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Web Log Teil 39 : 29.9.2007-6.10.2007

Samstag 29.9.2007: Kuriositäten

Heute lag der neueste PEARL Katalog in meinem Briefkasten. Ich kaufe da ab und an etwas, viel interessanter ist allerdings das Durchblättern. Natürlich sind da eine Menge ganz nützlicher Dinge drin, doch in den letzten Jahren hat sich PEARL vom Shareware Vertreiber zum Verkäufer zuerst von Computer Software, dann auch Hardware zum Bunten Laden entwickelt.

Ich staune immer über die Kuriositäten oder besser den "Wer braucht den Sowas" Artikeln. Zum Beispiel passend zur Kommenden Weihnachtszeit den Mini Weihnachtsbaum (14 cm groß) für den USB Port. Oder die rückwärts laufende Uhr. (Mit Spiegelverkehrtem Ziffernblatt, so zeigt sie natürlich immer die Zeit richtig an) oder eine elektrische Fliegenklatsche oder die Lochbrille zur Behebung von Sehschwächen....

Manchmal gibt es auch an und für sich interessante Geräte die jedoch praktisch wertlos sind. so der Portable Videoplayer mit 2" Bildschirm - Meine Digitalkamera hat ein 1.8" Display und das ist schon weitgehend ungeeignet um die Qualität von Photos zu beurteilen. Wer will schon einen Player im Briefmarkenformat....

Noch mehr gibt es bei E-Bay und da dort die Hemmschwelle für das Kaufen durch das einfache Klicken auf einen "Bieten" Knopf noch niedriger ist halte ich mich da besser davon fern. Ansonsten erliege ich der Sammel- und Schnäppchenmentalität. Was habe ich da schon potentiell interessantes und vielleicht doch nützliches entdeckt... Die Mannequin Schaufensterpuppe die sich sicher als Kleiderständer recht gut gemacht hätte (aber wozu brauch ich das?) oder das Samurai Schwert, das ich einige Tage nach dem Film "Kill Bill" entdeckt habe und das doch so dekorativ wäre....

Bei jedem von uns ist eine gewisse Sammlermentalität ausgeprägt. Ich habe nichts was ich richtig sammele, aber meine Festplatte ist gefüllt mit den Originalaufnahmen von Mariner 9,10, Viking, Voyager, Galileo und Cassini. Ich habe ne Menge Bücher in die ich nur mal rein gesehen habe, wie eine 12 Bändige Geschichte der Menschheit, dazu viele MP3 Songs und früher mal 260 Audio Cassetten mit Musik.

Viel schlimmer ist es bei meiner Schwester die ihr Haus mit Krimskrams vollgestopft hat und mittlerweile auch die Garage. Von der Familie habe ich komischerweise nie eine Kritik gehört, vielleicht ist das auch eine Gewohnheitssache. Ich weiß nicht, ob es eine schwäbische Eigenheit ist, aber es gibt diese "Mann könnte es doch noch brauchen" Mentalität das einen dazu bringt alles mögliche aufzuheben. Mein Vater hat alles mögliche aufgehoben und ich versuche das nun nach und nach aus dem Haus raus zubekommen (was immer schwerer wird angesichts der Regelungen für Sperrmüll die immer strenger werden).Nun ist mein Bruder als Nachfolger im "Privatbaugeschäft" das Hindernis mit derselben Argumentation "Das kann man ja noch brauchen" - Ja aber dann muss es eben nicht bei mir rumstehen sondern er kann es in einen Schuppen von sich mal umräumen.

Ich habe gehört, das ist ein genetisches Relikt, ein Instinkt denn wir noch von der Steinzeit haben. Bevor der Mensch Ackerbau betrieb war er Jäger und Sammler - und wer als Sammler erfolgreicher war, der überlebte und wenn er dies war, nicht weil er dies gelernt hat, sondern ihn ein Trieb dazu brachte alles zu sammeln, dann vererbte er dies an seine Nachkommen. Die nicht so sammelfreudigen sterben aus. Klingt schlüssig, aber ich bin da vorsichtig, bei zu einfachen Erklärungen. Sehr oft begibt man sich da aufs Glatteis.

Sicher ist nur, dass dieser Trieb bei jedem von uns da ist. Die Schwelle bei der man ihm nachgibt nur unterschiedlich stark ist. Ich denke wenn man die Mittel dazu hat gibt jeder dem nach. Ich denke da an Bhagwan. Der sammelte Rolls-Royce, ein nicht gerade billiges Hobby. Andere sammeln Frauen (noch erheblich teurer), wobei es dafür auch andere Gründe gibt... Frauen - mein Lieblingsstichwort - sammeln Schuhe, etwas was Männern vollkommen unverständlich sind. Die Schuhe sind so ziemlich das letzte auf das ich bei einem weiblichen Wesen achte. Wer weiß, was ich sammeln würde wenn ich Geld wie Heu hätte ? Vielleicht Heimcomputer aus den achtzigern? Oder Teleskope? Wahrscheinlich aber Katzen....

