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Web Log Teil 415: 19.2.2015 - 22.2.2015

19.2.2015: Neue Ausrüstung für die Bundeswehr

Vor wenigen Tagen hat "Flintenuschi" von der Leyen den letzten Statusbericht ("Weissbuch") über die Bundeswehr veröffentlicht, der ihrer Ansicht nach voll positiv ist. Journalisten halten die Bundeswehr aufgrund diverser Vorfälle und Negativmeldungen nicht mehr für einsatzbereit. Die Bundeswehr hat tatsächlich eine Reihe von Problemen. Die Ausrüstung ist noch größtenteils auf den im Kalten Krieg erwarteten Konflikt ausgelegt: Um feindliche Panzerarmeen und Luftstreitkräfte abzufangen, die geballt einen Angriff starten. Das letzte Jahrzehnt, die Konflikte in Afghanistan, Libyen, Syrien und nun der Kampf gegen die IS zeigen, aber das man heute eine andere Armee braucht, die fertig wird mit hoch mobilen, leicht bewaffneten oder mit gekaperten Waffen ausgerüsteten Milizen oder auf See Piraten mit Infantriewaffen. Da nützen Leopard II gar nichts und Eurofighter nur wenig (er ist vorwiegend als Jagdflugzeug ausgelegt). Die benötigte Ausrüstung, vor allem mehr leichte und bewegliche Mannschaftstransporter, Hubschrauber ist zwar bestellt, kommt aber kaum zur Truppe. Stattdessen hat man noch nach dem Mauerfall Rüstungsprojekte angeschoben, die noch im kalten Krieg geplant wurden wie den Eurofighter, die U-Boot Klasse 212A oder Airbus 400 und deren Nutzen bei den heutigen Konflikten fraglich ist.

Ein zweites Problem scheint die Einsatzbereitschaft zu sein, die auch verbunden ist mit immer komplexerer Technik. Der Wehrbeauftragte Königswinter rechnete vor, dass auf einem Luftwaffenstützpunkt man nun 122 Technikerstunden braucht um eine Flugstunde vorzubereiten, vor drei Jahren wären es noch 50 gewesen. Schnelle Einsätze sind so reine Illusion. So wird die neue "very rapid Joint Execution Force" der Nato, eine besonders schnelle Einsatztruppe 2-7 Tage brauchen um nach dem Marschbefehl am Ziel zu erscheinen. Im zweiten Weltkrieg brauchten Truppen der Wehrmacht oder japanischen Armee nicht mal diese Zeit um ganze Länder zu erobern.

Nicht nur die Politik scheint schuld zu sein, auch die Industrie scheint nicht pünktlich liefern zu können, bei den meisten Projekten gibt es Verzögerungen die teilweise mehrere Jahre betragen. So hat man im Kabinett die Reiseleine gezogen und eine Reihe von Projekten angeschoben, die schnell die Wehrkraft und Einsatzfähigkeit der Truppe erhöhen sollen. Die Infanterie wird 1200 neue Mannschaftstransporter des Typs "Büffel" erhalten. Anders als neuen Spähpanzer sind die Transporter umgebaute VW-Transporter. Anders als bisherige Muster aber gepanzert und bewaffnet. Basis ist ein VW T5. er erhält einen stärkeren Motor (200 PS), eine zwischen 10-20 mm starke Panzerung die Infantriewaffen standhalten kann, schusssichere Fenster und auf der Beifahrerseite ein 12,7 mm MG. Jeder Transporter kann bis zu 8 Personen transportieren (Fahrer, MG-Schütze, 6 Passagiere). Er soll deutlich mobiler und leichter als die Spähpanzer sein, kann also schneller transportiert werden, ist aber stärker geschützt als die größeren Busse und LKW der Bundeswehr. Ziel ist es einer Spähtruppe die Mobilität und Schutz zu geben die die braucht um einen Brückenkopf zu sichern, bevor dann schweres Gerät eingeflogen wird.

