Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 403: 12.11.2014 - 19.11.2014

12.11.2014: Wer einmal lügt, dem glaub ich nicht mehr

Nein, heute gibt es nichts zu Philae. Zum einen ist offen was mit dem Lander passiert ist, da die Harpunen die ihn verankern sollte automatisch nicht zündeten und man auch nicht weiß ob die Düse funktioniert die ihn gegen die Oberfläche drückt, zum zweiten sollte man für aktuelle Ereignisse die entsprechenden Webseiten von ESA, Skyweek und Spacenews besuchen.

Mein Thema ist huete "Mario Barth deckt auf". Die Sendung hat angefangen Steuerverschwendung anzuprangern nimmt sich nun aber auch des Verbraucherschutzes oder Tests von Handwerkern an. Und da hat Ingo Appelt sich "völlig sinnlosen EU-Verordnungen" angenommen. Nach dem Beitrag will die EU die Herstellung von Pizza Napoletana und Brezeln reglementieren. Ja die böse EU, dass kann man dem Otto Normalverbraucher auch weismachen, der kennt sich ja nicht aus.

Ich kenne mich aber aus und die Pizza war schon mal genauso falsch in "Hart aber Fair" dargestellt - was noch mehr ein Armutszeugnis ist, denn diese Sendung hat ja (angeblich) einen höheren journalistischen Anspruch.

Und ja es gibt EU Verordnungen für Pizza Napoletana und Bayrische Brezeln, nämlich die

VERORDNUNG (EU) Nr. 97/2010 DER KOMMISSION vom 4. Februar 2010 zur Eintragung einer Bezeichnung in das Register der garantiert traditionellen Spezialitäten [Pizza Napoletana (g.t.S.)]  (link)

und

VERORDNUNG (EG) Nr. 510/2006 DES RATES zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (2) „BAYERISCHE BREZE“/„BAYERISCHE BREZN“/„BAYERISCHE BREZ’N“/„BAYERISCHE BREZEL“ (Link)

Anders als bei Hart aber Fair und Mario Barth, muss man mir nicht glauben, man kann es nachlesen und es ist kein Juristendeutsch. Beide Verordnungen haben eine Gemeinsamkeit es sind Verordnungen, die einen Begriff schützen. Dazu muss man etwas weiter ausholen, was offensichtlich Journalisten in ihren geistigen Fähigkeiten überfordert. Die EU hat die unter andrem auch die Aufgabe Agrarproduzenten zu schützen und zu unterstützen. Eines was es schon seit Jahrzehnten gab und inzwischen mit Sigeln erweitert wurde ist der Schutz von Bezeichnungen. Der Sinn ist ganz einfach: Der Hersteller eines besonderen Produktes soll vor Nachahmern oder ähnlichen Produkten geschützt werden. Der Hersteller hat den Vorteil das durch die fehlende Konkurrenz die Preise höher sein können und der Verbraucher eine Sicherheit dass unter einem bestimmten Namen auch eine gleichbleibende hohe Qualität steckt. Das gab es schon seit langem, so ist Champagner so geschützt und man kann eben Sekt nicht als Champagner verkaufen. Der muss dann eben anders heißen. Meistens sind die Produkte teurer, so z.B. bei Parmaschinken, bei dem die gesamte Erzeugungskette vom Schwein bis zur Verpackung in einer Region rund um Parma erfolgen muss.

Damit man das Schützen kann muss man bei der EU einen Antrag stellen indem man genau begründet warum und was das besondere an dem Produkt ist. Das die Verordnung nicht die Herstellung reglementiert sieht man an den bayrischen Brezeln, denn von den drei Seiten befasst sich eine halbe mit der Herstellung.

Die Bayrische Bezel unterscheidet sich in einigen Punkten von der schwäbischen Brezel, also dem eigentlichen Original. Die sind übrigens nicht geschützt (dafür aber die Maultaschen). Bei den Brezeln handelt es sich um eine geographische Spezialität, das bedeutet wie bei Champagner oder Parmaschinken muss die gesamte Herstellung in der Region, die hier mit Bayern recht groß ausfiel erfolgen muss.