So und nun noch mein TV Tipp für Morgen: ZDF, 14:00, Endspiel der Damen bei der Fußball WM. Mädels, ich drück euch die Daumen!

Sonntag 30.0.2007: 50 Jahre Raumfahrt: Die bemannte Raumfahrt

In meiner kleinen Serie über die Raumfahrt heute die bemannte Raumfahrt, für manche (zumindest für einen großen teil der nicht so gut informierten Öffentlichkeit) gilt die Aufmerksamkeit ja nur der bemannten Raumfahrt, Ich denke man kann sowohl im Osten und wie auch Westen die bemannte Raumfahrt in mehrere Phasen einteilen:

  1. Erste Schritte: Eroberung von Technik und der Fähigkeit, dass ein Mensch im Weltraum überleben und arbeiten kann. Im Westen begann man mit Mercury mit dem Ziel eine Person passiv bis zu 24 Stunden in einer Kapsel der Schwerelosigkeit auszusetzen. Das gleiche auch im Osten, mit dem Unterschied, das Wostok geräumiger war und die Vorräte Missionen bis zu einer Woche zuließen. Der zweite Schritt war im Westen Gemini: Nun sollten die Aufenthaltsdauern bis zu 14 Tage betragen, Astronauten konnten aktiv ihr Raumfahrzeug steuern und sollten Kopplungsmanöver und Außenbordaktivitäten durchführen. Im Osten war dies für die Sojus Kapsel vorgesehen, die jedoch erst nach Gemini fertiggestellt werden würde. So gab es als Überraschungscoup die Woschod Kapsel, die jedoch konstruktive Mängel hatte und nach 2 Missionen mit teilweisen gravierenden Problemen wurde das Woschod Programm eingestellt.
  2. Wettlauf zum Mond: Ehrlich gesagt ich hasse diesen Ausdruck, seit ich mich mit dem Thema befasst habe. Es gab nie einen Wettlauf zum Mond, denn bei einem Wettlauf gehe ich von in etwa gleichen Startbedingungen aus. In den USA wurde praktisch mit Kennedys Rede 1961 an Apollo gearbeitet, dabei waren einige Entwicklungen wie die Saturn 1 Trägerraketen schon 1959 begonnen geworden. Die Sowjetunion startete erst mit der Entwicklung 1964, als man schon in westlichen Illustrierten von den ersten Mockups lesen konnte  und setzte nur einen Bruchteil der Mittel ein. Das war kein Wettlauf unter gleichen Bedingungen. Trotzdem haben die Sowjets auch einen Mondlander und die N-1 Trägerrakete entwickelt und das Sojus Raumschiff sollte eigentlich zuerst zum Mond fliegen.
  3. Nutzanwendung der bemannten Raumfahrt. Hier trennen sich die Wege. Die USA starteten Skylab - eine Raumstation die erst in ihre Größe von de ISS überboten wird. Obwohl Skylab sehr erfolgreich war auch hinsichtlich der wissenschaftlichen Ausbeute, war sie jedoch eine Insellösung um die Apollo Hardware nach Streichen des Mondprogrammes sinnvoll nutzen zu können. Die Sowjets begannen mit den militärischen Almaz und den zivilen Saljut Raumstationen. Nun ging es erstmals darum Experimente im Weltraum durchzuführen die auf der Erde einen Nutzen bringen würden. Die Nutzanwendung der bemannten Raumfahrt lag im Westen beim Space Shuttle - Er sollte sowohl Satellitenstart verbilligen als auch Forschung mit dem europäischen Spacelabs ermöglichen.
  4. Zusammenarbeit: Der Zusammenbruch der Sowjetunion im Osten und die Frage nach dem Sinn des Space Shuttles im Westen führte zu einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit: Die USA unterstützten die Sowjetunion bei dem erhalt ihrer MIR Station, die ohne diese Finanzspritze nicht zu halten gewesen wäre. Space Shuttles brachten Astrobauten und Fracht zur Mir und zahlten noch dafür. Als Folge dazu wurden in den neunziger Jahren dann die Pläne für die internationale Raumstation geändert und Russland daran beteiligt. Die ISS hätte zum Musterbeispiel einer erfolgreichen Zusammenarbeit werden könne, wenn dann nicht die nächste Phase gefolgt wäre nämlich ...
  5. Fehlender politischer Wille. Zuerst auf Seitens Russland, welches sie wegen der Finanznot aus der ISS zurückzog und den Ausbau verzögerte, dann seitens der USA welche diese ganz aufgeben will, zusammen mit dem Space Shuttle, nachdem nach dem Verlust der Columbia diese als nicht mehr sicher gelten. Sicher es gibt nun ein neues noch utopischeres Programm "Vision for Space Exploration", doch man will dieses praktisch finanzieren indem man die ISS und den Space Shuttle einstellt. Das ist keine Vision, das ist Krämermentalität. Meiner Meinung nach wird es mit dem nächsten Präsidenten begraben werden.

