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Web Log Teil 389: 19.6.2014 - 29.6.2014

19.6.2014: ISIS, USS-77, Abnehmen, die VAX

Heute mal wieder ein Blog in dem es sich nicht um ein Thema dreht, sondern ich verschiedene Dinge mal ansprechen will, die mir so durch den Kopf gehen.

Da ist ja derzeit in den Schlagzeilen die ISIS. Eine Organisation die sogar den Taliban zu radikal ist. wo sie auftaucht flüchten nicht nur Christen sondern bald auch Moslems. Es sollen einige Tausend sein, und mit denen wird die irakische Armee nicht fertig. Hmm hat da nicht George Dabbel-ju Busch vor mehr als 11 Jahren gesagt "Mission accomplisht"? Warum scheint es weder im Irak noch im Iran möglich in den 10 Jahren in denen die Länder je nach Sichtweise "besetzt" oder "beschützt" wurden eine Armee aufzubauen? In der Bundeswehr ist die Ausbildung doch auch nicht 10 Jahre lang und die Reichswehr wurde von einem 100.000 Mann Corps ohne moderne Waffen in 6 Jahren zur Wehrmacht welche die Nachbarländer überrollte. also irgendwie scheinen die USA da bei der Ausbildung was falsch gemacht zu haben. Immerhin hört man selbst vom Iran versöhnliche Töne und Hilfsangebote - so scheint sich wenigstens dort der Konflikt zu entspannen.

Ich erfuhr dann das die USA den Flugzeugträger "Bush" in die Region. Bush? Okay, davon kenne ich zwei. Der eine war relativ profillos und hat nur vier Jahre regiert, der andere war der größte Trottel auf dem Präsidentenamt denn ich jemals kannte. Ich kannte ja schon einige Flugzeugträger die nach Präsidenten benannt wurden so die Reagan und Kennedy, aber wenn man schon die Bushs nimmt, wird dann sequentiell vorgegangen?

Offensichtlich nicht, denn neben zwei Senatoren hat man folgende Präsidenten genommen: Eisenhower, Theodore Roosevelt, Lincoln, Washington, Truman, Reagan, H.W. Bush, Ford. Es folgt noch die Kennedy, die nächste soll dann "Enterprise" heißen, ein Name den die Navy schon mehrfach verwendet hat. Also wenn das die bedeutenden Präsidenten sein sollen, dann liebe Amis verstehe ich eure Logik nicht. Was ist mit Jefferson und Franklin? Wenn man nur das 20-ste Jahrhundert nimmt, was haben Ford und Bush denn so geleistet? (Von Reagan ganz zu schweigen: einen guten Teil der Staatsschulden die die USA heute haben verdanken sie dessen enormer Aufrüstungspolitik).

Dann kam eine Dokumentation "Die Schlankmacher" in zwei Teilen, die feststellte, das kein Diätkonzept auch nicht Weight Watchers und Sport bewirken das Leute langfristig ihr Gewicht halten. Die Erklärung gab es am Ende des zweiten Teils. sei ist so profan, dass sie wohl niemand wirklich wahrnehmen will: Wir sind darauf "programmiert" soviel zu essen wie geht. Ganz einfach weil es in der Natur nicht dauernd was zum Essen gibt und in unseren Breiten im Winter sogar noch weniger und der Energieverbrauch wegen der Kälte ansteigt. Wenn es eben dann alles mögliche zum Essen gibt muss man bewusst essen, eben nur so viel wie man braucht. Mein Tipp: Das Hungergefühl ist ein sicherer Indikator, dass man nun wieder etwas essen könnte, denn es ist anders als der Appetit ein physiologisches Signal das mit Verbrauch von Reserven einhergeht.

