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Web Log Teil 356: 3.11..2013 - 9.11.2013

3.11.2013: NSA, amerikanische Freunde und die Feiertage

So, zum traditionell besucherschwachen Sonntag ein kleiner Zwischeneinschub mit drei Themen die teilweise zusammen gehören. Vielleicht hat sich der eine oder andere gewundert, warum ich noch nichts über die NSA und Snowden geschrieben habe. Ich habe mir das angeschaut, aber gewundert habe ich mich zumindest über die Arbeit der NSA und anderer US-Behörden nicht. eher schon über unsere Bundesregierung, die als die massenhafte Abhörung im Juli bekannt wurde, das ja runterspielte und sich mit Zusicherungen der NSA zufrieden gab. Es ging ja nur um deutsche Bürger, die sind nur wihtig wenn eine Wahl ansteht. Nun hat man Merkel abgehört und die Empörung bei der Regierung ist groß.

Hallo? Wie geht es im Land der Vollidioten?

Wenn die NSA unisono jeden abhört (und nicht nur "Ausländer") warum sollte sie dann gerade vor deutschen Politikern halt machen? Also wenn ich die Mittel hätte und es kein Verbot gibt, dann würde ich als allererstes Regierungschefs, Minister und andere Entscheidungsträger (auch in der Wirtschaft) abhören. Da ist der Nutzen für die US-Politik und US-Wirtschaft doch offensichtlich. Die US-Politik weiß was Merkel will, was bei entgegengesetzten Positionen einen Verhandlungsvorteil darstellt, weil man weiß wo der andere vielleicht nachgibt und die Wirtschaft kann Industriespionage betreiben.

Was erschreckend ist, ist das nun die Empörung groß ist, aber es keine Konsequenzen gibt. Die Spionage ging von der US-Botschaft aus. Im kalten Krieg wurden bei einem solchen Vorfall die Diplomaten ausgewiesen (verhaften kann man sie ja mangels diplomatischen Schutzes durch internationales Recht nicht). Das sollte man nun auch tun. Das nächste wäre meiner Meinung nach Snowden eine deutsche Staatsbürgerschaft anzubieten. Vielleicht noch ein Bundesverdienstkreuz obendrauf. Asyl geben können wir ihm nicht, da wir kein Asyl für Flüchtlinge aus demokratischen Staaten vorgesehen haben - meiner Ansicht nach eine Gesetzeslücke, denn wie Snowden zeigt kann auch ein demokratischen Staaten die Rechtsprechung genauso wie in einer Diktatur sein. Beispiel gefällig?

Bradley Manning, der Dokumente an Wikileaks weiterleitete, wurde am 21.8.2013 zu 35 Jahre Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft forderte 60 Jahre und seien Verteidigung 25 Jahre!  Einen Monat vorher wurde George Zimmerman, der 2012 den Jungen Trayvon Martin erschossen hatte weil er ihm "verdächtig" vorkam frei gesprochen. In diesem Land wird man also für die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten zu einem Strafmaß verurteilt, das lebenslang in Deutschland überschreitet und wer einen Mord begeht, der geht straffrei aus weil das Opfer ein Schwarzer war. Für mich wäre das Grund genug, die Rechtsprechung in den USA anzuzweifeln und damit würde das Asylrecht greifen.

Aber die Lösung mit der deutschen Staatsbürgerschaft ist eh die bessere, denn wir wissen ja wie bei uns Asylverfahren aussehen und wie die Leute, bis sie abgeschlossen sind, leben. Arbeiten dürfen sie auch nicht. Snowden kann ja seine US-Staatsbürgerschaft behalten. De Fakto denke ich hat er mehr für Deutschland getan als viele Deutsche, vor allem mehr als die von vielen bejubelten Steuerflüchtlinge die ihren Wohnsitz nach Monaco oder anderen Steueroasen verlegt haben. (z. B. der neue Formel-1 Weltmeister Sebastian Vettel).