Pizza Napoletana ist dagegen zwei Schutzstufen tiefer, hier ist nur die Rezeptur geschützt, man kann sie aber überall herstellen. Wenn sich jemand nicht an das Rezept halten will, kann er seine Pizza eben Pizza nach Napoletaner Art" nennen, so machen es viele die sich nicht dran halten können oder nicht wollen. Daneben gibt es auch einige Fälle wo ein Produkt so viele Varianten hat, dass man den Namen gar nicht mehr schützen konnte und man nur noch den Namen mit einem Vorsatz schützen kann. Paradebeispiel ist der Dresdner Christstollen, der auch in der VRD hergestellt wurde. Der Christstollen ist nun geschützt, aber unter "Original Dresdner Christsollen".

Es gibt noch eine weitere Kategorie die zwischen diesen beiden liegt bei der nicht die ganze Herstellung in einem Gebiet erfolgen muss sondern nur einer oder mehrere Schritte. Schwarzwälder Schinken gehört dazu. Den erwähne ich nicht umsonst, denn es gibt auch die entgegengesetzte Position von Barth und Plasberg - Foodwatch e.V. will mehr dieser Schutzbezeichnungen, vor allem in der strengen Stufe. So kann man heute Schwarzwälder Schinken aus Schinken herstellen die von überall kommen und "nur" im Schwarzwald geräuchert werden. Nur in Anführungszeichen, weil das der entscheidende Schritt für die Qualität ist und nicht wo das Schwein aufgewachsen ist,. Da es im Schwarzwald kaum Schweinezucht gibt würde die höhere Schutzstufe das Produkt verteuern, aber die Produzenten im Schwarzwald hätten mehr davon als von der bisherigen Schutzstufe. Dieses Beispiel bringt der Vorsitzende dieses Vereins in jeder Fernsehsendung in der er eingeladen ist.

Man kann zu den Verordnungen stehen wie man will - vielleicht sind sie unnötig, vielleicht garantieren sie eine gute, hohe Qualität unter einer bestimmten Bezeichnung. Sie wollen aber eines nicht was beide Fernsehsendungen unterstellen: Vorschreiben wie man ein Produkt herstellt. Vielmehr ist es das Gegenstück zu einem Warenzeichenschutz das man woanders auch kennt, nur eben nicht bezogen auf ein Gattung die viele Hersteller betrifft und Lebensmittel deren Bezeichnung so alt sind, dass man nicht das Warenzeichen schützen kann wie dies z.B. bei Raider, Kaba oder Nespresso erfolgt ist. Was passiert wenn eine Pizzeria das ignoriert? Wahrscheinlich nichts. Da nur die Rezeptur geschützt ist müsste jemand schon die ganze Produktion nachkontrollieren. Einfacher ist es bei Produkten mit regionalem Bezug. Doch selbst dann dürfte wohl niemand einer Backerei außerhalb des Freistaats Probleme machen. Das hängt wohl eher von der Kontrolle ab. Bei Parmaschinken ist sie ziemlich rigoros, da gibt es eigens angestellte Kontrolleure, die alle Läden kontrollieren die Parmaschinken verkaufen ob es auch wirklich der echte Schinken ist und kein anderer (nach derselben Weise hergestellte). In jedem Falle ist es nicht das was uns die Sendungen suggerieren Eine Herstellungsvorschrift. Da es aber einer Verordnung ist kann man das den Leuten weismachen. Leider haben die kleinsten Regelungen der EU den Namen (die wesentlich bedeutenderen Vorschriften, die wenn unser Gesetzgeber sie nicht zeitnah umsetzt sogar im Wortlaut unser Gesetz werden heißen dagegen "Richtlinien").

