umlaufbahn hängt dagegen nur von der Masse des Planeten ab. Wäre es daher egal wo Jupiter steht?

Nein ist es nicht. Zum einen stört Jupiter durch seine Gravitationskraft auch die umlegenden Planeten, zumindest wenn sie leicht sind. Der Asteroidengürtel ist da, weil Jupiter durch seine Gravitationskraft verhinderte, dass sich dort ein Planet bildete. Selbst Mars, immerhin 500 Millionen km von Jupiter entfernt hat eine exzentrische Umlaufbahn, die noch dazu durch die Störungen langfristige Schwankungen hat. Mars kann sich der Sonne bis auf 206 Millionen km nähern, aber auch bis auf 249 Millionen km entfernen. Bei der Erde liegt die Differenz zwischen sonnennächsten und sonnenfernstem Punkt bei einem Achtel dieses Wertes (5 Millionen km, am sonnennächsten ist die erde übrigens um den 6 Januar, weshalb der Sommer auf der Südhalbkugel einen kleinen Tick heißer als im Norden ist). Die Venus hat schon eine ganz kreisförmige Umlaufbahn.

Wäre Jupiter näher der Erde, so wäre die Umlaufbahn der Erde nicht stabil. Doch könnte er weiter weg sein? Auch das wäre nicht besonders gut. Jupiter schützt uns wie ein Staubsauger vor Kometen. Das kann man rechnerisch nachweisen. Doch hat man seit Shoemaker Levey 9 auch einen visuellen Beweis. Jupiter fängt sie ein, oder verändert ihre Bahnen. Die meisten Kometen kommen von der Oortschen Wolke und haben parabolische oder hyperbolische Bahnen, nähern sich der Sonne also nur einmal. Es könnte sein, dass viele von ihnen periodisch sind, aber wenn dann ist die Periode so lang, dass sie sich unseren Begriffen entzieht und sie auch schwere von einer Parabelbahn an den Orbitelementen zu unterscheiden ist. Jupiter fängt sie ein, sie schlagen dann auf ihm ein oder verändert ihre Bahn. Sie werden aus dem Sonnensystem rausgeschleudert oder schlagen auf der Sonne ein - und das sind nicht Wenige mit SOHO hat man erstmals diese Kometen entdeckt die sich der Sonne so stark nähern dass sie komplett verdampfen und SOHO entdeckte über 1000 dieser Kometen. Wir sehend das sogar in jüngster Vergangenheit. Der Komet Tempel 1 wurde 1867 entdeckt und hatte damals eine Umlaufperiode von 5,74 Jahren. Er passierte Jupiter 1881 in einem Abstand von 82 Millionen km, zwar außerhalb der Einflusssphäre, doch es reichte aus die Umlaufszeit auf 6,5 Jahre anzuheben.

Kometen haben eine elliptische Umlaufbahn. Die Wahrscheinlichkeit, das Jupiter einen einfangen kann ist um so größer je sonnennäher Jupiter steht. Doch sollte er wie schon oben erläutert nicht zu nahe der Sonne sein, daher steht er an der richtigen Position. Ein weiterer Faktor kommt dazu: Die Gravitationskraft nimmt anders als die SOI quadratisch ab. Würde Jupiter z.B. in Neptunentfernung stehen so würde er am Rande der dann 278,53 Millionen km großen Einflusssphäre eine Kraft von 1,63x10-6 N pro Kilogramm Masse. In seiner normalen Umlaufbahn ist die Einflusssphäre nur 48,21 Millionen km groß, aber die Kraft beträgt dann 5,444x10-5 N, ist also 33-mal größer. So kann der Kurs von Objekten viel stärker beeinflusst werden.

Wären dann vielleicht mehrere Jupiter geschickt? Vielleicht wenn Saturn auch so schwer wie der Jupiter wäre? Nein das ganze klappt nur wenn ein schwerer Körper vorhanden ist. Simulationen zeigen, dass wenn es zwei Riesenplaneten in einem System gibt uns sie zu nahe beieinander sind, die Bahnen instabil werden. Einer, manchmal auch beide Riesen bekommen immer elliptischer Bahnen. Das kann dazu führen, das ein Körper aus dem System herausgeschleudert wird. Andere, sonnennahe kleine Planeten haben noch weniger Chancen. Die kombinierte Gravitationskraft beider Riesenplaneten sorgt dafür dass sie in geologisch kurzen Zeiträumen entweder auf die Sonne stürzen oder ebenfalls aus dem Sonnensystem herausgeschleudert werden. Modellrechnungen zeigten schon, dass in unserem Sonnensystem Uranus und Neptun 650 Millionen Jahre lang vertauschte Plätze hatten. Neptun war damals 15% näher der Sonne als Uranus. Ursache ist eine 2:1 Resonanz zwischen Jupiter und Saturn (alle zwei Umläufe von Jupiter kommt er Saturn sehr nahe und die Gravitationskraft verstärkt sich). Das zeigt das Nizza Modell.