Zuletzt Recherche ich ja derzeit wieder in Sachen Computern und habe auch zwei Artikel über RISC und die CDC 6600 erstellt. Dabei kam mir irgendwie beim Rand auch die VAX unter. Die VAX gehört zu den Computern von denen der eine oder andere schon mal gehört hat, auch wenn er nicht die technischen Details kennt. Dazu gehört bei mir die VAX. Sie war nicht nur ein Verkaufsschlager sondern wurde auch bekannt durch einen Schmuggel bei dem VAX nach Russland kommen sollten. Sie sollten (manchmal ist Geschichte Paradox) als Feuerleitrechner die Flugbahn von SS-20 Raketen berechnen und die Instruktionen dem Bordcomputer dieser vor dem Start übermitteln, der dazu nicht in der Lage war. Wegen dieser Rakete begann die Nachrüstung weil sie so zielgenau war und mehrere Sprengköpfe hatte die auf separate Ziele gelenkt werden konnten). Ohne die VAX hätte man bei Datageneral nicht die Eclipse MV 8000 entwickelt, über die Tracy Kidder das Buch "The Soul of a new Maschine" schrieb und einen Pulitzerpreis bekam. Es beginnt damit das die Hauptfigur eine neu angelieferte VAX auseinandernimmt und die Architektur untersucht.  Die VAX galt als "Supermini", also als Rechner der fast schon an einen Großrechner anknüpfte.

Sie kam mir zuerst unter in einem Buch über Supercomputer als dort berichtet wurde, dass ein Supernova Modell auf einer bundesdeutschen Cray 1 400-mal schneller als auf einer VAX 11/780 lief und dort die Supernova auch explodierte, anders als auf der VAX, wo man nicht die Zeit hatte die Zellen klein genug zu machen und die Explosion ausblieb. Nun weiß ich dass die Performance einer Cray von 160 MFlops nur theoretischer Natur ist und in der Praxis eher Werte um 7-50 MFlops erreicht werden und wenn man das nochmals durch 400 teilt bleibt nicht mehr viel übrig. "Das soll also ein Supermini sein? Dachte ich mir noch. Nun beim RISC Artikel kam sie mir nochmals unter als ich die MIPS von RISC und CISC Prozessoren verglich. Diese Liste ratet die Original VAX 11/780 mit 1,1 MIPS. Also 1,1 Millionen Instruktionen pro Sekunde. Das ist nicht viel. Die VAX löste als Referenz für Benchmarks das System 360 ab, dessen meist verkauftestes Modell 1 MIPS hatte und das nicht mehr produziert wurde. Nur sind das keine echten MIPS, es sind "VAX-MIPS", das heißt in Wirklichkeit erreichte das Einprozessormodel 500.000 Instruktionen pro Sekunde, das ist nicht so viel, auch 1977 nicht. Die folgenden Modelle addierten auch wenig an Geschwindigkeit, wurden nur als Microvax billiger. So verwundert es nicht, dass der erste Versuch mit PC Prozessoren einen Cluster zu bauen auch schnell die VAX einholte. Caltechs Cosmic Cube aus 64 8086/87 Prozessoren erreichte die 5-10 Fache Rechenleistung einer VAX in der aktuellen Konfiguration zu der Hälfte des Preises. Ein 80286 erreichte die Leistung schon zu 70% und ein 386 übertraf sie deutlich. Es erklärt aber sicher den Niedergang des Minimarkts. Zumindest die Original VAX war technisch keine Revolution: sie setzte auf die TTL Technologie, die weder die Schnelligkeit von ECL hatte, noch die hohe Integrationsdichte von MOS, dafür aber den Nachteil des hohen Stromverbrauchs übernahm. Die Taktfrequenz von 3,4 MHz war selbst 1977 niedrig (Mikroprozessoren erreichten damals schon die gleiche Taktfrequenz). Das beste scheint das VMS Betriebssystem gewesen zu sein, dass man auch auf andere Hardwareplattformen transferierte und das es heute noch als OpenVMS gibt.

