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Web Log Teil 360: 6.12.2013 - 11.12.2013

6.12.2013: Die Falcon Heavy und die Engine-Out Capability

Eigentlich sieht bei oberflächlicher Betrachtung bei der Falcon Heavy hinsichtlich des Erfolgs einer Mission besser aus als bei der Falcon 9. Bedingt durch drei Booster hat sie beim Start eine höhere Beschleunigung. Denn die beiden Booster müssen ja keine Oberstufe tragen. Gleichzeitig ist durch 27 Triebwerke der Schubverlust kleiner als bei einer Falcon 9. Die Falcon heavy sollte mit 12,04 m/s starten, bei der Falcon 9 sind es nur 11,61 m/s. Selbst wenn ein Triebwerk ausfällt so sind es noch 11,59 m/s. Das bedeutet praktisch vom Startbeginn kann ein Triebwerk ausfallen, nach 9 Sekunden sogar noch ein zweites.

Zwar ist bei 27 Triebwerken ein Ausfall dreimal wahrscheinlicher als bei der Falcon 9, aber das Design sollte ihn theoretisch abfangen können - oberflächlich betrachtet.

Betrachtet man es genauer, so muss man die Geometrie berücksichtigen. Ein Ausfall kann mit einer Wahrscheinlichkeit von je 33,3% einen der beiden Booster oder die Zentralstufe betreffen. Eine Folge des Ausfalles in einem der Booster ist erst mal, das der Schub asymmetrisch wird. Das ist durch den Anbau der Booster etwas problematischer als bei der Falcon 9, doch da es nur ein Triebwerk betrifft ist dies durch Schrägstellen der Triebwerken das auch noch leicht abfangbar.

ist, dass die Stufe nun weniger Treibstoff verbraucht. Das wirkt sich zu Brennschluss aus. Nehmen wir an das Triebwerk fällt nach der Hälfte der Brennzeit (90 s) aus. (Bei Flug 4 fiel es nach 69 s aus) dann ist diese Stufe zu Brennschluss um 22 t schwerer. Bei der Zentralstufe ist das ohne Belang, da sie sowieso im Schub reduziert wird um die Spitzenbeschleunigung zu reduzieren. Sie brennt dann einfach 12 s länger. Problematischer ist es bei einem der Booster und dort ist der Ausfall doppelt so wahrscheinlich. Was passiert zu Brennschluss? Ein Booster ist leergebrannt, die Zentralstufe noch nicht, da sie vorher im Schub reduziert wurde und der andere Booster auch noch nicht. Nun ist der Schub nicht ein bisschen asymmetrisch, sondern ziemlich asymmetrisch. Das kann man abfangen, wenn die Triebwerke von Vorneherein schon zur Schubachse geneigt sind, so wie sie in den Ariane 4 Boostern und beim Space Shuttle schräg eingebaut waren, doch das ist bei der Falcon 9 nicht gegeben. Damit scheidet ein Weiterbetrieb nicht aus, man muss die zweite Stufe mit dem unverbrauchten Treibstoff gleichzeitig mit dem anderen Booster abtrennen, ansonsten würde die Rakete in die Gegenrichtung ausbrechen. Damit ist die Leermasse aber um 22 t höher, das ist bei einer Maximalnutzlast von 45 t würde dies die Nutzlast auf 39,275 t reduzieren (anders ausgedrückt: nur wenn man nicht mehr als 39,275 t zulädt erreicht man einen Orbit). Bei GTO Missionen sinkt sie von 21,8 auf 18,8 t ab.

Das bedeutet, da ein Ausfall durch dreimal mehr Triebwerke ziemlich wahrscheinlich ist (es gab ja schon zwei Ausfälle und mehrmals musste ein Start abgebrochen werden weil sich der Schub nicht gelichmäßig aufbaute oder ein Triebwerk ein Problem hatte, was ja nicht gerade für eine hohe Zuverlässigkeit spricht) wird man dem Sorge tragen müssen und die Nutzlast deutlich reduzieren müssen. Immerhin kann so SpaceX ziemlich oft an ihrer Bergungsstrategie feilen - unfreiwillig, denn die Stufen haben nun genügend Treibstoff um sich auf Unterschallgeschwindigkeit abzubremsen.

