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Web Log Teil 378: 28.3.2014 - 4.4.2014

28.3.2014: Das Netz hat für jeden etwas.

Ein paar Dinge habe ich mal zusammengenommen für einen kleinen Beitrag im Bereich "Vermischtes". Samstag, Wilsberg, mein Lieblingskrimi kommt. Der Strunz doofe Bulle Overbeck kommt zu einer Leiche "Weis man schon wer es ist" - "Overbeck kennen sie noch nicht die Gesichtserkennungsapp - 3000 liken das". Nachdem die Kommissarin Overbeck auf die Schippe genommen hat präsentiert sie den Personalausweis des Opfers.

Einen Tag später Auslands Journal, Bericht über ein Unternehmen das Gesichtserkennung für Unternehmen anbietet. Es ist schon im Einsatz bei der US-Polizei. Jemand ist dort verdächtig (das ist man anscheinend schnell) wird mit der Rückseite eines Tabletts fotografiert, die App präsentiert dann "ähnliche" Gesichert aus den Fahndungslisten. Dabei war kein Treffer. Über die App will ich mich nicht so sehr äußern, denn zum fotografierten Mann der zwar dunklere Hautfarbe hatte, aber nicht schwarz war (offenbar Mexikaner oder ähnliches) wurden als Vergleich nur Gesichter von Schwarzen präsentiert. Rassismus scheint in den USA sogar bei den Apps gängig zu sein.

Die Firma hat schon eine app für das Google Glas, man muss nur sagen "Glas recognice that face".

Dann hat die Türkei Twitter abgeschaltet, bzw. muss das wieder rückgängig machen und gerüchteweise sollen whatsapp viele Abonnenten verloren, weil nun das böse Facebook die Firma übernommen hat. Trotzdem finde ich in vielen Fernsehprogrammen "Besuchen sie unsere Facebook Seite" und wenn es um "Meinungen im Internet" geht die neuerdings in politischen Sendungen auftauchen dann ist damit auch immer Facebook gemeint. Zwei der drei "Kommunikationsmöglichkeiten" von Login betreffen als Datenkraken bekannte Dienste nämlich Facebook und Google+

Kurzum, man kann so viel mit dem Internet machen, inzwischen gibt es ja schon Geräte die man vorwiegend zum Surfen benutzt (ich meine Tabletts, aber Leute mit Masochismus werden sicher auch darunter Smartphones verstehen), bei mir hat sich trotz vieler neuer Anwendungen nicht viel beim Konsumverhalten geändert.

Ich benutze Internet noch genauso wie vor 15 Jahren. Ich schaue meine Mails durch, suche nach etwas und schreibe was das ich dann veröffentliche - früher vor allem als Artikel, heute eher als Blog. Viele Dinge die man im Internet machen kann, habe ich mal probiert, aber als nicht für nützlich empfunden:

Foren: haben sich als extrem zeitintensiv herausgestellt, ganz nützlich zum Smalltalk, aber schwer nutzbar für Informationsgewinnung oder nur richtige Diskussionen, weil es immer einige gibt die nicht informiert sind und dann wieder Endlosdiskussionen anzetteln oder ein ewig schon ad acta gelegtes Thema herauskramen oder das ursprüngliche Thema geht verloren. Wenn ich ab und an drin stöbere, dann mit der Suchfunktion nach Links, denn Dokumente kann man als Referenzen und Quellen nehmen, Aussagen von Leuten mit Pseudonymen nicht, aber es gibt in den Foren auch Kenner und die publizieren dann Links. Ich war mal vor Jahren in einem aktiv, aber mittlerweile lese ich nur passiv.

Facebook und soziale Netzwerke. Ich habe den Sinn nicht verstanden. Ich war nur einmal Mitglied bei einem und das war Stayfriends, wo man alte Klassenkammeraden finden kann. Da meine letzten beiden Schulen welche mit vorwiegend Mädchenklassen waren, gibt es das Problem dass deren Nachnamen nach der Heirat in der Regel nicht mehr stimmen. Allerdings wollte der Betreiber schon für einfachste Kommunikation untereinander Geld sehen und das war es mir nicht wert. Ansonsten verstehe ich nicht warum alle Personen, die ich kenne von mir über jede Kleinigkeit informiert werden sollen, bzw. welchen Sinn es haben soll Hunderte oder Tausende von "Freunden" zu haben, die man zu 99% nicht persönlich kennt. Wenn ich jemanden was zu sagen habe, tue ich es persönlich und ich wüsste nichts was ich auf einmal jedem den ich kenne ohne Unterschied mitteilen sollte.

