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Web Log Teil 36 : 25.8.2007-

Samstag 25.8.2007: Über den Mond zurück zur Erde.

Beim Schwimmen kommen mir immer wieder gute Ideen. Ich war eigentlich beim Überlegen was ich noch an meiner Dauer-Softwarebaustelle zur Berechnung der Leistung von Trägerraketen und Bahnen machen könnte als mir beim Überlegen über die Bahnen mal einfiel, dass man einmal einen Satelliten der in einem falschen Orbit landete über den Mond in den geostationären Orbit brachte. Ich dachte mir das ist es doch wert mal genauer untersucht zu werden.

Ein "normaler" Kommunikationssatellit durchläuft folgende Phasen wenn er in einen geostationären Orbit gebracht wird:

Eine Trägerrakete transportiert den Satelliten in einen Übergangsorbit. Dessen erdnächster Punkt ist relativ nahe an der erde (die Höhe ist von dem Aufstiegsprofil abhängig und liegt meist zwischen 170 und 600 km Höhe). Der erdfernste Punkt liegt in der Höhe des geostationären Orbits also etwa 35900 km über der Erdoberfläche.

Dort angekommen, nach einem halben Umlauf zündet der Satellit seinen Antrieb um zum einen die Bahnneigung zum Äquator abzubauen und zum anderen Geschwindigkeit aufzunehmen, so dass er die kreisförmige Bahn in 35887 km Höhe erreicht.

Typische Werte für die Geschwindigkeit sind für die erste Bahn 10228 m/s und beim zweiten ist die abhängig von der geographischen Breite. Beim Start von Kourou aus etwa 1500 m/s. Beim Start von Cape Canaveral aus etwa 1800 m/s, da dieses nördlicher liegt. Zusammen also in etwa 11730-12030 m/s.

Was würde nun geschehen wenn man den Mond benutzen würde um Geschwindigkeit zu sparen? Eine Bahn zum Mond benötigt etwa 10930 m/s, also 700 m/s mehr als zum Geostationären Orbit. Der Mond ist kein großer Himmelskörper aber er kann die Geschwindigkeit eines Satelliten um 800-1000 m/s pro Vorbeiflug ändern. 2 Vorbeiflüge müssten auf jeden Fall ausreichen um zum einen die Inklination auf wenige Grad abzubauen und einen Orbit von 35900 x 384400 km einzuschlagen, also einen Orbit dessen niedrigster Punkt im geostationären Orbit liegt und dessen höchster Punkt bei der Mondumlaufbahn liegt.

In diesem Orbit müsste der Satellit dann im geostationären Orbit angekommen nur abbremsen und wäre ebenfalls ein geostationärer Satellit. Dazu braucht er etwa 1050 m/s. Addiert man beides zusammen, so ist der Geschwindigkeitsbedarf bei 11980 m/s, also gleich viel wie beim Start vom Cape aus, und schlechter als ein Start von Kourou aus. Darüber hinaus dauert es mindestens einige Wochen,  eventuell Monate bis man den Satelliten so im Zielorbit hat. Bei dem Satelliten war es auch ein Notbehelf, weil er in einem falschen Orbit landete.

Für die Proton könnte diese Vorgehensweise jedoch interessant sein. Sie startet von Baikonur aus, sehr weit nördlich und ihre Nutzlastkapazität nimmt zum geostationären Orbit hin stark ab. So ist bei der aktuellen Version Proton M die Nutzlast für einen erdnahen Orbit genauso groß wie bei einer Ariane 5 ECA, im geostationären Orbit liegt sie aber bei nur 5.5 t gegenüber 9.2 t und bei der vorherigen Version waren es sogar nur 4.35 t. Auch die Sojus transportiert von Kourou aus 2.7 t in den geostationären Orbit, von Baikonur aus sind es nur 1.8 t. 

Wahrscheinlich ist es aber eher sinnvoll eine Basis nahe des Äquators einzurichten als diesen Aufwand zu treiben.

Sonntag 26.8.2007: TFT Fernseher

Ich habe nachdem die Flachbildfernseher im letzten Jahr kräftig billiger geworden sind erwogen mir doch einen zu kaufen. Grund dafür ist nicht so sehr dass ich mir nun wahnsinnig tolle Sendungen erhoffe, oder "HD-Ready" sein will (zumal die öffentlich rechtlichen HD TV nicht vor der Winterolympiade in Turin 2010 ausstrahlen werden und ich denke die Privaten lassen sich eher noch mehr Zeit wie man auch an anderen Dingen sieht wie der Produktion von neuen Sendungen in 16:9.

Nein die Gründe waren ganz profan: Ich habe Südseite in meinem Wohnbereich und wohne im Obergeschoss mit der Dachschräge. Das schränkt den platz bei dem Man Monitore oder Fernseher aufbauen kann auf zwei Orte links und rechts neben den Fenstern an der Dachschräge ein. Links ist der Fernseher, rechts der Computer. Die Dachschräge setzte der Größe der Röhre Grenzen: 55 cm waren möglich. Durch das 16:9 Format, den dünneren Rand um das TFT wäre, je nach Fabrikat ein 66-70 cm Flachbildschirm möglich, d.h. ich bekomme eine 30 % größere Diagonale. Das weckt Begehrlichkeiten. Weiterhin schaue ich viel öffentlich rechtliches, vor allem Wissenschaftssendungen und Dokumentationen und das kommt mittlerweile alles in 16:9. Es gibt also zwei stichhaltige Gründe neben den gefallenen Preisen für einen neuen Fernseher.