So befindet sich Jupiter in der richtigen Position und er ist auch der einzige Riesenplanet (oder zumindest dreimal schwerer als Saturn der in einem sicheren Abstand seine Kreise zieht). Man erkennt den Effekt auch an den vielen eingefangenen Monden: Inzwischen hat man 67 Monde bei ihm gefunden, mehr als bei jedem anderen Planeten. Auch sie befinden sich meist auf elliptischen und strak geneigten Bahnen mit Ausnahme von drei sehr nahen Asteroiden und den vier großen galileischen Monden kommt keiner der anderen 60 Monde mehr als 10 Millionen km an den Jupiter heran. In zweien der fünf Librationspunkte, das sind in dem Dreikörpersystem Asteroid-Sonne-Jupiter stabile Punkte, befinden sich auch Asteroiden die man nach den Parteien im trojanischen Krieg Trojaner und Griechen nennt mit den beiden größten Vertretern Hektor und Achilles. Es sind über 3000 Trojaner und über 1700 Griechen bekannt. Die Trojaner eilen Jupiter um 60 Grad voraus, die Griechen folgen ihm im 60 Grad Winkel nach.

Für die Raumfahrt ist Jupiter auch günstig. Aus einer Hinsicht. Er dient als Sprungbrett für Missionen die von der Erde aus zu viel Energie erfordern. Jupiter kann:

Wie stark die Bahn beeinflusst wird, hängt aber nicht nur von der Masse des Planeten und dem Anflugwinkel ab, sondern auch mit seiner Bahngeschwindigkeit und die der Sonde. Eine Raumsonde die auf einer Hohmanntransferbahn zu Jupiter fliegt hat bei Jupiter nur noch eine Geschwindigkeit von 7,4 km/s. es fehlen ihr 5,6 km/s für eine Kreisbahn, daher kann der Planet sie viel besser umlenken als wenn die Sonde mit höherer Geschwindigkeit sich nähern würde.

Bedingt durch die Umlaufbahn von Jupiter die eine Periode von 11,86 Jahren hat, gibt es auch mehrere Startfenster. Je nachdem wie stark man sich Jupiter nähert. So gibt es einen zeitraum von 2-3 Jahren bei denen sich alle 13 Monate Startgelegenheiten gibt für eine Umlenkung zu den äußeren Planeten. Diese Periode muss dann noch mit der gemeinsamen Periode von Jupiter und dem Planeten abgestimmt werden. Sie liegt bei Saturn bei 20 Jahren (Start 1977: Voyager, Start 1997: Cassini, nächste Gelegenheit: 2017) und nimmt dann auf 13,8 Jahre bei Uranus ab. Bei Neptun oder zu einem KBO sind es dann 13 Jahre.

9.10.2013: Ideen für ein langfristiges Venusprogramm

Betrachtet man es aus himmelsmechanischer Sicht so ist unverständlich, warum die Venus so stiefmütterlich behandelt wird. Sie ist nach dem Mond am leichtesten erreichbar. Um in eine zumindest elliptische Umlaufbahn einzuschwenken braucht man nicht mehr Energie als bei Mond und Mars und die Flugzeit ist mit 4-6 Monaten auch recht kurz. Die ersten Raumsonden, die zu den Planeten aufbrachen taten dies auch zur Venus.

Mit der dicken Atmosphäre hat zumindest bei den Amerikanern dann ein Desinteresse eingesetzt, das nicht nur mit der Wissenschaft zu tun hat, sondern auch der Öffentlichkeitsarbeit: man kann die Venus nicht als Planeten verkaufen bei der es eventuell Leben geben könnte oder zumindest mal gegeben hat. Das hat man ja mit Erfolg beim Mars geschafft und probiert es gerade bei Europa und Titan. Es gibt wegen der Wolken auch keine "Pretty nice Pictures". Beispielsweise wird mit MAVEN im November zum ersten Mal (nach gut 50 Jahren Marsforschung mit Raumsonden) eine US-raumsonde ohne Kamera starten.

Die Venus teilt so ein bisschen des Schicksals des Mondes, zumindest was die NASA angeht. Auch hier war das Interesse nach dem Apolloprogramm eingebrochen. Beim Mond gibt es als Nachfolge des Constellationprogramms nun mehr robotische Missionen. Constellation ist eingestellt, doch die Missionen blieben. Zumindest jetzt noch. Doch bei der Venus ist keine Besserung in Sicht. Es gab seit Magellan, und das ist auch schon 23 Jahre her, nur zwei Missionen: Venus Express und Akatsuki, bei der aber noch offen ist ob sie nach einer Extrarunde in einen Orbit einschwenkt (Japan hat bisher nicht allzu viel Glück mit ihren Planetensonden gehabt: Nozomi ging verloren, Hayabusa fast und brachte nur wenig Material zur Erde und Akatsuki hat die Zündung in den Orbit verpasst.)

