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Web Log Teil 369: 30.1.2014 - 3.2.2014

30.1.2014: Ich bin ein Star ...

... holt ,mich hieraus läuft ja gerade mal wieder. Wie schon im letzten Jahr ein Quotenhit mit über 30% Zuschauerbeteiligung. Daneben verdienen sie sicher auch ganz gut an den Anrufen für die Promis. Ich gebe es zu: auch ich schaue mir das an. Weniger wegen der Dschungelprüfungen als vielmehr um zu sehen, wie sich die Promis da durch Äußerungen und Verhalten blamieren und wieder mal kommt man auf seine Kosten. Diesmal durch Larissa. Das habe ich schon geahnt, die Dame ist ja schon aus Germanys next Topmodell als extrem zickig bekannt gewesen. Modells sind immer gut für den Unterhaltungswert, wie ja schon Sarah Knappik beweis.

Ob dieses Verhalten authentisch ist  darf bezweifelt werden. Also in der Häufung von Ungeschicklichkeit, Egozentrik, Verpeiltheit und Nervfaktor passt es eher zu einem sehr verkorksten Schauspieltraining als zu einer echten Persönlichkeit. Sie will ja auch Schauspielen werden. Doch mit der Vorstellung tut sie sich keinen Gefallen. Es kam da ein Beitrag bei Spiegel-TV zum einen über ehemalige Teilnehmer und die fragten auch eine Marketing Firma. Deren Urteil war vernichtend: egal ob jemand Werbung macht oder bei etwas mitspielt, er muss kontrollierbar sein und Larissa zeigt in dem Format das sie nicht kontrollierbar ist.

Auch die Ergebnisse von früheren Teilnehmern waren durchwachsen. Einigen brachte es tatsächlich einen Karriereschub, so Desiree Nick. Andere hatten einige Aufträge und danach war wieder Schluss. Alle denen es etwas genützt hat, waren welche die man vorher nicht oder nur wenig kannte. Und ich denke das kann man verallgemeinern. Was sollte es jemanden nutzen der schon weit bekannt ist oder Charakterschauspieler wie Glatzeder im Dschungelcamp zu erscheinen? Das hat nichts mit dem zu tun was sie sonst machen. Dagegen profitieren wohl die die man vorher nicht oder nur kaum kennt. Ihre Popularität steigt was sich in mehr Aufträgen als Galionsfigur oder Discjockey niederschlägt - sicher aber nicht in der Hauptrolle in einem Film. Für diese Gruppe wie ehemalige Bachelor oder DSDS-Kandidatinnen scheint das aber vollkommen auszureichen.

Bleibt die Zwischenschicht von Leuten die man kennt, aber lange nicht mehr gesehen hat. Ich denke ein Großteil derer wird wegen dem Geld bei der Show sein. Wenn ich Schulden habe wie Tanja Schuhmann und sie so abzahlen kann, dann ist sicher das beste dort nicht aufzufallen, auch wenn das dann Witze von Zietlow und dem Ersatz von Bach verursacht. Aber die Chancen sind dann gut früh herausgewählt zu werden was Schuhmann wohl will. Zu glauben, wenn man seit 10 Jahren nicht mehr auf dem Bildschirm war nur durch viele Sendeminuten im Dschungelcamp neue Angebote zu bekommen, Es zählt ja nicht wie lange man sichtbar ist, sondern ob es in einer rolle ist die einem nützt. Dazu müsste Schuhmann nun die ganze Zeit lustiges von sich geben - vielleicht tut sie es auch, aber RTL zeigt wohl lieber Lästereien, Gespräche über Affären oder anderes. Eine schlechte Bemerkung und sie ist über dem Sender. Man kann also nur verlieren. Selbst wenn jemand tough durch die Urwaldprüfungen kommt - was hat das mit einem Job als Moderator zu tun. So gesehen ist es für die die nur Schulden abzahlen müssen wohl am besten gar nicht aufzufallen und gar nichts zu sagen. Bei Tanja Schuhmann scheint diese Taktik aber nicht aufzugehen: Obwohl die bettelt herausgewählt zu werden, bleibt sie drin. Die verzweifelte Miene amüsiert so viele Zuschauer, das es Aufrufe gibt für sie zu stimmen. Trotzdem denke ich wird sie nicht unter die letzten drei kommen. Immerhin: Bei der Kost müsste sie in zwei Wochen über 2 kg dauerhaft abgenommen haben, wenn nicht 3 kg (temporär mehr, aber der Eiweißverlust bleibt nicht erhalten), was ihrer Figur sicher gut tut.

