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Web Log Teil 402: 30.10.2014 - 10.11.2014

30.10.3014: Nachlese

Wie ihr sicher bemerkt habt, blogge ich weniger. Dafür gibt's einige Gründe. Zum einen der Mangel an Themen, zum zweiten habe ich auch viel sonst zu tun. Ich arbeite gerade an einer zweiten Auflage über die Computergeschichten. Diese enthält auch ein neues Kapitel über Seymour Cray. Als Nebeneffekt habe ich meine Artikel über Seymour Crays Supercomputer erweitert und als ich dann am Ende über Intel mehr recherchierte, auch noch über die x86 Serie, wo ich gerade den Artikel über den Pentium 4 fertiggestellt habe. Daneben habe ich auch wieder Arbeit. Ein Kundenauftrag wird mich bis Ende November beschäftigen.

Aber kommen wir zur Nachlese? Was gab es an wichtigen Ereignissen in der letzten Zeit? Offensichtlich der Fehlstart der Antares am Dienstag. Bisher weiß man noch nicht viel. Nach dem Startvideo ist erst im Heck ein Feuer ausgebrochen, gefolgt von Schubverlust und einer Explosion. die größere Explosion gab es erst als die Rakete auf dem Boden aufschlug. Die Startplattform scheint sehr schwer beschädigt zu sin, was wahrscheinlich schwerwiegender ist, als der Verlust der Rakete und der Cygnus. Der Verlust wurde mit 200 Millionen Dollar angegeben. Das ist weniger als der Wert nach Teilung der CRS-Summe durch 8 Flüge (237,5 Millionen Dollar) und daraus kann man den Gewinn pro Flug ableiten.

Nun gibt es keine bestätigten Daten über die Ursache. Natürlich wird spekuliert, das die AJ-26 Triebwerke die Ursache sind. Das muss nicht sein. Es kann auch eine andere Ursache geben wie eine gebrochene Treibstoffleitung. Aus dem Video kann man das nicht ableiten. Aber es ist Grund genug, die NK-33 bzw. AJ-26 neu zu untersuchen. Sie sind die zweite Generation der Triebwerke für die Mondrakete N-1. Anders als die erste Generation wurden sie niemals im Flug getestet. Doch waren sich die Schöpfer der Triebwerke sicher, dass sie anders als die erste Generation sicher waren. Sie wurden intensiver getestet, als jedes andere Triebwerk auf der Welt (mit Ausnahme der F-1) und die Tests verliefen weitgehend unproblematisch. Das können nun geschönte Daten sein, ich denke das aber nicht, denn die Konstrukteure haben an der ersten Generation kein gutes Wort gelassen. Mischin bezeichnete sie als "faule Triebwerke". Warum sollten sie dann bei den NK-33 lügen?

Unbestritten ist, dass es in den letzten Jahren Probleme mit den Triebwerken gab. Die Triebwerke absolvierten beim Stennis Testcenter der NASA eine Neuqualifikation, sodass man auch Probleme kennt, anders als bei SpaceX wo man auf Videos von Zuschauen aus der Ferne angewiesen ist wenn man eine ihrer Grasshopper abstürzt. Es gab einen Brandt 2011 bei der Qualifikation und im Frühjahr einen neuen bei einem 54 s Testlauf (jedes Triebwerk wird vor dem Einbau in die Antares 54 s lang getestet - das ist heute nicht mehr selbstverständlich). Zwei Ausfälle bei nur 36 Triebwerken in den USA eine recht hohe Zahl,

