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Web Log Teil 401: 11.10.2014 - 22.10.2014

11.10.2014: Petrolchemie ohne Erdöl

Ich greife mal Ralfs Kommentar zur Kernfusion auf - Was machen wir mit dem Problem, das man Erdöl nicht nur als Kraftstoff braucht, sondern es auch Ausgangsbasis eines Großteils der organischen Chemie ist?

De Fakto gewinnen wir aus Erdöl, bzw. seinen Fraktionen heute nahezu alles was synthetisch produziert wird und aus Kohlenstoffverbindungen besteht. Das sind Kunststoffe, Medikamente, Löse- und Reinigungsmittel und vieles andere mehr.

Die meisten alternativen Energien, besser gesagt die regenerativen Energien die wir untersuchen basieren dagegen darauf Strom zu produzieren: Windkraft, Sonnenenergie, Wasserkraft etc. Wir können mit Strom auch zum Teil fossile Treibstoffe ersetzen, so mit Elektroautos Benzin einsparen, man könnte mit Strom auch heizen, auch wenn das unsinnig ist. Aber man wird niemals alle Treibstoffe ersetzen können z.b. wenn man deren viele braucht (Flugzeug oder Schiffe), weil man Strom nicht so gut speichern kann, dass man die Energiedichte von Erdölderivaten erreicht (rund 11-12 KWh/kg).

Was sind nun die Alternativen?

Zuerst einmal kann man natürlich auf andere fossile Kohlenstoffverbindungen ausweichen. Das ist aber nur eine kurzfristige Lösung. Es gibt erheblich mehr Erdgas als Erdöl. Erdgas besteht zu einem hohen Prozentsatz aus Methan. Methan ist zwar gasförmig, doch es ist auch der einfachste Kohlenwasserstoff. Erhitzt man es mit Wasserdampf auf über 1400°C so erhält man Ethin und Wasserstoff. (Den Wasserstoff den Wasserstoffautos heute verbrennen stammt aus diesem Prozess, da dies viel billiger is als Wasser elektrolytisch zu spalten). Mit Ethin hat man einen reaktiven Kohlenwasserstoff mit zwei Kohlenstoffatomen, an den man leicht andere Kohlenwasserstoffe addieren kann aber auch andere funktionelle Gruppen wie Alkoholgruppen, Ketogruppen und Amine einfügen kann. Aus Ethin kann man im Prinzip alle Erdölderivate herstellen, es fallen eben einige Syntheseschritte an. Der wichtigste Schritt ist aber erst mal den einfachsten Kohlenwasserstoff Methan zu erzeugen, den in ihm steckt am meisten Energie.

Ebenso kann man Blausäure und Dichlormethan aus Methan erzeugen. Blausäure ist ein hervorragendes Nucleophil und Chlorkohlenwasserstoffe kann man leicht zu Alkoholen umsetzen, diese wiederum zu Ketonen und Säuren. Ketone erlauben eine nukleophile Addition mit der man zahlreiche andere chemische Gruppen einbringen kann.

Kurzum: hat man erst mal Methan als einfachsten Kohlenwasserstoff, so hat man die gleichen Möglichkeiten bei der organischen Chemie wie mit Erdöl. Es kommen nur Schritte hinzu um elementare Verbindungen erst zu bilden, die man im Erdöl schon findet.

Die nächst größere Alternative an  fossilen Brennstoffen ist reiner Kohlenstoff. Den gibt es in Form von Kohle in noch größerer Menge. Die Herstellung von Kohlenwasserstoffen aus Kohle ist auch längst technisch erprobt. Deutschland bezog während des zweiten Weltkrieges einen guten Teil seiner Treibstoffe aus der damals Kohleverflüssigung, technisch Fischer-Tropsch Verfahren, genannten Prozesse. Südafrika betrieb das noch bis in die Neunziger Jahre als sie durch ein Embargo kaum Erdöl bekamen. Auch hier erhält man zuerst Methan und in weiteren Schritten dann höhere Alkane.

Doch beide Lösungen sind natürlich nicht nachhaltig. Nachhaltig ist es organische Substanzen zur Produktion zu nehmen. Es gibt im Prinzip zwei Verfahren. Das eine ist es organische Materie in einer Biogasanlage zu vergören, wobei auch Methan entsteht. Da dabei zum einen der Methangehalt nicht so hoch ist, das Gas also noch gereinigt werden muss (so ist der meist auch enthaltene Schwefelwasserstoff ein Katalysatorgift) und auch die Bakterien einen Teil der Biomasse veratmen wird man das vor allem nutzen um Pflanzenreste die man sonst nur energetisch verwerten kann wie Stengel, Grass aber auch Abfallstoffe wie Gülle zu vergären. (Das man heute auch Futtermais vergärt hat weniger mit Nachhaltigkeit als vielmehr mit Subventionen zu tun).