In jedem Falle würde man mit diesem Schritt die Amis verärgern. Doch das will die CDU ja nicht. Die Partei mit der braunen Nase (die bekommt man wenn man den Amis in den Arsch kriecht) redet ja nur von "unseren Amerikanischen Freunden". Hallo? Freunde? Seit wann? Im Prinzip ist es doch so: die Amis machen was sie wollen. Das war schon immer so. Solange es noch ein gemeinsames Feindbild gab, gab es noch gewisse verbindende Elemente. Doch seit 1990 gibt es die nicht mehr. Trotzdem war die CDU 2002 für den Irakkrieg. Was sicher auch ein Grund war, das Schröder die Wahl gewann. Für jeden war offensichtlich, das es keinen Grund gab. "Beweise" von Powell in der UN bestanden aus schön gezeichneten Grafiken - damit kann ich auch beweisen, das dort Kinder geopfert werden, ein Ufo gelandet ist oder was weis ich nicht was. Nur für die CDU war das nicht so, und das ist charakteristisch für diese Partei, weshalb sie auch einknicken wird selbst wenn ihre Parteichef ausspioniert wird.

Meiner Ansicht nach waren die USA noch nie unsere Freunde. Angeblich sollen sie ja eine Demokratie ein. Aber da das Land voller Vollpfosten ist, wählen sie regelmäßig den größten Volltrottel zum Präsidenten. (Nixon, Reagan, G.W. Bush). Ein demokratischer Staat führt keine Angriffskriege (Vietnam, Panama, Grenada, Irak) besticht nicht Militärs für den Putsch einer demokratisch gewählten Regierung (Chile), stürzt nicht eine demokratisch gewählte Regierung um einen Monarchen auf den Thron zu bringen (Iran), finanziert nicht Guerillagruppen um Regierungen zu stürzen (Nicaragua, Guatemala) oder finanziert Invasionen (Kuba). In keinem dieser Fälle wurde die Regierung vom Parlament kritisiert, es liefen Aktionen die den Sturz anderer Regierungen zum Ziel hatten sogar ohne Beteiligung und Unterrichtung des Parlaments. Wie man dies ausblenden kann und dann von "amerikanischen Freunden" sprechen kann, ist mir ein Rätsel. Offensichtlich muss jeder Politiker in der CDU ab einer bestimmten Stellung in einer US-Militärbasis einer Gehirnoperation unterzogen werden.

Ich vermute wenn die CDU mal die absolute Mehrheit bekommt, wird Deutschland de 51.sten Bundesstaat der USA.

Zuletzt noch was zu den Feiertagen. An Allerheilligen kam im Radio ein Interview um die Auseinandersetzung um den Reformationstag. Einen Tag vor Allerheilligen im Jahr 1517 schlug ja Martin Luther seine Thesen an die Kirchentür womit die Spaltung der Kirchen begann. Das soll 2017 ausnahmsweise im ganzen Bundesgebiet als Feiertag gefeiert werden. Es ist umstritten weil es ja der Beginn der Trennung beider Kirchen ist, also eigentlich nichts was man feiern sollte. Ich sehe das anders. Meiner Ansicht nach sollte es immer ein Feiertag sein. Dafür kann man einige katholische Feiertage streichen. Korrigiert mich, aber es gibt bei uns fast nur gemeinsame Feiertage die in der evangelischen und katholischen Kirche Feiertag sind oder katholische Feiertage (Fronleichnam, Maria Himmelfahrt, Allerheilligen). Hier in BW ist heilige Drei Könige noch ein Feiertag, obwohl es kein richtiger katholischer ist. Der einzige evangelische ist in einigen Bundesländern der Reformationstag.

Meiner Ansicht nach sollten beide Religionen gleich viele Feiertage haben und ich bin dafür zwei der drei katholischen Feiertage abzuschaffen und den Reformationstag dafür als Feiertag in allen Bundesländern einzuführen wo evangelische Christen nicht zu vernachlässigen sind. Einfacher und gerechter wäre es sicher, in allen Bundesländern die gleichen Feiertage zu haben. Derzeit schwankt die Zahl zwischen 9 und 13. Dann erlebt man auch nicht so Überraschungen, wie der Autor als er als Kind mit seiner Mutter nach Bayern in unser Ferienhaus kam, natürlich ohne Verpflegung und dort alle Geschäfte zu hatten. Es war am 15.ten August ...

