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Web Log Teil 4 : 8-15.7.2006

Samstag 8.7.2006 : Über Tiere und Menschen

RomeoDer Autor bekennt sich dazu katzenverrückt zu sein. Ich könnte mir ein Leben ohne Katzen nicht vorstellen. Ich denke es geht sicher anderen genauso, vielleicht mit anderen Haustieren. Haustiere sind nicht einfach nur ein Gegenstand in der Wohnung, obwohl es auch Menschen gibt die ihre Haustiere so behandeln. Sie sind auch für unsere Seele wichtig. Selbst Tiere zu denen man keine sehr tiefe Beziehung aufbauen kann weil sie von ihrem Charakter her nicht auf einen zugehen, mit einem spielen kann man streicheln und mit ihnen reden. Bei Hunden und Katzen ist es anders. Sie zeigen einem Interesse an einem, wollen spielen, gestreichelt, ausgeführt werden. Man kann eine emotionale Beziehung aufbauen.

Hunde leisten schon heute viel, weil man sie im Gegensatz zu Katzen leicht dressieren kann. Es gibt Hunde in der Verhaltenstherapie die mit gestörten Kindern spielen. Es gibt Blindenhunde, es gibt Hunde die schlagen Alarm wenn ihr Besitzer nahe einem Herzinfarkt ist weil sich sein Geruch dann subtil ändert und es soll sogar Hunde geben die Krebs erreichen können.

Das alles wird es mit Katzen nicht geben. Katzen sind Einzelgänger die mit uns das Leben teilen, aber auch ganz gut ohne uns auskommen könnten. Doch Katzen können wie keine andere Tierart Aufmerksamkeit erregen, niedlich sein, verschmust und Freude durch zufriedenes Schnurren vermitteln. Das wirkt zurück auf die Seele und so gibt es Altenheime in denen man Katzen hält: Die Erfahrung: Die Menschen werden wieder agiler, weil sie sich um die Katzen kümmern. Sie werden auch wieder geistig reger und psychisch stabiler und die Lebenserwartung steigt an.

JuliaEs gibt Untersuchungen, dass welches Haustier man wählt eng mit dem eigenen Charakter verknüpft sein soll. Zumindest bei Hundeliebhabern und Katzenliebhabern hat man dies untersucht. Der Hund ist ein Rudeltier, welches den Menschen als Alpha-Tier, also Rudelführer ansieht und sich ihm unterordnet. Die Katze ist dagegen von Natur aus ein Einzelgänger und teilt nur ihr Revier und Leben mit dem Menschen, denn sie für ihre Katzenmutter hält, da er sie versorgt. Demnach sollen Menschen die Hunde halten eher dazu tendieren im Leben alles kontrollieren zu wollen, der Chef zu sein und sie wählen den Hund, weil er sich ihnen unterordnet. Das ist sicher etwas extrem formuliert, doch einige Menschen die ich kenne und die Hunderhalter sind neigen wirklich dazu dominant zu sein.

Katzenhalter würden dagegen tolerant sein, andere Charaktere (und wer mal mehrere Katzen gehabt hat weis, dass jede Katze wie jeder Mensche einen eigenen Charakter hat). zu akzeptieren und sich darauf einzustellen. Ich muss sagen, dass mir diese Vorstellung gefällt. Doch sicher ist sie nicht 1:1 übertragbar. Meinen Katzen lasse ich einiges durchgehen, was ich Menschen nicht durchgehen lassen würde. Man kann Katzen eigentlich nicht böse sein wenn sie einen unschuldig und treuherzig angucken und leise anmaunzen. Menschen bringen so etwas nur selten fertig und wenn dann sind sie meistens weiblichen Geschlechtes im jugendlichen Alter. Aber sich ist, ich bin kein dominanter Mensch wie der Hundehalter. Ich habe aber auch durch auch Probleme mit anderen und akzeptiere nicht jede Charakterschwäche und ich kenne einige andere Katzenliebhaber bei denen es genauso ist. Wie in vielen anderen Dingen - es ist was wahres dran, aber man sollte es nicht zu ernst nehmen.

Sonntag 9.7.2006 : WM Nachlese

Heute Abend ist das letzte Spiel der WM, das für Deutschland wichtigste war gestern. Zeit für eine Nachlese. Es war eine schöne WM. Eine WM in der Menschen aus aller Welt zusammen gefeiert haben. eine WM die auch deutsche und ihre seit Jahren einheimischen ausländischen Mitbürger zusammen gebracht hat. Ehrlich gesagt, ich hätte uns das nicht zugetraut. So weltoffen, so fröhlich, so gastfreundlich. Eigentlich zählt man ja mehr Fleiß, Pünktlichkeit, Sauberkeit zu deutschen Tugenden, aber nicht Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Ausgelassenheit. Ich hoffe wir behalten einiges davon in unserem Herzen über die WM hinaus.