Das zweite ist es ein Biomolekül zu nutzen das man von Organismen leicht und in großer Menge erzeugen kann oder leicht umsetzen kann. Am besten geht dies mit Fetten. Fette bestehen aus langen Kohlenwasserstoffketten mit einer Säuregruppe und Glycerin. Man kann sie leicht als Basis für viele Reaktionen nutzen. Fette produzieren zahlreiche Ölsaaten wie Raps oder Soja, aber auch bestimmte Algen, die den Vorteil haben, dass man dafür keine Landfläche braucht. Stärke ist als Basis nicht gut geeignet. Das Molekül ist hoch oxidiert mit fünf Alkohol und einer Ketoguppe auf 6 C-Atome. Man kann daraus zwar abbaubare Kunststoffe machen, aber nicht unpolare Moleküle wie man sie als Basis für die Petrochemie braucht. Doch man kann Stärke enzymatisch in Zucker aufspalten und diesen zu Ethanol vergären den man wiederum leicht in Synthesen einsetzen kann.

Das alles sind natürlich Umwege. In jedem Falle braucht man Energie um aus oxidierten Verbindungen wieder Alkane zu bilden oder auch Strukturen aufbauen die man braucht wir Ringstrukturen oder lange Ketten. Sofern wie genügend Energie haben ist das kein Problem. Doch es ist anzunehmen dass auch in Zukunft Energie nicht in unendlicher Menge haben oder sie zumindest nicht billig sein wird.

Das wichtigste ist es daher den Verbrauch an Plastik zu minimieren und das ist nun nichts neues heißt Recycling. Da kann man aus heutiger Sicht noch viel tun. Heute wird bei uns Verpackungsmüll gesammelt, doch getrennt wird er kaum und meist nur energetisch verwertet. Technisch ist es schon möglich zu einem großen Teil Kunststoffe sortenrein zu trennen. Dazu wird der Müll in einem Band über Sensoren verfolgt die ein IR-Spektrum gewinnen, daran den Kunststoff erkennen und dann das betreffende Stück in den richtigen Behälter leiten. Das man es nicht macht liegt daran, dass wir diese Aufgabe dem Diualen System übertragen haben und die denken nicht daran das Geld das sie vom Verbraucher bekommen (er bezahlt die Entsorgung der Verpackung beim Kauf mit) in Recyclinganalagen zu stecken wenn man doch auch alles verbrennen kann was billiger ist und noch Strom/Wärme liefert.

Das kann man noch verbessern indem man die Freiheiten reduziert, also nicht beliebig viele Kunststoffe sondern einige wenige die man wirklich braucht (es wird nicht einer sein, weil die Ansprüche zu unterschiedlich sind). Weiterhin sollte man sie leicht trennen können, das heißt die Verbundpackungen bei denen sie mit Metall oder Papier verbunden sind sollten weitgehend verschwinden.

Das kann aber nur der Anfang sein. Ziel muss es sein jeden Kunststoff neu zu verwenden, auch den in Geräten (Kunststoffgehäuse). da ist heute noch vieles im argen. Das geht los mit der Sortenreinheit, weiter über die Forderung einer leichten Demontage und zuletzt braucht man auch ein Rücknahmesystem. Der Handel hat es ja bisher gut verstanden sich vor der Rücknahme-Pflicht zu drücken, wie man bei Unterhaltungselektronik und Energiesparlampen sieht.

Da Kunststoff bisher zu einem großen Teil in die Meere kommt, dort sehr große Probleme macht und von Organismen aufgenommen wird, aber nicht verdaut, sollte man recht schnell zu einem maximalen Recycling kommen. Doch sehe ich in der Politik da keine Tendenzen, vor allem wenn es um ein System geht das Hersteller mit unterstützen sollen. Wenn es darum geht das der Verbraucher was tun soll, z.b. noch ein paar Mülltonnen für noch mehr Trennung, dann ist sie gleich dabei, aber doch nicht die arme Wirtschaft belasten die doch gerade wieder schrumpft...

15.10.2014: Nicht ganz optimal

Nach der Ukrainekrise im Frühjahr (bzw. sie dauert ja noch an) hat man sich ja in den USA Gedanken um die Abhängigkeit von Russland gemacht. Das ging los mit Äußerungen von Politikern, man werde keine RD-180 liefern. Nun würde ich das nicht auf die Goldwaage legen. Denn Putin hat auch zig andere Embargos ausgesprochen, die nicht kamen, wobei das RD-180 Embargo nur von einer "unteren Charge" kam. Zu der Zeit hat Russland auch angekündigt, man werde aus der ISS aussteigen, davon ist heute auch keine Rede mehr.

