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Web Log Teil 379: 9.4.2014 - 13.4.2014

9.4.2014: Delayed from ...

Kleiner Textauszug aus dem Launch Schedule von Spaceflight Now:

April 14  Falcon 9  •  SpaceX CRS 3
Launch time: 2058 GMT (4:58 p.m. EDT)
Launch site: SLC-40, Cape Canaveral Air Force Station, Florida

The SpaceX Falcon 9 rocket will launch the fifth Dragon spacecraft on the third operational cargo delivery mission to the International Space Station. The flight is being conducted under the Commercial Resupply Services contract with NASA. Delayed from April 6, Sept. 30, Nov. 11, Dec. 9, Jan. 15, Feb. 11, Feb. 22, March 1, March 16 and March 30. [April 7]

Na da freut sich doch die NASA, wenn mit einem Jahr Verspätung nun wieder mal ein Versorgungsflug ansteht. Orbital hat seine gesamte Qualifikation von Antares, COTS und den ersten Versorgungsflug in neun Monaten durchgezogen und letzten vorgezogen um die Verzögerungen bei SpaceX aufzufangen. Dafür, dass die Firma permanent um Aufträge von NASA und DoD buhlt, tut sie so ziemlich alles um ihren wichtigsten Kunden zu vergrätzen. Dumm, da nun die Beratung über eine Verlängerung von CRS ansteht. Dabei braucht die Firma Geld, wie berichtet wurde. Nun wird beraten dass die NASA für 2017/18 neue Flüge bucht und ich denke man wird sich für mehr Aufträge für die Firma entscheiden die auch liefern kann.

Aber vielleicht hat SpaceX ja nur gewartet um mit der Falcon 9 "zweiter Anlauf" nun gleich die 6,6 t zur ISS zu bringen, die diese nach Webseite transportieren kann. Damit kann die Firma ja die noch ausstehende Fracht in drei Flügen transportieren, spart also sechs Flüge ein, daran sollte sie doch interessiert sein oder? Leider werden es nur 2086 kg nach Presskit sein. Na ja eigentlich nicht verwunderlich, schließlich muss die Firma 12 Flüge für die gleiche Frachtmenge durchführen die Orbital trotz einer Trägerrakete mit nur der halben Nutzlast in 8 Flügen transportiert. Die NASA wusste vorher welche mittlere Dichte das Frachtgut hat und da passen in 10 m³ eben nicht so viel rein wie in 18 bzw. 27 bei der Cygnus (erste/zweite Version). Wenn nicht der Trunk wäre, es wäre noch weniger. Im Frachtraum sind auch nur 1517 kg.

Dann ist noch das tolle Interview von Shotwell, welche die letzte Verzögerung wegen einer Verschmutzung des Trunks so kommentierte: “It’s worth saying that the trunk never had any contamination-control requirements on it,” Shotwell said.  Na klar, so kann man billig produzieren, es gibt gar nicht die Forderung dass der Trunk sauber sein muss. Das spart eine Menge Geld ein. So versteht man auch warum die Missionen für die NASA gleich mal zwei Drittel mehr kosten. Die wollen so viele "Datas", z.b. über Qualitätskontrollen, die man wenn es keine Requirements hat, sicher auch nicht durchführt. Die Qualifikation von Shotwell sieht man auch an der von ihr verfassten Studie damals noch an der Futron Corporation erkennen, die ihr den CEO Posten einbrachte, denn demnach hat die Falcon 1 eine Zuverlässigkeit von 98,22%. Es waren 40%, aber das ist typisch Shotwell mit Zahlen hat sie es nicht so. Während Musk gerade die Nutzlast der Falcon 9 auf 3,5 t GTO korrigierte und die der Falcon Heavy auf 7 t (allerdings bei voller Wiederverwendung) sind es bei Shotwell 5330 und 19 t. Ehrlich gesagt passen 3,5 t recht gut zu meinen Schätzungen anhand eigener Berechnungen.