Twitter: Das Gegenstück zur SMS und schon das habe ich nicht verstanden. Welchen Sinn soll es machen irgendwelche Botschaften in Kurzform an die Welt zu posten? Vor allem weil es ja wirklich an die Welt ist und für immer, denn das Internet vergisst ja nichts.

Über Apps kann ich gar nichts sagen weil man dazu wohl ein Smartphone oder Tablett braucht. Beides ist mir zu teuer und zu nutzlos. Neben dem dass ich ohne Tastatur wenig Nutzen sehe ist dann noch das Faktum, das ich selbst mit Brille nur 25% sehe, das bedeutet ich werde mit hochauflösenden kleinen Bildschirmen nicht glücklich weil ich auf diesen noch weniger erkenne als auf niedrig auflösenden kleinen Bildschirmen.

Das ist irgendwie so wie beim Handy. Ich gehöre zu den 0,x% der Bevölkerung, die kein Handy haben und ich habe auch nie eines besessen. Es mag ja ganz toll sein zu jeder Zeit jemanden anzurufen, doch ich sehe immer bei anderen die Kehrseite der Medaille. Leute die ein persönliches Gespräch unterbrechen um ein Handytelefonat anzunehmen, Personen die geistesabwesend SMS eintippen oder laut redend durch den Supermarkt gehen "Wo nochmal ist das ....". Wenn ich was wichtiges zu sagen habe, dann rufe ich jemanden an und zwar bevorzugt per Festnetz, da ist er entweder da und nimmt das Gespräch an oder nicht, aber ich störe keinen. Der Nutzen eines Handys ist sowieso minimal geworden, weil man es wegen der Störwirkung bei Arbeit, Studium etc, ausschalten muss. Wenn man es eh nur daheim benutzen kann braucht man es eigentlich nicht.

Dann gibt es noch den  Blog, das ist was für Schwafeltanten wie mich, allerdings ist da auch die Welle schon am abschwappen, denn Blogs schreiben ist zeitintensiv, sie zu lesen auch. (ich lese keine Blogs, die Zeit habe ich nicht...). Kurzum: das tolle am Netz ist, das es für jeden was hat. Dabei habe ich ja nur die Dinge genommen, die man aktiv nur im netz tut. Wenn man noch das Netz als Medium für Dinge nimmt, die man auch ohne tun könnte (wenn auch zeitintensiver oder umständlicher) wie einkaufen, Dateien tauschen, Pornos ansehen ...

29.3.2014: Noch'n überflüssiger Träger

Gerüchten zufolge muss die US-Regierung sparen, aber sie scheint über 100 Millionen für die Entwicklung eines überflüssigen Trägers übrig zu haben. Boeing bekam von der DARPA den Auftrag eine Rakete für den Start von Mikrosatelliten zu entwickeln. Genau sind es 104 Millionen und der Start soll schon im Finanzjahr 2015 sein.  Etwas später wurde dann bekannt das die Rakete mit einer Strike Eagle (F-15E) gestartet werden soll und 7,3 m lang ist. Genaueres weiss man noch nicht nur die Nutzlast von 45 kg (100 US-Pfund) und Boeing verspricht die Startkosten für Mikrosatelliten auf ein Drittel zu drücken, 1 Million pro Flug.

Nun untersuchen wir das mal. Nach der Abbildung die die Rakete etwa 0,8 bis 1 m hoch, ihre Länge kennen wir, die beträgt 7,3 m. Die Pegasus als Vergleich ist 15,20 m lang mit einem maximalen Durchmesser von 1,27 m. Das Gewicht ist nur schätzbar, ich würde es auf 5-6 t schätzen. Die maximale Waffenlast einer Strike Eagle beträgt 11 t, allerdings verteilt unter Rumpf und Tragflächen. Natürlich kann man bei einer derartigen Startmasse einen 45 kg Satelliten transportieren, allerdings dürfte die Steuerung (Sender, Batterien, Inertialplattform, Computer etc) wahrscheinlich fast genauso viel wiegen.