21.6.2014: Immer diese Fahrradfahrer

Auf das heutige Thema kam ich durch zwei Dinge. Da war zum einen Urteil, dass man eine Helmpflicht auch nicht über die Hintertür einführen darf und dann hat unsere Stadt in unserem Ortsteil (eigentlich eine eigene Gemeinde, denn eine Stadt, in dem Sinne als das es zusammenhängendes Siedlungsgebiet gibt, sind wir nicht) nun die Radfahrerstreifen auf die Fahrbahn gepinselt. Allerdings nur auf einer Seite, da habe ich mich bei der Wikipedia schlau gemacht ob ich denn nun, wenn ich in der anderen Richtung unterwegs bin, auch den Streifen dann auf der falschen Seite benutzen muss (muss ich nicht und darf ich nicht).

Also es geht um Fahrradfahrer. Fangen wir mit der Helmpflicht an. Da kam ein Beitrag drüber, der das diskutierte. Zum einen sollen Autofahrer rund 10 cm näher an Fahrradfahrern vorbeifahren, wenn diese einen Helm tragen. Klingt nach wenig, doch wenn ich dran denke wie nahe einem manche Autofahrer kommen, doch relevant. Da bleibt oft nicht viel Platz und diese gehen offenbar davon aus, das der Fahrradfahrer stur gerade aus fährt. Mal abgesehen von Problemen, die man bekommen könnte, muss man auch mal abbiegen und egal ob man es nun mit einem Handzeichen signalisiert oder gleich abbiegt, sehr oft ist der Abstand knapp bemessen. Auf der anderen Seite schützt der Helm wirklich, zumindest bei Kopfverletzungen. Als etwas komisch empfand ich das Argument, des Allgemeinen deutschen Fahrradclubs, dass die Helmpflicht viele Fahrradfahrer vom benutzen des Rads abhalten würde. Das finde ich deswegen sehr komisch, weil die meisten Leute Fahrrad fahren um eine Strecke zurückzulegen - zur Arbeit oder zum Einkaufen. Die wenigsten haben da Alternativen oder wenn dann sind sie teurer oder umständlicher (Auto/OPNV), sonst würden sie ja nicht Fahrrad fahren. Also die würden sicher nicht das Fahren einstellen. Bleiben noch die Freizeitfahrer, die man nur im Sommer nach Feierabend oder am Wochenende sieht. Bei denen mag sich sicher der eine oder andere abschrecken lassen, doch angesichts des Fahrverhaltens vieler (in der Gruppe nebeneinander fahrend) finde ich das nicht so schlecht.

Ich selbst habe seit 2 Jahren einen Helm und ziehe ihn auch meistens an (so 80-90% der Fahrten). Es ist einfach eine Gewohnheit. Ich lege ihn nach der Fahrt auf den Gepäckträger, dann zieht man ihn automatisch beim nächsten Mal an. Das es trotzdem nicht 100% sind, liegt daran dass ich manchmal mit Helm die Einkaufstaschen ins Haus bringe und dann vergesse ihn wieder raus zu bringen (so habe ich mich an ihn gewöhnt dass ich ihn manchmal gar nicht bemerke). Bei einer Helmpflicht würde mir dann wohl ein Bußgeld drohen und das ist der einzige Grund, den ich gegen die Helmpflicht habe. Sie unterscheidet nicht zwischen Nichthelmfahrer und Leuten, die ihn vergessen haben anzuziehen aber ihn sonst immer auf haben. Mir fällt das meist nach einigen Hundert Metern ein, aber dann drehe ich eben nicht mehr um. Das ist ein Unterschied zur Gurtpflicht wo man einfach dann noch das Anschnallen nachholen kann.