Warum regt mich das auf? Auch wenn ich als Jorunalist keine Ahnung von der Materie habe, bin ich der Überzeugung man kann in einer halben Stunde das obige herausfinden. Man kann zum einen mal den Text durchlesen. Wenn man das bei den Brzelen macht wird recht deutlich dass man das Produkt von anderen abgrenzen will und die Rationalität betont, es also nicht um die Herstellung geht. Wenn man fähig ist eine Internet Suchmaschine zu bedienen, dann kann man auch die sperrigen begriffe "garantiert traditionellen Spezialitäten" und "geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen" eingeben und wird genügend Webseiten finden die erklären was das ist - von der Wikipedia über die EU, zahlreiche Organisationen und Ministerien bis hin zu Rechtsanwälten. Da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass ein Journalist so dämlich ist, dass er dies übersehen kann, kommt bei mir als Erklärung nur gezielte Desinformation in Frage.

So war diese Sendung von Mario Barth die letzte die ich angeschaut habe, genauso wie dies bei Plasbergs "Hart aber Fair" auch schon der Fall war.

16.11.2014: Nachlese

Nun nach einer Woche ohne Blog heute mal eine kleine Nachlese. Das herausragende Ereignis war natürlich die Landung von Philae, die die zwei Tage vorher erfolgte Landung von Alexander Gerst weit überstrahlte. Aber ich komme zuerst zu dieser. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen ja dass ich die bemannte Raumfahrt für weitgehend überflüssig halte. Aber da es sie schon mal gibt und ihre Aufgabe auch die Werbung ist - für die bemannte Raumfahrt an sich, aber auch allgemein für die Werbung für die Raumfahrt, Nun über die Forschung kann man wenig sagen, wie wichtig sie ist. Das Pensum soll recht umfangreich gewesen sein. Über die Bedeutung weiß man wenig. Was Gerst auf jeden fall gut erledigt hat ist der Teil Werbung. Zumindest in den deutschen Medien war das Echo deutlich größer als beim letzten deutschen Langzeitaufenthalt von Reiter. Das zog sich hin bis zur Landung als selbst der NASA-Kommentar meinte Gerst wäre "in good Shape" und er selbst aufstehen wollte anstatt eingewickelt und getragen zu werden.

Ohne Astronauten kommt man heute wohl nicht mehr aus, das zeigen auch die zahlreichen Sondersendungen zur Landung von Philae, die es von gleich mehreren Sendern gab. Also ich sah gleich drei ehemalige Astronauten dort: Ewald, Walter und Reiter. Ich frage mich, warum Astronauten diese Mission erklären müssen, anstatt die Wissenschaftler oder Flugkontrolleure zu fragen. Reiter war als Leiter des Direktorats für bemannte Raumfahrt der ESA offiziell da. Die anderen haben eigentlich (wie auch Reiter) mit dem Projekt nichts zu tun Sie sind auch nicht für Experimente verantwortlich. Aber wahrscheinlich hätte es keinen Unterschied gemacht, denn bei solchen Sendungen für die Allgemeinheit werden auch intensiv in das Projekt eingebundene, nur allgemeine Dinge von sich geben, die wichtig für das nicht vorgebildete Publikum sind.

Kaum ist die Landung erfolgt isst auch die Mission schon wieder vorbei. Der Lander sprang zweimal von der Oberfläche ab. Einmal mit 38 cm/s, was zu einem Sprung über 1 Stunde 50 Minuten führte (38 cm/s entsprechen gerade mal 1,4 km/s. Auf der Erde entspricht das einem Fall aus nur 3 cm Höhe. Das zweite Mal mit 3 cm/s, das reicht immerhin für einen 7 cm hohen Sprung. Ich werde das Beispiel morgen mal für ein kleines Gedankenexperiment nutzen. Das ist schade, denn die erste Landung bei der Staub aufgewirbelt wurde wie man später auf Bildern von Rosetta sah, Sie war im Zentrum der Landeellipse also in der idealen Position.