Angesichts der schnellen Entwicklung tippe ich drauf, dass man militärische Raketen einsetzt. Die USA haben ja da einiges an Raketenabwehr Waffen entwickelt. Kostengünstig wäre es auch wenn die Ziffer von 1 Million haltbar ist. Eine Pegasus kostet 30 Millionen, vor allem aber deswegen weil sie so selten fliegt. Auch das spricht für die Zweckentfremdung schon existierender Raketen.

Das leitet mich zum Aber über: Aaaaaaaber braucht man überhaupt so was? Also Mikrosatelliten sind typische Sekundärnutzlasten. die kann man mitnehmen bei SSO-Missionen, die sind nicht gerade häufig, aber eine pro Jahr gibt es auch in den USA oder ISS-Missionen, da wird es einige mehr geben: 4-6 CRS-Transporte in den nächsten Jahren jedes Jahr. Gut, vielleicht passt dann die Bahn nicht bzw. bei ISS-Missionen wird man sie erst anheben müssen, aber ist es da nicht einfacher einen kleinen Antrieb in den Satelliten zu integrieren? Ein 22 N Hydrazintriebwerk, ein kleiner Hydrazintank und man kann die Bahn verändern. Oder man nimmt zwei kleine Feststofftriebwerke mit feststehendem Impuls. Selbst wenn es dann die Nutzlast 60 kg schwer macht, das spielt bei einer Sekundärnutzlast nun nicht die große Rolle. Atlas V und Delta 4 haben sogar einen Standardadapter für solche Sekundärnutzlasten. Damit könnte man sie schon heute starten.

Aber wo sind denn die Starts? Ich kann mich nicht an so viele Mikrosatelliten in den letzten Jahren erinnern. Es gibt meist die kleinen Cubsats von 1-3 kg Gewicht und dann folgen schon größere die einen eigenen Start haben mit einigen Hundert Kilo Gewicht. Ab und an ein Start dazwischen, aber braucht man für diese wenigen Nutzlasten einen eigenen dezidierten Träger? 104 Millionen für eine Trägerrakete auszugeben, die man nicht braucht ist schon eine Menge, da könnte man SpaceX fragen ob sie nicht 12 Faclon 1 nochmal herstellen und starten und damit käme man auch lange aus - ohne Neuentwicklung.

Irgendwie verstehe ich den tiefen Sinn nicht, doch das ist bei vom Militär geplanten Dingen ja öfters so. Das ist irgendwie Mode. Die NASA baut das Senate Launch System (SLS) - auch für das gibt es keine Nutzlasten. Irgendwie ist das heute modern. Wir entwickeln eine Trägerrakete und sehen dann ob wir sie brauchen. Und wenn wir feststellen dass sie zu klein ist bauen wir einfach eine größere ... NASA und Pentagon machen nach was Privatinvestoren vormachen.

30.3.2014: Ach Du Sommerzeit

Kommt es nur mir so vor oder hat man dieses Jahr einen Monat früher auf Sommerzeit umgestellt? Ich halte es für einen der blödesten Beschlüsse, die es je gab und es ist wohl einer der unumkehrlichsten. Versprochen wurde uns, dass wir dadurch Energie sparen. Das habe ich schon damals als sie eingeführt wurde, das war so glaub ich 1979 oder 80 nicht geglaubt. Denn am Tag ändert sich doch nichts. Er hat immer 24 Stunden. Wenn man abends eine Stunde mehr Licht hat, muss man morgens eine Stunde länger das Licht anlassen. Also Einsparpotential gleich Null. Dazu kommt das die Glühbirne als ineffizientester Leuchtkörper durch Halogen, Energiesparlampen oder LED ersetzt wurde, aber wahrscheinlich wird das kompensiert durch eine viel stärkere Beleuchtung der Städte als 1980.