Daher mein Vorschlag für ein langfristiges Venus Erforschungsprogramm

Den Anfang macht ein Venus Radarorbiter. Als Magellan die Venus umkreiste, gab es noch kein Phased Array für Radaraufnahmen. Heute erreicht ein Kleinsatellit wie SARLupe 1m Auflösung bei Spots, Wenn man einen bestehenden Bus, wie eben SAR-Lupe umbauen könnte hätte man einen preiswerten Radarorbiter. Ein Problem dessen ist die schwankende Datenrate. Bei Venus und Mars schwankt die Entfernung der Planeten von der Erde stark. Bei der Venus zwischen 41 und 260 Millionen km. Das korrespondiert mit der Schwankung der Datenrate um den Faktor 40!. Da die Venus so langsam rotiert kann man nicht in der Erdnähe die Gebiete in hoher Auflösung kartieren, die bei Erdferne nur mit einer geringe Datenrate (=geringe Auflösung) erfasst wurden. Immerhin verschiebt sich das Gebiet das man erfasst pro Passage des erdnächsten Punktes leicht. Über eine längere Mission (nehmen wir mal 5 Jahre an, das sind 3 Oppositionsperioden) kann man so ein größeres Gebiet im Detail erfassen, den Rest in niedriger Auflösung, die bei Einsatz großer Sender und des Ka Bandes erheblich höher als bei Magellan sein kann. Unter 10 m pro Punkt sollte erreichbar sein.

Durch den Umbau eines bestehenden Satelliten wie SAR-Lupe sollte sowohl das Gewicht klein bleiben (Sojus als Träger reicht aus) wie auch die Kosten.

Ein Startfenster (584 Tage) später startet dann die nächste Sonde, Was die meisten wohl interessiert, ist wie es auf der Venus aussieht. Das kann ein Radarorbiter nicht leisten. das einzige was wir bis jetzt haben sind wenige Aufnahmen von Venera 9+10 und 13+14 mit einem Fischaugenobjektiv gewonnen und grob auflösend. Auch wenn Amateure aus diesen Bildern erstaunliches herausgekitzelt haben.

Auf der anderen Site wird keine Sonde sehr lange auf der Venus leben. Ob es dann eine Stunde mehr oder weniger ist, ist egal. Mein Vorschlag: Eine Raumsonde, so einfach aufgebaut wie die Pionieer Venus Atmosphärenkapseln, ausgestattet mit einigen Kameras. Sie soll während der letzten Phase des Abstiegs Bilder machen und dann noch nach der Landung 15 Minuten überleben um sie und ein Landepanorma zu übertragen. Damit die Datenausbeute hoch ist, müssen die Umstände günstig sein. Das bedeutet an Bord der Landesonde starke Sender, vor allem aber eine große Empfangsantenne und kleine Distanz bei der Empfangssonde. Das könnte der Radarorbiter sein, der sich schon im Orbit befindet. Es gibt zwei Möglichkeiten - er kann schon in seinem operativen Orbit sein, z.B. einer 1000 km Kreisbahn. Nur ist dann zwar die Datenrate hoch, aber die Sonde hat in 18 Minuten das Landegebiet passiert. Das Timing ist also extrem kritisch. Etwas besser ist es wenn der Orbiter noch in einer Umlaufbahn ist, die noch elliptisch ist. Dann gäbe es Funkkontakt über die gesamte Missionszeit plus der Möglichkeit weitere Daten zu übertragen wenn die Mission länger als 15 Minuten überlebt. Die Datenrate ist dann geringer, aber es ist sicherer. Zuletzt kann der Bus der Sonde selbt noch die Daten empfangen. Er wird aber weiter entfernt sein, weil er relativ zur Venus eine hohe Geschwindigkeit hat und sie ist noch dazu sehr variabel und steigt rasch an.

Derzeit favorisiere ich Lösung 2, der Radarorbiter bleibt während der ersten 584 Tage auf einer leicht elliptischen Umlaufbahn, z.B. mit einer Entfernung von maximal 6000 km. Das ergibt trotzdem noch eine hohe Datenrate und es gibt Funkkontakt über mindestens 90 Minuten, also bei typischen Abstiegszeiten rund 30-40 Minuten nach der Landung. Damit sind dann selbst bei Rundstrahlantennen als Sender bei einer für die Radardaten nötigen großen Empfangsantenne mehrere Megabit pro Sekunde möglich, ausreichend für zahlreiche mittel bis hochauflösende Aufnahmen.