Bringt nun Crossfeeding etwas? Nun ein Problem sind hier die langen Leitungen. Zumal sie nun quer anstatt senkrecht verlaufen. Sinnigerweise wird man den Treibstoff verteilen, bevor er den Gasgenerator erreicht, sonst braucht man anstatt kurzer Verbindungen zwischen Gasgenerator und Triebwerk und einem Triebwerk als Einheit eine Querverbindung zwischen den Gasgeneratoren aller Triebwerke und die ganze Rakete als eine Einheit. Den Gasgenerator erreicht der Triebstoff aber nur durch einen geringen Tankdruck und der nimmt mit steigender Leitungslänge ab. Als Folge ist der Treibstoffdurchsatz des Gasgenerators kleiner und damit die Förderleistung der angeschlossenen Turbopumpe die vom Arbeitsgas über eine Turbine angetrieben wird, so müsste der entgegengesetzte Booster deutlich weniger Schub entwickeln - erneut hat man eine asymmetrische Schubverteilung, die nicht wünschenswert und wahrscheinlich in dieser Form auch nicht beherrschbar ist.

Bei zwei ausgefallen Triebwerken, die angesichts schon zwei Triebwerkausfällen beiden bisherigen Falcon 9 Flügen rechnerisch nicht unwahrscheinlich sind, ist die Situation noch problematischer. Zum einen gibt es von den acht Kombinationen des Auftretens nur zwei die symmetrisch sind (Linker + Rechter Booster, bzw. zweimal Ausfall in der Zentralstufe). Dann verbleibt in zwei weiteren Möglichkeiten (je ein Doppelausfall links und rechts) doppelt so viel Treibstoff, was die Nutzlast weiter absenkt.

So gesehen muss man bei der Falcon Heavy noch mehr als bei der Falcon 8 damit rechnen, das ein Triebwerksausfall dazu führt, dass die Mission scheitert, wenn die Nutzlast tatsächlich die Grenze ausfüllt die die Rakete bietet. doch diese Gefahr besteht nicht. Selbst mit Doppelstarts von zwei schweren GTO-Satelliten erreicht man sie nicht und so schwere LEO-Nutzlasten gibt es nicht mehr, nachdem die USA ihr Keyhole Programm auslaufen ließen und nun auf zivil-militärische Satelliten wie Wourldview setzen Für Doppelstarts von GTO Nutzlasten dürfte dagegen die Verkleidung zu kurz sein. Die bis zu 17,20 m lange Ariane 5 Verkleidung ist für größere Satelliten zu kurz und wird derzeit verlängert, doch SpaceX Verkleidung ist nur 13,90 m lang. Schwer vorstellbar, dass dort zwei große Satelliten hereinpassen.

So spricht viel dafür das SpaceX dieses Risiko einfach eingeht und darauf setzte, dass jetzt und wahrscheinlich noch für lange Zeit es keine Nutzlast gibt die auch nur annähernd die Nutzlastkapazität der Falcon 9 ausschöpft. Problematisch für die Firma wird eher werden Nutzlasten zu koppeln und pünktlich zu starten. Mit der Pünktlichkeit hapert es ja ein bisschen. SES-8 sollte ursprünglich im April starten. Selbst in der kurzen Zeitspanne seit dem 25.9 rutsche der Start um 5 Wochen nach hinten. Bei zwei Satelliten ist die Chance deutlich größer das ein Kunde abspringt. Und mit nur einem Satelliten macht SpaceX Minus. Nebenbei braucht sie noch eine Doppelstartstruktur und / oder eine größere Nutzlastverkleidung. Doch das zu entwickeln ist nicht so schwer. Allerdings ist nichts davon angekündigt und ankündigen tut SpaceX doch ziemlich viel, selbst Dinge die nie gebaut werden (und deren Zahl ist höher als das was schon gebaut wurde).