Irgendwie scheint die katholische Kirche bei uns eine Sonderrolle zu haben. Sie hat riesiges Vermögen (warum hat die evangelische keines?), sie scheint in einem rechtsfreien Raum zu existieren, da sie Angestellte entlassen kann wenn sie ihren Moralvorstellungen nicht entsprechen, unabhängig von der Beschäftigung in der Kirche (Putzfrau wird entlassen weil sie nach der Scheidung neu gehreitet hat). zahlt auf ihr Vermögen keine Steuern (auch keine Kapitalertragsteuer auf Zinseinnahmen oder Einkommens/Gewerbesteuer auf Mieteinnahmen) und und und ....

4.11.2013: Man könnte neidisch werden

Elendsoft hat mir ein kleines Taschenbuch zum Apollo-Sojus Projekt zugeschickt und schon vor der ersten Inhaltsseite bin ich neidisch geworden: !1. Auflage 1-40 Tausend" steht da. Dabei, das wird bei den folgenden Seiten wird klar, das dieses Buch wohl niemals außerhalb der damaligen DDR gelesen worden sein, denn es beginnt schon mit Lobpreisungen auf die Erfolge der UdSSR und auch schon auf der ersten Seite mit Lügen wie der "fortscheitenden Veränderung des Kräfteverhältnisses zugunsten des Sozialismus".

Mit Büchern aus der DDR ist es so eine Sache. wenn es um Lehre und Wissenschaft geht, zumindest in Naturwissenschaften kann man sie bedenkenlos kaufen. Da ist ja keine Ideologie drin. Das Standardbuch für das organische Praktikum bei uns war das Organikum aus der DDR, wobei die noch konsequenter die IUPAC Nomenklatur verwendet haben, also Benzen anstatt Benzol und Cholesterol anstatt Cholesterin. Schwieriger wird es dann bei solchen populären Themen. Da kann man Glück haben wie bei dem Buch von Stache "Sowjetische Raketen", so man die vereinzelten und wohl auch nötigen Lobeshymnen bzw. Tiraden gegen den Westen überlesen kann, oder es wird schlimmer. Ich habe das Gefühl das scheint hier der Fall zu sein. Das fängt schon beim Titel an: es heißt "Sojus-Apollo 1975" und nicht "Apollo Sojus Testprojekt.

Aber was neidisch macht ist die Auflage: 40.000 in einem so kleinen Land wie der DDR. Das wären auf die heutige BRD hochgerechnet etwa 200.000 Exemplare! Damit wäre man mit Sicherheit in den Bestellerlisten. Ich wäre ja zufrieden wenn eines meiner Bücher ein Hundertstel der 40.000 Exemplare erreichen würde, von 200.000 mal ganz zu schweigen. Beim letzten Buch denke ich hat fast jeder Käufer inzwischen eine Amazon-Kritik geschrieben. Daher bleibt auch der Entschluss für absehbare Zeit kein raumfahrtbuch mehr zu schreiben. Immerhin haben sich nachdem in den Jahren 2011 und 2012 die Einkünfte rückläufig waren (und zwar im Gesamten, wenn man es pro Buch betrachtet sieht es noch schlimmer aus, weil ja in der Zeit neue erschienen) sie sich nun stabilisiert. Allerdings nur dank der beiden neu erschienen Bücher im Bereich Ernährung. Mit vier Titeln die keine Raumfahrt Themen behandeln mache ich derzeit 50% des Umsatzes und mit den anderen 15 Titeln die andere Hälfte. Ich hoffe ja das wird mit dem aktuellen Titel besser. Vom Inhalt her denke ich sollte es die bisher größte Käuferschicht ansprechen, doch das dachte ich beim Diätratgeber auch. Derzeit kommen die Korrektoren dank zweier Vorkorrekturen rechnet schnell durch und ich bin optimistisch, das es noch dieses Jahr erscheint. Nächstes Jahr wird es ruhiger werden, auch weil seit langem nur ein Buch in der Pipeline ist. Im Normallfall arbeite ich ja schon am nächsten wenn eines bei den Korrekturlesern ist. Außerdem kommen dann nächstes Jahr die ersten Entscheidungen welche Bücher noch am Markt bleiben. Im Juli läuft der erste Vertrag aus (Europäische Trägerraketen 1), gefolgt von den beiden Raketenlexikons im Oktober und November. Zumindest das über US-Träger werde ich nicht verlängern. Aber ich werde euch noch rechtzeitig unterrichten, wenn ich beabsichtige einen Vertrag auslaufen zu lassen.