Dann die Sache mit den Wegen. Bei uns gibt es genau 0 km Fahrradwege. Ich kann verstehen wenn man innerorts nicht den Platz für welche hat, schließlich kann man keine Häuser abreisen (allerdings sind sie auch nicht in Neubaugebieten vorgesehen wie ich beim Passieren eines solchen auf meinem Weg in den Nachbarort sehe), aber wenigstens zwischen den Ortschaften. Derzeit muss dann kombinierte Fußgänger/Fahrradwege oder Feldwege benutzen, die letzten sind breiter, weil sie auch landwirtschaftlich genutzt werden, das ist aber auch der einzige Vorteil: auf einem kombinierten Fußgänger/Fahrrradweg wird es schon eng wenn sich zwei begegnen (so 1,20 m breit). Beide haben Hubbel, Löcher und Risse, Feldwege je nach Jahreszeit die Feldwege auch noch Dreck von den Pflügen oder Stroh von den Mähdreschern. Im Herbst bis Frühjahr brauche ich mein Fahrrad nicht zu waschen, es ist nach einer Fahrt zwischen den Ortschaften eh wieder mit Dreck vollgesaut. Im Beitrag wurde gesagt das Münster 300 km Fahrradwege hat - die glücklichen Münsteraner. Wären es proportional so viele bei uns, das wären dann 37 km, das würde ausreichen alle 5 Ortsteile zu verbinden und alle Hauptstraßen mit Fahrradwegen zu versehen.

Die Frage die ich mir stelle - gibt es da eigentlich keinen Rechtsanspruch? Man stelle sich vor, man baut in ein Neubaugebiet keine Fußgängerwege oder keine Straße, das wäre undenkbar. Fahrradfahrer scheinen irgendwie so in der Verkehrsplanung nicht vorzukommen. Entweder sie sollen auf den Straßen fahren, was nicht unproblematisch ist, schon wegen des Geschwindigkeitsunterschieds und der fehlenden Knautschzone bei Unfällen. Oder sie sollen (wie bei uns) zusammen mit den Fußgängern auf Wegen zwischen den Ortschaften einen Weg benutzen. Auch das ist nicht unproblematisch. Zum einen halten sich Fußgänger nie an die Rechtsregel, manche laufen prinzipiell in der Mitte. Zum andern haben sie die Fähigkeit sehr schnell ihre Bewegungsrichtung zu ändern. Als Fahrradfahrer hat man bei einer Bremsung weder den Vorteil der geringen Geschwindigkeit eines  Fußgängers noch die Unterstützung eines Motors wie beim Auto. Da sind Konflikte mit beiden anderen Verkehrsteilnehmern vorprogrammiert.

Wie kann man das Problem lösen? Nun erst mal überall wo man neu baut auch Fahrradwege mit bauen. Langfristig auch Fahrradwege zwischen den Ortschaften anlegen. Innerorts fehlt der Platz, aber hier habe ich auch eine einfache Lösung: Einseitiges Parkverbot. Wir haben genug Platz, aber zumindest bei uns sind die Straßen zugeparkt. Wenn man das auf eine Seite beschränkt, dann hat man gleich mal 2 m mehr Platz (erheblich mehr als die 1,30 m die für Radfahrerstreifen vorgesehen sind und die Autos haben auch noch was davon ....

So damit verabschiede ich mich ins Wochenende. Ab Montag hat Niels nicht weniger als fünf Beiträge online gestellt, den ersten zum Thema Methan/Kerosin/Wasserstoff, und dann vier über Panzer.  Damit rückt er auf Platz 2 bei den Gast Autoren auf. Von mir gibt es also frühestens am Samstag was neues. Vielleicht haben sie dann die Falcon beim neunten Startversuch (daher der Name) auch mal in den Orbit bekommen und es gibt was neues über SpassX zu schreiben.

27.6.2014: Nach einer arbeitsreichen Woche - ohne Blog

Bin ich heute mal wieder mit dem Schreiben dran. Zuerst möchte ich mich bei Niels bedanken, der so toll die Woche mit einem Thema gefüllt hat, das könnte ruhig öfters vorkommen und das könnten die anderen Gastautoren sich mal als Vorbild nehmen. Heute nichts weltbewegendes nur ein paar Ankündigungen. Ich nutzte die Woche um an den Büchern weiter zu schreiben, genauer gesagt an Neuauflagen. Am 24.6. lief der Vertrag über das Buch "Europäische Trägerraketen Band 1" aus, das ist zwar das vierte veröffentlichte Buch, doch von den anderen habe ich Neuauflagen gemacht die den vertrag verlängern.