7.12.2013: Mininachlese zum Falcon 9 Start

Nein diesmal gibt es keinen größeren Artikel wie gestern. Ich habe mir vorgenommen über die Firma weniger zu schreiben, denn vieles habe ich schon geschrieben, vieles kann angesichts der Informationspolitik auch nur Spekulation sein. Es wurde auf der Webseite ja nicht mal erklärt was die Ursache der Startabbrüche war, oder im Life-Vidcast. Alles was es gibt sind einsätzige Mails an handverlesene Journalisten oder Twittermeldungen von Musk. Dann fehlt natürlich nicht das übliche Rumgemosere an Außenstehenden von Musk, wie diesmal die FAA, die ja den Start mit ihren ach so strengen Auflagen verhindert, die 50 Jahre lang weder NASA noch kommerzielle Anbieter gestört haben, wahrscheinlich weil auch vom Bodenpersonal bei denen niemand über Thanksgiving arbeiten will.

Ich hatte gehofft beim Start durch die Daten meine über die Falcon 9 präzisieren zu können. Das Verfahren ist relativ einfach. Wenn man Übergangsorbit und Endbahn kennt, dann kennt man auch die Geschwindigkeitsänderung. Damit kann man wenn die Brennzeit der zweiten Stufe bekannt ist die Leermasse der zweiten Stufe rekonstruieren. Doch da gibt es Probleme. Es werden zwischen 5 Min 20 s und 5 min 39 s als erste Brennzeit und 71 s als zweite genannt. Beide sind zusammenaddiert höher als die von SpaceX angegebene Gesamtbrennzeit von 375 s (6 min 15 s). Ich vermute dass die Stufe im Schub gedrosselt wird um 5 G nicht zu überschreiten, sonst würde bei 801 kn Schub un 5 t Leermasse man am Schluss fast 10 g erreichen, was sicher kein Satellit aushält. damit ist die Berechnung aber ungenau, weil ohne die Kenntnis des Niveaus man nur Schätzungen machen kann. Ich werds in einer ruhigen Minute trotzdem mal probieren

NORAD sieht folgendes neues Objekt in einer Umlaufbahn: (TLE Daten nach http://www.celestrak.com/NORAD/elements/tle-new.txt in lesbare Daten umgesetzt).

2013-071A
Norad: 39460U
Satcat: 13071A
Datum: 04.12.2013 13:03:23
Widerstand: -0,00000392
SGP2Widerstand: 0,0000e-0
SGP4Widerstand: 0,000
Ephemeridentyp: 0
Datensatznummer: 5
Inklination: 20.5116 °
Rektaszension: 242.6919 °
Exzentrizität: 0,8535077
Argument des Perigäums: 179.6245 °
Mittlere Anomalie: 182.6691
Umlaufdauer: 03:29:09 h
Umläufe: 0
Große Halbachse: 46238,5 km
Perigäum: 395,4 km
Apogäum: 79325,3 km

Man muss auf NORAD zurückgreifen, da SpaceX anders als ILS oder Arianespace keine Bahndaten veröffentlicht, geschweige denn das die Position im Bezug zur Aufstiegsbahn life verfolgen kann. Das braucht man nicht, bei einer Firma bei der es reicht das überhaupt ein Orbit erreicht wurde, wenn auch nicht der vorgesehene. Geplant war einer nach offiziellem Launchkit von 20,75 x 295 x 80.000 km. Dieser Orbit weicht ab. Die Inklination ist um 0,24° niedriger, das ist eine ziemliche Abweichung, das Perigäum um 100,4 km, das Apogäum um 670 km, doch das ist unkritisch bei einem so hohen Apogäum bedeutet schon eine kleine Geschwindigkeitsänderung eine starke Verschiebung des erdfernsten Punktes. SES wird sich freuen, denn der Orbit ist energieärmer als der geplante. Doch es bleiben Fragen. Zuerst dachte ich daran, dass man nach der zweiten Zündung versucht hat den Satellit auf einem möglichst energiearmen Orbit abzusetzen. Das würde die niedrigere Inklination erklären, doch nicht das hohe Perigäum, das muss schon vorher bei dem Parkorbit erreicht worden kann. Himmelsmechanisch kann man das Perigäum nicht anheben wenn man es gerade durchläuft. Eventuell wollte man die Stufe deorbitieren, doch dann muss man gegen die Bahn zünden und nicht diese anheben, zudem würde dann auch das Apogäum ansteigen.