Auf jeden Fall haben wir das Motto wirklich umgesetzt : Zu Gast unter Freunden, ich glaube viel besser kann man es nicht ausdrücken. Es gab fast keine Ausschreitungen von Hooligans und auch Neonazis scheinen derzeit Urlaub zu machen.

Natürlich wurmt mich noch das Italienspiel. Natürlich hätte es diese Mannschaft verdient Weltmeister zu werden und wäre es wohl auch geworden wenn sie über den anderen Strang ins Finale gekommen wäre mit weniger harten Brocken im Viertel- und Halbfinale. Aber sind wir mal ehrlich: Die Italiener haben auch gut gespielt und in der Verlängerung einfach mehr Dampf drauf gehabt. Und ob wir im Elfmeterschießen weitergekommen wären ? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

Platz 3 ist ein ehrenvolles Ergebnis, wenn wir uns an die Spiele der deutschen Mannschaft in den letzten Monaten und die ersten Vorbereitungsspiele zurückerinnern. Platz 3 ist wesentlich besser als unsere FIFA Einstufung (Platz 19 vor der WM) und es erinnert mich an Mexiko 1970. Damals wurden wir auch Dritter, nach einem verlorenen Halbfinale gegen Italien (4:3 in der Verlängerung). Und was wurden wir 1974 ? Genau, also blicken wir nach Vorne.

Bleibt noch die Trainerfrage. Für mich ist völlig klar das Klinsmann bleibt. Warum ? Klinsmann ist Schwabe wie ich. und Schwaben können nicht nur alles (außer Hochdeutsch), sondern sie machen auch keine halben Sachen. Und was sagte Klinsmann als er den Job übernommen hat "Mein Ziel ist es Weltmeister zu werden" - und das kann er noch werden. Erinnern wir uns an Beckenbauer, der auch den Job 1984 als Interiumscoach übernahm. Auch hier reichte 1986 nicht zum Titel, aber 4 Jahre später.

Diese Mannschaft kann es packen. Ich kann mich an die Weltmeisterschaften seit 1982 erinnern und ich habe nur 1990 eine ähnlich gut spielende Mannschaft gesehen mit Kombinationen, schönem Spiel, ohne den früher so üblichen teutonischen Kraftfußball und die Grätsche. Ich bin mehr stolz auf den Platz 3, den wir uns erkämpft haben, als über den Vizeweltmeistertitel von 2002 den wir errungen haben, weil alle Favoriten außer Brasilien frühzeitig ausschieden und wir gegen Mannschaften wie die Türkei, USA oder Paraguay ins Finale einzogen.

Vor allem scheint die Krise des deutschen Fußballs nun beendet : Erinnern wir uns: 1994 Ausscheiden im Viertelfinale, 1998 im Achtelfinale, EM 2000 und 2004 jeweils schon in der Vorrunde. Diese Mannschaft kann, das ist meine Überzeugung wenn sie gut drauf ist jeden Gegner der Welt schlagen. Diese Mannschaft und dieser Trainer können noch viel erreichen - Nächste Station EM 2008 in Österreich und der Schweiz. Ich freu mich drauf.

Montag -Mittwoch 10-12.7.2005 : Das Gemini Programm

Man hat mich mal gebeten, was über das Gemini Programm zu schreiben, trotz meiner bekannten Abneigung gegen bemannte Raumfahrt. Nun ich fühle mich nicht kompetent genug, über das Gemini Programm in der von mir gewohnten epischen Breite zu schreiben. Doch einen Eintrag im Weblog ist es allemal wert.

Heute ist das Gemini Programm fast vergessen, obgleich ohne es keine Mondlandung gegeben hätte und es im Bereich Kosten zu Nutzen wohl sicher eines der besten der bemannten Raumfahrt war.

Die Ursprünge des Gemini Programms entstanden durch die geplanten Mondflüge. Mit den Mercury Kapseln konnte man nur in den Orbit fliegen, aber dort eigentlich nichts machen. Beim Apollo Programm war es notwendig im Erdorbit und Mondorbit zu koppeln, Filme aus dem Service Modul in einem "Weltraumspaziergang" zu bergen und die Missionsdauer war viel länger als bei Mercury, bei dem der längste Flug 34 Stunden dauerte.