Die Zeit in der man mit Raumfahrtbücher große Auflage machen kann, und selbst mittlere Auflagen gehen wohl nur wenn man das bedient was die meisten Interessiert, das ist eben bemannte Raumfahrt oder unterhaltssame Storys vor allem eben von und über Menschen / Astronauten. Das ist wenn man es ernst meint nur möglich wenn man in einem Programm arbeitet oder man macht es sich einfach und übersetzt Statusreports ins Deutsche, ergänzt durch etwas Wikipedia. Das erste kann ich als Außenstehender nicht und das letzte will ich nicht. Das Dumme ist nur: zu den anderen Gebieten (Computer und Ernährung) fallen mir gar nicht so viele Themen für Bücher ein. Also mehr Ideen als für die nächsten beiden Bücher habe ich nicht. Aber vielleicht ist bis dahin auch die Zeit reif für etwas komplett neues. Oder es kommt ein riesiger Stimmungsumschwung, Obama kündigt ein Mondprogramm an, oder Zubrin/Musk starten gemeinsam zum Mars in einer Dragon und alle Leute begeistern sich wieder für Raumfahrt. Aber eher wird man wohl auf RTL2 seriöse Dokumentationen sehen, als das eintritt.

Man sieht das schon bei aktuellen Projekten. Ich bin gerade dabei den Artikel über MAVEN fertigzustellen. Selten hatte ich für eine neue Raumsonde so wenig Material. Selbst über die niemals gestartete Mars 2001 Surveyor Raumsonde gibt es mehr Informationen. Wenn nicht die Experimente von ihren PI relativ gut beschrieben worden wären, dann wäre der Artikel relativ kurz. Ich vermute das liegt daran, dass die Sonde vom GSFC kommt. Sowohl vom JPL wie auch Ames Forschungszentrum gibt es mehr zu den Raumsonden, doch diesmal liefert selbst der NTRS nur 3 Suchergebnisse für "Maven".  Das ist sogar weniger als das Stichwort "SpaceX" oder "Falcon 9" liefert. Ich habe jetzt nur noch die Hoffnung das das Launch Presskit, das zum Start erscheint etwas ausführlicher ist.

9.11.2013: Ein Memoriam: der echte Supercomputer

Es gab mal eine Zeit, da konnten "Computer Experten" mehr als nur Windows neu installieren, Hacker den ganzen Tag programmierten, anstatt zu surfen und Informatikunterreicht nicht darin bestand Studenten Excel beizubringen. In diesen "good old days", als man sich noch in die Benutzung eines Computers einarbeiten musste, las der Autor zum ersten Mal von einem "Supercomputer". ein Supercomputer, das war damals eine Cray 1.

Mich fasziniere diese Maschine von Anfang an. Das fing schon mit dem Aussehen an. Er sah nicht wie ein Computer aus. Ein größerer Computer, so ab den Superiminis war damals ein Rechner eine große Kiste von Schrankform, eventuell vorne noch mit einigen Lichtern. Dazu kamen dann noch einige kleinere Schränke mit den so eindrucksvoll rotierenden Magnetbändern und einige Kommoden mit Wechselplatten.

Die Cray 1 sah aus wie eine angeschnittene Sitzgarnitur um eine Säule, wie sie sicher auf einem Flughafen stehen könnte. Sie sah schön aus. Eigentlich war die Cray 1 kein kompletter Rechner. Auf heute übertragen war er nur das Motherboard. Man brauchte einen Minicomputer um ihn überhaupt zu starten und dann doch Wechselplatten für die Datenspeicherungen. Die meisten Institutionen, die ihn einsetzen nutzen einen Großrechner nur als Ein/Ausgabesystem.

Die Cray war der erste speziell auf Geschwindigkeit gezüchtete Rechner der allgemein bekannt wurde. Es gab vorher schon Rechner bei denen die Geschwindigkeit Priorität hatte, doch die Cray 1 wurde erfolgreicher als alle vorhergehenden Versuche. Erst vor einem Jahr habe ich mich genauer mit der Architektur des Rechners beschäftigt. Die Cray selbst bestand nur aus drei Chips: Einem NAND Gatter für die Logik, einem schnell 64 Bit Speicher für die Register und einem "langsamen" 1024 Bit Baustein für den Speicher. Der "langsame" Speicher ist in etwa so schnell wie heutiger Speicher.