Soviel in Kürze über die bemannte Raumfahrt. Ach ja: Am 3.10. dem Tag der deutschen Einheit sollen den ganzen Tag lang nur Dokus über Raumfahrt auf 3sat laufen. Mal sehen wie es wird. Und: Herzlichen Glückwunsch an unsere neuen (alten) Weltmeisterinnen!

Montag 30.9.2007: Sport

So, nachdem wir gestern gemeinsam den zweiten Weltmeistertitel gewonnen haben, heute mal eine kleine Nachlese in Sachen Sport.

So schön es war, dass das Endspiel der Damen übertragen wurde. Es ist eine Ausnahme. Dabei sind die Frauen soweit ich es überblicke meistens erfolgreicher als die Männer. Vor allem bei der Winter Olympiade ist es auffällig, aber auch bei der Sommer Olympiade.

Woran liegt das? Vielleicht zum einen bei unseren Fixation auf Fußball. Zwar heißen bei uns Sendungen zur besten Sendezeit "Sportschau" oder "aktuelles Sportstudio. Doch der Sport besteht nur aus Fußball. Da Frauenfußball bei uns noch nicht so populär ist, gehen vielleicht mehr von ihnen in andere Sportarten die ihnen mehr liegen, bei denen man aber nicht die große Karriere machen kann.

Wir lamentieren immer wenn es bei den Weltmeisterschaften und den olympischen Spielen nicht mit Medaillen klappt. Aber da sind doch die Probleme hausgemacht. Meiner Meinung nach gibt es zwei wesentliche Probleme: Das eine ist eben die Fixierung der Medien auf ein paar Sportarten: Fußball, Handball, Hockey, Boxen, Fahrradfahren das war es doch im wesentlichen. Wenn man sich für eine Sportart erst interessiert wenn alle 4 Jahre sie mal bei den olympischen Spielen eine rolle spielt. Wie soll man bitte junge Leute dazu bringen sich da zu engagieren? Solange etwas ein Nischensport bleibt wird der Zulauf gering sein und die Chance dass ein Talent sich darunter befindet ebenso.

Mehr Sport in der Breite und weniger Fußball in allen Medien wäre die Lösung. Das würde auch die Chancen der erfolgreichen Sportler verbessern mit ihrem Erfolg zu verdienen durch Werbung oder ähnliches. Das geht durchaus. Ich kann mich erinnern wie plötzlich Mitte der achtziger Jahre Tennis durch Boris Becker und Steffi Graf populär wurde. Dann wurde praktisch jedes Tennisturnier liefe übertragen. Die Nachmittage waren in den Sommermonaten gefüllt mit Tennis. Vorher hat sich kein Schwein für diesen "Elitären Sport" interessiert.

Das zweite ist eine gezielte Förderung. China hat begonnen nachdem sie die olympischen Spiele für 2008 zugesagt bekommen haben Sport massiv zu fördern. Talent-Scouts gehen in die Schulen und schauen nach Talenten und diese kommen dann auf Sportschulen wo sie optimal gefördert werden. Im noch kommunistischen Land verspricht dies auch materielle Vorteile für die Eltern selbst bei Sportarten die für uns unwichtig sind. In Athen haben sie sich so schon jeden Menge Medaillen abgesahnt. 2008, dazu muss man kein Prophet sein werden es noch mehr sein. Ähnlich lief es auch in der DDR und anderen kommunistischen Ländern ab.

Nun ist mir klar, dass dies so bei uns nicht geht. Doch es geht, dass man insgesamt den Breitensport mehr fördert. Gezielter nach Talenten sucht und ein System etabliert, das garantiert, das jemand der dann sich 100 % dem Sport widmet auch entsprechend materiell abgesichert und versorgt ist.