Das bewog die NASA ein Zwischenprogramm einzuschieben, welches folgende Ziele hatte:

Die Hardware war eigentlich recht unspektakulär. Die Gemini Kapsel für 2 Personen war eine in den Dimensionen vergrößerte Mercury Kapsel mit einem größeren Versorgungsmodul. Bei einem 50 % höheren Gewicht gab es Platz für 2 Sitze. Für die beiden Besatzungsmitglieder gab es auch nicht viel mehr Platz als bei Mercury. Das Wohnvolumen betrug 2.3 m³. Die Apollo Astronauten hatten pro Person etwa 3 mal mehr Platz. Die Kapsel wog beim Start bis zu 3851 kg, (je nach Missionsdauer) wodurch als Träger nur die Titan 2 in Frage kam. Die NASA leistete dem Militär Schützenhilfe bei der Lösung einiger Probleme bei der Titan, die vor allem auf starke POGO Schwingungen zurückzuführen waren und installierte zusätzliche Ausrüstung um Fehlfunktionen zu erkennen. Dieses bewährte sich beim Startabbruch von Gemini 6.

Die Wahl der Titan 2 wahr zwar eine Zweckwahl - es gab einfach keine Alternative zu ihr. Doch erwies sie sich als ein Glücksgriff. Alle 12 Starts klappten - anders als die mit Atlas Agena zu startenden Zielkörper von denen 3 fehlschlugen. Der giftige, aber nicht explosive Treibstoff erlaubte es auf einen Fluchtturm zu verzichten und dafür wurden Schleudersitze in die Kapsel eingebaut. Für die damalige Zeit sehr hohe Ansprüche gab es an das Startfenster, dass bei den Kopplungsflügen nur 2-30 Sekunden lang war. In der Regel wurde der Zielkörper genau eine Erdumkreisung also 90-100 Minuten vor der Gemini Kapsel gestartet. Die Astronauten saßen schon in der Kapsel wenn von einer anderen Startrampe eine Atlas Agena D mit dem GATV abhob.

Die 10 bemannten Gemini Flüge fanden in dem kurzen Zeitraum vom 23.3.1965 bis zum 11.11.1966 statt. Dem ersten bemannten Start gingen zwei unbemannte Testflüge des Raumschiffes (Gemini 1+2) voraus. Sie dienten zur Erprobung der Kapsel und der Titan als bemannten Träger. Gemini 1 startete am 8.4.1964, also fast ein Jahr vor dem ersten bemannten Flug. Die Kapsel wurde während 3 Umläufen getestet und weitere 61 bis zum Verglühen verfolgt. Sie war noch fest mit der zweiten Stufe der Titan verbunden. Gemini 2 sollte ursprünglich am 24.8.1964 starten. Doch verschiedene Probleme wie ein Blitzscheinschlag in die Rakete, ein Hurrikan und ein Startabbruch verzögerten den Start auf den 19.1.1965. Diesmal wurde die Kapsel von der zweiten Titanstufe abgetrennt und nach einem suborbitalen Flug geborgen. Sie wurde aufgearbeitet und am 3.11.1966 erneut mit einer Titan 3C zu einem suborbitalen Flug gestartet.

Hier eine Übersicht der bemannten Flüge:

Gemini 3 (23-23.3.1965)

Besatzung: Virgil "Gus" Grissom und John Young. Ziel dieser nur knapp 5 Stunden dauernden Mission war die Erprobung der neuen Kapsel. 3 Experimente sollten durchgeführt werden, doch dies gelang nur teilweise. Viel mehr Aufregung als die eigentliche Kurzzeitmission verursachte ein von John Young in die Kapsel geschmuggeltes Sandwich. Es war Inhalt der Berichterstattung am nächsten Tag und dies lenkte nach NASA Offiziellen zu sehr von dem Flug ab. Man verbot den Besatzungen solche "Pilotenscherze" für die Zukunft.

Bei Gemini 3 hatte man den Luftwiderstand der Kapsel falsch eingeschätzt, so wasserte diese 84 km vom Zielpunkt entfernt und es dauerte 30 Minuten bis ein Hubschrauber vor Ort war. Mercury Veteran Grissom, dessen Mercury Kapsel bei der Landung im atlantischen Ozean versunken war weigerte sich die Luke zu öffnen bis Taucher sie durch Bänder gesichert hatten. Schon vorher hatte er sich bei der NASA mit der Taufe der Kapsel auf den Namen "Titanic" in Ahnlehnung an die versunkene Liberty Bell 7, unbeliebt gemacht. Die NASA hatte auf eine Namensänderung bestanden und die Kapsel hieß dann "Molly Brown" in Anlehnung an die "unsinkable Molly Brown".