Die hohe Geschwindigkeit wurde erreicht durch mehrere Faktoren. Zum einen die Halbleitertechnologie. Die Cray 1 setzte auf ECL, in der alle Bausteine gefertigt wurde. ECL (Emitter Coupled Logik). Bei dieser geht ein Transistor nie in den Sättigungszustand. Dadurch schaltet er viel schneller, verbraucht aber wenn nicht geschaltet wird ebenfalls Strom, während andere Transistoren dann nur eine geringe Verlustleistung aufwiesen. Der Preis war. dass die Cray 1 aktiv gekühlt wurde. Ein Geflecht von Leitungen mit einen Fluorkohlenasserstoff durchzog den Rechner. In der "Sitzkruppe" saß der Tank und der Kompressor zur Verflüssigung des Gases. Die Cray hatte eine Verlustleistung von 115 kW. Diese wurde auf einer Fläche von rund 12 m² abgegeben, was eine leistungsfähige Klimaanlage erforderte. Zudem wurde durch das Freon der Rechner schwer. Die größte Version wog 5,5 t. In Garching wurde unter der Decke ein Stützträger eingezogen um das Gewicht abzufangen.

Die Form wurde durch den Taktzyklus von 12,5 ns bestimmt. Da alle Teile des Rechners im Takt sein mussten, dürfte keine Verbindung länger als 1,82 m sein. Daraus war der Rechner ein Kreissegment (kein geschlossener Kreis, sonst kam man nicht an die Module im Tower ran).

Das zweite war die Architektur. Neben den skalaren Operationen konnte man auch viele Operanden im Reisverschlussverfahren einer Operation unterziehen. Dann führte der Rechner pro Takt eine Operation aus. Dieses Vektorprinzip war nicht neu, doch die Cray 1 setzte es am besten um indem man sich den Luxus leistete acht Vektorregister für je 64 Werte mit je 64 Bit anzulegen. (Das waren bei 64 Bit pro Chip für die Register alleine 512 Chips). Vorherige Implementationen machten es im Speicher, der jedoch selbst bei der ECL Technologie achtmal langsamer als die Register war. Mit diesem Vektorprinzip erreichte die Cray 1 typisch 80 MFlops Peak. Unter geschickter Nutzung der Architektur (bei den Vektorregistern konnte ein Register gleichzeitig Quelle und Ziel sein und man konnte die Skalareinheiten parallel betreiben erreichte sie eine Maximalgeschwindigkeit von 160 MFlops.

Seymour Cray ging nach der Cray 1 an eine neue Architektur, die Cray 2. Sie sollte noch kompakter werden. Der ganze Computer passte nun in einen Kreisringsegment von 115 cm Höhe und 135 cm Durchmesser. Das war nur möglich indem nun die Platinen in Kühlmittel schwammen. Erstmals setzte Cray normalen CMOS Speicher ein, wenn auch die Logik weiterhin in ECL war. Damit die langsamen Speicherbausteine die Cray 2 nicht ausbremsten, führte Seymour Cray Caches ein und sprach den Speicher in Banks an, damit jeder Zugriff auf eine andere Bank ging. Sehr viel anders funktioniert DDR-Ram heute auch nicht.

Erfolgreicher waren aber Weiterentwicklungen der Cray 1, die man in der Firma entwickelte, weil sich die Einführung der Cray 2 verzögerte. Man verdoppelte zuerst nur die Zahl der Vektorprozessoren (Cray X-MP, später vervierfachte und verachtfachte man sie (Cray Y-MP) und stellte auf CMOS Speicher um, denn man schon bei der Cray 1S eingeführt hatte. Sie näherten sich schnell der Performance der Cray 2, waren aber preiswerter und softwarekompatibel. Seymour Cray verlies dann Cray Research. Bei der Entwicklung der Cray 3 setzte er auf eine falsche Karte. Er meinte Galliumarsenid als Halbeliter wäre nun reif Silizium abzulösen. Auf dem Papier war es in allen Belangen überlegen, aber es war noch nicht so weit (bis heute hat es nur Nischengebiete erobert). Dazu kam, dass nun Anfang der Neunziger Jahre abgerüstet wurde. Größter Kunde war bisher das US-Militär gewesen, das mit Supercomputern Atombomben simulierte und Flugzeuge konstruierte. Das fiel nun weg. Es wurde nur eine Cray 3 teilweise fertiggestellt und diese wurde nicht bezahlt, was zum Bankrott führte. Cray Research baute noch lange Rechner auf Basis der Cray 1.