Ich denke viele haben das erkannt. Was in den letzten Jahren auffällt ist das immer weniger bekannte Gesichter dabei sind, immer mehr No-Names. Von vieren der Kandidaten haben ich noch nie vorher was gehört, drei weitere hätte ich am Gesicht erkannt aber schon nicht mehr den Namen gewusst.

Immerhin: nicht alle Teilnehmer brauchen das Geld. Im Beitrag kam auch Rainer Langhans zu Wort: Der hat seine Gage gespendet, weil er kein Geld braucht. Na ja wenn ich mir ohne Geld ein iPhone und einen großen Flachbildschrm leisten kann, dann brauche ich auch kein Geld....

31.1.2014: Käpt'n Iglo und die Fischstäbchen mit "Omega-3 Fettsäuren"

Seit Jahrzehnten macht Iglo Werbung mit einem Seebär für ihre Fischstäbchen. Seit neuestem sollen sie auch gesund sein. Wegen der "Omega drei Fettsäuren". doch was ist das und was ist da dran?

Omega (ω)- Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren, also Bestandteile des Fetts, deren erste Doppelbindung beim dritten Kohlenstoffatom vom Methlyende her beginnt. Da dies genau entgegen der chemischen Durchnummerierung ist hat man den Buchstaben Omega (der letzte des griechischen Alphabetes) gewählt um die Nummerierung vom "anderen Ende" her zu kennzeichnen.

Seefische enthalten Omega‑3-Fettsäuren im Fett. In Fischen kommen die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA) vor. Die wichtigste Quelle für EPA und DHA ist fettreicher Seefisch aus kalten Gewässern. Er nimmt die Öle aus dem Plankton auf, das in arktischen Gewässern reich an diesen Fett­säuren ist. Sowohl Flussfische (Karpfen, Forellen) wie Warmwasser-Seefische (Scholle, Seelachs, Schellfisch) enthalten daher keine ω‑3-Fettsäuren.

Omega‑3-Fettsäuren  haben aber einen positiven Einfluss auf die Entzündung, aus der die Arteriosklerose entsteht. Aus ihnen werden Substanzen gebildet, die entzündungshemmend wirken. Diese Botenstoffe sollen das Herzinfarktrisiko und die Neigung der Blutblättchen zur Aggregation senken. Eine Entzündung der Blutgefäße ist mit ursächlich für das Auftreten koronarer Herzkrankheiten (KHK) wie Herzinfarkt. Hormone, die aus Omega‑3-Fettsäuren gebildet werden, weiten die Blutgefäße, senken so den Blutdruck und das Risiko von Ablagerungen an den Gefäßwänden. Sie sollen auch andere Krankheiten, die mit Entzündungen einhergehen, positiv beeinflussen, so Morbus Crohn, Gelenkrheuma und die Schuppenflechte.

Neueren Untersuchungen zufolge lagert sich DHA in die Zellmembran von Nervenzellen ein und erhöht deren Fluidität. Die Abnahme dieser ist ein Phänomen, das begleitend zur Entstehung des Alzheimer verursachenden Amyloid-Vorläufer-Proteins auftritt. Derzeit wird untersucht, ob DHA Alzheimer und Demenz in einem frühen Stadium verzögern können oder ob sie sogar präventiv wirken.

Die aus Fettsäuren der ω‑3-Gruppe gebildeten Prostagladine erhöhen die Fließfähigkeit des Blutes, senken den Blutdruck und verhindern eine Oxidation des Cholesterins. Zum Teil tun dies auch die Fettsäuren der ω‑6-Gruppe. Jedoch scheinen DHA und EPA insgesamt effektiver die Risikofaktoren für Arteriosklerose zu bekämpfen.

Die DGE (deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfiehlt die Zufuhr von DHA und EPA von 0,25 g pro Tag empfohlen. Die deutsche und amerikanische Herzgesellschaft empfehlen 0,3 g DHA/EPA bei Normalpersonen und 1 g DHA/EPA bei einem schon eingetretenen Herzinfarkt. Der letzte Wert ist eigentlich nur mit regelmäßigem Fettfischkonsum oder Fischölkapseln zu erreichen. Die durchschnittliche Zufuhr an DHA/EPA liegt bei 0,2 g pro Tag bei Personen, die Fisch essen und nur 0,06 g bei Personen, die auf Fisch verzichten.

