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Web Log Teil 42 : 29.10.2007-5.11.2007

Montag 29.10.2007: Chinas Weltraumprogramm

So, da bin ich wieder, nach einer Woche Arbeitsurlaub in meinem Ferienhaus. Zweimal im Jahr muss ich da nach dem Rechten sehen, Großputz machen, Unkraut jäten, die Terrasse reinigen und diesmal noch 9 bäume setzen, was bei den Temperaturen knapp über 0 Grad und dem lehmigen, steinigen Boden kein Zuckerschlecken ist. Gottseidank gibt es am Donnerstag einen Feiertag und ein verlängertes Wochenende.

Ich will mal auf ein paar Kommentare eingehen. Es gibt sicher nicht mehr so viel neues in der Raumfahrtsektion. Das hat mehrere Gründe. Zum einen halte ich mich nicht für DEN Raumfahrtexperten. Ich interessiere mich für Trägerraketen und Raumsonden, beschränkt noch für wissenschaftliche Satelliten. Bei den ersten beiden Themen habe ich eigentlich alles abgehandelt was es gibt, viel neues wird es da nichts geben. Trotzdem tut sich was, so gibt es auch Aufsätze über die vier neuen Mondsonden LCROSS, LRO, Chandrayaan und Chang E'.-1.

Das zweite ist der Aufwand. Ein Artikel über eine normale Raumsonde, nicht eine besonders große Mission enthält ungefähr 20-30 Stunden Recherche Arbeit, bei Sonden wie Cassini kann man durchaus von einigen Arbeitswochen sprechen. Schon alleine deswegen ist es nicht möglich jeden Tag etwas neues zu bringen. Ich bin froh wenn ich einen Artikel alle 1-2 Wochen schaffe.

Weiterhin habe ich natürlich auch so viel zu tun. Seit ich abgenommen habe, betreibe ich Sport - das kostet nicht nur Zeit, danach bin ich auch meistens zu müde um am Computer zu recherchieren und derzeit programmiere ich wieder an meinen Programmen und entwickele gerade eine Art universelle Skriptsprache zur Ablaufsteuerung, da dies bei zwei Anwendungen anstand (Filesync und dem SmartEditor). Das erlaubt es öfters gemachte Sachen zu automatisieren. Kurzum: Ich habe viel zu tun.

Es gibt aber Hoffnung: Ich lese derzeit das Buch "Mission Jupiter - The History of the Galileo Project" und arbeite die Erkenntnisse sukzessive in meine Galileo Aufsätze ein, daneben gibt es ein paar Aufsätze an denen nach und nach auch gearbeitet wird. Unglücklicherweise wird meine Schaffenswut von einer defekten WLAN Karte derzeit etwas gebremst.

Natürlich interessiert mich ob meinen Blog jemand liest. Nachdem ich ihn mehr als ein Jahr ohne direkte Kommentarmöglichkeit gefahren habe und gerade das dann gewünscht wurde und mich dazu gebracht hat ihn als Wordpress Kommentar zu veröffentlichen, wunderte ich mich eben über die geringe Reaktion. sicher bleibt er aber so wie er mal gedacht war: Als ein Becken von Gedanken und Ideen die nicht wichtig genug für einen Artikel sind.

Machen wir an der Stelle gleich weiter: Dem Chinesischen Weltraumprogramm. Letzte Woche startete ja Chang'E-1: Wie immer beim China wurde der Start nicht life übertragen, diesmal aber einen Tag vorher angekündigt. Wer versucht über chinesische Missionen genauere Informationen zu finden tut sich schwer - egal ob es sich um die Trägerrakete, kommerzielle Satelliten oder wissenschaftliche Missionen handelt. Bei Chang' E-1 war es besser, da zumindest einige Kerndaten der Experimente von den Wissenschaftlern bei internationalen Konferenzen vorgestellt wurden.