Er kam schließlich1 km entfernt, am Rand einer Klippe zu stehen. Noch dazu stand er schräg, mit einem Bein in die Höhe. Dort bekamen seine Solarzellen zu wenig Licht. So arbeitete er nur mit der Primärbatterie die für zwei Tage Betrieb reichte und ist nun seit Gestern im Schlafmodus. Die Mission ist damit wahrscheinlich schon vorbei, auch wenn die kleine Chance besteht, dass durch Rotation des Kometen und steigende Sonnenannäherung er noch mehr Strom bekommt und eventuell nochmal aktiv werden kann. Ich sehe die Chance dafür eher klein, weil der Komet ja laufend Masse verliert und neben dem Verlust des Bodens auf dem Philae steht kann das auch Beschädigungen von Instrumenten oder Solarzellen bedeuten.

Man war sich des Risikos aber bewusst, denn schon vor der Landung hat man die Primärmission zu 2,5 Tagen angegeben. In den 56 Stunden Betriebszeit wurden 80% des Programmes absolviert. Vor dem Start war von 6 Tagen, eventuell 3 Monaten die Rede, da kannte man aber die extrem unregelmäßige Form von "Chury" aber nicht und auch nicht seine Rotationsperiode. Beides ist wichtig für die Zeit und die beleuchtete Fläche der Solarzellen, welche die Sekundärbatterie aufladen. Seit gestern um 1:15 schweigt Philae, vielleicht für immer.

Trotzdem kann man die Mission des Kometenlanders als vollen Erfolg ansehen. Man darf, auch wenn die Medien die Landung als wichtigstes Ereignis sehen, nicht vergessen, das es ein Piggyback-Experiment war, das gerade mal ein Siebtel der Projektkosten ausmacht. Mehr in dem heute aktualisierten Aufsatz über Philae.

Dann gibt es neues von SpaceX. Die haben wieder mal einen neuen Startauftrag gewonnen. Nach ihren eigenen Pressemeldungen erst der dritte dieses Jahr. Der Gewinn war leicht - Arianespace hat sich gar nicht erst an der Ausschreibung beteiligt. Kneift Arianespace nun den Schwanz ein? Nein, anders als SpaceX hat die Firma dieses Jahr so viele Aufträge erhalten, dass sie bis 2017 ausgebucht ist. Sie hätte den Start der für 2016 vorgesehen ist, gar nicht durchführen können. Tja die einen machen Rummel, die anderen sind erfolgreich. Mehr Schlagzeilen macht aber ein anderer Startauftrag _ SpaceX will nicht weniger als 700 Satelliten starten - sie sollen wie Iridium Internet global übertragen. Jeder wiegt aber nur 114 kg. Das erinnert mich an Pläne für solche Satelliten die es vor 20 Jahren gab. ICO und auch Microsoft planten damals ähnliche Konstellationen. Die wurden alle eingestellt und auch Iridium und Globalster waren nicht so geschäftlich erfolgreich wie geplant. Mal sehen was draus wird. In 2-3 Monaten soll es Details geben.

17.11.2014: Die Lösung für ein überflüssiges Problem: Himmelskörper auf denen eine Sonde mit Ionenantrieb landen kann

Die Landung von Philae mit ihren zwei Hüpfern zeigte, dass es nicht so einfach ist auf einem kleinen Himmelskörper mit geringer Gravitation zu landen. Auch die Landung von Hayabusa auf Itokawa war nicht erfolgrich. Es kamen zwar einige Staubteilchen durch den aufgewirbelten Staub in die Rückkehrkapsel, aber die eigentliche Bodenprobengewinnung scheiterte. Während es also problematisch ist mit chemischen Antrieb abzubremsen und sich zu verankern wären sie doch ein ideales Ziel für eine Sonde mit Ionenantrieb. Sie haben die geringen Schübe die man braucht um dort zu navigieren ohne glaich übers Ziel wortwörtlich "hinauszuschießen".