Meiner Ansicht nach sollte man solche Äußerungen nicht auf die Goldwaage legen. So ein Säbelrasseln gibt es andauernd. Vor allem geht es ja um ein Geschäft und wenn man eines in den letzten Jahrzehnten gelernt hat ist das die Wirtschaft weder Moral noch Politik kennt und wo es was zu verdienen gibt werden Geschäfte gemacht.

Doch bei den USA, die egal wie sie sparen müssen, gleich ein Crashprogramm ins Leben rufen wenn es um die Nationale Sicherheit geht (sprich Satelliten des Militärs nicht gestartet werden können) fiel das auf fruchtbaren Boden. Da schaltet man dort erst mal die Logik ab. Weder wären die USA am Boden, wenn mal einige Jahre keine Satelliten starten würden, denn sie sind nur ein Baustein in einer Verteidigungs- (heute eher: Angriffs-)Strategie noch wäre es gleichbedeutend mit einem Grounding, denn es gibt immer noch die Delta 4, es würde zwar nach Boeings Angaben einige Jahre dauernd die Produktion zu steigern, aber sie könnte die Starts der Atlas mitübernehmen.

Nun hat sich die Politik entschieden, einen Ersatz für das RD-180 zu entwickeln. Vor einigen Tagen hat ULA mit Blue Origin einen Abschluss gemacht: Man wird das BE-4 Triebwerk einsetzen, das gerade entwickelt wird. Zeit das mal zu untersuchen.

Was wäre der "ideale" RD-180 Ersatz? Es wäre ein Triebwerk mit demselben Schub und denselben Treibstoffen. Es sollte zwei Brennkammern haben. Das ergibt sich aus der Auslegung der Atlas, sonst bräuchte man Verniertriebwerke in der ersten Stufe. Als Nebeneffekt könnte man es bei zwei Brennkammern oder zwei Triebwerken auch in der Antares einsetzen, die derzeit zwei Triebwerke mit etwa dem halben Schub einsetzt. So gesehen ist die Auslegung des BE-4 als Einkammertriebwerk und die Nutzung von zwei Triebwerken eine Möglichkeit.

Ansonsten passt es aber nicht. Da ist zum einen der Schub: Das RD-180 hat einen Schub von 3.830 kN, das BE-4 einen von 2.400 kN, zwei Triebwerke also einen von 4.800 kN, leider nicht spezifiziert ob Sea Level oder Vakuum. Aber selbst wenn es Vakuum ist (RD-180: 4.152 kN) ist er deutlich höher als beim RD-180. Ist zu großer Schub ein Nachteil? Ja wenn die Umstände gegen einen hohen Schub sprechen. Auf der Atlas V Grundstufe sitzt eine relativ kleine Centaur Stufe von 23 t Masse und eine Nutzlast von maximal 12 t. Das bedeutet, kurz vor Brennschluss der ersten Stufe wiegt die Rakete weniger als 60 t. Bei 4152 kN Schub ergäbe das eine Spitzenbeschleunigung von über 7 g. Daher wird das RD-180 im Schub reduziert. Das BE-4 müsste noch stärker im Schub heruntergefahren werden, wenn man das 5,5 g Level nicht überschreiten will auf 50%. Das BE-4 muss also die Fähigkeit zur Schubreduktion besitzen.

Der zweite Nachteil ist die Wahl des Treibstoffs: Das BE-4 arbeitet mit LOX/Methan. Methan ist zwar ein Kohlenwasserstoff, aber die Dichte ist weniger als halb so groß und es ist kryogen. Das bedeutet, dass Lockheed die Atlas umbauen muss. Der Methantank wird doppelt so groß wie der Kerosintank werden und er muss isoliert werden. Da das Triebwerk schubstärker ist, bietet es sich auch an, die Stufe gleich zu verlängern. Eventuell setzt man die seit einem Jahrzehnt geplante "gemeinsame" Oberstufe für Atlas und Delta auch um, wenn man schon dabei ist. Es läuft aber mit neuem Triebwerk, neun Tanks auf einer neue Grundstufe raus. Besser wäre ein einfacher Ersatz gewesen.

So scheidet sie auch als Ersatz für die NK-33 bei der Antares aus. Hier wird noch etwas weniger Schub benötigt (3630 kN im Vakuum), es ist also noch überdimensionierter. Daher sucht Orbital/ATK nun ja auch nach einem russischen Ersatz - offenbar hat man dort noch nicht die Abhängigkeitsparanoia.