Damit dies geht erhält die Bundeswehr 33 Flugzeuge des Typs A380F. Die Frachtversion von Airbus 380 wurde bisher nicht geordert. So konnte man mit dem Auftrag eine Änderung durchsetzen: die für Lufttransporte notwendige Landeklappe am Heck. Ein A380F wird über 150 t Fracht über eine Distanz von 10.400 km transportieren. Die Reichweite ist doppelt so groß wie bei der A400 und die Nutzlast sogar viermal größer. Anders als die A400 wird der Airbus 380 auf einem normalen Flugplatz in einem sicheren Nachbarland landen und dort die Ausrüstung befördern die man für Luftschläge aber auch Unterstützung von Bodentruppen braucht.

Bedeutsamer ist der Umbau weiterer A380, die A380 Condor und A380 Albatros. Bei dem letzteren handelt es sich um ein Frühwarnflugzeug mit einer Radarantenne über dem Rumpf, ähnlich den älteren AWACS Flugzeugen. 18 Maschinen wurden geordert, 6 mit einem Radar zur Überwachung des Luftraums und 12 mit einem abbildenden RASAR zur Überwachung des Bodens, ergänzt durch Infrarotkameras. Im Inneren werden bis zu 40 Personen die Daten auswerten und Ziele markieren und verfolgen. Die Bekämpfung von Bodenzielen wird die Aufgabe der A380 Condor sein. Die Luftziele werden wie bisher von Eurofighter angegriffen. Beide Modelle haben Abwehrmaßnahmen an Bord wie Flares (Ablenkung infrarotgesteuerter Raketen) und Chaffs (Ablenkung von radargesteuerten Rakete). Die Condor zusätzlich noch aktiv sich auf Radar einklinkende Raketen (sie fliegen die Quelle des Radars, also die Radarstation an und zerstören diese). Die A380 Condor basieren auf den positiven Erfahrungen die die Amerikaner mit ihren uralten B52 Bomber im Afghanistan sammelten. Bedingt durch die Lufthoheit ist die effektivste Möglichkeit Bodentruppen zu bekämpfen eine Maschine mit großer Bombenlast. Die USA flogen die Bomber sogar aus Amerika ein, das war billiger und effektiver als F-15 oder F-16 einzusetzen, da eine B-52 über 10 dieser Flugzeuge ersetzen konnte. Die A380 Condor enthalten im Rumpf bis zu 150 t einzeln abwerfbare passiv gesteuerte Bomben (ohne Antrieb, nur durch Regelung des Auftriebs durch die Leitwerke). Zwei Typen wird es geben: GPS-gesteuerte Bomben die eine bestimmte Koordinate anfliegen (vor allem gegen Gebäude oder unbewegliche Ziele eingesetzt) und eine lasergelenkte Bombe (Das Ziel wird durch einen laserstrahl durch die Besatzung der Albatros markiert, dessen Reflektion die Bombe ansteuert). Ergänzt kann diese Waffenlast durch aktive Raketen unter den Flügeln werden, die ein Ziel nach dem Abschuss automatisch verfolgen.

48 dieser Maschinen hat von Leyen bestellt. Eine Rotte besteht aus einer Albatros zur Überwachung des Luftraums, zwei zur Überwachung des Bodens und acht Condor. Sie kann ein Gebiet von 100 x 100 km Abdecken und dort bis zu zu 80 Ziele verfolgen. Die Bombenlast soll ausreichen über 2000 Ziele anzugreifen. Dies soll erheblich günstiger und effektiver sein als alle Eurofighter der Bundeswehr zusammen, weil die Maschinen über 10 Stunden über einem Zielgebiet kreisen können und so jedes Ziel in einem Radius von 15 km angreifen können. Dabei bleiben sie in einer sicheren Höhe von 10-12 km über dem Boden.