Beweist dass, dass die NK-33 aka AJ-26 unzuverlässig sind? Nicht unbedingt. Die Triebwerke wurden bis 1964 gefertigt. Danach wurden sie vor der Verschrottung gerettet, die eintrat als Gluschko die Leitung über das N-1 Projekt bekam. Gluschko der sich nie mit Koroljow verstand stellte alle Arbeiten an der N-1 ein, stattdessen wollte er eine eigene Mondrakete namens "Vulcan" bauen. Das Politbüro war des Projektes aber überdrüssig und so wurde nur alles verschrottet. Nichts sollte mehr daran erinnern, das man jemals die N-1 baute. Die Triebwerke wurden gerettet indem man sie heimlich in einer Lagerhalle versteckte. Nur kann man davon ausgehen, dass man in einem Versteck sicher nicht die idealen Lagerbedingungen hatte. Es musste ja geheim bleiben. Triebwerke bestehen hauptsächlich aus Metall. Als Aerojet die Triebwerke Ende der Neunziger kaufte (Kistler wollte sie in ihrer K-1 Rakete einbauen) haben sie Teile die nicht aus Metall waren, wie Dichtungen und die Elektronik ausgetauscht. Auch damals gab es Tests bei denen es keine Probleme gab. Unter welchen Bedingungen die Triebwerke aber in Russland lagerten weis man nicht. In einer Lagerhalle ohne Klimatisierung dürften in Baikonur die Temperaturen zwischen -30°C und +50°C im Sommer geschwankt haben. Ich kann mir gut vorstellen das 25-30 Jahre unter solchen Bedingungen auch bei Metall Veränderungen verursacht die sich dann bei einem betrieb unter dem extremen Druck und Temperaturen auswirken.

Immerhin setzt auch Russland auf die Triebwerke. Sie werden in der Sojus 1 eingesetzt die letztes Jahr ihren Jungfernflug hatte, aber auch dort ist ihre Zeit begrenzt. Ein RD-190 Derivate soll sie ersetzen. Auch Orbital sucht schon seit über einem Jahr nach einem Ersatz, weil die noch verfügbaren Triebwerke nicht mehr für den CRS-2 Kontrakt ausreichen werden. Der sieht etwa die doppelte jährlich Frachtmenge wie CRS-1 vor, mit entsprechend mehr Flügen. Gerüchten zufolge sucht auch hier Orbital vor allem nach russischen Triebwerken. Das BE-4, das nun das RD-180 ablösen soll, wäre eine amerikanische Alternative, allerdings etwas zu schubstark. Das würde eine weitere Vergrößerung der zweiten Stufe und damit mehr Nutzlast zulassen.

Von SpaceX gibt es dagegen nur eine Neuigkeit. Sie bauen nun eine schwimmende Plattform 90 x 50 m groß. Das entspricht zumindest mal der Größe eines Landeplatzes einer Punktlandung. Bei genügend Masse sehe ich da auch wenige Probleme. Die Rakete selbst ist weitgehend leer und selbst eine volle Rakete kann von Sealaunch von der Plattform aus starten, wobei sie ja nicht sofort abhebt sondern einige Sekunden lang ihren vollen Schub überträgt bis die nach Tests freigegebene werden, Eher problematisch könnte schlechtes Wetter werden, das es im Atlantik in Küstennähe eher als im Pazifik gibt. Größere Wellen dürften da problematisch sein.

Wie immer gibt man die Chance nur niedrig an, nach dem Artikel nur 50% dass es glückt. Wenn es klappt, soll die Chance dann bei 90% liegen dass man eine Stufe wiederverwenden kann. Das Gleiche wurde letztes Jahr für dieses Jahr angekündigt. Nun kündigt man es eben für nächstes Jahr an. Alte SpaceX Taktik: Jedes Jahr wird das gleiche anspruchsvolle Ziel angekündigt selbst wenn man nicht das erreicht was man vor einem Jahr ankündigt hat.

 Der nächste Flug wird erst am 9.12.2014 stattfinden. Das wirft Rätsel auf. Hat die Firma doch viele Starts durchzuführen, hinkt ihrem Startmanifest hinterher, dass im Januar 14 Flüge dieses Jahr ausweist. Wäre ich völlig unkritisch, wie ein Kommentator hier würde ich nun "herzliches Beileid auszudrücken im behof der Dramatischen (Miss)Erfolge". Die Firma gibt Rätsel auf. Es scheint möglich schnell hintereinander Raketen zu starten, aber nicht konstant, nach einem oder zwei dieser Starts kommend dann wieder Pausen von Monaten. Irgendwo gibt es da noch Probleme. Beim letzten Start hat man die erste Stufe sogar noch vor dem Start ausgetauscht und somit (ohne Landebeine) auf einen Bergungsversuch verzichtet.