Mich würde ja nicht wundern. wenn man dann noch auf die Idee kommt, auch eine Atlas-Version mit einem Triebwerk zu bauen. Mit 2.400 kN hätte das Triebwerk in etwa den Schub der alten Atlas G/H. Einer Überschlagrechnung nach würde die Nutzlast fast auf Atlas 401 Niveau liegen (durch den höheren Spezifischen Impuls, etwa 9800 kg in LEO und 4000 kg in GTO bei einer 146,6 / 11 t schweren Erststufe mit einem spezifischen Impuls von 3700. (das ist etwas weniger als von SpaceX für das Raptor reklamiert, bei konventionelleren 3600 m/s wären es immer noch 9.300 / 3.800 kg.

Insgesamt finde ich die Wahl als nicht so glücklich. Man spart vielleicht bei der Entwicklung bei Blue Origin das Triebwerk schon entwickelt, muss dafür an zahlreichen anderen Stellen investieren und verzichtet auf eine Synergie mit der Antares. Wichtig scheint vor allem zu sein, dass man das Triebwerk möglichst rasch hat, egal was das an Folgekosten verursacht. Ein Erststart ist derzeit für 2019 geplant. Die Air Force hat auch bestätigt das ein Deplacement "as soon as practiable" sein sollte. Dem musste sich alles unterordnen.

16.10.2014: Die umgekehrte Dominotheorie

In der Zeit des Kalten Kriegs dominierte in den USA ein Gedanke: Der Kommunismus könnte durch seine Propaganda dazu führen, dass Nachbarländer auch kommunistisch werden würden. Das wurde als Dominotheorie bezeichnet. wenn ein Land umfällt, dann greift das auf die Nachbarländer über. Nach dieser Theorie hat Russland so China infiziert und China dann Korea. Verkündet wurde sie 1954 von Präsident Eisenhower.

Nun ist das schon mal eine typisch amerikansiche Sicht: Mit Propaganda kann man die Massen beeinflussen auch dass sie Regierungsformen wählen die totalitär sind . Wenn Werbung im US-Fernsehen nahezu jedes Produkt zum Verkaufsschlager machen kann, warum sollte das dann nicht mit Ideologien so klappen. Eigentlich müsste nach der Theorie das US-System ja dann noch erfolgreicher sein, denn in werbung macht den Amis ja keiner was vor.

Es zeigt aber auch eine ziemliche Naivität. Schon wenn man die Tatsachen von 1954 nimmt sieht man dass es keine "Infektion" gab. Mao hatte mit Russlands Kommunismus nichts am Hut und überwarf sich mit Russland. Bei Korea wurde das Regime von Russland eingesetzt, die das Gebiet bis zum 38-sten Breitengrad besetzt hatten. Des weiteren ignoriert das die Lebesnwirklichkeit der Leute. Asien war damals noch vor allem durch Agrarwirtschaft geprägt. Die wenigsten hatten Zugang zu Zeitungen, geschweige denn Radio oder Fernsehen. Wenn etwas an dem Kommunismus anziehend war, dann vielleicht die Enteignung von Großgrundbesitzern, denn das Gebiet war kolonialistisch über Jahrhundert geprägt. Wenigen ghöere fast alles. Das man auf die Regimes einfluss nahm die Gegensätze zwischen Arm und reich zu reduzieren um dieser GBefahr zu begegnen davoin kann keine rede sein, stattdessen führte man Krieg. der Vietnamkrieg ist eine Folge der Dominotheorie und sie fand noch Anwendung in den Achtziger Jahren, als die USA in Mitelarmerika gegen sozialistische Regimes intervenierten, auch wenn man dort nicht einmarschierte (außer vielleicht auf kleinen Karibikinseln).

Seit dem Ende des kalten Kriegs scheint die Dominotheorie begraben zu sein. Doch ich finde man hat ihr unrecht getan. Es gibt eine Dominotheorie, nur ist sie anders als die offizielle. Meine Dominotheorie lautet:

"Länder in denen die USA militärisch eingreifen enden im Chaos". Dieses Chaos kann sich dann auf dei Nachbarländer ausbreiten.