Jeder weiß seit Jahren - die Sommerzeit bringt keine Energieersparnis, das ist inzwischen durch Messungen gesichert. Dagegen belastet sie die Leute, die aus ihrem Biorhythmus kommen, aber auch Tiere wie Kühe die sich an bestimmte Melkzeiten gewöhnt haben. Nutzen gleich Null, dagegen eine Menge Gegenargumente, warum ändert man sie nicht? Weil das ein Grundübel von politischen Entscheidungen ist: einmal beschlossen wird nichts dran geändert, außer es gibt einen Tsunami und eine Kernschmelze. Alleine in Deutschland gibt es etliche Beispiele, angefangenen von der Sektsteuer für die Finanzierung der Kaiserlichen Flotte, die auch knapp 100 Jahre nach der Selbstversenkung der Flotte bei Skapa Flow noch erhoben wird, über die Ökoabgabe, die ja die CDU/CSU abschaffen wollen, sie aber nur erhöht haben. Hier in Deutschland besteht wohl nur Aussicht das sich was ändert, wenn Horst Seehofer die Sommerzeit nicht gefällt, denn der druckt ja alles durch. So gesehen muss man ja froh sein das Merkel die Kohlsche-Aussitzpolitik praktifiziert - wer nichts macht, macht nichts falsch, auch wenn wir immer noch auf die geistig-moralische Erneuerung warten. (Vor allem eine moralische Erneuerung wäre nötig, was man unter einer geistigen Erneuerung versteht, habe ich schon 1982 nicht verstanden)

Gerne verwiesen wird auch, dass wir das nicht machen könnte, weil ja alle anderen Nachbarländer sie einsetzen. doch warum? Wir haben auch so in Europa Zeitzonen. Irgendwann muss man bei Reisen die Uhr umstellen. Und so sind es eben mal 2 Stunden anstatt einer oder gar keine, was dann wieder Vorteile bringt. Und es geht ja auch wie Putin zeigte. Zumindest in der Sommerzeitfrage beneide ich Russland: Da hat Putin im Oktober 2011 sie einfach dauerhaft eingeführt. Das verrückte: Drei Monate später will man dann doch wieder die Winterzeit weil es Probleme beim Aufstehen von Putin gibt und internationale Fußballspiele zu spät stattfinden (so langsam verstehe ich warum eine Fußball-WM in Russland stattfinden muss).

 Wahrscheinlich wird die Sommerzeit die Sektsteuer noch weit überleben, selbst, wenn man dadurch Energie verbraucht anstatt einzusparen ....

31.3.2014: Herzlichen Glückwunsch zum 75.sten

Heute feiert ein Raketenpionier einen "runden" Geburtstag, denn wohl nicht viele auf ihrem Schirm haben. Es ist Lutz Thilo Kayser, Firmengründer der OTRAG und wohl eine der schillerndsten und umstrittenen Persönlichkeiten in der Raketenentwicklung.

Lutz Kayser wurde am 31.3.1939 in Stuttgart geboren, beschäftigte sich schon in seiner Jugend mit selbstgebauten Raketen die er im Hinterhof seines Vaters der in der Südzuckervilla wohnte startete. Bald musste er wegen der Brandgefahr in einen Steinbruch ausweichen (mit dem Niederbrand der Villa im Jahr 1967 hat er nichts zu tun), studierte dann Luft & Raumfahrttechnik bei Prof. Sänger in Stuttgart.

Kayser1971 gründet er die "Technologie Forschungs GmbH" und bekommt gleicht einen Auftrag vom BMGT für eine Studie für eine Alternative zur Europa Rakete. Das wahr schon etwas besonderes, denn die anderen Konkurrenten wie MBB, Dornier oder ERNO waren alles etablierte Raumfahrtkonzerne. Während diese die Rakete leicht modifizieren, setzt Kayser auf ein völlig anderes Konzept: Die dreistufige Rakete soll nur die Coralie Oberstufe entwickeln. Die zweite Stufe setzt 36 einfache Triebwerke ein, alle Druckgefördert, aber mit einem gemeinsamen Tank. Die erste Stufe sind sechs identische Booster die diese umgeben.