Auf jeden Fall wird's am 9.12. spannend. Denn erst die Landung und die Wiederverwendung wird zeigen ob ihr Konzept funktioniert. Eine Stufe langsam zur Wasseroberfläche herunterzubringen wie bisher demonstriert beweist nur das sie den Atmosphäreneintritt überlebt. Eine Landung auf den Triebwerken ist der leichtere Teil (Schweben mit einfacher Feedbacksteuerung konnte man schon bei Surveyor). Die Rakete muss aber punktgenau landen und sie darf nicht umkippen und vor allem die Wiederverwendung muss sich finanziell lohnen. Ein weiterer Schritt fehlt noch: Bisher landete die Stufe auf einer ballistischen Bahn wo sie auch ohne Bergung niedergehen würde. Die Bahn muss aber nun umgedreht werden, was viel Treibstoff kosten wird. Technisch ist auch das kein größeres Problem.  Aber finanziell, denn das reduziert anders als die derzeitige Methode die Nutzlast deutlich. Dann erst wird sich zeigen ob es sich finanziell lohnt.

8.11.2014: Wo warst Du als die Mauer fiel?

In den USA soll es ja die Frage geben "Wo warst Du als JFK erschossen wurde?" Bei uns könnte man wohl eher fragen "Wo warst Du als die Mauer fiel?" Zumindest wurden Prominente das in den zahllosen Dokumentationen gefragt. Ich muss sagen: ich weiß zwar wo ich war, nämlich Zuhause, aber nicht was ich gemacht habe. Ich kann nur spekulieren. Wahrscheinlich am Computer (damals ein CPC 464 mit 512 KByte Speichererweiterung und zwei 720 K Floppies) gesessen und programmiert. Wenn ich Fernsehen geguckt hätte, wäre mur sicher dass Ereignis nicht entgangen. Ich habe erst am nächsten Morgen davon erfahren als sich die Berichterstattung nun schon auf die geöffneten Bundesdeutschen Grenzen konzentrierte. Doch auch davon hab ich nicht viel mitbekommen, weil ich an dem Morgen schnell zur Uni wollte: die Prüfungsergebnisse der Eingangsklausur für das Praktikum physikalische Chemie lagen aus und ich wollte wissen ob ich bestanden habe - das war das letzte Praktikum, dass mir noch im Grundstudium fehlte und wenn ich nicht bestanden hätte, hätte ich das Hauptstudium und ein Semester aufschieben müssen. Gottseidank war dem nicht so.

Auch wenn ich bis heute meine, dass man nach der Vereinigung das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen hat, vor allem mit der Treuhand, die die DDR-VEB verscherbelte und dafür nicht nur kein Geld einlöste sondern den Käufern auch noch 600 Milliarden Mark zahlte, so finde ich nach wie vor, dass die Wiedervereinigung das schönste Ereignis in der Geschichte der Bundesrepublik ist, die übrigens vor einigen Wochen gerade Rentnerin geworden ist.

Wie einige Ereignisse in der letzten Zeit wie die Diskussion über die Äußerungen des Bundespräsidenten oder der Eklat um Biermann im Bundesrat zeigen, scheint man aber noch einige Zeit warten zu müssen bis man nicht mehr in den Kategorien "Wessi-Ossi" denkt. wobei ich denke der Mentalitätsunterschied ist nicht größer als zwischen Nord und Süd. Zumindest ist mir ein Fischkopf genauso fern wie ein Sachse. Etwas anders verhält es sich natürlich mit politischen Äußerungen und wenn die Linke sich immer noch nicht von der DDR-Regierung und ihren Untaten distanzieren kann dann ist das nicht tolerierbar, und das war es vor 25 Jahren auch schon nicht.

Es gibt übrigens eine Gemeinsamkeit von totalitären Regimen. Zum einen kommt das Militär dort viel öfters im Fernsehen als bei uns. (Das gilt auch für pseudodemokratische Staaten wie die USA), zum anderen haben echte Diktaturen einen Hang zu unmodischen, schlecht sitzenden Uniformen. Das gilt für die DDR, wie man gerade in den vielen Dokumentationen sieht, aber auch heute für Nordkorea. vor allem die viel zu großen Mützen sind dort ziemlich lächerlich. Ach ja und der Stechschritt muss auch sein.