19.10.2014: Die Zilokowsi-Formel 

Zeit für einen weiteren Beitrag über Grundlagen. Es geht heute um eine in der Raumfahrt bisher noch nicht sehr häufig benutzte Formel, die Ziolkowski-Formel. Erfunden hat sie Wladimir Iljitsch Ziolkowski. Er stellte sie nach dem Debakel der Mars-73 Mission auf, als nur eine Sonde den Mars erreichte und diese bald ausfiel. Grund war, das man sie mit defekten Transistoren startete, man aber aus Kostengründen, die Mission nicht um zwei Jahre verschieben wollte. W.I. Ziolkowski analysierte die bisherigen Projekte auf ihre geplanten Kosten und stellte die nach ihm berannte Formel auf, die es erlauben soll die Folgen von Projektentscheidungen auf die Kosten zu verdeutlichen.

Die Ziolkowski Formel ist:

WK = BK * TF * (2^(JR/JG) - 1 ) * √ PBE

WK: Die Wahren Kosten, also das was das Projekt kosten wird. Die Einheit ist die in der der Parameter BK angegeben werden.

BK: Die von der Rechnungsabteilung ermittelten angeblich korrekten Projektkosten.

TF: Technologiefaktor, der abhängig ist wie komplex die Raumsonde oder die Missionsdurchführung ist. Aus Erfahrung gibt es folgende TF:

JR: Jahre Real: Projektdauer in Jahren bis zum Abschluss der Primärmission

JG: Jahre geplant: Geplante Projektdauer von dr Genehmigung bis zum Ende der Primärmission

PBE: Politbüroeinflussfaktor: Einflüsse der Politik, im Original auf das Politbüro bezogen, aber durchaus auch auf andere Systeme übertragbar:

Während die Ziolokowski Formel in Russland lange Zeit sehr populär war und genutzt wurde um Projekte zu planen, war sie im Westen fast völlig unbekannt. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Während sie in Russland kaum noch angewandt wird, weil es zum einen kaum noch Projekte gibt, und jede Langzeitplanung durch den inflationären Verfalls des Rubels (der in 25 Jahren rund um den Faktor 75.000, im Jahre 1998 gab es sogar eine Währungsschnitt) alle Planungen nur noch Makulatur sind, so kostete Phobos Grunt durch eine zweijährige Startverschiebung anstatt 2,4 rund 5 Milliarden Rubel.

Dagegen hatte Anthony Robert Strong bei einem Besuch im Rahmen der Langzeitplanung der ISS bei den Verhandlungen über die Startkosten von mit Progresstransportern transportierter US-Hardware und Versorgungsgüter von den Forschungen Zilokowskis und seiner Formel gehört. Er bekam umfangreiches Material über die Auswertung von Ziolkowsi (der 2003 verstarb) von seiner Witwe. Prüfte es und forderte von der GAO entsprechende Unterlagen über NASA Projekte an und untersuchte diese auf Übereinstimmung mit der Formel.

Er stellte fest, dass die Ziolkowski Formel sehr präzise die Kosten von NASA-Projekten vorhersagte, auch wenn die NASA-Planung total versagte, z.B. bei Viking. Die NASA plante mit Projektkosten von 245 Millionen Dollar. Die komplette Neuentwicklung von Raumsonden und Experimenten, Modifikationen bei der Trägerrakete die es in der Form vorher nicht gab, ein Teststart und die Verschiebung des Startes um 2 Jahre steigerte die kosten enorm. Beim Einsetzen der Zilokowski-Formel kommt man auf 870 Millionen Dollar. In keinem Fall wich die Formel um mehr als 20% von den realen Kosten ab, selbst bei extremen Kostenüberschreitungen. Bei Projekten ohne größere Einflüsse liegen die Abweichungen bei weniger als 10% - bei der NASA ist man meistens schon froh, wenn man die Kosten auf 30% genau einhalten kann, so groß sind meist die internen Puffer. In Russland sind sie kleiner, bei vielen Missionen gibt es gar keine, weil ihre Kosten mit der Formel genau berechnet wurden. (Vor allem bei niederen Werten für PBE und TF).

Leider konnte Strong weder die GAO noch die NASA von der Notwendigkeit die Kosten mit der Zilokowksi-Formel zu überprüfen überzeugen. Alleine die Tatsache dass sie von einem Russen stammte führte dazu, dass die meisten Gesprächspartner abwinkten. Die die sich die Formel ansahen, stiegen dann aus, wenn sie über den PBE Faktor stießen, obwohl in den USA Präsident, Kongress und Senat genau den gleichen Einfluss ausüben können, wie man beim Space Shuttle Programm, der ISS, CCDev und dem James Webteleskop sieht.