Aber spekulieren sollen andere, davon treiben sich ja genügend rum. Ich bin jetzt nur mal gespannt wann der Thaicom startet. Seit 2010 redet Musk ja von 40 produzierten Cores pro Jahr, so langsam müssen die sich ja stapeln, aber bisher haben sie nicht mehr als einen Start pro Launchbase in 4 Monaten hinbekommen. Dieser war zwar zwei Monaten nach dem Jungfernflug, aber eben am Cape und nicht in Vandenberg. Thaicom und CRS-3 werden dann zeigen wie viel sie von ihrem optimistischen Prognosen umsetzen können.

8.12.2013: Noch'n Rezept

Choco Crossies von obenWeihnachtszeit ist Backzeit. Also der beste Zeitpunkt ein Rezept zu veröffentlichen. Vor allem, wenn es sonst wenig neues blogwertes gibt. Ich koche zwar nicht gerne, denke aber doch recht gut. Was ich aber überhaupt nicht mache, ist backen. Wenn ich Kuchen mache, kaufe ich den Tortenboden dazu und belege ihn dann. Doch es gibt ein Rezept, das muss ich jedes Weihnachten machen. Dabei ist der Ablauf immer der gleiche. Meine Mutter jammert wenn die erste Charge gemacht ist, es wäre viel zu viel und zwei Wochen vor Weihnachten ist nichts mehr übrig. Diesmal musste ich nach der ersten Charge, die ich vor 14 Tagen gemacht habe, eine zweite machen, weil sei schon weg es ist. Dabei ist das Rezept so simpel, das man es fast idiotensicher bezeichnen könnte: es sind selbstgemachte Choco-Crossis.

Die Zutaten

375 g Cornflakes
800 g Schokolade

Im Allgemeinen braucht man pro 100 g Cornflakes 200 g Schokolade. Wenn man stattdessen Pops oder andere andersförmige Frühstückscerealien einsetzt oder Zutaten mit kleinerer Oberfläche wie Erdnüsse, Mandelsplitter etc. zusetzt, dann braucht man weniger Schokolade.

Die Schokolade in Vielfachen von 200 g in einer Schüssel über einem Wasserbad oder in der Mikrowelle verflüssigen. Ich bevorzuge die Mikrowelle und nehme sie nach 30 s heraus und rühre mit einer Gabel um und stelle sie erneut rein. Man sollte sie vorher in kleine Stücken brechen und aufpassen, das kein Verpackungsmaterial hineinkommt, insbesondere Aluminiumfolie wirkt als Antenne und heizt sich so stark auf, das die Schokolade daran verbrennt und man den Inhalt meist entsorgen muss.

Dann mischt man die entsprechende Menge Cornflakes unter, mischt mit einem Gabel/Löffel um, bis die Cornflakes ganz mit Schokolade bedeckt sind. Die ideale Menge ist die, wo man dann in der Schüssel nur noch wenig Schokolade hat. Bei zu wenig Schokolade sieht man noch gelbe Stellen und bei zu viel ist es nicht nur ein Überzug, sondern ein ganzer Klecks Schokolade auf den Schokocrossies. Wenn man noch nicht die Erfahrung hat, dann eher wenig zugeben und später etwas Cornflakes zumischen. Ich mache immer drei Sorten: Zuerst weise Schokolade, dann Vollmilch und dann Zartbitterschokolade, das gibt dann auch drei Farben. (Wichtig: mit der hellsten Sorte anfangen, da immer Schokoladenreste in der Schüssel bleiben).  Anstatt Cornflakes kann man auch Formprodukte wie Pops oder aromatisierte Cornflakes wie mit Zimt nehmen. Daneben kann man Backaromen (Rum, Orange) untermischen oder Nüsse zugeben. Aufpassen sollte man nur bei stark gesüßten Cornflakes, da eigentlich die Schokolade schon süß genug ist.