Doch ich war schlau genug im nächsten Elektronikmarkt mir einige TFT Fernseher anzusehen. Dabei gab es auch die Röhre als Vergleich. Der fiel nicht gut aus. Viele hatten Probleme mit der Farbendarstellung. Einige in der oberen Reihe waren so blickwinkelabhängig, dass man vom unteren Teil schon nichts mehr beim schräg nach oben schauen erkennen konnte. Doch selbst die besseren zeigten ein verwaschenes Bild und teilweise Geisterschatten, d.h. neben starken Kontrasten erscheinen eeine Linie mit dem Übergang etwas vom Übergang entfernt. Dabei gab es wenig Bewegung im Programm - Es war nicht etwa ein Actionfilm sondern ein Interview im Frühstücksfernsehen das ich sah.

Ne, also da denke ich kann ich noch abwarten. Zumal ich - wenn ich den Computerzeitschriften glauben kann noch mit anderen Problemen rechnen kann wie Schlieren bei schnellen Bewegungen oder ruckelnde Bilder. Die Probleme sind zum Teil hausgemacht. Die Panels stammen aus Produktionsstraßen die einmal für den PC Betrieb eingerichtet wurden, obwohl sich sicher kein PC Benutzer einen 100 cm Monitor auf den Tisch stellt. Die gesamte Elektronik arbeitet mit PC Standards. So muss die Bildrate des Fernsehens von 24 oder 25 Herz (je nach NTSC/PAL Standard) auf 60 Hat transferiert werden. Die Auflösung der meisten Displays liegt bei 1366 x 768 Punkten - und nicht etwa bei 1280 x 720 wie es der 720p Standard vorsieht. Dazu muss man skalieren. Intelligenter wäre es einmal die Produktion umzustellen, denn der Fernsehmarkt ist um einiges größer als der PC Markt. Jeder hat einen Fernseher, die meisten Haushalte haben 2 oder 3, doch PC's hat noch nicht jeder, nicht einmal in den Industrieländern.

In letzter Zeit nutze ich sowieso mehr den Dienst des TV Online Rekorders um Fernsehen anzusehen wenn ich es will, und lege mich gemütlich aufs Bett und sehe mir die Sendungen auf dem Monitor an. Da wäre ein zweiter Monitor besser. Schade nur, dass ich keinen drehbaren habe - ein zweiter Drehbarer 19" Monitor würde um 90 Grad gekippt einen 27" Monitor mit 2048 x 1280 Punkten ergeben - genau 16:10 Format. Okay, mit einem Balken in der Mitte, aber eine preiswertere Lösung als einen 26" Wide Screen Monitor zu kaufen.Weiterhin wäre es auch für das Arbeiten besser, weil zwei Monitor nebeneinander schon recht viel Fläche wegnehmen und man dann dauernd beim arbeiten den Kopf drehen muss. Nun ja, vielleicht lege ich mir noch einen zweiten 19 Zöller zu- Schaun mer mal.

Montag 26.8.2008: Was gibt es neues von der EC-B Oberstufe?

Antwort: Nichts!

Die Ariane 5 wurde als Trägerrakete für Hermes entwickelt und erst später als dieses Projekt eingestellt wurde angepasst für den Start von geostationären Satelliten. Dafür war sie nie besonders gut geeignet. die Oberstufe war zu klein und verwendete Treibstoffe mit zu geringem Energiegehalt. So verwundert es nicht, dass man schon kurz nachdem sie in Dienst ging beschloss eine adäquate Oberstufe zu bauen. Zuerst als Übergangslösung die EC-A mit dem Triebwerk HM-7B der Ariane 4, welche immerhin die Nutzlast von 6.7 auf 9.6 t anhob und als endgültige Lösung die EC-B welche 2006 erscheinen sollte. ein neues Triebwerk - Vinci - sollte billiger herzustellen sein, fast dreimal so viel Schub liefern, dadurch doppelt so viel Treibstoffzuladung zulassen und weitere 2 t Nutzlast ermöglichen - bei etwa denselben Kosten.

Als das Vulcain 2 Triebwerk, welches zeitgleich eingeführt wurde Probleme beim Jungfernstart dieser Version hatte wurde die Entwicklung eingestellt und die Gelder dafür für einen weiteren Testflug und ein Unterstützungsprogramm für Ariane 5 verwendet. Das war 2002. Spätestens letztes Jahr als die EC-A schon wieder erfolgreich flog hätte man sich bequemen können bei der Ministerratssitzung einen Entschluss zu fassen. Man hat es aber nicht getan, weder die Einwicklung einzustellen, noch sie wieder aufzunehmen. So ist das Thema vertagt bis 2008. Von da aus dauert es dann auch noch mindestens 3-4 Jahre bis die Oberstufe dann einsatzbereit ist - wenn man die Entwicklung wieder aufnimmt.

Dabei läuft die Zeit gegen Ariane 5. Der Trend seit es Kommunikationssatelliten gibt ist es dass sie schwerer werden - mit mehr Sendeleistung, mehr Transpondern. Ei großer Satellit ist einfach wirtschaftlicher als mehrere kleine. Ariane 5 lebt davon mehrere Satelliten auf einmal zu transportieren. Sie kann nicht wie die Proton oder Zenit über den Preis punkten und den amerikanischen Trägern wurde zum Verhängnis, dass sie nur einen Satelliten transportierten, obwohl preislich nicht so weit von Ariane 5 entfernt. 