20.10.2014: Alles steht still, das kibibyte, der Euro für die Näherinnen

"Alles steht still, wenn dein starker Arm es will". Das war ein Spruch aus der Arbeiterbewegung und meistens bei Streiks benutzt. Beim aktuellen Streik der GDL müsste man wohl eher sagen: Diktatur des Proletariats. Wenn eine Gewerkschaft mit nicht mal 25.000 Mitgliedern den ganzen Bahnverkehr in der BRD lahm legt und so Millionen von der Arbeit aussperrt, am Urlaubsort hängen lässt, dann ist das schon eine Diktatur.

Nun ist meine Geduld mit der GDL schon seit 2008 erschöpft, wenn eine Gesellschaft für eine kleine Berufsgruppe einen eigenen Tarifvertrag aushandeln will, dann frage ich mich schon, warum diese nicht von einer größeren Gewerkschaft vertreten sein muss. Es ist ja im Prinzip eine Ein-Betrieb-ein Berufsgruppen-Gewerkschaft und widerspricht so dem Grundsatz der Gewerkschaften dass sich möglichst viele Arbeitnehmer zusammenschließen sollten, um schlagkräftig zu sein. Trotzdem kann diese Minigewerkschaft weil sie eben die Beinhaltet die man zum Fahren des Zugs braucht praktisch die gesamte Bahn lahmlegen und damit ist ungefähr die halbe Bevölkerung betroffen. Das gleiche gilt ja für die Pilotengesellschaft.

Nun willen sie nicht nur 15% mehr Geld (auf drei Forderungen aufgeteilt, damit es nicht so auffällt), sondern wollen ihren, speziell auf lokführer ausgerichteten und 2008 mühsam erstrittenen Tarifvertrag auf andere Berufsgruppen ausdehnen. Also plötzlich keine Sonderreglung mehr nur für Lokführer. Das die Bahn da mauert kann ich verstehen. Das schafft doch in jedem Betrieb Unfrieden, wenn es für dieselben Personen zwei Tarifverträge gibt, also Zugbegleiter A ist bei der GDL und bekommt x Euro und arbeitet y Stunden und Zugbegleiter B ist bei der Eisenbahnergesellschaft und arbeitet z Stunden und bekommt xyz Euro. Wie bitte soll man das den Mitarbeitern klar machen. Und klar ist auch die Zielsetzung dr GDL: man will so Mitglieder werben.

Angeblich sollen sie ja bei de Urabstimmung geschummelt haben und ein Angebot der Bahn haben sie natürlich auch abgelehnt. Mir geht schon der Vorsitzende auf den Nerv. In Phoenix kam ein Interview mit Weselska in voller Länge. Da konnte er kaum verbergen, dass es darum geht neue Mitglieder zu werben und dann natürlich noch die Hasstiraden auf die Deutsche Bahn, das ganze natürlich im sächsischen Dialekt, was in unangenehmer Weise an die Politiker aus der DDR erinnert hat.

Wenn die GDL damit durchkommt, dann ist das doch eine Steilvorlage zig kleine Gewerkschaften zu gründen - für Berufsgruppen bei denen ein Streik große Auswirkungen auf das öffentliche Leben hat. Wenn die IG-Metall als mitgliederstarkste Gewerkschaft einen Generalstreik machen würde - die meisten in der Öffentlichkeit wären nicht betroffen, wohl aber die Betriebe. Ob man ein Auto dann eine Woche später bekommt oder nicht ist vielleicht schlimm, aber die Arbeit der anderen geht weiter. Gewerkschaften wie Cockpit oder die GDL können dagegen Millionen in Geiselhaft nehmen. Wenn die GDL damit durchkommt werden wir bald eine Müllfahrergewerkschaft, eine Busfahrergewerkschaft usw.

Dann schreibe ich gerade an einer Neuauflage der Computergeschichten. Da habe ich danach gesucht wie man das kilobyte abkürzt, es soll ja alles richtig drin stehen. Ich kannte früher die Abkürzung "KB". Das B steht für Bytes, das große K für das binäre Kilo (2^10 = 1024), im Unterschied zum dezimalen Kilo mit dem kleinen "k" als Symbol.

Nun nach der Wikipedia ist die nach SI gültige Abkürzung KiB. Ausgeschrieben wirds aber "Kibibyte" bzw. "Mebibyte", das nächste wären dann wohl Gebibyte" und "tebibyte" - Hallo gehts noch? geht noch eine lächerliche Systematik? Fehlt ja nur noch eine Einheit wie "Häbibyte" Das klingt ja so bescheuert nach Babysprache , dümmer geht's nicht. Wenn man es auch in der Aussprache vom dezimalen Kilo abgrenzen will, dann wäre es besser nur den Einheitenbuchstaben auszusprechen also K-Byte, M-Byte, G-Byte.