Leibnitz RechenzentrumDann wechselte die Firma auf das was heute in jedem Supercomputer ist: normale PC-Prozessoren, davon aber tausende. Davon hielt Cray niemals etwas "Wenn sie einen Acker umpflügen wollen - was nehmen sie: zwei starke Ochsen oder hundert Hühner". aber es war technisch anders nicht möglich. Die Schaltzeiten der Gatter erhöhten sich in den 15 Jahren zwischen der ersten und letzten Version der Cray kaum, dazu kam der über Module verteilte Rechner, wo die Signalleitungen weitere Verzögerungen addierten. Man kam an einen Punkt den auch PC-Prozessoren 12 Jahre später erreichten - man konnte die Taktfrequenzen nicht mehr steigen und mehr Geschwindigkeit gab es nur doch mehr Recheneinheiten und dann ging man eben gleich von einigen Vektorprozessoren in proprietärer teurer Technologie auf viele Prozessoren über.

Heute sind Supercomputer nicht mehr Sexy. Wenn sich der Rechner von meinem PC nur noch dadurch unterscheidet dass man tausende oder hunderttausend Prozessoren hat, dann ist das nichts mehr als ein Cluster und sie brauchen immer mehr Platz, eine Cray 2 belegte 1,5 m² Fläche, der neueste Rechner im Leibnitz Rechenzentrum von IBM dagegen eine ganze Halle. (Bild links)

Rein Rechnerisch hängt heute jeder PC die schnellsten Rechner ab die Cray jemals produzierte. Mein Rechner hat einen Athlon 5050e (2 x 2,6 GHz), der war schon nicht taufrisch als ich ich 2009 kaufte. Nach Linpack hat er rund 823 GFlops pro Kern. Dank verlangsamter Software reicht er heute gerade noch für Surfen im Internet :-)

8.11.2013: Endlich eine Nutzlast für die SLS

Noch konnte man die Blamage in letzter Minute verhindern: wollte doch Charles Boulden persönlich eine neue Ära in der bemannten Raumfahrt ankündigen. Er war wie die gesamte NASA Führungsriege einem Scherz seiner Mitarbeiter aufgesessen.

Wie kam es dazu? eigentlich sollte vom 30.9. bis 2.10 eine gemischte Arbeitsgruppe aus Ingenieuren des Manned Space Center, des Marshall Space Flight Center und des Jet Propulsion Laboratorys über zukünftige Missionen der SLS beratschlagen. Ihr ziel: Sie sollten Missionen erarbeiten welche die NASA mit ihrem auf Jahre festgeschriebenen Budget durchführen kann. Das könnten bemannte wie unbemannte Missionen sein.

Doch bevor die Gruppe ein Ergebnis liefern erarbeiten konnte, kam der Shutdown der NASA. Damit saßen erst einmal die Vertreter des MSC und JPL in Huntsville fest. Da der shutdown bedeutete, dass die NASA auch nicht für die Hotelrechnungen aufkam. Das stärkte die Zusammengehörigkeit der Gruppe enorm, denn sie wurden von den Ingenieuren des MSFC daheim oder bei Bekannten und Verwandten untergebracht.

17 Tage sind eine lange Zeit und so lernte man sich nicht nur kennen, sehr bald ärgerte man sich über eine Führungsriege die diese nationale Katastrophe zuließ und man erarbeitete einen Plan, diese bis auf die Knochen zu blamieren. Zeit genug hatte man ja. Und so präsentierte man den Vorgesetzen ein Konzept. Ein geniales Konzept und eines das beim Durchrechnen auch realistisch war. Es begeisterte jeden der es zu Gesicht bekam, lief ganz schnell in der Hierarchie nach oben und am Dienstag wollte Boulden nach Rücksprache mit Obama den neuen Kurs ankündigen.