Das BMFT beschließt die Triebwerke zu erforschen und von 1972 bis 1974 wird das mit fast 4 Millionen DM gefördert. 1974 ist die Ariane beschlossen und die Förderung läuft aus. Kayser gründet daraufhin eine neue Firma, die OTRAG, Mit dem Geld von über 1000 stillen Gesellschaftern soll nun eine Trägerrakete entwickelt werden. Das ganze wird den Anleger aber als Verlustabschreibungsgesellschaft verkauft. Gemäß den damaligen Steuerrechten konnte man ein Mehrfaches der Einlage als Verlust steuerlich geltend machen und so lohnte es sich durch die Steuerersparnis. Das gelang dank zwei sehr wohlwollenden Finanzbeamten, die aus dem hessischen Offenbach eine Steueroase (nicht nur für die OTRAG) machten. Vom eingesammelten Kapital lässt sich Kayser gleich mal 14 bis 25 Millionen auszahlen, und Berichte aus den Siebzigern schilden ihn daher auch als ziemlich reich mit eignem Learjet, einem Schnellboot, einer Villa an der Costa Esmeralda. Die vom BMFT geförderten Entwicklungen werden von Kayser den stillen Eigentümern für einen dreistelligen Millionenbetrag verkauft.

Das Konzept wurde dahingehend geändert, dass nun jedes Triebwerk einen eigenen Tank hat, anstatt einem gemeinsamen für 36 Triebwerke. Was geblieben ist, das eine Rakete Hunderte dieser Tanks und Triebwerke braucht.

Für den Start der Module braucht Kayser ein Startgelände und wird in Zaire fündig. Diktator Mobutu ist bereit ein Gelände in der Größe der DDR zu verpachten. Damit beginnt die OTRAG in politische Verwicklungen. Die sozialistisch regierten Nachbarstaaten beschweren sich, DDR und Russland hetzen und unterstellen einen illegalen Test von "bundesdeutschen Raketenwaffen". Die Bundesregierung übte Druck auf Mobutu aus, bzw. bei dessen Naturell: zahlte Entwicklungshilfe, beschloss aber auch eine Veränderung der Steuergesetzte, die jedoch erst einige Jahre später griff. 1976 wurde der Vertrag abgeschlossen, schon 1979 wurde er wieder gekündigt.

Kayser wurde fündig bei der Suche nach einem neuen Startgelände und zwar in Libyen. Machte sich vorher Kayser beim Osten unbeliebt (Mobutu führte zwar ein korruptes und diktatorisches Regime, aber prowestlich und wurde daher nie vom Westen sanktioniert) so stand er jetzt auf der Beobachtungsliste von westlichen Geheimdiensten und dürfte lange nicht in die USA einreisen. Die Kooperation mit Gaddafi führt zu einer Rebellion der Gesellschafter und Kayser muss 1981 den Vorstandsposten räumen und verlässt die OTRAG ein Jahr später. Die OTRAG versucht noch die Rakete als Höhenforschungsrakete anzubieten, hat aber keine Aktiva mehr für eine Weiterentwicklung und wird 1986 aufgelöst.

Gleichzeitig wird bekannt dass die OTRAG rund 150 Millionen DM verbraucht hat und Schulden in der Höhe einer halben Milliarden DM hat. Um den Gewerbesteuern von Stuttgart zu entgegen zieht die Firma nach München um. In Libyen gehen die Starts weiter. eigenen Aussagen nach wurde Kayser enteignet und die Starts fanden mit Hilfe von Mitarbeitern der OTRAG statt, welche kündigten und dann für das Lybische Militär arbeiteten. Seltsam nur, das Kayser noch 10 Jahre später in Libyen ableitete und forschte und zu einem Posten in der nationalen Akademie der Wissenschaften kam.