Die 9.6 t Nutzlast ist die Gesamtnutzlast in den Orbit. Rechnet man Adapter zu der Oberstufe und die Doppelstartvorrichtung für den unteren Satelliten weg, so sind es netto noch 8.8 t. Das ist heute kein großes Problem. Die meisten Satelliten liegen im Bereich von 3-5 t. Zwei davon kann man bei geschickter Wahl transportieren. Doch sie werden größer. Die Intelsat 11 Serie wiegt 5.5 t und die größten Exemplare heute 6.5 t. Schon bei einem 5.5 t Satelliten ist es schwierig ein leichtes Gegenstück zu finden und bei einem 6.5 t ist es praktisch unmöglich. Die Ausschreibung der ESA für einen leichten Kommunikationssatelliten mit einer Nutzlast von 300 kg und einem Leistungsbedarf von 3 kW die dieses Jahr an OHB ging hat sicher auch den Grund hier eine Plattfrom zu schaffen die dann zusammen mit einem großen Satelliten gestartet werden kann.

Das zweite ist die Konkurrenz: Die Proton kann mit der Breeze Oberstufe nun 5.5 t in einen Orbit bringen, vorher waren es 4.35 t. Die Zenit sogar 6000 kg. Auf der anderen Seite kommt von der Sojus die ab 2009 auch von Kourou aus startet Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Die modernisierte Version Sojus 2 kann zusammen mit dem geographisch günstigeren Startplatz 2.7 bzw. 3.0 t transportieren, so dass dies für kleinere Satelliten eine ernstzunehmende Konkurrenz ist.

Was bleibt? Nun die Entwicklung der EC-B schnell möglichst wieder aufzunehmen. Viel mehr als die dann erreichten 11.6 t werden mit einer Oberstufe alleine nicht gehen. Eine schwere Oberstufe steigert die Nutzlast nur langsam, dafür steigen die Gravitationsverluste bedingt durch das schubschwache Vulcain 2 Triebwrrk rasch an. eine 40-50 t Stufe erhöht die Nutzlast nur auf 12.2-13 t, bei allerdings dann stark ansteigenden Fertigungskosten.

Der nächste Schritt ist zumindest auf dem Papier schon überlegt: Ein Vulcain 3 soll die Nutzlast um 700 kg steigern. Es senkt durch seinen Schub von 1500 kN vor allem die Gravitationsverluste. Die Energieausbeute ist etwas geringer als beim Vulcain 2 um es preiswerter fertigen zu können und es ist besser auf den Betrieb in größeren Höhen angepasst.

Neue Boostergehäuse sollen die Edelstahl Hülsen ersetzen. Kohlefaserverbundwerkstoffe finden bei der Vega ihren Einsatz und sollen dann übernommen werden. Die leichteren Gehäuse sollen weitere 1500 kg Nutzlast liefern. Zusammen mit anderen Maßnahmen soll man so 15 t Nutzlast zu einem um 15 % niedrigeren Preis erreichen, so der Plan "Ariane 2010" der CNES. Er ist aber wie die EC-B Entwicklung erst einmal aufs Eis gelegt.

Mittwoch 29.8.2007: 50 Jahre Raumfahrt - Die Erforschung des Mondes

Bei keinem anderen Gebiet sieht man den "Wettlauf im All" so sehr wie bei der Erforschung des Mondes. Schon ein Jahr nach Sputnik gab es die ersten Versuche den Mond zu erreichen. Dabei ging es nur um einen nahen Vorbeiflug bzw. im Falle der Sowjetunion um einen Aufschlag.  Ein Jahr nach dem ersten Satelliten waren Trägerraketen noch sehr unausgereift, die Genauigkeit gering. So verwundert es nicht das sowohl USA wie auch die UdSSR einige Anläufe brauchten um dieses Ziel zu erreichen. Die USA versuchten sich dann an einem kleinen Mondorbiter, den Pioneer P Sonden, doch alle Versuche eine zu starten schlugen fehl. Die UdSSR konzentrierte sich zuerst auf eine Umfliegung der Mondrückseite und die Gewinnung von Bildern dieser, die von der Erde aus nicht einsehbar ist. Als dies gelang mit Luna 3 war es eine Sensation, obwohl die Bilder selbst nach damaligen Maßstäben recht schlecht waren. Danach folgte sofort eine Landung, die jedoch erst nach vielen Fehlversuchen mit Luna 9 gelang.

Die USA hatten zu diesem Zeitpunkt schon das Mondlandeprogramm Apollo beschlossen und so wurden unbemannte Projekte als Vorbereitungsmissionen ausgelegt. Das erste war das Ranger Projekt. Ranger sollte zuerst beim Aufschlag Bilder zur Erde übermitteln und dann eine Meßkapsel auf der Oberfläche aussetzen. Man erwartete durch besondere Isolierung, dass sie den harten Aufschlag überleben würde. Doch die Sonden erwiesen sich als äußertst komplex, es gab Fehler im Management und zum Überfluss versagten auch die Trägerraketen. Kurzum: Die ersten 5 Ranger Sonden waren allesamt Versager. Danach wurde das Programm total umgekrempelt und nun sollten nur noch Videoaufnahmen vor dem Aufschlag gemacht werden, was nach einem weiteren Versager mit den drei letzten Ranger Sonden auch gelang.