Soviel kurz für heute. Ich habe wenig Zeit, da ich derzeit wieder bei einem Kunden arbeite, aber Mitte übernächster Woche sieht es bessere aus, dann sind die 120 Stunden abgeleitet und das Geld verdient das ich brauche, um den Rest des Jahres zu Bloggen oder Bücher zu schreiben. Zudem habe ich jetzt wieder meine jährliche Winterdepression, die eigentlich immer im Spätherbst auftritt. Ich habe inzwischen ein stimmungsaufhellendes pflanzliches Mittel. Leider hemmt es als Nebenwirkung meine Motivation - auch zum Bloggen.

Dafür gibt es weil ich das letzte Wochenende für die Endkorrekturen zu den Computergeschichten genutzt habe eine Neuauflage. Das Buch gibt es jetzt zweimal auf dem Markt. Weil BOD zwar nun neue Druckpreise hat, die es erlauben das Buch billiger anzubieten, doch komischerweise kommt man nur bei neuen Projekten in den Genuss dieser Konditionen. Das ist deswegen seltsam weil in der Projektverwaltung eine neue Auflage und ein neues Projekt nur zwei Klicks auf zwei Punkte sind, der Ablauf aber identisch. Bis zum 21.3.2017, bis der alte Vertrag ausläuft gibt es das Buch nun zweimal - einmal mit einem zusätzlichen Kapitel über Seymour Cray mit 368 Seiten für 19,90 und einmal ohne mit 316 Seiten für 24,90. Ich hoffe ja wenn ich fertig mit meinem Job bin die anderen auch noch fertigzustellen - drei alte Bücher sind als Neuauflagen in der Mache und eines noch im frühen Manuskriptstadium.

Morgen gibt es wieder einen Raumfahrtblog zu den aktuellen Ereignissen

Aktuelles aus der Raumfahrt

Nun überschattet werden die von den beiden Unglücken der Antares und von Spaceship Two. Bei letztem hat man sehr schnell die Ursache veröffentlicht: der Copilot hat bei knapp über Mach 1 ein Federsystem für das drehbare Leitwerk, ein Bremssystem ausgefahren, das nominell erst bei Mach 1,4 ausgefahren werden darf. mich wundert da eher das bei einem neuen High-Tech Flugzeug das überhaupt möglich ist. So was kritisches sollte abgesichert sein. Wenn ich etwas programmiere dann prüfen bei mir Tester alle Fälle ab, selbst welche, die ich nicht vorhergesehen habe (das man bei der Frage "wie viele Werte darf der Testfall haben" und einer Prüfung auf größer 1 und maximal 2000 Werte auf die Schnauze fliegt wenn jemand 4 Milliarden eingibt, weil die Zahl nicht in eine 32 Bit vorzeichenbehaftete Zahl rein geht habe ich z.B. auch nicht gedacht. Aber es wurde geprüft und der Fehler beseitigt. Bei Spaceship Two scheint man selbst einfachere Prüfungen nicht einzusetzen.

Erde und MondBei der Antares ist man noch nicht so weit. Immerhin kann man nun das Problem auf eines der Triebwerke einkreisen. Bei diesem sollte es einen Vorfall bei der Turbopumpe geben, gefolgt von einem Ausfall. Bis man eine Lösung hat, wird man einen bis zwei Starts mit anderen Vehikeln durchführen. Angeblich ist man in Gesprächen mit zwei US und einem europäischen Anbieter. Nun der europäische ist Arianespace, mehr gibt es nicht. Der Träger der Wahl wäre die Sojus. Sie wäre auch gleich teuer wie eine Antares. Die Ariane 5 wäre zu teuer und zu leistungsstark, sie könnte vier Cygnus auf einmal transportieren. Bei den US-Anbietern gäbe es ULA, Lockheed Martin und SpaceX. Lockheed Martin bietet ihre Atlas auch separat an. Boeing die Delta 4 nur über ULA. (Eventuell könnte es aber eine Delta II sein, da müsste es noch eine oder zwei auf Halde geben).  Zudem ist die Delta 4  bisher nicht kommerziell verfügbar und gilt als teurer als die Atlas. So dürften wahrscheinlich Atlas 401, Falcon 9 und Sojus als Träger untersucht werden. Nur - keiner wird kurzfristig verfügbar sein. Nächstes Jahr waren zwei bis drei Cygnus Missionen geplant. So schnell gibt es keinen Ersatz. Die Sojus selbst hinkt hinterher. Da musste man nach dem letzten Fehlstart (Ursache: eingefrorene Hydrazinleitung, dadurch Verlust der Lageregelung - ein systematischer Fehler bei jeder vierten Fregat, nur bisher bei kurzen Missionsdauern nie aufgetreten) nachgebessert werden und man hinkt bei dem Aufbau des Galileo Systems hinterher. SpaceX schafft kurzfristig zwei Starts in schneller Folge um sich dann wieder für Monate auszuruhen. So ist der nächste am 9.12., wahrscheinlich der letzte, eventuell vorletzte Start der Falcon 9 dieses Jahr. Dann fehlen aber immer noch 6-7 Starts zu den 14 für dieses Jahr angekündigten. Wie sollte man da noch einen Start für Orbital reinschieben? Und die Atlas hat nach Users Guide eine Bestellzeit von 27 Monaten.