Ich möchte heute mal berechnen wie groß ein Himmelskörper sein muss, damit eine Raumsonde mit Ionenantrieb dort landen und wieder starten kann. Die Beziehungen sind sehr einfach:

Die Gravitationskraft als Schwerebeschleunigung ist definiert nach :

g = M * G / r²

M : Masse des Himmelskörpers in Kilogramm

G: Gravitationskonstante 6,67x10-11 m³/kg/s²

Die Beschleunigung mit der eine Raumsonde ist definiert nach:

a = F / M1

M1: Masse der Raumsonde in Kilogramm

F: Kraft in Newton

Damit die Raumsonde wenigstens schweben kann muss gelten: a = g also

M * G / r² = F / M1

Das sind also vier unabhängige Variablen. Wir können das aber reduzieren. Die Daten des Raumfahrzeugs stehen fest und können nicht verändert werden. Im folgenden Beispiel will ich Dawn als einzige Raumsonde die bisher Ionenantriebe als alleinigen Antrieb nutzte nehmen. Sie hat drei Triebwerke mit jeweils 0,092 N Schub. Die Masse ist variabel weil der Treibstoff verbraucht wird. Ich gehe im folgenden von 1000 kg aus, das liegt in der Mitte zwischen Trocken- und Startgewicht. So resultiert eine Beschleunigung von

a = 3 * 0,092 kg/m*s²  / 1000 kg = 0.000276 m/s²

So sind schon mal zwei Variablen weg. Bleiben noch die Masse und der Radius sprich Abstand der Sonde vom Mittelpunkt. doch auch diese sind miteinander verzahnt, denn die Masse errechnet sich nach:

M = V * Dichte

V: Volumen in dm³.

Die dichte des Himmelskörpers hängt von dem Material ab. Die meisten Körper aus Gestein haben eine Dichte von 2,2 bis 2,8. Ist viel Eisen oder andere schwere Elemente vorhanden so kann sie deutlich höher sein. Das gilt auch bei großen Himmelskörper, wo der Druck der äußeren Schichten die inneren zusammenpresst. Besteht der Körper vorwiegend aus Eis so liegt sie eher bei 1,0. Wir kennen inzwischen sogar einige mit einer dichte unter 1. Churymasov Geramisenko hat z.B. eine Dichte unter 1. (derzeit auf 0,4 geschätzt), dürfte also Hohlräume enthalten.

Das Volumen hängt zumindest bei einem kugelförmigen Himmelskörper alleine vom Radius ab:

V = 4/3 Pi * r³

Nehmen wir an der Himmelskörper wäre kugelrund und einmal ein Asteroid (Dichte 2,3) und einmal ein Komet (Dichte 0,8) so ergeben sich:

MAsteroid = 4/3 Pi * r³ / 1000 * 2,3

MKomet = 4/3 Pi * r³ / 1000 * 0,8

Der Umrechnungsfaktor von 1000 kommt daher weil wir sonst in Metern rechnen, das Volumen aber Dezimeter als Basis nutzt.

0.000276 = 4/3 Pi * r³ / 1000 * 0,8  * G / r²

Wenn wir den Wert für G einsetzen und Pi und die r² rauskürzen kommt man auf

987,473 / Dichte = r

Wir errechnen für Dichte = 0,8 einen Radius von 1243 m (das ist in etwa die Größe des kleineren Teils von chury) und bei einer Dichte von 2,3 sind es 429 m. Das ist etwas größer als der mittlere Durchmesser von Itokawa. Das bedeutet dass eine Raumsonde mit Ionenantrieb auf zwei Himmelskörpern die wir schon untersucht haben landen könnte und wieder nur mit diesem Antrieb abheben können.

Drehen wir den Spieß um: Wir wollen auf Phobos landen (Masse 1,072 x 1016 kg, minimaler Radius: 9.200 m) - welchen Schub braucht eine 1000 kg schwere Sonde?

Nun wir errechnen für g = 0.00845 m/s². F wäre dann 1000 * 0,00845 N = 8,45 N. Das wäre derzeit mit heutigen Antrieben nicht zu schaffen. Die Energieversorgung für die Ionentriebwerke würde zu viel wiegen. Bei Verzicht auf spezifischem Impuls könnte man noch etwas herausholen, aber solange man nicht extrem leichtgewichtige Solarzellen entwickelt wird es wohl nichts mit einer Landung auf Phobos ohne chemischen Antrieb.