Wenn 2020 die schon verlängerte Mission der ISS zu Ende geht, enden auch die Verpflichtungen der NASA für einen Weiterbetrieb. Dich anstatt die Station zu versenken wird ein MPCV andocken und sie in eine höhere, etwa 550 bis 600 km hohe Umlaufbahn schieben. Dort wird sie dann von einem STM (SLS Transfer Modul) genannten Modul besucht. Es koppelt an die ISS an, entfaltet seine Solararrays und ihre VASIMIR Triebwerke zünden. Die leichtgewichtigen Solararrays stammen von ATK, die schon welche für die Orion entwickelte, das VASIMIR Triebwerk von der ad Astra Company.

Das erste STM wird die ISS in einen geostationären Orbit bringen. Wenn sie nach etwa neun Monaten dort angekommen ist startet eine weiterer MPCV, diesmal mit der SLS. Die Besatzung wird dort neben spektakulären Aufnahmen der Erde vor allem das Reparieren von Satelliten und das bugsieren in einen Graveyard Orbit erproben. Sie wird auch einen Satelliten an die ISS ankoppeln. Gedacht ist an TDRS 9+10 die zu diesem Zeitpunkt ihr Missionsende erreicht haben sollten. Nach zwei Monaten sind die mit dem MPCV mitgebrachten Vorräte erschöpft und die Besatzung kehrt zur Erde zurück.

Später, je nach Finanzlage, denn der Orbit der ISS ist dort oben für Jahrtausende stabil, kommt der zweite STM. Er bringt die ISS in einen Mondorbit. Dies dauert weitere 9 Monate. Dort wird dann die Station ein zweites Mal von Astronauten besucht. Sie werden spektakuläre Erdaufgänge fotografieren und die Station mehrmals absenken sodass sie im Niedrigflug spektakuläre Aufnahmen der Mondoberfläche anfertigen wird, darunter die Apollolandeplätze.

Das STM wird dann die ISS erneut anheben und zum L2-Librationspunkt bringen. Dort kann sie echt lange verbleiben, während der Mondorbit ohne Korrekturen rasch instabil wird. Hier kann, wenn die Finanzierungslage es zulässt, ein weiteres STM ankoppeln und die ISS in einen Marsorbit bringen. Dies dauert etwa zwei Jahre. Damit allerdings eine Besatzung dort die ISS besuchen kann ist dann ein größeres Programm nötig. Längere Aufenthalte der Astronauten an Bord wären durch Frachtraumschiffe wie sie schon verfügbar sind denkbar.

Soweit der während des Shutdowns erarbeitete Vorschlag. Er fiel sofort auf fruchtbaren Boden und durchlief die gesamte NASA Administration bis hin zu Boulden. Jeder war fasziniert - ein bemanntes Programm das durchführbar ist, trotzdem neue Herausforderungen bietet und die Öffentlichkeit faszinieren dürfte. So war denn auch für Dienstag eine Pressekonferenz geplant in dem das neue Projekt öffentlich bekannt gemacht werden sollten. Da zogen am Freitag die Autoren die Reisleine. Das Konzept war zwar durchgerechnet sowohl technisch, wie auch finanziell und die Abschätzungen für die Zeitpläne auf Basis der Erfahrungen bei anderen Projekten gemacht worden, es gab nur ein kleines Aber...

Das "Aber" war das man dies komplett ohne NASA Beteiligung gemacht hatte, als kleinen Racheakt für die zwei Wochen Zwangsurlaub. Weder bei den Kosten noch bei dem Zeitplan wurde irgendeine Beteiligung der NASA-Managements oder ihren Unterorganisationen wie den einzelnen Centern vorgesehen, sondern die Basis war was es kosten und wie lange es dauern würde, wenn die Industrie das Projekt durchführt.