Choco Crossies von der SeiteDann mit einem Löffel und einer Gabel kleine Haufen auf ein Backblech mit Backpapier machen. Bei 200 g Schokolade und 100 g Cornflakes brauche ich ein Blech pro Durchgang. Während die nächste Schokolade schmilzt kann man das Blech in einen kühlen Raum stellen oder nach draußen. Ist es kalt, so wird die Schokolade schnell fest und man kann das Blech erneut verwenden während man noch arbeitet. Dafür besteht die Gefahr das Kakaobutter auskristallisiert, das sieht man dann als grauen Schleier auf den Crossies. Das ist beim Bild bei den dunklen Zartbittercrossies der Fall. Wenn die Crossies in einen kühlen Raum langsam abkühlen, dann besteht die Gefahr nicht, doch dann muss man mehrere Stunden warten bis man das Blech wieder frei hat. Das ist schade, denn läuft es erst mal an, ist die Schüssel also schon warm, dann geht die Produktion recht schnell. Man profitiert, wenn man viele Bleche oder andere flache Oberflächen hat, wie Tabletts. Darauf immer Backpapier tun, sonst zerbrechen die Crossies beim ablösen. 6 Bleche habe ich letztes Mal in weniger als 60 Minuten gemacht und das sind drei große Keksdosen mit rund 1,8 kg Crossies.

Was ist der Unterschied zu gekauften Crossies? Sie enthalten, obwohl sie doppelt so viel Schokolade wie Cornflakes enthalten, weniger Schokolade, schmecken knuspriger und "anders". Es gibt sie in allen möglichen Sorten (dei verschiedene Grundschokoladen die man auch Variieren kann) Man kann sie variieren und sie sind preiswerter. Wenn man Billigschokolade nimmt, kosten 100 g rund 35 ct. Teurer als selbstgemachte Gutsle, aber viel billiger als gekaufte. Wichtig wäre nur, das die Schokolade relativ fest ist. Man sollte also keine Nugat- oder Noisetteschokolade nehmen. Sonst wird der Überzug zu weich wenn sie im warmen Zimmer stehen.

Vor allem sind sie beliebt weil sie vom Gutsle Einerlei abheben. Einen guten Teil davon verschwindet bei uns auf Weihnachtsfeiern. Man nimmt eine Schachtel mit und sie sind als erstes weg. Teilweise stecken die Leute sie sogar noch, wenn am Ende noch welche da sind, ein, während von den anderen Plätzchen meistens was übrig bleibt.

7.12.2013: Die Diskussion um die Prostitution

Vor wenigen Tagen hat man in Frankreich ein neues Gesetz beschlossen, nachdem Prostitution einen Gesetzesverstoß darstellt, erwischte Freier müssen dann 1500 Euro zahlen. Schon eine Woche vorher wurde das Thema bei Maischberger diskutiert, mit einer illustren Runde, in der unter anderem Alice Schwarzer vertreten war. Sie vertrat die Meinung das alle Freier entweder psychisch gestört seien oder bekehrt werden sollen zu einer "normalen" Beziehung zu einer Frau. Für Prostituierte sollte es "Ausstiegsprogramme" geben. Das verrät viel über das Menschenbild von Frau Schwarzer.

Dort wurde auch dieses neue Gesetz diskutiert, sowie anderen Gesetze. Es gibt schon ein ähnliches in Schweden und die rot-grüne Koalition scheint auch eines beschlossen zu haben, das die Prostitution mehr legalisiert, unter anderem wurden Bordelle erlaubt und es gab die Möglichkeit zur Sozialversicherung. Die meisten in der Diskussionsrunde waren sich einig, das es zumindest zum Teil gescheitert ist. So scheint durch "Arbeitsverträge" die Position der Zuhälter wie auch Bordellbetreiber gestärkt worden sein und die Zwangsprostitution und der Menschenhandel gefördert worden sein.