Formal heißt es ja auch nicht Byte, sondern Oktetts, dann müssten wir eigentlich von Gebioketts reden.... Da sage mal einer Computer hätten nichts mit "Bio" zu tun.

Dann gibt es noch den Vorstoß "Bündnis für nachhaltige Textilien". Das offensichtlich Probleme hat die großen der Branche dazu zu bringen. Faire Löhne für die Näherinnen zu zahlen. Wie man sich denken konnte uns spätestens seit diesen "Marktcheck" Sendungen weiß lassen selbst Firmen die Kleidung teuer verkaufen wie Addidas diese in Bangladesch nähen. Angeblich soll ja ein Euro mehr bei einer Billigjeans schon für einen besseren Lohn ausreichen.

Von dem Euro kassieren aber auch dann das meiste nicht deo´n Frauen (die bekommen 25 ct pro Stunde und brauchen  bestimmt keine 4 Stunden um eine Jeans zu nähen, sondern Handel, Transport, Zwischenhändler. Das Perverse am Handel ist, dass sie überall mitverdienen. Das liegt am System: es wird prozentual zugeschlagen, wenn es mehrere Händler gibt verdient jeder mit und das macht das meiste. Er verdient so mit wenn man mehr zahlt für faire Produkte, für Bio und eben auch von dem Euro für die Näherinnen werden wahrscheinlich 50% beim Handel landen, denn eine Spanne von 50% beim Handel ist ganz normal. Als Autor kann ich das sogar kalkulieren: die Druckkosten sind fest und von jedem Euro mehr gehen 7% an den Staat, 42% an den Handel und 51% an den Autor. Wenn nun der Autor für alle vorherigen Schritte steht (Zwischenhändler, Transport, Herstellung, Gewinnung etc.) dann kann man sich vorstellen was noch an der Basis ankommt wie z.B. Bauern.

Beim Biofleisch hat das mal eine Fernsehsendung gezeigt: Von 100 Euro die man zahlt, bekommt der Landwirt noch 26%, der Rest ist für den Schlachter, der Löwenanteil für den Handel und eben der Staat, der bei Jeans noch mehr verdient, denn für die gilt der 19% MWST-satz. Ich denke wenn dem nicht so wäre, also der Mehrpreis von Bio auf ein Viertel schrumpfen würde, und dies voll beim Landwirt ankommen würde, dann wäre die Entscheidung klar.

Eigentlich wäre das eine Idee für den Handel - wenn sie Produkte die ökologische oder ethische Gedanken umsetzen, eben Bio, faire Produkte, faire Löhne zahlen für den gleichen Preis erkaufen wie konventionelle Produkte. Höherer Absatz würde vielleicht die kleinen Einbußen beim Gewinn wettmachen. Bei 50% Marge und 19% Mehrwertsteuer wären es bei dem 1 Euro pro Jeans anstatt 6,30 Euro eben nur 5,88 Euro Gewinn. Ein Verzicht von 42 Cent beim Handel wäre gleichbedeutend mit 1 Euro beim Endverbraucher. Das würde ein höherer Absatz wettmachen, weil vielleicht mehr Leute eben genau diese Produkte kaufen würden.

22.10.2014: Noch ein Ariane 6 Vorschlag

Als wäre die Situation nicht schon verfahren genug, gibt es nun einen weiteren, vierten Vorschlag frü die Ariane 6. Nachdem es seit etwa einem Jahr Grabenkämpfe zwischen der CNES und dem DLR gab, hatte man einvernehmlich die Technologieforschungs GMBH beauftragt, beide Konzepte zu untersuchen, das von der Industrie (Airbus/Air Liquide) erarbeitete dritte Konzept blieb erst mal außen vor, weil es noch zu jung war. Die Technologieforschungs GMBH hatte auch bei der CNES einen guten Leumund, war sie doch schon 1972 mit Forschungen über die Weiterentwicklungen bei der Europa II betraut und riet der Bundesregierung zum ausstieg. das führte letztendlich zu dem Einstellung der Europa und dem Einstieg in das Arianeprogramm.

Es ging um die Beurteilung des CNES Vorschlags für die Ariane 6 mit drei Feststoffboostern als erste Stufe, einem baugleichen als zweiten und einer noch zu entwickelnden H36 Stufe als dritte Stufe. Deutschland wollte die Zentralstufe durch eine kryogene ersetzen und die Booster verkleinern. Der Air Liquide/Airbus Vorschlag setzt alternativ eine lagerfähige Oberstufe auf den CNES Vorschlag für sonnensynchrone Umlaufbahnen und vier Booster für größere Nutzlasten ein, entspricht also dem CNES Vorschlag in weiten Teilen.