In vielem wirkt Chinas Politik aber wie die Russlands vor der Öffnung durch Gorbatschow: Es gibt nur Informationen nach erfolgten Starts, sie sind kurz und das wichtigste scheint zu sein zu sagen "Wir können es auch", aber nicht wie. Warum ist mir ein Rätsel. Laien können Daten schlecht mit anderen Missionen oder Trägern vergleichen, werden aber vielleicht positiv überrascht über die Offenheit die man an den Tag legt. Experten können aus den wenigen veröffentlichten Daten durchaus die Leistung beurteilen. Man braucht sich bei Experimenten die es an Bord von Chang'E -1 gibt und dem Lunar Reconnaissance Orbiter in ähnlicher Form auch einfach mal einen Vergleich ziehen und bekommt einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit. Oder man stellt erstaunt fest, dass die Booster der CZ-2E/2F den Ariane 4 Boostern doch so ähnlich sind, bis hin zu den Abmessungen und dem Schub des Triebwerks ....

Das Mondprogramm Chinas beginnt mit Chang'E - 1, ihm soll 2010 ein Rover folgen und bis 2020 eine Bodenprobenrückführung zur Erde. Manche Wissenschaftler munkeln sogar von einem bemannten Start um 2028-2030. Eine internationale Zusammenarbeit wie es sie bei Indien gibt, wo europäische und amerikanische Experimente mitfliegen ist nicht geplant, ebenso wenig wie im bemannten Raumprogramm wo die Chinesen nachgebaute Sojus Kapseln starten. Es macht auf mich vor allem den Eindruck eines "Ich kann es auch" Programmes. Wie bei Russland vor einigen Jahrzehnten geht es vorwiegen darum zu zeigen, dass man mithalten kann, weniger darum sinnvolle Forschung zu betreiben. Angesichts der Situation der ISS wäre sicher eine Zusammenarbeit in diesem Projekt mit den USA, Russland, Europa und Japan nicht schlecht, doch man startet lieber eigene Astronauten auf Kurzzeitmissionen in kleinen Kapseln. Bei der Monderforschung wird Chang'E-1 sich mit dem LRO messen müssen und da sind seine Experimente um einiges schlechter als die des LRO. Vielleicht ändert es sich noch. Wenn China beispielsweise Bodenproben zurückführt und man gewinnt diese wie bei Luna 16,20 oder 24 ohne eine gezielte Probenentnahme durch ein mobiles Gefährt so ist der Nutzen weitaus geringer als er sein könnte. eine Zusammenarbeit Mut einem europäischen oder amerikanischen Rover, der Proben entnimmt würde allen nützen.

So wie es jetzt ist, ist es ein teurer Alleingang Chinas.

Dienstag 30.10.2007: Alles Core oder was?

Dual CoreSeit einigen Wochen gibt es den ersten Quadcore Prozessoren von Intel - noch im hochpreisigen Segment. Bis 2008 erwartet man, dass er den Dual Core im normalen Preissegment ersetzt und selbst die Celeron Prozessoren werden dann Dualcores sein. Ende 2008, wahrscheinlich aber eher 2009 kommen dann Prozessoren mit 8 Kernen.

Die Frage ist: wem nützt dies? Nun mehrere Prozessoren an ein und dieselbe Aufgabe zu setzen ist nichts neues. Großrechner und Supercomputer bestehen seit langem aus vielen Prozessoren. Die größten aus über 10.000 Stück, wobei diese dann auch mehrere Recheneinheiten auf dem Chip haben können.

Allerdings gibt es einen Unterschied und zwar in den Anwendungen die abgearbeitet werden. In Supercomputern sind es vorwiegend Simulationen: Simulationen haben eine Eigenschaft: Es wird ein und dieselbe Rechenvorschrift mit vielen verschiedenen Daten durchgeführt. Nehmen wir ein Klimamodell: Es zerlegt die Erde in lauter kleine Quadrate, und in der Vertikalen in Höhenschichten. Typisch sind 300 km Maschenweite für ein Quadrat und etwa 20 Atmosphärenschichten. Für jedes dieser Elemente wird dann berechnet wie die Wechselwirkung von Erde, Wasser, Sonne und andere physikalische Einflüsse das Wetter beeinflusstm für einen bestimmten Zeitraum. Danach schaut man wie es in den Nachbarzellen aussieht und welche Übergänge es gibt durch Strömungen und berechnet mit diesen neuen Ausgangswerten den nächsten Zeitschritt. Nun ist klar, dass diese Aufgabe hochgradig parallel ist: Man könnte im Prinzip für jede Zelle einen Prozessor beschäftigen, da er nur am Ende seiner Aufgabe sich mit den nächsten Umgebungsprozessoren über Datenaustausch synchronisieren muss.