18.11.2014: Die Musik macht Stimmung

Bis vor zwei Wochen wiederholte RBB samstags "Praxis Bülowbogen" von 1987-88. Ich habe das gerne angeschaut. Es war so anders als heutige Sendungen. In den den 50 Minuten ist nicht so viel passiert. Szenen dauerten schon mal einige Minuten, anstatt das nach 10 Sekunden wieder umgeschnitten wurden. Dialoge waren auch länger, obwohl nicht so viel wichtiges gesagt wurde. Vor allem war es ruhig - die Musikuntermahlung war dezent und selten. Das ist etwas was mich heute oft stört. Praktisch permanent läuft heute bei Serien aber auch Dokumentationen eine Musikuntermahlung. Bei vielen Formaten reicht es nicht mal für eine Filmmusik sondern Popmusik wird dafür ausgeschlachtet. Ansonsten wird nach Stimmung ausgewählt. Soll es traurig sein, dann nimmt man meistens Klaviermusik.

Die Musik fiel mir dann auch in einer Reportage von Ranga Yogeshwar über Fukoshima auf. Hier war es eine düstere, bedrohliche Musik. Die macht dann auch Stimmung, obwohl das Filmteam in Sachen "Stimmung" Glück hatte, denn es war schlechtes Wetter mit einer nieder hängenden dunklen Wolkendecke,. Doch das reichte nicht. Hier ein Originalausschnitt mit einer Erklärung von Yogeshwar am Anfang und Ende was man sieht.

Um zu zeigen wie man mit Musik Stimmung machen kann habe ich dieselbe Szene mit dem Popcorn Song unterlegt. Das Stück kennen die wenigsten mit dem Namen, aber vom Klang. Es war unter anderem auch Titelmelodie für die Telespiele und Telekolleg. Das ganze hat nun eine weitaus weniger düstere Stimmung.

Man kann natürlich Musik auch schwer verhunzen. In meiner persönlichen Negativliste der schlechtesten Covers aller Zeiten hat sich Dolly Parton mit Recht einen der Spitzenplätze erkämpft. Wer mutig ist kann hier hören, was rauskommt wenn man "Stairway to Heaven" als Country Version rausbringt.

Ich meine auch das Musik tendenziell immer schneller wird. Ich habe mal Experimente gemacht und "Child in Time" von Deep Purple um 20% schneller gemacht und "Ich will nicht nach Berlin" von Kraftclub um 20% langsamer - dann haben sie fast dasselbe Tempo. In vier Jahrzehnten ist die Musik also um 40% schneller geworden. Wegen dem Urheberrecht kann ich das leider nicht hier wiedergeben, aber ihr könnt es mit Audiacity ausprobieren: Effekt "Tempo ändern" und +20 und -20 eingeben.

Zum Abschluss nach längerer Zeit mal wieder einen Musiktipp. Diesmal - wie könnte es anders sein - der Popcornsong, diesmal performt vom dänischen (oder schwedischem?) Koch der Muppets:

http://www.youtube.com/watch?v=B7UmUX68KtE

(Ich bin mir relativ sicher das es ein dänischer Koch ist, auch weil er immer rief "Smörebröd, Smörebröd Röm-Pom-Pom Pom" und mich Wikipedia aufklärt das das eine dänische Spezialität ist. aber im Vorspann wird er als schwedischer koch tituliert.

19.11.2014: Eingeknickt

Ja anders kann man es nicht ausdrücken, ist die deutsche Regierung bei der Ariane 6. Sieg der Franzosen auf der ganzen Linie. Wie SpaceNews meldet stimmt Deutschland der Ariane 6 Entwicklung zu und lässt darüber hinaus die Arian5 ME Entwicklung fallen. Man hat also beide Kernpunkte der eigenen Position aufgegeben.