Soviel als Einleitung zu den Omega-3 Fettsäuren. So gesehen sind Fischstäbchen dann doch sehr gesund oder?

Nun die Fischstäbchen egal ob von Iglo oder woanders bestehen aus Alaska-Seelachs, der noch auf See fangfrisch tiefgefroren wird und Panade. In der Pfanne nehmen sie dann durch die Panade noch Fett auf. Nach Stiftung Warentest 17,2 g Fett bei 5 Stäbchen. Bei einer 450 g Portion macht die Panade mehr als ein Drittel aus. Es sind nur 290 g Fische enthalten. Di Panade die viel Fett aufsaugt macht nicht nur ein Drittel des Gewichts aus, sie ist bei industriellen Produkten unnötig dick, womit man nicht nur viel Mehl zu sich nimmt, sondern sie dann auch noch viel Fett aufsaugt. Nach Ökotest haben dann vier Fischstäbchen schon 400 Kalorien, also 100 Kalorien oder 420 kJ pro Stück.

Ist dann wenigstens der Fisch reich an Omega-3 Fettsäuren? Nein. Der Alaska Seelachs lebt zwar in Gewässern wo Fisch viele dieser Fettsäuren enthalten, weil sie sei durch das Plankton aufnehmen. Fische können sie selbst nicht produzieren, deshalb haben Fluss- und Seefische auch kaum Omega-3 Fettsäuren. Aber Alaska Seelachs ist ein sehr fettarmer Fisch, dazu muss man keine Bücher wälzen, das sieht man wenn man die Filets ansieht. Nach Nährwerttabelle enthält er nur 0,8 g Fett pro 100 g. Im Allgemeinen besteht das zu einem Fünftel bis Sechstel aus Omega-3 Fettsäuren. Das sind dann bei einer Portion von 5 Fischstäbchen rund 0,2 g EPA und DHA. Also gerade die täglich empfohlene Menge. Das dumme: Man isst nicht täglich Fischstäbchen! Viel wichtiger für die Versorgung mit diesen Fettbestandteilen sind fette Fische wie Lachs oder Hering. Nimmt man z.B. einen Bismarckhering (70 g) und belegt damit ein Fischbrötchen, so nimmt man 1 g DHA und EPA auf, also die zehnfache Menge.

Was bleibt ist ein Produkt das man auch selbst machen kann, indem man Seelachsfilets kauft und selbst paniert. Selbst im ungünstigsten fall hat man durch die günstigere Form (weniger Oberfläche) weniger Panade die weniger Fett aufsaugt. Das ist ernährungsphysiologisch sicher besser. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass von den 2200 kJ die eine halbe Packung (5 Stäbchen) verzehrsfertig enthalten nur 455 kJ auf den sehr fettarmen Fisch entfallen. Der ganze Rest ist Paniermehl, dass sich mit Bratfett aufgesogen hat. So ist diese Vorgehensweise auch ernährungsphysiologisch besser. Nur ist es auch teurer.

Wer was gutes für seine Ernährung tun will sollte stattdessen Heringe oder wenn man mehr Geld hat Lachs essen. andere Fische mit hohem Gehalt an Omega-3 Fettsäuren sind Sardellen, Sardinen, Schillerlocken, Makrelen und Thunfisch.

1.2.2014: Die Sojus XL

Wieder einmal gibt es eine Ankündigung von Russland. Nachdem man in den letzten Jahren bis Jahrzehnten zahlreiche neue Programme in der bemannten Raumfahrt angehen wollte, vom Raumgleiter Kliper bis zur Riesenrakete Rus-M und Vorstößen bis zum Mond, scheint man nun kleinere Brötchen zu backen. Das ist angesichts des langsamen Fortschritts in anderen Programmen, wie der Angara vielleicht auch nicht so eine schlechte Idee.

Russland will bis 2018 eine Modifikation der Sojus umsetzen, es wäre nach der Sojus-T, Sojus TM und Sojus TMA wäre es die vierte. Es ist aber auch die bisher größte. Einen Namen gibt es noch nicht, aber ich würde Sojus XL vorschlagen. Die wesentliche Modifikation ist eine vergrößerte Rückkehrkapsel, die nun 80 cm breiter und 70 cm länger ist. Dazu werden die Treibstofftanks vergrößert. Beide Modifikationen erhöhen die Startmasse von 7.220 auf 8.190 kg. Damit liegt die Sojus wieder an der Nutzlastobergrenze der Sojus 2-1B, genauso wie die alte Sojus an der Nutzlastobergrenze der Sojus U war.