Ohne Bodentruppen wird es aber nicht geben. Experten befürchten dass man vor Ort Infanterie braucht um die eigenen Truppen von den Gegnern zu unterscheiden. Das müssten aber keine Bundeswehrsoldaten sein, sondern könnten auf Kurden oder Ukrainer tun.

Nicht alle Wünsche von Leyen kamen aber durch. Sie scheitete mit ihrer Idee zwei gebrauchte Containerschiffe zu Hubschrauberträgern umzurüsten um die Marine bei der Bekämpfung von Piraten zu unterstützen. Jeder hätte rund 50 Hubschrauber aufgenommen und den Einsatzradius und Reaktionsgeschwindigkeit der Marine deutlich erhöht. Als problematisch galten die schon jetzt vorliegenden Beschaffungsprobleme bei neuen Hubschraubern und vor allem die fehlende Legitimation für effektive Maßnahmen: Piraten versenken darf die Marien nur wenn sie selbst von diesen beschossen wird. Ansonsten darf sie die Piraten nur "verhaften" und der nächsten Polizei übergeben - wenig abschreckend und auch nicht effektiv.

Überhaupt wundert sich viele, warum von Leyen die Unterstützung von Merkel im Kabinett bekam und damit musste auch Wolfgang Schäuble klein bei geben, der durch die Kosten seine "schwarze Null" gefährdet sieht. Gerechterweise soll sie es satt haben bei allen Konflikten von den Bündnispartnern, insbesondere den USA und Frankreich auf die kleine rolle die die Bundeswehr heute spielen kann angesprochen zu worden.,

Das Crash-Programm soll schnell umgesetzt werden. Ende 2016, Anfang 2017 werden die ersten Büffel-Transporter ausgeliefert, die A380F folgt 2017/18 und die Albatros und Condor Versionen sollen 2018/19 folgen. 2020, so verspricht von der Leyen, wäre die Bundeswehr fähig innerhalb eines Tages Luftunterstützung zu gewähren und innerhalb von zwei Tagen Bodenunterstützung, egal wo auf der Welt. 3.000 Mann könnte man ein einer Woche verlegen - das dauerte bei Afghanistan noch drei Monate. Mal sehen ob sie das einlösen kann.

20.2.2015: Die USA und Europa bei der Internetsicherheit, ein guter Deutscher

Letzte Woche gab es den "safer Internet day". Es gibt ja für alles inzwischen einen Tag, es fing mal an mit dem Tag für die Frauen, inzwischen gibt es sogar einen Red-Node-Day. Aber die Medien griffen das Thema auf und ein Beitrag befasste sich mit den Wistleblowern, ein anderer mit der unterschiedlichen Einstellung hierseits und diesseits des Atlantiks zum Thema Sicherheit und Vertrauen. Fangen wir mit letzterem an und zwar mit dem Unterthema Sicherheit, Sicherheit im Sinne von Schutz und Freigabe persönlicher Daten. Das man hier in den USA anders denkt, ist nun nicht so neu, das war schon früher so. So werden dort die "Mugshots" veröffentlicht also die Polizeifotos von Straftätern die direkt nach der Verhaftung aufgenommen werden. Wohlgemerkt nach der Verhaftung, nicht der Verurteilung. Ob derjenige das getan hat, wessen er beschuldigt wird steht also nicht fest. Es gibt eine Reihe von Mugshots von Prominenten so Bill Gates (zu schnelles Fahren) oder Michael Jackson (Vorwurf der Pädophilie). Mir fiel das vor einigen Jahren auf Florida Today eine ganze Seite mit den Mugshots der zuletzt verhafteten fand. Bei uns würde man dies wohl als "An den Pranger stellen" bezeichnen und es wäre unvorstellbar und ein Verstoß gegen das Grundgesetz.