So wird auch der (danach) anvisierte Start einer Nachfolgeversion auf sich warten lassen - realistischerweise in 3 Jahren. Orbital kündet dagegen schon 2016 an. Verwendet soll angeblich das RD-193 werden, eine modifizierte RD-191 Version der Angara - erneut ein noch noch nicht flugqualifiziertes Triebwerk. Die Angara hatte ja bisher nur einen suborbitalen Testflug und das RD-193 ist eine uneingesetzte Modifikation.  Aber viele Alternativen gibt es ja nicht, eigentlich keine außer dem RD-180, doch das will ja nun auch Lockheed-Martin ersetzen.

Inzwischen will die ESA mit Zahlen Deutschland überzeugen. Die ESA würde innerhalb von 10 Jahren 345 Millionen Euro für Starts einsparen (ohne die Vega Starts) wenn sie die Ariane 6 hätte. Mal sehen ob das Deutschland überzeugt. Am 2.12. tagen die Minister. Bis dahin sollte man eine Lösung finden. Deutschland ist übrigens nicht das einzige Problem - durch die Feststoffantriebe ist bei der Ariane 6 Italiens Anteil größer und ob Italien sich soweit beteiligen ist davon war bisehr noch gar nichts zu hören.

Währenddessen hat China die Generalprobe für die Mondbodenrückführung gemacht: Chang E'-5 umrundete den Mond wie Ende der sechziger Jahren die Sond Raumsonden und landete wieder auf der Erde und machte dabei auch dieses Foto. Es ging wohl um den Test der Landung und der Kapsel, denn der interessantere Teil ist ja die Landung auf dem Mond und die Gewinnung von Bodenproben. Wie immer weis man von Chang E'5. Immerhin, die Kapsel ist relativ groß, deutlich größer als die der russischen Luna und mit 2 kg Bodenproben wird sie auch die zehnfache Menge zurückführen (mehr wird durch eine Punktbohrung ohne einen Lander der sie über längere Zeit einsammelt wohl auch nicht möglich sein). Wenn sie klappt haben die Chinesen mehr Mondmaterial geborgen als die Russen. Europa, Japan und Indien haben sie zumindest was die Erstleistungen angeht ja schon überholt.

9.11.2014: Zum neunten November

Eigentlich ist heute ja ein Gedenktag. Ich habe mir überlegt was ich dazu schreiben sollte, aber für einen langen Blog wirds nicht reichen. Trotzdem an dem Datum komme auch ich nicht vorbei. Für mich ist das Zustandekommen des Mauerfalls ein sehr gutes Beispiel für das DDR-Regime, das offenbar in einem so starken Zustand des Zerfalls befand, dass man zwar Presskonferenzen organisierte, aber die dort Beteiligten (Schabowski) nicht unterrichtet wurden über so etwas Wichtiges wie ein neues Reisegesetz und das dieses eigentlich erst morgen in Kraft tritt. Gerade in einem Staat wo die Bürokratie so eingefahren ist, sollte er doch wiesen dass man Gesetze nicht so beschließt dass sie "unverzüglich" oder "sofort" gelten.