Wenn sie eine Webpräsenz, aber keinen eigenen Webserver haben, dann sind sie Kunde einer anderen Parallelität. Auf einem Rechner mit einigen Prozessoren läuft ein Webserver wie z.B. Apache, der pro gehosteter Website einen Thread, also einen leichtgewichtigen Prozess startet. Der lauscht an ihrer IP und wenn jemand eine Seite haben will, dann wird er aktiv, fordert die Seite von der Festplatte oder dem RAM Cache an, wickelt das Protokoll ab und sendet sie dann zu ihrem Benutzer. Dies ist eine andere Art von Parallelität: Die Aufgabe wechselt dauernd, entsprechend dem Inhalt der Website (manche mit aktiven Inhalten, andere ohne, Bilder oder keine, langsame oder schnelle Anbindung) aber jeder Thread ist von dem anderen unabhängig. Üblich sind etwa 100 Threads pro CPU, Tendenz steigend.

Wie sieht es dagegen auf dem Desktop aus? Natürlich gibt es hier Anwendungen die viel Performance brauchen. Manches Hintergrundprogramm wie der Virenscanner braucht auch viel Performance. Wenn man 2 Cores hat, kann man flüssiger arbeiten wenn eine Anwendung viel Rechenleistung braucht. Bei 4 oder 8 Anwendungen sieht es anders aus. Ich kenne wenige Benutzer die so viele rechenintensive Anwendungen haben und wenn sie auf die Idee kommen, diese gelichzeitig zu starten wirkt sich dann bald die Festplatte als Flaschenhals aus - irgendwo müssen die Daten ja herkommen. Wenn mein Computer blockiert ist, so sind es meist Anwendungen die viel von der Festplatte lesen - und die werden so nicht schneller.

Es wird Anwendungen geben, die davon profitieren. Spiele können das Rendern der Szene zwischen den Prozessoren aufteilen, tun dies heute aber noch nicht besonders gut, obwohl diese Technologie lange angekündigt war. Es lohnt sich heute mehr in eine bessere Grafikkarte zu investieren als in einen besonders teuren Prozessor, zumal diese für diesen Job spezialisiert ist und ihn noch schneller kann als ein Prozessor (Topmodelle haben bis zu 256 Recheneinheiten auf der Grafikkarte, da sieht ein Dualcore mit 2 Kernen und etwa 8 Einheiten recht schwach dagegen aus) Dann gibt es noch den Job der Videokodierung und Bearbeitung - doch wie viele Leute machen das wirklich?

In gängigen Anwendungen wie Office Paketen, Browser oder Grafik kann man sicher das eine oder andere parallelisieren. Eine Rechtschreibprüfung beim Eingeben, ein Abholen von RSS Feeds neben dem Surfen, ein Filter der im Hintergrund ein Bild verfremdet - doch fast alle diese Dinge brauchen schon heute wenig Rechenleistung und für Office und Internet braucht man schon heute keinen besonders schnellen Rechner.

Das Problem ist nicht neu: Praktisch alle Erweiterungen welche die x86 Architektur bekam, brauchten Jahre, bis sie allgemein eingesetzt wurden. So gibt es seit 3 Jahren einen 64 Bit Modus, und Vista ist nun auch 64 Bittig zu haben - doch was gibt es an Anwendungen dafür? Da der Takt nicht mehr gesteigert werden kann (Spitze sind nun 2.6 GHz, Einkernprozessoren haben schon 3.8 GHz erreicht) wird man eine höhere Geschwindigkeit aber nur durch mehr Kerne bekommen. Das erhöht den Druck auf die Softwarehersteller. Anderseits zeigt Microsoft mit seinem etwas seltsamen Benutzerkonzept bei Windows Vista dass man die Anforderungen der Benutzer auch konsequent ignorieren kann und dies über Jahre, wenn man eine gewisse Marktmacht hat.