Das kostet Geld. Doch wir reden hier nicht über Milliarden. Bei olympischen Spielen sind etwa 1000 Teilnehmer dabei. Rechnet man 10 mal mehr die nicht dabei sind, aber gefördert wird. So sind das 10.000 Personen. Bei 50.000 Euro pro Person reden wir von einer summe von 500 Millionen Euro pro Jahr. Soviel sollte der Gemeinschaft der Sport wert sein. Zumal man ja durchaus bereit ist Unsummen für Übertragungsrechte nur für eine Sportart (Fußball-Bundesliga) auszugeben. Für diesen einen Sport von 18 Mannschaften mit vielleicht 500 Profis bezahlt man derzeit 240 Millionen pro Saison. Mein Vorschlag: Da Fußballvereine anscheinend im Geld schwimmen wie man sowohl bei den Vertragssummen sieht wie auch daran dass diese nun selbst die Stadien betrieben und eigene Arenen bauen anstatt eine Arena von den Gemeinden zu mieten, die man auch für andere Sportarten nutzen kann wäre es nicht dumm dass diese die hälfte ihrer Einnahmen für andere Sportarten abgeben. Der Sportschau täte es auch nicht schlecht, wenn die Hälfte ihres Programmes auch mal aus Sport und nicht nur Fußball bestehen würde.

Doch das wird nur ein frommer Wunsch sein. Denn schließlich sind wir ja alle Fußball verrückt. nur sollte man sich dann aber nicht beschweren, wenn 2008 in Peking es viele lange Gesichter gibt....

Dienstag 2.10.2007: Die DDR

Haben sie auch am Sonntag und Montag den Film "Die Frau am Checkpoint Charlie gesehen?". Die Handlung war zwar stark übertrieben, wie die anschließende Dokumentation zeigte. doch der Film zeigt die DDR in einem anderen Licht als die filme der letzten Zeit vom Typus "Sonnenallee" und "Goodby-Lenin". Folgt man diesen, dann war die DDR eine Art großer Freiluft amüsierparkt wo Leute in blauen Hemden viel spaße hatten.

Zur Erinnerung: Das Bestreben die DDR zu verlassen, d.h. das Menschenrecht in Anspruch zu nehmen dort zu leben wo man es möchte war strafbar als Tatbestand "Republikflucht". Schon das stellen eines Ausreiseantrages hatte unmittelbare Folgen für das tägliche Leben. Da alle Betriebe staatlich waren konnte es durchaus vorkommen, dass man an einen weniger attraktiven Arbeitsplatz versetzt wurde. Kinder hatten Repressalien zu befürchten. Die Verflechtung von einer staatlichen Behörde mit praktisch allen anderen und anderen Teilen des Lebens ist das Kennzeichen der DDR. Karriere oder ein Studium war nur möglich wenn man angepasst an das System war.

Interessant waren auch die vielen Straftatbestände in der DDR, die es im Westen nicht gab. Da man Demonstrationen nicht generell verbieten konnte gab es verschiedene Straftatbestände dafür dass man unerlaubt demonstrierte. Neben dem Verletzten von Besitzrechten wie im Westen (Landfriedensbruch) auch neue Tatbestände wie "Rowdytum".

Dazu kam die STAI und ihr System der Bespitzelung des eigenen Volkes durch "inoffizielle Mitarbeiter" deren Zahl in die Hunderttausende ging. Ich bin mir sicher ich hätte bei meinem Hang allen Leuten meine Meinung zu sagen dort sehr schnell massiv Probleme bekommen. Sicher es gibt genügend Duckmäuser die sich mit dem System arrangieren können. Für Sie ist es auch bequem: Garantierter Arbeitsplatz unabhängig wie gut oder wie viel man arbeitet.

Ich war einmal während einer Klassenfahrt in Ost-Berlin. Wenn mich daran zurückerinner empfand ich dort alles als sehr bedrückend. Zum einen diese enorme Polizeipräsenz dort. die ist wahrscheinlich nur typisch für Ost Berlin, aber für Westler sehr ungewohnt und man fühlt sich sofort überwacht, zumal wie Westler recht leicht zu erkennen waren, an den Klamotten und daran das wir relativ laut und offen redeten. Als wir in eine Gaststätte gehen wollten sollten wir warten bis wir "zugeteilt" werden - Planwirtschaft lässt grüßen. Dann bevorzugten wir doch ein Restaurant das nur west Währung akzeptierte (und teurer als Westberlin war, bei nicht besonders gutem Essen). Trotzdem hatten wir Probleme an dem Tag unsere 25 DM Zwangsumtausch in der DDR loszuwerden. Schlicht und einfach weil wir nichts zu kaufen fanden, das sich lohne zu kaufen. Am Bahnhof Friedrichstraße legten wir alles Geld zusammen und eine von uns gab es einem Passanten - Der war übrigens nicht erfreut sondern konnte mit dem Geld wohl auch nichts anfangen.