Und General Shelton meinte als Musk sagte, wenn die Raketen gut genug für CRS wären, dann wären sie auch gut für die NASA: "Right now, we’re launching space station resupply missions with SpaceX. We’re launching food, we’re launching clothing. … That doesn’t begin to represent the catastrophic loss much like a national security payload failure would,” Shelton said. “There’s a big difference.”

Ja das ist auch meine Meinung, wenn ein Start von SpaceX ausfällt gibt es immer noch Orbital, ESA, JAXA, Roskosmos. Dann gibt es eben mal kein frisches Obst sondern nur welches aus der Konserve. (alle Vorräte sind so bemessen dass sie für einige Monate reichen), aber bei den militärischen Satelliten geht nicht nur 1 Milliarde in Luft auf sondern es gibt eine Lücke, und nichts hassen Militärs als Lücken wo sie nicht wissen was der Gegner macht.

Ansonsten scheinen sie es bei SpaceX nicht eilig zu haben. Sah es zu Jahresende noch aus, als würden sie ihren Nutzlaststau abbauen (seit Jahren bekommen sie mehr Aufträge als sie Starts absolvieren) so passierte jetzt monatelang nichts, selbst wenn es Verzögerungen bei der Dragon ist, warum zeiht man dann nicht kommerzielle Starts vor? Eigentlich sollten sie doch Interesse haben Geld zu verdienen, aber vielleicht verlassen sie sich auch ganz auf die NASA. Die muss sehr frühzeitig bezahlen, denn nach diesem Interview war SpaceX Ende 2008 vor dem Bankrott als die NASA den CRS Kontrakt vergab. Sie hat also vier Jahre vor dem ersten Flug schon bezahlt.

Ich denke aber nun ist Ernüchterung bei der NASA eingekehrt. Nicht nur wegen der Startverzögerungen sondern auch in der Informationspolitik, bei der selbst NASA-Kommentatoren nur Tweeds des Chefs wiedergeben können und der vielen Pannen bis mal ein Start gelingt. Sie sind ein Symptom, das eben nicht alles richtig geprüft wurde. Ich denke wenn die NASA darf wie sie will, wird sie bei CCDev nicht auf SpaceX setzen. Zu groß ist da die Kluft zwischen Qualitäts- und Sicherheitsverständnis bei SpaceX und NASA. Allerdings wurde der NASA schon mehrmals per Politik aufdoktriniert ihre Bedenken beiseite zu schieben, so bei den frühen Shuttleflügen, dem Discovery Programm und auch die Versäumnisse beim Apollo CSM fallen in diese Kategorie, diesmal aufgrund des Zeitdrucks. Jedes Mal endete das in einem Fiasko. Dagegen konnte sie bei Apollo 13 zeigen was sie leistet wenn man Notsituationen zumindest mal durchgespielt hat und auf einen Tross von Spezialisten zurückgreifen kann. Doch zu rechnen wird sein, dass die NASA sich für einen Anbieter der bemannten Kapsel entscheiden muss, auch wenn sie gerne zwei Systeme hätte - doch spätestens wenn es in Phase C geht ist das nicht finanzierbar und ein steigendes Budget ist nicht in Sicht.

Dann könnte es eng für SpaceX sein, denn viel Interesse ihre Aufträge zu erfüllen hat die Firma ja nicht. angeblich produzieren sie seit Jahren 40 Cores im Jahr, so langsam müssten sie ne ganze Halde davon haben. Die Firma hat inzwischen so viele Arbeiter wie bei der Ariane 1-4 Entwicklung beteiligt waren, doch trotz angeblich großer Effizienz startet sie nicht mal ein Bruchteil der Raketen. Irgendwas müssen die Leute doch dort machen....