Beschlossen wurde nun bei einem Meeting am 13.11.2014 die Entwicklung der Ariane 6 und die Weiterentwicklung der Vega. Da nicht nur Deutschland und Frankreich die beiden größten Einzahler sind sondern auch Italien (Vega) und andere Regierung mit dabei waren, kann man davon ausgehen dass dies auch so am 2.12. beim Ministerrat genehmigt wird.

Es wird die Ariane 6 in zwei Versionen geben, Ariane 62 und Ariane 64. Mit zwei bzw. vier Boostern. Die kleine Version soll vorwiegend für Einzelstarts der ESA zum Einsatz kommen die größere wieder für Doppelstarts in GTO, nach der ESA. Gegenüber dem bis vor einigen Monaten vertretenen Konzept der Ariane 6 gibt es aber eine gravierende Änderung, Diese sollte aus drei identischen Boostern als erster, einem baugleichen als Zweiter und einer kryogenen Drittstufe bestehen. Die Nutzlast wäre 6-7 t in GTO gewesen. Das gesamte Konzept war auf hohe Startzahlen gebaut - Einzelstarts anstatt Doppelstarts, hohe Stückzahlen durch vier Booster pro Rakete und mehr Starts pro Jahr. Ich fand es nicht toll, aber die Logik leuchtete mir ein und ich dachte mir, wenn es kommt wird es auch wirtschaftlich vernünftig. Mir stießen nur die hohen Kosten ins Auge - 4 Milliarden für eine Rakete aus einem größeren Feststoffbooster und eine kryogene Stufe - die Vega mit drei Feststoffboostern kostete 770 Millionen Euro und die ESC-B die auch schon teuer ist war auf 1.100 Millionen Euro geschätzt. Hätte man die ESC-B so ausgelegt dass sie auf beiden Trägern eingesetzt werden kann, dann müsste man mit 1 Milliarde meiner Meinung nach einen Booster und eine neue Startrampe entwickeln können.

Doch das Konzept ist ad acta gelegt. Was ist die Ariane 6? Es ist nicht so ganz klar ob sich die beiden nur in der Boosteranzahl (2 oder 4) unterscheiden. Die ESA Angaben von 4-4,5 t in SSO und 3-10 t in GTO sind so weit auseinander, als dass man nur mit zwei weiteren Boostern nicht die höhere Nutzlast erreicht. Aber die Bauweise ist doch interessant:

Also ich nenn die Ariane 5 ab jetzt nun nur noch "Ariane 5G Reloaded". Denn mit 149 t Treibstoff ist die Treibstoffzuladung nahe der Ariane 5G mit 158 t. Man hat eben ein neues Triebwerk eingesetzt, das erst in der Ariane 5E zum Einsatz kam und damit man noch etwas Geld verpulvert, die Stufe gestreckt (Hinweis: Wie wäre es einfach die Ariane 5 Stufe in der Länge zu kürzen oder teilzubefüllen (wie bei der Ariane 40)? Dann habt ihr dasselbe erreicht). Dazu kommen dann die beiden neuen Booster oder vier neue Booster die dann genauso viel wiegen wie zwei der alten Booster und die Oberstufe die im Prinzip eine ESC-B ist, nur wird die ja nicht entwickelt.

Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch, aber wie soll bei diesem Konzept eine Einsparung möglich sein? Das ist doch im Prinzip die Ariane 5 nur mit flexiblerem Boosterkonzept. Doch die sind das preiswerteste an der Rakete. Mehr noch: man setzt weil wohl die Rakete so teurer als die reine feststoff-Ariane 6 wieder auf Doppelstarts, dabei hat man doch gerade dies als Begründung gebracht dass man die Ariane 6 mit Einzelstarts braucht: die ESA hat das Problem dass ihre wissenschaftlichen Missionen nur selten in den GTO gehen, es also keinen zweiten zahlenden Kunden gibt. Arianespace sagte es macht bei weniger, aber schwereren Satelliten, mehr Probleme einen zweiten leichteren Passagier zu finden und man müsste so Startaufträge ablehnen. Das einzige was bleibt ist ein flexibleres Konzept, doch dazu braucht man keine neue Rakete - das Ersetzen der bisherigen Booster durch neue, strukturelle Verstärkungen der EPC, da die Last nun ja unten übertragen wird anstatt am Stufenadapter und als Lohn dafür eine leichtgewichtigere ESC-B, die nicht so stark durchgeschüttelt wird - und man hätte das gleiche erreicht und braucht keine neue Rakete.