Ed WhiteGemini 4 (3.6-4.6.1965)

Besatzung: James McDivitt und Edward White. Ziel dieser 97 Stunden Mission (über 4 Tage - ein Riesensprung im Vergleich zu Mercury) war der erste Weltraumspaziergang. Doch kamen diesem die Sowjets mit Woschod 2 zuvor. Es gab nach dem Start ein Rendezvous Manöver mit der Core 2 Stufe der Titan, welches aber nicht erfolgreich war. Innerhalb von wenigen Minuten verbrauchte die Besatzung 40 % des Treibstoffs. Wegen geringerer Treibstoffzuladung kam es dann zu keinem anderen Manöver. Am ersten Tag stieg dann White für 23 Minuten aus und schwebte gesichert durch eine Leine und beweglich durch eine Rückstoßpistole durchs Weltall. Damit war der Raumanzug, die Halteleine und die Pistole erprobt. Die folgenden Tage dienten vor allem dazu Erfahrungen mit Langzeitflügen zu sammeln.

White hatte anders Leonojow kaum Probleme mit dem Ausstieg und konnte auch problemlos zurück in die Kapsel. Auf die Frage wie es ihm gefalle antwortete White "I feel as i was born up here". Damit konnte man für die nächsten Flüge das Thema Arbeit außerhalb des Raumschiffs angehen. Bei Gemini gab es keine Luftschleuse. Stand eine EVA an, so legten beide Astronauten ihre Raumanzüge mit eigener Klimaanlage und Luftversorgung an und öffneten eine Luke, so dass einer von Ihnen aussteigen konnte. Die Atmosphäre in der Kapsel entwich und die Luke musste wegen der Sicherheitsleine auch offen bleiben. Erst nach dem Ende der Eva konnte man wieder die Atmosphäre in der Kapsel herstellen.

Gemini 5 (21-29.8.1965)

Besatzung: Gordon Cooper und Charles Conrad. Ziel dieser 8 Tage Mission war die Erprobung des Raumschiffs über diese Zeit und die Untersuchung des Einflusses der Schwerelosigkeit auf die Astronauten. Erstmals überholten die USA die UdSSR bei der Aufenthaltsdauer im Weltall (in den 60 er Jahren gab es ein regelrechtes Rennen wer länger im All ist, höher fliegt oder mehr Mann startete). Neu war auch die Stromversorgung der Kapsel durch Brennstoffzellen anstatt Batterien.

Das Kopplungsmanöver mit dem speziell ausgesetzten REP Zielsatelliten musste entfallen als man einen Spannungsabfall in einer der Brennstoffzellen feststellte. Man bereitete sich am Boden schon auf eine Notlandung vor. Die Besatzung reduzierte um dies zu verhindern den Stromverbrauch auf ein Minimum, wodurch die Kapsel anfing zu taumeln, weil das Kontrollsystem nun keinen Strom mehr hatte. Dies stabilisierte sich jedoch nach einem Tag. Man machte dann Rendezvous Manöver mit einem imaginären Ziel. In der Folge standen 17 Experimente auf dem Programm. Das spektakulärste war die Verifikation von Beobachtungen der Mercury Astronauten die feinere Details am Boden ausmachen konnten als es das menschliche Auge eigentlich zuließ. Cooper und Conrad konnten spezielle Bodenmarkierungen zwar nicht erkennen, jedoch eine startende Rakete in Vandenberg und das Bergungsschiff.

Gemini 6A (15-16.12.1965)

Gemini 7Besatzung: Walter Schirra und Tom Stafford. Hier gibt es einen Bruch in der Chronologie der Gemini. Die Mission sollte unter der Bezeichnung Gemini 6 ursprünglich Ende Oktober 1965 starten. Am 25.10.1965 startete eine Atlas Agena mit einem unbemannten Zieltarget zum Koppeln (GATV-6), der jedoch nicht die Umlaufbahn erreichte. Die Mission wurde daher gestrichen. Die NASA kam nun auf die Idee, stattdessen ein Rendezvous mit Gemini 7 durchzuführen und änderte die Flugbezeichnung in "Gemini 6A". Der Flug von Gemini 6A fand daher nach dem von Gemini 7 statt. Der erste Startversuch am 12.12.1965 verlief dramatisch. Nach dem Starten der Triebwerke löste sich ein Kabel von der Rakete Dieses Kabel war der Kontakt für das Startsignal der Borduhr. Ein Fremdkörper in einer Treibstoffleitung führte aber zum automatischen Abschalten der Triebwerke nach 1.2 Sekunden, bevor diese vollen Schub erreicht hatten und die Rakete abheben konnte.

Schirra, Veteran des Mercury Programms bemerkte die laufende Uhr, aber auch das Abschalten der Triebwerke und hätte nun die Schleudersitze auslösen müssen, da bei einer abgehobenen Rakete diese wieder auf den Startplatz zurückfallen würde - mit etwa 130 t giftigem Treibstoff in den Tanks. Da er jedoch noch keine Beschleunigung verspürt hatte, löste er die Sitze nicht aus. Das rettete die Mission.