Ich habe weil BOD die Konditionen bei Neuauflagen übernimmt, keine Neuauflage gemacht, auch wenn es mir leid tut weil ich so die guten Amazon Kritiken verliere und bedanke mich an dieser Stelle bei allen 211  Käufern des Buchs. Es wird eine Neuauflage gaben die rund 40 Seiten länger ist und die ein Kapitel über die OTRAG beinhaltet, derzeit warte ich noch auf Grafiken von Michel Van. Sie ist als neues Projekt aber deutlich billiger als die alte für mich.

Ich will das aber auch nutzen um beide Bände zusammen, ebenfalls aktualisiert (also mit OTRAG, neuem Kapitel über die Ariane 6 und längerem Kapitel über die Vega (übernommen vom Taschenbuch) bei Createsapce zu veröffentlichen. Das Buch gibt es dann in Deutschland nur bei Amazon. Die Konditionen sind für Autoren viel günstiger, sodass ich bei gleicher Verdienstmarge den Preis auf 34,99 für beide Bände festsetzen kann. das ist nur etwas mehr als die Hälfte die es bei BOD bei gleicher Marge kostet.

Das geht auch weil bei Amazon das Format keinen Einfluss auf den Preis zu haben scheint. So habe ich gleich mal Letter gewählt, das ist in etwa so groß wie DIN A4 und dann schrumpfen eben 750 Seiten auf 540 zusammen. Mal sehen ob der neue Preis dann neue Käufer bringt. Nur auf Createspace zu veröffentlichen scheidet für mich aus, weil die meisten Bücher eben immer noch über den Buchhandel verkauft werden. Da ich ein Buch nur bei einem Verleger veröffentlichen kann, ist der Veröffentlichung auf Createspace Grenzen gesetzt. Ich werde es vielleicht für andere Kompilationen nutzen, die ja als Einzelwerk prinzipiell etwas neues sind. Also eine Zweitverwertung als Zusammenstellung. Wie wir seit Gutenberg wissen kann man ja auch so neue Werke erstellen.

Da die nächsten beiden Verträge schon Ende Oktober und November auslaufen, sollte ich eigentlich schon jetzt am Buch über internationale Trägerraketen arbeiten. Ich will es zum einen aktualisieren (es gab ja einige neue Träger seitdem) und auch milde erweitern, also nicht so arg wie beim Buch über US-Raketen. Bei dem entfällt der alte Band, also wer nur eine kurze Zusammenfassung sucht sollte jetzt noch zugreifen. Am 28.10 ist es dann nicht mehr verfügbar. Aber dazu fehlt mir gerade die Lust.

Ich dachte dran in Anlehnung an Niels einen Beitrag über den "idealen Prozessor" zu schreiben, weil ich viel derzeit über Seymour Crays Rechner lese und gerade nach dem Artikel über die CDC 6600 nun bei der CDC 7600 bin. Der Befehlssatz ist einfach, effizient. Da liegt es nahe einen Prozessor mit ähnlichen Fähigkeiten aber doch einigen Verbesserungen zu konstruieren. Doch das ist mir dann doch zu viel Arbeit und dann gibt es ja noch etliche die einen viel besseren Prozessor konstruieren können und sich gleich zu Wort melden.

Aber ich denke ich schreibe morgen mal was über Crays Fehler bei der Konstruktion - zumindest in meinen Augen.