Das zweite was natürlich dazu kommt ist, dass bei immer mehr Kernen der Verwaltungsaufwand exponentiell steigt, wie Gene Amdahl schon in den sechziger Jahren feststellte. Vereinfacht gesagt: In der Praxis müssen die Prozessoren sich austauschen: Um Daten auszutauschen, auf den anderen zu warten oder um den Cache und die Speicherbandbreite möglichst effizient zu nutzen. Das steigt bei immer mehr Prozessoren immer stärker an. Beim deutschen Wetterdienst rechnet man bei den Simulationen auf tausenden von Prozessoren nur mit 6-15 % der maximal verfügbaren Rechenleistung als Dauerleistung. Das sind doch sehr ernüchternde Zahlen.

Mal sehen was die Zukunft bringt....

Freitag 2.11.2007: Herausforderungen und Pflichten

In der letzten Woche war ich auf "Arbeitsurlaub" in meinem Ferienhaus in Nesselwang. Das ist zweimal im Jahr fällig um es in Schuss zu halten und die Arbeiten zu erledigen die man am eigenen Haus auch hat. Der Großputz innen, das Entfernen von Unkraut und Reinigen von Wegen und Terrasse mit einem Hochdruckreiniger und Arbeiten im Garten. Das alles sind Dinge die ich daheim sehr ungern mache und aufschiebe so lange es geht. Entsprechend graut es mir auch davor und ich schiebe die Fahrt dahin auch vor mich hin.

Das erstaunliche ist: Sobald ich dort bin, hat sich alles geändert: Ich habe ein 4-5 Tages Programm das feststeht und das ich nach und nach durchführe. 1-2 Tage sind dann immer noch zum Erholen vorgesehen. Ich habe kein Problem dinge zu machen die ich daheim absolut hasse, wie das penible Putzen der Rillen zwischen den Kacheln im Bad, das Rauszupfen des Umkrautes zwischen den Platten, egal bei jedem Wetter. Diesmal war es besonders stressig, weil die Temperaturen rund um den Gefrierpunkt lagen und bei mehr Arbeit (es waren 9 Sträucher in den steinigen und lehmigen Boden zu setzen) und verkürztem Aufenthalt, so dass die Woche nur aus Arbeit bestand.

Das zweite was in der letzten Zeit auf mich zukam war ein Angebot der Firma, bei der ich als Student arbeitete, das damals entwickelte Diagnosesystem an Windows Vista anzupassen und zu erweitern. Auch dieses unterscheidet sich in einem von meinen anderen Programmen: Es ist weitgehend fehlerfrei und hat einige Optimierungen hinsichtlich Bedienungsfreundlichkeit hinter sich. Bei meinen eigenen Programmen begnüge ich mich, wenn sie das tun was ich möchte, manchmal gibt es einige Fehler, die dann irgendwann auftauchen und beseitigt werden (auf kosten neuer Fehler) und dann werden die Programme immer undurchsichtiger durch mehr und mehr Features, bis ich mich bequemer größere Teile neu zu schreiben.

In beidem unterscheidet sich eines von dem was ich normalerweise tue: Ich mache es für andere - natürlich spielt auch Geld eine Rolle, aber das ist eigentlich zweitrangig. Eigentlich sollte man meinen, dass man immer das beste gibt oder sich für etwas voll einsetzt, aber dann fehlt irgendwo die Rückmeldung und dadurch die Motivation.

Ich gehöre zu denen die sich in etwas was sie wirklich interessiert enorm engagieren können - siehe diese Website. Wenn mich aber etwas nicht interessiert so ist es nur schwer für mich möglich viel Arbeit in etwas hinein zu stecken oder mich dafür zu begeistern. Das ist manchmal sehr kontraproduktiv. So hasse ich es Korrektur zu lesen und lasse lieber einige Fehler in den Aufsätzen, oder ich bleibe seit 20 Jahren bei meiner Lieblingsprogrammiersprache - zumindest wenn ich die freie Wahl habe. Da ich dadurch in dieser recht gut bin, habe ich dies aber auch meistens.