Offen scheint in den USA auch alles zu sein, was die Behörden über den Einwohner wissen. Ich war mal erstaunt, als sich eine E-Mail Bekanntschaft über die Art, wie man in Europa persönliches geheimhält wunderte. In den USA könnte jeder nicht nur übers Internet die Daten der Gegenstücke der Einwohnermeldeämter abfragen, sondern sogar wie viel man versteuert hat. Das würde bei uns wohl viele Steuerabkommen überflüssig machen, denn irgendjemand der eine deutliche Diskrepanz findet und beweisen kann wird sich immer finden wenn jemand Steuern hinterzieht.

In einem gewissen Sinn ist das so wie bei dem Spruch "wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten". Nun ja, wir wissen das dem nicht so ist. In jedem Gefängnis stecken Leute die unschuldig sind, aber dies nicht beweisen können oder einen Richter gefunden haben der die entlastenden Momente nicht gewürdigt hat. Mit dem Spruch versucht man in den USA ja auch die Leute zu ihrer Zustimmung für Lügendetektortests zu bewegen, die ja nicht Lügen detektieren, sondern Stress. Selbst wenn die Exekutive fehlerfrei arbeitet, dann gibt es immer noch den Missbrauch der Daten der Einwohnermeldeämter durch Werbetreibende.

Das zweite ist das offensichtlich die Einwohner der USA Firmen mehr vertrauen als der Regierung. Das hat ein Sicherheitsexperte gesagt als man ihn nach den Mentalitätsunterschieden in der Sicherheitsfrage befragte. Nun gibt es sicher immer wieder Skandale bei jeder Regierung. In den USA wie bei uns (Iran-kontra Affäre, Watergate vs. Waterkantegate, CDU-Parteispenden) aber das betrifft eigentlich das Volk kaum. Wohl eher die komplette Überwachung des Internetverkehrs. Doch selbst darüber regt man sich in den USA kaum auf. Ein Volk dass stolz auf seine Verfassung ist und sie für die beste und am meisten Freiheiten gebende der Welt hält hat in den letzten Jahren fast jede Kritik an Maßnahmen der Regierung verloren die diese Freiheit beschränken. Man muss dort nur das Stichwort "islamischer Terror" aussprechen und alles bekommt man durch.

Nicht das es bei uns viel anders wäre, aber bei uns kippen notfalls Bundesverfassungsgericht oder EU-Gerichtshof solche Gesetze. Zumindest in Deutschland kann man Vertrauen in die Institutionen haben. Und auch daran das Behörden sich an Gesetze halten und nichts ungesetzliches tun, was offensichtlich in den USA nicht so ist. Im Gegenteil: es gibt zahllose Beispiele wo Behörden sich sklavisch an die Gesetze halten, selbst wenn diese völlig unsinnig sind. wer mal in der Satiresendung "Extra 3" die Rubrik "Irrsinn der Woche" angeschaut hat weiß was ich meine.

Die Frage die sich mir stellt, warum traut man einer Firma zu ehrlicher zu sein. Firmen haben nur ein Interesse: die Maximierung des Profits. Warum sollten sie Gesetze eher einhalten als Behörden? Wer sieht wie Firmen sich durch "kreative Buchhaltung" arm rechnen um Steuern zu sparen, sich verheben beim Expandieren (Schlecker, Porsche) oder andere Fehler begehen, die schlussendlich den Arbeitern den Job kosten, der kann sich nicht vorstellen dass diese nun so gesetzestreu sind, zumal sie immer Wege finden Gesetze zu umgeben wie Kündigungsschutz oder Mindestlöhne durch Subunternehmer oder Leiharbeitsfirmen. In den USA ist es ja noch schlimmer, dort regiert "Hire and Fire" und die Krankenversicherung gilt als kommunistische Erfindung. Dort geht der Einfluss der firmen soweit, dass es gar keine Gesetze gibt an die man sich halten müsste. Warum sollte jemand Facebook, Google und Amazon daran hindern Daten auszuwerten die anfallen, wenn jemand etwas bestellt oder eine Aktivität hat um ihm personalisierte Angebote zu machen, die wiederum den Profit des Unternehmens maximieren? Wer sieht wie man alleine durch Einloggen bei Facebook neue (laschere) Datenschutzerklärungen akzeptiert muss schon ziemlich blöd sein, zu glauben Firmen wären vertrauenswürdiger als Regierungen.