Ansonsten gibt es leider noch zu wenig Informationen über andere geänderte Systeme. Dies auch weil die Modifikation von Roskosmos alleine verantwortet wird. Die letzte Modifikation TMA entstand in Zusammenarbeit mit der NASA, die auch daran interessiert war, das größere Astronauten zur ISS gelangen konnten und die Sojus als Standardraumschiff nach dem Ausmustern des Shuttles wählte. Der Einsatz wird nach 2018 erfolgen, die vor wenigen tagen noch gebuchten Sitze für die NASA erfolgen zumindest noch mit der alten Version.

Der Sinn der vergrößerten Landekapsel ist aber offensichtlich. Russland will die Besatzungsstärke erhöhen. Es dürfte mindestens ein Besatzungsmitglied mehr Platz haben. Es wird spekuliert ob durch die verlängerte Kapsel auch oben noch Platz für eine oder zwei weitere Liegen im oberen Teil ist.

Dies scheint auch der wahre Grund für das Upgrade sein, den Roskosmos Chef Oleg Ostapenko sprach davon, das man mit der neuen Version mehr Weltraumtouristen transportieren will. Es gab in den letzten Jahren schon Vorstöße der Roskosmos diesen lukrativen Geschäftszweige wiederaufzunehmen. Die Raumfahrtagentur setzte schon die Verlängerung der Aufenthaltsdauer auf der ISS von 180 auf 360 Tagen durch, um mehr Touristen zu befördern, weil die ISS nur zwei Sojus aufnehmen kann und auch die Produktion auf 4 Raumschiffe pro Jahr limitiert ist.

Analog wird ab 2018 eine neue Progressversion zum Einsatz kommen. Hier wird die frühere Wohnraumsektion vergrößert, um mehr Fracht aufzunehmen. Der Durchmesser bleibt gleich, jedoch wird sie um 60 cm verlängert. Diese Version soll rund 700 kg mehr Fracht transportieren.

Während sich die NASA sicher über mehr Fracht freuen wird, schließlich sollen alle Raumschiffe die derzeit im CCDev Programm beteiligt sind, 6 oder 7 Astronauten transportieren können, damit dürfte die ISS Besatzung ansteigen und damit braucht man auch mehr Versorgungsgüter. Es wird auch spekuliert ob Russland nicht seine Sojusflüge reduziert, da nun ja zusätzliche US Flüge hinzukommen.

Der wahrscheinlichste Grund für den Bau dürften aber keine Touristenflüge zur ISS sein, denn diese stießen schon bisher auf Widerstand bei der NASA. Sie wurden geduldet als die Station im Aufbau war und die Stammbesatzung reduziert. Seit der Fertigstellung gab es kaum noch Flüge und es gab das Verbot US-Einrichtungen auf der ISS zu nutzen, was z.B. dazu führte das die Südkoreanerin Yi So-yeon ihr Schlafquartier im ATV aufschlug. Es wird kaum zu rechnen sein, dass die NASA weitere Touristenflüge zur ISS duldet, zumal sie mit Einführung ihrer eigenen Kapsel ab 2018 nicht mehr auf Russland angewiesen ist um Astronauten zur ISS zu bringen.

Doch dafür scheint die Sojus XL auch nicht entwickelt zu werden. Vor drei Monaten bekam Progress von Bigelow den Auftrag für die Fertigung eines Kopplungsadapters für eine Sojus. Das bedeutet das die Firma zumindest die Möglichkeit sich offenhält auch Sojus an ihrer Raumstation BA-330 anzudocken. Für Russland wäre das die Lösung für den Touristentransport und Bigelow hat zwar eine Raumstation und auch Verträge mit Boeing und SpaceX für den Transport von Astronauten abgeschlossen, aber sie haben noch kein Versorgungssystem. Wasser und Nahrung könnte SpaceX mit der Dragon transportieren, aber es fehlen dann immer noch die Gase (es gibt Druckverlust und der Sauerstoff muss ersetzt werden) und bei der großen Oberfläche der BA-330 ist auch noch mehr als bei der ISS ein Reboost der Station nötig. Beides kann eine Progress erledigen, die zudem ein billiger Transport als die Dragon ist.  So spricht viel dafür, dass es neue Allianz gibt: Bigelow und Roskosmos.