Es gibt aber auch noch einen zweiten Aspekt. Dies ist der Ablenkungsfaktor. In unser Ferienhaus gehe ich alleine, da ich kein Auto habe, gibt es nicht die Möglichkeit durch die Gegend zu gondeln und in der DSL Wüste Allgäu gibt es auch kein Internet (Ich habe mal erwogen einen PC für die Gäste dort aufzustellen, und das fehlende Internet war schließlich der Grund warum ich es gelassen habe). Kurzum: Ich habe die Wahl zwischen Fernsehen und Arbeiten. Wer das Fernsehprogramm kennt, der kann sich denken warum ich dann doch lieber arbeite, zumal als Ergebnis dann ja auch eine schönes, gepflegtes Haus herauskommt.

Daheim schlägt die Faulheit wieder zu: Ich habe sich etwa 1000 Fotos vom Haus und der Umgebung gemacht in den letzten 3 Jahren. Aus denen muss ich nun noch die richtigen für die Website raussuchen - das schiebe ich seit Jahren vor mich hin und es werden immer mehr Bilder. doch für dieses Wochenende habe ich es mir vorgenommen. Mal sehen was draus wird....

Samstag 3.11.2007: Deutschland und die Kinder

Vor ein paar Tagen habe ich einen Beitrag über einen Gastwirt in Bayern gesehen, der in seinem Lokal eine Regelung eingeführt hat, nach der Kinder unter 12 keinen Zutritt haben. In der Gemeinde trifft dies auf Ablehnung und Empörung und hat sogar eine Gegenanzeige von anderen Gastwirten bewirkt, bei denen in deren Lokalen Kinder ausdrücklich erwünscht sind.

Genauso hat der Restaurantbesitzer den bayrischen Gaststättenverband nun gegen sich, während das Echo im restlichen Deutschland wohl vorwiegend positiv ist. Sieht man es mal objektiv, so ist doch das Ausschließen von bestimmten Personengruppen heute schon gang und Gäbe: In Discotheken ist eine "Gesichtskontrolle" üblich. Wenn es einen Überschuss an männlichen Besuchern gibt (was öfters vorkommt)  werden diese kategorisch abgelehnt. Es gibt Restaurants in denen man nicht Rauchen darf, andere lehnen Besucher ab, wenn sie annehmen dass die Ärger machen oder schon angeheitert auftauchen. Es gibt Restaurants nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen bei denen man als Deutscher "unerwünscht" ist und - als Krönung - es gibt auch Restaurants speziell nur für Eltern mit Kindern, in denen man also ohne Kind nicht reinkommt!

Was die Leute empört, ist dass es der Gastwirt wagt, sich offen gegen Kinder auszusprechen. So was macht man nicht, schließlich will man ja kinderfreundlich sein... Sieht man es aus der Sicht des Gastes so ist es derselbe Grund, wie bei der Kontrolle in der Disco: Man möchte in Ruhe essen. Zu einem guten Essen gehört nicht nur die Qualität der Speisen, sondern auch das Ambiente. Das wird von der Wirtschaft, dem Personal, aber auch den Gästen ab. Ich brauche mich nur an meine Nichten und Neffen erinnern, als sie noch klein waren. Das Theater beim Bestellen, dann wollten sie plötzlich nicht das bestellte Essen, sondern das des Nachbarn. Dann die Tischsitten: Das Essen mit der Hand, und meistens wurde es dann zu langweilig und sie wurden laut und quengelig. Aus Sicht des Gastes ist das genauso eine Belästigung wie durch Raucher - und gegen die darf man sich ja auch wehren.

Der wahre Grund ist, das das Thema Kinder bei uns nicht neutral diskutiert werden kann: Jeder weis es: Die Geburtenzahlen sinken und Deutschland gilt nicht als kinderfreundlich. Nun am Verhalten der Leute kann man sicher nichts ändern, aber wohl am politischen Umfeld. Warum ist den dem so - und warum ist es in anderen europäischen Ländern nicht so ? Sagen wir es mal deutlich: Kinder bekommen muss man sich leisten können. Es bedeutet neben den Kosten die auf jeden Fall durch Kinder auf einen zurollen (und die mit steigendem Anspruchsniveau in den letzten Jahrzehnten immer größer werden) immer noch, das ein Elternteil in der Regel für viele Jahre keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann und sich das Einkommen so drastisch reduziert. Als Folge ist es sehr schwierig nach einigen Jahren erneut im Beruf Fuß zu fassen, weil sich in den meisten Berufen sehr schnell sehr viel ändert.