12.4.2014: Die Revisitzeit

Zeit mal wieder einen Grundlagenartikel zu schreiben. Heute geht es um einen Fachbegriff, die Revisittime, was ist das und warum ist sie so wichtig. Fangen wir mit den Grundlagen an, einer Satellitenbahn. Jede Satellitenbahn ist eine Bahn im Raum (eigentlich ist es eine geradlinige Bewegung, die jedoch durch die Gravitation zu einer Ellipse verbogen wird. Sie ist stabil im Raum, das heißt bezogen auf die Sterne bewegt sich der Satellit nur in einem Kreis um die Erde, der Kreis rotiert aber nicht im Raum. Nun umreist er aber die Erde und die Erde bewegt sich. Zum einen bewegt sie sich um die Sonne, einmal in einem Jahr, zum anderen dreht sie sich selbst, dies unter der Bahn des Satelliten hinweg. Der Effekt ist nun folgender: Beim ersten Umlauf solle der Satellit wenn er von Süden kommt den Äquator beim 0 Längengrad überqueren. Die Überquerung des Äquators beim ersten Umlauf auf dem 0 Längengrad soll für alle Beispiel gelten. Wenn er nach (sagen wir mal 2 Stunden) wieder vom Süden her zum Äquator kommt, hat sich die Erde aber weiter gedreht, was wir auch an unseren Zeitzonen sehen. Wenn die Sonne bei uns um 12 Uhr im Zenit steht ist sie in Moskau schon wieder herabgestiegen und es ist nachmittags und in Spanien hat sie den Zenit noch nicht erreicht, es ist noch nicht Mittag. Da sich die Erde in 24 Stunden um die eigene Achse dreht hat sie sich in 2 Stunden um ein Zwölftel des Erdumfangs weiter gedreht, das sind 30 Längengrade. Die Erde dreht sich von Westen nach Osten, das heißt nach 2 Stunden überquert er den 22,5 Längengrad westlicher Länge.

Bei dieser Bahn, die genau ein Zwölftel eines Tages umfasst, wird nach genau 12 Umläufen ein Tag vergangen sein, genau 24 Stunden und er überquert erneut den Äquator beim 0 Längengrad. Man kann dies nun verallgemeinern. Ein bestimmtes Gebiet auf der Erde wird der Satellit nach einem Tag erneut passieren. Er hat eine Revisittime von einem Tag. Das ist die minimal möglichste, außer es genügen einem Infrarotaufnahmen, denn er überquert ja den Äquator bei jedem Umlauf zweimal, beim ersten bei von Süden kommend bei 0 Grad und dann von Norden kommend eine Stunde (ein halber Umlauf) später bei 195 Grad - würde sich die Erde nicht drehen, so wäre es der 180 Breitengrad, doch es ist schon eine Stunde vergangen und so ist es der 195-ste. Dieser Punkt liegt um 13 Zeitzonen vom ersten entfernt, es ist dort also Nacht. Das nur Infrarotaufnahmen genügen und man so auch nachts beobachten kann ist z.B. bei Wettersatelliten gegeben. Mit zwei Stück kann man so alle Sechs Stunden die erde komplett abbilden.

Diese kurze Revisitzeit hat aber auch Nachteile. Nehmen wir einen Erderkundungssatelliten der in 894 km Höhe seine Kreise zieht. In dieser Höhe beträgt die Umlaufszeit genau 6171,4 s, das ist ein Vierzehntel des Tages. Zwar würde nach einem Tag er erneut dasselbe Gebiet passieren, doch jeder Orbit ist am Äquator 2860 km vom nächsten entfernt. Im schlimmsten Fall ist ein Gebiet das man fotografieren möchte die Hälfte dieser Distanz vom Fußpunkt entfernt (wäre es mehr als die Hälfte, so wäre es einfacher beim vorherigen oder nachfolgenden Orbit aus geringerer Distanz zu fotografieren. In dieser Höhe geht das zwar, man sieht das Gebiet auch, aber es ist durch die Kugelgestalt der Erde verzerrt und man sieht es nicht senkrecht von oben, sondern schräg von der Seite.