Danach folgte das Projekt Lunar Orbiter. 5 Orbiter sollten vordringlichst potentielle Apollo Landegebiete aus dem Orbit fotografieren. Als "Nebenprodukt" fertigten sie auch eine topographische Karte des Mondes in geringerer Auflösung an. Lunar Orbiter war sehr erfolgreich. Die 5 Orbiter übermittelten Fotos von hervorragender Qualität und entdeckten erstmals die Störungen des Gravitationsfeldes unter den Maren. Auch hier zog die UdSSR mit Luna 10 vor, allerdings gab es kein Programm für Mondorbiter, stattdessen rüstete man nur das Busmodul der Landesonden mit Experimenten für den Orbit aus. Wie die Landesonden war der Orbiter batteriebetrieben, so das er nur einige Wochen im Orbit arbeiten konnte.

Das Gegenstück zu den Luna 4-9 Landesonden war auf US Seite die Surveyor Sonden Reihe. Von 7 gestarteten landeten auch 5. Sie übermittelten nicht nur Aufnahmen der Mondoberfläche, sondern überlebten obwohl ohne Stromversorgung und Heizung die kalte Mondnacht, was man nicht erwartet hatte. Danach kannte man wesentliche Parameter des Mondbodens und wusste, das Apollo sicher landen konnten.

Die UdSSR verfolgte zu dieser Zeit drei Programme. Zum einen eine bemannte Mondumrundung mit einem umgebauten Sojus Raumschiff, gestartet von einer Proton. Dieses wurde unbemannt unter dem Namen Zond getestet wobei man auch Schildkröten zum Mond schickte und Farbaufnahmen beim Vorbeiflug gewann. Um einer bemannten Mondumrundung der Sowjets vorzukommen strich man bei der NASA sogar einen Erdorbittest und startete mit Apollo 8 direkt zum Mond. Allerdings erreichte die Kapsel nie die Zuverlässigkeit die für eine bemannte Mission notwendig war, so dass man das Programm nach der Mondlandung von Apollo 11 einstellte.

Das zweite war eine Mondlandung wie bei Apollo. Jedoch versagte die dafür notwendige Trägerrakete N-1 "Herkules" bei allen Testflügen. Das letzte war eine "Absicherung" gegen diese Versager: Eine unbemannte Bodenprobenentnahme durch automatisierte Sonden. Einige davon scheiterten. Doch 3 Sonden brachten knapp ein Pfund Mondgestein zur Erde. Auch hier nutzte man die schon entwickelte Hardware später für Mondorbiter und die Landung von zwei Lunochods - Fahrzeugen die von er Erde aus über den Mond gesteuert wurden und bis zu 37 km zurücklegten. Insgesamt war dieses späte Luna Programm so erfolgreich, dass die Sowjets schlichtweg behaupteten, sie hätten nie die Absicht gehabt bemannt zum Mond zu fliegen und ihr Programm hätte mit wesentlich geringerem Materialeinsatz mehr Resultate gebracht.

In der Tat besteht die Hauptausbeute von Apollo heute in den über 380 kg, meist von kundiger Hand ausgesuchten Bodenproben. Die Wissenschaft musste hinten anstehen. Die Astronauten bauten noch Stationen auf, welche bis 1977 Daten über den Mondboden, Erdbeeben oder die Sonnenaktivität zur Erde sandten. Die letzten Missionen setzten auch Instrumente in dem Kommandomodul wie Stereokameras oder ein Gammastrahlenspektrometer. Auch stieg die Reichweite durch mehr Vorräte in den Landekapseln und Mondautos an.

Doch mit dem Start der letzten Apollomission 1972 und der letzten Luna Sonde 1976 war der Mond abgehakt. Die nächsten 25 Jahre erhielt er nur einmal Besuch von dem experimentellen Mondorbiter Hiten. Der Grund: In den USA verschlang zuerst das Shuttle fast den ganzen NASA Haushalt, erst für die Entwicklung, dann für den Betrieb, zudem änderten sich die Prioritäten der Regierung und unter Reagan sank das NASA Budget. Gleichzeitig erschienen Missionen zu den Planeten interessanter zu sein. Erst mit der Spekulation ob es Wasser auf dem Mond gäbe und man vielleicht dann dort eine größere Mondbasis betrieben könnte wurde er in den neunziger Jahren wieder interessanter.

Danach setzte eine Rückbesinnung auf den Mond ein. Den Anfang machte 1999 Lunar Prospektor, die nach Wasser auf dem Mond suchte. Ihm folgte 2003 die europäische Technologiesonde SMART-1. In den nächsten Jahren werden einige Raumsonden folgen. China, Japan und Indien planen Starts von Raumsonden in diesem und den nächsten 2 Jahren. Die USA wollen ebenfalls eine neue Raumsonde starten und selbst die DLR schlug eine deutsche Mondsonde vor. Aufgrund der schnellen Erreichbarkeit ist der Mond so ein ideales Sprungbrett für das Training von Planetensonden. Man braucht allerdings kein Netzwerk von großen Bodenstationen und so verwundert es nicht, das China und Indien ihre ersten planetaren Schritte zum Mond machen.