Zwei Landesonden könnten von einer mit einer Sojus gestarteten Bussonde mitgeführt werden. wenn die Sendefrequenzen und Landegebiete abgestimmt werden kann man von beiden gleichzeitig Daten empfangen, ansonsten muss man viel Treibstoff investieren um den Landezeitpunkt der zweiten Sonde verschieben oder deren Daten über den vorbeifliegenden Bus übertragen. Der könnte auf der Sonnenumlaufbahn dann nach der Passage noch das interplanetare Medium untersuchen.

Die nächste Sonde kann dann etwas später kommen, denn sie basiert auf den Erfahrungen eines Instruments auf dem Radarorbiter. Es wird seit langem postuliert, dass die Venus Atmosphäre im Infraroten durchsichtig ist. Ich bin da skeptisch, die ISS-Aufnahmen von Cassini von Titan sehen zumindest sehr verschmiert aus und angesichts der dicken Atmosphäre erwarte ich ähnliches von der Venus. Aber man kann es erproben indem man ein niedrig auflösendes IR-Spektrometer, empfindlich für die fraglichen Fenster beim Radarorbiter erprobt.

Wenn es möglich ist kann man dann ein abbildendes Instrument das die Venus in diesen fenstern beobachtet mit der dritten Sonde starten. Ergänzt könnte es durch Kameras in verschiedenen UV,IR und Visuellen Kanälen. Über die genaue Auslegung muss man sich Gedanken machen. Denkbar wäre eine normale Kamera mit einigen engbandigen Spektralfiltern die Fenster entsprechen durch die man tiefer sieht. Denkbar wäre auch ein abbildendes Spektrometer von dem man in der Regel nur die Spektralkanäle nimmt die eine Durchsicht versprechen. Andere Instrumente um im Sichtbaren und UV Bereich Aufnahmen zu machen oder die Venusumgebung zu erforschen wie Teilchenmessgeräte.

Das wären die Missionen die aufeinander aufbauen können und im Abstand von jeweils einem Startfenster (584 Tage) gestartet werden können. Die Missionen können auch international geplant sein. So gibt es die besten Radargeräte in Europa, die USA haben Erfahrung mit Landekapseln, Russland könnte Trägerraketen und den Bus für die Landekapseln stellen und Japan könnte sich beim Orbiter mit den Spektrometern beteiligen. Radarorbiter und der Orbiter mit den Spektrometern könnte auch am Mond/Mars einsetzen, ich bin ja sowieso dafür Missionen so auszulegen dass man möglichst viel erneut verwenden kann.

13.10.2013: Ein Vergleich ohne Worte

Nachdem ihr in letzter Zeit so viel habt lesen müssen, hier mal nur eine kleine Sammlung von Daten über die Tests von Raketentriebwerken. Sofern keine Unterscheidung zwischen Zertifikation / Entwicklung gemacht wurde oder die Daten nicht verfügbar sind, sind die für die Entwicklung die gesamte Testdauer, ansonsten getrennt (die gesamte Testdauer ergibt sich dann durch die Summe).

Ich habe in der letzten Zeit sehr viele neue Aufsätze in der Website veröffentlicht, mir aber auch mal wieder angesehen was am meisten besucht wird. Und da gehen die meisten Besucher in die Computersektion. Ich denke ich werde da in nächster Zeit mehr machen, auch weil das vielleicht eine Idee für das nächste Buch sein könnte.

LOX / Kerosin Triebwerke

Triebwerk Entwicklung Tests Entwicklung Sekunden Brennzeit Zertifikation Tests Zertifikation Sekunden Brennzeit
F-1 2801 252.958    
H-1 3685      
NK-15 450 40.200    
NK-33 350 61.651    
RD-171 346 19.865 275 25,000
RD-180 89 14.332 30 5.622
Merlin 1C 20 3.400    
Merlin 1D 28 1.970 36 2.799

LOX / LH2 Triebwerke

Triebwerk Entwicklung Tests Entwicklung Sekunden Brennzeit Zertifikation Tests Zertifikation Sekunden Brennzeit
LE-7A 282 15.839    
RS-68 183 18.945 s    
RD-0120 793 163.000    
SSME 627 77.135 99 33.818
Vulcain 278 87.000    
Vulcain 2 80 45.000 42 19.500
HM-7A   25.000    
J-2 1700 116.000 30 3.807
LE-5A 188 13.414 134 14.292
LE-5A 66 6.918 52 9.218
LE-5B 23 1.077 69 11.363
RL-10 230 71.036    
TL-10A-3-3A 214 18.881 24 5,681
RL-10A-4 73 15.551 38 5.265
RL-10A-4-1 5 2.068 42 3.683
YF-73 120 30.000    
YF-75   28.000    

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