Der Effekt ist um so kleiner je höher man ist, allerdings sinkt dann auch die Auflösung. Wenn die Verzerrung nicht stört, kann man damit leben. Wettersatelliten umkreisten lange Zeit die Erde in 1100 bis 1300 km Höhe um ein möglichst großes Gebiet abzubilden. Was macht man aber wenn man dies nicht möchte? Nun man kann eine Umlaufbahn einschlagen, deren Umlaufzeit keinen gemeinsamen Teiler mit der der Rotation hat. Der einfachste Fall wäre eine Umlaufbahn mit 14,5 Umläufen pro Tag (726 km Höhe). Nach 14,5 Umläufen ist ein Tag vergangen. Der Satellit hat aber noch einen halben Umlauf vor sich, bis er wieder vom Süden zum Äquator kommt. Derzeit ist er auch am Äquator, doch beim 174 Längengrad auf der Nachtseite. Wenn der halbe Umlauf vorüber ist, hat sich die Erde um 12,4 Grad weiter gedreht, das sind 1378 km am Äquator. Der Effekt: Dasselbe Gebiet wird nun jeden zweiten Tag genau überflogen, aber während bei einem geraden Teiler von Erdrotation und Umlaufszeit auf einer Karte die Bahnen sehr große Abstände haben, sind es bei diesem Satelliten doppelt so viele und anstatt 2860 km trennen maximal 1378 km die Punkte wo der Äquator überflogen wird. Je weiter man sich vom Äquator entfernt, desto kleiner wird der Abstand, weil Kreise parallel zum Äquator einen immer kleineren Umfang haben. Die Revisittime ist in diesem Falle 2 Tage, dafür muss man wenn man ein Gebiet nicht direkt passiert, maximal 689 km vom Fußpunkt aus schräg schauen. Man erkauft sich also eine bessere räumliche Abdeckung durch eine schlechtere zeitliche.

Die ersten Erderkundungssatelliten Landsat 1-3 umkreisten die Erde in 915 km Höhe. Die Umlaufszeit beträgt in dieser Höhe 1 Stunde 43 min 18 s, das sind 6198 s oder 13,94 Umläufe. Der kleine Unterschied zu 14 bewirkt , dass der Satellit den Äquator nach 86722 s in der Nähe des ersten Umlaufs erneut passiert (beim 15 Umlauf), doch in den 322 s die dies länger als der Tag ist, hat sich die Erde um 150 km weiter gedreht. Der Satellit machte Aufnahmen von 185 km Breite, so überlappte sich das Band mit dem des ersten Umlaufs um rund 35 km und schloss nach Westen an. Nach 18 Tagen hat der Satellit genau 251 Umlaufe durchlaufen und die Erde 18, er passiert nun erneut das Gebiet das er beim ersten Umlauf passiert hat - dieser Satellit hat eine Revisitzeit von 18 Tagen, er kann aber die ganze Erde in achtzehn Tagen verzerrungsfrei abbilden. Eine Besonderheit hat aber die Bahn: Da sie nach einem Tag nur um 150 km verschoben ist, kann man einen Tag später das Gebiet leicht schräg aufnehmen, jeden Tag nimmt dann die Distanz um 150 km zu. Nimmt man noch die Möglichkeit schräg in die andere Richtung zu schauen, so kann ein Landsat der ersten Generation an drei aufeinanderfolgenden tagen ein Gebiet weitgehend verzerrungsfrei fotografieren, danach wird die Distanz immer größer um ein Maximum nach 9 Tagen zu erreichen und dann wieder abzunehmen.