Es gab genug Propaganda im Vorfeld um das Konzept durchzusetzen. Die ESA rechnete vor, dass sie in 10 Jahren 345 Millionen Euro bei den Startkosten einsparen könnte. Die Industrie soll auf die bisher üblichen Subventionen in Höhe von 100 Millionen Euro pro Jahr verzichten, wenn die neue Rakete kommt, aber dafür 5 Starts pro Jahr zu festen Preisen abnehmen. Wenn die höher als kommerzielle Starts sind, dann ist das nur eine andere Form der Subvention. Zumal es schwer wird so viele Starts pro Jahr für ESA/CNES/DLR/ASI zu bekommen. Zählt man die bisherigen Sojus/Ariane 5 Starts für Regierungskunden zusammen, so kommt man in keinem Jahr auf 5. Durch Galileo dürfte man das in den nächsten Jahren kurzzeitig erreichen, aber nach Aufbau muss man nur noch defekte Satelliten ersetzen, dann sinkt die Startrate wieder ab.

Die Industrie reorganisierte sich so lagerte Airbus den Trägersektor aus, der dann mit dem entsprechenden Beriech von Air Liquide fusionierte. Mit weniger Produktionsstellen sollen auch Kosten eingespart werden - doch sehe ich nicht ein warum man mit denselben Maßnahmen nicht auch die Ariane 5 wieder konkurrenzfähiger machen kann.

Vor allem was macht man wenn die Preiskalkulation nicht aufgeht wie bei der Ariane 5? Die sollte auch mal 100 Millionen Euro kosten und liegt nun bei 165 Millionen. Dann wird man wieder subventionieren, denn die Alternative, wir nutzen die Rakete nur für unsere Starts und wenn man keine anderen Kunden findet dann muss man wenigstens nichts zuzahlen scheint ja nicht überlegenswert. Da die ESA mit der CNES schon das CSG finanziert bringen mehr kommerzielle Starts keine Entlastung.

Nun wird man 4,3 Milliarden Euro für eine Rakete ausgeben die keiner braucht. Damit könnte man den Ariane 5 Betrieb 43 Jahre lang subventionieren. Es sind 54% dessen was die ESA für Träger in zehn Jahren ausgeben will (dazu kommen noch die Subventionen, die Vega, Startkosten und der Unterhalt des CSG sowie Forschungen), sie fallen aber in 6 Jahren an, werden also in dieser Zeit den Großteil des Budgets ausmachen. (Jungfernflug soll schon 2020 sein).

Doch Deutschland kann auch einen "Sieg" verbuchen: Frankreich und Italien werden wieder zur Finanzierung der ISSA nach dem Abkommen von Bologna 1995 zurückkehren. Als die ESA 1995 die ISS Beteiligung beschloss, wurde auch die Beteiligung der Länder festgelegt. 2011 beim letzten ESA Konzil reduzierten Frankreich, Italien, Spanien einseitig ihre Mittel, was im Prinzip eine Verletzung dieses Vertrages ist, Frankreich kündete 2013 sogar einen Ausstieg nach 2016 an. Deutschland erhöhte seinen Anteil, konnte aber eine Reduktion des ISS-Budgets um 20% nicht verhindern. Nun hat man erreicht dass Italien und Frankreich wieder ihre Verpflichtungen erfüllen, das spart etwas Geld bei Deutschland, doch da die ISS nur 50% der Trägerkosten ausmacht ist es nicht signifikant viel. Meiner Ansicht nach wäre es sinnvoller nach 2016 auszusteigen. Dann kann man auch die kosten für zwei Orion Servicemodule einsparen.


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99