Das es ohne Gewalt ging wird ja immer wieder als Wunder hervorgehoben. Gerne mit dem Hinweis auf den Mai im selben Jahr als China auf dem Platz des himmlischen Friedens ein Massaker veranstaltete. Militär soll auch bei der ersten großen Montagsdemonstration einen Monat vorher in Leipzig zusammengezogen worden sein. Aber mit Verlaub - ich glaube nicht daran, dass es dazu gekommen wäre. Zum einen ist die Situation eine andere. Auf dem Platz des himmlischen Friedens waren es Studentenproteste, aber das Regime saß fest im Sattel. Der Ostblock war seit Monaten im Zerfall. DDR-Bürger flüchteten erst über die ungarische Grenze, dann als sie dorthin nicht mehr reisen dürfen über die Botschaften der BRD in Prag und Warschau. Die Sonderzüge führten zu Tumulten als sie die DDR passierten und die Demonstrationen in den Städten bekamen von Tag zu Tag mehr Zulauf. Honecker wurde abgesetzt, Mielke ebenfalls und wenige Tage vorher demonstrierten in Ostberlin Hunderttausende und Krenz trat zurück. Glaubt da wirklich jemand ernsthaft dass die Grenztruppen bei diesem offensichtlichen Zerfall eines States dem die Bürger den Rücken kehren noch auf eine enorme Menge geschossen hätten? (Mal abgesehen davon, dass bei so vielen Menschen das auch nach hinten los gehen kann). Vor allem aber hatte die Führung ja schon 1953 gesehen, dass man den eigenen Streitkräften nicht trauen kann, als sie russische Panzer brauchte um den Aufstand des 17. Juni niederzuwerfen. Als weiteren Punkt konnte die chinesische Führung im Mai sich auf das Ereignis vorbereiten, weil der Platz wochenlang besetzt war. Da kann man gerne Truppen aus einer ländlichen Region nach Peking versetzen und ihnen was von einer Konterrevolution von Studenten einreden.

Schade ist nur, dass nur die Wiedervereinigung nationaler Feiertag ist. Meiner Ansicht nach zu wenig. Wir haben bis auf den 1.Mai und den 3.Oktober nur kirchliche Feiertage. Ein staatlicher mehr wäre nicht schlecht, dafür könnte man Allerheilligen einsparen der ja gerade war. Überhaupt scheint es nur katholische und ganzkirchliche Feiertage  zu heben, keine evangelischen. Nebenbei ist er ja auch so gedenkwürdig:

Ein Sprung zu heute. Glaubt man unserer Bundesregierung, dann können wir ja derzeit keine Flüchtlinge aufnehmen, obwohl es ja nicht so viele sind die bei uns ankommen anstatt in Italien, der Türkei oder im Libanon. Im Herbst 1989 kamen vor dem Mauerfall zehntausende von DDR-Bürgern in die BRD. Die zu integrieren war kein Problem. Nun sollen viel weniger Flüchtlinge ein Problem sein? Meiner Ansicht nach macht man es zum Problem. Und zwar in der Art wie es abläuft. Solange jemand Asylant ist muss er in einem abgeschottetem Heim leben, darf keine Arbeit annehmen etc. Integration sieht anders aus. Klar muss man sie erst mal wo unterbringen. Doch dann sollte man den Leuten keine Hürden in den Weg stellen sondern helfen. Bei der Arbeitssuche, mit Deutschkursen etc. Wer für sich selbst sorgen kann, eine Arbeit hat wird anerkannt, kann die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen  und damit hat es sich. Damit kann man dann immer noch die, die nur hierherkommen um es schöner als im Ursprungsland haben oder sich in unser Soziales Netz legen wollen, wie ja rechte Politiker immer sagen, dann nicht anerkennen. Wobei ich an diese Parole nicht glaube, weil ich mir nicht vorstellen kann dass es so viele Leute gibt die meinen in Deutschland wäre das Paradies auf Erde, damit es sich lohnt sein Heimatland zu verlassen. Aber es gibt ja genügend Dumme wie man an den Wahlerfolgen der AFD sehen kann.

10.11.2014: Die rein amerikanische Antares

Da nun ja erst Mal die Antares gegrounded ist, und ich befürchte für längere Zeit, wäre es mal an der Zeit sich Gedanken über eine rein amerikanische Alternative zu machen. Seit dem Frühjahr hat man in den USA ja plötzlich festgestellt, dass man russische Triebwerke verwendet. Wer weiß, bei so viel spontaner Intelligenz kommt man ja in einigen Jahren vielleicht darauf, dass sie Politik seit 2001 nur dazu führte überall auf der Welt Terrorismus entstehen zu lassen.