Das war natürlich nicht hinnehmbar, mit NASA-Beteiligung sähe es aber komplett anders aus. Die Erfahrung in der US-Raumfahrt lehrt, das die Beteiligung der NASA enorme Kosten addiert. Ein Start einer US-Rakete kostet bei NASA-Nutzlasten 30% mehr als bei kommerziellen Nutzlasten. Dabei liegt diese Steigerung nur in den Startservices. Die Rakete ist die gleiche. Ein Kommunikationssatellit basierend auf einem kommerziellen Bus kostet als TDRS oder Milstar leicht das doppelte eines Kommunikationssatelliten für einen Betreiber von Satellitendiensten und als die NASA die Wartung der Space Shutles in den Neunzigern privatisierte  wurden die Wartungskosten um 60% gesenkt. Daneben rechnet man mindestens zwei Jahre Verzögerung alleine durch die überall nötigen Gegenprüfungen und Genehmigungsverfahren.

So wird die Reise der ISS zum Mond wohl immer nur auf dem Papier stattfinden.

Nachlese zum 9.11 / der Friedensvertrag

Ich weiss, ich habe das Thema schon mal aufgegriffen, wahrscheinlich jedes Jahr aufs neue. Es geht um den 9.11. Immer wenn sich das Datum jährt sind die Nachrichten voll mit Rückblenden und es gibt Berichterstattung über Gedenkfeiern, diesmal mit Gauck. Was (fast) komplett unter den Tisch fiel (ich habe nur im Heute Journal einen Satz drüber gehört) ist, dass am 9.11 natürlich auch die Mauer fiel, ein Ereignis, das ich persönlich für viel bedeutender halte. Die Reichsprogromnacht war ein staatlich verordneter Akt durch die SS/SA gegen die Juden. Er wurde nicht von dem Großteil der Bevölkerung getragen und es gab auch Widerstände dagegen. Dagegen betraf der Fall der Mauer alle, es wahr auch etwas was Hunderttausende direkt betraf, weil sie waren daran beteiligt.

Vor allem ist der 9.11. ja noch in anderer Hinsicht in der deutschen Geschichte verankert, und bis auf die Reichsprogromnacht sind alle Daten positiv besetzt:

Mir fallen dann noch einige weitere Daten ein:

Alles bis auf die 2007 beschlossene Vorratsdatenspeicherung ein positives Ereignis. Zum letzten: ich bin mir sicher in 50 Jahren wird man wohl dieses Gesetz mehr gedenken als der Reichsprogromnacht als Einstieg in die totale Überwachung der Bürger.

Dann gibt es ja noch den fehlenden Friedensvertrag. Na ja es gibt nicht den Friedensvertrag, aber zig Verträge die ihn ersetzen wie das Petersberger abkommen, Verträge über Gründung der EG oder Mitgliedschaft in NATO und UN. Aber ich halte das für nicht mehr ungewöhnlich. Seit dem zweiten Weltkrieg gibt es keine Friedensverträge mehr. Denn dazu müsste es ja Kriege geben. Also so richtig wie noch im ersten Weltkrieg mit Kriegserklärung und Friedensvertrag nach Konfliktende und Reparationen. Ohne Friedensvertrag ist das Leben als Siegermacht viel einfacher. So kann man die Regierung vor Gericht stellen (Nürnberger Prozess) das geht schlecht wenn man mit ihr verhandeln muss. Man kann unbegrenzt ein Land besetzen.

Weils in Deutschland so gut funktioniert hat, hat man das seitdem immer so gemacht. Der Nordkoreakrieg endete ohne Friedensvertrag, genauso der Afghanistankonflikt (sowohl der von 1979 wie von 2011) genauso wie die anderen Invasionen, asymmetrischen Konflikte oder Militäraktionen der USA und da gab es ja einige. Inzwischen gibt es ja auch keine Kriegserklärung mehr. Man marschiert einfach ein wie in Grenada und Panama oder man setzt Ultimaten wie vor dem Einmarsch in den Irak. Nicht mal der Vertrag von Paris wird als Friedensvertrag zwischen Nordvietnam und den USA bezeichnet. Vor allem für die USA ist das von Vorteil. Neben den Möglichkeiten der Besetzung und "Umerziehung" von Ländern ist natürlich ohne Kriegserklärung und ohne Friedensvertrag auch kein Krieg. Kriege sind doch unpopulär, selbst in den "ich erschieß dich wenn Du mein Grundstück überquest"-USA.

Also muss man sich nicht wundern wenn wir noch keinen Friedensvertrag haben. Dann muss man sich auch nicht wundern wenn wir ausspioniert werden, es ist ja noch Krieg....


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