Nach einer Inspektion, bei der man auch eine Staubschutzhaube entdeckte, die auch entfernt sein sollte, fand der Start am 15.12.1965 statt. Am selben Tag näherte sich Gemini 6A der Gemini 7 Kapsel die zu diesem Zeitpunkt schon 11 Tage im Orbit war. Gemini 7 diente als passives Ziel da sich ihre Treibstoffvorräte dem Ende näherten. Gemini 6A näherte sich zuerst auf 40 m an Gemini 7 und umrundete dann die Kapsel um Heck und Nase zu inspizieren. Eine weitere Annäherung fand dann bis auf 30 cm statt. Ankoppeln konnten die Raumschiffe nicht, da es keine Koppeladapter gab. Nachdem das Rendezvous so reibungslos klappte landete Gemini 6A schon nach einem Tag am 16.12.1965.

Gemini 7 (4-18.12.1965)

Gemini 6Besatzung: Frank Borman und Jim Lovell. Gemini 7 hatte zwei Aufgabenstellungen: Einen Test von Kapsel und Besatzung über die Dauer eines Mondfluges. Der Flug dauerte 13 Tage 18 Stunden, länger als eine Mondmission. Es war der längste im Gemini Programm. Die zweite war die Ankopplung mit Gemini 6A. Nach dem Start näherte sich Gemini 7 der zweiten Stufe der Titan um ein Rendezvous durchzuführen. Diese begann aber zu taumeln, weil Resttreibstoff austrat, so dass man sich nur auf 15 m näherte. Die Besatzung von Gemini 7 hatte anfangs einige Probleme beim Schlafen, weil die Flugkontrolle darauf bestand dass immer ein Astronaut im Raumanzug mit Helm blieb und der andere in langer Unterwäsche arbeitete oder schlief. Die Klimaanlage konnte es aber nur einem recht machen. Später bekamen Sie die Erlaubnis die Raumanzüge beide abzulegen, außer bei kritischen Manövern wie der Kopplung mit Gemini 6A. Der Flugrekord von fast 14 Tagen hatte Bestand bis zum Jahr 1970, als er von Sojus 9 überboten wurde.

Bewundern kann man nur die Astronauten die in dem Volumen einer Duschkabine 14 Tage ausgehalten haben, versorgt mit Essen aus der Tube ohne richtige Toilette und ohne Möglichkeit sich zu waschen. Auch bei Gemini 7 fiel früh in der Mission eine Brennstoffzelle aus und man schaltete daraufhin das Orbitalkontrollsystem ab. Wie bei Gemini 5 beruhigte sich das Taumeln um die Längsachse von alleine nach einem Tag.

Gemini 8 (16-17.3.1966)

Besatzung: Neil Armstrong und David Scott. Nachdem das Ziel mit den Langzeitaufenthalten gelöst war, ging es nun an das nächste, das Ankoppeln an einen unbemannten Zielsatelliten. Anders als bei Gemini 6 gelang der Start dessen am selben Tag, nur eine Erdumkreisung früher. Kurz daraus koppelte Gemini 8 an den GATV 8 (Gemini Agena Target Vehicle, ein Gespann aus Agena D Oberstufe und Kopplungsadapter) an. Bald nach dem Ankoppeln begann die Kombination rasch zu rotieren. Armstrong koppelte ab, weil er den Fehler in der Agena vermutete. Es war jedoch die Gemini Kapsel, bei der eine Düse dauernd feuerte. Als Folge wurde durch die verringerte Masse die Rotation noch stärker und ereichte eine Umdrehung pro Sekunde, nahe an der Grenze wo die Astronauten bewusstlos werden. Armstrong schaltete das Orbitalsystem für die Korrekturen ab und nahm das Wiedereintrittssystem in Betrieb und konnte so die Rotation stoppen. Dadurch hatte man jedoch nun 75 Prozent des vorhandenen Treibstoffs verbraucht, dass nun an eine weitere Kopplung nicht zu denken war. Man leitete für den nächsten Orbit eine Notlandung ein und die Mission war nach nur 11 Stunden beendet.

Armstrong hatte sich mit seinem überlegten Verhalten jedoch für eine weitere Aufgabe qualifiziert: Sicher spielte dies auch eine Rolle, warum er Kommandant des ersten Fluges wurde der auf dem Mond landen sollte.