Tja die Diskussion ist nicht ganz einfach. Zum einen weil es mehrere Aspekte gibt. In der Diskussion ging es auch viel um Ausbeutung. Direkt durch Zwangsprostitution wo dann auch der Menschenhandel involviert ist. Die meisten Prostituierten in Deutschland sollen das nicht "freiwillig" machen. Indirekt durch die Bordellbetreiber / Zuhälter die die Frauen ausnehmen durch "Abgaben" oder horrende Zimmermieten. Die Verringerung dessen ist dann auch meistens der Grund für solche Gesetze wie in Frankreich und Schweden. Gerne wurde von den Prostituierten dann gesagt, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat und so auch die kriminalisiert werden, die es freiwillig und selbstständig ausüben, die anderen verweisen darauf, das es die Tatbestände nur gibt, weil es die Prostitution gibt.

Wenn es ein Gesetz gibt, so wie in Frankreich und Schweden, dann ist es die Bestrafung eines nicht gewünschten Tatbestandes, nicht eines Vergehens. Das ist ähnlich wie beim Cannabiskonsum, bei dem man ja nicht wie bei Heroin oder Kokain eine Gesundheitsgefahr und Beschaffungskrimininalität unterstellen kann, oder populärer die Überwachung von Geschwindigkeitsverstößen unabhängig ob ein Unfall verursacht wird. So gesehen ist ein Gesetz gegen Prostitution nichts besonderes. Es wir nur wahrscheinlich so populär wie das "Blitzen" sein. Schon heute gibt es ja Verbote wie in den in einigen Bundesländern und Städten vorhandenen Sperrbezirksverordnungen wo dann allerdings die Prostituierten mit Strafe rechnen müssen. In der Summe ist es das gleiche wie in Frankreich, der Tatbestand bleibt verboten, nur wer das Bußgeld zahlt, wechselt. Vielleicht erhofft man sich in Frankreich von den happigen Bußgeldern ja einen "Erziehungseffekt".

Eines wird allerdings keines der Gesetze verhindern: das es weiter Prostitution gibt, denn nicht umsonst gilt sie als das älteste Gewerbe der Welt. Wir haben seither immer wieder Wellen gehabt wo man diese freizügiger und weniger Freizügig sieht. Derzeit geht es wohl mehr in Richtung Verbote. Selbst wenn ich diesen komischen Standpunkt von Frau Schwarzer einnehmen würde, gäbe es dann doch noch Fragen: was ist von den vielen Fällen wo Frauen mit Männern nur Sex haben weil sie sich Geld, Geschenke oder berufliches Fortkommen erhoffen? Was unterscheidet das von der Prostitution? Es geht auch um Vorteile monetärer Art oder in der Karriere. es wird nur kein Preis vereinbart. Das eine ist dann verboten, das andere erlaubt. Aber ist es moralisch etwas grundlegend anderes?

Meine persönliche Meinung ist es die Sache entkrampfter gesehen werden sollen. Es gibt unterschiedliche Schätzungen über das Ausmaß der Prostitution in Deutschland, aber selbst in den niedrigsten wird von mehr als 20.000 Prostituierten gesprochen. Andere Schätzungen gehen von bis zu 700.000 aus. Das ist also keine kleine Branche und sie einfach gesetzlich zu verbieten bringt nichts, genauso wie man leicht rechnen kann das auf jede Prostituierte etliche freier bekommen, daher reden wir von einem ansehnlichen Teil der Bevölkerung der so kriminalisiert wird. Warum sieht man es nicht einfach als normale Branche? Die SPD/Grünen Regierung wollte ja Sozialversicherungen und Arbeitsverträge das legalisieren, was aber zum einen nur einen Teil, betraf der in Bordellen arbeitete zum andern den Betreibern mehr Macht gab. Denn vorher vermieteten diese nur Zimmer zu horrenden Preisen, nun waren die Damen Angestellte und die Betreiber "Weisungsbefugt". De Fakto wäre es einfacher es als eine selbständige Tätigkeit zu sehen und zur Absicherung eben Pflichtkrankenversicherung und Programme zur Vorsorge fürs Alter. De Fakto wird dem auch in Bordellen so sein.