Heute sind die Satelliten näher an der Erde ran, auch weil man Auflösungen von wenigen Metern haben will (bei Landsat waren es noch 40/80 m). Will man nun eine geringe Revisitzeit haben, dann braucht man mehr Satelliten, weshalb heute gerne auf kleinere flotten wie die 5 SARLupe oder 5 Rapideye Satelliten zurückgegriffen werden. Oder Länder nutzen ihre Systeme im Verbund. Für die laufende Überwachung der Erde auf Veränderungen der Vegetation, der Bebauung oder mineralogische Suche braucht man keine kurze Revisittime, aber bei Katastrophen um schnell die Überflutungsschäden, die Auswirkungen von Stürmen feststellen zu können, oder zur Suche von Trümmern im indischen Ozean oder um den Aufmarsch von Truppen an der russisch/ukrainischen Grenze festzustellen, ist eine kurze Revisitzeit doch ganz nützlich.

SSO UmlaufbahnDie meisten Satelliten befinden sich in sonnensynchronen Umlaufbahnen. Dies sind Umlaufbahnen mit einer Bahnneigung von mehr als 90 Grad, wobei die Bahnneigung um so größer wird, je höher sich der Satellit befindet. Durch die Bahnneigung von mehr als 90 Grad umkreisen die Satelliten die Erde retrograd also gegenläufig zur Rotationsrichtung, aber nur wenig, weil die Bahnneigung nur wenig über 90 Grad liegt. Den Namen haben die Umlaufbahnen durch die Tatsache, dass sich die Bahnebene gegenüber der sonne jeden Tag um fast ein Grad verschiebt. Da die Erde die Sonne gleichzeitig um ein Grad in der Umlaufbahn vorbewegt, hat der Satellit eine konstante Ausrichtung zur Sonne. Das bedeutet er überfliegt ein Gebiet jeweils zur gleichen lokalen Uhrzeit. Je nach gewünschten Aufnahmen der Erde kann man diese dann geeignet wählen. . Eine Passage um 12 Uhr wird bewirken, dass die Sonne weitgehend senkrecht auf die Erde zeigt und es wenige Schatten gibt. Umgekehrt kann es sinnvoll sein um die Höhe von Gebäuden oder anderen Gegenständen abzuschätzen diese mit langen Schattenwürfen morgens oder abends zu fotografieren. Die Drehung der Bahnebene macht die Erde für uns, da der Äquator einen größeren Durchmesser als der Pol hat, die retrograde Bahn bewirkt dass sich der Satellit gegen die Erdrotation nach Westen bewegt und ist der Winkel gut gewählt so kompensiert diese Rückwärtsbewegung die Rotation der Erde nach Osten.

Derartige Satelliten können auch zur Sonnenbeobachtung genutzt werden, vor allem aber befinden sie sich auf Bahnen die wenn sie die Erde zur Tageszeit passieren immer im Sonnenlicht stehen. Das bedeutet, die Solarzellenflächen können kleiner sein und Batterien werden nur selten benötigt, da nur zweimal im Jahr kurzzeitig der Satellit den Schatten der Erde passiert.

13.4.2014: Der Krieg ist der Vater aller Dinge

... heißt es. Manchmal führt der Krieg auch zu sehr skurrilen Entwicklungen, vor allem wenn er für die Partei die sie macht nicht erfolgreich verläuft. Im zweiten Weltkrieg liegen die Wurzeln einiger Erfindungen - des Düsenantriebs, des Hubschraubers, der Rakete, der Cruise Missile, der Atombombe, der wirksamen B und C-Waffen, die später eine Rolle im Militär spielen sollten, doch es gab vor allem in Deutschland auch Erfindungen die skurril, oder auch ziemlich ineffizient sind. Einige (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) will ich heute mal vorstellen.