Es gab allerdings einen Punkt über den regte sich der Experte maßlos auf. Auch hier zeigte sich ein tiefer Graben in den Ansichten. Es ging um die Entfernung von Suchergebnissen auf Wunsch bei Google. Während es bei uns die Meinung gibt, das dies ein fundamentales Recht ist, nämlich das der personellen Selbstbestimmung sah der Experte das als Zensur. Man wöllte "Wissen" verbieten oder verbergen. Es geht ja meist darum, dass entweder jemand mal einen Fehler oder eine Straftat gemacht hat und man im Internet da noch jede Menge Berichte darüber findet, aber (weil nichts tun wohl nicht wichtig genug ist um darüber zu schreiben) nichts über den seitdem tadellosen Lebenswandel oder man wehrt sich gegen Verleumdung, Mobbing etc. In beiden Fällen geht es nicht um "Wissen" im Sinne von Erkenntnissen, sondern um Rufschädigung. Vor allem scheint man ja nichts dagegen zu haben, dass die Regierung gezielt den Ruf der Wistleblower schädigt und dort wirklich verhindern will, dass diese ihr Wissen preisgeben. eine sehr komische Einstellung.

Zuletzt zu dem Thema noch was zum Nachdenken. Einer der Wistleblower hat in seinem Resümee gesagt, er dachte er wäre ein "guter Amerikaner" und war erstaunt wie ihn nun die Regierung feuerte, und mit Prozessen überzog weil er öffentlich machte das es ein Programm gab, das zum Abhören von Terrorismus verdächtigen Ausländern entwickelt wurde, in der Praxis aber zum Abhören des gesamten Telefonverkehr auch in den USA eingesetzt wurde.

Ich kann mich nicht erinnern, mal gehört zu haben dass sich jemand als "guter Deutscher" bezeichnet, aber die Formulierung "guter Amerikaner" habe ich schon oft gehört. Mich würde mal interessieren was man tun muss um ein "guter Amerikaner" zu sein, vielleicht interessanter wäre wohl, was man sein muss um ein "guter Deutscher" zu sein. "Gut" ist vielleicht noch am ehesten definierbar. Vielleicht reicht das Einhalten aller Gesetze aus? Vielleicht etwas mehr wie das tun für das Allgemeinwohl, persönlich oder durch Geld/Sachspenden? Interessanter ist natürlich der nationale Aspekt, also was unterscheidet einen guten Deutschen von einem guten Amerikaner? Ist er fleißiger, sparsamer als dieser? Oder bescheidener, freundlicher? Was meint ihr charakterisiert einen guten Amerikaner und einen guten Deutschen?

21.2.2015: Terror

Der Begriff Terror ist ja seit einem Jahrzehnt dauernd in den Nachrichten, vor allem als islamistischer Terror. Wenn ich den Begriff höre, dann denke ich allerdings (immer noch) an den Terror durch die RAF, Ende der siebziger Jahre. Dafür gibt es auch Gründe. Der eine ist, das sich Ereignisse aus der Jugend irgendwie besser ins Gedächtnis einprägen, als spätere. Das zweite ist die Nähe. Zwar sind durch den islamistischen Terror viel mehr Menschen ums Leben gekommen also durch die RAF, aber das geschah in New York, Madrid, London, weit weg von hier. Die Folgen des Terrors der RAF habe ich damals dagegen hautnah mitbekommen: Polizisten mit Maschinenpistolen (zumindest an bestimmten Orten) gehörten eine Zeitlang zum Straßenbild und Stammheim und der Entführungsort von Schleyer liegen in örtlicher Nähe zu meinem Wohnort und nicht Hunderte oder Tausende Kilometer entfernt.