Voraussetzung ist natürlich, dass Bigelow seine Raumstation irgendwann in den Orbit bekommt, denn deren Start wurde ja schon um mehrere Jahre verschoben. Für Russland gibt es natürlich noch eine zweite Option: das finanzielle Engagement in die ISS zu reduzieren und wenn es mehr Personen pro Flug gibt, eventuell können dann ESA und JAXA die ja bisher nur einen Astronauten alle zwei Jahre starten können Sitze buchen und so die Kassen füllen. Lohnen tut es sich in jedem Fall. Denn die Zahl der zahlenden Astronauten erhöht sich von 2 auf 3 oder sogar 5. Bei wahrscheinlich gleichen Startkosten. Zuletzt kostete ein Sitz für die NASA 70 Millionen Dollar. Das spült dann schon Geld in die Kasse.

2.2.2014: Möglichkeiten für einen ISS-Ausbau und die Verlängerung des Betriebs

Die NASA hat vom weißen Haus ein Okay bekommen die ISS weiter zu betreiben bis 2024. (Wichtig weil die Station rund ein Viertel des NASA Haushaltes ausmacht). Ich will an dieser Stelle mal das diskutieren.

Gehen wir zuerst mal vom Zustand der Station aus. Der sieht nach NASA Angaben sehr gut aus. Bisher sieht man bei den Fernsehaufnahmen auch keine mit Algen zugewachsenen Fenster wie bei Mir. Man hat aber auch Lehren aus dieser Station gezogen und schon im Vorfeld die Labore und Module so konzipiert, dass dort keine Fallen gibt wo sich Kondensationswasser sammeln kann. Ob ein Modul von einem Stück Weltraumschrott, Mikrometeoriten getroffen wird kann man nicht vorhersehen. Natürlich veraltet alles, doch kann man kleinere Teile mit jedem Transporter transportieren und große Teile mit einem HTV, bedingt auch mit der Cygnus. So kann man nach und nach defekte oder veraltete Systeme austauschen.

Etas anders sieht es bei der Stromversorgung aus. Diese ist nicht einfach so austauschbar. Allerdings ist sie recht großzügig ausgelegt und wenn die Zellen innerhalb der nun zweiten Verlängerung rund 10% an Leistung verlieren so ist das nicht kritisch. Man wird die Batterien austauschen müssen, die 14-mal pro Tag aufgeladen und entladen werden. Aber diese sind sowieso so ausgelegt, dass man sie austauscht als ORU (Orbital Replacement Unit). Regulär sollten sie sowieso alle 5 Jahre ersetzt werden.

Etwas schwieriger ist es mit dem Kühlkörper. An den Solarpanels ist im Schatten derer ein großer Kühlkörper angebracht der von Ammoniak durchströmt wird. Das Gas verdampft durch die Wärme in der Station und kondensiert in der Kälte des Weltraums aus und gibt dabei Wärme ab. eine Kühlung ist notwendig, weil die Station zum einen Sonnenwärme aufnimmt (sie bekommt rund 30% mehr als die Erdoberfläche am Äquator) und der verbrauchte Strom letztendlich auch in Wärme umgewandelt wird. Trifft ein Mikrometeorit die Solarzellen, so ist das nicht so schlimm. An der Einschlagsstelle fallen Zellen aus, doch weil die Paneele aus über 100.000 Zellen bestehen hat das nur geringe Auswirkungen. Beim Kühler verliert die Station dagegen Kühlmittel. Bisher war die Strategie sehr einfach. Bei kleinen Lecks nahm man die Verluste in Kauf und füllte Kühlmittel nach. Bei einem großen Leck das im Mai letzten Jahres auftauchte war es nur eine Pumpe die ausgetauscht werden konnte, nicht der Kühlkörper selbst. Wenn einer ausfällt gibt es nur einen zweiten als Ersatz was dann über längere Zeit kritisch wird. Diese Körper sind wegen ihrer Größe nicht so einfach zu ersetzen.

So gesehen kann man die Station noch lange betreiben. Doch sollte man es dabei belassen? Meine Ansicht nach nein. Die heutige Station ist ja schon kleiner als geplant. Als der Aufbauplan nach dem Verlust der Columbia geändert (järte sich gestern zum 11-ten mal) wurden fielen drei Dinge weg:

Wenn die neuen US-Zubringer kommen, so ab 2018 kann jeder 6 (CST-100) bis 7 (Dragon, Dream Chaser) Personen transportieren. Selbst wenn sie eine der Sojus ersetzen (sicher nicht beide, da Russland seine Astronauten sicher mit der Sojus startet) steigt die Besatzungsstärke auf 9 bis 10. Das sind 3-4 Personen mehr als heute. Es gibt zwar nominell genügend Platz (916 m³) aber wegen der kleinen Module mit der Bauweise von Racks welche die ganzen Wände belegen, ist das Wohnvolumen deutlich kleiner (388 m³) und nicht viel größer als bei Skylab für 3 Astronauten.