Doch es geht auch anders: Tun wir doch mal einen Blick über den Rhein: In Frankreich gibt es praktisch ab dem Kleinkindalter eine Vollzeitbetreuung für Kinder, durch Ganztagsbetreuung, Kinderkrippen, Kindergarten und Ganztagsschule. Ein Kind zu bekommen bedeutet dann in der Regel für die Frau nicht die berufliche Endstation Hausfrau, sondern eine Unterbrechung im Beruf für 2 Jahre und dann geht es weiter. Ich halte das für ein gutes Modell auch für Deutschland. Anstatt Kindergeld zu zahlen sollte der Staat dafür sorgen, dass eine Ganztagsbetreuung auch in Deutschland möglich ist. Das würde als Nebeneffekt auch vielen arbeitslosen Sozialpädagogen, Lehrern und Kindergärtnerinnen einen Arbeitsplatz sichern. Das Geld dafür bekäme man durch die Steuern der nun arbeitenden Elternteile wieder rein, zudem muss dieser Service ja auch nicht umsonst für Besserverdienende sein. Weiterhin wäre es eine gute Gelegenheit die Steuerförderung zu überdenken: Anstatt wie bisher die Ehe steuerlich zu fördern sollte man Kinder durch Kinderfreibeträge und eben Förderung der Betreuung bezuschussen.

Solange sich in der Beziehung sich nichts ändert werden Kinder immer weniger werden und Kinder ein Reizthema bleiben.

Sonntag 4.11.2007: Maxi King - Allright?

Heute eigentlich nur eine Anmerkung zu dem wohl nervigsten Werbespot der zur Zeit läuft: Der von Kinder Maxi King. Ein Schwarzer in einem weisen Anzug und schwarzer Sonnenbrille und einer angeberischen Kette mit den goldenen Buchstaben "Maxi King" schreitet durch sein Anwesen, dazwischen rappen einige andere Schwarze mit Sonnenbrillen und man sieht schlanke, braungebrannte Frauen die Maxi King essen.

Der Spot erinnert mich an einen Rapper, der wohl einen Hit gelandet hat und nun sein Geld unter die Leute bringen muss oder mit der Kette wohl eher an einen Zuhälter und irgendwie an Thomas Anders (Wie komme ich nur darauf?). Die Frage ist wohl wenn der Spot ansprechen soll. Der typische Kunde der Kinderprodukte ist das Kind (die wenigsten Erwachsenen mögen die viel zu süßen und schokoladearmen Produkte) und die will man mit braungebräunten Schönheiten und Zuhältern ansprechen?

Dann gibt es nun den neuen Saturn Spot, nun mit einem neuen Motto "Wir lieben Technik und hassen teuer". Er beginnt mit einer Nacktaufnahme des Modells und die Enttäuschung folgt dann mit dem aggressiven Gesicht zugleich. Ich mochte schon die früheren Spots nicht. Wenn man Technik an Männer verkaufen will klappt das eher mit freundlichen einladenden Gesichtern, gab es da nicht mal ne Anzeigenserie die für Computer mit fast nackten Modells warb?

Was meint ihr: Welche Werbung ist sonst noch echt nervig oder geht meilenweit am Zielpublikum vorbei?

Montag 5.11.2007: Zukunftsprognosen im Allgemeinen und Speziellen

Kürzlich bekam ich eine Mail in der sich der Autor gegen meine Kritik an der Besiedlung des Mars aussprach, dabei fiel unter anderem das Argument, man sollte da nicht in Jahrzehnten, sondern in Jahrhunderten denken. Ich habe dann geantwortet, dass jede Prognose über Jahrhunderte schief gehen muss, einfach weil heute der technische Fortschritt so schnell voranschreitet. Wir alle kennen Spielfilme, in denen jemand aus der Neuzeit in vergangene Zeiten zurückbefördert wird und plötzlich werden aus Alltagsgegenständen "magische Dinge", weil sie jenseits der Technologie und selbst der Vorstellungskraft von Menschen aus dem Mittelalter sind.