Gemini 9 (3-6.6.1965)

ATDABesatzung: Tom Stafford und Eugene Cernan. Bei Gemini 9 startete erstmals die Reservemannschaft. Die Primärcrew (See und Bassett) kam am 28.2.1966 durch einen Pilotenfehler von See bei der Landung mit einem Jet beim Absturz ums Leben. Gemini 9 sollte das bei Gemini 6A ausgesetzte und bei Gemini 8 abgebrochene Ankoppeln mit einem Zielsatelliten erproben. Dieser wurde am 17.5.1966 gestartet, ging jedoch schon nach wenigen Minuten verloren. Ein vereinfachter Zielsatellit (Augmented Target Docking Adapter, ATDA) wurde auf einer Atlas ohne Agena Stufe am 1.6.1966 gestartet. Der Flug von Gemini 9 musste nach einem Startabbruch am 1.6.1966 auf den 3.6.1966 verschoben werden.

Als die Besatzung sich dem ATDA näherte stellten sie fest, dass sich die Nutzlastverkleidung an der Basis nicht gelöst hatte und ein Koppeln nicht möglich war. Die Astronauten nannten den ATDA wegen der Ähnlichkeit zu einem geöffneten Krokodilmaul "angry alligator". Es gab einige Annäherungen, aber keine Kopplung. Am dritten Tag verließ Cernan die Kapsel um außerhalb derer einige Experimente der Luftwaffe, im wesentlichen Arbeiten durchzuführen. Es zeigte sich, dass dies fast unmöglich war. Die Haltegriffe und Klettbänder an der Außenseite der Kapsel nicht ausreichten um ein Arbeiten zu ermöglichen. Cernan hatte nur eine Hand frei und jeder Handgriff erzeugte ein Gegenmoment das er kompensieren müsste. Nach einer Stunde beschlug sein Visier, weil die Klimaanlage die vom Körper gebildete Wärme und Feuchtigkeit nicht mehr bewältigen konnte und er hatte Probleme in die Kapsel zurückzukehren. In 128 Minuten konnte er nur einen Teil der Experimente durchführen, war aber völlig erschöpft als er in die Kapsel zurückkletterte.

Gemini 10 (18-21.7.1966)

Besatzung: John Young und Mike Collins. Gemini 10 sollte nun das Koppeln mit dem GATV-10 endlich durchführen. Dieser wurde am selben Tag wie Gemini 10, nur 100 Minuten vor der Kapsel erfolgreich gestartet. Am selben Tag koppelte die Kapsel an das GATV an, verbrauchte dafür aber zu viel Treibstoff. Die Agena Oberstufe des GATV wurde gezündet und Gemini 10 erreichte eine elliptische Umlaufbahn von 763 km Erdferne. Die höchste bisher erreichte. Eine weitere Zündung des GATV brachte die Kapsel wieder in die vorherige Umlaufbahn. Dort näherte sich Gemini 10 nur mit optischer Navigation dem Zieladapter von Gemini 8. Young machte Aufnahmen bei offener Luke (Stand-Up EVA). Doch wie bei Gemini 9 gab es Probleme als die eigentliche EVA anstand. Collins sollte von dem 2 m entfernten ATDA eine Platte abmontieren mit der man die Mikrometeoritenzahl im Weltall bestimmen wollte. Das gelang wegen der glatten Oberfläche erst beim zweiten Mal und beim Zurückkehren verhedderte sich die Sicherheitsleine und Collins verlor die Kamera. Er musste wegen eines zu hohen Treibstoffverbrauchs seiner Manövrierpistole nach 40 Minuten vorzeitig zur Kapsel zurückkehren.

Gemini 10 war trotzdem ein voller Erfolg, jedoch sah man erneut die Probleme bei der EVA, vor allem wenn man keine Fixierung des Astronauten hat. Das führte zur Modifikation der Kapsel für Gemini 12.

Gemini 11 (12-15.9.1966)

Besatzung: Charles Conrad und Richard Gordon. Erneut sollte an eine GATV Stufe gekoppelt werden und Außenbord Aktivitäten durchgeführt werden. Nach dem Ankoppeln an das GATV brachte dieses Gemini 11 in eine Höhe von 1374 km. Das war umstritten, weil in dieser Höhe die Strahlungsaktivität schon beträchtlich höher als auf den sonst nur 200 km hohen Umlaufbahnen ist. Die Astronauten waren jedoch dafür und dies gab den Ausschlag. Es gab mehrere Kopplungen mit dem GATV, da man recht sparsam mit dem Treibstoff umging. Darunter auch ein Experiment bei dem beide Flugkörper durch eine 30 m lange Leine verbunden waren und um den gemeinsamen Schwerpunkt rotierten. Da eine Rotation 6 Minuten dauerte war die Mikrogravitation aber gering. Wieder standen Außenbordaktivitäten an. Gegenüber Gemini 9 hatte man mehr Haltegriffe an der Kapsel angebracht und die Halteleine von 15 auf 9 m verkürzt. Doch dies reichte nicht aus. Auch diesmal war es sehr beschwerlich und Gordons Helm beschlug durch den Schweiß, der wiederum ein Maß für die Anstrengende Arbeit war. Der Ausstieg musste verkürzt werden. Nach 3 Tagen wasserte die Kapsel 4.6 km vom Zielpunkt entfernt.