Nach einer Umfrage sollen sich im Osten etwa 20 % der Bevölkerung die DDR zurückwünschen. Im Westen sind es glaub ich deutlich weniger, obwohl es für alle einschneidend war: 1989 war erstmals der Bundeshaushalt nach Jahrzehnten ausgeglichen. Seitdem mussten neue Schulden gemacht werden um das Defizit das man in en neuen 5 Bundesländern hatte zu decken. Seit der Wiedervereinigung etwa 100 Milliarden DM pro Jahr, oder mittlerweile etwa fast 1 Billion Euro. Der Westen stände heute recht gut da ohne diesen Aderlass, die Arbeitslosenquote wäre im Westen noch geringer als sie es jetzt ist (weil viele aus dem Osten seitdem in den Westen gingen um Arbeit zu finden). Trotzdem kenne ich keinen der sich die DDR im Westen zurückwünscht.

Wie kommt man dazu sich die DDR zurückzuwünschen? Ich denke es ist der "Rosarote Brillen" Effekt: Man nimmt nur noch wahr was gut war. Aber nicht die Nachteile, die es auch für systemtreue gab: Den Mangel an Konsumgütern der sich laufend verschärfte. Die geringe Auswahl an Gütern was sich in einem uniformen Aussehen ausdrückte. Der Raubbau an der Umwelt der sich in Erkrankungen in Industrieregionen und einer verseuchten Umwelt äußerte und der allgemein niedrigere Lebensstandard verglichen mit dem Westen.

Ich denke wir Deutschen hatten Glück: Nicht nur dass wir heute wiedervereinigt sind, sondern dass es auch ohne Revolution und Toten abging. Das ist durchaus nicht selbstverständlich wie andere Beispiele zeigen.

Mittwoch 3.10.2007: Sputnik 1

Morgen jährt sich nun zum 50.sten Mal der Start von Sputnik 1, und heute (das wird gerne vergessen) zum 65.sten mal der erste erfolgreiche Start einer A-4, die dabei als erstes Objekt den Weltraum (definiert als 100 km über der Erdoberfläche) erreicht hat. Fast jeder hat von dem Sputnikschock gehört. Darüber wurde auch genug geschrieben: Die Amerikaner waren von dem Start vollkommen überrascht und hatten diesen der UdSSR nicht zugetraut. Mehr noch als die Tatsache dass nun die Sowjetunion als erste einen Satelliten gestartet hatte, war das Gewicht von 83.6 kg - 8 mal größer als der größte von den USA projektierte Satellit. Damit war auch klar dass die Sowjetunion über eine leistungsfähige Trägerrakete für Atomsprengköpfe verfügen musste, während das amerikanische Atlas System sich noch in der Entwicklungsphase befand. Die Mannie der "Raketenlücke" die zu einer enormen Aufrüstung füllte breitete sich aus (auch unterstützt von Prahlereien von Nikita Chruschtow der sagte "Wir produzieren sie am Fließband wie Würstchen".

Doch es hätte keinen Schock geben müssen. Zum einen hatten die Sowjets einen Start eines Satelliten schon vorher bei einer wissenschaftlichen Konferenz angekündigt, genauso wie dies die Amerikaner zu dem geplanten ersten geophysikalischen Jahr taten, das am 1.7.1957 begann. Zum anderen hätte man es vermeiden können. Die USA hatten zwar noch nicht eine einsatzbereite Interkontinentalrakete, aber sie verfügten über einsatzbereite Mittelstreckenraketen, die mit Oberstufen auch einen Satelliten transportieren konnten, wenn auch keinen so großen wie die R-7, die Trägerrakete des ersten Sputnik.

Die amerikanische Regierung legte jedoch wert darauf, dass keine militärische Rakete benutzt wurde. So schied zum Beispiel die von Braun favorisierte Juno, eine Rakete entwickelt aus der Mittelstreckenrakete Jupiter aus. Als diese mit Oberstufen getestet wurde gab es sogar den offiziellen Befehl Ballast mitzuführen, damit die leergebrannte Oberstufe keinen Orbit erreicht und so nicht unbeabsichtigt erster künstlicher Satellit wird.

Werner von braun wurde kurz nach dem Sputnik Start von einer Senatsanhörung befragt warum dies möglich ist. Er antwortete zu derer Verblüffung, dass die USA schon 1955, spätestens 1956 einen Satelliten hätten starten können, wenn sie ihr Raketenprogramm gezielter verfolgt hätten und nicht aufgesplittert oder sein Team über Monate auf höherem Befehl hin Däumchen gedreht hat.