Geht man historisch zurück, so ist der Begriff vielseitig verwendet worden. Im dritten Reich bezeichnete Göbels die Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten als "Terrorbomber" und nach der (allerdings erst Jahrzehnte später verabschiedeten UN-Resolution 1566 hat er recht. Dort heißt es:

„terroristische Handlungen solche, die mit Tötungs- oder schwerer Körperverletzungsabsicht oder zur Geiselnahme und mit dem Zweck begangen werden, einen Zustand des Schreckens hervorzurufen, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder etwa eine Regierung zu nötigen und dabei von den relevanten Terrorismusabkommen erfasst werden“.

Nun ja die Tötungsabsicht der "Terrorbomber" ist unverkennbar, auch das man die Bevölkerung einschüchtern wollte oder einen Zustand des Schreckens hervorrufen wollte. Noch älter ist die erste mir bekannte Verwendung zu Ende der französischen Revolution, als diese in die "Terrorherrschaft" abglitt und jemand wegen kleinster Vergehen aufs Schafott kommen konnte.

Nimmt man nur die Ereignisse in den letzten Jahrzehnten, also nach dem zweiten Weltkrieg, so hat in meinen Augen Terror viel mit Psychologie zu tun. Nehmen wir die Folgen des RAF-Terrors. 34 Menschen bezahlten diesen Terror mit ihrem Leber (Opfer), das über einen Zeitraum von rund 20 Jahren. Das Risiko für die Allgemeinheit, aber selbst für Personen in Ämtern oder Führungspositionen die ja Ziel waren, ist also überschaubar klein. Vergleicht man dies mit den Opferzahlen durch andere vermeidbare Risiken wie Alkohol, Tabak, Drogen oder (gerne unterschätzt) mangelnden Sicherheitsmaßnahmen im Haushalt.

Eine andere Dimension hat der islamistische Terror (in der westlichen Welt). Da gab es seit 2001 vielleicht 4000 Opfer, hundertmal mehr als bei der RAF, aber selbst wenn man nur die USA nimmt und nur das Jahr 2001 mit den Anschlägen auf die Twin-Towers, dann ist das durch Terror induzierte Zusatzrisiko klein. Bei 300 Millionen Einwohner sterben alleine statistisch rund 4 Millionen pro Jahr, die 2773 Toten durch die Anschläge erhöhen das Risiko im Jahr 2001 um nur 0,1%.

Physiologisch ist das leicht erklärbar. Wir neigen dazu sowohl die Chancen wie Risiken sehr seltener Ereignisse sehr hoch einzuschätzen, wie auch die Eintrittswahrscheinlichkeit von Ereignissen die viel häufiger sind zu unterschätzen. Dazu zwei Beispiel: Millionen spielen Lotto, mit der Hoffnung auf einen Sechser, dessen Chancen bei ca. 1: 14 Millionen liegen. Genauso hat man Angst vom Blitz getroffen zu werden oder von einem Haifisch angefallen zu werden, macht sich aber keine Gedanken darüber, dass man beim Gardinenaufhängen von der Leiter fallen kann (erheblich wahrscheinlicher) und beachtet da daher oft nicht die nötigen Vorsichtsmaßnahmen.

Besonders schlimm ist das man in den meisten Staaten Terrorakte dazu nutzt die Freiheit der Bürger zu Beschneiden. In den Siebzigern war dies die Rasterfahndung (für die damalige Zeit sogar recht fortschrittlich: man holt die Daten von Meldeämtern, Stromversorgern etc. und verknüpft sie: Terroristen haben kein Konto, weil sie für die Eröffnung den Personalausweis vorzeigen müssen, also machen sie alles in Bar, zahlen auch Strom und Wasser so, Sie sind natürlich auch nicht gemeldet. Kombiniert man die Daten verschiedener Stellen so bleiben alle übrig, die nicht gemeldet sind und alles bar zahlen und darunter sollten die Terroristen zu finden sein). klar Datenschutz ist was anderes. Noch schlimmer wurde die Überwachung nach 911. Sowohl in den USA, wo sich bis heute niemand drüber aufregt das die NSA nicht nur Ausländer abhört (Nicht US-Bürger haben dort ja keine Menschenrechte, die Einteilung der Bevölkerung in "gute Amerikaner" und "Andere Menschen" hat dort Tradition, so hatten auch mal Schwarze und Indianer dort nicht die gleichen Rechte wie die anderen US-Bürger) sondern auch US-Bürger.