Seit in dem neuen Jahrtausend in den USA viel Geld in die "private Raumfahrt" fließt ist auch Kayser wieder dabei. Kayser gründet die "von Braun Debus Kayser Rocket Science LLC", ansässig in Wilmington, Delaware. Auch Delaware gilt als eine Steueroase - nur diesmal in den USA. Er versucht sein Konzept zuerst Amarillo Aerospace zu verkaufen, doch die konzentrieren sich auf andere Aspekte. Schließlich wird er Berater für Antriebe bei Interorbital Systems, die basierend auf dem Konzept nun ihre Neptun Raketen entwickeln. Von den großen Trägern mit Hunderten von Modulen ist man abgekommen, nun will man erst mal gegen Vorkasse Cubesats starten und später dann den Google Lunar X-Price gewinnen.

Über die Person Kaysers kann man verschiedener Ansicht sein. Man kann ihn als Raketenpionier sehen mit einem genialen Konzept, das er leider nicht umsetzen konnte oder als jemanden der mit einem Konzept, das wohl nie funktionieren würde und das er mit Bundesmitteln entwickelt hat bis heute Geld verdient - von den Gesellschaftern der OTRAG über die Mittel von Diktatoren bis heute, wo Interorbital sicher auch etwas bezahlt hat.

3.4.2014: Wofür braucht der Mensch die verschiedenen Fettsäuren?

Inzwischen weiß ja jeder das man "Omega" Fettsäuren braucht. Dazu gibt es von mir einen eigenen Artikel. Heute geht es mehr allgemein darum, woraus Fett besteht und welche Fettsäuren man wofür braucht,

Also zuerst mal: Fett besteht aus einem Glycerinmolekül, das verestert (chemisch verbunden) mit Fettsäuren ist. Wenn man Fett durch Laugen spaltet, erhält man Seife, die aus den Natriumsalzen der Fettsäuren besteht. Das Glycerin wird meistens bei der physiologischen Beurteilung weggelassen, zum einen, weil es in allen Fettmolekülen das gleiche ist und zum andern, weil es schon in den Darmzellen abgebaut wird und für die Energie genutzt wird, welche die Verdauung braucht. Bleibt also noch, die Fettsäuren zu betrachten. Chemisch sind sie die einfachsten Moleküle in unserer Nahrung. Die meisten Fettsäuren bestehen aus einer linearen Kohlenwasserstoffkette mit einer Säuregruppe (-COOH) am Ende. Vom Aufbau ähneln sie daher Essigsäure oder Buttersäure, sind aber bei längeren Ketten weder geruchlich aktiv noch sauer. Fettsäuren mit kurzen Ketten riechen noch und prägen das Aroma von Käse und Butter. Ziegen und Schafsmilch enthalten relativ viele dieser Fettsäuren.

Man teilt nun in der Ernährungslehre die Fettsäuren in drei Gruppen ein:

Physiologisch wichtig ist, dass der menschliche Körper Doppelbindungen nur ab einer bestimmten Position einführen kann. Aufgrund dessen kann er alle mehrfach ungesättigte Fettsäuren nicht synthetisieren. Sie sind essenziell müssen also mit der Nahrung aufgenommen werden. Chemisch ist wichtig, dass jede Doppelbindung dazu führt, dass an der geraden Kette ein Knick entsteht. Das Molekül braucht so mehr Platz und das bewirkt einen niederen Schmelzpunkt. Fette mit ungesättigte Fettsäuren sind daher bei Zimmertemperatur fest und Öle enthalten zum größeren Teil einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Die ungesättigten und einfach gesättigten Fettsäuren werden nur zur Energiegewinnung genutzt, Aus den mehrfach ungesättigten Fettsäuren bildet der Körper einige Hormone, zelluläre Botenstoffe und auf Entzündungen einwirkende Stoffe. Daneben bestehen aus ihnen die Zellmembranen zu einem großen Teil und sie beeinflussen die Eigenschaften dieser Membranen.

Warum wird nun so ein Gedöns um die Fettsäuren gemacht? Weil Fett auch transportiert werden muss und das geschieht in Protein/Fettgemischen, die als kleine Bläschen durchs Blut treiben. Die bekanntesten dieser Transportvehikel sind LDL und HDL. Genau diese Teilchen (vor allem das LDL) können sich bei Entzündungen der Gefäße in der Gefäßwand abgelagert und können zu einem immer dicken werdenden Belag werden. Neben Cholesterin spielen dabei auch die Fette eine Rolle. Dabei gilt:

Die Ernährungsempfehlungen sind diesen Erkenntnissen gefolgt. Das bedeutet, heute wird empfohlen:

Hat man Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, so wird man zu noch mehr Omega-3 Fettsäuren raten, umgekehrt wirken Omga-6 Fettsäuren sehr positiv bei einigen Erkrankungen wie Neurodermitis, sodass Patienten mit diesen Erkrankungen solche Fette bevorzugen sollten.