Aber zurück zu Orbital. Die sind ja seit dem Frühjahr mit ATK fusioniert und heißen nun Orbital ATK. ATK hat anders als Orbital auch größere Feststoffantriebe im Angebot. Aus den Shuttle-SRM könnte man eine erste Stufe basteln. Es gibt sie in Halbsegmentabstufungen ab 1 Segment Größe. Damit sollte man doch die erste ukrainisch-russische Stufe ersetzen können. Da die Stufe eine höhere Trockenmasse und einen schlechteren spezifischen Impuls hat, aber auch um die Spitzenbeschleunigung zu minimieren bietet es sich an eine zusätzliche - zweite Stufe einzuführen. Der Castor 120 wäre dann die offensichtlichste Wahl.

Befördern müsste der Träger 6 t in einen LEO Orbit. Nimmt man dessen Geschwindigkeitsbedarf zu 9.400 m/s (mit Verlusten) an, so erzielt man mit einem 2-Segment RSRM eine Punktlandung (noch mit den Daten des Castor 30A, vom größeren Castor 30XL kenne ich leider nicht das Leergewicht, er dürfte die Performance etwas anheben. Man kann diese Rakete leicht in der Leistung steigern. Ein halbes Segment mehr z.B. erhöht sie auf 7 t Nutzlast.

Rakete: RSRM 2 Castor 120/30

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
399439606797279001600
StufeAnzahlNameVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
11324600422302760
215310043762805
311470012242952

Rakete: RSRM 2.5 Castor 120/30

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
469139706797279001600
StufeAnzahlNameVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
11393300469402760
215310043762805
311470012242952

Wahrscheinlich wird es aber dazu nicht kommen. Orbital hat ja ein russisches Triebwerk als Ersatz selektiert. So viel Auswahl gibt es ja nicht. Denn anders als Kommentatoren suggerieren, kann man nicht einfach jedes Triebwerk nehmen. Es muss in den Schubrahmen passen und das engt meistens die Wahl auf Triebwerke derselben Größe und Anzahl. Sonst kann man Schubgerüst, Leitungen etc komplett umbauen. Das gleiche ist genauso wie wenn man in einem Auto ja sicher die Reifen auswechseln kann - aber eben durch vier Reifen und nicht zwei oder acht ohne das Auto umzukonstruieren.

Wie wird es wahrscheinlich weitegehen? Nun wenn ich bei Orbital wäre würde ich auf eines setzen: die Spezifikation der NK-33, die eine Lebensdauer von 16.000 s ohne Überholung und 25.000 s mit haben. Da die Triebwerke in der Antares nur 214 s lang arbeiten, kann man es sich leisten sie vor dem Start mehrmals über volle Laufzeit zu testen und so sollte man die selektieren können die nicht ausfallen. Orbital - so meine Prognose wird das Testprogramm das bisher aus 54 Sekunden Testbetrieb vor dem Einbau besteht, intensivieren.

Das wars von mir. Wie letzte Woche habe ich nächste Woche viel zu tun und programmiere bei einem Kunden. So wird es auch zur Landung von Philae am 12.11. keinen Blog geben. Aber ich wage eine Prognose. Es gibt zur Landung einige Bilder und eine Meldung und dann schweigt die ESA über das Projekt, so wie es bei Rosetta schon abläuft. Offensichtlich waren die Wissenschaftler die beteiligt sind alle mal in der Friedensbewegung und haben den Slogan "Stell Dir vor es gibt eine Raumfahrtmission und keiner bemerkt es", bzw. "Wissen Schaffen mit weniger Medienwaffen" in die Praxis umgesetzt. Nach einer Quarks Sendung letzten Dienstag zur Rosettamission sehen sich ja die Wissenschaftler (Fred Goesmann) als "Kinder, als Träumer" und da will man das Spielzeug nicht mit anderen Kindern teilen.

Wer informiert sein will, dem rate ich das Gleiche was ich tue: Skyweek 2,0 als eine der Startseiten festzulegen. Bei mir ist es die einzige deutschsprachige Raumfahrtseite die dies geschafft hat und sie lohnt sich auch, anders als andere die nur englische Originalseiten übersetzen. Daniel Fischer hat sehr oft auch Informationen die man sonst kaum findet und scheint akribisch das ganze Web nach Raumfahrt/Astronomienachrichten abzusuchen.

 


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