Wie wäre es, (revolutionärer Gedanke) es als normalen Beruf zu sehen? Irgendwelche Verbote für "Sperrbezirke" kann man trotzdem erlassen, genauso wie ja auch Straßenmusiker nicht überall ihrem Beruf nachgehen können. Klar ist es nicht schön mit Fremden Sex zu machen, doch neben der Möglichkeit "Kunden" abzulehnen verbindet dies Huren mit genügend anderen Berufen. Die meisten haben keinen Traumberuf und es gibt nicht wenige bei denen würde ich annehmen dass nichts an der Tätigkeit Spaß macht, wie z.B. Klofrau oder Müllarbeiter. Das ist auf jeden Fall besser als etwas zu kriminalisieren was gesellschaftliche Realität ist.

11.12.2013: Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf

Ich schaue ja inzwischen sehr viel ZDF Info, weil da Reportagen und Dokumentationen rund um die Uhr kommen. Viel Guido Knopp (Hitlers.....) aber auch viel vom Discovery Channel und der BBC. Eine Serie klärt über alte Schlachten auf. Ich hatte an dieser US-Serie schon leichte Zweifel, weil ihre Darstellung der Schlacht von Kadesch etwas von dem abwich, was ich kannte. Doch was ich kürzlich sah, war doch ein starkes Stück.

Es ging um die Schlacht im Teutoburger Wald. Glaubt man der Sendung, dann verdanken die Germanen ihren Sieg nicht vorwiegend einer überlegenen Taktik, sondern zwei Orkantiefs und dem Verbrennen von Katapulten. Nun wird vom ersten und dritten Tag der Schlacht von Sturm berichtet, wobei nicht ganz klar ist, ob das eine Entschuldigung der Römer ist, die ja die einzige Überlieferung der Schlacht liefern oder tatsächlich so schlimm war. Nach allgemeiner Ansicht fand die Schlacht im Sommer oder Herbst statt, da gibt es eigentlich bei uns keine Stürme. Die Sendung zeigte die Verwüstungen von Kyrill, doch der tobte als klassischer Wintersturm im Januar. Man kann davon ausgehen, dass die Römer nicht im Winter Krieg führten, das war in der Antike absolut unüblich, schon wegen der Versorgung, erst recht in einer Gegend wie Germanien wo man sicher nicht im Winter in den Zelten hausen will.

Die Begründungen waren haarsträubend, da stand ein "Waffenexperte" vor einer Windmaschine mit dem typischen römischen Langeschild der Republik und wird natürlich umgeworfen. Mal abgesehen, davon dass der bei einer Schlacht im Wald eh nicht so viel nützt, dürfte der Wald auch den Wind abgeschwächt haben. Dann sollen sich die Römer vor den Blitzen gefürchtet haben und die Germanen nicht. Ach ja, eine Berufsarmee, die einzige der Antike, fürchtet sich vor Blitzen?

Der Waffenexperte wurde noch wagemutiger. Um schneller vorwärts zu kommen, verbrannten die Legionen ihre schwere Ausrüstung, darunter die Katapulte von denen eine Legion etwa 60-80 Stück hatte. Diese Katapulte sind keine Steinschleudern wie manche denken, sondern eine Art mobiler Artillerie für den Feldeinsatz. Es waren überdimensionierte Armbrüste, die Bolzen verschossen und in Feldschlachten eingesetzt wurden um gegnerische Schlachtformationen aufzubrechen. Nur sehe ich nicht wie sie irgendwie nützlich sein sollten. Nach allgemeiner Ansicht siegten die Germanen weil in dem Gelände die römische Armee ihre gewohnte Schlachtaufstellung nicht einnahmen konnte. Wie sollten sie da Platz haben um Katapulte einzusetzen und wohin sollten diese schießen, wenn die Gegner keine Schlachtordnung haben, sondern nach einer Guerilla Taktik angriffen? Der Experte wollte damit einen Wall beschießen, der inzwischen geschichtlich erwiesen ist. Nur diente dieser aus Gestrüpp gebildete Wall an einer Verengung nicht dazu, von dort aus die Römer stationär anzugreifen, sondern um den Germanen Deckung zu geben, dass sie von den Römern erst zu spät beim Angriff entdeckt wurden. Sie verließen jedoch den Wall.