Verwandte Artikel:

Fett und seine Zusammensetzung und Verarbeitung.

Was sind Omega-3 Fettsäuren

4.4.2014: Kleinsatelliten

Nachdem die USAF einen Träger für den Start von Minisatelliten baut und die NASA auch angekündigt hat, veröffentlichte die NASA, dass sie acht Satelliten mit einer Pegasus starten will, jeder nur 18 kg schwer. Die CYGNSS Satelliten sollen die Ozeane überwachen indem sie direkte und reflektierte GPS Signale vermessen. Die reflektierten Signale sind ein Indikator für die Rauigkeit der Ozeanoberfläche.

Nun werden Satelliten immer leistungsfähiger. Nehmen wir den chilenischen Erderkundungssatelliten SSOT. Er wurde als Sekundärnutzlast mit einem Plejades Satelliten in einen 620 km hohen Orbit gestartet. Er macht Aufnahmen mit einer Auflösung von 1,45 m. Computer zur Datenverarbeitung brauchen immer weniger Strom und werden immer leistungsfähiger, niedrigempfindliche und schwere Vidicon Röhren und Scanner auf der Basis weniger lichtempfindlicher Elemente wurden durch CCD abgelöst. Das hat Folgen für andere Systeme. Wenn man weniger Strom für Computer und Experimente braucht braucht man kleinere Solarzellen, leichtere Experimente reduzieren die Anforderungen an das Strukturgewicht und das Antriebssystem. so erreicht ein kleiner Satellit heute eine größere Auflösung als die erste Generation der SPOT Satelliten.

Das ganze hat Grenzen. Optische Instrumente werden um den Faktor 6-8 schwerer be verdoppelter Auflösung und da der Nutzlastanteil meist konstant ist steigt so das Satellitengewicht analog an. Doch für viele nicht militärische Zwecke sind Auflösungen von wenigen Metern ausreichend. Schon ein Teleskop mit 114 mm Durchmesser, das ist so bei Amateurastronomen die "Einstiegsklasse" kann man aus 500 km Höhe dann rund 3 m große Details abbilden. Der optische Tubus wiegt dann weniger als 5 kg. Vielmehr braucht man für bestimmte Zwecke wie z.B. der schnellen Reaktion bei Katastrophen oder wenn es Krisen mit Truppenaufmarsch wie in der Krim gibt eine hohe Revisitzeit also ein erneutes Ablichten nach kurzer Zeit. Das ist das Konzept von Rapideye, die mit 5 Kleinsatelliten die Erde jeden Tag umkreisen. Sie versprechen eine Revitszeit von einem Tag. Die Extremform ist die von Planetlabs gebauten Dove Satelliten. 28 sind im Orbit, es sind Cubesats mit 3 Höheneinheiten Länge, also 3 kg Gewicht, sie sind im Prinzip um die Kamera herum gebaut. Ein Investor hat nun 100 Millionen für weitere 72 Satelliten locker gemacht. Zwar sind die Satelliten fähig Aufnahmen mit 5 m Auflösung zu machen, was ein Rekord für diese Gewichtsklasse ist, aber die Grenzen sind auch unübersehbar. Man kann die Bahn nicht beeinflussen. Wie die meisten Cuebsats werden sie in niedrigen Erdumlaufbahnen entlassen, 28 Stück z.B. im Februar von der ISS, wo sie in weniger als einem Jahr verglühen. So spart man im Endeffekt nicht so viel weil man viele Satelliten laufend starten muss.