Gemini 12 (11-15.12.1966)

Besatzung: Jim Lovell und Edwin Aldrin. Bei Gemini 12 war das wesentlichste ausstehende Ziel die EVA Arbeit. Wiederum koppelte die Gemini Kapsel an einen GATV an, der vorher gestartet war. Da es Probleme beim Start der Atlas gab verzichtete man aber auf ein Zünden des Triebwerks um die Bahn zu ändern. Man hatte nun die Zahl der Haltemöglichkeiten an der Kapsel drastisch vergrößert. Unter anderem konnte der Astronaut nun seinen Fuß in einer Halteklammer fixieren und so den Impuls beim Arbeiten an das Raumschiff übertragen, der bisher immer zur Bewegung des Astronauten führte und die Arbeit so erschwerte.

Aldrin machte zuerst eine Stand-Up EVA die über 140 Minuten dauerte um die Reaktionen auf Bewegungen zu beobachten. Er fotografierte dabei eine Sonnenfinsternis. Am nächsten Tag stand dann die eigentliche EVA an, die problemlos verlief und bei dem Aldrin auch zum GATV kletterte. Er kam sogar dazu ein Fenster zu putzen - verschmutzte Fenster waren bislang immer ein Ärgernis im Gemini Programm gewesen. Eine weitere Stand-Up EVA fand am nächsten Tag statt. Damit hatte Gemini 12 nun auch den letzten Programmpunkt, die Arbeit außerhalb des Raumfahrzeugs erfolgreich absolviert. Die gute Arbeit bei der EVA führte sicher mit zu seiner Nominierung als Pilot des LM von Apollo 11. Insgesamt hatte er in den 4 Tagen 5.5 Stunden außerhalb der Kapsel zugebracht.

Das Gemini Programm war gemessen an den Kosten sehr erfolgreich. Es kostete zwar mit 1.283 Milliarden Dollar mehr als das Doppelte des Mercury Programms, doch dem standen 10 ausgedehnte anstatt 4 kurzen Orbitalflügen mit einem enormen Erkenntnisgewinn gegenüber. Wesentliche Techniken die man bei Apollo beherrschen musste wie das Ankoppeln im Weltraum konnte man nun. Man wusste, das Aufenthaltsdauern von bis zu 14 Tagen kein Problem darstellten. Diese 1.3 Milliarden USD sparten so einige Apollo Testflüge ein (bei dem es schon beim zweiten Flug zum Mond ging) und damals vor allem wichtig: Man war im öffentlichen Bewusstsein an den Sowjets vorbeigezogen. Die zwar mehr Erstleistungen vorweisen konnten, jedoch keine solche Erfahrung und Präsenz im Weltraum.

Das Gemini Programm konnte sogar früher beendet werden als vorgesehen. Die NASA hatte ursprünglich 15 Kapseln in Auftrag gegeben, dann aber nur 12 gestartet, weil nur 2 unbemannte Testflüge notwendig waren und auch das bemannte Programm trotz einiger Probleme recht reibungslos verlief.

Samstag und Sonntag 15.7.2006 : Sprachschlamperei und Gentechnik

Nach diesem umfangreichen Artikel über das Gemini Programm mal nach ein paar Tagen Pause zu einem anderen Thema : Sprachschlamperei. Ich bin wie Sie vielleicht beim Durchblättern der anderen Rubriken gesehen habe Lebensmittelchemiker. Auch wenn ich heute nicht mehr in diesem Beruf arbeite hat er mich geprägt. Eines was ich nicht leiden kann ist wenn man aus der Wissenschaft die ich mal studiert habe ein Unwort macht. Da ist die rede von "euer Chemie in Lebensmitteln" oder "das Waschmittel enthält zuviel Chemie". oder "Ich esse nur biologisch-dynamisch, nichts mit Chemie".

An solchen Ausdrücken ist einiges falsch. Chemie ist die Wissenschaft von der Zusammensetzung, Beschaffenheit und Reaktionen von Stoffen. Auch wenn die Physik für sich reklamiert die Natur bis ins innere (sprich subatomaren Bereich) zu erklären, für den normalen Menschen ist die Chemie im Alltag wichtiger als die Atomphysik.