Was Folge ist Geschichte: Es kam zu einem Wettlauf im all. Es folgten unbemannte Missionen zum Mond, die ersten bemannten Missionen. Flüge zu den Planeten und als letztes ein Wettlauf, wer zuerst auf dem Mond landet.

Weniger bekannt ist, das Sputnik 1 nicht der erste Satellit der UdSSR sein sollte. Der eigentliche Satellit, genannt "Objekt D" wurde seit dem 30.1.1956 geplant. Hier zeigte sich aber, dass die Sowjetunion durchaus nicht so technisch überlegen war. Denn die Konstruktion dieses Satelliten, obwohl mit 1327 kg erheblich schwerer als Sputnik 1 und jedem geplanten amerikanischen Satelliten verzögerte sich sehr stark. Ende 1956 war abzusehen, dass er nicht zum Sommer 1957 fertig sein würde. Es war schlicht und einfach nicht möglich, mit existierenden Experimenten die Beschränkungen an Masse und Strombedarf einzuhalten oder die Experimente hielten die Belastungen beim Start nicht aus. Man begann sehr schnell ein sehr einfachen Satelliten zu konstruieren "Objekt P". Objekt P = Sputnik 1 bestand eigentlich nur aus einer Aluminiumkugel von 2 mm Stärke, einem Ventilator in der mit Stickstoff gefüllten Kapsel, der für den Temperaturausgleich sorgte und 4 Peitschenantennen die man über die Rakete herab führte, so dass man sie nicht entfalten musste. Eine Batterie diente als Stromversorgung und eine einfache Schaltung schaltete jeweils für 0.4 s einen Sender mit 1 Watt Leistung an, der im 20 und 40 MHz Band alternierend ein Piep-Piep sendete.

Damit konnte man in Grenzen Aussagen über die Ionosphäre machen (Signaldämpfung und Ausbreitung) sowie die Bahn Bestimmung und die Dichte der Hochatmosphäre bestimmen (durch Abbremsen des Satelliten). Das war der einzige Nutzen von Sputnik 1. Doch inzwischen ging es nicht um wissenschaftlichen Nutzen. Es ging um das pubertäre Verhalten von Supermächten "Wer hat die größte ?" (Rakete) "Wer ist er erste?".(Mensch im Weltall)... Objekt-D wurde verspätet am 15.5.1958 gestartet - als Sputnik 3.

Heute hat sich viel verändert und die Mächte arbeiten zusammen. Ich habe in der letzten Woche 4 Aufsätze über die vier Mondmissionen von 2007/8 gemacht und hier arbeiten USA, Indien und China an verschiedenen Projekten, aber auch zusammen (Indien hat Experimente von 5 anderen Ländern an Bord von Chandrayaan 1) und die Daten stehen Wissenschaftlern aus aller Welt zur Verfügung. Zusammenarbeit ist eben doch besser als Konkurrenz.

Donnerstag 4.10.2007: "Niemand kommt zurück vom Mond so wie er hingeflogen ist."

Die erde vom Mond aus gesehenDies habe ich gestern bei 3Sat gehört, wo den ganzen Tag über Weltraumfahrt, vielleicht besser gesagt bemannte Weltraumfahrt Bestandteil eines Thementages war. Gesagt hat dies Eugene Cernan, Apollo 17 Astronaut. Ich habe daran keinen Zweifel und wenn man sich die Biographien von Apollo Astronauten anschaut denke ich stimmt dieses Zitat auch. Dieses Bild der aufgehenden Erde nimmt mich jedesmal gefangen, vor allem wegen des Gegensatzes zu der lebensfeindlichen Kraterwüste im Vordergrund.

Da habe ich mich an eine andere Meldung erinnert, in der stand, dass Russland Weltraumtouristen für 100 Millionen US-$ zum Mond bringen will. Dies würde so gehen, dass eine modifizierte Sojus TMA Raumschiff erst mal zur ISS fliegt und der Tourist dort eine Woche verbringt. Das ist nichts neues. Das kann man heute schon für 20 Millionen US-$ kaufen. (Ein echtes Schnäppchen). Dann startet eine Proton einen Accellatorblock, dockt ihn an die Sojus an und sendet damit die Sojus zum Mond. Dieser wird in 3-4 Tagen erreicht. Auf einer freien Rückkehrbahn umrundet das Raumschiff einmal den Mond und wird von diesem zurück zur erde geschleudert. Die Flugbahn sieht dann aus wie eine riesige "8".