Trotzdem bleibe ich bei meiner Aussage und zwar weil ich denke dass sie auch in 100 Jahren ihre Gültigkeit hat. Denn zwar entwickeln sich Wissenschaft und Technik weiter, aber mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Nehmen wir zwei Dinge welche für den Alltag sehr wichtig sind: Das Teilgebiet Mechanik der Physik und Chemische Reaktionen. In den letzten Jahren hat man keine wesentlichen neuen Erkenntnisse im Bereich der Mechanik gemacht. Entsprechend würde jemand, der vor 100 Jahren geboren wurde, mit vielen Dingen im Alltag, die auf den Gesetzen der Mechanik beruhen, gut zurechtkommen. Ein Auto ist heute zwar aerodynamischer und schneller als eines vor hundert Jahren, aber die Grundprinzipien des Otto Motors, der Kraftübertragung etc. sind die gleichen. Gebäude werden heute immer noch aus denselben Materialen wie vor 100 Jahren gefertigt und sind vielleicht besser gedämmt, jedoch nicht aus Papier oder Kunststoff gefertigt. Häuser von mehreren Kilometern Höhe sind statisch heute genauso unmöglich wie vor 100 Jahren und mit der Errichtung der ersten Wolkenkratzer hat man auch vor 100 Jahren begonnen. Das gleiche gilt für die Chemie mit einem etwas kürzeren Zeithorizont von etwa 70 Jahren. Seitdem wurden zahllose neue Moleküle entdeckt und sie bildeten die Grundlage für zahllose neue Stoffe. Die grundlegenden chemischen Reaktionen sind aber seit etwa 70-80 Jahren bekannt und ihr Wirkungsmechanismus etwa gleich lange verstanden. Die heutigen Erkenntnisse erlauben es den zeitlichen Ablauf besser zu verstehen und Details der Verbindungsbildung genauer zu untersuchen, wodurch man prinzipiell mögliche Reaktionen, die aber energetisch erst aktiviert werden müssen, durch Katalysatoren in einen Rahmen durchgeführt werden können, der wirtschaftlich interessant ist. Was sich nicht geändert hat, ist das instabile Verbindungen plötzlich stabil werden, wie z.B. Verbindungen zwischen Edelgasen und Alkanen.

Worüber man keine Aussage machen kann sind Entdeckungen die erst gemacht werden und die man nicht kennt. Jemand der vor 150 Jahren lebte hätte mit Strom, Mikroelektronik, Telekommunikation seine Verständnisprobleme. Doch ich denke das ist für jede Besiedlung eines Planeten nicht wesentlich. Dazu muss man Fabriken aufbauen, die enorme Mengen an Energie produzieren um die Atmosphäre zu verändern, Rohstoffe zu gewinnen etc. Sicherlich wird man nach einer Anfangsanlage autark sein und dann folgende Anlagen aus den Rohstoffen dort produzieren können, doch wer einmal eine Anlage für Stahlproduktion oder eine Erdölraffinerie gesehen hat weiß, dass wir hier von Zigtausenden von Tonnen Material reden.

Es gibt heute Nanotechnik mit der man Motoren auf kleinstem Raum konstruieren kann, auch kleine chemische Reaktoren. Doch die Materialen aus denen sie bestehen - Stahl, Aluminium, Silizium werden in großen Anlagen erzeugt. Die Anlagen zur Ätzung und Photobelichtung der kleinen Elemente sind immerhin Schrankgroß. Wir kennen heute keinen Weg dies im Kleinen zu bewerkstelligen. Nur die Montage der Nano-Zahnräder, Schrauben und Achsen können Nanoroboter durchführen. Daran wird sich auch nichts ändern. Wenn wir ansehen was passiert bei der Gewinnung von Eisen: wir verbrennen Kohlenstoff mit Eisenoxid, wobei das Kohlenmonoxid das Eisenoxid zu Eisen reduziert. Dies geht um so effektiver, je größer unsere Anlage ist: Die Reaktion erfolgt bei über 1000°C und die Wärmeabgabe an die Umgebung ist um so kleiner, je größer die Anlage ist. Mikrotechnik ist hier praktisch nicht möglich, weil wir hier zu viel Energieabgabe an die Umgebung haben. Dies gilt für viele andere chemische Umsetzungen im gleichen Maße. Es gilt also relativ große Mengen an vorproduzierten Rohstoffen oder Anlagenteilen zu einem Planeten zu befördern. (Das ist der Grund warum Stahlwerke so groß sind).