Was fehlt ist ein eigener abgeschlossener Wohnbereich, der ruhig ist mit Aufenthaltsraum. Das sollte das Habitatmodul sein mit Crewquartieren und einer Messe und einer kleinen Küche. Derzeit haben die Besatzungsmitglieder Schlafkojen die in einem Standardrack untergebracht sind, in drei Modulen: Swesda und den beiden Verbindungsknoten. Also bequem ist das nicht. Bei mehr Besatzungsmitgliedern wäre es daher sinnvoll das Habitatmodul fertigzustellen und zu starten.

Ob man auch das Zentrifugenmodul starten sollte? Denkbar, aber nicht nötig. Man hat die Zeit die für Laborexperimente zur Verfügung steht weit überschätzt. Jedes Labor hat genug Racks und Platz um mindestens drei Personen das gleichzeitige Arbeiten zu ermöglichen. Doch die Besatzung verbringt heute schon nur einen Bruchteil ihrer Zeit in den Labors. Selbst wenn sie Vollzeit genutzt würden, gäbe es genügend Arbeit für 9 Astronauten. Daher sehe ich auch nicht den Bedarf weiter auszubauen und das ist ja auch nicht geplant. Wenn, dann wären aber neue russische Module die sinnvollste Erweiterung. Zum einen sind sie erheblich preiswerter als die US-Module. Zum anderen haben sie einen eigenen Antrieb. Ein Modul nach westlichen Standard (wozu auch die von ESA und JAXA gehören) muss aktiv in den Nahbereich der Station gebracht werden. Dazu braucht man dann ein Servicemodul (vom ATV oder HTV, die Cygnus scheidet aus, weil sie nicht auf so hohe Nutzlasten ausgelegt ist) und dessen 4-5,5 t Gewicht gehen von der Startmasse ab, dazu kommt noch Treibstoff. Da ist man dann bei maximal 14 t für ein Modul. Das reicht dann gerade noch für die Leermasse ohne jede Installation. Russland hatte ja mal vor, sich mit mehr Modulen zu beteiligen. Drei weitere waren vorgesehen, darunter ein Dockingmodul das es erlaubt hätte die Station um fünf Module zu erweitern oder alternativ bis zu 5 Sojus/Progress anzukoppeln. Es ist aber angesichts der Erfahrungen die man bei der ISS-Zusammenarbeit mit Russland gemacht hat nicht damit zu rechnen, dass die NASA diese finanziert und Russland bringt ja nicht mal Nauka auf den Weg, das ursprünglich 2007 gestartet werden sollte. Inzwischen redet man von 2015.

Das leitet über zu der internationalen Zusammenarbeit. Die NASA will die Station. Doch wie sieht es bei den Partnern aus? Von der JAXA weiß man wenig. Wenn die Raumfahrtagentur wie die ESA eine limitierte Anzahl an HTV in Auftrag gegeben hat dann dürfte sie die gleichen Probleme wie die ESA haben - Ab 2016 fehlen dann Transporter für die Kompensationszahlungen. Die ESA könnte ja noch zwei ATV bauen (einige Elektronikbauteile werden nicht mehr gebaut, aber man hat noch Reserven für zwei ATV) ab dann müsste sie entweder ein ATV 2.0 bauen oder eine andere Lösung anstreben. Derzeit will man das letztere, nämlich zwei Servicemodule für die Orion, obwohl das teurer wird, aber weil offensichtlich mehr zählt dass man was neues entwickelt, als dass man Geld spart ist das der favorisierte Weg. Ein ganz anderes Problem sind die nationalen Interessen. Von den drei Hauptbeteiligten der ESA will eigentlich nur Deutschland eine Verlängerung des ISS Betriebs und träumt inzwischen schon vom Start des Dream Chaser mit europäischer Beteiligung auf einer Ariane 5. Frankreich und Italien haben schon angekündigt ihre Budgets zu reduzieren und über 2016 hinaus ist nichts beschlossen. Frankreich wäre bereit wenn Deutschland bei der Ariane 6 einsteigt bis 2020 sich zu beteiligen, doch das sind immer noch 4 Jahre zu wenig wenn es tatsächlich zum Beschluss des Betriebs bis 2024 kommt. Dann fehlt natürlich auch eine Kompensation für diese 4 zusätzlichen Jahre. So spricht einiges dafür das die ESA spätestens ab 2020 aussteigt.