Zuletzt wollen auch die Amerikaner zurück zum Mond. Wann ist noch offen. Der Termin verschiebt sich immer weiter nach hinten. War vor 3 Jahren noch von 2017 die Rede so ist nun von 2019 als frühestem Termin einer bemannten Landung die Rede. Das ganze Programm hat noch nicht einmal richtig begonnen, da die Mittel für es erst frei werden, wenn Space Shuttle und ISS außer dienst gestellt werden. In einem so frühen Stadium ist es auch nicht ganz unwahrscheinlich, dass der nächste Präsident der USA eine andere Raumfahrtpolitik als G.W. Bush verfolgt und das Projekt ganz einstellt.

Freitag 31.8.2007: Moden

Mal wegen von meinem Dauerthema Raumfahrt, Ich habe vor einiger Zeit mal mit jemanden über Moden im allgemeinen und über den schon seit länger anhaltenden Trend zu Körperschmuck im Besonderen diskutiert und man die letzten Jahrzehnte in Revue passieren lassen. Bewusst miterlebt habe ich alles ab den siebzigern und da fällt mir einiges an Modesünden ein. In den siebzigern die Plateauschuhe, die bunten Herrenhemden mit den riesigen Krägen, in den späten siebziger Jahren der Jeans Einheitslook, d.h. nicht nur Jeanshose, sondern auch Jeanshemd und Jeansjacke, der sich bin in die achtziger gehalten hat (und die DDR zeitverzögert erreicht hat), man achte mal auf die Kleidung wenn mal wieder Berichte vom Mauerfall kommen). In den achtzigern der Trend zu Pastellfarben und Ökobekleidung (viel Wolle, viele Brauntöne) und heute ? Seit einem Jahrzehnt eingeführt beide er Jugend ist der Gettolook wahlweise in viel zu großen Klamotten oder im Edel Freizeitanzug in Polyester von Nike oder Adidas. Bei Erwachsenen der nun schon auslaufende Trend mit den Cargo Hosen (Sie wissen schon die Hosen die Taschen auf Kniehöhe, die eigentlich nur überflüssig sind) und der Trend zu Kleidung in Tarnfarben wie beim Militär.

Wenn ich zurückdenke gab es immer wieder solche Trends, in den 20 ern der Bubikopf bei den Frauen, in den fünfzigern die Schmalzhaartolle und der Petticoat. Wie kommt es zu solchen Modewellen? Nun sicher haben Zeitschriften und Prominente eine Vorbildfunktion. Viele wollen einfach dann Kleidung, Frisur oder Make-up haben welche den Vorbildern ähnelt. Meiner Ansicht nach ist das dann wie ein Nachfrage - Angebot Trend: Das Zeugs verkauft sich, also ordern die Kaufhäuser und Boutiken mehr davon. Es wird mehr produziert und es wird billiger. Im Kaufhaus nimmt es nun mehr Fläche ein und mehr Leute werden drauf aufmerksam, weil es ja "neu" ist und es kauft sich mehr und das ganze erhöht die Nachfrage. Das ganze geht so lange bis eine Sättigung erreicht ist und die Nachfrage abnimmt.

Das entscheidende dran: ab einem bestimmten Zeitpunkt fehlen die alternativen oder sie werden teuer. Ich kann mich noch an die achtziger erinnern und die Nöte ein T-Shirt zu bekommen, das nicht pastellfarben oder grell-bunt war. (Heute habe ich das Problem wenn ich ein T-Shirt mit einem schönen Muster ohne einen Brandnamen haben will). Das komische dabei: Normalerweise weiss man zum Kaufzeitpunkt auch das etwas scheisse aussieht, kauft es aber trotzdem, weil jeder darin rum läuft und man so nicht ausfällt.

Das interessante an solchen Trends ist, dass nach dem Auslaufen einer Welle die Leute so genug von etwas haben, dass es ganz in der Versenkung verschwindet. Ende der 80 er Jahre / Anfang der neunziger gab es durch die ersten Blüten einer etwas freieren Wirtschaft in China bei uns Seidenhemden und Seitdenblousons zum Spotpreis. Ich habe auch welche gehabt, weil sie einfach sehr angenehm zu tragen waren. Nur die Farben waren mit Senf-grün und Rosa nicht mein Ding. Die Blousons die sehr gute Windjacken waren gab es aber auch in bedeckten Farben und ich habe zwei davon bis heute. Beide sind nun ziemlich abgetragen und seit einigen Jahren schaue ich nach neuen - aber es gibt sie nicht mehr. Sie waren mal Mode und nun sind sie es nicht mehr, obgleich sie sehr bequem und leicht sind.

Was seit etwa 10 Jahren neu ist, ist der Trend zu Körperschmuck, verursacht vor allem durch prominente Jungstars. Es fing mit Tattoos an, dann folgte Piercing und das letzte ist soweit ich weiss Branding. Hier hört meiner Ansicht nach die Mode auf. Tattoos um damit mal anzufangen haben primär nicht die Aufgabe zu schmücken. In den Gesellschaften von denen  sie herkommen. In Polynesien war es die rituelle Bedeutung die in unserer Gesellschaft nicht gegeben ist. Bei "Knasttattoos" war es die Rangfolge und Kastenzugehörigkeit bei Seeleuten die Abgrenzung von anderen oder die Übernahme dieses Brauches von den Polynesien. Bei allen gibt es einen tiefen emotionalen Bezug zu einer Tätowierung und das gibt es sicher auch bei dem einen oder anderen heute, der sich tätowieren lässt.