Die Hoffnungen, dies könnte einmal einfacher als heute gehen, muss ich aber auch im Keim ersticken: Es gibt zwar zahlreiche Alternativen zum chemischen Treibstoff, aber alle funktionieren nur im Raum. Die Beschleunigung ist zu gering, um von der Erdoberfläche abzuheben und zwar systembedingt. Atomare Antriebe, wie schon der entwickelte thermische  Nuklearantrieb -  oder zumindest vorstellbar - die Zündung von Atombomben zum Vortrieb oder die Kernfusion durch Laser - scheitern an der Verseuchung des Startplatzes. So werden wir auf den chemischen Antrieb angewiesen sein, um Dinge in den Orbit zu befördern. Dessen Leistung ist aber bekannt - und wieder ein Beispiel wie man theoretische Aussagen lange vor der technischen Umsetzbarkeit machen kann - schon Ziolkowski konnte, bevor das erste Triebwerk mit flüssigen Antrieb entwickelt wurde, vorhersagen, dass die Verbrennung von Wasserstoff und Sauerstoff der effizienteste Treibstoff ist. Doch selbst bei diesem und einem wiederverwendbaren Gefährt, mit einem Nutzlastanteil von einem Drittel, wird man niemals mehr als 2 % der Startmasse als Nutzlast befördern können.

Es mag sein, dass Energie in einer fernen Zukunft recht preiswert ist - Bei den Entwicklungskosten für den ersten Fusionsreaktor, die nur international aufgebracht werden können - wage ich das zu bezweifeln, und Strom aus Kernenergie ist auch nicht so viel billiger als der aus Kohle erzeugte - aber selbst dann braucht man für den Transport ein Vielfaches der Energie, die man braucht um Wasser zu entsalzen, es über lange Distanzen zu transportieren und auf der Erde bislang unbewohnbare, trockene Wüsten in Ackerland zu verwandeln. Um es auf einen Punkt zu bringen: Es wird immer viel einfacher sein, jedes Gebiet der Erde, welche schon über gemäßigte Temperaturen, eine atembare Atmosphäre und ausreichend Wasser (wenn auch nicht an jeder Stelle) verfügt, in ein bewohnbares Gebiet umzuwandeln als dies beim Mars zu tun.

Das Argument der Bevölkerungsexplosion und des daraus resultierenden Zwanges andere Planeten zu besiedeln, habe ich ja schon erörtert. In jedem denkbaren Szenario, ist es einfacher die Bevölkerung auf der Erde zu reduzieren, als auszuwandern. Vor allem: Für wie lange soll dies eine Lösung sein? Selbst im optimistischsten Fall, wird der Mars niemals mehr lebensfreundlicher sein, als die sibirische Taiga und dies nur rund um den Äquator. Wie viele könnten dahin auswandern? Und wie viel Prozent der Bevölkerung wären dies? Vielleicht kommt man in den einstelligen Prozentbereich, doch der dafür aufzuwendende Aufwand ist enorm. Es lohnt sich einfach wirtschaftlich nicht.

Oder um ein anderes Beispiel zu nehmen: Technisch möglich ist es heute aus Blei Gold zu machen: Mit Teilchenbeschleunigern wird der Traum aller Alchemisten wahr! Nur macht es keiner, weil die Produktion viel teurer ist als die Gewinnung von Gold aus Gestein. Das gleiche gilt auch für die Besiedlung des Mars.

Okay, mal wieder ein Rätselversuch: Wer ist das?


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