Russland dürfte schon aus Prestigegründen sich beteiligen, aber ob sie ihr Engagement ausbauen dürfte zu bezweifeln sein. Eher kann man davon ausgehen, dass sie die nun freiwerdenden Sojus Sitze für Touristen nutzen, etwas was die NASA gar nicht gern sieht. Dabei wird man mehr brauchen - mehr Versorgungsgüter wenn die Besatzungsstärke um 50-60% ansteigt. Vor allem wenn ab 2017 die ATV wegfallen und es so mindestens drei zusätzliche US-Flüge geben wird. Mit drei weiteren Astronauten ist man mit 12 t mehr Material, das entspricht sechs Cygnus/Dragon Starts oder 5 Progress pro Jahr dabei. Das dürfte Russlands Kapazitäten überschreiten und auf US-Seite wird fast jeden Monat ein Transporter anlegen müssen. Sollte auch das HTV wegfallen, dann reden wir von insgesamt 18 Transportern im Jahr, da nur ATV und HTV große Nutzlasten haben, alle anderen Systemen transportieren maximal 2,5 t zur Station. Das wird dann sehr aufwendig in der Logistik und auch im Betrieb. Es wird vor allem teuer werden, denn beide Juniorpartner ESA und JAXA erbringen relativ viel Transportleistung, gemessen daran dass sie auch für den Betrieb zahlen könnten. So die ESA 5 ATV für 8 Jahre Betrieb, während bei einer Bezahlung der kosten nur 150 Millionen Euro pro Jahr zu bezahlen wären (die 5 ATV kosten ohne Entwicklungskosten dagegen 2250 Millionen Euro, also so viel wie 15 Jahre Betrieb).

Derzeit würde der Transport von 37 t Fracht pro Jahr alleine 3,2 Milliarden Dollar kosten. (CCDEV: 3,5 Milliarden für 40 t Fracht).Dann kämen noch einige Flüge der Crewvehikel hinzu. Dann ist man leicht bei 4 Milliarden Dollar pro Jahr. Dagegen liegt heute das komplette ISS Budget bei 3 Milliarden Dollar und darin sind weder die CCDEV noch die CRS Kosten mit enthalten (aber die Zahlungen an Russland). Ob die NASA das Geld hat? Das Budget bleibt ja über Jahre festgeschrieben. Die SLS und MPCV werden auch noch entwickelt. Mal sehen was draus wird.

3.2.2014: Ich will prominent werden!

Eine Eigenheit von mir ist, das ich nichts körperlich tun kann ohne nachzudenken. Da ich dreimal in der Woche Schwimmen gehe, habe ich so 5-6 Stunden über verschiedene Dinge nachzudenken oder vielmehr Dinge durchzudenken oder auszudenken. Ein guter Teil meiner Aufsätze der "Münchhausen Kolumne" entsteht auf diese Weise. Als ich zum Aufsatz Ich bin ein Star holt mich hier raus nachsah, ob man die Teilnehmer als B- oder C-Promis bezeichnen sollte, sah ich das es da kein System gibt, wann jemand ein B- oder gar C-Promi ist. Also dachte ich während des Samstagschwimmens drüber nach und raus kam ein neuer Aufsatz mit dem Leitenbergschen Prominenzklassifikationsverfahren. (Es ist in der Wissenschaft gute Tradition dass man eine Entdeckung nach dem Entdecker benennt, warum sollte man das nicht übertragen?).

Als ich über Beispiele nachdachte, fiel mir auf, das zahlreiche Sendungen eigentlich nur den Sinn haben D-Promis zu generieren. Nach meinem Klassifikationsverfahren ist ein D-Promi ein Normalbürger der prominent sein will, es aber nicht ist und Prominenz nur durch zahlreiche Medienauftritte erlangt. Eine Sendung die D-Promis generiert, ist eine, die häufig gesehen wird, aber nachdem die Sendung gesehen wurde, ist es auch schon aus mit der Berühmtheit. Das unterscheidet sie zumindest marginal von Sendungen, die als Ziel haben einen C-Promi zu generieren. Ein C-Promi ist nach meiner Klassifikation eine Person die einen zumindest kurzzeitigen öffentlichkeitswirksamen Erfolg durch eigene Leistung hervorbringen kann wie Gewinner von DSDS, bei denen zumindest die erste Single auch gekauft wird.. Das könnte man von DSDS sagen, wobei der Trend bei der Sendung auch dahin geht, das selbst die Gewinner nur D-Promi Niveau erreichen.