Die Do 335

Do 335Die Dornier 335 war ein Jäger mit Kolbenmotor, der Standardtechnologie des zweiten Weltkriegs. Das besondere: Neben dem bei allen anderen Flugzeugen eingesetzten Zugpropellers hatte das Flugzeug noch einen Druckpropeller am Heck. Der Vorteil war, das der Luftwiderstand so nicht viel größer war als bei einem einmotorigen Flugzeug. Die schnell rotierenden Propellerblätter erzeugten einen guten Teil des Luftwiderstandes und eine zweimotorige Maschine hatte üblicherweise zwei Motoren an den Tragflächen, die dadurch eine Verlängerung der Tragflächen (und damit mehr Gewicht und mehr Luftwiederstand) nötig machten. Zweimotorige Jagdflugzeuge wie die englische Moskito, die deutsche Me 110 oder die amerikanische P-38 waren daher langsamer als einmotorige Maschinen und auch nicht so wendig. Die meisten wurden im zweiten Weltkrieg nur zur Bekämpfung von Bombern die noch langsamer und schwerer manövrierbar waren oder zur Erdkampfunterstützung eingesetzt. Die Do 335 erreichte je nach Muster eine Geschwindigkeit von 735 bis 775 km/h, das waren 50 bis 100 km/h mehr als die alliierten Jäger. Abweichend von den anderen Mustern war auch das Seitenleitwerk. Es war, wenn es in einfacher Ausfertigung vorlag meistens nur nach oben gezogen. Die Do 335 hatte zwei gleich große die nach oben und unten ragten, sodass Höhen und Seitenleitwerk am Geck ein Kreuz bildeten wie man es von einigen Raketen oder der A-4 kénnt.

Offen ist ob das Muster ein gutes Jagdflugzeug gewesen wäre. Es gab Berichte die von Mängeln sprachen, aber diese mögen auch der schnellen Entwicklung und dem Materialmangel geschuldet sein. Die gebauten Exemplare hatten in jedem Falle einen Mangel: Vom Cockpit aus konnte man nicht nach hinten sehen, da es vorne am Rumpf war. Das war für ein Jagdflugzeug ein großes Manko. Projektiert war auch die Dornier 635, die aus zwei Rümpfen der Do 335 bestand und als Fernaufklärer gedacht war.

Die Me 163 und Bachem BA-349

Deutschland entwickelte die A-4, die erste Großrakete der Welt, sie war aber nicht das einzige Raketenprojekt. Neben den unbemannten Raketen wurden auch Raketenflugzeuge gebaut. Eines wurde operational, die Me-163, das "Kraftei". Ein Flugzeug auf Basis eines Raketenantriebs zu bauen ist keine sehr gute Idee. Der Antrieb ist für den Betrieb außerhalb der Erdatmosphäre gedacht und in der Atmosphäre ineffizient. Ein Düsentriebwerk funktioniert auch nach dem Rückstoßprinzip, ist jedoch um einiges effizienter. Der erste Unterschied ist, das ein Düsentriebwerk den Sauerstoff aus der Luft bezieht mit dem das Flugbenzin verbrennt wird. Dagegen muss ein Raketenantrieb den Sauerstoffträger mitführen. Im dritten Reich setzte man für den Antrieb der Me-163 hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid (T-Stoff) und Hydrazinhydrat/Methanol (C-Stoff) ein. Da das Wasserstoffperoxid auch Wasser enthält, benötigte man davon sehr große Mengen. Nur ein Fünftel der Treibstoffzuladung war Verbrennungsträger. Zudem erhitzt ein Düsenantrieb auch den Stickstoff der Luft mit, der dann auch Schub erzeugt. Alles zusammen bewirkt das ein Raketenflugzeug etwa zwanzigmal mehr Treibstoff pro Sekunde braucht wie ein Düsenflugzeug (bei gleichem Schub).

Me 163Die Flugdauer der Me-163 lag daher unter 8 Minuten, obwohl sie beim Start das Gewicht mehr als 50% aus Treibstoff bestand. Zudem ist der Treibstoff selbstentzündlich, wurden die Tanks durch Beschuss beschädigt so dürfte die Maschine explodiert sein. Daneben war die Raketentechnologie damals noch am Anfang. Es war noch nicht sehr zuverlässig und es gab zahlreiche Unfälle beim Einsatz. Trotzdem kam es zu diesem und 350 Maschinen wurden gebaut.