Für die große Masse ist es einfach ein "schickes" Modeaccessoir, das gerade "in" ist. Es gibt einige Gründe sich dies gründlich zu überlegen: Zum einen ändert man seine Meinung mit der Zeit. Sicher jeder sagt, er hat sich das gut überlegt, aber ein Tattoo ist keine Entscheidung für einen Hausbau, bei dem man weiss, dass man Jahrzehnte daran abzuzahlen hat. Es erscheint zuerst einmal eine Sache von einigen Stunden und man vergisst sehr leicht, dass es für (nahezu) immer ist. vor allem ist was heute bei einer 20 jährigen "hipp" ist mit 40 dann vielleicht etwas deplatziert und mit 60 wirkt es dann schon komisch. Demgegenüber sind Piercings ja fast noch harmlos, denn man kann sie wenigstens entfernen. Manchmal wächst das Gewebe dann auch wieder zu, zumindest sieht man äußerlich nichts mehr davon. Das es eine Modeerscheinung ist und weniger mit richtigen Überlegungen zu tun hat, sieht man daran, dass Brandings weitaus seltener vorkommen als Tätowierungen. Warum? Im Gegensatz zu Tattoos sind Brandzeichen echt schmerzhaft. Wenn sich jemanden, das gut überlegt und es für die Ewigkeit haben will, dann sollten ihm diese einmaligen Schmerzen ja wohl nichts ausmachen - aber wenn es eben doch nur das Produkt einer Laune ist dann schon. 

Meinen Respekt haben Leute die sich von Moden fernhalten und ihren eigenen Stil verfolgen. So langsam aber sicher entwickele ich mich auch dazu. Meistens schaue ich bei der Kleidung aber eben auch auf den Preis und da liegt dir Crux: sobald etwas Mode ist, überschwemmt es den Markt und "nicht modisches" wird teurer. Doch ich gebe mir Mühe. Zumindest ist meine neue Garderobe die ich seit dem Diät ende habe ein Schritt in die richtige Richtung.

Samstag 1.9.2007: Wiederverwendbare Raumtransporter - Am Beispiel Hopper

Es ist still geworden um wiederverwendbare Systeme um in den Orbit zu gelangen. Die Ares I+V Raketen werden Verlustraketen sein. Bei Kliper ist die Finanzierung offen und nur die Fähre selbst ist wiederverwendbar. Russlands Ideen für die Bergung von Stufen beschränkten sich auf die Energija Booster und von Hopper/Phoenix hört man auch nichts mehr.

Das ist nicht verwunderlich, denn so einfach ist die Sache nicht. Am logistischen wäre es die ersten Stufen zu bergen. Das hat man in der Vergangenheit auch untersucht und es wird auch bei den Shuttle Boostern gemacht. Doch in den meisten Fällen kam man zu dem Schluß, das es sich technisch oder finanziell nicht lohnt. Technisch, z.B. weil bei einer leeren Stufe mit flüssigen Treibstoffen der Schwerpunkt durch die Triebwerke weit unten liegt und die stufe neigt sich zu überschlagen, was eine Fallschirmlandung unmöglich macht. finanzielle, weil bei den teuren Stufen mit Triebwerken diese auch empfindlich sind. Ein Aufschlag mit 100 km/h auf das Meer wie er bei einer Fallschirmlandung üblich ist mit der Abkühlung der Triebwerke von einigen Hundert Grad Celsius auf Zimmertemperatur ist eine solche Beanspruchung dass man nach der Bergung so aufwendig das Triebwerk untersuchen müsste, dass die Kosten sich den Herstellungskosten nähern. (Die zum größten Teil aus Qualitätssicherungskosten bestehen). Feststofftriebwerke sind dagegen so preiswert, dass sich die Bergung finanziell kaum lohnt. Die einzigen Ausnahmen sind die Space Shuttle Booster, die extrem teuer sind wegen der hohen Sicherheitsanforderung für bemannte Einsätze.

Bleibt nur eine weiche Landung wie ein Flugzeug. Dann muss man aber an die Konzeption eines komplett neuen Raumfahrzeugs gehen. Neben einigen praktischen Hindernissen wie - Wo soll man landen ? (Hintergrund: Alle Startplätze mit Ausnahme der UdSSR liegen am Meer, so dass man nur auf einer Insel landen kann, was Einschränkungen für die erlaubten Flugbahnen bedeutet). gibt es ein grundsätzliches Problem: Das liegt in folgenden Tatsachen:

Hopper, zeigt in etwa die Misere. Es gibt wenige Daten über das System, doch aus den Animationen und Daten kann man einiges ableiten. Hopper soll 7.5 t auf 5400 m/s beschleunigen. (Das ist noch keine Orbitalgeschwindigkeit. Bei einer Feststoffoberstufe entspricht dies etwa 2.7 t in einen 200 km hohen Orbit). Dies soll für 50 % der bisherigen Startkosten möglich sein. Mit diesen Eckdaten kann man in etwa errechnen, das Hopper beim Start 250 t wiegt (leer etwa 38 t, d.h. doppelt so viel wie eine konventionelle Stufe). Damit hat man ein Gefährt für 2.7 t Nutzlast - Doch gibt es kaum Nutzlasten dafür. Heute finden vor allem kleinere Starts von Forschungssatelliten mit kleinen Trägern Start oder es werden große Fernmeldesatelliten gestartet - dafür ist dann Hopper zu klein. Um den Fernmeldesatellitenmarkt zu bedienen müsste die Nutzlast mindestens 5 mal so groß sein und dann wird eben auch die Grundstufe entsprechend teurer.