Bei uns hat man mit der Vorratsdatenspeicherung und einer Inflation von Abhörgenehmigungen reagiert. Das erstere ist inzwischen gekippt worden. Das letztere ist weitgehend unwirksam. Das zeigten auch die Ereignisse in Paris: Die Attentäter waren polizeibekannt, verhindern konnte diese Kenntnis aber nichts.

Was der Staat damit bezweckt, ist meiner Ansicht nach weniger der Schutz vor Terrorismus als vielmehr Aktionismus: man muss zeigen, dass man was tut, auch wenn es nichts nützt, dafür aber viele einem unnötigen verdacht aussetzt. (Vom Nebeneffekt dass man die Daten auch für andere Zwecke nutzen kann, ganz zu schweigen). Es ist meiner Ansicht nach der falsche Weg und nicht überall reagiert man so. In Norwegen hat man nach dem Amoklauf auch nicht die Gesetze verschärft. Ich glaube auch die Bevölkerung würde es verstehen wenn Merkel mal sagt "Unsere Polizei ist gut aufgestellt und kompetent. Sie kann aber nicht jeden vor jedem Ereignis schützen. Bevor wir in einen Überwachungsstaat abgleiten, halte ich es für besser, dass sicher jeder vergegenwärtigt, dass es keinen 100% Schutz vor Terrorismus gibt. Es bleibt ein Restrisiko genauso wie bei anderen Dingen im Leben wie einem Asteroideneinschlag oder einem Hochwasser". Voraussetzung wäre natürlich dass die Polizei wirklich so gut aufgestellt ist. Das soll sie nämlich nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizisten nicht sein. Man hätte viele Stellen in den letzten Jahren gestrichen.

Aber Vorratsdatenspeicherung klingt eben besser und nach mehr Aktion.

22.2.2105: Kampflugkörper "Trottellumme"

Eigentlich war es nur als Scherz gedacht. Als ich den Beitrag in Münchhausens Kolumne verfasste über die neue Ausrüstung der Bundeswehr, die vor allem auf den Umbauten von zivilen Fahrzeugen/Flugzeugen basierte, habe ich noch auf den Kommentar von Anja die Trottellumme skizziert. Sie sollte auf der Fieseler Fi 103, besser bekannt als V1 basieren. Beim Durchlesen des Wikipedia Artikels kam mir der Gedanke, dass eine moderne Fi 103 sogar eine ideale Lösung für ein Problem der Bundeswehr ist. hier ein paar Fakten über die aktuellen Konflikte:

Zur Technik: Die Fi 103 ist eine fliegende Bombe mit einer einfachen Tragflächen, Höhenleitwerk, aber ohne Querruder. Antrieb ist ein Verpuffungsstrahltriebwerk (Benzin wird in ein Rohr eingespritzt, verdampft und durch einen Zündfunken entzündet. Es findet somit eine gepulste Verbrennung statt, die heiße Luft treibt durch das Strahlrohr die Maschine an). Gestartet wurde sie über ein Katapult.

Die Reichweite betrug rund 360 km, was ausreichend ist, auf Kosten der Sprengladung kann man mehr Treibstoff zuladen.