Dann läuft ja die WM. Da hat es den einen oder anderen vielleicht verwundert, dass so viele Favoriten herausgeflogen sind - mich nicht. Mein Schlüsselerlebnis war 2006 ein Interview von Pele in dem er vorhersagte das Brasilien nicht Weltmeister werden würde - südamerikanische Mannschaften haben es seiner Ansicht nach schwer wenn die WM in Europa stattfindet und er hatte ja auch recht, (auch wenn man es historisch analysiert) dann müssen im Umkehrschluss viele europäische Mannschaften in Südamerika früh herausfliegen und wer erinnert sich nicht an die WM in Argentinien? Also habe ich mal unsere Chancen nicht allzu hoch gesetzt. Auf der anderen Seite sind einige Favoriten wie Spanien, Italien oder Portugal auch schon draußen. Vielleicht reicht es ja fürs Halbfinale, mit viel Glück vielleicht fürs Finale. Aber da der Gastgeber bei WM's immer sehr gut abschnitt, 1966 sogar mal gewann, obwohl er sonst nie weit im Turnier kam, glaube ich kaum das es zum Titel reicht.

Ich habe mich dann aber an einen Blog vor vier Jahren erinnert, an Metin Tolan, Physikprofessor und Autor eines Buches über die Physik des Fußballes. Der hat 2010 eine WM Formel entwickelt nach der es 2010 hätte klappen müssen - nun ja hätte. Nach der Formel werden wir diesmal fünfter. 2018 reicht es nur noch für den siebten Platz. Inzwischen hat er das weiter verbessert und - ihr glaubt's nicht - diesmal werden wir wieder erster und zwar mit 20,33% Wahrscheinlichkeit. Danach Niederlande (18,61%) und Brasilien (9,04%), immerhin Spanien hat er nur 0,65% Wahrscheinlichkeit eingeräumt. Da scheint er recht zu behalten. Inzwischen basiert seine Methode nicht mehr auf zwei popligen Konstanten sondern dem radioaktiven Zerfall. Da erkennt ja auch der Laie sofort den Zusammenhang mit dem Fußball (sieht der Ball nicht aus wie der Atomkern in den Zeitschriften?). Den Professor sollte man nicht allzu ernst nehmen, der hat in einer Sendung auch schon empfohlen die Tastatur in der Spülmaschine zu reinigen. Wenn sie danach nicht mehr funktioniert dann läge das daran dass man nicht lange genug getrocknet hat. Nun ja Physiker, die haben so viel Ahnung von Chemie wie Politiker von Politik - nämlich gar keine. In den Spülamschinenreinigern sind ätzende alkalische Salze, die korrodieren im Nu feinste Leiterbahnen auf der Tastatur ...

Ich habe seine Formel von 2010 mal leicht abgeändert auf N=0,2, A=3,5 und B=4,2 und jetzt passt sie eigentlich ganz gut zu den Daten, besser als Metins erste Formel. Nach dieser werden wir aber auch nur sechster.... Aber 2018 reicht es zum zweiten Platz (eventuell dritter, es kommt genau 2,5 raus) und 2022 sind wir wieder Weltmeister! Ist Physik nicht toll? Man kann damit fast alles berechnen....