Ich möchte nicht verhehlen, dass die Nutzlast natürlich mit einer größeren Raketenstufe stark ansteigt: Eine EPS Oberstufe der Ariane 5G steigert sie auf 4 t, eine H10 Oberstufe der Ariane 4 auf 8 t und eine Centaur der Delta IV sogar auf 13 t oder etwa 4.8 t in den GTO Orbit. Doch hier liegt auch die Problematik. Zum einen verteuert das den Transport entscheidend, denn diese Oberstufe ist nicht wiederverwendbar. Zum zweiten ist die Flugbahn bei Hopper recht genau festgelegt: Die Abtrennung der Nutzlast muss bei 5400 m/s in 130 km Höhe erfolgen - Sonst erreicht die Raumfähre ihren Landeplatz auf Ascension Island nicht. Die Aerodynamischen Fähigkeiten sind recht begrenzt und damit auch der Spielraum in der Variation der Bahn. Eine schwere Oberstufe bewirkt eine völlig andere Flugbahn. Eine Centaur der Atlas mit ihren 30.5 t Gewicht und 4.8 t Nutzlast würde z.B. bei 3800 m/s abgetrennt werden - eine rapide Verkürzung der ballistischen Phase und im Atlantik gibt es nicht viele Inseln auf denen man landen kann...

Der zweite Punkt ist, dass anders als bei herkömmlichen Raketen die Oberstufe dann sehr schubstark sein muss. Die 130 km Höhe in der abgetrennt wird ist wahrscheinlich die Gipfelhöhe der Fähre. von nun an fällt die Fähre und der Satellit wieder zur Erde. Unterhalb von 100 km Höhe wird er durch die dichte Atmosphäre beschädigt werden. Das bedeutet dass er sehr wenig Zeit hat die 2.4 km/s Geschwindigkeit aufzubauen. Eine Ariane 5 setzt ihre Oberstufe bei nahezu Orbitalgeschwindigkeit in 200 km Höhe aus. Nun das ist auch für energiereiche Oberstufen kein unlösbares Problem, doch muss man dann schubstarke Triebwerke einbauen, welche die Oberstufe verteuern. Eine Centaur kommt heute mit einem einzigen RL-10B Triebwerk von 100 kN Schub aus. Bei 35 t Gewicht inklusive Satellit brauchte man für eine Hopper Oberstufe aber 4 dieser Triebwerke.

Das alles wäre kein Problem wenn man über Land fliegen kann und man mehr Landeplätze hat. Doch dann kommen wieder Sicherheitsbedenken. Am ehesten dürfte dies noch in Russland möglich sein, doch das liegt zu weit nördlich für geostationäre Satelliten. Kurzum - es gibt noch zu viele Dinge die Probleme machen, jenseits der Technik. Daher denke ich werden wiederverwendbare Träger noch einige Entwicklungsarbeit  erfordern.

Vielleicht ist auch dies der Grund warum man nichts mehr von Hopper gehört hat.

Montag 3.9.2007: Die Quote

Am Samstag entdeckte ich warum ich die beiden letzten Folgen von "Alles außer Sex" auf Pro 7 vor zwei Wochen verpasst habe. Nachdem zum Sendetermin ein Chakie Chan Film kam und die nächste Woche auch nichts habe ich mal recherchiert und gefunden, dass Pro 7 die beiden letzten Folgen wegen zu geringer Quoten abgesetzt hat, bzw. am Sonntag nachmittags ausgestrahlt hat wo sie wohl keiner gesehen hat.

Den Sinn der Maßnahme kann man bezweifeln, denn von der Programmänderung wusste man als Zuschauer ja nichts und wer an "Rush Hour" interessiert war hat von der Ausstrahlung dieses Films auch nichts erfahren. Genützt hat es also niemand.

Diese Vorgehensweise zeigt wie im Prinzip das ganze Fernsehprogramm bei den Privaten durch die Quote bestimmt wird. Gut, auch bei den öffentlich rechtlichen ist sie wichtig, aber das man dort etwas einfach absetzt nachdem es nicht erfolgreich war anstatt zumindest die Staffel zu Ende auszustrahlen ist wohl (noch) nicht denkbar.

Die Auswirkungen davon sind immer mehr Werbeblöcke für den Sender selbst. Ich nutze den OnlineTV Recorder um Fernsehen aufzuzeichen, als DivX herunterzuladen und dann anzuschauen wenn ich es will. Dabei kann ich natürlich die Werbeblöcke herausschneiden, aber auch sehen wie lange diese sind. Früher waren es etwa 5 Minuten Werbung, heute sind es eher 10 Minuten. Nicht dass es nur so viel mehr kommerzielle Spots wären - Nein die 5 Minuten gehen nur auf Eigenwerbung für kommende Sendungen drauf. Ich habe mal bei einem Spielfilm dies gestoppt: Es ist ziemlich genau die Hälfte des Werbeblocks. in 4.5 Minuten bekommt man Werbung für 6 Sendungen die in den folgenden Tagen laufen.