Den Hauptnachteil der Zielgenauigkeit kann man heute ausgleichen. Die V1 konnte man nur vor dem Start eine bestimmte Flugstrecke vorprogrammieren, indem man die Drehzahl eines Meßpropellers vorgab. Heute kann ein einfacher GPS-Empfänger, wie er in jedem Handy vorhanden ist, die genauen Koordinaten liefern. Ein  einfacher Microcontroller kann basierend auf diesen Daten den Kurs zum Ziel berechnen und über einen Motor die Höhen- und Querruder steuern. Dort angekommen geht sie in den Sturzflug, wobei man bei der geringen Geschwindigkeit (etwa 630 km/h) gute Möglichkeiten hat mit dem Triebwerk auch hier nachzuregeln und ein Ziel mit hoher Genauigkeit zu treffen. Genau muss es bei 8409 kg Sprengstoff nicht sein, das riss bei den echten V1 einen 10-20 m großen und 3 m tiefen Krater. Vergleichen mit einem Marschflugkörper der seinen Weg basierend auf einer gespeicherten Karte mit Höhenrelief sucht und zum Schutz vor Abschuss dauernd in geringer Höhe über dem Boden fliegt ist die Konstruktion enorm einfach und daher auch preiswert.

Man kann den Flugkörper noch verbessern und die Sprengladung durch kleine Sprengbomben ersetzen die kurz vor dem Aufschlag (oder beim Überflug in geringer Höhe) ausgeworfen werden und so einen Teppich von kleinen Sprengladungen legen (sehr effektiv gegen nur wenig gepanzerte Ziele)

Sicher können auch Bodentruppen mit Flak oder Surface-Air Missiles sie leicht abschießen, aber selbst im zweiten Weltkrieg, als es um einiges mehr an Flak als heute gab, kamen über die Hälfte der V1 durch und Flugabwehrraketen sind teuer als die V1 und irgendwann auch alle aufgebraucht. Dann startet man einfach mehr Trottellummen. Gegenüber der preiswerten V1 muss man nur einen handelsüblichen  GPS-Empfänger, einen Microcontroller (gibt es mit der Leistung eines Pentium-III schon von Intel als "Edison" für 50 Euro), Querruder und einige Motoren zur Betätigung der Ruder.

Da mag der heutigen Industrie vielleicht zu poplig sein, aber für ein Einmalfluggerät sollte man es so billig und einfach bauen wie nur möglich. Selbst eine billige, wärmesuchende Rakete wie die AIM 9 SideWinder kostet 262.000 bis 320.000 Dollar. Rechnet man den Kurs der Reichsmark (nach Wikipedia 6 Euro = 1 RM) auf die 3500 Euro um, so ist eine Fi 103 ohne Modifikationen zehnmal billiger, wenn die Modifikationen den Preis verdoppeln immer noch fünfmal billiger. Das ist ein krasser Gegensatz zu den sonstigen Waffen, die unbemannt sind.

der absolut wichtigste Vorteil ist aber der, dass die Bundeswehr selbst nicht ins Krisengebiet einrücken muss. Es reicht die Trottellumme von einem Nachbarstaat aus abzufeuern. Die Reichweite betrug 250-280 km bei 580 l Tankkapazität. Versionen mit größeren Tanks wurden entwickelt, konnten aber nur von Flugzeugen aus abgeworfen werden (waren wohl für den Katapultstart zu schwer). Immerhin, rechnet man den Treibstoffverbrauch linear (nicht gegeben, da die fliegenden Bombe ja laufend leichter wird, also müsste die Reichweite eher ansteigen) so würde man bei 500 kg Sprengstoff schon 400 km Reichweite und bei 250 kg rund 510 km Reichweite erreichen. Das wäre sicher für die meisten Konflikte ausreichend. Bei einer Länge von 48 m wäre die Startrampe auch sicher noch auf einer Korvette montierbar (man könnte einen Raketenantrieb als Starthilfe montieren, doch dann verliert man den Kostenvorteil) oder man wirft sie eben vom Flugzeug aus ab, das ginge auch mit nicht militärischem Gerät (siehe Pegasus Start).

Vielleicht doch überlegenswert die Idee...

 


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