WM Formel

29.6.2014: Seymour Crays Fehlurteile

Seymour Cray gilt als der Vater der Supercomputer. Beginnend mit der CDC 6600, die 1964 erschien, waren Rechner die er (mit)konstruiert hatte über 30 Jahre die schnellsten der Welt. Doch bei dieser Leistung hatte er auch einige kapitale Fehlurteile. Die meisten führen sicher als erstes das Scheitern bei der CDC 8600 an. Schon bei der CDC 6600 war ein Problem, dass am Ende der Schränke die Signallaufzeiten Störungen auf den Leitungen verursachten weil Signale unterschiedlich stark verzögert wurden und so schon auf einer schnellen direkten Verbindung das nächste Taktsignal anlag. Die CDC 6600 lief nur mit 10 MHz, was immerhin noch Kabellängen von bis zu 20 m erlaubte. Die CDC 8600 arbeitete bei 125 MHz, wodurch die Packung extrem dicht sein musste, Kabel mussten nun sehr kurz sein. Cray bekam die Kühlung nicht in den Griff, die durch die schnellen aber sehr energiehungrigen ECL Schaltungen freigesetzt wurde. Er brach das Projekt ab und gründete seine eigene Firma. Das Mockup der 8600 sieht übrigens aus wir eine Kreuzung der folgenden Cray Rechner. Die Bank der Cray 1 und die kleine Zentraleinheit der Cray 2. Ich halte es nicht für einen Fehler, denn der Rechner war einfach für seine Zeit zu ambitioniert. Das Kühlungsproblem dieser Packungsdichte sollte Cray erst mehr als ein Jahrzehnt später bei der Cray 2 lösen. Selbst der unmittelbare Nachfolger die Cray 1 war langsamer und größer.

Dir Cray 1 war zwar um einiges schneller als die CDC 7600 und ein Verkaufsschlager, aber sie hatte im Design drei Mänge,l von denen er den gravierendsten nie behob. Der erste, kleine, Mangel waren zwei fehlende Maschinenbefehle die anscheinend für viele FORTAN Programme benötigt wurden und zwar für Anweisungen in der Form:

Y[]=X[Index[]]
Y[Index[]]=X[]

Also die Nutzung eines Array Elementes als Index. Das nannte sich im damaligen Sprachgebrauch Scatter/Gather, ich kenne es als indirekte Adressierung. Das konnte man relativ einfach bei der Cray X-MP nachreichen. Das zweite war das I/O Subsystem. Die Cray 1 hatte zur Kommunikation mit der Außenwelt nichts anderes als 12 Kanäle mit je 16 Leitungen und drei Handshakeleitungen. Über jeden Kanal konnten 320 MBit/s übertragen werden. Das dumme nur: Solange das stattfand war die CPU beschäftigt. Es fehlte ein System, das sich nur um die Ein/Ausgabe kümmerte und die Daten zwischenspeicherte. Das wurde bei der Cray 1S nachgeliefert, als erstes der drei Probleme, weil die unzureichenden I/O Möglichkeiten offensichtlich waren. (Anders als alle vorherigen Computer war die Cray 1 auch nicht vollständig - man brauchte einen eigenen Computer um sie überhaupt zu starten und mit ihr zu kommunizieren). Interessanterweise hat Cray 1 bei seinem ersten Supercomputer der CDC 6600 eigens 10 I/O Prozessoren vorgesehen um die CPU zu entlasten. Unverständlich, warum er bei der Cray 1 darauf verzichtete, denn die Cray 1S bekam dann ein analoges System verpasst.