Warum diese Umdeutung der Schlacht? Die Lösung liefern die anderen Experten der Sendung von den Amis. Es waren US-Soldaten die von Afghanistan und Irakeinsätzen berichteten und wie sich Soldaten in der Schlacht führen, was bei einem Guerillaangriff (der Taliban) in einem vor sich geht und wie Drill hilft die Angst zu überwinden. Ah ja. 9. n. Christus wurde die Armee einer Supermacht, die als unbesiegbar galt und in den vergangenen drei Jahrhunderten den ganzen Mittelmeerraum erobert hatte von einem Haufen Germanen besiegt, schlecht bewaffnet, aber erfolgreich durch ihre Guerilla Taktik. Könnte das nicht auch der Supermacht des 21.sten Jahrhunderts passieren? NEEEIIIIIIIN, das war das schlechte Wetter mit zwei Orkantiefs, die viel stärker waren als alles was es jemals gab und das waren die Fehlentscheidungen des Varus. Ohne Satellitentelefon und Drohnen musste er ja Fehlentscheidungen treffen, er hatte nicht alle Informationen und konnte nicht seinen Vorgesetzten sprechen und nach Verstärkung fragen. Also so was kann der Supermacht heute nicht passieren. Es darf nicht sein, was nicht sein kann.

Liebe Amis, ihr habt meiner Ansicht nach keinen Krieg nach dem zweiten Weltkrieg gegen einen Flächenstaat gewonnen. (Von kleinen Miniinvasionen gegen solche Gegner wie Grenada oder zum verhaften eines Staatsoberhaupts in Panama mal zu schweigen). In Korea endete es nach mehreren Jahren mit einem Waffenstillstand bei dem Ausgangszustand (38 Breitengrad), in Vietnam wurdet ihr aus dem Land geschmissen. Beim ersten Golfkrieg habt ihr abgebrochen als Kuwait erobert war und so einen Sieg und die Beseitigung Husseins verschenkt und in Afghanistan und Irak ist nach euren Interventionen von Frieden keine Rede. In Afghanistan werden immer noch Teile von den Taliban kontrolliert, das Land ist Drogenexporteur Nummer 1 und im Rest des Landes ist es auch nicht sicher. Sicher ist es auch nicht im Irak wo neben terroristischen Anschlägen noch ein Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten tobt. Wenn man euren eigenen Anspruch nimmt, Ländern Frieden, Freiheit, Demokratie und Wohlstand zu bringen nimmt, dann habt ihr überall auf voller Linie versagt.

Da hilft es auch nicht die siegreichen Germanen zu verunglimpfen. So wurden Gefangene geopfert. Leute, die Römer haben nach Schlachten auch die Gefangenen abschlachten lassen, bei belagerten Städten sogar die ganze Bevölkerung inklusive Kinder. Armin wird so dargestellt wie heute wohl ein Talibankrieger ohne Turban aussieht - mit zotteligem, ungekämmten Haar und Vollbart. Da Armin unter Römern aufwuchs und Offizier bei Varus war, darf man annehmen, dass er sich wie ein Römer kleidete und auch wie diese eine ordentliche Frisur und keinen Bart hatte. Aber dann könnte man ja einen erfolgreichen Feldherrn erkennen - wie schon gesagt: was nicht sein kann, das darf nicht sein....

Ach ja noch kleines Detail am Rande, ich dachte zuerst ich hatte mich verhört, aber es war tatsächlich so: Nach dieser Serie wurden die Römers von den "Germans" besiegt, nicht den "Germanic Peoples" wie sie zumindest iun der englischen Wikipedia heißen. Ja Ja, die Germans ....


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