Warum baute man die Maschine? Nun durch den hohen Schub bei geringem Gewicht (sie wog leer 1.900 kg, die Focke Wulf 190A als leistungsfähigster konventioneller Abfangjäger wog leer 3.850 kg hatte die Me-163 eine enorm hohe Steiggeschwindigkeit die zehnmal höher als die einer Mustang war. Die Me 163 war auch schnell, die Serienflugzeuge waren 250 km/h schneller als die schnellsten alliierten Kolbenjäger. Ein Testmuster erreichte fast Schallgeschwindigkeit. Doch wie beim ersten operationalen Düsenjäger, der Me-262, die 80 km/h langsamer war, war dies nicht von Vorteil, denn alliierte Bomber waren fast 500 km/h langsamer. Es war sehr schwierig bei dieser hohen Relativgeschwindigkeit einen Treffer zu landen. Man versuchte dies mit den ersten Luft-Luftraketen zu kompensieren, die Schrapnellsprengköpfe hatten. Später setzte man ein im Schub reduzierbares Triebwerk ein, das auch die Flugdauer verlängerte. Das war auch sinnvoll, denn die Masse nahm ja durch den verbrauchten Treibstoff ab. Ohne Schubreduzierung wurde die Maschine also immer schneller.

Die Me-163 war mehr ein Indiz dass man den alliierten Luftflotten nicht mehr beikommen konnte, man erhoffte sich wohl durch den schnellen Start und das schnelle Erreichen der Bomber, dass ein Abschuss gelang, bevor die Begleitjäger eingreifen konnten. Mehr als einen Anflug lies meist die Betriebszeit von nur 8 Minuten nicht zu und danach musste die Me-163 im Gleitflug landen und war ohne Eigenantrieb sehr verwundbar. Die Me-163 war aber auch sonst ungewöhnlich. Sie hatte als eines der ersten Flugzeuge gepfeilte Tragflächen, eine spitze Nase und kein Höhenleitwerk. Sie ähnelt eher einem modernen Düsenjäger als einem Flugzeug aus dem zweiten Weltkrieg.

Noch skurriler war ein zweiter Raketenjäger, der anders als die Me 163 nicht mehr zum Einsatz kam. Die Bachem Natter oder Ba-349. Er war ein Produkt der Materialknappheit zum Kriegsende und auch dem fehlen von ausgebildeten Piloten, von denen die meisten gefallen waren. Es sollte ein Jäger sein, der aus nicht kriegswichtigen Materialien bestand und von nur kurz ausgebildeten Piloten gelogen werden konnte. Er war nicht der einzige, die Heinkel 162, ein Düsenjäger hatte dieselbe Philosophie.