Es wird also auf Teufel komm raus um den Zuschauer gekämpft, obwohl man mit den immer längeren Werbeblocks das Gegenteil erreicht. Früher waren sie so lang, dass man mal aufs Klo gehen konnte, was zum Trinken oder zum Essen holen konnte, inzwischen sind sie so lang, dass ich rüber an den Computer gehe, Mails beantworte und dann das Fernsehen vergesse.

Vor allem aber hat die Quote als einziges Kriterium für en Erfolg einen Nachteil: Es führt zu einem Verfall des Fernsehens. Im Prinzip gilt doch nun das Interesse daran möglichst viele Zuschauer an den Fernseher zu locken mit möglichst geringem Aufwand. Das führt dazu dass am Nachmittag Gerichtsshows oder Talkshows laufen mit wirklich schlechten Laienschauspielern, abstrusen Themen und konstruierten Fällen. Dann kommt der mehrstündige Promitratsch am Vorabend und am Abend inzwischen auch Serien, Doku Soaps oder ähnliches. Hauptsache billig eingekauft oder produziert. Das ist wohl klar: Las Ketschups macht mehr Umsatz als Norah Jones und  die "Bild" wird öfters gelesen als die "FAZ".

Das ganze ist auch am öffentlich rechtlichen nicht vorbei gegangen. Die klassische Vorabend Serie ist weitgehend Vergangenheit. Stattdessen gibt es Daily Soaps und wenn eine Serie kommt, dann inzwischen in der ARD täglich einige Wochen lang und dann wieder Pause für ein halbes oder ein Jahr. Ich habe früher sehr viele Wissenschaftssendungen angeschaut, inzwischen weniger, obwohl das Angebot wieder besser geworden ist. Aber es hat sich verändert. Es gibt praktisch nicht mehr eine Sendung die ein Thema wirklich durchgehend beleuchtet, wenn es das gibt, dann werden Berichterstattungsschipsel von 6-10 Minuten Länge die man so gesammelt hat in einer Sendung gebündelt. Offenbar ist nach 10 Minuten die Geduld des Zuschauers erschöpft. Daneben gibt es das Dokutainment: Geht es um Historie, so wird sie in Spielfilmszenen nachgestellt, anstatt dass man es nur erzählt. Ich sehe darin eine große Gefahr: Zum einen ist es sicher so interessanter, packender, aber es lenkt auch ab und es ist eben nur eine Vorstellung wie es gewesen sein könnte und nicht wie es war.

Gibt es eine Lösung für das Dilemma? Ich denke nicht. Es wird immer so sein, dass besseres Fernsehen teurer ist als 08/15 Produktionen. Finanziell gesehen lohnen sich qualitativ hochwertige Produktionen selten, weil man zwar mehr Leute vor die Glotze bekommt, aber nicht so viel mehr wie man bräuchte um besser daran zu verdienen. So wird der Trend zu Einheitskost, und Verflachung anhalten. Es ist nicht so, dass die Leute nicht für gutes Fernsehen etwa zahlen würden - Pay-TV wie von Premiere zeigt dies und das kostet um einiges mehr als die GEZ Gebühren. Selbige stehen ja in der Dauerkritik. Das liegt allerdings weniger an den Gebühren, ich denke die sind gerechtfertigt und jeder der wie ich Öffentliches vor allem ansieht, eben weil auf den privaten so viel Schund läuft weiß das. Es ist vielmehr das Verhaltend er GEZ sowohl in den Werbespots (nun läuft ja wenigstens mal ein argumentativ überzeugender) und im Umgang mit ihren Kunden. Ich habe davon gehört, dass Leute sich den Fernseher abgeschafft haben um mehr Freizeit zu haben und die Kündigung bei der GEZ abgelehnt wurde mit der Begründung. "Jeder hätte einen Fernseher" und seit mein Vater gestorben ist werden die GEZ Gebühren von dem Konto meiner Mutter abgebucht, trotzdem bekommt meins seit 7 Jahren verstorbener Vater "Mahn/Drohbriefe" von der GEZ. Ich habe letzte Jahr geantwortet und auf den Tatbestand hingewiesen, dieses Jahr gab es nun schon wieder diese Briefe....

Eine gute Lösung wäre wenn man im öffentlich rechtlichen Fernsehen auch Werbung nach 20 Uhr senden könnte, nur nicht so aggressiv wie bei den Privaten. Zum Beispiel nach oder vor jeder Sendung, nicht mitten drin und keine 10 Minuten Blöcke, sonder 5 Minuten. Um diese Zeit gäbe es die meiste Kohle dafür und dies würde allen helfen und die Gefahr dass es keiner schaut weil jeder vom Fernsehen wegspurtet ist bei kleinen Blöcken auch nicht so kurz (nicht umsonst gibt es mittlerweile schon kurze 30 Sekunden Spots innerhalb von Sendungen um das zu verhindern).

Wenn übrigens andere Interessen wichtig sind, ist die Quote nicht alles: So wird es ab dem 15.9. Clipfish TV geben. Das ist der zweite Start, nachdem man mit einem ersten Pilot Ende May floppte. Der Grund: Clipfish wird als Webportal von der RTL Gruppe betrieben und soll promoted werden. Nun geht es mit neuen Moderatoren an den Start. Man wird sehen ob es diesmal erfolgreicher wird. Angesichts der miserablen Qualität der Clips bei der ersten Sendung habe ich da meine Zweifel.


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