Dieses Szenario ist nicht neu. Die Sojus war ursprünglich als Mondschiff gedacht. 1968-1972 gab es Flüge mit einer abgespeckten Version der Sojus auf der Proton unter dem Programmnamen "Zond". Ziel war es einen, eventuell zwei Kosmonauten um den Mond herum zu schicken. Dafür reicht eine Proton aus die damals etwa 6 t zum Mond transportieren konnte.

Das heutige Konzept ist nur eine Weiterentwicklung. Nur macht die inzwischen im Einsatz befindliche Sojus-TMA mit über7 t Startmasse eine Abwandlung des Konzeptes nötig. Die neue Variation entkoppelt Oberstufe und Sojus Raumschiff: Die Proton muss neben der Oberstufe nun nicht mehr das Raumschiff in einen Erdorbit starten. Dadurch kann die Oberstufe 7 t schwerer sein. Das reicht dann aus um die schwerere Sojus-TMA zu starten. Die Sojus Raumschiffe waren einmal entworfen für Missionen von 18 Tagen Dauer entworfen - mehr als genug für einen 7 Tage Trip, solange dauert eine Mondumrundung normalerweise. Der Hitzeschutzschild muss ausgetauscht werden, da die Wiedereintrittsenergie etwa doppelt so hoch ist.

Doch nur eine kleine Umrundung bei der man vielleicht den Mond 45-60 Minuten lang sieht dürfte wohl nicht so beeindruckend sein, vor allem aber vielleicht nicht die Einstellung von jemanden ändern. Man muss also in einen Mondorbit einschwenken und diesen einige Zeit umrunden. so dass er auf den Betreffenden §einwirken" kann. Ich habe mich gestern daran gesetzt dies mal durchzurechnen. Für einen Mondorbit muss man von der Erde aus eine Geschwindigkeit von 10926 m/s aus einem 300 km Orbit. Dieser hat eine Geschwindigkeit von 7790 m/s. Man muss also um 3136 m/s beschleunigen.

Am Mond angekommen muss man um 684 m/s abbremsen um einen 100 km Orbit zu erreichen und um den gleichen Betrag beschleunigen um wieder zurück zur Erde zu kommen. Das addiert sich zusammen zu 4504 m/s.

Das kann man mit einer der verfügbaren Oberstufen, sei es Block DM oder Breeze-M nicht erreichen. Doch es geht mit einer weiteren Abwandlung des Konzepts:

Erst jetzt koppeln alle Teile zusammen und die Stufe zündet und befördert das ganze Gespann zum Mond. Theoretisch könnte man nun die Tankeinheit abwerfen und so die Masse für das nächste Brennmanöver zu reduzieren. Meine Berechnungen zeigen aber dass dies nicht nötig ist. eine Breeze-M kann etwa 12300 kg hin und zurück bringen. Bei 7700 kg Startmasse für die Sojus TMA und 2300 kg Leermasse für die Breeze M bleiben dann noch 2300 kg für die Tankstufe, die betankt 21600 kg wiegen würde. Bei Verwendung von Block DM mit seiner besseren Energieausbeute wären es sogar 13200 kg. Allerdings ist dessen Treibstoff nicht ohne gute Isolierung und Dämmung über Tage hin lagerbar.

Das Raumschiff könnte dann bis zu 10 Tage den Mond umkreisen. Doch für wen? Ich denke hier nicht an Weltraumtouristen. Selbst für Milliardäre wären die geschätzten 200 Millionen US-$ (basierend auf dem 100 Millionen Ticket für eine Umrundung) zu teuer. Ich denke an Staatsführer und für Staaten sind 200 Millionen US-$ ein Peanut. so viel kostet gerade mal ein kleiner Satellit

Und darum geht es: Wenn der Mond tatsächlich jeden verändert der dort hinfliegt dann sollte man mit Staatsoberhäuptern anfangen. Jeder von diesen kümmert sich doch nur um das politische Tagesgeschäft. Keiner macht sich Gedanken darüber die Zukunft zu gestalten, Probleme anzupacken die man nicht bis zur nächsten Legislaturperiode lösen kann. Warum schickt man nicht jeden der G8 Führer zum Mond. Wenn er nicht freiwillig will kann man ja nachhelfen... am besten kann man ihm da auch einen Packen von Dingen in die Hand drücken die zu unterschreiben wären, wie z.B. für Bush die Anweisung für einen Rückzug aus dem Irak oder die Ratifizierung diverser Klimaabkommen. Wenn die Erfahrung die Leute auch nur ein bisschen verändern würde, dann lohnt sich das Unternehmen in jedem Fall. Und das beste: Bis auf die Tankstufe, ein technisch relativ einfaches Teil existiert die gesamte Hardware schon. Es wäre innerhalb von vielleicht 2 Jahren durchführbar. Das wäre meiner Ansicht nach mal ein wirklich nützlicher Space Tourismus. Und wer weis: Wenn es die Politik nur ein bisschen in Richtung Nachhaltigkeit verändert würde es sich lohnen.