In keinem der Sätze ergibt sich ein Sinn wenn ich diese Definition einsetze. Vor allem mag ich es nicht wenn man "Chemie" gleichsetzt mit "synthetisch erzeugten Verbindungen", weil mein Interesse an der Chemie immer galt die Natur zu verstehen und nicht wie ich einen bestimmten Stoff möglichst preiswert herstelle wie es in der chemischen Industrie wichtig ist. Chemie ist mehr - Chemie ist es die Natur zu verstehen (Biochemie, theoretische Chemie), neue Werkstoffe zu entwickeln (Polymerchemie, anorganische Chemie), Verbraucher vor ungenießbaren oder minderwertigen Lebensmitteln zu schützen (Lebensmittelchemie). Es ist wie wenn in einer Familie ein schwarzes Schaf ist und alle werden dafür verspottet.

Vor allem aber ist es sprachlich falsch. Das ist nicht das einzige Beispiel. Es ist inzwischen Mode geworden neue Begriffe zu kreiieren indem man einen Begriff den man schlecht machen will mit einem negativ besetzten Begriff koppelt. Nehmen wir mal die Gentechnik. Vom Gen habe ich schon in der Schule gehört. Ein Gen ist ein Erbgutabschnitt der ein Protein kodiert, sozusagen die kleinste Einheit die etwas produktives darstellt. Ein für mich damals (in den frühen achtzigern) neutraler Fachbegriff. Inzwischen ist daraus durch diese Vorgehensweise ein Schimpfwort geworden.

"Genmanipulierte Lebensmittel", "Gentomate". Bei einer Umfrage gaben die meisten Befragten an, sie wollen keine Lebensmittel mit Genen. Hallo ??? Wie geht es im Land der größten Dummköpfe ? Es gibt keine Lebensmittel auf dem Markt ohne Gene, mit Ausnahme von einigen synthetisch zusammen gemischten Mineralstofftabletten oder Coca Cola. Jedes Lebensmittel, ob tierisch oder pflanzlich, ob verarbeitet oder roh enthält Gene, weil jede einzelne Zelle davon Tausende enthält. Die Gene gehen auch nicht weg wenn man Lebensmittel erhitzt, zerkleinert oder extrahiert. Sie werden dabei nur verändert.

Vor allem aber der Begriff "genmanipuliert" hat es mir angetan. wer lässt sich schon gerne manipulieren ? "Gentechnisch verändert" ist zwar neutraler und gängig klingt aber auch nicht positiv. Wer will eigentlich das Wort "Technik" im Zusammenhang mit Lebensmitteln hören und vor allem warum sollten diese verändert werden. Um eines vorwegzunehmen : Auch der Autor steht gentechnisch veränderten Lebensmitteln kritisch gegenüber. Aus zwei Gründen - Zum einen wissen wir dass sie sich auch in normalen Beständen verbreiten, irgendwann also alle Lebensmittel das Gen haben. Ich möchte aber gerne die Wahl haben ob ich ein verändertes Lebensmittel haben möchte oder nicht. Der zweite ist, dass die meisten Entwicklungen aus den USA kommen und dort praktisch es keine staatliche Kontrolle gibt. Es gab schon Fälle wo erst beim Großeinsatz sich zeigte, dass man einige Risiken übersehen hatte. In der Regel wird bei jeder Firma das erste Produkt vom Staat intensiv geprüft und der Rest durchgewinkt. Dann gibt es nur noch die Eigenkontrolle der Firma die mit den kommerziellen Interessen konkurriert.

Natürlich ist der Eingriff im Vergleich zu konventionellen Methoden bei Züchtungen klein. Aber es gibt auch einen Unterschied. Man findet ein Gen nun im Genom, das aus einer völlig anderen Art stammt. Es ist ein Unterschied wenn man aus Stachelbeeren und Johannisbeeren die "Josta" züchtet. Die Veränderung im Genom (alle Gene zusammen) ist enorm - aus zwei Gensätzen wurde ein neuer gebildet. Aber jedes Gen davon haben wir schon mal gegessen und es steckte vorher in einer Pflanze drin. Wenn man das Gen eines Bakteriums mit dem einer Leuchtqualle (zum leichten herausfinden der veränderten Pflanzen) in Mais überträgt dann ist eines sicher : Noch niemals vorher befanden sich diese beiden Gene in einer Pflanze. Das kann harmlos sein, und ich würde solchen Mais auch essen, wenn ich wüsste dass es harmlos ist, doch in den USA wird genau dies nicht geprüft, wäre dies der Fall, dann gäbe es nicht so viele neue gentechnisch veränderten Sorten auf dem Markt.

Trotzdem muss man korrekt bleiben. Nicht alles was gentechnisch verändert ist, ist per se schlecht und durch abwertende Worte zu verdammen. Wenn sich die die Medien nicht mehr die Zeit nehmen Tatbestände zu erklären, sondern Meinungen machen, dann ist es schlimm geworden.

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