Der Hauptmangel denn er auch nicht bei der Cray 2 und Cray 3 behob war die mangelnde Speicherbandbreite. Die Cray 1 konnte pro Taktzyklus 4 Instruktionen aber nur 1 Datenwort lesen. Das war bei den Daten viel zu wenig, denn bei Vektoroperationen konnte in einem Takt ein Ergebnis pro Funktionseinheit geliefert werden. Das entsprach beim Verketten von Rechnungen zwei Lese und einem Schreibzugriff. Die Cray 1 war ausgelegt auf Register-/Registeroprerationen, hatte deswegen auch die Vektorregister mit 64 Einträgen. Doch auch diese mussten gefüllt werden und bei einem Wort pro Takt war es so dass eine Vektoroperation in 72 Takten erledigt war, das füllen eines Registers aber 81 Takte erforderte. Das war mit ein Grund warum die Cray 1 in vielen Programmen ziemlich einbrach, selbst bei Vektoroperationen, es musste nur mehr als 64 Elemente sein. Bei der Cray X-MP, die Steven Chen als Firmeninterne Konkurrenz aus der Cray 1 entwickelte lernte man daraus und vervierfachte die Speicherbandbreite es gab dort pro Takt je zwei Lesezugriffe, einen Schreibzugriff und einen I/O Zugriff. Andere Rechner wie die Cyber 205 hatten von Anfang an breite Datenbusse, bei dieser z.B. 512 Bit breit, was 8 Datenworten auf einmal entsprach. Auch andere Techniken um dem langsamen Speicher zu begegnen wie Caches setzte Cray nicht ein. Er führte bei der Cray 2 einen lokalen Speicher ein, doch der wurde durch befehle gefüllt und pufferte nicht Daten aus dem Arbeitsspeicher ab. Bei der Cray 2 machte er zudem den Fehler vom einen Extrem (Bipolar-Speicher mit niedriger Integrationsdichte aber kurzer Zugriffszeit) aufs andere Extrem (DRAM Speicher mit hoher Integrationsdichte aber schlechter Zugriffszeit) zu wechseln. Die Folge: der Rechner erreichte selbst in spezialisierten Benchmarks selten mehr als 50% seiner nominellen Leistung. Auch für Vektorregister ideal, wäre ein Burstzugriff, der die 64 Register über die 53 Bänke gleichzeitig füllt und so gerade bei einem sso registerorientierten Rechner Geschwindigkeit bringt.

Die Cray 3 setzte dann auf Galliumarsenid, ob man das als Fehlentscheidung sieht hängt wohl mehr vom Standpunkt ab. Aus der Hardwaresicht war es so, dass Crays Rechner niedrig integriert waren. Die Cray 2 hatte z.b. nur 16 Gatter pro Chip. Gallumarsenid war bei so wenigen Elementen dann eine Alternative, die schneller war. Der Grundfehler den man Cray ankreiden muss ist aber dass er von der Grundarchitektur nicht abließ. er setzte nach wie vor auf wenige Prozessoren, auf ECL Technologie. Er erweiterte auch nicht die interne Architektur. Die 8 normalen, 8 Adressregister und 8 Vektorregister (mit je 64 Elementen) blieben bei jeder Generation. Es gab auch immer die gleichen Funktionseinheiten, sie wurden eher weniger wenn man durch höhere Integration zwei zusammenfassen konnte. Sie zu verdoppeln kam nicht in Frage, dabei taten dies als die Cray 3 erschien, schon Mikroprozessoren.

Eigentlich muss Cray das Problem bekannt gewesen sein. Als die Cray 1 erschien hatte sie einen Takt von 80 MHz, Mikroprozessoren lagen damals bei 3 MHz. Bis zur Cray 3 wurde der Takt auf 500 MHz gesteigert - der Faktor 6. Mikroprozessoren erreichten als die Cray 3 erschien 66 MHz, waren also um den Faktor 22 schneller geworden und in der Verarbeitung von Daten hatten sie enorm aufgeholt: Von 8 Bits auf 32 Bits auf einmal und Fließkommabefehle gab es nun auch. Ein Mikroprozessor war nun noch nicht so schnell wie eine Cray, aber er hatte enorm an Rechenleistung aufgeholt. In MFLOPS ausgedrückt von 0,004 auf 1-2. Würde diese Entwicklung weiter gehen (und sie beschleunigte sich sogar im folgenden Jahrzehnt) so würden sie bald die Rechner die aus tausenden von Chips bestanden und die man nicht mehr kleiner bauen konnte, weil bei 500 MHz (Takt der Cray 3) keine Leitung länger als 40 cm sein dürfte und die Rechner so enorm hoch integriert waren und im Kühlmittel badeten überholen.

In einem gewissen Sinne war Cray enorm konservativ, er hat im Prinzip die Architektur über 20 Jahre nicht geändert. Er versuchte nur mehr Geschwindigkeit durch schnellere Schaltungen, höhere Packung und zum Schluss ein anderes Halbleitermaterial zu erreichen. Das denke ich ist sein größter Fehler. wer stehenbleibt verliert den Anschluss.


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