Im September gab es nun lockere bilaterale Konsultationen in denen man sich auf ein gemeinsames Konzept einigen wollte. Die Technologieforschungs GMBH hielt dabei eine Kurzzusammenfassung ihrer Studie beider Konzepte und die fiel nicht so aus wie erwartet. Das DLR fühlte sich zuerst bestätigt: im CNES Konzept gäbe es wenig, was die deutsche Industrie mit ihrer Aufstellung und ihren Gebieten, in denen sie stark ist, tun könne, es würde auf eine Französisch-Italienische Rakete hinauslaufen, bei der andere europäische Länder maximal einen Anteil von 10% haben (VEB, Stufenadapter, Nutzlastverkleidungen, Pyrotechnik). Zudem sei es angesichts des einfachen Aufbaus zu teuer: zu diesem Zeitpunkt setzte die CNES 3 Milliarden Euro für die Rakete und 750 Millionen für neue Startanlagen an.

Doch auch das CNES konnte sich bestätigt fühlen: das deutsche Konzept wäre im Prinzip eine Ariane 5 "in klein" und verspräche keine signifikanten Reduktionen bei den Startkosten. Stattdessen wäre es noch teurer als das CNES Konzept. Der Technologieforschungs GMBH Vorsitzende Thilo Kaiser präsentierte einen neuen Vorschlag, der sowohl moderate Entwicklungskosten offeriert, niedrige Startpreise ermöglicht und beide Länder angemessen beteiligt. Also die Lösung der Krise zwischen beiden Raumfahrtagenturen.

Die Feststoffbooster bleiben, werden aber radikal vereinfacht. Sie haben feste Düsen. Das erspart die teuren Schwenkmechanismen mit ihren Aktoren, wechselnden Lagen von Gummimembranen und Hochtemperaturlegierungen. Nur einzelne Booster haben eine Schubvektorsteuerung, erreicht jedoch durch Sekundärinjektion in den Düsenhals. Diese Technologie ist nicht neu: sie wurde auch bei den preiswerten Titan III Boostern eingesetzt. So können die Düsen ebenfalls von der deutschen Industrie gefertigt werden. Deren Anteil wird auch dadurch erhöht, dass die Gehäuse der ersten Stufe wie die von der Ariane 5 aus Stahl bestehen. Nur bei den oberen Stufen wird die Filament-Wounding Technologie eingesetzt. Das höhere Gewicht ist bei der ersten Stufe nicht so wesentlich.

Der radikalste Schritt ist aber die Bauweise. Der Vorschlag lautet "Ariane 6 - All Solid". Kaiser schlägt auch vor die kryogene Oberstufe einzusparen. Stattdessen werden die Oberstufen der Vega eingesetzt und die etwas geringere Performance durch mehr Booster kompensiert. Dadurch kommt man in eine sehr hohe Produktionszahl, geringe Entwicklungs- und Herstellungskosten. Von diesen würde auch die Vega profitieren, deren Herstellungskosten so halbieren würden. Die Rakete sollte so inklusiver neuer Produktions- und Startanlagen für eine Massenproduktion für unter 2 Milliarden Euro zu entwickeln sein.

Das Konzept setzt eine flexible Boosterzahl von P125 Boostern in allen drei Stufen vor. Die Oberstufen Zefiro 24 und Zefiro 9 sind überall gleich. In maximal drei konzentrischen Kreisen sollen zwischen 3 und 15 Booster eingesetzt werden. Die Variante mit drei Boostern (Zündfolge 2-1) wird 4,5 t in einen SSO transportieren und liegt zwischen Vega und Sojus und die größte Version (10-4-1) wird 12 t in einen GTO oder 30 t in den LEO transportieren. Damit gibt es ein skalierbares System, anpassbar an jede Nutzlast zwischen den Extremen. Vorgeschlagen hat Kaiser folgende Modelle:

Der startpreis für die Version 821, kompatibel mit der Nutzlast der anderen Ariane 5 Entwürfe sollte bei 45-50 Millionen Euro liegen, wenn mindestens 100 Booster pro Jahr gefertigt werden. Sie wird damit 20 bis 25 Millionen Euro billiger als der CNES Vorschlag sein und deutlich billiger als ein Start mit einer Falcon 9 sein (sie hat die doppelte Nutzlast einer Falcon 9, kostet aber nur 65 anstatt 120 Millionen US-Dollar für zwei Falcon 9 Starts).

Einen Kommentar seitens der CNES und des DLR zu dem neuen Vorschlag gab es nicht. Es sieht vielmehr so aus, als gäbe es nun vier konkurrierende Vorschläge.


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