Ein Paradebeispiel ist der Bachelor. Ich kannte den bisher nur von einer Persiflage von Kalkhofe. diesmal habe ich mir die ersten zwei Folgen angeschaut und tatsächlich, das ist so schlimm wie es die Ausschnitte von Kalkofe schon andeuten. Also für alle die diese Männerphantasien notgeiler RTL Redakteure noch nicht gesehen haben: Der "Bachelor" will sich (angeblich) verlieben und da werden etwa zwei Dutzend attraktive Frauen gecastet die sich ihm vorstellen (sie kennen sich vorher nicht). Bei jeder Runde schmeißt er einige raus, die ersten noch am ersten Abend. Damit es Zoff gibt, teilen sich die Frauen eine Villa (wenn man mehr als zwei Frauen in einem Haus unterbringt, scheinen Zickenterror und gegenseitige Lästereien unvermeidlich). Der Bachelor lädt dann einzelne oder einige Damen in Gruppen zu Ausflügen oder Unternehmungen ein. Das geht dann soweit, bis nur noch eine übrig bleibt, die dann wohl mit dem Bachelor in die Kiste darf, wenn er nicht sie und ein Dutzend andere vorher "angetestet" hat.

Da die ganze Location, Häuser und Ausflüge etc.. der Produktionsfirma angemietet und bezahlt wird und man vom Bachelor nur weis, das er ein kleines Startup hat, nicht aber ob er und sein Bruder die einzigen Mitarbeiter sind oder er reich ist, kann Geld nicht der Grund für die Frauen sein, bei so was mitzumachen. Liebe ist es gewiss nicht, denn wer meldet sich schon freiwillig zu einem Blinddate mit dem man mit 20 anderen konkurrieren muss? Also bleibt die Hoffnung so irgendwie bekannt oder noch besser prominent zu werden. Was diese Sendung von anderen Formaten wie Germanys next top Model unterscheidet ist, dass selbst der Gewinner ja nichts vom Gewinn hat - ein Rendezvous mit dem Bachelor, aber keinen Modelvertrag, Plattenvertrag oder eine Siegprämie.

Ein zweites Format das auch D-Promis generiert ist das Lustigmachen über Leute. Dazu gehören Sendungen wie Daniela Katzenberger - natürlich blond oder die Geissens, die beweisen, dass man auch wenn man reich, ist sich wie ein Proll aufführen kann. Auch die nehmen zu. Wahrscheinlich kann man eine Reihe von Sendungen hier einsortieren, ich habe daher nur die erwähnt die das ganze in Reinkultur verkörpern. Dazu gehören sicher auch andere Formate wie "Bauer sucht Frau" und ich denke selbst GNTM, obwohl dort ja wenigstens die Sieger C-Promis sein sollen - doch von dem meisten Siegerinnen hat man niemals wieder etwas gehört. Die meisten Modells sind auch nicht prominent, sie treten zwar in Modeschauen auf, doch von denen gibt es hunderte, es fehlt die Präsenz vor einem Massenpublikum. Die erreichen nur einige Supermodells.

Interessieren würde mich was die D-Promis sich davon erhoffen. Denn selbst im optimistischsten Fall ist ihre Prominenz nur temporär und durch das Format können sie sicher nicht auf Aufträge hoffen mit denen sie etwas Geld verdienen können. Sie haben ja keine eigene Leistung vorzuweisen. Gerade durch die vielen Sendungen bedeutet die D-Prominenz ja nichts. Es gibt einfach zu viele davon. Im Zweifelsfall schadet man sich durch die Präsenz eher, denn gemeinerweise wird ja meist das gezeigt, worüber sich andere lustig machen oder was für einen peinlich ist. Ich bin mir nur als Beispiel ziemlich sicher, dass Larissa Marolt nach dem Auftritt im Dschungelcamp, garantiert keine Hollywoodkarriere einschreiten kann. Sicher wird es zu einer Menge Auftritten als Gallionsfigur bei Messen oder ähnlichem reichen. Doch ihr Image hat sie mit der Teilnahme nachhaltig zerstört, auch wenn ihre absolute Prominenz nun zumindest für einige Monate deutlich angsteigen ist.


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