Ich glaube in der Summe, das bedeutet was bekommt man an Ergebnissen verglichen zum Aufwand dürfte man mit einem Satelliten von 100 kg Mindestmasse am besten fahren. Die Instrumentelle Nutzlast beträgt dann rund 20-30 kg. Das reicht für ein großes oder zwei bis drei kleinere Experimente. Die Masse ist ausreichend um ein kleines Antriebssystem mitzuführen um die Bahn oder Ausrichtung zu verändern, Auf einem kleinen Quader ist genügend Platz für Solarzellen welche dann eine höhere Sendeleistung erlauben und mehr Daten können dann transferiert werden. Trotzdem kann selbst eine Pegasus vier dieser Satelliten transportieren und für einen Transporter zu ISS sind auch 100 kg kein Gewicht, das viel Nutzlast kostet. Das macht allerdings nur sinn, wenn man sie auch preiswert bauen kann.

Sinnvoll ist in jedem Falle kleine Flotten zu bauen - nicht nur um eine größere Abdeckung der Erde zu erreichen, sondern auch weil man einen einheitlichen Bus verwenden kann. SSOT kostete 72 Millionen Dollar,  die fünf Rapid-Eye Satelliten dagegen 150 Millionen Euro, also pro Satellit bei in etwa gleicher Größe sind sie deutlich billiger und kosten nur 60% des einzeln gefertigten chilenischen Satelliten. Dabei basiert dieser schon auf einem standardisierten Bus. Das geht auch mit wissenschaftlichen Satelliten, wie die ESA mit den Proba Serie zeigt. Drei sind im Orbit, jede etwas über 100 kg schwer. Proba 1 kostete 13,5 Millionen Euro, Probe 2, 18 Millionen, Proba V 65 Millionen.

Es gibt aber auch naheliegende Gründe warum man nicht zu viele Satelliten haben sollte. Die Daten müssen ja empfangen werden. Sinnvoll, zumindest wenn man sonnensynchrone Orbits hat sind Bodenstationen nahe der Pole, also z.B. in Kanada, Alaska, Grönland, Norwegen oder Chila, Argentinien, der Antarktis. Je nach Bahnhöhe hat man dann einige Minuten bis ungefähr eine Viertelstunde Funkkontakt und das im Idealfall bei jedem Orbit, zumindest aber alle zwei bis drei Orbits wenn die Empfangsstation in Polnähe ist. Wenn man zu viele Satelliten hat, dann schafft man das mit einer Empfangsstation nicht mehr. Das gilt allerdings nur für sonnensynchrone Orbits. Setzt man sie bei ISS Missionen aus, so braucht man wegen der um 51,6 Grad geneigten Bahn sowieso Empfangsstationen auf der ganzen Welt. Die Nutzung von TDRSS oder andere geostationären Satelliten als Empfänger setzt die Datenrate ab (Hochgewinnantennen scheiden meist wegen dem Gewicht und der Nachführgenauigkeit aus) und diese dürften mit dem Empfang von vielen Signalen überfordert sein.

Meiner Ansicht nach ist der sinnvollste Start solcher Kleinsatelliten als Sekundärnutzenlasten. Hier wäre mehr internationale Kooperation sinnvoll, die Startgelegenheiten in sonnensynchrone Orbits sind nicht so zahlreich. Warum macht man hier kein internationales Abkommen, so nach dem Motto: Wenn ich einen SSO Start habe nehme ich deine Satelliten mit, dafür Du bei nächster Gelegenheit meinen. Weniger sinnvoll sind dezidierte Träger wie die Pegasus weil sie das ganze ziemlich verteuern.

Eine Domäne von Minisatelliten ist natürlich auch das Testen von Technologien, das ist eine Aufgabe der Proba Serie der ESA. Daneben kann man einzelne Untersuchungen machen für die man keinen eigenen größeren Satelliten starten will. Manchmal ergänzen sie auch größere Satelliten Proba V sollte z.B. als Lückenbüßer dienen. An Bord von SPOT 4+5 waren Instrumente zur Überwachung der Vegetation auf der ganzen Erde. Nach deren Betriebsende gab es eine Lücke bis Sentinel 3A+B mit ähnlichen Instrumenten starten und da hat man den relativ preiswerten Kleinsatelliten mit diesem Instrument ausgerüstet. Normale Erderkundungsdaten liefern ja auch andere Satelliten


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