BA 349Die Bachem Natter bestand aus Sperrholz. Sie hatte nur nur kurze Stummelflügel, weil der Antrieb durch den Raketenantrieb erfolgte, dafür einen dicken Rumpf. In diesem befanden sich vorne die Raketen die man auf die Bomber abschießen sollte. Sie war nicht gedacht Bomberflotten anzugreifen die auf dem Weg zu Zielen waren wie die meisten Jäger, sondern nur als Objektschutz gedacht, das waren damals meistens Flugabwehrgeschütze, über den Städten oder Fabriken griffen in der Regel wegen des Flakbeschusses deutsche Jäger nicht an. Eine sehr hohe Reichweite braucht man nicht, auch musste man nicht viel in der Atmosphäre manövrieren. So wurde die Bachem Natter senkrecht gestartet, von einer Startrampe aus. Zehn Feststofftriebwerke die nach dem Ausbrennen abgeworfen wurden beschleunigten die Natter in 10 Sekunden auf Höchstgeschwindigkeit. Bei einer Steigrate von anfangs 37 m/s, zum Ende 200 m/s erreichte die Maschine sehr schnell die gegnerischen Bomber. Das Haupttriebwerk, dasselbe wie in der Me-163 hatte durch nur 40% der Treibstoffmenge der Me-163 eine noch kürzere Flugzeit. Bei reduziertem Schub betrug sie maximal viereinhalb Minuten, bei vollem Schub nur zwei Minuten. Daher verwandte sie auch einen Analogrechner, der sie zu ihren Zielen führen sollte. Erst im Endanflug sollte der Pilot die Maschine steuern. eine Bordkanone gab es nicht. Angesichts der hohen Relativgeschwindigkeit wäre sie wirkungslos gewesen. Stattdessen feuerte sie eine Salve umgelenkter Raketen auf die Bomber ab. Danach stieg der Pilot mit dem Fallschirm aus, da ohne Treibstoffe und ohne Raketen das Flugzeug mit den Stummelflügeln kaum lenkbar war. Das Öffnen der Cockpithaube bewirkte auch das Öffnen eines Fallschirms am Heck, wodurch man den Antrieb und den Rumpf bergen konnte. Die Reichweite der Natter betrug maximal 40 km. Es gab nur einen bemannten Testflug einer Natter mit Raketentriebwerken und der endete tödlich.

Immerhin: die USA griffen das Konzept mit der X-15 wieder auf, mit der dann etliche Geschwindigkeits- und Höhenrekorde aufgestellt wurden. Ein Pilot einer X-15 war dann der erste Mensch auf dem Mond. Zumindest einen Vorteil hatte es: die Me-163 Entwicklung mündete in die Entwicklung der Luftabwehrrakete "Enzian", die eine verkleinerte von einem Analogrechner gesteuerte Me-163 war, sie hätte mit einem Sprengkopf sich in der Nähe der Bomber gesprengt und durch Schrapnellwirkung diese beschädigt. Sie wurde nicht mehr bis Kriegsende fertiggestellt, doch die Konstrukteure fanden nach dem Krieg Anstellung in England. Dort bauten sie verbesserte Versionen des Antriebs der Me-163 und Natter in Höhenforschungsraketen ein, nicht mal der ineffiziente Treibstoff Wasserstoffperoxid wurde ausgetauscht. Zwanzig Jahre später bauten sie für England die Antriebe der Black Arrow -.der einzigen Trägerrakete die jemals Wasserstoffperoxid einsetzte. Da man den Schub kaum gesteigert hatte, brauchte diese relativ kleine Rakete nicht weniger als acht Antriebe in der ersten und zwei in der zweiten Stufe.

BV-141Blohm & Voss BV 141

Noch ungewöhnlicher sah die BV-141 aus, ein Fernaufklärer für die Marine. Da für ein Aufklärungsflugzeug eine sehr gute Rundumsicht wichtig ist, stellte man gängige Konstruktionsprinzipien auf den Kopf. Im Rumpf war ein Motor untergebracht, die Kanzel lag nicht im Rumpf, sondern in einem zweiten Körper in einer Tragfläche, dort wo bei zweimotorigen Flugzeugen der Motor war. Doch es gab nur einen dieser Rümpfe. auf der anderen Seite gab es keinen. Um die Asymmetrie komplett zu machen gab es auch nur auf der gegenüberliegenden Seite ein Höhenleitwerk. Die Kabine konnte so vorne rundum verglast werden, und ohne Motor gab es auch nichts was den Blick einschränkte - zweck erfüllt, doch woanders erreichten Aufklärer dies einfacher z.B. durch verglaste Gondeln unter dem Rumpf oder zwei Aussichtplattformen vorne und am Heck. Erstaunlicherweise beeinträchtigte die Bauweise die Flugeigenschaften kaum. Die Maschine war zwar nicht schnell, aber schneller als die verfügbaren Vorkriegsmuster wie ie BV-138. Es ging aber nie in Serienfertigung.


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