Freitag 5.10.1007:Warum will jeder zum Mond?

Eine Entschuldigung für alle nicht Raumfahrt-Fans, aber da ich in den vergangen 2 Wochen vier neue Aufsätze über vier weitere Raumsonden zum Mond fertig gestellt habe liegt es auf der Hand. Um auch klar zu stellen: Ich rede nicht von Bushs Space Vision, also einem bemannten Programm, sondern von einer Reihe von unbemannten Sonden. Hier mal eine kleine Liste:

Dazu gibt es sogar von Deutscher Seite den Vorschlag für eine deutsche Raumsonde. Mindestens 3 weitere Raumsonden von China, Indien und Amerika sind angekündigt. Vor allem ist auffällig, das mit Ausnahme der USA es sich um Nationen mit einem relativ beschränkten Raumfahrtprogramm handelt. Warum nun dieser Run auf dem Mond? Natürlich gibt es noch viel zu erforschen auf dem Mond. Die unbemannte Forschung des Mondes basiert vor allem auf den Lunar Orbiter aufnahmen der sechziger Jahre. Seitdem gab es nur den Kurztrip der Raumsonde Clementine und die Mission von Lunar Prospektor mit einem sehr eingeschränkten Aufgabengebiet. in der Tat wissen wir heute mehr über den Mars als vom Mond. In 10 Jahren könnte dies anders sein, dann dürfte es vom Mond eine bessere topographische Karte und bessere geologische Informationen geben als von der Erde. Die besten Aufnahmen werden 50 cm Auflösung haben - die erde ist durchaus nicht überall so gut fotografiert! (Ob dies die Moon-Hoaxer überzeugt wenn es Aufnahmen der Apollo Landeplätz gibt? Ich glaube nicht).

Doch zurück zum Thema: Für eine kleine Nation hat der Mond einige Vorteile. Zum einen ist er relativ nah. Das macht es möglich mit einer Sonde zu kommunizieren ohne sehr große und kostspielige Kommunikationsanlagen zu bauen. Eine Sonde ist auch nach 4 Tagen dort anstatt erst nach Monaten. Zum anderen aber sind die Bedingungen für den Betrieb einer Sonde genauso wie bei einer Raumsonde zu Mars oder Venus - die Startgeschwindigkeit ist fast gleich hoch. Man muss eine Bahn sehr präzise einhalten und eventuell nach dem Start nachkorrigieren. Man befindet sich auch außerhalb des Strahlungsgürtels und Sonde und Experimente müssen hohe Temperaturschwankungen aushalten. Im Prinzip ist also der Mond ein Erprobungsgelände für Raumsonden, wobei die Investitionskosten überschaubar bleiben und man kann bei Problemen viel leichter eingreifen. Wenn man es weiter denkt kann man auch am Mond eine Weiche Landung auf dem Mars erproben, nur muss man ein viel größeres Triebwerk einsetzen als beim Mars, wo man die aerodynamische Abbremsung nutzen kann.

Obwohl physikalisch nicht ganz korrekt - weil man sich ja immer noch in der Erdeinflusssphäre befindet - werden Mondsonden als Raumsonden angesehen. eine Nation kann also mit relativ Aufwand Mitglied in einem exklusivem Club werden: Den Nationen mit eigenen Raumsonden. Von der Öffentlichkeit weit weniger beachtet als die bemannte Raumfahrt ist dieser Klub viel exklusiver. Ihm gehören bislang die UdSSR, USA, Deutschland, Japan und die ESA an. (Jas sie haben richtig gelesen, als man in Deutschland noch mehr Interesse an Raumfahrt hatte baute man sogar eigene Raumsonden: Helios 1+2, gestartet 1974 und 1976.).

Die Zukunft wird zeigen ob diesen Schritten auf den Mond seitens Indien und China auch Schritte zu Mars, Venus oder anderen Zielen folgen werden. Von der deutschen Mission hat man nichts mehr gehört. Nach wie vor halte ich eine europäische Mission für eine bessere Idee. Doch wenn es eine deutsche Mission sein sollte, dann wäre vielleicht ein RADAR Satellit wie SARLupe oder TerraSAR-X keine schlechte Idee. Deutschland ist führend in der SAR Technologie und die bisherigen Missionen haben eine sehr grobe Auflösung. Da würden sich Kompetenz und wissenschaftlicher Nutzen ergänzen. Schau mer mal was draus wird....


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